Ein sehr schwerer Fall
Wir sind mal wieder unterwegs mit unserem Wohnmobil. Dieses haben wir uns vor gar nicht all zu langer Zeit gekauft. Jedoch ist es diesmal nur ein verlängertes Wochenende. Heute ist Pfingsten, genauer der Samstag vor Pfingsten. Wir, das sind Meine Tochter Monika, mein Mann Herbert und ich. Wir wollen an diesem langen Wochenende nur ins Sauerland fahren. Monika ist inzwischen 16 Jahre alt und wollte eigentlich mit ihrem Freund zusammen sein. Da dieser jedoch die Beziehung zu Monika beendet hat, fährt sie einfach mit. Natürlich ist Monika sehr traurig darüber, aber aus meiner Sicht ist es das Beste für sie im Moment.
Wir sind schon fast an unserem Tagesziel angelangt, dem Kahlen Asten in der Nähe von Winterberg. Schon seit einigen Minuten wundern wir uns, dass kein Fahrzeug uns entgegen kommt. „Hoffentlich ist nichts passiert!“ meint Herbert, während er einen Gang herunter schaltet. „Ein paar mehr PS würden unserem Mobil auch gut tun. Aber was will man von 75 PS anderes erwarten.“
Kurz vor einer Kurve sehen wir dann einen Stau. Also muss doch etwas passiert sein. Darum stellt Herbert das Funkgerät, welches sich im Wohnmobil befindet und die ganze zeit leise mitlief, lauter. Er hofft dadurch zu erfahren, was weiter vorne los ist. Doch außer dem Rauschen, welches aus dem Funkgerät ertönt, ist nichts zu hören.
Gerade als Herbert zum Mikrofon greift, fährt ein Krankenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn an uns vorbei. Dicht gefolgt von einem Polizeifahrzeug. „Oh,oh! Da muss doch etwas passiert sein. Hoffentlich nichts Schlimmes!“ Kaum hat Herbert dieses gesagt wird es auch lebendig auf dem Kanal.
„Wie kann man auch wegen einer Katze eine Vollbremsung hinlegen? Dann ist es doch klar, dass ein Auto schleudern kann. Noch dazu bei dieser Geschwindigkeit! Hoffentlich ist den Leuten nichts passiert. Mit einem Cabrio in die Bäume zu rasen ist nicht sehr gut. Und wie der Hund aus dem Cabrio geflogen ist! Schrecklich!“
Als ich das höre, nehme ich das Mikrofon aus Herberts Hand und melde mich: „Hier ist der kleine Doktor! Was sagst Du da? Ein Hund ist verletzt? Wo ist denn der Unfall?“ Sofort erhalte ich die Antwort: „Wer bist Du denn? Hängst dich einfach in Männergespräche! Halte mal die Klappe! Sensationstouristen könne wir hier nicht gebrauchen!“
Kaum hat der Mann die Taste losgelassen ertönt eine andere Stimme: „Nun halte Du mal die Klappe! Es ist Hilfe da und nur das zählt! Hallo Gerda! Also, direkt hinter der Kurve ist dieser Unfall! Dabei hat sich ein Cabrio überschlagen und ist in die Bäume gerauscht. Dabei ist auch ein großer Hund aus dem Wagen geschleudert worden, der an einem Baum geprallt ist. Alle kümmern sich um den Fahrer und die Beifahrerin. Keiner schaut nach dem Hund. Der liegt noch immer neben dem Baum gegen den er geprallt ist. Ob er lebt weiß ich nicht! Kannst Du nicht eben nachschauen? Die Katze ist im Übrigen heil über die Straße gekommen und im Wald verschwunden!“
Sobald der Gesprächsteilnehmer anfing zu erzählen, habe ich schon zu meiner Tasche gegriffen. Auch Monika steht neben mir: „Diese Ablenkung brauche ich jetzt! Bitte Mama, nehme mich mit, wenn Du losgehst.“ Nur kurz bin ich am Überlegen ob ich Monika mitnehme. Dann steht mein Entschluss fest.
