Sommerferien
Bei uns im Tierheim laufen die Vorbereitungen für den großen Ansturm der Tiere die bald kommen werden. Denn in einer Woche beginnen die Sommerferien und da wir zum zweiten Mal anbieten die Tiere während der Zeit des Urlaubes zu pflegen, haben wir diesmal insgesamt fast 100 Anmeldungen. Zwar sind dann die Tiere nicht alle auf einmal bei uns, doch schon in der ersten Woche sind 20 Tiere angemeldet. So geht es die ganze Zeit über. Immer werden Tiere für einige Zeit bei uns sein, um dann wieder zurück zu ihren Besitzern zu kommen.
Für diesen Zweck haben wir einen besonderen Bereich abgetrennt in dem die Tiere untergebracht werden.
Diese sollen einen Tag vor Reiseantritt gebracht werden und ich werde die Tiere dann zunächst Untersuchen. Sollte ich dabei eine Krankheit feststellen wird diese natürlich von mir behandelt. Kosten fallen für diese Behandlung wie immer nicht an, nur für die Medikamente. Auch für die Pflege der gesunden Tiere fallen keine Kosten an, nur muss ein kleiner Betrag gezahlt werden für die Verpflegung.
Nun sitze ich also in meinem Büro und versuche eine Belegungsliste zu erstellen. Dabei sollen Wohnungskatzen und Freigänger strikt getrennt werden. Im Obergeschoß des Katzenhauses haben wir dafür vier Räume vorbereitet und im Untergeschoß, dort können die Katzen auch nach draußen, sollen die Freigänger untergebracht werden.
Aber auch für die Hunde die kommen sollen muss ich einen Plan erstellen. Dabei sind Hunde die sich nicht mit anderen vertragen, aber auch einige die ohne ihre Menschen nicht leben wollen. Auch sind Hunde dabei die bei ihren Besitzern mit im Bett schlafen. Dieses sind in meinen Augen die größten Problemfälle. Aber auch das werden wir hin kriegen.
Einige der Halter gerade dieser Tiere haben mich gefragt, ob das richtig ist das die Tiere mit im Bett schlafen. Aber ich habe die Halter beruhigt. Öfters das Bett neu beziehen, immer die Decken jeden Morgen ausschütteln und schon steht dem Vergnügen, das der Hund oder die Katze mit im Bett liegt, nichts mehr im Wege.
Auch sind zwei Tierhalter dabei, die zwar Katzen haben, diese leben jedoch nicht im Haus. Nicht das die Halter das nicht wollen, sondern die Tiere wollen nicht. Bisher war es bei dem Personenkreis so, das die Nachbarn sich dann um die Tiere gekümmert haben. Jedoch fahren diese auch in den Urlaub und so ist die Versorgung der Tiere nicht gegeben.
Gerade um diese Tiere, es sind fünf Katzen, werde ich mich persönlich kümmern. Schon Morgen werden ich die Schlüssel für die Häuser bekommen, denn gefuttert wird immer im Haus, nie draußen. Auch wurde mir schon gesagt wo Futter für die Katzen ist und vor allem, wo die Katzen ihre Futterplätze haben.
Natürlich habe ich mir schon die beiden Häuser und die Katzen angesehen und dabei festgestellt, das bei einer Familie eine Katze lebt, die schon 16 Jahre alt ist. Gerade diese Katze habe ich an Ort und Stelle untersucht. Bis auf eine Sehschwäche beider Augen, ist die Katze aber vollkommen gesund. Diese Katze ist ihnen etwa ein Jahr zuvor zugelaufen. Trotz einer Anzeige in der Zeitung, meldete sich kein anderer Besitzer. Ich vermute, das diese Katze ein Streuner ist, der sich, da er nun älter wurde, den Menschen zugewandt hat. Darum werde ich diese Katze genauer beobachten um mehr über sie heraus zu finden.
