Danke Linette, ich finde anscheinend leider nicht die richtigen Worte, um das, was ich meine, auszudrücken, ich kann mich und mein Anliegen scheinbar nicht so darstellen, dass es sich erschließt.
Ich versuche es trotzdem noch einmal:
Alles, was im weitesten Sinne mit Rassebezeichnungen/-bezügen zu tun hat, finde ich fehl am Platz, weil es eben einfach Assoziationen, Begehren, Hoffnungen und Erwartungen in das Tier weckt, die im schlimmsten Fall
gar nicht da sind, im besten Fall zwar schon in Maßen, aber dann auch anders besser beschrieben werden kann. Ich meine dabei nicht nur den korrekten Rassenamen.
Wenn ich eine Katze beschreibe, die z.B. einen
siamesischen Einschlag hat oder ein
siamesischer xy ist, erwartet der Interessent doch ein bestimmtes Verhalten (SOLL er ja auch, denn wenn er das nicht sollte, wozu sollte man ihn explizit auf diesen Rassezusammenhang hinweisen?) - u.a. geschwätzig, verschmust, bis ins hohe Alter agil und verspielt, sehr gesellig und sozial usw., denn DAS macht einen Siamesen, also auch den siamesischen Einschlag aus. Wenn das allerdings nicht gemeint sein sollte, dann wäre es eben auch sinnvoll, diese Assoziationen erst gar nicht zu wecken. Und sollte das doch gemeint sein, muss es trotzdem nicht an der Rasse festgemacht werden, denn ich kann die Katze auch so als "agil, verschmust, verspielt" etc. beschreiben, ohne ihr den Stempel "ist so, wie" aufzudrücken und ihr somit eine Bürde nehmen.
Warum nun das Ganze? Ganz einfach, der Mensch denkt nun mal nachgewiesenermaßen in Schubladen und wenn er etwas mit "Rasse" liest, egal, ob nun bei der Optik oder eben der Rasse an sich, hat er nun mal Gedankenverbindungen, welche ja auch gewollt sind, sonst würde man diese Begrifflichkeiten ja nicht nutzen. Aber gerade diese Verknüpfungen sind schlecht (siehe Teufelskreis, den Linette beschrieben hat).
Und selbst wenn die Menschen wissen, dass sie keine Rassekatzen bekommen, so denken sie doch, dass sie Katzen mit rassetypischen Eigenschaften bekommen (dazu das schon vor einigen Seiten eingestellte Zitat:
[...] Rein vom äußeren her scheint eine Ragdoll mitgespielt zu haben, der Charakter könnte also auch in die Richtung gehen. [...]
- und wenn man die am Äußeren festmachen kann (denn das wird ja gemacht und das von einer Stelle, dem
Tierschutz, dem dabei die Rolle des
kompetenten und damit glaubwürdigen Vermittlers zukommt), dann (logische Schlussfolgerung) ist das IMMER so, also auch
beim Vermehrer. Und schon hat man wieder das bereits beschriebene Hydra-Problem.
Wenn der
Tierschutz also langfristig und nachhaltig arbeiten will, muss man einfach zwangsläufig umdenken. Es wird sich NICHTS ändern, wenn immer nur wieder Tiere raugeholt und vermittelt werden, ohne an dem "Grundübel" zu arbeiten, dem rationalen Verstehen der Menschen, worum es dabei geht. Und weil das scheinbar immer missinterpretiert wird - das heißt ja jetzt nicht, dass man die aktuelle Arbeit einstellen soll, denn sie ist per se schon gut und nötig (leider!), aber sie muss sich eben zwangsläufig weiterentwickeln, um dem beschriebenen Teufelskreis Rechnung tragen und irgendwann aus selbigem auszubrechen. Viele
Tierschutz-Orgas/-Vereine tun das schon und auch in vielen, vielen Foren wird ja glücklicherweise bereits umgedacht, fachlicher gearbeitet und auch über die Forenwelt hinaus aufgeklärt (ebay und ähnliche Portale, im privaten Bekanntenkreis etc.). Sicher, das Umdenken geht nicht von heute auf morgen, es ist ein langfristiger (Lern-)Prozess, aber er kann eben nur dann auch nachhaltig in Gang gesetzt werden, wenn gerade die, die es am meisten betrifft, mitziehen.