„Natürlich kannst Du mit! Aber wenn es zu schlimm ist, geh bitte wieder zurück.“ „Klar! Aber vielleicht kann ich helfen. Schließlich will ich ach einmal Tierarzt werden! Und bisher durfte ich nicht bei deinen Einsätzen helfen!“ Ich muss ihr Recht geben. Bisher habe ich sie aus allem heraus gehalten. Aber vielleicht ist es das richtige um über ihren verflossenen Freund hinweg zu kommen. Also sage ich zu und schon verlassen wir beide unser Wohnmobil. Herbert meinte noch: „Seid vorsichtig ihr beide! Nun habe ich zwei bekloppte Weiber im Haushalt! Wie soll ich das überstehen?“ Monika und ich müssen herzhaft lachen und ich gebe Herbert einen Kuss. Auch Monika umarmt ihren Vater und sagt dabei: „Du wirst es schon schaffen. Und wenn nicht, ich kenne einen guten Psychiater.“
Als wir aus dem Mobil sind, gehen wir sehr schnell, dicht am Straßenrand, nach vorne. Ich hoffe, dass es nicht all zu weit ist bis zur Unfallstelle. Kaum haben wir die Kurve hinter uns gelassen, sehe ich schon die Unfallstelle. Zwei Polizeiwagen und der Krankenwagen stehen mitten auf der Straße. Gerade wird eine Trage in den Krankenwagen geschoben. Eine weitere Person sitzt schon im Wagen. Von dem Hund ist nichts zu sehen. Aber anscheinend befindet sich dieser etwas abseits der Straße im Wald, denn dort stehen mehrere Personen um etwas herum.
Sofort gehen Monika und ich zu der Stelle und haben sie kurz darauf erreicht. Ich höre gerade wie ein Mann sagt: „Bevor der Hund weiter leidet, sollte man ihn erschießen, denn bis ein Tierarzt da ist, dauert es mit Sicherheit noch sehr lange.“ Ich scheine genau im Richtigen Moment zu kommen! Bevor ich etwas sagen kann, ergreift Monika das Wort: „Sind Sie Tierarzt, das Sie solche Diagnose erstellen können? Wenn nicht, dann gehen Sie zur Seite und lassen meine Mama machen!“
Der Mann schaut erst Monika an, dann mich. Als er meine Tasche sieht, tritt er zu Seite und ich kann auf den Hund sehen. „Ein Tierarzt! Dann brauchen wir ja nicht auf einen warten. Der wird den Hund schon erlösen!“ Der Hund ist ein Rottweiler. Das alter schätze ich auf etwa ein Jahr. Völlig Bewegungslos liegt er neben einem Baum. Sofort gehe ich neben ihn in die Hocke und auch Monika bückt sich. Ich stelle meine Tasche neben mir ab und sofort holt Monika ein Stethoskop aus der Tasche und reich es mir.
Beim abhören kann ich Atemgeräusche und einen Herzschlag feststellen. Wobei letzterer stark erhöht ist. Anschließend taste ich den Hund ab. Schon bei dieser Untersuchung komme ich zu einem vorläufigen Ergebnis. Hautabschürfungen, Prellungen, Kieferbruch, Kopfhaut abgezogen, beide Vorderläufe zertrümmert und etwas scheint mit der Wirbelsäule nicht zu stimmen. Was kann nur eine Röntgenuntersuchung zeigen.
Leise habe ich das alles gesagt und nur Monika konnte es hören. Während sie mich anschaut, sagt sie laut: „Der Hund hat noch eine Chance gesund zu werden. Voraussetzung ist, er kommt sofort in eine Tierklinik. Wo gibt es hier so was?“ Diese Frage richtet sie an einen jungen Polizisten, der neben uns steht. Als Antwort erhält sie: „Etwa 10 Kilometer von hier gibt es eine TK! Nur ist dort am Wochenende nur ein Notdienst: Anscheinend muss der Hund aber operiert werden und das machen die glaube ich nicht am Wochenende. Noch dazu an einem so langem wie wir es jetzt haben. Soviel wie ich weiß, ist dort nur ein Tierarzt der Notdienst macht. Ich rufe aber gerne dort an und erkundige mich.“
Wieder, bevor ich was sagen kann, meldet sich Monika zu Wort: „Dann machen Sie schnell. Es geht um Minuten! Hopp, Hopp, nun komm in die Gänge!“ Irritiert schaut der Beamte Monika an, dann dreht er sich um und geht schnell zu seinem Einsatzfahrzeug. Dort greift er zum Telefonhörer und spricht in diesen. Schon nach etwa drei Minuten kommt er zurück: „Wie ich schon sagte! Dort ist nur eine Notbesetzung und die können nicht raus kommen. Jedoch können wir den Hund bringen und am Diensttag wird sich dann jemand um die Verletzungen kümmern. Natürlich will der Arzt auch heute schon nachsehen was der Hund hat. Aber richtig kümmern ist erst am Dienstag möglich. Tut mir sehr leid!“
Da der Krankenwagen inzwischen weg gefahren ist, läuft der Verkehr auf der Straße wieder. Wenn auch langsam, aber er läuft. Auch sehe ich schon unser Wohnmobil näher kommen, welches kurz darauf anhält. Herbert steigt sofort aus und redet kurz mit einem weiteren Beamten. Dabei zeigt er mehrmals in unsere Richtung, dann kommt er zu uns.
