AW: Post aus Bayern!
Filou und die Gräfin
Hallo eine weitere Geschichte von „Gerda“. Diese habe ich in zwei Teile geschrieben. Jeder Teil ist für sich abgeschlossen. Der zweite Teil ist also nur eine Fortsetzung des ersten. Doch lassen wir Gerda selbst berichten:
Heute möchte ich euch von Filou erzählen. Filou war ein Kater der in unserem Tierheim geboren wurde.
Hier die Geschichte.
Tanja, die Mutter von Filou, war eine Fundkatze. Tanja, so nannten wir sie, war ca. 5Jahre alt. Als sie gefunden wurde, war sie stark abgemagert und Hoch trächtig. Wir versuchten sie mit allem möglichem Aufzupäppeln. Doch bevor sie wieder bei Kräften war begann sie ihre Kitten zu gebären. Unser Tierarzt wurde gerufen und er war auch sehr schnell da. Als erstes wurde Filou geboren, danach kamen zwei Totgeburten. Dieses geschah innerhalb von 5 Minuten. Auf einmal miaute Tanja sehr laut und schaute mir direkt in die Augen, so als wenn sie sagen wollte, „Kümmere dich um meine Kitten“. Mit meinen Augen versprach ich ihr das. Dann starb Tanja! Der Tierarzt machte sofort einen Kaiserschnitt doch es war zu spät. 4 weitere Kitten die noch nicht geboren waren, lagen Tod im Leib der Mutter.
Der Tierarzt Konnte vorher keinen Kaiserschnitt machen, weil Tanja dann auf jeden Fall gestorben wäre. Bei einer natürlichen Geburt hatte sie jedoch eine sehr kleine Chance zu überleben.
Nun lag Filou da, ohne Mutter. Was tun? Schnell schnappte ich mir den kleinen und lief in den nächsten Raum. Dort war Berta. Eine Katzenmutti die vorgestern erst drei gesunden Kitten das Leben geschenkt hatte. Ich hoffte das Berta den kleinen Filou annehmen würde. Langsam bewegte ich mich auf Berta zu. Diese knurrte nur leise, so als wollte sie sagen „Komm nicht näher! Meine Kitten bekommst du nicht!“
Sehr vorsichtig strecke ich meine Hände, in denen Filou lag, nach vorn. Berta sah den kleinen, schnupperte an ihm und fing dann an Filou ab zu schlecken. Da wusste ich, das Berta den kleinen Filou adoptiert hatte. Langsam legte ich Filou bei Berta an, und sofort fing Filou an zu saugen.
Ich war hoch erfreut und streichelte Berta über den Kopf. Das gefiel Berta und sie lies dieses geschehen. Es war das erste Mal, das Berta sich streicheln ließ.
Nachdem Filou genug Milch getrunken hatte, wollte der Tierarzt diesen untersuchen. Jedoch als er sich Berta näherte um Filou hochzunehmen fing Berta an laut zu Knurren und schlug nach der Hand des Tierarzt. Der schaute mich an und auch Berta schaute mich an. Da wusste ich, das ich Filou nehmen kann ohne das Berta knurrt oder schlägt. Und genau so war es! Ich nahm den kleinen und der Doc konnte Filou untersuchen. Doch sobald der Tierarzt, mit Filou auf dem Arm, den Raum verlassen wollte, fing Berta an zu knurren. Also fand die Untersuchung in Bertas Raum statt. Ich hörte wie der Tierarzt mehrmals „OH, OH“ sagte. Doch noch stellte ich keine Fragen.
Nachdem die Untersuchung abgeschlossen war, legte ich Filou wieder zu Berta und natürlich streichelte ich diese wieder. Wiederum lies Berta das geschehen.
Dann sprach ich mit dem Tierarzt! Er sagte, das Filou soweit in Ordnung ist. Nur stimmte etwas mit seinem Herz nicht, dieses müsse er noch genauer untersuchen.
