Sechs kleine Italiener

Diskutiere Sechs kleine Italiener im Katzen Forum im Bereich Katzenfreunde; Liebe Dosis und Dosinen! Nachdem ich mich hier im Forum so ausgesprochen wohl fühle, dachte ich mir, die Geschichte mal aufzuschreiben, wie ich...
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #1
C

Claxx

Gast
Liebe Dosis und Dosinen!

Nachdem ich mich hier im Forum so ausgesprochen wohl fühle, dachte ich mir, die Geschichte mal aufzuschreiben, wie ich zu Katzen gekommen bin. Ich lese sehr gern die Berichte der anderen, und vielleicht kann ich ja so zur weiteren Belebung des Forums beitragen.

Hoffentlich stört es euch nicht, daß ich stur auf der alten Rechtschreibung beharre. Ist halt meine Macke, die ich nicht aufgeben will. Und so lange werde ich nicht mehr leben, daß ich wirklich ein öffentliches Ärgernis werden könnte.

Mein Mann, der 36 Jahre älter war als ich, war nach 25 Jahren Ehe verstorben; da war er 86. Soweit normal. Aber ich war ziemlich fertig und suchte Ruhe und Erholung nach einem Jahr Pflegestreß.

In die beginnende Erholung platzte der Besuch einer entfernt lebenden jüngeren Bekannten ("Kiki"), die ich eingeladen hatte, mir ihr Herz auszuschütten und die Probleme mit Mutter und Opa und Ehemann und Sohn bla bla usw. zu klären. Ja. Und daraus wurde dann eine längere Geschichte. Ich gab mein angenehmes, gesichertes Witwendasein samt Traumwohnung auf zugunsten eines Abenteuers, dessen Folgen mir heute noch „die Haare vom Kopf fressen“. Kurz: Ich verscherbelte mein Hab und Gut, um mit einem Panda und zwei Psycho- ‚Pflegefällen‘ (Kiki und Sohn) nach Italien abzudüsen. Das war Ende 1999 und ich noch guter Dinge und beseelt von meiner neuen Aufgabe.

Irgendeine unsichtbare Eingreiftruppe unterstützte das Vorhaben offenbar, denn beim nächtlichen Grenzübertritt sprach der junge, nette Tankwart kurz das Machtwort: „Und dann schaue ich gleich nach dem Ölstand“, zog einen trockenen Stab wieder heraus und schaute mich nur an. Das wäre das Ende meines Pandas und der Reise gewesen, nachts auf der italienischen Autobahn ohne Öl im Motor.

Wir hatten für den ganzen Winter eine gute Unterkunft in einer kleinen Ferienanlage organisiert, die einem Deutschen gehörte. Außer uns wohnte nur zeitweise ein älteres deutsches Ehepaar auf dem Gelände als Aufpasser. Sonst war alles ruhig, weit abgelegen vom nächsten Dorf. Das war meine erste Begegnung mit Italien, speziell mit Umbrien am Trasimeno.

Wir hatten uns gerade mal eingelebt, saßen spät abends in der gemütlichen casa, und ich schaute durch die Glasscheiben der Tür nach draußen. Im ersten Moment dachte ich an eine Vision. Da schaute ein kleiner Katzenkopf zurück. Ich sagte nur: „Guck mal…“ Kiki, sprang begeistert auf - oh eine Katze, wie wunderbar! Das fand ich nun gar nicht. Man soll doch nicht fremde Tiere beachten oder gar anlocken, oder? Trotzdem, sie mußte nachsehen, und da waren es zwei. Ach nein, DREI!

Der Kleine fast weiße, ein noch Kleinerer, ganz weißer, und ein Tiger, auch noch klein. Und was wollten die hier draußen in der Pampa? Und dann noch vor unserer Tür?

Jetzt kommt mir nicht mit Verantwortung und Tierschutz und so. In einem fremden Land, in fremder Wohnung, ohne zu wissen, was nach dem Winter sein wird, also bitte, das geht nicht. Das habe ich auch gleich klargestellt. Kiki kannte sich aber aus mit Katzen, sie und Mutter waren solche Verrückten, die alles einsammelten, was auf der Straße herumhockte und sie anglotzte. Mir ist sowas noch nie passiert. Aber kaum schlägt diese Art irgendwo auf, kommen auch schon die Benachteiligten der Gegend angerannt. Die sehen was in der Aura oder so, das sich auch rumspricht.

Ich sagte also streng, nicht mit mir! Die sollen wieder nach Hause gehen. Sie werden ja irgendwo wohnen und verhungert sahen sie auch nicht aus. Aber die gingen nicht. Nach einigen Minuten Herumgejammere legte sich der Blonde auf das Bänkchen vor der Tür und verharrte dort eingeringelt, schlafend, vermutete ich. Nun war der Haussegen gefährdet. Man MUSSSS ihnen doch was zu essen geben! Aha. Na gut. Ich kann niemanden hungern lassen, das geht ja nicht. Der Eigentümer, so wußten wir, fütterte zwei Katzen täglich mit etwas Trockenfutter, die ihm die Mäuse fernhalten sollten. Das Futter war in einem Schuppen, für den aber das Ehepaar die Schlüssel hatte. Es waren keine Unmenschen, und sie rückten Futter raus.

