Mir kam gerade so ein Gedanke, als ich hier im Thread las...
Es ist noch nicht lange her - im Herbst sind es 4 Jahre - da habe ich mich hier im Katzenforum angemeldet, weil ich gerne eine Katze haben wollte.
Eine erwachsene Katze sollte es sein, da ich mir die Erziehungsarbeit, die ein Kitten mit sich brachte, nicht zutraute, besonders, da mein damaliger Freund eigentlich kein großer Fan dieser Idee war und ich ihm ein unerzogenes Kitten nicht antun wollte.
Hier im Forum wurde ich dann darüber aufgeklärt, warum eine Katze allein keine gute Idee ist, ich solle doch bitte lieber gleich zwei nehmen.
Das hat mich ziemlich geschockt, die Idee, gleich zwei Katzen aufzunehmen, für gleich zwei Leben verantwortlich zu sein - die zusätzliche Arbeit, die zusätzlichen Kosten... ich fühlte mich heillos überfordert.
Als dann mein damaliger Freund das erste - und letzte - Mal in unserer gemeinsamen Zeit etwas vernünftiges sagte, nämlich "nein, also wenn, dann holen wir zwei, wir sind beide Studenten, manchmal sind wir 8 Stunden am Tag weg, das tun wir keinem einzelnen Tier an!", war also entschieden, es werden zwei.
Ca. zwei Monate später zogen Lolly und Lui ein, ein Katzenpaar, das eigentlich wegen seiner furchtbaren Namen (richtig heißen sie "Lolly Pop" und "King Lui") ausgeschieden war.
Da sie aber von der Beschreibung her sehr gut zu uns passten und es kein anderes Zweiergespann in unserer Gegend gab, das unseren Anforderungen entsprach, meldeten wir uns bei der Besitzerin und kurz darauf zogen die beiden ein.
Ich denke, ich muss nicht extra erwähnen, dass sich einige meiner romantisierten Vorstellungen über die Katzenhaltung ganz schnell erledigt hatten, so geht es wohl jedem, der das erste Mal Tiere hält ;-)
Statt zwei Schmusetigern zum herumtragen bekamen wir einen Kater, der uns die ersten paar Tage anfauchte und angriff und eine Katze, die 6 Wochen lang kaum zu sehen war, dafür aber regelmäßig auf Badezimmerteppich und Sofa urinierte....
Mehr als einmal habe ich in diesem Forum verzweifelt um Rat gefragt, mehr als einmal mit meinem damaligen Freund gestritten, weil er Lolly wieder abgeben wollte.
Mit der Zeit bekamen wir die Probleme in den Griff und es stellte sich ein neues Problem heraus - unter Katzenleuten bekannt als "typisches Kater/Katze-Problem".
Es gab einige längere Diskussionen mit meinem Freund und schließlich stimmte er zu, nach einem Raufkumpan für Lui zu suchen.
Statt eines Raufkumpans wurde es eine Raufkumpine und Chucky, laut besitzern eine echte Raufliebhaberin, zog bei uns ein.
Tatsächlich dauerte es nicht lange und sie und Lui verstanden sich prächtig, rauften gemeinsam und das Problem schien gelöst.
Leider kristallisierte sich das nächste Problem heraus, Chucky und Lolly verstanden sich gar nicht.
Über Monate haben wir alles versucht, langsame zusammenführung, gegenseitiges Einreiben mit Katzenminze, gemeinsame Spielstunden, gemeinsame Leckerlirituale, Bachblüten.... nichts half und schweren Herzens musste ich ein neues Zuhause für Chucky suchen.
In der Zwischenzeit hatte ich mich auch von meinem damaligen Freund getrennt und konnte dementsprechend der gesamten Situation deutlich entspannter ins Auge sehen, ohne die Angst, von ihm Druck zu bekommen, die Katzen wegzugeben.
Ohne Chucky war nicht nur die Wohnung sehr leer, auch die Probleme mit Lolly und Lui fingen wieder an.
Es dauerte daher nicht lange, bis ich den Entschluss fasste, es erneut mit einer dritten Katze zu probieren.
