*am Kopf kratz* Ich finde das Thema ganz interessant, weil ich mir darüber in den vergangenen 8 Monaten auch viel Gedanken gemacht habe. Meine Situation (beziehungsweise die von meinem Freund und mir) ist allerdings eine etwas andere.
Ich bin ja mit Katzen aufgewachsen, die waren alle Freigänger; aufgrund dessen konnte und wollte ich meine
Schildpatt nicht aus ihrem zu Hause reißen, als ich vor einem Jahr in Richtung Innenstadt ausgezogen bin. (großes Haus, Garten, Freilauf, Landluft - ein Paradies für jeden Fellpopo)
Unser Tierarzt ist inzwischen ein sehr guter Freund von mir; ich kenne den seit Kindheitstagen und das war auch der Grund, weshalb er auf mich zukam nachdem er erfuhr, dass ich mein Elternhaus verließ und Chili in der guten Obhut meiner Eltern gelassen habe: er hatte einen Notfall in seiner kleinen Praxis, den er versuchte zu vermitteln. Dabei handelte es sich um eine Kätzin die mit 3 Monaten und einem Beckenbruch von einer alten Dame zu ihm gebracht wurde. (Im Nachhinein und mit der Erfahrung, die wir inzwischen mit Lily gesammelt haben, gehen wir davon aus, dass sie entweder mutwillig getreten oder angefahren wurde)
Jedenfalls hat er mich gefragt, ob ich die Katze übernehmen wolle, weil wir ohnehin in der Wohnung leben und sie somit erstens eine bessere Genesung vollziehen konnte wie in dem kleinen Quarantänebereich der Praxis und zum anderen nicht wieder Gefahr lief, Opfer eines neuen Unfalls zu werden. Ich stimmte in dem Moment zu, da ich zum einen gerne mit Katzen zusammen lebe und zum anderen nicht mit ansehen konnte, wie diese junge Katze mehr oder minder freiwillig in der Arztpraxis lebte.
So kam Lily zu uns.
Lily war am Anfang menschenscheu; später bemerkten wir aber, dass sie bereits viele Tricks drauf hatte, die darauf schließen lassen, dass sie aus einer Familie kam, die sie entweder verloren hat oder quälte. Oder beides - schwer zu sagen.
Da ich bereits Erfahrung mit Katzen habe, weiß ich, dass es
immer besser ist, sie zumindest im Paar zu halten; doch in Lilys Fall waren mein Freund und ich uns einig, ihr erst einmal das Gefühl von Eingewöhnung und Vertrauen zu vermitteln und hinsichtlich ihres Zustandes vermuteten wir sogar, dass ein Partner sie zu dieser Zeit überfordert hätte. Nun, ein Paar Monate später, können wir daran endlich etwas ändern.
Lily hat sich, wider aller Annahme von Einzelhaltung, gut entwickelt. Sie muckt nicht, sie wirkt ausgeglichen, sie spielt und sie ist aufmerksam: aber wir wissen, dass wir ihr den Katzenkameraden nicht ersetzen können. Und auch ich habe mir oft vorgestellt, wie es sich für eine Katze anfühlen muss, ihr Leben lang (15 Jahre oder mehr!) auf sich allein gestellt in einer Wohnung eingesperrt zu sein -
nein, das geht absolut nicht.
Wir haben uns jetzt entschieden, es mit einem Kitten zu probieren und uns an ihre Reaktion heran zu tasten. Wir können nur ahnen, was passiert - weil ich jedoch schon oft Katzen zusammen geführt habe, denke ich, dass wir ganz gute Chancen haben, dass sie sich nicht von dem Neuzugang bedroht fühlt, beziehungsweise damit überfordert ist und sich flott daran gewöhnt. (soweit ich meine Katze und ihren Charakter einschätzen kann (-
Nächstes Jahr ziehen wir dann zurück aufs Land - mit dem Hintergedanken, sie wieder an den Freigang zu gewöhnen und ihr ein stückweit Freiheit zurück zu geben. Die Wohnung hier war nie die Endlösung, sondern nur ein Zwischenstopp.
Lange Rede, kurzer Sinn: unter Umständen ist Einzelhaltung manchmal notwendig, aber kein Dauerzustand, wenn man sich einfach mal die Zeit nimmt sich vorzustellen, selbst sein Leben lang in einem Raum oder einem Haus eingesperrt sein zu müssen (da fällt einem nach wenigen Minuten doch schon die Decke auf den Kopf!). Insofern untersützte ich die Meinung der Mehrhaltung und bekräftige jeden dazu, sich das gut zu überlegen; zwingen kann man niemand - aber seinem Tier etwas Gutes tun, das kann man schon.
Grüßle.