Drei Katzen satt. Ok? Aber nein! Die konnten doch nicht draußen in der Winterkälte bleiben, so klein wie sie waren. Aha. Soso. Ja und? Wir hatten ein kleines Appartamento, und in mein Schlafzimmer kommt bestimmt kein Tier! Und Randale im Wohnbereich will ich auch nicht haben. Die zweite Nacht, um nicht wieder zu randalieren, wurden sie ins Bad gesteckt. Ab 1 Uhr ging Spiel- und Hopsstunde los. Morgens schliefen alle wie die Engelchen tief und fest, im Waschbecken, auf dem Klo, in ihren Decken.

Ich hatte es ja nicht gerafft, ich hatte doch KEINE Ahnung! Aber es stand längst fest, daß ich den Kampf um meine kleine Freiheit verloren hatte.
(Wird fortgesetzt)
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #2
Huhu Claxx

Schön, dass du jetzt auch deine Geschichte erzählst...
hat mir schon super gut gefallen, und warte natürlich auf eine Fortsetzung

LG
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #3
Na das ist ja mal eine spannende Geschichte!:cool:
Dir haben italienische Aliens den Willen geraubt, da warte ich auf die Fortsetzung.:)
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #4
Eine bisher ganz tolle (Lebens)Geschichte!

Und mein Respekt vor deinem Mut alles zurück zu lassen und nach Italien zu gehen! Das traut sich sicher nicht jeder.
Bin schon sehr gespannt wie es hier weiter geht.

Meine Oma hat im Oktober auch alles inklusive Hund gepackt und wohnt jetzt bis Mai in ihrem Bus auf einem Campingplatz in Spanien :)
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #5
Toll!
RESPEKT!

Hat bisserle gedauert bis ich kapiert habe, dass dein Panda kein Tier war...
;-)

Bin gespannt wie's weitergeht!
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #6
2. Teil: Billy

Mein nächstes Bestreben war es, verständlicherweise, die Besucher wieder loszuwerden. Zunächst gab uns das Aufpasser-Ehepaar einen Hinweis: Bei ihrem langen Spaziergang seien drei kleine Katzen aufgetaucht und hätten sich ihnen angeschlossen. Sie gingen einfach mit! Sie ließen sich nicht vertreiben. Anscheinend waren das wohl die drei. Man vermutete, sie kämen aus den Häusern weiter unten, die jetzt im Winter verschlossen waren. Die Bewohner seien wieder in Rom oder sonstwo, und Katzen kämen ja draußen irgendwie zurecht.

Das fand ich nun doch nicht gut. Aber einnisten konnten sie sich bei uns auch nicht. Also, wer will sie haben? Wir hatten schon Freundschaften geschlossen, und da war z.B. Carlo, ein Kleinunternehmer und Katzenfreund, dem sein Liebling gerade gestorben war. Unsere Drei also flugs ins Auto und hin zu Carlo. Er zögerte nur kurz. Dann sah er dem Getigerten in die Augen, und ich sage euch, solche Augen habe ich auch noch nie gesehen! Funkelnd smaragdgrün. Eine ganz irre Farbe und ein Ausdruck wie vom anderen Stern. Katzen konnten mir noch nie besondere Euphorie verschaffen, aber der hatte schon was. Das fand Carlo auch. Den Tiger wollte er, das war klar. Schließlich – ein Ruck – auch das weiße Baby. Puh, das ist ja gutgegangen.

Später erzählte uns Carlo von seinen Erlebnissen mit den beiden: Als erstes zertrümmerten sie eine Flasche teuren Grappa, die oben auf dem Schank stand. Es wurde besser, als sie raus durften. Irgendwann ging Carlo auf sein Klo und entdeckte eine bräunliche Pfütze. Hatte er nicht gespült, hm. Männer! Außerdem klappen sie den Deckel nie zu. Bald darauf wurde er rehabilitiert: Nicht er hatte vergessen zu spülen, sondern Tiger. Der hockte mit allen Vieren auf dem Klorand, und ratet mal, was er da tat!
Und Carlo hatte eine Erscheinung. Es war ihm peinlich, aber er berichtete mit leuchtendem Bick, daß er einmal in Tigers Gesicht sah und er das Antlitz der "Katzengöttin" in diesem oder "dahinter" deutlich erkannt habe - so seine Worte!

Also ein Kater noch.
Aber es war nichts zu machen. Der Eigentümer kam von München zurück, und irgendwann sah er ja unseren Mitbewohner. „Das kommt nicht in Frage!“ Zwei Wochen Frist, dann muß er weg sein oder wir ziehen aus. Irgendwie fing ich schon an, ihn zu hassen. Spielte sich auf wie der Großfürst. Nach so einem Eklat war das Verhältnis nicht mehr gut, und wir beschlossen, uns eine andere Bleibe zu suchen. Zunächst mit oder ohne Kater.

Meine Versuche im Tierheim oder bei der TÄ hatten keinen Erfolg, niemand wollte den Kater zu sich nehmen. Ich erklärte unsere Lage, wir seien schließlich nur Touristen ohne richtige Wohnung, müßten ja auch wieder zurück nach D, aber wohin usw. Ich war schon ein wenig verzweifelt. Ein kleines Tierchen verursachte ein solches Chaos! Niedergeschlagen mußte ich resignieren. Wir erzählten unser Dilemma Sabina, der Inhaberin unserer Stamm-Bar am Marktplatz der wunderschönen alten Stadt am Trasimeno, wohin wir fast jeden Tag fuhren, um da einige Stunden zu verbringen. Natürlich weckten zwei Deutsche, die augenscheinlich nichts zu tun hatten, als in der Bar rumzuhocken, allgemeines Interesse. Sabina war früher Fremdsprachenkorrespondentin und daher fit in englisch. So konnten wir uns prima unterhalten, denn das Italienische mußte erst noch besser werden.

