Die Wanderkatastrophe
Wir hatten uns vorgenommen über die ehemalige Deutsch- Deutsche Grenze von Ludwigsstadt nach Probszella wandern. Die Strecke ist per Auto oder Zug 6-7 Kilometer lang, die Wanderung sollte knappe 10 Kilometer lang sein. Es war kühles, aber trockenes und sonniges Wetter angekündigt, perfekt zum Wandern und Fotografieren.
Die Fahrt zu unserem Startpunkt verlief einwandfrei, nur kurz bevor wir aussteigen mussten kam nicht nur dichter Hochnebel, plötzlich lagen Schneereste in den Wäldern und Gräben und ich ärgerte mich die lange Unterhose nicht angezogen zu haben.
Wir stiegen aus und gingen los.
Die Wanderung ging zu erst quer durch Ludwigsstadt, hinaus auf die Felder, von wo aus wir einen super Blick auf den Ort, den Bahnhof, das Viadukt und die Berge im Hochnebel hatten. Die ersten Fotos waren im Kasten.
Der Weg führte in den Wald hinein. Herrlich, die Natur, diese Ruhe.
Nach einigen Kilometern begannen wir uns langsam zu wundern. Probszella liegt unterhalb von Ludwigsstadt, aber der Wanderweg führte immer mehr bergauf. Noch dachten wir uns aber nicht viel dabei, schließlich ist der Wanderweg länger als die Strecke von Straße oder Schiene.
Plötzlich standen wir im Wald an einer Weggabelung, die nicht in der Karte eingezeichnet war und auch keine Markierung hatte. Nun überlegten wir ob wir umdrehen sollten. Jedoch hatten wir schon so viel Weg geschafft, das wir den Rest auch noch schaffen wollten. Wir wussten ja das wir uns an dem Schienen- und Straßenverlauf orientieren können. Wir entschieden uns, gingen weiter und es schien richtig gewesen zu sein, plötzlich kam die Wanderwegmarkierung wieder. Jedoch führte der Weg weiterhin bergauf. Nach weiteren Kilometern ging es endlich mal gerade hin. Was für eine Erleichterung nach den kräftezerrenden Steigungen.
Doch unserer Freude hielt nicht lange, auf den Wanderweg sind beim letzten Sturm Bäume gefallen. Nun überlegten wir das zweite mal umzudrehen. So viele Kilometer lagen hinter uns, die kürzere Strecke muss noch von uns liegen. Also kletterten wir um, durch und über die Bäume, bis wir wieder auf dem normalen Weg weiter gehen konnten. Danach standen wir vor Dreck. Die Jacken, Hosen und Hände waren voll von Schlamm, Harz und Pflanzensaft.
Wir lachten und nannten es Abenteuerurlaub. Weitere Kilometer später kamen wir wieder an eine Abzweigung. Der markierte Weg führte immer höher und bog rechts ab, die anderen Verkehrswege aber liegen viel tiefer und bogen nach links ab. Wir entschieden uns gegen den Wanderweg uns gingen den Weg entlang der wieder ins Tal führte. Nach endlosen Windungen, in denen ich auch noch mit dem Köchel umknickte, kamen wir im Tal in Lauenstein an. Auf den motorisierten Wegen war das eine Strecke von 2,6 Kilometer gewesen, wir waren schon zwei Stunden zum Fuß unterwegs. Wir orientierten uns noch mal neu. An der Straße entlang war der Weg bis Probtszella noch knappe sechs Kilometer lang, auf dem Radweg gute sechs Kilometer lang oder wir drehen um. Aber gut, die ca. sechs Kilometer schaffen wir. Der entschieden uns den Radweg lang zu wandern. Dort haben wir bestimmt mehr unsere Ruhe und so steil wie der vorherige Wanderweg wird er wohl nicht sein.
Voller Optimismus starteten wir den erneuten Versuche nach Probtszella zu kommen. Wie genossen die Natur und die Aussicht auf Burg Lauenstein.
Nach ungefähr einem Kilometer Weg sprang die Kilometerbezeichnung von 6,1 Kilometer auf 6,6 Kilometer. Wo kommt der zusätzliche Weg her?
Als dann noch eine steile Steigung kam war unsere Laune am Tiefpunkt angelangt. Wir stiegen den Berg hinauf, oben angekommen kam die erste Bank, die erste Möglichkeit Pause zu machen. Trotz das die Zeit bis wir am Bahnhof sein mussten eng wurde, nahmen wir uns drei Minuten Zeit und pausierten.
