Guten morgen... Hier sind die Laborwerte. Was kann ich nun tun?
Ich kann dir nur raten dir eine zweite Meinung einzuholen.
Wo kommst du denn her? Vielleicht kann dir hier jemand einen guten
Tierarzt oder eine gute TK empfehlen.
Das der
Tierarzt bei diesen Werten und den Symptomen von
FIP stricht macht mich sprachlos. Bei mir wäre da alles Vertrauen flöten.
Nur kurz angerissen:
FIP ist eine sehr schwer zu diagnostizierende Krankheit.
Der Coronavirentiter sagt gar nichts über
FIP aus. Ist er positiv, dann kann man nur sagen, dass die Katze mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen ist. Man kann, gerade bei so niedrigen Werten wie denen deines Katers noch nicht einmal sagen, ob noch Coronaviren vorhanden sind, oder ob die Katze die schon eleminiert hat und nur noch Antikörper vorhanden sind, deren Spiegel erst langsam wieder abfällt.
Die Coronaviren sind an sich harmlos und je nach Quelle sind damit 60% bis 70%, manche sprechen von bis zu 80-90%, aller Katzen schon einmal in Berührung gekommen und haben somit einen positiven
Titer.
Bei den wenigsten Tieren mutiert dieser Virus und dann bricht
FIP aus.
Um aber überhaupt
FIP in Erwägung zu ziehen braucht man mehrere Bausteine, die dann zusammen zu der Diagnose führen:
- eine Katze bei der
FIP ausgebrochen ist, ist schwer krank und das merkt man den Katzen in der Regel auch an. So unspezifisch die einzelnen Symptome sein mögen, so deutlich ist doch, dass die Katzen immer mehr abbauen, Gewicht verlieren und deutlich an Energie verlieren (Vorsicht: wie einleitend geschrieben sieht man der Katze an, dass sie sehr krank ist, sehr krank bedeutet aber nicht automatisch auch
FIP, sondern erst mal nur krank.)
- das Blutbild zeigt Verschiebungen, die bei einer
FIP bestimmte Richtungen abweichen. Besonders häufig betrachtet wird hier der A/G-Quotient, der bei
FIP-Katzen oft sehr niedrig ist und den Grenzwert reißt. Aber auch andere Werte sind zu betrachten (Google mal nach
FIP-Screening).
- häufig treten bei
FIP Wasseransammlungen im Bauchraum auf. Wenn dem so ist, dann kann man auch diese Flüssigkeit untersuchen. Es gibt mehrere Methoden dies zu tun. Nachdem aber heute die Möglichkeit besteht auf bestimmte Mutationen zu testen und einen Virusnachweis im Punktat durchzuführen, wäre das immer meine Methode der Wahl.
- sind keine Wasseransammlungen vorhanden, die Katze zeigt aber alle Symptome einer
FIP, dann kann man auch das Blut auf die Mutationen untersuchen lassen.
Erst wenn alle diese Punkte zutreffen ist wirklich ernsthaft von einer
FIP auszugehen. Wobei man berücksichtigen muss, dass ein negativer Mutationsnachweis
FIP nicht ausschließt.
Bei dir trifft so gut wie nichts davon zu. Dein Kater hat Hustenanfälle, ansonsten scheint er ja fit zu sein.
Das Blutbild ist in meinen Augen überhaupt nicht
FIP typisch. Laie wie ich bin sieht es für mich eher nach einem entzündlichen Prozess aus, der bei deiner Katze gerade abläuft.
Der
Titer ist übrigens super niedrig. Mein Kater Sherlock hatte vor gut zwei bis drei Jahren einen
Titer von 1:1600 und ist immer noch gesund und munter. Dagegen habe ich meinen Kater Ray an
FIP verloren. Was der für einen
Titer hatte, weiß ich nicht, weil wir das nie getestet haben, weil ohnehin keine Aussagekraft. Es gibt zu viele "wenn" und "aber".
Es gibt also gar keinen Grund überhaupt nur an
FIP zu denken und da weitere Diagnostik zu betreiben, sondern ihr solltet herausfinden, was wirklich im argen liegt.
FIP ist für manche TÄ einfach nur die bequemste Lösung, wenn sie nicht weiter wissen, weil man gegen
FIP eben nun einmal nichts tun kann.
So, ich hoffe du blickst da einigermaßen durch ;-).
Alles Gute weiterhin für euch und schnapp dir die Röntgenbilder, das Blutbild und alles was du sonst noch hast und hol dir eine zweite Meinung (in meinen Augen am besten in einer größeren TK).