Mit der Unterkunft hatte sie auch gleich eine Idee: Wir sollten doch um die Ecke ans Ende der Gasse gehen, zu Renato. Der hätte Ferienwohnungen. Ach, ich liebte dieses Städtchen! Auf kleinstem Raum spielte sich alles Leben ab, und es fehlte gar nichts. Renatos Haus lag an einem weiteren Platz, der sich zum See öffnete und einen atemberaubenden Ausblick bot. Die Wohnungen gingen zwar zur Gasse, waren aber nicht zu teuer für die drei Monate und natürlich möbliert. Ich weiß nicht, ob wir Billy überhaupt erwähnten, wahrscheinlich nicht.

Billy war inzwischen im Tierheim kastriert worden, das machten sie bei allen Findlingen kostenlos, und – was soll ich sagen – er war eben noch da. Aber das freie Leben war damit zu Ende. Und das war ihm keineswegs recht! Er begann, nachts die Einrichtung zu zerlegen. Da drehte sogar Kiki durch und setzte ihn vor die Haustür. Wir gingen wohl davon aus, daß er sich abkühlen und wieder einfinden würde. Gehören wir gelyncht?

Morgens schauten wir auf die Gasse – kein Billy. Il centro war klein und übersichtlich, so weit konnte er nicht sein, aber kein Billy. Den ganzen Tag nicht. Dann ging es los. Zettel aushängen an jedem Baum, jeder Laterne. Jeden Menschen fragen, ob er einen weißen Kater gesehen hätte. Alle Geschäfte anlaufen, nachfragen. Die Italiener wunderten sich nur, daß wir so eine Aufregung wegen einer Katze machten. Aber Billy war verschwunden. Mein Gewissen stank in einem rabenschwarzen Abgrund vor sich hin. Ich redete mir ein, jemand habe ihn zu sich genommen, weil er doch so schön war. Das Weiß war von etwas Rot durchzogen, auch der rot geringelte Schwanz – aber vor allem die Augen! So himmelblau wie der bayerische Himmel am einem Traumtag, intensiv und gar nicht matt oder verwaschen, eben ein wirklich strahlendes Blau in einem weißen Gesicht, mit rotgestreiften Öhrchen und die Stirn ebenso. Sicher hatte er ein neues Zuhause gefunden!

Nach knapp einem Monat berichtete mir die Frau vom Schreibwarenladen, daß ein weißer Kater hineingekommen wäre. Ich sagte aber, den suchen wir nicht mehr, er hat ein Heim gefunden, das konnte unserer nicht sein. So sehr hatte ich das geglaubt.

Wenige Tage später ging ich gerade über den Platz, da rührte mich der Donner, kam mir Billy entgegen! Müde und matt, dünner geworden, den Blick auf den Boden gerichtet, aber Billy! Er hörte sofort auf seinen Namen. Ich hob ihn auf und lief schnell zur Wohnung. Kiki rannte nach Futter, zum Glück gab es alles auf zwei Minuten Umkreis, was der Mensch braucht (es waren „Felix“-Dosen), und der Kater war gerettet.

Ich nahm ihn mit ins Bett, und während Kiki unter der Dusche stand, heulte ich wie ein Kind, das Wasser strömte mir nur so aus den Augen, und Billy starrte mir unentwegt ins Gesicht, rührte sich nicht und sah sich das Wasser an. Ich konnte ja nicht anders, als ihm von Herzen zu versprechen, daß ich ihn nie wieder gehenlassen würde. Egal, wie wir es regeln würden, wir waren nun ein Herz und eine Seele.

Billy hörte immer auf seinen Namen und er war telepathisch, als er später in einer anderen Wohnung wieder Freigang hatte. Ich brauchte ihn nicht zu rufen, er kam, wenn ich an ihn dachte und er nach Hause sollte.

Es ist eigentlich das erst Mal, daß ich ehrlich bekenne, wie sehr er mir fehlt, und daß ich über seinen viel zu frühen Tod nicht wirklich hinwegkomme. 2008 ist er gestorben, Wasser in der Lunge, das Herz… Die TÄ hat ihn erlöst. Und ich werde mich fragen, so lange ich lebe, hätte ich nicht stärker um ihn kämpfen müssen? Ich weiß es nicht. Er hat mir so fruchtbar leid getan. Und ich habe mir leid getan, es tat so weh, man ist grauenhaft hilflos und schuldbeladen. Ich hätte ihm so gern ein wunderbares, langes Leben eingerichtet – warum nicht? Ich hatte ihn nur acht Jahre.
 
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  • Sechs kleine Italiener Beitrag #7
er hatte vielleicht kein langes Leben, wenn du es aus deinem Augenwinkel betrachtest. Aber er hat dich sein Leben lang begleitet und das war eine intensive Zeit. Nicht alles können wir aufhalten oder verhindern.

lg
Verena
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #8
Weiter geht’s mit Lisa.

