Danke Sabine, der Herr war nicht in Weiß, sondern im in Salzburg üblichen grünen OP-Gwandl mit Hauberl und Mundschutz
Dass die Eckzähne raus müssen, war ja klar. Aber es wird mindestens bis Ende des Jahres dauern, bis die Gschicht erledigt ist.
Und nächstes Jahr geht's im Unterkiefer weiter. Mit dem Bogen wird's also nichts. Möchte ich auch nicht.
Ich liebe meine Zahnärzte, den "normalen" ZA hab ich ja schon vor 42 Jahren als Baby im Arm gehalten
Das Ganze ist lästig, langwierig und kostspielig, sonst nix. Es gibt weitaus Wichtigeres im Leben.
Ich hab gestern auf dem Heimweg vom Chirurgen bei einer rotem Ampel eine Frau mit Hund angesprochen - ich red oft fremde Menschen an und hab dadurch viele nette Leute kennengelernt.
Mitte 40, groß, blond, fesch. Es hat sich dann herausgestellt, dass sie aus der Ukraine ist; mit drei Hunden, drei Söhnen und den Schwiegertöchtern geflohen. Die Eltern und der Mann sind geblieben. Wir haben uns dann auf Deutsch, Englisch und mit dem Übersetzer längere Zeit unterhalten.
Julia hatte in der Ukraine ein Reisebüro und arbeitet derzeit in einer Küche als Abwäscherin. Ich hab sie dann gefragt, woher sie kommt und ihre Antwort war - aus Butscha
Ich hatte das Gefühl, dass mir jemand einen Kübel Eiswasser über den Körper schüttet und meine erste Reaktion war, diese Frau zu umarmen. Sie hat mir dann - ohne jeglichen Hass in Augen, Gestik und Stimme - das Massaker geschildert. Ich bin fast in Tränen ausgebrochen. Auf meine Frage, ob sie überhaupt noch schlafen kann, kam die Antwort - nur mit Medikamenten.
Wir haben uns dann getrennt, nicht ohne uns noch einmal ausgiebig in den Arm zu nehmen und abzubusseln. Diese Frau und ihr Schicksal wird mich lange begleiten und vielleicht - hoffentlich - begegnen wir uns wieder. Salzburg ist klein.
Spätestens aber bei der Eröffnung ihres Reisebüros in der neuen Heimat; Julia ist fest davon überzeugt, dass sie das schafft.
Ich beuge mein Haupt in Demut vor dieser großartigen, tapferen Frau





