Oh, Tire war bei dir? Das wusste ich nicht... ich hab nur den Thread gelesen, in dem er in seinem neuen Zuhause bei zuerst Dima und dann Salma angekommen ist... und mich so ein kleines bisschen verliebt. Er ist ja wirklich ein wunderwunderschöner Herr
Ich hoffe, das mit der Angst legt sich bei Sirius noch, ja... ich kann ja über ihn drübersteigen und an ihm vorbeigehen, da fürchtet er sich nicht (er schmollt dann nur und jammert, weil ich kann ja nicht an ihm vorbeigehen, ohne ihn zu streicheln, oder?)... aber bei meinem Verlobten hat er Angst

Und wir wissen nicht, wieso... ich denke einfach, es ist, weil mein Verlobter lauter ist als ich, lauter redet, lauter lacht, sich lauter bewegt. Ich bin ja eher die Sorte "leise Maus".
Katzenspielzeug werd ich sicher nicht zu viel kaufen, das einzige, was ich gerne versuchen möchte, ist so ein Stinkeding... für Müll aller Art interessiert er sich nämlich kein Stück. Sachen darf man auch nicht in seine Richtung werfen, da fürchtet er sich (ist vor einer Haselnuss und TK-Erbsen weggelaufen, genauso wie vor dem Lindt-Glöckchen) und den Bömmel, den ich über seine Pfoten gezogen hab, hat er auch fröhlich ignoriert. Jetzt also letzter Versuch mit Katzenminze/Baldrian, wenn ihn das nicht interessiert, wird das Projekt "Spielzeug" fürs Erste beendet.
Und natürlich erwartet Katze von Welt einen Türöffner, genauso wie Katze von Welt ja auch einen Lift erwartet. Zumindest war es mit unserem alten Kater so... wenn ich abends im Bett lag, wollte er manchmal ins Schlafzimmer, also hat mein Vater die Tür aufgemacht, und dann begann der Kampf des Willens.
Kater unten am Boden: "Miau Miau Miau Maunz Maunz Maunz ich will nach oben aufs Stockbett heb mich!"
Ich: "*ichstellmichschlafenddannmussichmichnichtbewegen*"
Wer länger ausgehalten hat, hat gewonnen. Wenn er gewonnen hat, bin ich aufgestanden, vom Stockbett geklettert, hab ihn mit seinen schlanken neun Kilogramm aufs Bett gehoben und bin dann selbst wieder hinterhergeklettert, um mich dann möglichst platzsparend ins Bett zu legen. Wenn ich gewonnen hab (das heißt, mich ca. zehn Minuten überzeugend schlafend gestellt hab), dann ist er zur Leiter des Stockbetts, ich hab nur Ratsch-Ratsch-Ratsch gehört, und dann hatte ich einen schnurrenden Kater im Bett liegen. Ich hab ihn ungelogen kein einziges Mal auf dieses Stockbett klettern sehen, weil, wenn ich ihn sehe, dann kann ich ihn ja auch heben, ne? Auch jetzt, zehn Jahre, nachdem er gestorben ist, sieht man noch die Krallenabdrücke im Holz.
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Das Problem mit dem „Rein-Raus-Spielchen“ hat sich jetzt übrigens tatsächlich gelöst, und nicht so, wie ich gedacht habe. Also, die Tür zur Terrasse offen zu lassen, hat zwar wirklich die Lösung gebracht, aber nicht, weil er sich gelangweilt hätte. Sobald die Tür nämlich dauerhaft den ganzen Tag offen ist, verschwindet Sirius nämlich auch gerne für längere Ausflüge in die Botanik (und es gibt nichts Schöneres, als eine Katze, die nach sonnengewärmtem Katzenpelz und Heu aus dem Feld riecht), und er mäkelt auch nicht mehr die ganze Zeit herum, weder innen noch außen. Ich glaube, die geschlossene Tür macht ihn schlicht und ergreifend nervös, egal, auf welcher Seite er sich befindet. Wenn sie von innen geschlossen ist, hat er Angst, dass er nicht mehr nach draußen kann, und wenn sie von außen geschlossen ist, muss er die ganze Zeit vor der Tür herumstromern und jammern, um sicherzugehen, dass die Tür auch wieder für ihn geöffnet wird, wenn er das möchte. Vielleicht eine Spur der Tatsache, dass seine früheren Besitzer ihn hinausgeworfen haben? Leider muss er im Moment wegen der Kälte und seiner kahlen Stelle über Nacht noch drinnen bleiben, und mein Verlobter meint auch, wir müssten ihm beibringen, dass er dauerhaft nachts drinnen bleiben soll, und dass er zu gewissen Zeiten einfach nicht nach draußen kann. Ich mache mir dann allerdings Sorgen, dass ihm nachts zu langweilig ist (er hat ja keine wirkliche Beschäftigung außer Schmusen und Kraulen), vor allem, weil er seinen gebastelten Fummelkarton weitestgehend ignoriert, und dass es eventuell zu viel Stress für ihn bedeutet, nachts drinnen zu sein. Man merkt ihm an, dass er abends, wenn die Tür zu ist, wesentlich unausgeglichener ist, als nachmittags, wenn er sich auch mal in den Garten legen kann. Was sagt ihr dazu?
