Ich bin persönlich auch absolut kein Friedhofsgänger. Das gibt mir nichts. Das Urnengrab meiner Mutter suche ich nur auf, wenn es auf Wunsch meines Vaters ist. Z.B. irgendwelche Pflanzen kappen oder gießen.
Dafür habe ich das große Foto meiner Mutter von der Trauerfeier hier im Flur hängen.( an Geburtstagen oder am Todestag wird eine ihrer Lieblingsrosen aus dem Garten davor gestellt ) Das Foto genau 1 Jahr vor ihrem Tod bei der Diamantenen Hochzeit meiner Eltern. Sie war damals schon schwer krank, strahlt aber auf diesem Bild vor Glück. Die Trauerfeier selbst war für mich der Horror, da so viele Leute kamen, dass der Pastor zusätzliche Stühle organisieren musste, um alle Freunde und Bekannten unterzubringen :shock:
Das anschließende Händeschütteln von ca. 120 Personen hätte ich gerne umgangen :shock: Mein Vater anscheinend auch, da er seine Beisetzung bereits organisiert und auch bezahlt hat. Er will auch keine Trauerfeier, sondern nur eine Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis, was mich sehr erleichtert.
Bei der Beisetzung meines Bruders war ich nicht dabei und war bisher auch nur ein einziges Mal an seinem Grab ( 800km entfernt ) Auch von ihm steht ein Foto vom letzten gemeinsamen Weihnachten 2 Tage vor seinem Freitod im Zimmer. Meine Eltern, mein anderer Bruder sowie meine Schwägerin haben ihn noch aufgebahrt gesehen. Alleine deswegen bin ich froh, nicht mit dabei gewesen zu sein. Das hätte ich nicht durchgestanden:???: Aber meine Mutter und meine Schwägerin wollten es damals unbedingt.
Meine Mutter ist übrigens hier zu Hause dank eines tollen befreundeten Arztes friedlich und ohne Schmerzen eingeschlafen. Ich war im Zimmer und habe es erst gemerkt, als ich kein Atmen mehr hören konnte.
Sie hatte eigentlich ein Hospiz ins Auge gefasst, aber dies wohl nur aus Rücksichtnahme auf uns.
Zwei Tage vor ihrem Tod war noch die gesamte Familie einschl. Enkelkinder da und hat Abschied genommen.
Meinen Göga und mich hat sie sogar noch darum gebeten, dass wir uns bitte um meinen Vater kümmern sollen und ihn beim gesamten Papierkram rund um Beisetzung und Trauerfeier unterstützen, für die sie selbst noch die Gästeliste verfasst hatte.
Die in meinen Augen merkwürdigste ( oder ungewöhnlichste ) und kürzeste Beisetzung habe ich bei meiner Freundin erlebt, die im Alter von 50 Jahren urplötzlich an Herzversagen starb und von ihrem Freund nach seiner Nachtschicht tot in der gemeinsamen Wohnung aufgefunden wurde. Es gab keine Trauerfeier. Der bestellte Trauerredner ( kein Pastor ) kam mit der Urne direkt aus der Friedhofskirche und ging mit den wenigen anwesenden Gästen direkt zum Grab. Dort hielt er dann eine wirklich sehr passende Rede über das Leben meiner Freundin ohne in irgendeiner Weise auf die Tränendrüse zu drücken. Es wurde teilweise sogar geschmunzelt. Alle anwesenden Freunde, der Lebensgefährte sowie die Mutter kamen in völlig normaler Kleidung. Eine junge Frau, sogar in Punker-Klamotten:shock: Anschließend haben wir dann noch eine Weile mit dem Lebensgefährten geredet und uns Fotos auf seinem Handy angeschaut.
Es gab zwar wohl später noch ein gemeinsames Zusammensein, aber daran haben wir nicht mehr teilgenommen, da wir die Anwesenden bis auf die Mutter auch erst an diesem Tag kennengelernt hatten.
Das hört sich gut an,
ich denke jeder von uns sollte es so gestalten, wie er/sie es fühlt...
Egal ob bei geliebten Menschen oder Tieren.
Bei meiner Mama, Schwiegermama und Schwägerin, haben wir Familienmitglieder jeweils abwechselnd,
die Urne über den Friedhof getragen, den allerletzten Weg haben wir sie mitbegleitet-mitgetragen,
sind den letzten Weg davor schon mit ihnen gegangen,... und haben sie dann ins Grab "abgeseilt"...
(das war für uns absolut schlüssig).
Es war so persönlich und mit einem guten Gefühl für alle Beteiligten verbunden ...
Bei Papa, war es damals anders...
Aber auch bei meinem Schwager, haben die engsten Freunde schon vor 18 Jahren, den Sarg getragen.
Innerhalb des vorletzten Jahres verloren wir 4 geliebte Menschen und 2 geliebte Tiere...
Mir haben all diese Erfahrungen ... die früher vorhandene ---
eher diffuse Angst vor dem Tod an sich, genommen.
Das Sterben, gehört m.M.nach ebenso zu unserem Leben, wie das Geborenwerden.
Unseren 22jährigen Wallach Romeo, haben unsere Mädels alleine, zwar auf der geliebten Romeo Weide, inmitten seiner Kumpels und nach mehrmaligem
Tierarzt Besuch auf der Weide, nach unendlichen Spritzen und Medikamenten, nach 3 Tagen samt Nachtwache im Schlafsack auf der Weide,
doch glücklicherweise mit der sensiblen Begleitung des Tierarztes ...
über den Regenbogen begleiten müssen...tapfere Mäuse;-(
Der Papa konnte leider erst nach dem Job dazukommen , eben erst als es bereits vorbei war
und ich war damals leider nur über Handy und Whats App dabei, weil ich zu diesem Zeitpunkt gerade
2 Wochen bei meiner Schwester auf Mallorca verbrachte:-()
Einige Stunden später,
fuhren die Mädels dann während der Nacht noch mal zu Romeo,
um sich nach dem Schock, ein allerletztes Mal zu verabschieden...
So würde ich gerne auf meinem letzten Weg begleitet werden...
auch wenn ich Katze, Hund oder Pferd wäre...
Bine