Ich hab's nicht so mit Gedichten und glaube auch nicht an die Regenbogenbrücke! Aber ich habe das Bedürfnis heute etwas über meinen Bolle zu schreiben, der genau vor einem Jahr unerwartet und viel zu früh starb:
Mein Bolle starb völlig ohne Vorwarnung in der Narkose zu einem Routineeingriff. Es zog mir den Boden unter den Füßen weg. Keine Zeit, mich vorzubereiten. Keine Zeit, um Abschied zu nehmen. Er war von einer Sekunde auf die andere nicht mehr da. Und ich war absolut nicht auf die Intensität meiner Trauer vorbereitet. Sie tat körperlich weh. Warf mich ziemlich aus der Bahn. Ich bin ein bißchen mit diesem Kater gestorben.
Dieses erste Jahr werde ich nicht vergessen. Obwohl ich noch so sehr trauerte, zog nach 6 Monaten eine neue Katze ein. Ella ist so ganz anders als Bolle, und dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin nicht sicher, ob ich jemals wieder einen großen, schwarzen Kater aufnehmen kann. Wir zogen im Sommer in eine neue Wohnung. Das hatte ich Bolle versprochen. Aber dieser Umzug kam zu spät für ihn. Seine Schwester hat nicht wirklich um ihn getrauert, das hat mich einige Zeit sehr irritiert. Ich kann sie bis heute nicht anschauen, ohne auch Bolle zu sehen. Sie wird immer die übrig gebliebene Hälfte sein!
Manchmal frage ich mich, wie ich einen weiteren Verlust verkraften soll. Der wird kommen, aber nun weiß ich, was mich erwartet. Sie sind nur Tiere, aber sie sind meine Familie. Nicht jeder im Umfeld versteht das, manchmal verstehe ich es ja nicht mal selbst. Bolle ist jeden Tag bei mir. Jeden Tag. Es gibt Tage, an denen mir immer noch die Luft weg bleibt vor Schmerz und ich sehr damit hadere, daß er viel zu früh gegangen ist. Ich kann bis heute nur sehr schlecht an sein Grab gehen oder mir seine Bilder anschauen. Wenn ich über ihn spreche, fange ich manchmal aus dem Stand an zu weinen. Kann es nicht verhindern.
Ich wünschte mir, wir hätten mehr Zeit gehabt. Bolle wurde nur 9 Jahre alt. Mein Dicker, der so groß und stattlich war. Pechschwarzes, glänzendes Fell. Ein paar weiße Stichelhaare auf der Brust. Ich durfte ihn überall anfassen. Seine Plautze durchwalken, seine Pfotenballen massieren, an seinen Vampirzähnchen ziepen. Wenn ihm im Schlaf die Zunge vorne etwas raushing, habe ich sie manchmal angetippt, bis er sie schmatzend einzog. Er legte so gerne seinen Kopf auf meinen Oberschenkel, wenn er dicht an mir dran lag. Dann habe ich ihm stundenlang den Kopf und die Ohren gekrault. Wenn ich seine Nase anstupste, hob er den Kopf ganz nach hinten und wollte den Nasenrücken gerieben haben. Und er rieb so oft seine Lefzen an meiner Hand und machte ein ganz typisches Geräusch dabei. Sein Miauen war so piepsig, obwohl er doch so groß war.
Er reagierte auf einen Blick, eine Geste. Er lag stundenlang an meiner Seite, wenn ich mal wieder Rücken hatte und mich kaum bewegen konnte. Wenn ich Schmerzen hatte, beruhigte mich sein Schnurren. Er hatte so eine gesunde Frequenz. Er war mein bester Streßkiller. Eine Schmuserunde mit ihm, und die Welt war fast schon wieder in Ordnung.
Bolle, mein Süßer, ich weiß nicht, wo du bist. Aber ich weiß, daß es dir gut geht. Du bist schnell und ohne Schmerzen gegangen, das hat mir die Tierärztin versichert. Deine Zeit war abgelaufen und so war es am besten für dich.
Du fehlst mir so sehr. Ich würde so gerne noch mal meine Nase in dein Fell stecken und dich riechen können. Du hattest einen wundervollen Duft. Dein Fell war immer seidenweich. Ich durfte es jederzeit anfassen. Ich würde das so gerne wieder tun. Heute ist ein sehr schwerer Tag. Jule und Ella sind ganz nah bei mir, aber es wird nicht wirklich hell.
Dicker, ich war nicht bei dir, als du gingst. Das tut mir so leid. Aber du hast einen Teil meines Herzens mitgenommen und all deine Zuneigung und dein Vertrauen zurückgelassen. Das hilft mir an Tagen wie diesen. Ich bin dankbar für die Zeit, die wir gemeinsam hatten. Ich werde sie nie vergessen. Die restliche, verbleibende Zeit wirst du mich immer irgendwie begleiten...