Aber auch bei den Hunden gibt es Problemfälle, außer dem im Bett schlafenden Hunde. Zwei Hunde sind dabei, die noch nie mit anderen Tieren zusammen gekommen sind. Separieren will ich die Tiere nicht, darum waren genau diese Hunde schon mehrmals für einige Stunden bei uns im Tierheim. Dabei wurden sie auch mit anderen Hunden zusammengebracht. Aufgefallen ist mir dabei, das ein Hundehalter genau der Nachbar von der alten Katze ist. Dieser Hund trägt den Namen Bella. Natürlich habe ich gefragt, ob die beiden sich kennen was dieses bejaht wurde. Die beiden sind beste Freunde! Von daher vermute ich, das es keine Schwierigkeit mit dem Hund geben wird.
Der andere Hund, der Name ist Luna, scheint mir aber vermutlich mehr Schwierigkeiten machen, weil dieser weder andere Hunde noch Katzen kennt, da er immer in einer Wohnung gehalten wurde und nur wenn Gassi gegangen wurde, kam er nach draußen. Ich habe mir vorgenommen mit den Haltern nach Ende ihres Urlaubs ein ernstes Wort zu reden. Doch meistens kommt es anders wie geplant.
Schon am nächsten Tag kamen genau diese beiden Hunde zu uns. Sofort wurden die beiden Hunde zunächst in Boxen untergebracht, aber so, das sie sich sehen konnten. Luna schaute immer wieder zu Bella, machte jedoch nichts was ein Eingreifen von uns erfordert hätte. Darum ließen wir Bella, nachdem die Besitzer wieder unser Tierheim verlassen hatten, in den Außenbereich. Dabei konnte sie auch an die Box von Luna.
Beide beschnupperten sich, dann legte sich Bella vor die Box von Luna. Da auch nun keine Reaktion von Luna erfolgte, öffnet ein Mitarbeiter die Box und nun können beide Hunde zusammen kommen. Luna bleibt jedoch in ihrer Box und beobachtet Bella genau. Doch diese bleibt einfach liegen. Da geht auch Luna aus ihrer Box und schnuppert noch einmal an Bella. Anschließend erkunden beide ihr vorläufiges zu Hause. Anschließend gingen beide in eine Ecke und legten sich hin.
Die beiden Hunde sind die besten Freunde, dabei bemerkte ich, das Luna doch etwas schüchtern gegenüber Bella ist, jedoch legt sich das von Tag zu Tag. Auch mit anderen Hunden aus dem Tierheim kommen die beiden zusammen und es gibt nie Ärger. Aber auch hier zeigte sich das Verhaltensmuster von Luna. Erst ist sie schüchtern, sobald sie jedoch mitbekommt das Bella keine Berührungsängste hat, legt sie auch ihre Scheu ab.
Am nächsten Wochenende kommen dann die anderen Hunde und Katzen. Natürlich sind diese zunächst gegenüber den Mitarbeitern sehr scheu, aber das legt sich schon nach ein paar Stunden. Dann kann auch mit den Mitarbeitern gekuschelt werden.
Die Tiere sind schon eine Woche bei uns und es kamen auch schon neue hinzu. Auch hierbei gab es keine Schwierigkeiten. Luna und Bella sind immer noch zusammen. Auch bei den Häusern bin ich morgens und abends. Dort halte ich mich dann immer etwas länger auf und spiele mit den Katzen. Wenn sie Lust haben. Am ersten Tag sind es nur eine Katze gewesen, inzwischen jedoch vier. Nur die alte Katze konnte ich bisher nicht zum kuscheln überreden. Obwohl sie immer sehr interessiert ist, wenn ich da bin.
Es ist Samstagmittag und ich befinde mich zu Hause als das Telefon klingelt. Als ich abnehme meldet sich eine Mitarbeiterin des Tierheim. Sie berichtet mir, das sich Bella aber auch Luna ganz komisch verhalten. Sofort sage ich mein Kommen zu und bin auch schon ein paar Minuten später unterwegs. Nach nur 3 Minuten bin ich am Tierheim und begebe mich sofort zu den beiden Hunden.
