Meine beiden 6 Jahre alten Kater sind Wohnungskatzen.
Unser 8.5 jähriger Familienkater ist Freigänger.
Ich glaube für jede Katze ist es toll wenn sie die Möglicheit hat raus zu gehen. Egal ob das jeden Tag stundenlag und mit riesigem Revier ist, oder der gemütliche Couch-Potato nur alle paar Wochen mal im Garten in der Sonne liegen möchte. Wie stark bereichernd und wichtig der Freigang für eine Katze ist, welchen Stellenwert er in ihrem Leben hat, ist sehr unterschiedlich und häng zu einem sehr großen Teil auch vom Charakter, der Rasse und noch ganz vielen anderen Faktoren ab. (z.B wie sie denn sonst ausgelastet und gehalten werden und mein Persermix ist z.B auch tatsächlich deutlich ruhiger und gemütlicher als mein anderer Kater )
Aber alleine dass die Katze es kann, wenn sie es möchte und ihr mal danach ist...
So. Aber bei einem Hund ist das doch z.B auch nicht anders. Auch jeder Hund würde, wenn er die Wahl hat, lieber immer ohne Leine laufen und fast jeder auch gerne mal einem Reh oder Hasen nachjagen. Auch hier kommt es auf Rasse und Charakter an, wie ausgeprägt der jeweilige Trieb, z.B der Arbeitsdrang oder Jagdtrieb, ist.
Aber hier herscht eine völlig andere Einstellung. Da sagt kein verantwortungsvoller Halter mehr: "Ach, ist eben sein Trieb. Lass ihn doch. Wenn der Hofhund heute, genau wie früher, mal alleine seine Runde durchs Dorf läuft, schreit gleich jeder auf. Weil der Hund Menschen und Tiere angreifen könnte, eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellt...
Bei Katzen ist es nicht so extrem. Weil sie halt kleiner sind und von ihnen etwas weniger Gefahr ausgeht und es deshalb auch schwerer fällt gewohnte Muster zu überdenken und so verändern. Mehr Zeit für die Katzen einzuplanen, statt nur die Tür aufzumachen. Viele halten ja auch Freigänger, damit sie eben nicht stundenlang die Katze zum spielen und toben animieren müssen. Und trotzdem sind schon Menschen gestorben, weil sie reflexartig eben nicht auf die Katze draufgehalten haben und am Baum gelandet sind, oder eine Katze hat einen angeleinten Hund angegriffen und ihm das Auge ausgekratzt...
Generell geht der Trend nun einmal dahin, dass die meisten Menschen es nicht mehr wollen, dass fremde Haustiere, egal welcher Art, sie belästigen. Genau so wie man Kindern eben heute eigentlich auch keinen Klaps mehr gibt und auf keinen Fall mehr richtig schlagen darf......
Das muss man sich als Freigängerhalter bewusst machen! Sogar der Jagdhund des Jäger darf Wild heute in Niedersachsen nur noch aufspüren und stellen und in keinem Fall mehr töten. Sonst gilt er als gefährlich. Wir wissen ja auch alle was Hundehaltern über das Ordnungsamt so alles an Strafen blühen kann. Da reicht es oft schon, wenn der Hund eine ängstliche Person vor Freunde anspringt und die es als Angriff wertet. Bei Katzen sieht das anders aus.
Da fängt es jetzt nun langsam erst an, mit Chip- und Kastrationspflicht. Und ja. Auch deshalb werden viele Katzen vergiftet usw. Weil die Menschen noch zu wenig Möglichkeiten bei Katzen haben. Als unsere Familie noch keine Katzen hatte und wir noch klein waren, hatten wir auch Nachbarn die alle ihre vier Katzen draußen im ungesicherten Freigang hatten. Die Tiere waren top gepflegt und versorgt. Alle geimpft, mit Chip oder Tattoo gekennzeichnet, kastriert usw. Und doch haben sie uns tierisch genervt. Meine Eltern haben eine überdachte Terrasse, an der auf allen vier Seiten per Reißverschluss dicke blaue LKW Planen mit dursichtigem Sichtfenster runtergelassen werden kann. Ständig lagen die Katzen dort auf unserem Tisch, den gepolsterten Stühlen oder der Bank und guckten auch gerne mal durch die Terassentür in unser Wohnzimmer etc. Also auch immer Haare auf den Polstern, Pfotenabdrücke an der Scheibe, öfter (eindeutig) Katzenkot im Garten, Grillen im Sommer ging nur mit Belagerung, Pfotenabdrücke auch auf dem Auto und noch vieles mehr, was wir eigentlich nicht so geplant hatten und wollten.
Meine Eltern und selbst wir Kinder fanden das nach einer Zeit auch gar nicht mehr so witzig. Und ja, der Wasserschlauch und Steine kamen dann irgendwann nach Monaten auch mal zum Einsatz.
Und dass, obwohl meine Eltern eigentlich echt sehr tolerant und absolut tierlieb sind. (mein Vater hat, gerde wenn er einen Stein geworfen hat, nie getroffen. ;-))
Damit konnten wir es dann etwas eindämmen.
Auf lange Sicht wird man auch bei Katzen definitiv andere Möglichkeiten finden müssen sie "glücklich" und "zufrieden" zu stellen. Z.B dass eben, gerade bei verantwortungsvollen Haltern, Rassen die besonders ruhig und jagdfaul sind bevorzugt werden und genauer geprüft wird, was in Deutschland noch "haltbar" ist. Haben wir ja hier z.B auch mit Podenko, Husky oder Herdenschutzhunden wie Owtscharka bei den Hunden so. Entweder die Halter haben sich gezielt diese Rasse ausgesucht, und können ihr auch gerecht werden, oder alle schütteln nur noch den Kopf.....