Placeboeffekt bei Kindern: stärker als bei Erwachsenen
Experten widersprechen. "Dass Homöopathie bei Kleinkindern und Tieren einen Effekt erzielt, ist kein Argument dafür, dass sie eine Wirkung jenseits des Placeboeffekts besitzt", sagt Paul Enck von der Universitätsklinik Tübingen, einer der führenden Placebo-Spezialisten in Deutschland. "Aus den wenigen Daten, die man zum Placeboeffekt bei Kindern hat, ist ersichtlich, dass er sogar größer ist als bei Erwachsenen."
Die Datenmenge bei Kindern ist vergleichsweise klein. In der Grundlagenforschung zu Placeboeffekten, bei der Probanden oft leichte Schmerzen zugefügt werden oder Übelkeit ausgelöst wird, verbietet sich die Arbeit mit ihnen. Auch placebokontrollierte Studien zur Wirkung von Medikamenten werden deutlich seltener mit Minderjährigen durchgeführt. Einige Untersuchungen gibt es trotzdem. So zeigte etwa eine Analyse mehrerer Studien von Epilepsie-Patienten, dass der Placeboeffekt bei Kindern und Jugendlichen deutlich größer war als bei Erwachsenen.
Laut Enck beruht die Wirkung auf der Erwartungshaltung des Patienten, dass die Behandlung wirken muss, sowie auf einer Konditionierung: Wenn die Spritze beim letzten Mal dafür gesorgt hat, dass die Schmerzen abgeklungen sind, wird das auch dieses Mal wieder passieren. "Das sollte bei Kindern noch viel besser funktionieren, da sie seltener bezweifeln, ob es alles stimmt, was ihnen da gerade erzählt wird. Wenn die Ärzte oder Eltern sagen, dass etwas hilft, dann glauben sie es", erklärt Enck.
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Allerdings ist bei solchen Studien oft unklar, ob sich der Placeboeffekt beim Tier selbst abspielt - oder vielmehr bei seinem Besitzer, dessen Verhalten dann dazu führt, dass es dem Tier besser geht. Auch der Tierarzt, der vom Nutzen seiner Therapie überzeugt sei, könne einem "Rosa-Brillen-Effekt" unterliegen, sagt Ernst Petzinger von der Justus-Liebig-Universität Gießen.