Beide stehen am Zaun und blicken in eine Richtung. Dabei ist besonders Bella ganz aufgeregt. Als die beiden mich bemerken, stürmen beide sofort auf mich zu. Dabei sind sie am Bellen und als sie mich erreichen laufen sie wieder zum Zaun. Ich folge ihren Blicken, kann jedoch außer ein paar Bäumen nichts erkennen.
Ich wende mich an Bella und fange an mit ihr zu Reden. Dabei frage ich auch: „Bella, ist es die alte Katze? Geht es ihr nicht gut?“ Bella hat mir aufmerksam zu gehört und als ich die Katze erwähne, fängt sie noch heftiger an zu Bellen. Sofort steht mein Entschluss fest. Ich muss zu der Katze denn irgendetwas muss mit denen sein.
„Sofort zwei Leinen und dann die beiden zum Bulli. Eva und Annemarie ihr kommt mit.“ Die beiden gehen sofort los um die Leinen und einen Katzenkorb zu holen. Dann treffen wir uns am Bulli. Nachdem die Hunde in dafür vorhandene Boxen eingesperrt sind, fahren wir sofort los. Zu diesem Zweck muss ich quer durch die Stadt. Leider muss es auf der Autobahn eine Sperrung geben, denn es geht nur sehr langsam voran. So dauert es fast eine Stunde bis wir bei dem Haus ankommen.
Nachdem wir den Bulli verlassen haben, hänge ich zunächst meine Tasche um. In dieser Zeit holt Eva die Hunde aus den Boxen und Annemarie nimmt Korb und Leinen an sich. Dann gehen wir auf das Haus zu. Bella und Luna sind stark an den Leinen am Ziehen. Die beiden wollen sofort los stürmen.
Kurz vor dem Haus ziehen beide nach Links. Sofort ändern wir unsere Richtung. Nun fängt Eva an schneller zu gehen. Hinter dem Grundstück befindet sich ein kleines Waldgelände und darauf steuern die Hunde zu. Auch Annemarie und ich sind kurz hinter Eva mit den Hunden.
Immer heftiger zieht Bella an der Leine und Eva lässt nun die Leine los. Sofort stürmt Belle auf das Waldstück zu und verschwindet kurz darauf laut Bellend in diesem. Luna fängt noch heftiger an zu ziehen, jedoch lässt Eva die Leine nicht los, damit uns Luna zu Bella führt.
Wir hören von Bella nur noch das Bellen, denn sehen können wir sie nicht mehr. Aber Luna läuft immer in die Richtung aus der wir Bella hören können. Kurz darauf hören wir nur noch wie Bella am jaulen ist. Luna zieht noch heftiger so das Eva anfängt zu rennen. Auch Annemarie und ich fangen nun an zu rennen und nach kurzer Zeit sehen wir Bella halb aus einem Busch heraus ragen. Die andere Hälfte steckt im Busch.
Nun lässt Eva auch die Leine von Luna los und auch diese steckt nun ihren Kopf in das Gebüsch. Ich bin schon auf den Knien und drücke mit der Hand die Zweige auseinander. Dann kann ich die Katze sehen. Sie liegt auf dem Boden und ist ganz schwer am Atmen. Mit glanzlosen Augen schaut sie in unsere Richtung.
Ich greife nach der Katze und hole sie aus dem Gebüsch hervor. Als sie dann vor mir auf dem Boden liegt, sind sofort beide Hunde da und schnuppern an der Katze. Ich hole schon mein Stethoskop aus der Tasche und höre sofort die Katze ab. Die Hunde sitzen daneben und beobachten genau was ich mache. Jedes Mal wenn ich zu meiner Tasche greife sind sie wieder da und schnuppern an der Katze.