Wir saßen also mit dem geläuterten Billy weiter in der feinen Wohnung und steuerten täglich Sabinas Bar an für soziale Kontakte und so. Eines Tages liefen wir ihr nichts ahnend in die Arme. Diese ihre Arme waren schon besetzt – von einer kleinen, na das ist nicht schwer zu erraten. Schwarz mit weiß und trübe, olivfarbene Äuglein. Erst dachte ich mir wirklich nichts. Sabina war eine Katzen-Närrin, von denen es auch in Italien einige gibt; sie fütterte täglich die im ganzen centro storico hausenden Fellis. Zu Hause lebte sie mit 12-20 auf einem großen, eingezäunten Grundstück. Aha, deshalb fuhr sie einen uralten Golf und gönnte sich auch sonst nichts, trotz sehr gut florierender Bar.

„Ob ihr eine Katze habt oder zwei, das macht gar keinen Unterschied, und besser ist es für den Billy auch.“ Ich hatte keine Chance. Versucht habe ich es, so gut mein Englisch es brachte, aber Kiki funkelte schon kampfbereit, und ich sah eine düstere Zukunft vor mir.

ICH HATTE MIR NACH MANNES UND HUNDES TOD FEST GESCHWOREN: NIEMALS MEHR EINEN PFLEGEFALL, NIEMALS MEHR EIN HAUSTIER!!!

Die trüben Katzenaugen, erklärte Sabina, sind der Mangel an ‚espressione‘, es fehlte ihnen der Ausdruck, der erst kommt in Gesellschaft von Menschen. Dieses Kätzchen hatte während des Winters im Garten des Hotels gegenüber gelebt, von Sabina versorgt, aber nun, da der Frühling kommt, wird das Haus wieder geöffnet, und die Katze vertrieben werden. DAS können wir nicht akzeptieren!

Minuten später trottete ich hinter Kiki her, die eine völlig brave Lisa auf dem Arm trug, in Richtung Wohnung.
So was von gelungener Zusammenführung muß man erlebt haben - keine drei Minuten herumkreisen und schnuppern, und dann sofort die große Liebe!



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Lisa, 13 Jahre später

Der Frühling kam, wir packten unsere Siebensachen, um nach Deutschland zurückzufahren. Dort besaßen wir nichts mehr, aber wie es so geht, war mein Sohn gerade aus seiner Wohnung ausgezogen, die Kündigungsfrist noch nicht abgelaufen, und wir machten den fliegenden Wechsel. Sehr schnell bekamen wir dann eine hübsche Mietwohnung (was einer Beamtenwitwe im besten Alter immer gelingt), besorgten uns ein paar gebrauchte Möbel, und genossen die Heimat. Die Katzen genossen einander, sie klebten zusammen, sonnten sich begeistert auf dem Balkon und waren sehr zufrieden.

Was der Vermieter ja nicht wußte, daß wir nur ein halbes Jahr bleiben würden, denn Italien rief schon wieder. Tja, die Traummieter waren wir wohl doch nicht.

Mit zwei Katzen im Korb wollten wir lieber nicht die obligatorische Hotelübernachtung auf halber Strecke einschieben, sondern fuhren die Nacht durch. Um 7 Uhr früh, als Sabina die Bar aufschloß, standen wir auch schon da, und sie traute ihren Augen nicht! Dann ging es zu Renato, die Katzen konnten sich strecken, und wir nahmen unser dolce vita wieder auf. Allerdings war ja klar, daß wir mit zwei Fellis nicht dort bleiben können. Also übten wir, Wohnungsanzeigen auf italienisch zu lesen.

Nach einigem Herumfahren und Erfahrungen sammeln, landeten wir beim Angebot eines Maklers, der uns sofort sehr sympathisch fand. Er telefonierte mit dem Vermieter in Rom, der wollte kurzzeitig rüberkommen (150 km), und innerhalb zwei Tagen waren wir schon Mieter einer echten italienischen Wohnung, wie sie schöner nicht hätte sein können!

Renato bedauerte unseren Auszug sehr, wußte nun aber von den Katzen und verstand es natürlich. Er steuerte einen Kühlschrank bei und brachte ihn sogar zu uns hin. Von dem Traumstädtchen zur neuen Bleibe waren es 20 Minuten Fahrt, in ein sehr bekanntes Dorf mit einem phantastischen Klima, viel Grün und Ruhe.

Wir hatten das letzte Haus an einer fast unbefahrenen, kleinen Straße, und unsere Zwei durften raus, wann immer sie wollten. Vom Erdgeschoß über ein Brett am Balkon, und hopp, in die Natur. Oder zu den Nachbarn. Ich sah Billy einmal im Nachbarhaus verschwinden, es steht ja überall alles offen, es dauerte eine Weile, dann tauchte er an der rückseitigen Terrasse wieder auf. Dazwischen hatte er wohl die ganze Hausbesichtigung, und niemand schien ihn bemerkt zu haben.

So ging es uns allerdings auch. Daß in der EG-Wohnung nun ein neuer Futterplatz für alle Katzen, die sich trauten, eingerichtet war, sprach sich herum. Wir wunderten uns, was an Futter wegging, bis wir eines Abends in der Küche saßen, während frech wie Oskar ein Fremdling hereinkam, um die Näpfe zu inspizieren. Er hat uns völlig ignoriert.

Kiki wußte natürlich Rat. Man müsse die Streunerkatzen draußen füttern, dann kämen sie auch nicht rein. Aha. Klar. Warum nicht. Machen wir eine Futterstelle für alle umbrischen Katzen auf. Ich glaub, ich spinne!!!
Hat von euch schon mal jemand versucht, sich mit einem Weib anzulegen, das Katzen betutteln MUSS? Da ist nichts zu machen, das ist wie ein Wahn, eine Krankheit, da zählt nichts anderes. Und daß alles aus meiner Schatulle finanziert wird, ist doch voll ok. Was würde ich denn sonst mit meinem Restleben anfangen, hä?
Ich habe keine Ahnung, wie wir das gemacht haben, ich hab’s verdrängt. Es kamen täglich so 15 Katzen zum Bufett, saßen erst im großen Kreis auf dem Garagenhof und warteten gesittet, bis Kiki mit den Eimern kam. Ich wähnte mich im Irrenhaus oder einem SF-Film.

