Ich sag mal so: Gerade bei "zu teuer" (und zwar teuer im Sinne von "Ich weiß nicht, ob ich für zwei Katzen zwei große Tierarztrechnungen gleichzeitig stemmen kann" und nicht "Ich kann mir kein Futter für meine Tiere leisten!") ist Pflegestelle sicherlich eine Option. Ich könnte mir zu meinem multimorbiden Katzenopa (den ich mir sicherlich nicht "freiwillig" ins Haus geholt hätte, wäre die Situation für ihn nicht so schlimm gewesen, denn da waren die Reserven auch nicht da) nicht so einfach eine ältere Katze mit größeren Baustellen dazusetzen, wenn ich selbst dafür im Fall der Fälle die Kosten tragen müsste - bei einem Pflegi ist das kein Problem, da der Verein die Kosten trägt, und nachdem unser Pflegling ein "Ladenhüter" ist, muss der Opa sich auch nicht an dauernd wechselnde Katzengefährten gewöhnen. Denn für einen alten Kater, der sich nur durch gelegentliche Bewegungen von einem Stofftier unterscheidet, einen versicherbaren (also relativ jungen) und geeigneten Kumpel/Kumpeline zu finden, ist leider keine triviale Aufgabe.
Ich habe allerdings auch das Glück, das mein Pflegi von einem sehr kompetenten Verein mit Leuten mit viel Katzenerfahrung kommt, die mir schon mehr als einmal "das Händchen gehalten" haben, wenn es bei mir doch an Katzenerfahrung (und Persererfahrung!) gefehlt hat ("Du, der niest! Sollen wir zum Tierarzt? Ist das jetzt Katzenschnupfen? Muss ich mir Sorgen machen?" - "Das ist ein Perser. Der ist schon mal erkältet. Er ist geimpft. Jetzt atmest du erst einmal tief durch, und wenn er frisst und spielt und schmust und tobt wie immer und kein Fieber hat, dann beobachten wir erst einmal!" Ja, ich habe genervt, und ja, ich hab den Panische-Dosi-Modus wirklich perfektioniert - beim zweiten Mal "Lucky erkältet" war ich dann aber weeesentlich entspannter :mrgreen: Und beim ersten Nieser von Sirius dann auch). Ein guter Verein ist also in meinen Augen wirklich sehr, sehr wichtig - besonders, wenn der Pflegling krank ist, vielleicht sogar chronisch krank.
Aber du hast schon Recht, das hilft alles nichts, wenn der Respekt für das Tier und seine Bedürfnisse (und der Wille, zu lernen, falls es nötig werden sollte) nicht da ist. Wenn das dann da ist, würde ich allerdings die möglicherweise langjährige Katzenerfahrung doch zurückstellen und sagen, Respekt und Lernwille sind wichtiger. Lernen, wenn man etwas nicht weiß und sich eingestehen kann, dass man es nicht weiß, geht - wenn man nicht verstanden hat, dass man eine pelzige Persönlichkeit mit ihren eigenen (gerne von Katz zu Katz unterschiedlichen!) Wünschen, Bedürfnissen und Verhaltensweisen im Haus hat, und dass von beiden Seiten Kompromisse notwendig sind, um das Zusammenleben zu ermöglichen, wie in jeder Wohngemeinschaft, dann kann man sich das Informieren auch gleich sparen, weil es eh nichts bringt.
Und zu bedenken ist auch: Jeder hat einmal eine erste Katze. Ob das jetzt ein Pflegling ist oder eine eigene Katze, irgendwo muss man die Erfahrungen sammeln - und persönlich denke ich, das ist wesentlich einfacher und sicherer mit einem guten Tierschutzverein (und natürlich einem guten Katzenforum :mrgreen: ) im Hintergrund, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen können, als alleine. Es gibt einfache erste Pflegis und schwierige erste Katzen (und auch wenn die erste Katze einfach ist - irgendwann wird auch die erste Katze das erste Mal krank, vielleicht sogar chronisch krank

). Und genauso wie ein guter Züchter die Verantwortung hat, seine Katzen an passende Dosenöffner und Katzenkumpels zu vergeben, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und seine Katzen auch wieder zu sich zurückzunehmen, wenn es nicht passt, hat auch ein guter Tierschutzverein die Verantwortung, seine Pflegis an die passende Pflegestelle mit passenden Katzenkumpels zu geben. Die guten Vereine machen das auch, und wenn sich herausstellt, dass es doch nicht so passt, wie man gedacht hätte (wie es zum Beispiel bei meinem Pflegi Lucky passiert ist :roll: ) dann wird auch die Pflegestelle gewechselt, wenn es irgendwie möglich ist.