Wobei man bei Chester sagen muss, das Optische war noch das Kleinste. Der Vorbesitzer ist wohl Alkoholiker gewesen, er wurde offenbar geschlagen und vernachlässigt...
Anfangs hatte er panische Angst vor allen Männern. Ich durfte ihn ansehen und mit ihm reden, Männe nicht. Wir mussten einen Stuhl in eine Ecke stellen und eine Decke drüber legen, damit er sich verstecken konnte. Wenn er eine geschlossene Bierflasche gesehen hat, hat er sich versteckt und kam nicht mehr raus. Schritt für Schritt hat er gelernt, dass auch Menschen, die mal etwas Alkohol trinken, ihm nichts Böses tun.
Nachts hat er uns die Bude zusammengebrüllt. Bis wir mal raus hatten: der schrie, wenn der Futternapf halb voll war. Für ihn war der nämlich dann halb leer. Der Vorbesitzer hat ihn wohl öfter mal tagelang allein gelassen, ohne Futter. Also schrie er vorsorglich, weil er ja nicht wusste, ob nochmal Futter nachkommt, wenn der Napf leer ist. Ich hab zu der Zeit oft Futter weggeworfen, weil er den Napf nicht leer fressen konnte, und dann wurde das Futter schlecht... Hab irgendwnan kleine Schälchen besorgt, da ging nur ein Viertel soviel rein, aber das sah immer voll aus. Damit gings. Inzwischen, nach fünf Jahren, vertraut er darauf, dass er nicht hunbgern muss, und frisst seinen Napf leer.
Futter war überhaupt so ne Sache: Nassfutter kannte er nicht, fraß er nicht. Ich musste das
Trockenfutter wegsperren unbd ihn aushungern, ehe er aus Verzweiflung, und weil er bei Amy sah, dass es nicht giftig war, das
Nassfutter anrührte. Gebäck liebt er. Und er kennt jegliche Art von Fast Food, nur da bettelt er auch: McDonalds, Döner, Pizza... Anfangs hätte er sogar Haribo gefressen.
Manche Verhaltensweisen sind auch heute noch da und werden nie ganz weggehen. Hin und wieder kriegt er Flashbacks, dann spielt er eben noch und plötzlich kämpft er um sein Leben, da wird er richtig panisch. Wir haben gelernt damit umzugehen und wissen, wie wir ihn da rauslösen können. Aber es war nicht immer einfach. Aber er war und ist es absolut wert.
