Was für ein trauriger Liebesbeweis von Deiner Molly, Verena

Mir wird schmerzlich bewußt, daß ich auch nach der etwas längeren Zeit nach Fleckerls Tod gedanklich noch gar nicht abgeschlossen habe. Ich denke ein nicht unwesentlicher Grund dafür ist meine Zurückgezogenheit und der damit verbundenen wenigen Gespräche über ihren Tod. Die Situation damals war so unwirklich, gleichzeitig aber auch mit großem Schrecken verbunden, das ich immer wieder die Szenen vor meinem Auge abspielen lasse.
Ich versuche das einmal in Worte zu fassen...
Fleckerl war zwei Tage vor ihrem Tod auffällig anders. Sie fraß nicht richtig, und war etwas torkelig auf den Beinen. Gleich an diesem Tag versuchte ich sie einzufangen, was mir trotz vieler Versuche von Anlocken, Falle, und großem Netz nicht gelang. Kaum zu glauben wie geschickt sie sich noch anstellte NICHT gepackt zu werden. Nach einer gewissen Weile sagte ich meinem Schatz, das ich es nicht weiter versuchen werde, sonst wird sie wohl länger nicht kommen. Schon am Abend und am folgenden Morgen kam sie nicht zum Fressen. Ich suchte die gesamte Gegend nach ihr ab. Vergebens.
Am folgenden Tag war sie morgens immer noch nicht da. Am Nachmittag ging ich nochmals in den Garten zum Gießen.
Mich überkam ein seltsames Gefühl, schaute nochmals aus dem Fenster. Da sah ich zwei Ringeltauben von dem Platz der Vogeltränke wegfliegen. Ich war sehr erstaunt, da ich trotz aller Vögel die man sich so vorstellen kann, noch niemals Tauben in meinem Garten waren. Mein Schatz war noch bei der Garage und ich erzählte ihm davon...er hatte die Tauben ebenfalls wegfliegen sehen. Ca eine Stunde später ging ich wieder in den Garten und wollte zum Schuppen um zu sehen, ob Fleckerl vielleicht dort war. Auf dem Weg dorthin lief ich an der Voegeltränke vorbei, unter der Staudensonnenblumen wuchsen. Dort lag Fleckerl regungslos. Sie war schon tod. Das erste Mal hielt ich mein Fleckerl in den Armen und konnte sie an mich drücken und sanft streicheln. Es war wie ein schlechter Traum...ganz ehrlich? Ich weiß nicht wie lange sie schon dort lag. Wir haben sie beide nicht gesehen. Ihr Körper war nicht mehr warm, aber auch nicht steif. Unerklärlich wie blind man sein muß...die zwei Tauben haben ihre Seele mit in den Himmel getragen. So unglaublich es klingen mag; ich bin fest davon überzeugt!
Es klingt zwar tröstlich für mich; jedoch kann ich mir meine eigene Dummheit und Schuld nicht absprechen...es schmerzt mich ungemein.
Fleckerl wollte ich in Frieden ruhen lassen...es wäre für mich ein Frevel gewesen sie untersuchen zu lassen. Meine Tierärztin ist sich unsicher ob es eventuell Rattengift war....wir wissen es nicht.