Einmal fuhr ich allein zum Einkaufen im Supermarkt des Städtchens. Das Wetter war, wie so oft, phantastisch, die Luft, ach, wie sie halt in Italien ist, und ich bester Laune. Da sah ich auf dem Parkplatz an einer Hintertür, wo sich viele Kartons stapelten, einen Mann, der eine kleine Katze verscheuchte. Das war nicht so einfach, weil die sich versteckte. Schließlich ging der Mann wieder an seine Arbeit, und die Katze kam raus. Ich schaute nach ihr, sie war noch jung, und sie konnte ja nirgends hingehören, da war nur der Supermarkt, der große Parkplatz und die Straße, sonst nichts. Die Fellnase baute sich vor mir auf, als wenn ich der einzige Mensch auf der Welt wäre, und sagte laut und deutlich: „Määäääh!“

Hm. Naja. :???:

Ähm. Ich sprach dann auch zu ihr. Also, wenn du freiwillig ins Auto kommst, nehme ich dich mit. „Määääh!“
Ich drehte mich um, ging zum Auto, und sie neben mir. Ich machte die Beifahrertür auf, sie hopste rein wie ein Hund, der nichts anderes kennt. Setzte sich vorn auf dem Boden und blieb da. Kein Mäh mehr, und ich fuhr zur Wohnung.

Eine fremde Katze hat Flöhe und Schlimmeres, die kommt mir nicht in die Bude. Also: Du wartest hier! Ich hole Futter. Drinnen schaute Kiki, weshalb ich wohl Futterschale und Napf nach draußen trug. Das war leicht erklärt. Die Katze kann ja im Garten bleiben und bekommt zu essen wie die anderen Streuner auch. Die mampfte (nach klarem „Määääh!“) derweil die zweite Schale, und der Bauch rundete sich schon. Täh, sowas.

Also geklärt; ich drehte mich um, wollte reingehen. Katze hinterher. Ich erklärt, warum es nicht geht. Määäääh! Nein! Määääh! Bis zur Wohnungstür! Blöd. Blöd! Daß ich mich immer wieder belatschern lasse. Sie war drin.

Billy fand sie nett, Lisa war es egal. Dann kam das Übliche, Würmer Flöhe, kastrieren. Fortan saß sie jeden Abend auf Kikis Knien, das süße Schnutengesicht mir zugewandt, hoch zufrieden und immer freundlich. Das hat sich bis heute nicht geändert. (Nur Kiki, die lebt schon lange woanders.) Und Katze hatte ihren Namen: MÄÄÄÄÄdi.

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Mädi, 13 Jahre später
 
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  • Sechs kleine Italiener Beitrag #9
Eine wirklich schöne und spannende Geschichte aus dem Leben! Danke, dass Du uns daran teilhaben lässt!
Bin gespannt, wie es weitergeht, denn es fehlen ja noch mindestens drei Italiener.
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #10
4. Teil: Der Purzel

Das soweit zufriedene häusliche Leben wurde natürlich durch die drei Katzen aufgepeppt. Es hätte so schön sein können, wenn nicht der jugendliche Billy seine Qualitäten als kleiner Casanova ausprobieren mußte. Mit einem Gesicht, das in etwa meinte: Lisa, das mit dir ist die wahre Liebe, und das hier, mit Mädi, bedeutet echt gar nichts!, hockte er auf dem Neuzugang drauf. Lisa sah von weitem zu. Mit ihr hatte er das nie gemacht. Ihr kleines Herz zerbrach sichtbar und Billy hatte für alle Zeiten bei ihr versch…. Kerle, blöde!

Mit Mädi, das wurde wirklich keine Liebe, das war nur ein kleiner Fehltritt. Aber es war nicht zu reparieren, das einstige Traumpaar lebte nur noch nebeneinander her. Lisa hat es nicht gut verkraftet, sie legte an Gewicht zu und verlor ihren selbstbewußten Glanz. Aber sie fing sich einigermaßen und fand sich mit der Lage ab, blieb freundlich zu jedermann und auch gesund.

Sabina schaute uns immer sehr wohlwollend an! Sie spendierte öfter einen Espresso, fragte nach den Kleinen und ging wie immer zweimal täglich ihre Stadtfütter-Runde. Sie und Kiki hatten sich natürlich gefunden, und der Gesprächsstoff ging ihnen nie aus. Aber warum wiederholt sich manches immer und immer wieder? Und warum sind wir gerade in der Nähe, wenn Sabina wieder etwas Felliges auf dem Arm hat? Und warum leuchten Kikis Augen dann jedesmal wie vor einer Offenbarung??

Diesmal war es ein ganz kleiner Kater, keine Schönheit, und ohne Schwanz. Das heißt, einen Stummel hatte er. Als Unfall war das nicht zu erkennen, also wohl angeboren. Aaaach jaaa! Der arme Kleine! Sabina kam just in der Sekunde vorbei – was‘ n Zuuufall! – als dieser Winzling von einer unbarmherzigen Frau aus dem Haus geworfen wurde, jawohl: GEWORFEN! Also fast in Sabinas Arme. Und da war er nun. Ich glaube nicht, daß ich noch irgendwas gesagt habe. Außerdem hatte ich nie wieder was zu sagen seit der Sache mit Mädi.