Wochenlang durchsuchte ich Internetseiten und fragte in Tierheimen nach, wochenlang bekam ich immer wieder die gleiche Antwort: "Sie sollten sich vielleicht einfach mal überlegen, ob Ihre Lolly nicht einfach eher eine typische Einzelkatze ist". Auf den Einwand, dass sie sich mit Lui ja prächtig verstehe, kam dann entweder die Erwiderung, das stimme ja nicht, schließlich habe ich ja gerade berichtet, dass die beiden sich ständig fetzten oder alternativ die Antwort, dass sie den ja schließlich auch schon ihr Leben lang kenne, daher sei das etwas ganz anderes.
Fuchsteufelswild setzte ich dann Anzeigen in diversen Internetforen auf "sozialer Raufkumpan gesucht" es musste,
musste doch einfach irgendwo auf dieser Welt eine Katze (oder einen Kater) geben, die raufig genug war, um Lui auszulasten und gleichzeitig sozial genug, um mit Lolly klarzukommen.
Ich hatte mich dann schon beinahe für Merlin entschieden, einen sehr sozialen Pflegekater hier aus dem Forum, obwohl die PS die Befürchtung hatte, dass er nicht wirklich viel mit Lui raufen würde.
Und dann kam an meinem Geburtstag ein Anruf von einer Frau, die quasi bei uns um die Ecke wohnte - sie hatte meine Anzeige auf einer Internetplattform gesehen und sie hätten einen Kater abzugeben, der ganz genau darauf passte.
Die Schwester ihres Mannes hatte ihnen ihre beiden Katzen gegeben mit den Worten "wenn ihr sie nicht nehmt, landen sie im
Tierheim".
Die beiden hatten nie Katzen gewollt, haben es aber versucht, um die Katzen vor dem
Tierheim zu bewahren.
Als sich dann die Probleme häuften - die weibliche Katze pinkelte in der Wohnung alles voll, mit dem Kater hatten sie das gleiche Problem wie wir mit Lolly und Lui - haben sie beschlossen, die Katzen abzugeben.
So zog Kater Lenny bei uns ein und obwohl es durchaus heute noch die eine oder andere Schwierigkeit mit ihm und Lolly gibt und sie ihn vermutlich nie so lieben wird, wie sie Lui liebt, kommen die beiden klar.
Manchmal können sie sogar Arsch an Arsch auf meinem Schoß liegen, an guten Tagen :-D
Und dann tauchte vor ein paar Tagen diese Winzkatze in unserem Stall auf.
Und gerade kam mir der Gedanke: "Wie ist das passiert?"
Wie bin ich von einer völlig hilflos-überforderten "Ich möchte gern mal eine Katze haben"-Hysteriefrau zu jemandem geworden, der mal eben ohne groß darüber nachzudenken eine vierte, völlig fremde Katze in die Wohnung holt - und nebenbei auch noch mehrere hundert Euro dafür in der Klinik lässt?
Tja, ich schätze, der alte Spruch stimmt - man wächst mit seinen Aufgaben :mrgreen:
Der kleinen Lucky Cookie geht es indes ziemlich gut - sie ist soweit gesättigt, dass sie anfängt, wählerisch zu werden, das
Nassfutter saugt sie weiterhin ein, den Babybrei und die Aufzuchtsmilch lässt sie aber unberührt stehen :-D
Sie ist jetzt in der ganzen Wohnung unterwegs und es läuft eigentlich nicht schlecht.
Lenny ist sie total egal, der hat mal kurz gesagt "ach hi, du wohnst jetzt auch hier?" und seitdem ignorieren sie sich :-D
Lui faucht sich einen ab, sobald er sie sieht, ist ansonsten aber relativ gechillt.
Lolly meidet die Kleine wie die Tore zur Hölle und wenn sie sie doch mal sieht, verwandelt sie sich in eine Furie - bisher aber immerhin in eine still sitzende Furie und nicht in eine auf die fremde Katze losgehende Furie :mrgreen:
Der kleine Glückskeks lässt sich allerdings von nichts davon aus der Ruhe bringen - dafür, dass sie völlig abgemagert und verwahrlost aus der Wildnis kommt, ist sie echt ne coole Socke.
Die schaut dann mal kurz mit großen Augen zur Gift und Galle spuckenden Lolly rüber "heeee, was ist denn jetzt DEIN Problem?

" und lässt sich ansonsten nicht anmerken, dass sie überhaupt mitbekommt, dass das Fauchen und Knurren ihr gilt :-D