Statt Hund, zwei Katzen
[Hallo, ich bin es mal wieder. Ich habe eine weitere Geschichte von Gerda fertig.
Aber soll sie selbst erzählen:
Heute möchte ich euch mal berichten von einem Erlebnis das vor nicht allzu langer Zeit stattfand.
Wir hatten bei uns im Tierheim mal wieder einen Tag der offenen Tür. Bei diesen Veranstaltungen werden immer sehr viele Tiere vermittelt. So auch an diesem Tag. Doch eines hat mich besonders Gefreut.
Es war so gegen 11.00 Uhr als eine offensichtliche Rockergruppe in unser Tierheim kam.
Das waren 10 Leute die wohl einem Rockerclub angehörtem, wie auf Aufschriften an ihrer Bekleidung ersichtlich war. Da wir vor einigen Jahren schon mal großen Ärger mit einem anderen Club hatten, fing ich an diese Leute zu beobachten. Der Anführer war wohl ein Hühne von Kerl. Mit Sicherheit war er 2m groß und wog mit Sicherheit mehr als 130 Kilo.
Doch wie leicht sollten wir uns in dieser Gruppe täuschen.
Auf dem Gelände wurde bei solch einer Veranstaltung, wie heute, auch ein Imbisstand betrieben.
Dort hatte sich schon eine kleine Menschenschlange gebildet. Darauf steuerte der Club zu. Wir dachten alle, jetzt beginnt der Ärger.
Doch ganz im Gegenteil!
Die Männer stellten sich an das Ende der Schlange an und warteten bis sie dran waren.
Nachdem sie gegessen und auch was getrunken (Alkoholfreies, gab nichts anderes) gingen 9 Leute von ihnen. Nur der große Mann blieb da. Er hatte langes Haar und einen wilden Vollbart.
Er ging in Richtung Hunde Gehege. Dabei kam er auch am Katzenhaus vorbei. Ich sah wie er stehen blieb und durch ein Fenster in das Haus schaute. Dann schüttelte er seinen Kopf und ging weiter.
Ich ging hinterher. Denn es interessierte mich auf einmal warum er am Katzenhaus mit dem Kopf geschüttelt hatte.
Immer wieder ging er vom Hundegehege zum Katzenhaus. Zwischendurch war er am Telefonieren.
Es waren mit Sicherheit schon mehr als zwei Stunden vergangen als ich ihn ansprach. Das war vor der Tür zum Katzenhaus, welches er aber bisher nicht betreten hatte. Nur immer wieder durch das Fenster hatte er geschaut.
Er sagte mir, das er einen Hund suche für sich. Ich dachte natürlich sofort an einen großen Hund für ihn. Davon hatten wir etliche. Warum hatte er noch keinen gefunden? Wir hatten alle möglichen Größen und Rassen da. Natürlich war der Anteil an Mischlingen erheblich größer.
Er sagte jedoch: „Ich suche einen kleinen Wadenbeisser! So was was man auch auf dem Motorrad mitnehmen kann.“
Ich muss geschaut haben wie ein Auto. Denn er fing auf einmal an zu lachen. Dann fragte er ob wir nicht noch woanders solch einen kleinen Hund haben? Was ich jedoch ablehnen musste. Dann stellte er sich vor. Er hatte einen hoch angesehenen Beruf! Nur ab und an, meistens am Wochenende, wurde er dann zum Rocker. Auch seine Kollegen hatten gute Berufe. z.B war dabei ein Bankmensch, ein Arzt, und mehrere Geschäftsmänner. Wenn sie rausfuhren setzten sich alle eine Perücke auf, weil in ihren Berufen sie mit dem jetzigen Aussehen nicht rumlaufen konnten. Auch sein Bart war falsch. Ich musste herzhaft lachen. Er sagte noch das ich erst mal seine Frau kennenlernen (die bald kommen würde) sollte. Dann würde ich mit Sicherheit von allem Abfallen an das ich bisher geglaubt habe.
Während unseres Gespräches schaute er immer wieder in das Katzenhaus. Ich schlug ihm vor, doch da mal rein zu gehen. Offenbar interessiere er sich ja dafür.
