Ich bin dir noch eine Erklärung schuldig:
saurier danke für deinen Beitrag ich glaub der entschärft wirklich etwas die Gemüter. Zumindest bei mir ;-).
Was ich aber nicht verstehe, und das ist nicht böse gemeint, was erwartest du jetzt noch für eine Diskussion? [...]
Ich erwarte gar nichts, ich erhoffe mir, dass man sich mal Gedanken über die Argumente macht und die Schlussfolgerung dahinter versteht (wie es scheint, ist das bislang noch gar nicht angekommen, weil man gleich: "Das geht nicht!" - "Das machen wir nicht!" - "Das wollen wir nicht!" - "Das ist Unsinn!" schreit).
Ich versuche es noch einmal in Ruhe zu erklären:
Sinnfreie Vermehrung ist immer schlecht, also gilt es, dieser Einhalt zu gebieten. Das kann und muss auf ganz viele verschiedene Arten passieren. Zum einen sollte es in allen Gemeinden eine Kastrationspflicht geben, es sollte nach Möglichkeit einen Züchterführerschein geben, ohne den man nicht züchten darf, vor allem aber kann und muss das Ganze über Aufklärung auf allen Ebenen (
Tierschutz, Foren, TÄ etc.) laufen, denn nur ein aufgeklärter 'Konsument' ist in der Lage, zu überblicken, wo das Problem liegt.
Ich hoffe, dass wir uns soweit einig sind.
Und nun frage ich mich, wo genau die Aufklärung ist, wenn ich einer Katze einfach mal so eine Rasse andichte, denn nichts anderes ist es, wenn ich einer Katze NUR aufgrund ihres Aussehens, eine Rassekatze als Elternteil dazuschummele. Es heißt, dies sei zur "besseren Vermittlung" und auch, dass das den Käufern aber ganz egal sei und sie gar nicht wüssten, dass sich Rassekatze anders verhalten und sie durch solche Zusätze niemals auf die Idee kämen, den Katzen besondere Charaktereigenschaften der Rasse zu zuordnen oder sie deshalb als etwas "Besonderes" anzusehen.
WENN dem wirklich so ist, dass die Interessenten das alles gar nicht tangiert, frage ich mich, wieso man dann eine Rasse dazuerfinden muss? Das verwirrt doch den Kunden dann eher, als es ihn erhellt (wenn er doch so unaufgeklärt in Punkto Rassen und dazu gehörigen Eigenschaften ist). Gerde HIER könnte man ansetzen...
Jetzt kommt sicher die Gegenfrage: Was schadet es denn?
Nun, es schadet leider massiv und zwar auf ganz vielfältige Wiese. Zum Beispiel ist es nun mal so, auch wenn das von einigen bestritten oder anders erlebt wird, dass gewissen Rassen gewisse Rasseeigenschaften zugeschrieben werden, auch außerhalb von Foren (inwieweit die stimmen, sei mal dahin gestellt, aber es ist so). So sind im Volksmund z.B. Briten eher gemütlich, aber keine Schoßkatze, Bengalen extrem bewegungsfreudig und nichts für Anfänger und Siamesen sehr redselig und laut, dominant und menschenbezogen. Fragt man die Leute nun, was sie von Katzen erwarten, die nicht der Rasse angehören, aber ein Mix derselben sind, antworten sie in der Regel, dass sie den Katzen dieselben Charaktereigenschaften zuschreiben - nur eben nicht so "extrem".
So entsteht das Bild eines
Siam-Mixes, der nicht ganz so viel quasselt wie ein reinrassiges Tier, nicht ganz so dominant und aufdringlich ist, ansonsten aber eben ganz „typisch Siamkatze“. Und nein, ich erfinde das nicht, ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Orientalen und deren Haltern und auch mit solchen, die meine, eine solche Katze aus dem spanischen
Tierschutz zu erhalten/erhalten zu haben. Oft kommen im Anschluss die Hilferufe, dass die Katze so gar nicht dem orientalischen Wesen entspricht und/oder sie als Zweitkatze zur vorhandenen orientalischen irgendwie gar nicht gut geeignet ist (so eine Überraschung…).
Natürlich sind viele der Tiere aus dem (vorrangig spanischen) Ausland aus Streunerkolonien, in welchen sie recht sozial gelebt haben und somit zumindest dem sozialen Wesen der Orientalen angenähert, trotzdem ist und bleibt es russisches Roulette für die sachgemäße Vermittlung des Tieres, diesem nur aufgrund des Aussehens, Eigenschaften anzudichten
Wenn jetzt eingewendet wird: Ja, ABER, man informiere die Interessenten ja über den Charakter und sage auch, wenn das Tier eben keine ‚typisch siamesischen’ Eigenschaften habe, frage ich mich aber dann doch erst recht, wozu erst zu behaupten:
Hat große Chancen, siamesische Eigenheiten zu besitzen (denn NICHTS anderes besagt der Begriff
Siam-Mix: ein Elternteil=
Siamese und das Kitten sollte daher zumindest einiges an Eigenschaften vererbt und/oder anerzogen bekommen habe, es bedeutet nicht,
ist lediglich phänotypisch ein Pointtier), um dann wieder zu sagen: Ne, ist doch nicht so… Das ist einfach das Vortäuschen falscher Tatsachen.
Vielleicht wird jetzt klarer, welch’ sinnlose (und für die Katze eventuell sogar fatale) Fehlentscheidung es ist, einer Katze aufgrund eines äußerlichen Merkmals eine (weitläufige) Rassezugehörigkeit und damit rassetypische Eigenschaften zuzuordnen. Und zu sagen: „Die anderen machen das aber auch.“ ist das schwächste Argument überhaupt, denn die anderen vermehren auch, ist man jetzt deshalb dafür, das auch so zu handhaben? Die anderen töten auch, ist man jetzt deshalb dafür, auch das so zu machen?
Und wenn sich das Tier dadurch „schneller“ vermitteln lässt – sorry, dann ist das in meinen Augen UM SO SCHLIMMER und hat wenig mit TierSCHUTZ zu tun. Denn dann bedeutet das nichts anderes, als dass das Tier unter falschen Voraussetzungen ins neue Zuhause einzieht.
„’Normale’ spanische Straßenkatze? Nee, will ich nicht.
Siam-Mix? Super, nehme ich.“ kann einfach
keine gute Basis für eine für beide Seiten fruchtbare Partnerschaft sein. Wenn man die Katze nicht so will, wie sie ist, sondern deshalb, weil sie per Ideen kreativer Mitarbeiter plötzlich eine Rasse-Mixbezeichnung erhalten hat, dann hat vielleicht EINE Katze ein neues Zuhause, ALLE anderen aber haben mal wieder verloren.
Wer Tierschutz als schnellstmögliche Vermittlung von Tieren, um neue Tiere aufnehmen zu können, versteht, hat meiner Meinung nach nicht verstanden, worum es im
Tierschutz gehen sollte: Nämlich darum, dass sich
Tierschutz selber überflüssig macht und das erreiche ich nicht, indem ich immer wieder Platz schaffe und das mit alles Mitteln, sondern, indem ich Platz schaffe, dadurch, dass ich meine 'Kunden' aufkläre, sachkundig und zu mündigen Tierliebhabern mache, denen ich nicht ein X für ein U vormache, sondern denen ich die Sachverhalte darlege. Denn nur, wer
versteht, der kann weiter aufklären und dabei helfen, Leid zu lindern.