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Diskutiere Post aus Bayern im Katzen Forum im Bereich Katzenfreunde; Auf zum Nordkap Eigentlich ist in diesem Jahr Urlaub in den Bergen angesagt. Doch mein Göttergatte Herbert hat sich anders entschieden. Dieses...
  • Post aus Bayern Beitrag #241
Auf zum Nordkap

Eigentlich ist in diesem Jahr Urlaub in den Bergen angesagt. Doch mein Göttergatte Herbert hat sich anders entschieden. Dieses Jahr soll es zum Nordkap gehen. Das ist eine Strecke von fast 3000km. Natürlich auch noch einmal soviel für den Rückweg. Aus diesem Grund hat Herbert auch mit dem Vermieter des Wohnmobiles einen Sondertarif ausgehandelt. Das musste sein, denn sonst währe es sehr teuer für uns geworden und ob wir dann überhaupt zum Nordkap gefahren wären, ist sehr unwahrscheinlich. Herbert hat den Vermieter damit geködert, dass vielleicht der Kauf eines neuen Wohnmobils getätigt werden könnte. Somit war die Kilometer Frage gelöst. Denn, wenn die Aussicht besteht, das vielleicht ein Mobil verkauft werden kann, immerhin in einer Preisklasse von 45000-, DM, dann ist auch ein Sondertarif für die Vermietung möglich.
Solch ein Urlaub erfordert natürlich mehr Planung als alle bisherigen. Fähren mussten gebucht werden, das neueste Kartenmaterial musste besorgt werden. Das machte Herbert über einen Automobil Club. Auch wurden einige Ersatzteile für das Wohnmobil besorgt. Zwar hat das Mobil, mit dem wir fahren, erst ein paar Tausend Kilometer gelaufen, doch der Vermieter meinte: „Man weiß ja nie!“ und wir gaben ihm Recht. Jedoch haben wir die Ersatzteile während der Fahrt nicht gebraucht. Schon Tage vor unserer Fahrt zeichnete Herbert die genaue Route in die Karte. Auch schrieb er alle wichtigen Wegpunkte auf einen Zettel, so dass wir uns hoffentlich nicht verfahren konnten.
Herbert plante, dass wir den Hinweg so schnell wie möglich fahren wollen und erst auf dem Rückweg größere Pausen eingeplant werden. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Denn schon auf dem Hinweg zum Nordkap legten wir eine Pause ein, die nicht geplant war.

An einem Freitagmorgen machten wir uns auf die Reise. Zunächst sollte es nach Travemünde gehen und am Samstag dann mit der Fähre nach Schweden. Heute wollten wir nur bis Travemünde und so fuhren wir um 8.00 Uhr los. Am späten Nachmittag kamen wir in Travemünde an und Herbert fuhr zunächst zum Fährbüro um alles klar zu machen. Anschließend fuhren wir im Hafen auf einen Abstellplatz für Wohnmobile, wo auch schon einige standen. Wir kamen schnell mit den anderen Reisenden ins Gespräch und erfuhren so, das von 10 Wohnmobilen die auf dem Stellplatz standen, 7 zum Nordkap wollten. Einer war dabei, der schon zum dritten Mal diese Reise machte und er gab uns und den anderen wertvolle Tipps für die Fahrt.

Am nächsten Morgen ging es um 7.00 Uhr auf die Fähre. Wir genossen die Überfahrt mit der Fähre, obwohl wir fast 8 Stunden unterwegs waren. In Trelleborg angekommen wurden wir schnell am Zoll abgefertigt. Auch meine Sondergenehmigung machte keine Schwierigkeiten. Die Zollbeamtin füllte ein Formblatt aus, stempelte dieses ab und erklärte uns dann, wenn wir ein Medikament brauchten, dieses in der Liste eintragen müssen, da es bei der Ausreise aus Schweden, sei es nach Deutschland oder Norwegen, dieses Formblatt am Zoll wieder vorgelegt werden muss. Dann fuhren wir aus dem Hafen. Herbert wollte noch etwa drei Stunden fahren, bis zu einem kleinen Fischerdorf. Dort gab es auch einen übernachtungsplatz für Wohnmobile.

Gegen 20.00 Uhr kamen wir in dem Dorf an und fanden auch sehr schnell den Stellplatz für das Mobil. Auch gab es in der Nähe einige Restaurants die noch auf hatten. Erst wunderten wir uns darüber, aber dann wurde uns klar, dass diese Restaurants eigentlich nur für die Touristen da sind. Denn auf dem Stellplatz hatten wohl 50Fahrzeuge Platz und viele gingen in die Restaurants zum Essen. Auch wir machten uns auf den Weg. Unterwegs hörte ich das klägliche Miauen einer Katze, jedoch konnte ich nicht feststellen woher das Miauen kam. Ich dachte außerdem an eine rollige Katze. Auf dem Rückweg vom Essen hörten Herbert und ich wieder dieses Miauen. Doch noch immer konnten wir nicht feststellen woher es kommt. Es war etwa 22.00 Uhr als wir bei unserem Mobil ankamen.