Er stimmte zu und zusammen betraten wir das Katzenhaus. In dem Zimmer in dem die Katzen waren, war natürlich viel Betrieb. Fast alle Katzen zeigten sich von ihrer besten Seite. Soll heißen, das sie sich von allen Leuten streicheln ließen und nur so herum wuselten.
Doch die Katzen interessierten ihn nicht! Sondern unser Basti!
Das war ein ca. 5 Jahre alter Kater der schon seit etwa einem Jahr hier war. Leider hatte Basti einen Herzfehler welcher dauerhaft mit Medikamenten behandelt werden muss. Das sagte ich dem Mann auch. Doch er winkte ab. ER meinte das sei ihm egal, solange der Charakter des Tieres in Ordnung sei.
Ich dachte ich höre nicht richtig! Ein Tier dessen Krankheit nicht so wichtig war wie der Charakter.
Da Basti sich noch immer nicht gerührt hatte, (er lag auf dem Kratzbaum und schaute teilnahmslos zu wie die anderen Katzen sich verhielten) rief der Mann nach ihm. Doch Basti rührte sich nicht! Er hatte den Ruf wohl nicht gehört. Nochmal rief der Mann. Doch noch immer keine Reaktion von Basti.
Daraufhin rief der Mann: „Basti, du faule Socke! Nun beweg mal deinen Ar… und komm her!“
Alle anwesenden Leute in dem Raum schauten entsetzt auf den Mann. Schließlich waren auch noch Kinder in dem Raum. Doch das störte ihn nicht.
Basti jedenfalls schaute auf uns sah zu dem Mann herüber. Der ging in die Knie und rief nochmals nach Basti.
Da sprang Basti von dem Kratzbaum und kam zu dem Mann. Dieser nahm Basti auf den Arm und stand auf. Basti machte keine Anstalten vom Arm des Mannes zu springen, was er sonst immer machte. Basti fühlte sich wohl.
Auf einmal setzte er Basti wieder auf den Boden und meinte: „Meine Frau ist da draußen. Ich hole sie schnell!“ Damit ging er mit schnellen Schritten hinaus.
Basti Miaute nur kurz und ging dann mit hängendem Kopf wieder Richtung Kratzbaum.
Bevor er ihn erreichte ertönte wieder die Stimme des Mannes:“ Hey Basti! Wo willst du hin? Ich habe doch nur meine Frau geholt. Jetzt komm her!“
Die Frau war wie man zu meinen Zeiten sagte, eine „Wuchtbrumme“! So was hatte ich dem Mann gar nicht zu getraut. Sie war mit dem Auto gekommen und hatte gleich einen Katzenkorb (war für den kleinen Hund gedacht) mitgebracht.
Basti wirbelte herum, rannte auf den Mann zu und sprang mit einem Satz in die Arme des Mannes.
Sofort fing er an zu köpfeln, schnurrte wie ein Weltmeister.
Ich habe selten so eine glückliche Katze gesehen.
Auch die Frau streichelte Basti und meinte: „ Du wolltest doch einen Hund! Und nun ist es eine Katze?“
" Ja wie das Leben so spielt! Jedes mal als ich am Fenster vorbeiging, hat mich Basti so traurig angesehen. Da konnte ich nicht anders! Aber wir nehmen nicht nur Basti mit! Es gibt mit Sicherheit hier noch eine Katze die auch schon lange hier ist und ein neues zu Hause sucht!“
So etwas höre ich gern. Natürlich hatten wir noch so einen Sorgenfall. Auch diese zeigte ich dem Paar.
Sie nahmen beide Katzen. Da die zweite Katze jedoch momentan auf der Krankenstation lag, versprachen sie, die Katze, sobald diese die Krankenstation verlassen könne, abzuholen.
Zwei Wochen später wurde dann auch die Zweite Katze geholt.
So hatte ein Mann, der eigentlich einen Hund gesucht hatte, nun zwei Katzen ein neues zuhause gegeben.
Nachtrag: Auch heute noch, nach 4 Jahren, leben die beiden Katzen in dem Haus des Ehepaares und sind sehr glücklich. Das erzählte mir die Frau von dem Mann. Ich hatte diese schon mehrfach getroffen. Nur beim letzten Male hatte sie mehr Zeit und so konnten wir uns Ausgiebig unterhalten.
Zum Abschied meinte sie noch, das wenn es soweit ist, auf jeden Fall wieder Katzen in das Haus einziehen werden.