Auch kommt er mir jetzt, wo ich bewusst darauf achte, wesentlich entspannter vor, wenn die Tür geöffnet ist, als wenn sie geschlossen ist. Weniger maunzig-raunzig, weniger jammernd, weniger unruhig. Dann treibt er sich nicht nur die ganze Zeit auf der Terrasse herum und maunzt, sondern legt sich auch ganz entspannt für ein paar Stunden in die Büsche, oder verschwindet in Richtung Feld. Sowohl für ihn als für mich viel angenehmer. Wenn es etwas kälter ist, sitze ich dann halt im Bademantel da, oder hole mir die dicke Decke aus dem Schlafzimmer aufs Sofa. Damit kann ich auch leben.
Seinen ersten Tag mit Besuch bei uns hat er jetzt auch hinter sich gebracht, und zwar mit Bravour. Ich hatte ja gedacht, dass er es sich irgendwo draußen im Feld bequem macht und erst zurückkommt, wenn wieder Ruhe ist, aber da hab ich mich getäuscht. Sobald wir am Tisch saßen, hat er sich seine Streicheleinheiten von allen abgeholt, es sich dann ein bisschen in den Büschen bequem gemacht, und dann wieder unseren Besuch um seine Pfote gewickelt. Ein Freund und seine Freundin waren da, und sie, die eigentlich mehr der Hunde- als der Katzenmensch ist, findet ihn fürchterlich süß, und ich muss ihr jetzt ein paar Fotos schicken. Er hat sich sogar von allen beiden streicheln lassen, und seine Runden um den Tisch gedreht, was mich wirklich überrascht hat... ich bin stolz auf ihn! Vielleicht wird unsere Wohnungseinweihungsfeier also nicht das traumatische Erlebnis, das ich befürchtet habe.
Und eine gute Nachricht gibt es auch – mein Verlobter hat heute eine Zusage für seinen neuen Job bekommen (nach fast sechs Monaten der Suche), das heißt, wir können vielleicht doch einen größeren Einkauf beim Fressnapf machen nächsten Monat... und zusätzlich zu dem Bettchen, das ich von IceVajal gestrickt bekomme und auf das ich mich schon irrsinnig freue, ein zweites holen, vielleicht für seinen Katzenplatz im Büro. Da sitzt er ja auch gelegentlich, wenn wir beide im Büro sind und es ihm im Wohnzimmer zu langweilig wird.
Ich bin ja auch ganz stolz auf ihn. Er hat jetzt zum ersten Mal seinen Teller nicht komplett in einem Rutsch leergefressen, bis er nur noch Bauch mit Ohren ist und sein Magen grummelt und er rülpsen muss, weil er so voll ist, sondern ein kleines bisschen für später übrig gelassen (später war ungefähr fünfzehn Minuten später, aber jo mei. Ich bin trotzdem stolz!). Im ersten Moment war ich natürlich nahe an der Hyperventilation („Oh mein Gott, die Katze frisst nicht, was ist mit ihm los, muss er jetzt zum Tierarzt?!?“ - und natürlich hatte er zu diesem Zeitpunkt schon ungefähr vier fünftel seines ziemlich großen Napfes leergemacht), aber danach war ich sehr zufrieden mit ihm. Vielleicht lernt er das mit dem Sättigungsgefühl ja doch irgendwann... möglicherweise. In zehn Jahren oderso. Bis dahin hab ich ihn auch sicher darauf konditioniert, erst mit dem Maunzen anzufangen, sobald ich nicht mehr im Schlafzimmer liege und schlafen möchte, sondern mit verquollenen Augen aus dem Bett steige und mir Tee mache. Das fände ich sehr fein.
Wenigstens hat meine Empfindlichkeit, was Katzenmaunzen im Schlaf angeht, in den letzten Wochen schon sehr nachgelassen. In den ersten Nächten saß ich jedes Mal, wenn er gemaunzt hat, mit klopfendem Herzen aufrecht im Bett (und glaubt mir, ich hab jedes Maunzen gehört, ich hab einen sehr leichten Schlaf). Mittlerweile tue ich das nur noch bei Geräuschen, die ich nicht ganz zuordnen kann, wie beispielsweise merkwürdiges Kratzen (vielleicht war er ja doch am Sisalteppich? Die Hoffnung stirbt zuletzt), ansonsten drehe ich mich um und kneife die Augen zu. Außerdem versuche ich jetzt auch, ein bisschen Abstand zu lassen zwischen Aufstehen und der Raubtierfütterung beziehungsweise der morgendlichen Streicheleinheit, in der Hoffnung, dass er aufhört, Aufstehen mit Futter und Beachtung zu assoziieren. Leider hatte er schon in der ersten Nacht raus, dass wir hinter der Tür sind und dass wir da rauskommen und ihm danach etwas zu Fressen geben, also glaube ich nicht, dass sich da wirklich etwas tun wird. Außerdem wird er jeden Morgen pünktlich um halb sieben wach, wenn die Nachbarn über uns aufstehen, und denkt sich logischerweise: „Also, wenn die schon so rumrumoren, dann können die auch da rauskommen und mir Futter geben!“ Blöderweise sind wir das nur gar nicht...