Bevor Herbert uns erreicht, ertönt wieder die Stimme von Monika: „Dann mach mal deinen Bulli startklar! Der Hund wird sofort in den Bulli geladen, meine Mutter und ich fahren mit und dann geht es mit vollem Konzert zur TK! Nun schau nicht so, sondern lass gehen!“
So kenne ich meine Tochter gar nicht und auch Herbert, der die letzten Worte mitbekommen hat, sieht nicht sehr Geistreich aus. Er blickt zwischen Monika und mir hin und her, dann zuckt er mit den Schultern, sagt jedoch nichts. Noch immer steht der junge Polizist unschlüssig neben uns, als wiederrum Monika sagt: „Nun komm mal in die Gänge, junger Mann und halte nicht Maulaffen feil. Der Hund muss behandelt werden!“
Nun geht ein Ruck durch den Beamten und er sagt: „Ich hole eine Wolldecke aus dem Wagen. Suchen Sie mal ein paar starke Äste, damit wir eine Trage bauen können!“ Das sagt er zu Herbert, dann dreht er sich um und geht schnell zu seinem Wagen. Herbert steht neben uns und schüttelt mit dem Kopf, dann geht er auf die Suche und kommt nach kürzester Zeit mit zwei starken Ästen zurück. Da auch der Beamte inzwischen wieder da ist, wird schnell eine Trage gebaut. Zusammen mit zwei weiteren Helfern wird die Tage anschließend zusammen mit dem Hund angehoben und langsam wird zum Bulli gegangen.
Keine 5 Minuten später sind wir unterwegs zur TK. Wir das sind, der Streifenführer, ein älterer Kollege des jungen Beamten, Monika und ich. Herbert folgt mit unserem Wohnmobil. Während der Fahrt flüstert mir Monika ins Ohr: „Ist der nicht Süß“ Ich schaue sie nur kurz an und muss lächeln. Doch ich sage, wie fast die ganze Zeit, nichts.
Da der Wagen mit vollem Konzert fährt, Herbert ist ganz dicht hinter uns, sind wir schnell bei der TK. Dort angekommen wird der Hund von uns sofort in einen Behandlungsraum gebracht. Nach einer sehr kurzen Vorstellung wird der Hund von mir sofort geröntgt. Der Tierarzt der Klinik sagt dazu nichts, sondern lässt mich, nachdem er meine Tasche gesehen hat, gewähren.
Bei der anschließenden Auswertung der Aufnahmen bestätigt sich mein Verdacht! Beide Vorderpfoten sind mehrfach gebrochen und auch an der Wirbelsäule gibt es einen Komplizierten Bruch. Dabei ist die Wirbelsäule nicht einfach gebrochen, sondern an mehreren Stellen, was wohl durch den Aufprall am Baum geschehen ist. Jedoch sieht es so aus, dass das Knochenmark, was eine Lähmung des Tieres bedeuten würde, nicht durchtrennt worden ist. Doch das kann nur durch eine OP genau festgestellt werden.
Als der Tierarzt sagt, dass er das nicht machen kann, ergreift wiederum Monika das Wort: „Dann lassen Sie mal Mama alles machen! Hauptsache Sie helfen bei der OP. Außerdem ist auch noch mein Papa da! Dann kann nichts schief gehen!“ Nun schaut der Tierarzt doch etwas erstaunt, da immer wieder Monika das Wort ergreift und ich nichts dazu sage. Doch er fügt sich!
Bevor die Polizeibeamten wieder fahren, sehe ich wie Monika mit dem jungen Beamten spricht. Auch sehe ich, wie sie etwas auf einen Zettel schreibt. Still muss ich lächeln, aber auch Herbert hat das gesehen. Er stößt mich leicht in die Seite und flüstert mir ins Ohr: „Ich glaube das der kurz Urlaub genau richtig gekommen ist. Sieh nur die beiden! Wie wir damals!“ Nun muss ich doch laut lachen und Monika schaut zu uns herüber. Doch Herbert hebt nur einen Hand und zeigt ihr den hochgehobenen Daumen. Da geht Monika zusammen mit dem Beamten aus dem Raum, nicht ohne uns noch eine Kusshand zu, zu werfen.