Purzel wurde begeistert von der kleinen Bande aufgenommen, sein Schwänzchen ausgiebig begutachtet und beleckt, er war willkommen. Es schien, daß Billy besonders glücklich war, nicht mehr der einzige Kerl zu sein.

Warum „Purzel“? Weil der ein solches Muskelpaket war, quadratisch gebaut, und klein blieb, daß er wie ein Springball durch die Wohnung fegte, draußen auf die Bäume sprang, sich in der Luft akrobatisch drehen konnte, und eben herumpurzelte.

Wir waren schon soweit entschlossen, in der schönen Wohnung, im geliebten Umbrien bleiben zu wollen. Es hatte ja was. Freunde kamen von Deutschland, um uns zu besuchen, es war genug Platz, und wir wurden schon auch beneidet. Na, und da wollen wir doch nicht zu kleinlich sein wegen ein paar Katzen! Die Miete war, verglichen mit unseren Preisen, lächerlich billig. Die Unterhaltskosten für Menschen sehr moderat, es gab ja nichts Aufregendes zu kaufen. In der ländlichen Gegend gab es nur bescheidene Leute, sehr viele fuhren Panda, ich kam mir also nicht asozial vor an der Tankstelle, im Gegenteil: das war ja ein AUTOMATIK! Und der wurde durchaus bewundert.

Kikis Sohn war inzwischen zurück nach D gezogen und lebte bei ihrer Mutter. Wir bauten die Rückbank im Auto aus und gewannen genau einen Quadratmeter Stauraum. Damit konnte man schon eine Menge transportieren. Wie nötig das war, erfuhren wir nach und nach.

Zunächst ging das Katzenabenteuer weiter:
Hase

Ich schätzte Sabina wirklich sehr, sie war eine starke und intelligente Persönlichkeit. Man konnte sich auf sie verlassen. Es gab also gar keinen Grund, sie etwa zu meiden. Auch nicht, als eines Tages ihr Klo zugesperrt war, angeblich kaputt. Geht bitte gegenüber ins Hotel! Aber uns nahm sie beiseite, als es gerade leer war, still sein! Vorsichtig!, und schloß auf. In einem Karton saß ein Kätzchen, sehr klein, weiß mit Muster, und guckte unlustig.

Oh Sabina! Nein, sie wollte uns den Winzling nicht aufschwatzen, wirklich nicht. Nur, die sollte zum Tierheim zur Untersuchung, das Übliche, und dann gleich eine Wagenladung Futter mitbringen für die Stadtkatzen. Sie könne gerade nicht weg, und die Katze dürfe ja gar nicht hier sein, Vorschriften, Hygiene und so. Also schob sie uns kurzerhand mitsamt Karton raus und wir fuhren, was sollten wir auch sonst tun? Kiki hielt die Kleine auf dem Schoß. Dann stank es plötzlich. Die Aufregung, nicht wahr? Der Streß. Und die Katze saß in ihrem weichen Häufchen, blickte mit einem angewiderten Ausdruck in diese verdammte Welt, die nicht die ihre sein konnte! Diesen Blick behielt sie bei. Der konnte sich verändern in abgrundtiefe Verachtung, aggressiven Haß oder betonte Mißachtung desjenigen, der gerade mit ihr reden wollte. Niemand konnte einen so arroganten Abgang hinlegen wie sie – der ganze Körper ein Vorwurf an die Welt!

Ja, aristokratische Arroganz war es, das sie auszeichnete. Aber wir nannten sie einfach Hase, obwohl sie wie ein Kaninchen aussah und ein ebenso seidiges Fell hatte, aber Kaninchen ist kein schöner Katzenname. Hasen sind nicht so hübsch, klar, aber was soll’s. Außerdem konnte sie hasengleich springen, war blitzschnell und eine Kletterkünstlerin. (Ach, habe ich schon erwähnt, daß Sabina sie uns gar nicht aufdrängen wollte?)

Weil sie so sauer war über ihr Schicksal, redete Kiki mit Purzel, er solle sich um die Schöne kümmern und sie gut behandeln. Ja, tatsächlich, das tat er mit Hingabe! Sie wurden ein Paar. Und obwohl Purzel nicht immer sanft war, konnte Hase sich gut wehren und ihn im Laufe der Zeit erziehen. Beide sind immer noch bei mir. Die Leidenschaft ist abgekühlt, aber sie haben keine Probleme miteinander. Er geht gern seiner Wege, sie ist häuslich. Wie das eben so ist bei alten Ehepaaren.

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Hase

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Purzel, alle im Mittagsschlaf (ich übe ja noch, und da halten sie still ;-) )
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #11
Du schreibst sehr schön, es macht richtig Spaß, deine Geschichte zu lesen! Ich bin gespannt, wie es weiter geht :-D
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #12
ICH HATTE MIR NACH MANNES UND HUNDES TOD FEST GESCHWOREN: NIEMALS MEHR EINEN PFLEGEFALL, NIEMALS MEHR EIN HAUSTIER!!!
Das hat jetzt aber nicht geklappt!:lol:
So süße Pelze, da kann man auch mal Vorsätze brechen und DU hattest ja keine Wahl.:mrgreen:
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #13
Billy wird belästigt

Der gutmütige, treuherzige, liebe Kater wußte nicht, wie ihm geschah! Nachbars kleiner schwarzer Teufel, ein pubertierender Lümmel, bekam seine Tage. Warum er ausgerechnet Billy als Objekt der Begierde ausgesucht hat, war ein Rätsel. Ständig war er hinter ihm her, sprang auf ihm herum, rannte in unsere Wohnung. Billy flüchtete, aber dieser Felix ließ sich nicht abschütteln. In seiner emotionalen Verwirrung sprang Felix vor Schreck einmal sogar erst von Billy, als wir dazukamen, dann vom Balkon runter. Weil wir Hanglage hatten, war ein Teil des Hauses EG, dieser aber im 1. Stock. Er hat sich zum Glück nichts getan.