Der Weg führte anschließend hinab, wir kamen an der Fischbachsmühle vorbei, in der eine Konfiserie beheimatet ist. Weiter ging es an einer ehemaligen Gaststätte, die letzte vor der Grenze. Wir raffen unseren letzten verbliebenen Optimismus, unsere letzten Kräfte zusammen. Nur noch ein paar Kilometer...
Wir mussten eine Brücke überqueren, auf der standen aber Autos, die gehörten zu Arbeitern, die neben und auf der Brücke das Grün zurückschnitten. Durch die Fahrzeuge schlängelten wir uns über die Brücke. Der Weg führte wieder in den Wald, es kam eine Kurve, ungläubig standen vor einer steilen Steigung. Ein Ende war nicht zu erahnen. Uns schwanden die Kräfte. Wir überlegten den direkten Weg der Straße entlang zu wandern, jedoch war dazwischen die Zugstrecke und ein Flussbett.
Wir mussten wieder zurück zur Fischbachsmühle. Also gingen wir wieder zurück, schlängelte uns wieder durch die Arbeiter, die schon genervt waren und schleppten uns zu der Mühle.
Wir schauten auf die Uhr, wir würden den geplanten Zug nicht mehr schaffen. Wir waren geschafft, frustriert, hungrig, durstig. Natürlich hatten wir einiges an Proviant mitgenommen, aber diese neigten sich nach fast vier Stunden ununterbrochenem Laufen dem Ende.
Wir beschlossen zu der Mühle zurück zu laufen. In der Hoffnung das dort ein Bus fährt oder wir uns ein Taxi hinbestellen können. Dort angekommen fanden wir leider keine Busstation. Wir suchten im Internet nach einem Taxiunternhemen. Eines fanden wir, was uns aber nicht fahren konnte. Schon langsam verzweifelt standen wir nun vor der Konfiserie und wussten nicht was wir machen sollten.
Ich beschloss hinein zu gehen um dort zu fragen ob es noch eine Möglichkeiten nach einem Taxi gibt. Ich ging hinein und zum Glück für uns hatte ganz freundliches Personal Dienst. Als ich erfuhr das der Weg auf der Straße, der direkte Weg, noch vier Kilometer bis Probstzella war, viel mir ein Stein vom Herzen das wir umgekehrt und wieder zu der Mühle gegangen sind. Den Radweg hätten wir nicht mehr geschafft, selbst die vier Kilometer auf der Straßen würden in unserem Zustand kritisch werden. Ich fragte wegen einem Taxiruf. Die beiden netten Damen taten was sie konnten, konnten aber auch kein Taxiunternhemen ausfindig machen.
Gerade freundete ich mich zwangsläufig mit dem Gedanken an den Weg zu Fuß zurück legen zu müssen, da sprach mich ein älterer Herr an. Er hatte mitbekommen was wir für ein Problem hatten und erklärte sich bereit uns zum nächsten Bahnhof in seine Richtung mitzunehmen. Erleichtert bedankte ich mich. Der nette Herr wollte mit seiner Frau im Kaffee der Konfiserie noch Kaffee trinken. Mir sollte es mehr als recht sein. Freudig ging ich zu meinem Mann, der vor dem Gebäude gewartet hatte und erzählte ihm die Nachricht. Nun standen wir auf dem Brückensteg eines kleinen Baches, starrten ins Wasser und konnten endlich machen wozu wir Wandern wollten, entspannen.
Wortlos und glücklich warteten wir auf unseren Fahrer. Das Pärchen kam, wir unterhielten uns, stiegen ins Auto und in ein paar Minuten waren wir bereits am Bahnhof in Ludwigsstadt. Wir hatten zwar nicht unser Ziel erreicht, aber waren zumindest wieder an einem Bahnhof.
Leider kam es wie es kommen musste wenn einmal der Wurm drin ist, der Zug hatte eine halbe Stunde Verspätung. Da wir kein Auto haben fahren wir viel mit dem Zug, wir haben kaum Probleme. Aber ausgerechnet jetzt, wo wir mit unseren Kräften am Ende waren, hatte der Zug Verspätung. Nach dem vielen Schwitzen während der Wanderung fror ich jetzt um so mehr und zitterte mich warm bis der Zug kam. Endlich kam die warme Stube, erleichtert setzten wir uns.
Natürlich war das nicht das Letzte was wir heute erleben sollten. Statt nach Nürnberg zu fahren endete der Zug bereits in Erlangen. Wir mussten aussteigen und auf den nächsten Zug nach Nürnberg warten, weshalb wir dann eine Stunde Verspätung hatten.
Zumindest konnte wir uns wieder mit Proviant eindecken. Der Rest der Heimreise verlief problemlos, geschafft fielen wir zu Hause auf die Couch.