Das sehe ich auch so Meine Motivation ging über die Tierrettung hinaus. Von Anfang an. Ich hatte mich als Pflegestelle gemeldet weil ich nicht nur Tiere retten und ihnen ein besseres Leben als auf der Strasse ermöglichen wollte, sondern weil ich dazu beitragen wollten, dass Haustiere auch artgerecht gehalten werden. Leider kollidierte dann meine Erwartungshaltung an den Tierschtuz mit der Realität.
Ich find es toll von dir Taskali und auch von Mascha, dass ihr euch hier zu Wort gemeldet habt. Gerade von Tierschutzkollegen, die mehr an der Basis verwurzelt sind als ich und dennoch in eine ähnliche Richtung ihre Tierschutz-Arbeit vollziehen, fehlte mir die Perspektive. Es gibt ja nicht nur eine Sichtweise und ich habe auch damit gerechnet kritisiert zu werden, was ich persönlich jetzt nicht schlimm finde. Ich fand es für mich aufgrund meines Erlebnisses mich kurz nochmal in Frage zu stellen und mich auch mit GLeichgesinnten auszutauschen. Mag sein, dass meine Erwartungshaltung mit der Realität nicht konform geht oder konform gehen kann. Aber allein die Tatsache, dass ihr beiden trotzdem anerkennt, dass es wünschenswert wäre, reicht mir schon aus
.
Meine Motivation war keine - ich stand da, vor mir der schwerkranke wilde Kater, der dabei war elendig zu krepieren und am anderen Ende der Telefonleitung die Leute vom
Tierheim die sagten, daß sei Natur und ich solle das der Natur überlassen... so kam ich dazu Tierschutz zu betreiben und habe mir die Dinge im Wege des learning
by doing angeeignet. Und je mehr ich in diese Sparte rutschte, desto mehr begriff ich, daß zwischen Theorie bzw. Wunschdenken und der Praxis eine riesige Schere klafft. Ich versuche für mich diese Schere auf einen Nenner zu bringen, in dem ich eben sehe, wo die Prioritäten sind - und die liegen ganz klar auf dem Thema Sicherheit. Jedes
Tierheim, jeder Verein ist nur so gut, wie seine Leistungen bzgl. Quarantäne, Tests und Wissen um Krankheiten sind, denn daran entscheidet sich, ob die Tiere leben oder sterben. Nicht daran, ob sie minder- oder hochwertig gefüttert werden.
Das Problem ist, wenn man eben das Wunschdenken hat die Standards, die man für seine eigenen Katzen hat und möchte bezüglich Futter, impfen, Ausstattung usw. auf die Tierschutztiere überträgt, dann ist man ganz schnell an einem gefährlichen Punkt, wo man die aufgenommenen Tiere nicht mehr vermittelt, weil man nicht möchte, daß sie im neuen Zuhause dann eben nicht mehr die tolle Fütterung bekommen, anders (zuviel/zuwenig) geimpft werden, als man selber es fpür richtig hält, nicht genug Kratzbäume oder Spielzeug vorhanden sind usw. Und an diesem Punkt beginnt es zu kippen - denn wenn man denkt, daß nur man selbst es richtig machen kann, dann muß man alle behalten... aber die Anfragen neue Katzen aufzunehmen trudeln ja trotzdem ein und man kann doch die armen Tiere draußen nicht sterben lassen....
Und so endet man da, wo man nie sein wollte....
Nur wenn man die Gratwanderung zwischen Wunschdenken und Realität schafft zu gehen, nur dann kann man vernünftigen Tierschutz betreiben, der ein hohes Maß an "Vorbild" beinhaltet, aber eben auch die andere Seite nicht ausblendet und man so trotzdem "auf dem Boden der Tatsachen" bleibt und damit agierfähig bleibt.
Ansonsten driftet man in die eine oder in die andere Richtung ab - und das ist nie gut....