Es ist jetzt 31 Tage her seit Leo ins Regenbogenland umgezogen ist, und seit heute haben wir wieder einen Pflegling im Hause.
Dieser Pflegling ist etwas ganz besonderes und ein ganz trauriges und schockierendes Beispiel dafür, wozu manche Menschen fähig sind.
Dazu muss ich jetzt etwas weiter ausholen:
Seit letztem Jahr häufen sich die Fälle von grausam verstümmelten Katzen in der Samtgemeinde Brookmerland, insbesondere in den Orten Marienhafe und Upgant-Schott (was praktisch ein Ort ist, nur getrennt durch einen Bahnübergang). Bis Jahresende waren 4 Fälle bekannt geworden, jedoch werden weitaus mehr Katzen aus der Gegend vermisst. Wenn die Tiere gefunden werden, so sind sie immer grausam verstümmelt worden, besonders an den Pfoten.
Hierzu ein Bericht aus 2014 der Emder Zeitung.
Emder Zeitung 2014
Am 13.10. wurde gegen 15:50 Uhr eine schwer verletzte und verstümmelte Katze in einer Tuja-Hecke am Cramersweg in Marienhafe von einer Passantin gefunden. Sie verständigte sofort die örtliche Tierärztin, die die Katze noch am Fundort in Narkose legte. Sie muss schreckliche und unvorstellbare Schmerzen gehabt haben. Frau Dr. Roberts operierte das arme Tier noch am selben Abend, und musste die rechte Vorderpfote komplett, und den größten Teil des Schwanzes amputieren. Lange stand nicht fest ob sie überhaupt wieder aus der Narkose erwachen würde, da sie sehr geschwächt war und viel Blut verloren hatte. Doch das Tier wollte leben, wollte den Tierquäler nicht gewinnen lassen. Und sie überlebte, wenn auch mit knapper Not. Knappe Siege sind auch Siege.
Hierzu ein Artikel:
Artikel der Ostfriesischen Nachrichten
Unser Verein wurde verständigt, und es gelang uns die Besitzerin der Katze ausfindig zu machen. Sie hatte ihr Tier seit über einer Woche nicht mehr gesehen, und war total geschockt vom Schicksal ihrer Fellnase. Doch leider hatte die Dame in der Zwischenzeit gleich mehrere private Schicksalsschläge hinnehmen müssen, die ihr die Versorgung ihres Haustieres nicht mehr möglich machen. Nun saß "Mausi", so ihr Name, also bei der Tierärztin und hatte, neben Schwanz und Vorderbein, auch noch ihr Zuhause verloren. Wie viel Pech kann man als Katze eigentlich haben? Wäre sie Bestatterin, würden die Leute aufhören zu sterben....
Es kam also wie es kommen musste: Heute am späten Nachmittag klingelte unser Telefon. Unsere Katzenstation ist voll, und unsere erste Vorsitzende hat ihr Haus voller Katzenbabies. Also wurden wir gefragt ob wir Mausi nicht in unserem Pflegezimmer einquartieren könnten?
Blöde Frage! Eine Stunde später war das Katzenzimmer einsatzbereit und wir auf dem Weg zur Tierärztin. Dort übernahmen wir Mausi dann, nachdem wir noch bei der Entfernung der Fäden assistiert hatten. Zitat unserer Vorsitzenden: "Die beiden können das, das sind Katzenexperten"....Nun ja, der Mensch wächst an seinen Aufgaben.
Seit heute um 19:10 Uhr wohnt also Mausi bei uns, das geschundene und misshandelte Dreibein mit dem Stummelschwanz.
Die Tierärztin sprach von "sehr wenig Bewegungsdrang". Stimmt so nicht, sie sprang aus der Transportbox und erkundete erst einmal ganz genau ihr Zimmer. Aufgeregt zwar, aber keineswegs ängstlich. Sie ist übrigens ziemlich flott unterwegs, sollte man gar nicht meinen. Mausi hoppelt so ähnlich wie ein Kaninchen.
Wir haben sie dann erst einmal ankommen lassen und haben vorhin noch mal nach ihr geschaut. Das mitgebrachte Futter wurde mit größtem Appetit vertilgt, und danach war streicheln angesagt. Mausi warf sofort den Schnurrmotor an und kam direkt auf Zuruf angehoppelt. Ich hatte mich auf den Boden gelegt und Mausi legte sich zu mir, zeigte mir ihren Bauch, und ließ sich streicheln und kraulen. Dabei schnurrte und sabberte sie im Wechsel.
Wir sind gespannt wohin uns der Weg mit Mausi führt, jedenfalls hat sie ihr Vertrauen in die Menschheit anscheinend nicht verloren.