Das wäre aber das kleinste Problem, denn Filou habe keine Füße! Erschrocken fragte ich ihn was er meine. Er erklärte das Filou unterhalb der Fußgelenke nichts habe. Also keine Pfoten und schon lange keine Krallen. Wenn Filou überlebt kann er nie Mäuse jagen. Er würde nie schnell rennen können und auch nicht richtig springen können. An den Stellen wo sich die Missbildung befindet, würde sich zwar mit der Zeit eine Hornhaut bilden so das Filou wohl laufen könne, aber wie schon gesagt niemals rennen oder springen.
Ich war zunächst geschockt! Aber Filou musste Leben!! Ich hatte es der Mutter versprochen!!!
Filou wuchs zu einem schönen Kater heran. Er war immer in der Nähe seiner Ziehmutter zu finden.
Sein Herzfehler war nicht so schlimm, musste nur unter Beobachtung bleiben. Das heißt regelmäßig zum Tierarzt.
Nachdem er Kastriert worden war, trennten sich die Wege von Berta und Filou. Denn Berta wurde vermittelt. Sie und Filou verabschiedeten sich voneinander was man daran sah, das Filou seinen Kopf an Bertas Kopf rieb. (Berta ist im Übrigen eine richtige Schmusekatze geworden)
Filou trauerte 3 Tage seiner „Mutter“ hinterher, dann spielte er wieder mit seinen Kameraden.
Ungefähr 4 Monate später saß ich wie so oft in meinem Büro als es an der Tür Klopfte. Auf mein herein betrat eine Sehr vornehm aussehende Dame von etwa 60 Jahren mein Büro. Ein Mann in einer Art uniform (Chauffeur) begleitete sie. Sie sagte nach der Begrüßung, und nachdem wir uns gesetzt hatten (der Mann blieb hinter ihr stehen) sie sei die Gräfin von ….XXXXX… und der Mann ihr Fahrer.
Dann erzählte sie, das sie bisher zwei Katzen gehabt habe. Nur sei einer dieser Katzen vor ein paar Monaten verstorben und sie suche nun für ihre Gloria einen neuen Kumpel. Dieser könnte ruhig eine Behinderung haben, da Gloria auch Behindert ist. Bisher habe sie immer Katzen aus einem Tierheim in ihrer Wohnort nähe geholt. Doch habe sie sich mit der Tierheim-Leitung überworfen und von unserem Tierheim nur sehr gutes gehört. Darum sei sie nun hier.
Sie bat noch darum nur Katzen die höchstens zwei Jahre alt sind und eine Behinderung haben sollten ihr gezeigt werden. Ich rief kurz im Katzenhaus an, damit alles vorbereitet werde, dann gingen wir hinüber.
Dort angekommen waren 13 Katzen und Kater im Showroom versammelt. So gut diese konnten zeigten sie sich von der besten Seite. Nur Filou saß auf der Fensterbank. (Wir hatten dort eine Art Leiter für die Behinderten Katzen angebracht) Als er die Gräfin sah, stand er auf und ging langsam bis zum Rand der Fensterbank. Dort setzte er sich wieder hin und miaute leise. Die Gräfin hörte dieses leise miauen und schaute zu Filou hin. Dann sagte sie leise: „Komm her kleines Kätzchen!“ Filou ging über die Treppe hinunter und ging dann auf die Gräfin zu. Als er vor ihr war, setzte er sich wieder hin und miaute wiederum leise. Die Gräfin bückte sich und hob Filou auf. Filou fing sofort an zu schnurren und zu köpfeln. Die Gräfin sagte: „Den nehmen wir!“ sprach sie und ging mit Filou auf dem Arm aus dem Raum.
Im Büro angekommen klärte ich die Gräfin über das Herzproblem von Filou auf und machte natürlich auf die nicht vorhandenen Pfoten aufmerksam. Aber das hatte die Gräfin schon gesehen. Genau aus diesem Grund würde sie Filou nehmen, weil er sonst keine Chance hätte vermittelt zu werden.
Ich gab ihr Recht, machte die Papiere fertig und sie verließ zusammen mit Filou und ihrem Fahrer das Tierheim.
