Eigentlich wollte ich zu diesem Thema gar nichts schreiben, weil es die kontroverse Diskussion nur weiter anheizen wird und mir für längere Debatten schlicht die Zeit fehlt.
Trotzdem hier mein Standpunkt in gebotener Kürze.
Ich bin gegen Frühkastration, weil dies ein irreversibler Eingriff in das größtenteils hormonell gesteuerte Wachstum der Katze ist. Frühkastration ist aus meiner Sicht jede Kastration, die vor dem Abschluss des Zahnwechsels und der damit beginnenden Geschlechtsreife durchgeführt wird. Tatsächlich vermute ich sogar einen Zusammenhang zwischen vermehrten Frühkastrationen und FORL, der eigentlich auf der Hand liegen müßte. (Dazu sind meine Recherchen aber noch nicht weit genug gediehen und fundiert, um das im Detail darzulegen.)
Frühkastration, und die ganz besonders krass und verantwortungslos schon ab der 12. Woche, dient nur dem Menschen und nicht der Katze. Für Tierschützer ist es nun mal einfacher und kostengünstiger, Kitten einfzufangen und kastrieren zu lassen, als potente Katzen und insbesondere Kätzinnen, die schon belegt sind. Dass die Kleinen den Eingriff leichter wegstecken als die Erwachsenen, macht es dann noch um einiges einfacher.
Für Halter von Wohnungskatzen bedeutet Frühkastration weniger Markieren, weniger nervendes Rollen, weniger Stress überhaupt, dient also dem Anspruch, den leider immer mehr Katzenhalter haben: pflegeleichte, schmusige Sofakatze die keinen Ärger macht. Dass man unkastrierte Katzen nicht in den Freigang lassen darf/sollte, versteht sich von selbst. Aber wenn man selbst bei reinen Wohnungskatzen nicht mal die Geduld aufbringt, das Tier erst mal halbwegs auswachsen zu lassen, bevor man sein hormonelles Wachstum für immer besiegelt, dann hört für mich der Spaß einfach auf.
Von Züchtern will ich erst gar nicht reden, denn die - egal ob angeblich seriös oder rabenschwarz - sind ohnehin ein rotes Tuch für mich.
Was die Tierärzte angeht, die - oft genug gegen ihre eigene Überzeugung - derartige Frühkastrationen durchführen, so kann man festellen, dass das Tierarzt-Geschäft inzwischen auch dem beinharten Markt unterliegt, der für medizinisch verantwortliches Handeln immer weniger Platz läßt. Da fällt besseres Wissen auch schon mal unter den Tisch, wenn die Miete bezahlt werden muss. Das ist nun mal die traurige Wahrheit.
So, das war's von meiner Seite. Vielleicht finde ich ja mal die Zeit, das Thema in einem eigenen Thread gründlich zu beleuchten