Während ich mich für die OP fertig mache, gibt der Tierarzt dem Hund zur Sicherheit eine Narkosespritze. Erstens weil ich nicht weiß, wie lange die OP dauert und zweitens wollen wir auch nicht, dass der Hund während der OP aufwacht. Auch Herbert wäscht sich und zieht einen OP-Kittel an. Dann trete ich an den Behandlungstisch. Zuerst muss ich nach der Wirbelsäule schauen. Denn sollte das Knochenmark durchtrennt sein, muss ich leider die Spritze setzen. Denn dann wäre der Hund gelähmt und könnte nur noch vor sich hin vegetieren. Das will ich ihm aber ersparen.
In diesem Moment kommt auch Monika zurück. Ungefragt geht sie zum Waschbecken und zieht anschließend ebenfalls einen OP-Kittel an. Dann nimmt sie das Sauerstoffgerät und schaut mich fragend an. Schnell erkläre ich, was sie machen muss. Dann greife ich zum Skalpell und mache einen Schnitt in Höhe des Wirbelbruches. Der Tierarzt hält die Wunde nun mit Klammern auf und ich setze eine Lupe auf. Mit der Lupe kann ich nun besser erkennen, ob das Knochenmark angegriffen ist.
„Das Knochenmark ist nicht angegriffen! Der Hund hat ein unwahrscheinliches Glück gehabt. Stabilisieren mit Platten und er kann demnächst wieder herum Toben. Nur müssen die Platten ewig eingesetzt bleiben! Hast Du die passenden Platten da?“ lautet meine Frage nach einem kurzen Zwischenbericht. Kurz überlegt der Tierarzt, dann geht er zu einem Metallschrank. „Der Schrank ist unser Sterilisator! Alles darin ist vollkommen Steril! Eigentlich müssten die Platten da sein! Ah, da sind sie schon!“ sagt er und kommt mit einem Sortiment an Platten wieder zurück. Schnell habe ich die richtigen gefunden und setze diese ein. Nach etwas über zwei Stunden bin ich damit fertig und die Wunde wird vom Tierarzt wieder verschlossen.
Während der OP ist Monika aus dem Raum gegangen, weil das Telefon am Eingang geklingelt hat. In den OP-Raum ist eine Klingel gelegt worden. Nun steht sie vor dem OP und beobachtet uns durch eine Scheibe. Was der Anrufer wollte, hat sie noch nicht mitgeteilt aber sie wird es uns später sagen.
]Ich kümmere mich nun um die Vorderpfoten. Auch diese werden mit Metallplatten gestützt so dass die Knochen wieder verwachsen können. Später können diese dann entfernt werden. Dann richte ich den Kieferbruch. Auch hier kommt eine Metallplatte zum Einsatz. Als letztes kümmere ich mich um die Kopfhaut. Ich lege diese wieder an die richtige Stelle und vernähe diese. Anschließend bekommt der Hund einen Verband umgelegt. Prellungen und Hautabschürfungen werden dann vom Tierarzt versorgt. Auch legt er einen Zugang für Medikamente und zur Versorgung des Tieres. Denn der Hund muss für mindestens zwei Wochen in einem Dämmerungszustand gehalten werde.
Insgesamt hat die OP über 5 Stunden gedauert. Nachdem alles erledigt ist, bringen wir den Hund in einen Nebenraum, wo er die nächsten Wochen verbringen wird. Hier liegen schon ein weiterer Hund und auch eine Katze, wie ich sehen kann. Dann verlasse ich zusammen mit Herbert den OP-Raum, nachdem ich mich der OP-Bekleidung entledigt habe, um nach Monika zu sehen. Denn seit fast drei Stunden habe ich sie nicht mehr an der Glasscheibe stehen sehen.
Als wir zum Empfang der TK kommen sitzt Monika dort zusammen mit dem jungen Polizisten und einem älteren Herren. Als Monika uns kommen sieht, steht sie auf, auch die beiden anderen erheben sich, und kommt zu uns. „Alles klar mit dem Hund? Ach was frage ich! Sicher ist alles klar sonst hätte es nicht solange gedauert! Das ist im übrigen Kai und das ist Doktor K…! Er ist der Leiter der TK und ist vor etwas über drei Stunden gekommen, nachdem er hier angerufen hat und von mir erfahren hat, das hier gerade eine schwere OP durchgeführt wird.“
Doktor K…, ist ein Mann von etwa 45 Jahren, der gar nicht nach einem Arzt aussieht. Eher könnte er ein verkappter Hippie sein. Seine Haare sind zu einem Zopf gebunden und auch der Vollbart passt nicht zu einem Arzt. Zunächst gibt mir aber Kai die Hand und stellt sich korrekt vor. Dann gibt er auch Herbert die Hand und dieser klopft Kai auf die Schulter. Auch bietet Herbert ihm sofort das Du an. Auch der Tierarzt ist inzwischen zu uns gestoßen. Dann reicht mir Doktor K… die Hand und auch Herbert wird begrüßt.
