Ich sehe hier weder Hopfen noch Malz verloren, ich denke eher, dass die eigentliche Beziehungsbildung zwischen Tigger, Hobbes und Pixel noch gar nicht anfangen konnte, weil Tigger und Hobbes noch zu sehr auf ihrem territorialen Trip sind.
Ich empfehle: Grenzen setzen einerseits und positive Bestärkung andererseits.
Bei mir gibt es die Regel, dass bei Zusammenführungen nicht gejagt wird und da halte ich den Fuß drauf, denn Jagen ganz am Anfang endet immer in Stress.
Manche Katzen haben gar nicht erst den Impuls zu jagen, sie sind selbst auf Abstand bedacht und reagieren in ihrer Unsicherheit mit Distanz (wie Tomte).
Andere Katzen gehören zu den sturen, territorialen, leicht gestressten Typen, zu denen ich Hobbes und Tigger zählen würde, und bei denen helfen - aus meiner Erfahrung heraus, es führt ja grundsätzlich mehr als nur ein Weg nach Rom - drei Sachen:
1) Den Stress so gering wie möglich zu halten, d.h. Gittertür (habt ihr und die war auch lange genug drin, ich denke auch, dass euch die allein nicht mehr weiterbringt) und die Möglichkeit zum Frustabbau,
2) kurze direkte Treffen mit möglichst positivem Ausgang und anschließenden Pausen zum wieder Runterkommen und
3) eine ganz klare, eindeutige Moderation von euch. Und das heißt: Wenn Hobbes und Tigger die "Es wird nicht gejagt-Regel" übergehen, wenn man sie ihnen nur nett mit freundlichen Neins und sanften Stopp-Signalen und positiver Bestärkung erklärt, dann würde ich in solchen Situationen wie Hobbes jagt plötzlich Pixel einen lauten und deutlichen Anraunzer loslassen ("HOBBESSS!! HEY - rrrraus!").
Dahinter steckt bei Hobbes sicher eine Menge Stress ("der läuft durch MEIN Revier!") und Frust ("das DARF der doch nicht!"), das ist verständlich und das darf er zu diesem Zeitpunkt auch noch haben.
Aber grundsätzlich ist es für junge, soziale Kater mit so vielen Ausweichmöglichkeiten wie bei euch nicht zuviel verlangt, dass sie einen Neuzugang wenigstens zähneknirschend hinnehmen. Sie müssen ja nicht direkt Freundschaft schließen.
Das heißt aus meiner Sicht: Hier ist noch alles drin.
Aber: Ihr müsst Tigger und Hobbes soweit eingrenzen, dass Pixel dann in ein paar Wochen (mit intensiver Moderation), wenn die beiden Krawallos sich nämlich eingekriegt haben werden, ihnen gegenüber noch so aufgeschlossen ist, dass er von sich aus zu einem Beziehungsaufbau noch in der Lage ist.
Wenn Pixel jetzt viele Negativerfahrungen sammelt, geht er sonst nachher in die Präventivabwehr und gerade die reizt ja auch wiederum Tigger und Hobbes. Daher muss Pixel geschützt werden, bis Hobbes und Tigger damit klarkommen, dass in ihrem Revier eine Nr. 4 wohnt. Und das werden sie (es sei denn, sie können Pixel wirklich nicht leiden, aber das ist unwahrscheinlich), denn sie sind sozial und sie können das.
Die Katzen können ja nicht in die Zukunft denken und wissen, dass sie von Pixel profitieren werden. Die leben im Moment und im Moment ist ein Reviereindringling doof. Daher müsst ihr ihnen diese Entscheidung in diesem Moment abnehmen und die Bedingungen schaffen, dass die drei Kandidaten sich anfreunden können - sprich, Grenzen setzen und durchsetzen.
Zur Vorsicht: Ich meine damit natürlich auf gar keinen Fall, dass man die Katzen wahllos anschreien sollte. (Das wisst ihr sowieso, aber es lesen ja auch andere mit.) Aber bei so einer Aktion wie von Hobbes kann ein lautes, kräftiges "HOBBES - rrrraus!!" inklusive Aufspringen und Hinterherlaufen Wunder wirken, weil er merkt, dass es eine echte Grenze ist.
Ich würde übrigens zu solchen Anraunzern auch nie raten, wenn es um solche harmlosen Sachen geht wie auf den Esstisch zu springen. Dem Esstisch tut es nicht weh, wenn die Katzen 300x draufspringen, da kann man mit mehr sturen Nein-Wiederholungen arbeiten. Aber hier geht es darum Pixel vor Negativerfahrungen zu bewahren, die die sonst total aussichtsreiche Zusammenführung zum Scheitern bringen können, und da bin ich entsprechend strikt.
Und noch eine Vorsicht-Anmerkung: Diese Vorgehensweise finde ich für diese spezielle Situation vertretbar. Man muss da aber genau hingucken - jetzt bei Pixel ist es eindeutig, weil er nicht provoziert. Aber Katzen können sehr subtil provozieren und triezen und wenn die andere dann losschießt und dafür gemaßregelt wird, bringt das nur noch mehr Ungleichgewicht in die Gruppe - Maßregelungen sollten immer nur sehr gezielt und bedacht eingesetzt werden und dürfen auch nicht dem eigenen (durchaus mal verständlicherweise vorkommenden) Frustabbau dienen. Wer sich nicht sicher ist, sollte die Finger davon lassen und eine kompetente Beratung vor Ort hinzuziehen.
Grundsätzlich würde ich versuchen, dass das Stresslevel so gering ist, dass Hobbes und Tigger gar nicht erst jagen müssen. Aber nicht immer lassen sich Katzen auf diesen Deal ein. Und dann ist es letztlich aus meiner Sicht besser, wenn (sensible Kandidaten ausgenommen, aber bei denen ist es auch oft nicht nötig) die Grenzsetzung zwei, drei Mal deutlich erfolgt, anstatt dass wochenlang mit sanft Beiseite schieben und Neins und subtil den Weg blockieren etc. hantiert wird.
Denn das macht auch Stress und sture Katzen beeindruckt das kein Stück. Wenn die Grenze erst sitzt, kann man wieder ein paar Schritte auf der Maßregelungsskala zurückgehen (und man sollte grundsätzlich nur so deutlich mahnen wie nötig ist und nicht mehr), weil Hobbes dann nicht mehr plötzlich hervorstürzen wird und er empfänglicher für beziehungsgesteuerte Ansprache von euch ist (also drei-Punkte-Regel: 1 Stufe: Hobbes, neeeeein", 2. Stufe: "Hobbes! Stopp!" (oder was immer ihr als Signalwörter haben wollt), 3. Stufe: "Hobbes, rrrraus!!" etc.)
Deutliche verbale Grenzen schaffen meiner Erfahrung nach dann auch Sicherheit, wenn sie punktgenau und aus Katzensicht berechenbar gesetzt werden.
Hobbes und Tigger sind jetzt auch territorial verunsichert und leider gehen sie nach vorn. Das ist nichts Schlimmes, es ist nur für Zusammenführungen schlicht unbequem, weil man das erst aussitzen und effektiv und konsequent deckeln muss (und eben dabei Alternativen anbieten, Stressabbau ermöglichen etc. pp.), bevor die eigentliche Zusammenführung à la "mag ich den Neuen eigentlich" überhaupt anfangen kann.