Das hörte ja nicht auf! Felix machte sich verrückt und unseren Billy auch. Kiki, wie immer als erfahrene Katzennärrin, wußte Rat: Nachbars Kater mußte kastriert werden. Nicht, daß man mit Italienern über so eine Frage diskutieren könnte! Kein Problem, das nicht zu lösen wäre. Es war nicht schwer, ihn in die Falle zu locken, die uns Sabina ausgeliehen hatte. Der verfressene Kerl fiel sofort drauf rein. Wir ab zum Tierheim, und schon war es passiert. Hat keiner was gesehen. Er blieb dort über Nacht. Die besorgten und ärgerlichen Nachbarn riefen noch spät abends mit Krümelklappern nach ihrem ungezogenen Lümmel, aber der kam nicht.
Am nächsten Vormittag war er wundersamerweise wieder da! So schnell war er noch nie gerannt - raus aus dem Korb und wie der Blitz nach Hause!

Es war optisch gar nicht zu sehen, daß ihm was fehlte, sah genauso aus wie vorher. Von seinen Leuten bekam er Stubenarrest für diesen Tag, aber ich glaube, das fand er ganz gut. Billy hatte fortan seine Ruhe, il castrato ließ sich nicht mehr bei uns blicken. Ob das so richtig war? Was weiß ich schon, ich kenne mich nicht aus mit Katzen.
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #14
Ciao, bella Italia!

Aus irgendeinem Grund, den ich schon vergessen habe, mußten wir unsere Zelte wieder abbrechen. Bis heute ist mein Herz zweigeteilt, und eine Hälfte ist dort geblieben, im Land meiner Freiheit. Na, es wäre eh nicht für das ganze Restleben gegangen. Mein älter gewordener Vater lebte noch in D, und er wollte gerade für drei Wochen über Weihnachten/Neujahr Urlaub machen. Ich konnte ihn überreden, uns für diese Zeit in seine Wohnung zu lassen. Kann sein, daß ich am Telefon die Katzen vergessen habe zu erwähnen.

Nun ist klar, wofür der Panda ein reiner Lieferwagen geworden war. Auf einem Quadratmeter Luftraum mußten wir unsere Siebensachen verstauen, Bettdecken, Kleidung, „eigentlich“ zwei sehr teure Gitarren, und was es eben dringend braucht, den Fernseher z.B. Natürlich gab es weder Koffer noch Taschen, die verbrauchen Platz, sondern alles mußte einzeln in das Auto gequetscht werden, unter die Sitze, auf den Bodenraum. Das wäre nicht schlimm für uns, die wir sowas schon gewöhnt waren. Aber da hatten wir nicht fünf Katzen!

Die Traumwohnung sollte leergeräumt werden. Wie schön, daß da ein quasi neuer Herd, eine neue Waschmaschine, die SAT-Anlage, die Betten ( die in Italien spottbillig sind) zur Verfügung standen. Für wen wohl? Das Tierheim kam mit dem Transporter, und alle waren begeistert. Die vielen Plastikbalkonstühle gab es noch dazu.

Möbel waren gar kein Problem, denn unsere häusliche Designer-Kunst war von Penny. 40 km weiter gab es nämlich den einzigen Penny-Markt weit und breit, und der bekam seine Joghurts in extrem stabilen, kleinen Pappkartons. Stapelbar! Mit Eingrifflöchern! Man konnte so viele übereinander stapeln, wie man wollte, auf Kommoden- oder Schrankhöhe. Einen Besenstiel oben drübergelegt, noch eine Reihe Kartons und dann ein Brett als Ablage – schon waren Kleiderschrank und Garderobe fertig. Der ganze Kleinkram paßte in die Kartönchen, in die man ja hineingreifen konnte. Die Spinnen fanden das auch sehr gemütlich, und ich verstand nun, warum in Italien nichts offen verstaut wurde, sondern immer hinter Schranktüren.

In der Küche stand ein großer Tisch, dessen sonnengelbe abwischbare Tischdecke seine geniale Konstruktion verbarg: selbige Kleinkartons auf Tischhöhe gestapelt, darauf als Tafel ein Riesen-Pappkarton, umgedreht natürlich. Darin hatte Penny zur Weihnachtszeit seine Panettone bekommen, in Mengen, die halb Umbrien versorgen mußten. Entsprechend dick und stabil war auch dieses Möbel, das bei jedem Besucher Bewunderung hervorrief.

