ok, dann weiter im Fred
Warum sollte man nicht homöopathische Mittel kaufen, wenn sie wirken?
Gute Frage. Gegen den Placebo-Effekt ist im Prinzip nichts einzuwenden.
Es ist erwiesen, dass diese Wirkungsweise tatsächlich funktionieren kann, wenn auch nur bei wenigen Menschen. „Nur Placebo“ ist also eigentlich sinnlos.
Sorgen machen uns Gegnern wohl die Ursachen des Placebo-Effektes.
Man muss auf die Wirkung vertrauen, damit es funktionieren kann. Wer den Mittel vertraut, vertraut aber automatisch auch dem Hersteller. Und diese sind aus unserer Sicht Betrüger.
Sie wissen, dass ihre Erklärung nicht funktioniert, weil sie sich diese ausgedacht haben.
Allerdings darf diese Einstellung nicht dazu führen, in die Selbstbestimmung eines Menschen einzugreifen.
Zur Wissenschaftskritik
Du sagst: „Die Wissenschaft hat Contergan als wirksames Schlafmittel verkauft“
Kann man so sehen, ist aber falsch.
Contergan ist ein wirksames Schlafmittel. Dies wurde wissenschaftlich festgestellt. Leider wurde es aus finanziellen Gründen unterlassen, auch mögliche Nebenwirkungen zu untersuchen. Nachdem diese bekannt wurden hat die Firma aus strategischen und firmenpolitischen Gründen davon abgesehen, diese einzugestehen. Dies als schlimm zu bezeichnen, ist mit Sicherheit eine extreme Untertreibung, aber es kann keine Schuld der Wissenschaft sein.
Einfach weil Wissenschaft nur eine Methode ist, unser Universum und seine Gesetze zu verstehen.
Anhand von (wiederholbaren) Versuchen und Empirie versuchen wir, die Welt zu verstehen und folglich auch zu erklären. Anhand der Erklärungen werden Theorien erstellt, die sich dann an der Realität messen müssen. Deshalb kann Wissenschaft auch keine Verantwortung übernehmen.
Die Methodik des Kochens hat auch keine Verantwortung für den Vitamingehalt der Speisen. Dies liegt in der Verantwortung des Kochs.
Wissenschaftler tragen eine hohe Verantwortung für ihre Versuche und deren ethische Korrektheit.
Und mit Sicherheit gibt es auch Wissenschaftler, die diese Verantwortung ignorieren. Das kann niemand bezweifeln. Aber die Verantwortung des Wissenschaftlers endet auch mit der Erkenntnis.
Genau wie die Verantwortung des Kochs mit der Fertigstellung des Essens beendet ist. Er muss es zurücknehmen, wenn es bestimmte Eigenschaften nicht erfüllt, aber es geht ihn nichts an, was Du damit tust.
Im Idealfall isst Du es einfach. Du kannst es aber auch im Kühlschrank verrotten lassen.
Wenn Du fies drauf bist, mischst Du ein paar Pilze drunter und gibst es Deinem Nachbarn zu essen. Oder Du gibst es jemandem zu essen, der auf einen Bestandteil davon allergisch reagiert. Dies ist aber Deine Verantwortung, nicht die des Kochs und schon gar nicht die Verantwortung des Kochens als Methode zur Zubereitung von Essen.
Genau dies sind die Grenzen der Wissenschaft. Sie kann wertvolle Erkenntnisse liefern, aber was damit angestellt wird, liegt nicht in ihrer Hand.
Auf die Homöopathie trifft dies aber nicht zu. Sie bedient sich der Erkenntnisse der Wissenschaft um zugkräftige, aber im wesentlichen unbekannte Begriffe für die eigene Begründung zu missbrauchen. Sie behauptet einfach Inhalte, ohne sie jemals zu belegen oder zu begründen. Auch deshalb gibt es diese Kampfstimmung gegen die Homöopathie.
Fazit: Wer es schafft, den Placebo-Effekt für sich zu nutzen, sollte dies auch weiter tun. Freier von Nebenwirkungen können pharmazeutische Mittel auch nicht sein. Aber gerade bei Krankheiten, die tragisch enden können, sollte man zusätzlich die Schulmedizin bemühen. Schon weil die Gefahr besteht, dass ein kleinster Zweifel den Placebo-Effekt aufhebt.