Hallo Emily-3
ich mag es mir einbilden, aber irgendwie lese ich einen aggressiven Unterton in deinem Post. Wenn du etwas an meiner Aussage kritisieren möchtest oder anders siehst, können wir das gern diskutieren - aber dann doch bitte direkt und nicht so unterschwellig.
Falls ich mir das tatsächlich nur einbilde - vergiss es!
Aber zu deinen Fragen - nur mal in umgekehrter Reihenfolge:
- Gesunde Tiere zu züchten?
Gesundheit ist kein Ziel (im Sinne, ich will es irgendwann mal erreichen), sondern Voraussetzung, damit überhaupt mit einem Tier gezüchtet wird. Als Züchter sollte man sicher sein (so nah dran, an sicher, wie möglich), dass die Zuchttiere gesund sind. Und das geht weit über "der
Tierarzt hat gesagt, alles Bestens" hinaus. Das bedeuted neben allen möglichen Tests und rassespezifischen Vorsorgeuntersuchungen auch das Wissen, dass die Linien dahinter sauber sind. Dass es in keine unerwünschten Überraschungen in Würfen der Vorfahren gab, dass nicht irgendwelche - möglicherweise rezessive - defekten Gene in den Linien stecken. Das heißt immer, ich muss nicht nur meine Katze kenne - sondern im Grunde auch jedes einzelne Tier aus ihrem Stammbaum (und hier vor allem auch Vorfahren und Nachkommen).
Und wenn ich dann "sicher" bin - kann ich das Tier zur Zucht einsetzten. Aber nochmal: das ist Voraussetzung, kein Ziel.
- Nehme mal an, die Rasse zu erhalten?
Das nenne ich jetzt quasi mal das "übergordnete" Ziel. Erhalt und Verbesserung - aber nicht in dem Sinne, "ich produziere ganz viele Nachkommen und verkaufe die dann an andere Züchter". Erhalt heißt, dass man gute Qualitäten, die eine Rasse zum Zeitpunkt X erreicht hat, festigt und weitererhält - andere, möglicherweise noch verbessert. Aus Züchtersicht gibt das "perfekte" Tier nicht und wenn mal eins ganz nah dran ist, bedeutet es eben diesen Standard zu halten und weiter zu festigen.
Vermutlich kann man sich so etwas als Nicht-Züchter nur schwer vorstellen, aber bei manchen Rassen sieht man schnell, wie Leute ohne Ahnung in kürzester Zeit Linien "ruinieren". Da kauft sich jemand halbwegs passable Zuchtkatzen und verpaart die mal ... mit einem - angeblich passenden - Kater. Schaut man drei Generationen weiter drauf, sind die Ergebnisse auf einmal grottig schlecht. (Eine Rasse bzw. Linie zu ruinieren ist übrigens viel einfach und geht schneller, als umgekehrt). Deshalb sollte ein Züchter, der diesen Namen verdient, immer daran arbeiten auch die nächsten Generationen ganz nah am Standard zu halten und vielleicht das eine oder ander noch etwas besser machen.
Was ist denn das Zuchtziel eines aktiven Züchters?
Ich bin ja schon länger nicht mehr "aktiver Züchter" - daher müsstest du hier jemand anderen fragen. Aber nachdem wir festgehalten haben, dass Gesundheit die Voraussetzung und Rasseerhalt (nah am Standard) wichtig ist, kommt man dann zu den kleinen Dingen, auf die sich ein einzelner Züchter konzentriert. Ich persönlich war immer ein "Ohrenfetischist". Leider gibt es extrem viele Briten, bei denen die Proportionen der Ohren nicht so recht zum Gesamtbild passten. Ich habe also immer sehr viel Wert darauf gelegt, kleine Ohren zu bekommen und dieses Merkmal so zu festigen, dass sie konsequent weitervererbt wurden. Ich habe an der Fellqualtiät gearbeitet, die bei meinen Linien leider nicht so toll war - und bis zum Schluss habe ich in Bezug auf die Fellqualit leider nichts wirklich Vorzeigenswertes erreicht. Ich hatte Linien, die sich durch besonders runde Köpfe mit wirklich kreisrunden Augen auszeichneten. Meine Katzen behielten ihre "Babyface" bis ins hohe Alter. Dieses Merkmal gleichzeitig zu erhalten, die Ohren schön klein zu bekommen und das Fell zu verbessern war der Schwerpunkt in meiner Zucht.
Vor einiger Zeit wurde die wirklich wunderschöne Farbe
Cinnamon in die Briten eingekreuzt und ich habe damit geliebäugelt, auch wenn sie züchterisch eine totale Herausforderung war. Leider hat man hier bei Einkreuzung auf schnelle Erfolge gesetzt und anstatt mit den Trägertieren erst einmal wieder einen vernünftigen Standard zu bekommen, wurden diese zu schnell miteinander verpaart. Mit dem Ergebnis, dass die Cin-Tiere oft ganz schlecht im Fell, in Bezug auf Ohren und Nasen waren und selten wirklich streifenfrei (als Solids). Auch wenn ich mit meinen Linien sicherlich nicht zur Fellqualität beitragen konnte, wäre mein Typ (Kopfform, Ohren, Nase usw.) sicherlich hilfreich gewesen.
Um das sicherzustellen, habe ich viele Jahre ausschließlich mit Trägertieren gearbeitet. Leider habe ich bis zum Schluss bei der Verpaarung von Trägern kein "Glück" gehabt - und so hatte ich zwar zum Schluss wirklich gute
Träger, aber nie ein selbstgezüchtetes Tier in Cin.
Ich weiß jetzt , ob dir so etwas als Antwort genügt - oder ob du dir etwas anderes vorgestellt hast ...
Grüße
Nic