Fast 9 Monate später sah ich die Gräfin wieder. Diesmal saß sie in einem Rollstuhl der von ihrem Fahrer geschoben wurde. Als sie mich sah, kam sie sofort zu mir.
Ich war im ersten Moment geschockt. Als sie mich erreichte, sah ich, das Filou auf ihrem Schoß lag. Ich befürchtete schon, das sie Filou nun, da sie im Rollstuhl saß, diesen zurück bringen wolle. Das sagte ich ihr auch. Daraufhin streichelte sie Filou und sagte zu mir:
„ Meinen Lebensretter gebe ich nie wieder her! Um kein Geld der Welt!“
Dann erzählte sie mir was vorgefallen war. Ihr Mann, dabei tätschelte sie die Hand des Fahrers die auf ihrer Schulter lag, war wegen einer Kleinigkeit im Krankenhaus gewesen. Sie saß vor dem Fernseher, Filou lag neben ihr, als sie einen Schlaganfall erlitt. Filou habe sofort bemerkt das etwas nicht stimme. Er war vom Sofa gesprungen (in der Küche ist eine Katzenklappe wodurch die Katzen jederzeit raus können) und so schnell er konnte zum Haus des Gärtners gelaufen. Dort sei er durch die Katzenklappe in das Haus gelaufen und hat durch sein Verhalten den Gärtner und seine Frau alarmiert. Diese sind sofort zum Haus der Gräfin gelaufen und fanden sie auf dem Wohnzimmer Fußboden liegend vor. Sie alarmierten sofort den Rettungsdienst der auch schnell da war und die Gräfin ins Krankenhaus brachten. Sie könne seit dem Vorfall zwar noch einige Meter gehen, aber für längere Wege braucht sie den Rollstuhl.
Dann klärte sie mich auf, da sie meinen Blick bemerkte mit dem ich die Hand auf ihrer Schulter musterte, das sie und der Fahrer schon seit 36 Jahren verheiratet sind und auch einen Sohn haben. Ihr Mann habe bei der Hochzeit gesagt, das nie jemand fremdes seine Königin fahren dürfe. Darum spiele er immer ihren Fahrer.
Dann sagte sie noch, das wir ein solch wunderbares Tierheim wären und so wunderbare Tiere hier hätten.
Aus diesem Grunde habe ihr Mann und sie beschlossen unser Tierheim mit Tausend Mark im Monat zu unterstützen. Sprachs und drückte mir einen Scheck über Tausend Mark in die Hand.
Dann drehte sie ihren Rollstuhl und ging zusammen mit ihrem Mann hinaus.
Seit dieser Zeit bekommen wir jeden Monat auf das Konto des Tierheim 1000 DM überwiesen.
NACHTRAG:
Etwa 1 Jahr nach unserem letzten Treffen klingelte mein Telefon. Als ich mich gemeldet hatte hörte ich die Tränenerstickte Stimme der Gräfin. Sie sagte nur: „Filou ist Tod!“
Dann hatte ich ihren Mann am Telefon. Er erzählte das sie an diesem Morgen, wie jeden Monat, mit Filou zum Tierarzt wollten. Filou lief wie immer voraus. Auf einmal blieb Filou stehen, schüttelte mit dem Kopf und Miaute laut. Dann ging er zwei Schritte weiter und blieb wieder stehen. Er Miaute so laut wie die beiden Grafen es noch nie gehört hatten. Dann schüttelte er noch mal mit dem Kopf und setzte sich hin. Wiederum schüttelte er den Kopf, miaute nochmal laut und legte sich hin.
Dann schaute Filou nochmals die Gräfin und ihren Mann an und miaute leise, so wie sie immer miaut hatte. Danach schloss sie ihre Augen und der Kopf sank langsam auf den Boden. Filou war gestorben.
Er beerdigte zusammen mit dem Gärtner den kleinen Filou hinter dem Haus, dort wo Filou sich oft gesonnt hatte.