Bei meiner Untersuchung stelle ich zunächst fest, das die Katze ausgetrocknet ist und die Lungen nicht richtig funktionieren. Sofort lege ich einen Zugang und gebe ihr darüber eine Kochsalzlösung. Auch eine Stärkungsspritze bekommt sie. Dann legen wir die Katze in den Transportkorb den ich sofort hoch hebe. Bella und Luna gehen neben mir als es wieder zum Bulli geht. Nachdem der Korb mit der Katze im Bulli ist, springen auch die beiden Hunde in den Wagen und begeben sich in die Boxen. Sofort fahre ich los. Dieses Mal kommen wir schneller voran, da in unserer Fahrtrichtung der Verkehr normal läuft.
Als wir im Tierheim ankommen nehme ich sofort den Korb mit der Katze und laufe zum Behandlungsraum. Die Hunde folgen mir und kommen gleichzeitig mit an. Ich stelle den Korb auf den Behandlungstisch und die Hunde setzen sich neben den Tisch. Können jedoch nichts sehen, darum springen beide auf den anderen Behandlungstisch. Jetzt haben sie freien Blick auf die Katze.
Ich entnehme der Katze inzwischen etwas Blut und lasse dieses dann durch ein Gerät analysieren. Zu diesem Zweck gibt man etwas Blut auf einen Teststreifen und steckt diesen in das Gerät. Das Gerät untersucht dann selbstständig das Blut und nach einer gewissen Zeit wird das Ergebnis ausgedruckt.
Als das geschehen ist schaue ich mir das Ergebnis an. Ich stelle fest, das die Nierenwerte viel zu hoch sind. Also versagen die Nieren der Katze. Sofort bekommt die Katze von mir die nötigen Medikamente. Dann wird die Katze auf die Intensivstation gebracht, wobei die beiden Hunde folgen. Ich lasse zwei Hundekörbe holen und als diese auf dem Boden stehen, stelle ich den Korb mit der Katze dazu. Kurz schnuppern die beiden an der Katze, dann gehen sie zu ihren Körben.
Während der ganzen nächsten Woche liegt die Katze auf der Intensivstation, wobei die beiden Hunde immer bei ihr sind. Am Freitag stelle ich dann fest, das es der Katze schon viel besser geht. Darum kommt die Katze nun in einen anderen Raum, wo auch die Hunde hin gehen.
Am Samstag kommt dann der Besitzer von Luna wieder zu uns. Lange rede ich mit ihm um dann zu sagen: „Luna hat hier zwei Freunde gefunden. Es wäre gut wenn Sie öfters zu ihren neuen Freunden gehen würden. Ich glaube nämlich nicht, das Luna wieder ganz die alte wird wie vor Ihrem Urlaub.“
Anschließend gehen wir zusammen zur Krankenstation wo Luna, Bella und die Katze in einem Raum untergebracht sind. Alle drei liegen in einem großen Korb, wobei die Katze zwischen den Hunden liegt. Natürlich freut sich Luna das ihre Halter wieder zurück sind, doch hält sich die Freude in Grenzen, denn immer wieder geht sie zu ihren neuen Freunden.
In diesem Moment betritt der Besitzer von Bella den Raum. Er ist ganz erstaunt als er die Tiere erblickt. Bella bleibt im Korb liegen und wedelt nur mit dem Schweif. Dabei rückt sie noch näher zu der Katze. Der Mann geht zu dem Korb und streichelt Bella über den Kopf. Auch die Katze wird gestreichelt. Erst dann schaut er auf.
„Klaus? Was machst Du denn hier?“ wendet er sich dann an den anderen Mann. Es stellt sich heraus, das beide alte Schulkameraden sind und schon seit einigen Jahren in derselben Straße wohnen ohne sich jemals getroffen zu haben.
Schnell werden die zwei sich einig und so verlasen sie zusammen mit ihren Tieren, aber auch der Katze unser Tierheim. Jeden Tag ist Luna nun bei ihren Freunden. Als die Nieren der Katze nach zwei weiteren Jahren endgültig versagen holen sich beide Männer eine Katze zu sich nach Hause. Auch diese freundeten sich bald mit den Hunden an und waren oft am Spielen oder am kuscheln.