Abgesehen davon denke ich langsam, dass wir einem kleinen Etikettenschwindel aufgesessen sind. Er sieht ja aus wie ein Katzentier (das findet ihr auch, oder? Eindeutig Katze auf den Fotos!), aber er klingt nicht wie ein Katzentier. Er macht nicht „Miau“, wie eine anständige Katze das sollte, sondern „Mäh!“. Ja, richtig, „Mäh“, wie ein Schaf. Manchmal auch „Mah!“ oder „Möh!“ oder „*schnaub*“, je nach dem, was er so ausdrücken möchte. Besonders gerne macht er „Mäh!“, wenn man mit ihm auf dem Sofa sitzt und dann aufhört, ihn zu streicheln, dann wird man angemäht, bis man sich dann doch wieder dazu herablässt, ihn zu tätscheln und zu kraulen. Wenn ich dann noch miteinbeziehe, was für Mengen an Katzenwolle aus seinem Pelz kommen, wenn ich ihn dann bürste, dann ist er eindeutig ein Schaf, jawohlja. Dass er gelegentlich auch tief und kehlig gurrt, wie eine
Taube, und mit Vorliebe an (oder auf) meinen Füßen liegt wie ein besonders anhänglicher Hund, ignoriere ich jetzt einfach mal...
Das mit dem „bei den Füßen liegen“ ist eh so eine Sache. Nicht nur, dass ich meine Füße nicht bewegen kann, ohne dass er anfängt, rumzujammern, er hat auch ein unglaubliches Talent dafür, genau da zu sitzen oder zu liegen, wo ich gerade hintreten oder meine Füße hinbewegen möchte. Irgendwie schafft er es auch, sich genau dorthin zu materialisieren, wo mein Fuß gerade hingeht, egal, wie sehr ich aufpasse. Bei der Raubtierfütterung hab ich ihn schon einmal mit dem Fuß erwischt, weil er wirklich genau in meinen Lauf gehopst ist, so als ob er einen Todeswunsch hätte, aber man lernt ja. Augen auf die Katz, wenn man die Katzenschüssel trägt, und nicht irgendwo andershin. Im Notfall auch fünf Minuten für die paar Meter von der Küche zum Fütterungsplatz brauchen, weil man ja warten muss, bis die Katz aus dem Weg gegangen ist. Wie ich das machen soll, wenn er unter dem Tisch an meinen Füßen liegt, weiß ich allerdings nicht. Da ist ja die Tischplatte im Weg. Ich hab jetzt versucht, meine Füße immer ganz, ganz, gaaanz langsam zu bewegen, damit er theoretisch meinem Fuß ausweichen kann, bevor er ihn trifft, aber das funktioniert auch nicht. Er bewegt sich nämlich nicht, wenn der Fuß nur langsam ist... er bleibt einfach liegen, bis der Fuß auf ihm aufschlägt, und dann wird aufgesprungen und gemaunzt und gejammert und ich muss mich entschuldigen und ihn streicheln und betüddeln, damit alles wieder gut ist zwischen uns (Vielleicht steckt da Absicht dahinter?). Und so sehr ich mich auch bemühe, immer zu wissen, wo er liegt, er bewegt sich natürlich auch immer genau fünf Sekunden, bevor ich meine Füße bewegen möchte. Und den Schwanz gibt es natürlich auch noch (und auf den bin ich natürlich auch schon leicht getreten) – und den hört man nicht einmal richtig, wenn er sich bewegt. Und trotzdem. Keines dieser zumindest milde traumatisierenden Erlebnisse hält ihn davon ab, doch jedes Mal wieder sein Plätzchen unter dem Tisch, an dem ich gerade sitze, aufzusuchen, und fröhlich mit meinen Füßen zu kuscheln. Er ist da ja auch irgendwie komisch... ich bin diejenige, die ihn getreten hat, aber mich hat er lieb. Vor meinem Verlobten hat er aber immer noch ein bisschen Angst, zumindest, wenn der große Mensch steht und nicht sitzt – und vor den Nachbarn, die ihn gefüttert haben und die ihn auch streicheln konnten, fürchtet er sich jetzt irgendwie auch. Obwohl bei keinem von ihnen irgendetwas vorgefallen wäre, was man zuordnen könnte, wieso er denn jetzt Angst hat. Zum Glück hab ich immer nur dicke Socken an und keine Schlapfen, sonst fängt er bei mir auch noch an...
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Und Fotos gibt es jetzt auch, da hat sich in den letzten Tagen doch etwas angesammelt, und ich hab das Gefühl, dass sie ein bisschen weniger grottig aussehen. Und vielleicht ist Sirius ja doch ein Chamäleon und kein Kater?