Als Anwalt kann man sich nicht immer aussuchen, wen man verteidigt, das ist klar. Aber man kann schon Mandate ablehnen, wenn man sie z.B. aus ethischen Gründen nicht vertreten möchte. Tun nicht alle Anwälte, aber manche.
Als ich mein Anwaltspraktikum machte - vor langer Zeit - sagte mir mein Ausbilder, ein erfolgreicher Anwalt in einer ganz kleinen Kanzlei, ich solle mal ein Mandantenschreiben durchlesen und sagen, was ich dazu meine.
Es ging um jemanden, der sich gegen den Lärm des angrenzenden, neu gebauten KiGa beschwerte, mit allen möglichen Argumenten, und dazu anwaltliche Hilfe brauchte.
Ich sagte dann (in jugendlichem Leichtsinn) zu dem Anwalt, nachdem ich es gelesen hatte: "Ich find den Typen total daneben!" Der Anwalt sagte: "Redet man so von möglichen Mandanten!? Ja - denn das ist ein A-Loch. Ich sag Ihnen jetzt was für Ihre spätere Laufbahn: Solche Mandate werfen sie in den Müll. Ganz egal, wie sehr Ihnen finanziell das Wasser zum Halse steht. Der soll einen anderen Anwalt suchen. Vielleicht bekommt er sogar Recht, Auflagen wegen Lärm oder so. Aber ich mach mir die Hände nicht schmutzig mit sowas, und das sollten Sie auch niemals tun."
Ich hab mir das immer gemerkt ... es hat mich beeindruckt. Habe immer versucht, mich daran zu halten :wink: