Hallo liebe Community,
ich weiß, dass dieses Thema alt ist und Antworten auf alte Themen in Foren nicht gern gesehen werden. Der Grund, weshalb ich trotzdem hierauf antworte ist, dass dieser Thread eines der ersten Suchergebnisse ist, wenn man nach dem Problem googelt. Deswegen würde ich gern hierzu etwas sagen, in der Hoffnung, dass es auch anderen hilft, die sich diese Fragen stellen.
Mein kleiner Aladin wird jetzt demnächst zwei Jahre alt und zeigt ähnliche Verhaltensweisen wie deine Katze. Ich hoffe, dass nach einem Jahr vielleicht schon wieder alles gut ist, aber hier ein paar Dinge, die mir beim Lesen dieses Threads in den Kopf kamen:
1. Wenn eine Katze wie immer spielt und tobt und frisst und ihr Katzenklo benutzt, also sonst keine weitere Verhaltensänderung vorliegt, ist es meist eher unwahrscheinlich, dass sie körperlich krank ist. Im Zweifelsfall wäre zumindest ein Anruf beim Tierarzt natürlich nicht verkehrt (better safe than sorry), und man sollte immer zur jährlichen Untersuchung gehen. Ich kenne das Problem mit dem knappen Geld auch ganz gut, aber 1x im Jahr ein bisschen sparen, dass man 50 Euro übrig hat für die Untersuchung und Impfung wäre gut und wichtig.
2. Wenn eine Katze plötzlich richtig krallt und beißt, kann das zu SEHR ernsthaften Verletzungen führen. Mit einem Spritzer Wasser oder einem weichen Wurfgegenstand die Katze von einem abzubringen ist absolut notwendig und schützt den Menschen UND die Katze vor schlimmeren Folgen, wie einer meiner Vorredner hier bereits erwähnt hat. Ja, ich weiß, kein Katzenliebhaber tut das gern oder denkt gern an sowas. Aber Katzen sind halt Tiere. Und wenn Tiere in Panik geraten oder aggressiv werden, muss man in diesem Moment auf möglichst sanfte aber bestimmte Art Abstand zwischen sich und das Tier bringen. Bei dem Geisteszustand der Katze in einem solchen Moment ist es mit "Aua" sagen oder ähnlichen verbalen Erziehungsmaßnahmen leider nicht getan, denn das nehmen sie dann gar nicht mehr richtig wahr. Da greift nämlich etwas, dass in der Fachsprache (und ihr alle habt das schon einmal gehört) "Fight or Flight" genannt wird. Es hört sich so an, als würde der Stress der Katze in einer Art "Panikattacke" explodieren, die dafür sorgt, dass sie sich grundlos bedroht fühlt. Und reiner Instinkt gibt dann vor, ob sie angreift oder abhaut. Ist bei Menschen nicht anders. Warum Stress? Dazu komme ich gleich.
3. Wir Männer, gerade wenn wir noch nie eine Katze als Haustier hatten, gehen bei den meisten Tieren von bestimmten Regeln und Verhaltensweisen aus, zum Beispiel Rangordnung, Dominanz, etc.
Das trifft auf Menschen und Hunde durchaus zu. Beide Spezies haben nämlich einen starken Hang zur Rudelbildung aus evolutionären Gründen. Katzen sind da eher Einzelgänger, und während sie untereinander auch mal um "Rangordnung" kämpfen können, hat es nicht die selbe, feste Bedeutung wie bei Hunden. Vor allem sind Katzen sehr viel empfindlicher für Umgebungsreize als Hunde - schneller gestresst, zum Beispiel, will ich damit sagen. Als Mensch zu versuchen, einer Katze gegenüber dominant zu sein geht immer ganz böse nach hinten los. Katzen werten das nämlich als Aggression, wodurch sich Stress aufbaut und irgendwann wehren sie sich. Hör also bitte auf gar keinen Fall auf deinen Mann, denn das wird die Situation erheblich verschlimmern.
4. Wie ich schon sagte: Katzen sind sensibel. Besonders lauten Geräuschen gegenüber. Deswegen soll man Katzen auch nicht anschreien, wenn sie etwas falsch gemacht haben. Sie reagieren auf die Tonhöhe der Stimme, nicht auf die Lautstärke. Laute Geräusche und Stimmen an sich lösen allerdings in ihnen eine physische Reaktion aus, die auch bei uns Menschen ausgelöst wird: es werden Stresshormone ausgeschüttet. Ob das nun ein Nachbar mit den Heimwerkarbeiten ist, oder ein Ehemann, dem es nicht so gut geht und der dann auch mal lauter wird - selbst wenn es sich um Freudenschreie dreht und es nicht einmal an die Katze gerichtet ist. Dieser Stress baut sich stets weiter auf, bis er sich irgendwann in einer Fight or Flight Reaktion entlädt, und dann trägt man halt die Spuren davon (tendenziell eher, wenn man die Katze stimuliert, also streichelt).
5. Ja, die Hand darf man bei Katzen nie als Spielzeug, Lockmittel oder Druckmittel verwenden (Druckmittel gegen Katzen sind generell tabu - wie gesagt, kein Dominanzverhalten! Kann böse enden!). Natürlich weiß man das als frisch gebackener Katzenhalter anfangs nicht immer und die Kätzen lieben es ja auch noch, nach Händen und Füßen zu springen, was ja auch so süß ist. Den Fehler habe ich bei meinem Aladin auch gemacht, ahnungslos wie ich war. Ich kann dir nicht sagen, ob man das je wieder raus bekommt, aber was ich gerade versuche: ausschließlich Spielzeuge verwenden, mit denen man etwas auf Distanz ist (Stab mit Federn, Bändchen mit Spielzeug dran, etc) und wenn der Stubentiger doch einmal nach Händen oder Füßen greift, nicht zu laut aber bestimmt "Nein" sagen und umgehend mit dem Spielen aufhören. Nach jedem Spielen, das ohne Vorfälle verlaufen ist, den kleinen Liebling loben und gut zureden. Katzen reagieren oft nur wenig auf Verbote und Tabus, jedoch extrem gut auf positive Bestärkung.
Dein Problem hängt also meiner Einschätzung nach damit zusammen, dass dein Mann sich emotional nicht so gut fühlt (was die Katze übrigens ebenfalls spürt) und er sich dann Luft machen muss. Aber dein armer Mann kann ja auch nichts dazu - Depressionen sind einfach eine schlimme Sache. Vielleicht würde es euch allen helfen, wenn er zwischendurch mal eine Stunde spazieren geht oder joggen, falls er das mag. Da kann er sich etwas Luft machen, kommt ein wenig raus und euch dreien geht's damit vielleicht bald besser. Der Ratschlag kommt aber vermutlich leider ein Jahr zu spät, sorry
Eine Sache noch, aber dabei ist Vorsicht geboten: wenn Aladin aufgeregt durch die Wohnung rennt und wütend schnauft oder so, mache ich es manchmal, dass ich mich auf alle Viere begebe oder mich auch in etwa einem Meter Abstand neben ihm auf den Boden lege, wenn er denn gerade die Füße still hält. Menschen sind ziemlich groß im Vergleich zu Katzen und manchmal scheint ihn das zu beunruhigen. Wenn ich "auf seiner Höhe" bin, fühlt er sich dann wohler und regt sich langsam ab. Aber sowas ist mit Vorsicht zu genießen! Genau die Körpersprache beobachten! Angelegte Ohren, schnelle oder zuckende Schwanzbewegungen oder Schnaufen sind eindeutige Zeichen, dass man mindestens einen Meter Abstand zwischen der Katze und sich lassen sollte. Nicht berühren, nicht gut zureden. Katzen haben kein Problem damit, still nebeneinander zu legen und sich zu entspannen. Genau das passiert dann in der Regel auch. Aber bei aggressiveren Katzen oder Tieren, die man nicht wirklich gut kennt, immer bereit sein, sich zurückzuziehen und aufzurichten und besonders das eigene Gesicht schützen.
So, sorry für den langen und super-verspäteten Ratschlag! Ich hoffe, dass meine gesammelten Beobachtungen der letzten zwei Jahre vielleicht dir oder anderen, die dieses Thema über Google noch finden ein bisschen helfen konnten.
Viel Glück und alles Liebe an euch und eure Fellnasen!