Als wir alle auf Stühlen im Empfangs Raum sitzen ergreift der Doktor das Wort: „Eigentlich wollte ich von meinem Kollegen nur wissen, wie es der Katze geht, als ich anrief. Doch eine mir vollkommen unbekannte Stimme meldete sich am Telefon und teilte mir mit, das mein Tierarzt im Moment nicht an den Apparat kann, da er bei einer OP helfen muss. Eine OP heute? Dachte ich mir und beschloss sofort zur Klinik zu fahren. Dort wurde ich von Ihrer Tochter empfangen und war doch erstaunt, dass auch die Polizei anwesend ist. Doch schnell wurde ich aufgeklärt, dass der Polizist nur rein Privat hier ist. Dann erzählte mir Ihre Tochter was gerade im OP abgeht. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, als ich hörte welche Verletzungen der Hund hat und trotz der Verletzungen operiert wird. Ich hätte nicht operiert. Aber nun gut, das ist was anderes! Durch einen Blick in den OP konnte ich mich davon überzeugen dass dort sehr konzentriert gearbeitet wird, denn obwohl ich an der Scheibe klopfte, hat keiner der Anwesenden in dem Raum hoch gesehen. Nein, alle haben sich voll und ganz auf den Hund konzentriert! Das war vor drei Stunden! Inzwischen hat mich Ihre Tochter auch aufgeklärt, dass Sie keine Tierärztin im eigentlichen Sinn sind, sondern nur eine Tierarzt-Helferin die eine besondere Ausbildung mit gemacht hat und somit Tieren in Not, wenn es sein muss, auch operieren darf. Meine Hochachtung, Frau Kollegin!“
Dann fragte er wie es dem Hund geht und welche Maßnahmen ich getroffen habe. Während ich ihm alles genau erkläre, klingelte es an der Tür und Monika steht auf um den Besucher herein zu lassen.
Ein Mann von etwa 35 Jahren betrat den Raum und er stellte sich als der Fahrer des Unfallwagens vor. Dann fragte er nach seinem Hund und ich erklärte ihm, dass sein Hund wahrscheinlich wieder gesund wird. Jedoch müsse der Hund noch mindestens vier Wochen in der Klinik bleiben. Erst dann kann er zurück, wobei in der ersten Zeit laufend Besuche in einer TK sein müssen. Stumm hörte er sich alles an, dann reichte er uns allen die Hand und er bedankte sich bei uns. Dann ging er zusammen mit dem Tierarzt zu seinem Tier.
Wir redeten noch etwa eine Stunde zusammen, auch der Besitzer des Hundes kam dazu, Dann verabschiedeten sich Herbert, Monika und ich von den Ärzten. Kai brachte uns zum Wohnmobil und während Herbert und ich es sich schon auf unseren Sitzen bequem gemacht hatten, war Monika noch immer mit Kai draußen vor dem Mobil. Zehn Minuten später kam auch endlich unsere Tochter in den Wagen. Sie setzte sich stumm auf ihren Sitz und schaute verträumt in die Gegend. Herbert und ich sahen uns nur lächelnd an. Dann startete er das Mobil und wir fuhren zu unserem Ziel.
Der Hund wurde wieder gesund, nur die Metallplatten an der Wirbelsäule müssen Zeit seines Lebens dort bleiben. Dadurch ist der Hund zwar behindert, aber das stört ihn nicht großartig. Sein Herrchen schickte uns einen Scheck über einen vierstelligen Betrag, da er inzwischen auch erfahren hatte, wer seinen Hund operiert hatte. Kai und Monika telefonierten jeden Tag zusammen und immer wenn Kai ein freies Wochenende hatte, kam er zu uns. Einige Jahre später bestand Monika ihre Ausbildung zur TÄ und kurz darauf heiratete sie ihren Kai. Später zogen beide nach Bayern wo Kai das Haus seiner Eltern geerbt hatte.