So, Wohnung leer, Auto soweit vorbereitet, und nun? Die Rede war ja immer von sechs Katzen. Wenige Tage vor dem Auszug fand sich bei den Streunern eine neue, junge, sehr kleine Katze ein, die vor allem Angst hatte. Sie verkroch sich in der (offenen) Garage, um dem Trubel da draußen zu entkommen. Kiki nahm sie natürlich sofort in Obhut, baute ihr eine warme, kleine Höhle, wo nur sie reinging und nicht ihre größeren Verfolger. Sie bekam extra Futter und schiß die Garage voll. Draußen lauerten ja die Feinde. Kurzum, man konnte dieses arme Wesen ja nicht seinem Schicksal überlassen, und wo fünf Platz haben, wird es auf eine sechste nicht ankommen. Drei Transportkörbe hatten wir sowieso angeschafft, da wird man eben ein wenig zusammenrücken. Ich habe nichts gesagt, oder?

Auf dem Weg zur großen Fahrt ging es erst zu Sabina, und dabei war schon klar, daß es so nicht funktionieren wird. Keine Sicht nach hinten, das Auto überladen, Beifahrerin vollgestopft mit Sachen. Also was kann raus? Schrieb ich nicht: „eigentlich“ zwei Gitarren? Mein superteures Glanzstück mußte dran glauben, das kann Sabina ja vielleicht mal nachschicken. Einen ganzen Sack Kleidung (meine natürlich), und schon ging es. Katzen paarweise in Körben, gut gesichert durch unsere Betten, und schön, daß sie zum Teil noch nicht ausgewachsen waren und vor allem sich prima verstanden! Sogar für Wasser war in den Körben gesorgt – keine Ahnung, wie wir das gemacht haben.

So kurvten wir dann schwankend durch den Appenin, vorbei an Florenz, Bologna, Verona, Modena usw. usw. ohne Boxenstopp, irgendwo einmal schnell pieseln, nachts in Österreich unter die Decke und ne Stunde schlafen. Wieder Schnee! Wieder kalt!

Brave Katzen, unglaublich brav! Das Gemaunze hielt sich in Grenzen, irgendwann hörte auch das Gepolter auf, und sie schliefen.

Papas Wohnung war klein, zwei Zimmer, gut möbliert und im 6. Stock eines Hochauses. Mädi schaffte es bis auf den großen Schrank. Dort blieb sie erstmal. Am nächsten Tag liefen alle Nasen. Die TÄin sagte, das andere Milieu sei schuld, und es ging auch schnell wieder weg.

Drei Wochen Frist, und niemandem verraten, was wir mitgebracht hatten! Also Wohnungsanzeigen. Und wie es die unsichtbare Eingreiftruppe wieder geregelt hat, war die Wohnung genau über uns gerade frei geworden. Also schon leer! Stand sofort zur Verfügung. Die erwünschten Vermieter waren gerührt, daß hier mein alter Vater lebte und fanden uns sympathisch, hatten auch nichts gegen zwei Kätzchen einzuwenden. Na also!

Dieselbe Wohnungsgröße, 7. Stock, Schluß mit Freigang, aber wir waren untergebracht. Kiki hatte sofort die beste Idee, wir besorgten eine gebrauchte Matratze, reinigten sie und schraubten sie an die Wand, hochkant, mit Seilen gesichert. Das ersetzte den Freigang problemlos! Eine Getobe und Gefetze auf diesem Teil, daß es eine Freude war! Natürlich kam immer mehr dazu, was Katzen in Bewegung hält und glücklich macht, das kennt ihr ja. Wir durften auch dort schlafen.

Aber mißgünstige Nachbarn haben was geschnallt und gepetzt. Die Vermieter reagierten beunruhigt. Da ist es von Vorteil, einmal Rhetorik- und Verkaufstrainerin gewesen zu sein. Ich würde es nicht grad lügen nennen, denn der Phantasie sind ja keine Grenzen gesetzt, es hätte durchaus so sein können. Zwei waren erlaubt, zwei waren nur für kurze Zeit da, weil Freunde in Urlaub gefahren sind. Da hilft man sich gegenseitig, denn auch wir wollen mal weg und unsere Zwei denen überlassen. Ganz klar, versprochen, nächste Woche sind sie wieder zu Hause! Die Vier setzten das liebste Gesicht auf, als der herzlich gern eingeladene Vermieter-Besuch reinkam. So konnten sie sich überzeugen, daß alles seine Richtigkeit hat. Und sowohl Billy wie Mädi verhielten sich mucksmäuschenstill im Auto, wohin sie mal kurz ausgelagert waren.

Und es gibt ja seltsame Zufälle: Die störenden Nebenmieter, die auf unseren Balkon schauen konnten, sind kurz darauf ausgezogen. Die neuen waren junge Leute, die sich für gar nichts interessierten. So brauchten wir keine Katze mehr zu verstecken, sondern alle sonnten sich in der endlich warmen Frühlingssonne ungeniert!
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #15
Und hast du deine Gitarre je wieder gesehen? :-D
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #16
:cry:

no, mai vedo encora
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #17
Schade, aber zum Spielen wärst du sicher eh nicht mehr gekommen - bei 6 Nasen hat man einiges zu tun :mrgreen:
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #18
Außer den üblichen Floskeln kann ich nur einen Satz auf Italienisch, aber der passt hier so schön:

Meglio vivere un anno da leone che cento anni da pecora!
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #19
na ist ja nur n Spruch ;-)
So ein Schäfchen lebt doch auch sehr nett, wenn es lebt.

Aber das dachte ich mir auch immer: Ich habe es erlebt! Wenn nicht jetzt, wann dann?
 
  • Sechs kleine Italiener Beitrag #20
Haben die ollen Römer schon auf ihre Münzen geprägt ;-)
 
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