Letztlich einfach nur nochmal für mein Grundwissen: Grundsätzlich, wenn man einen potenten Kater decken lässt, meinetwegen kommt die Katze zu ihm, der andere kastrierte Kater ist auch anwesend quasi, es gibt keine örtliche Trennung der beiden Katerkumpel, sollte es keine Probleme für das Zusammenleben der beiden danach geben? Oder lässt sich das biologisch durch irgendwas begründen/erahnen, dass es zu Problemen kommen kann?
Ich möchte das grundsätzlich gerne wissen,... Ob ich da einen Denkfehler habe, denn ich hatte das damals evtl falsch verstanden...
Also, dann lass uns das doch mal aufdröseln.
Fangen wir mit den Fakten an:
Jeder der sagt: es wird
auf jeden Fall das und das passieren hat schon mal ganz grundsätzlich unrecht! Denn (und das ist das einzige was hier Fakt ist), hier geht es um Lebewesen, noch dazu um eine Art, die Tiere mit sehr individuellen Verhaltensweisen hervorbringt. Deshalb kann man einfach nicht wie im Matheunterricht 2+2 rechnen und bekommt dann immer 4.
Es wird also immer ein
wahrscheinlich,
eventuell,
vielleicht ... geben.
Die Frage ist also eher, welche Gefahr besteht und als wie hoch schätzt man diese Gefahr ein?
Fangen wir doch mal mit der Frage an: Besteht die Gefahr, dass sich die beiden Kater nicht mehr verstehen wenn (a) ein Kater für mehrere Tage das Heim verlässt, oder wenn (b) eine weitere Katze für mehrere Tage in die heimische Umgebung kommt? Und lassen wir dabei die Potenz der Tiere mal beiseite.
(a) Wenn ein Tier für mehrere Tage in ein anderes Zuhause kommt, noch dazu, wenn dort dann andere Katzen leben, deren Geruch der Kater annimmt, dann ist es immer ein Risiko, denn die Katzen einer Gruppe erkennen sich am Geruch und wenn dieser nicht mehr dem
Gruppengeruch entspricht, dann gehört diese Katze auch nicht mehr zur Gruppe. Das heißt die Katzen müssen sich wieder "neu finden" und das kann ganz schnell gehen oder auch komplett nach hinten los gehen.
(b) Viele, die schon einmal eine Zusammenführung durch haben können dir sagen, dass das Einbringen einer neuen Katze in eine Gruppe immer ein Risiko ist und auch Auswirkungen auf das Verhalten der schon vorhandenen Katzen zueinander hat. Bei erwachsenen Tieren würde ich persönlich ja ohnehin immer zu einer langsamen Zusammenführung raten, um das grundsätzliche Risiko das es einen riesen Krach gibt zu senken, was hier aber ja gar nicht möglich ist.
Also kann man sagen: Ja, es besteht immer ein Risiko, dass man das Gruppengefüge erschüttert, wenn man in irgendeiner Form etwas an der Gruppe verändert.
Dann die nächste Frage: Wie wirkt sich denn nun die Potenz und das Vorhaben den Bengalen eine Katze decken zu lassen auf das Risiko aus?
(a) Hier gibt es mehrere Komponenten. Das eine ist die Komponente Stress. Der Kater muss die Autofahrt, die neue Umgebung, mehrere Tage in einer fremden Umgebung, den Deckakt (ja auch Stress ;-)) und dann wieder die Heimreise verkraften. Das ist für so kurze Zeit eine ganze Menge. Gestresste Katzen sind aber ja nach der Art, wie sie den Stress verarbeiten sehr viel angriffslustiger und sind "aufgeputscht", was bedeutet, dass der kleinste Anlass ausreichen könnte, um den Kater zu einem Angriff zu bringen, der der Anfang von einer gestörten Beziehung der beiden Kater sein könnte. Die andere Komponente sind die Hormone, die durch die Deckung in Wallung kommen. In dem Moment, wo es darum geht als Kater eine Katze zu "ergattern" steigt auch automatisch der Konkurrenzgedanke bei den Tieren, was sie gleichgeschlechtlichen Artgenossen gegenüber aggressiver macht (man denke nur an einen jungen Mann, der sieht wie seine Freundin von einem hübschen Kerl angeflirtet wird ;-)). Diese Hormone sind nicht einfach wieder ratz fatz aus dem Körper verschwunden, wenn der Kater wieder nach Hause fährt. Weshalb zumindest die Gefahr besteht, dass der heimliche Kater als Konkurrenz wahrgenommen wird.
(b) Der zweite Punkt aus dem oberen Abschnitt trifft hier genauso zu, nur dass das Ganze hier noch dadurch verschärft wird, dass der zweite Kater anwesend ist. Das kann sogar eine sehr extreme Konkurrenzsituation im Kopf des Bengalkaters schaffen. Natürlich wird das etwas dadurch entschärft, dass Balou kastriert ist, aber das er als "absolut uninteressant" eingeordnet wird, dafür würde ich nicht die Hand ins Feuer legen wollen.
Dann kommt noch dazu: Mogli dürfte kein großes Problem mit einer potenten Katzendame haben (wenn auch er potent ist), denn wenn es um Sex geht, dann wird alles Reviergehabe erst einmal nebensächlich, zumindest zeitweise. Aber was ist mit Balou? Für ihn kommt einfach eine fremde (noch dazu potente!) Katze in sein Revier und da er keine sexuellen Absichten hat sind wir hier wieder bei dem ganz normalen Zusammenführungsprozedere, was immer Risiken birgt.
Nimmt man diese zwei Punkte jetzt zusammen, dann kann man davon ausgehen, dass die Potenz das ohnehin schon vorhandene Risiko um einiges erhöht, dass es zu Spannungen zwischen Mogli und Balou kommen könnte. Die Idee eine potente Katze zu dir nach Hause zu holen und alle Katzen zusammen zu lassen finde ich dabei noch am abenteuerlichsten. Wenn es ganz dumm läuft, dann hast du zwei Kater, die sich verstritten haben, der eine markiert, weil er seine neue Männlichkeit entdeckt hat und der andere, weil er sich in seinem Revier nicht mehr sicher fühlt.
Sicher kommt es unter Züchtern öfter vor, dass eine Katze zu einem Kater zum decken kommt und nicht immer gibt es danach einen riesen Krach unter allen beteiligten Katzen, aber nicht umsonst gilt die Deckkaterhaltung als Königsdisziplin der Zucht und viele Züchter verzichten darauf einen eigenen Deckkater zu halten. Das hat schon alles seine Gründe ;-).
Ansonsten bleib ich dabei: lass den Kater einfach kastrieren und dann hat sich die Diskussion "soll er nun zum decken oder nicht" erledigt. Und auch ich würde das Restgeld, was die Dame fordert, als Lehrgeld sehen (wenn man das überhaupt so sagen kann, denn der Kater hätte ja ohne diese Vereinbarung sowieso den höheren Betrag gekostet).