Ich habe vor etlichen Jahren, als ich noch sehr jung war, viel im
Tierschutz ausgeholfen und habe dabei wunderbare Menschen getroffen, die mich sehr geprägt haben und deren Gedankengut mich bis heute bewegt und antreibt. Die beiden wichtigsten Regeln lauteten: Du kannst nicht jedem helfen. Besser einigen Tieren so gut es geht helfen und dafür einige zurücklassen müssen, als versuchen, allen irgendwie gerecht werden zu wollen und es nicht schaffen. Und - und das ist für mich das noch Entscheidendere - erst, wenn man den Kopf eines Menschen erreicht hat, kann man erwarten, dass er umdenkt, Herz und Bauch sind zwar nett anzusprechen, helfen aber nicht weiter, denn NUR der Verstand ist in der Lage, Dinge zu ändern, nur, wer versteht, die Hintergründe erkennt, kann langfristig etwas ändern.
Dazu zählt ganz besonders das richtige Nutzen von korrekten fachspezifischen Begriffen, z.B. wurde "damals" schon den Adoptanten der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation erklärt und auf selbige bestanden, wenn noch nicht erfolgt.
So, warum der Ausflug in die Vergangenheit? Ganz einfach, ich wollte zeigen, wie sich das Bewusstsein der Menschen in Bezug auf Kastration/Sterilisation verändert hat, sicher nicht bei allen, aber doch so, dass man heute den Unterschied wie selbstverständlich kennt und erklärt. Ja, das hat Jahre gedauert und war sicher am Anfang mühsam und ich kann mir vorstellen, dass viele im
Tierschutz gesagt haben: "Warum soll ich das den Leuten lang und breit erklären? Wichtig ist doch nur, dass sie eines irgendwie machen lassen." Aber genau das ist es eben nicht. Die Leute müssen
verstehen,
warum sie es machen müssen, denn erst, wenn sich ihnen das erschließt, können sie dieses Wissen auch sinnvoll weitergeben und nur so wird es weiterverbreitet und kann andere Weiterverbreitungen ("Katzen müssen einmal rollen (oder gar werfen!).") erst verdrängen. Das funktioniert aber nicht, wenn man nicht verstanden hat, wieso und keine guten Argumente hat.
Zurück zu den Rasse-Assoziationen. Erst, wenn ich
verstanden habe, dass bestimmte Begriffe (rund um die Rasse) etwas mit Herkunft und gezielter Verpaarung zu tun haben, kann ich auch verstehen, dass Katzen, die "so aussehen, wie" einfach in kein Raster gepresst werden können, auch und gerade nicht wegen ihres Aussehens) und auch nicht sollten - genau das passiert aber, wenn ich sie in irgendeine Rasseschublade stecke oder ihnen Phantasiefabbezeichnungen gebe.
Ich finde, dass jede Katze das Recht hat, um ihrer selbst willen geliebt zu werden und nicht, weil sie
so aussieht, wie und dass man ihr so gut wie möglich gerecht werden sollte. Das bedeutet in meinen Augen, dass man sie so genau wie möglich beschreibt, ohne ihr etwas "zuzuschustern", was nicht nachweislich da ist und sie mit tatsächlich falschen Begriffen in Verbindung bringt. Und wenn man eben nicht in der Lage ist, die korrekten Fachbegriffe zu nutzen, was ja nicht jeder kann und auch nicht von jedem erwartet werden kann, sollte man sich entweder Hilfe holen oder einfach darauf zu verzichten. Und zwar, um etwas Gutes für DIESE Katze zu tun UND für die vielen anderen, denen das langfristige Umdenken dann auch zugute kommt.
Ich hoffe, dass ich das Ganze diese Mal etwas verständlicher machen konnte.
Ich habe auch versucht, die Schärfe aus der Diskussion zu nehmen, weil es mir nicht ums Rechthaben, ein Kräftemessen oder ein "entweder-oder" geht, sondern darum, das Beste aus allen Ansätzen für die Katzen rauszuholen und hoffe, dass ich Schuldzuweisungen weitestgehend vermieden habe.