Am nächsten Morgen ging Herbert los um frische Brötchen und noch anderes zu besorgen. Nach etwa 30 Minuten kam er ganz Aufgeregt wieder zum Mobil. „Gerda, ich glaube woher das Miauen der Katze kommt. Es scheint aus der Kanalisation zu kommen. Lasse uns erst schnell nachsehen, dann können wir Frühstücken!“ Da ich die Kaffeemaschine noch nicht angeschaltet hatte, war das kein Problem und so machten Herbert und ich uns auf den Weg. Natürlich hatte ich meine Notfalltasche dabei. Zielstrebig ging Herbert zu einem bestimmten Kanaldeckel. Leider befand sich dieser auf einer stark befahrenen Straße. Während einer Lücke im Verkehr gingen Herbert und ich zu dem Deckel. Es war richtig, deutlich konnte man nun das klägliche Miauen hören. Aber schon mussten wir die Straße wieder räumen, weil einige LKW kamen.

Am Straßenrand meinte Herbert dann: „Ich werde die Polizeianrufen! Vielleicht können die Helfen!“ Und schon ging er zu einem Geschäft um zu telefonieren. Nach kurzer Zeit kam er zurück und sagte zu mir: „Das Miauen ist schon seit drei Tagen zu hören. Bisher konnte noch niemand feststellen woher es kommt. Wir sind die ersten, die den Ort festgestellt haben. Die Polizei und die Feuerwehr sind auch bald da. Wir sollen in der Nähe warten.“
Schon kurz darauf hielt ein Feuerwehrwagen mit rotierendem Blaulicht neben uns an. Heraus stiegen fünf Männer der Feuerwehr. Zunächst sprachen sie uns in der Landessprache an. Als Herbert und ich jedoch auf Englisch antworteten, wurde alles weitere in Englisch besprochen. Einer der Feuerwehrleute sagte uns, das wir auf das eintreffen der Polizei warten müssten. Da diese aber aus einem Nachbarort kommen würden, dauerte es noch etwa 15 Minuten bis die da sind. Da nun der Feuerwehrwagen bei uns stand, kam es immer wieder zu einem kleinen Stau, wenn zu viele Fahrzeuge vorbei wollten. Doch schnell gingen zwei Männer hin und regelten den Verkehr.

Etwa 15 Minuten später hielt die Polizei neben uns. Die beiden Beamten die ausstiegen wurden von denn Mann der Feuerwehr darauf hingewiesen, das wir Englisch sprechen und so unterhielten wir uns in dieser Sprache. Zunächst wollte einer der Beamten wissen wieso wir die Katze unter dem Gully Deckel vermuten. Herbert erklärte schnell den Sachverhalt und dann wurde kurzerhand der gesamte Verkehr gestoppt. So konnten wir Gefahrlos zu dem Gully gehen. Auch jetzt konnte man deutlich das Miauen der Katze hören.

Wir gingen wieder an den Straßenrand und der Verkehr konnte wieder weiterlaufen. Dann berieten wir die Situation. Alle kamen zu dem Ergebnis, das der Verkehr während der Rettungsaktion eben ruhen muss. Dabei hofften wir alle, dass die Katze direkt unter dem Gully Deckel steckt.
Einer der Beamten meinte noch, dass auch noch ein Tierarzt hinzu gezogen werden muss, falls etwas mit der Katze ist. Ich zeigte jedoch nur auf meine Tasche und meinte: „Sofort brauchen wir keinen Tierarzt! Aber wenn einer informiert wird währe das nicht schlecht. Denn schließlich muss die Katze behandelt werden“. Daraufhin meinte einer der Beamten, dass es sowieso eine halbe Stunde dauern würde, bis ein Tierarzt vor Ort ist. So wie es aussieht können wir sofort starten. Jedoch soll die Zentrale trotzdem den Tierarzt anrufen.

Und so geschah es. Während der eine Beamte mit seiner Zentrale telefonierte, ging der andere Beamte und ein Feuerwehrmann los und hielten den Verkehr an. Zwei andere gingen zu ihrem Wagen und holten einige Haken aus diesem. Mit den Haken wollten sie den Deckel entfernen. Dann betraten wir die Fahrbahn und gingen zu dem Gully. Alle vier Feuerwehrmänner nahmen einen Haken und hoben damit den Deckel ab. Darunter sahen wir zunächst einen Auffangkorb für Schmutz. Zwei Männer hoben diesen Korb hoch und stellten ihn an die Seite. Dann konnten wir die Katze sehen.
Es war aber nicht nur eine Katze, sondern neben der Katze lagen auch noch vier Kitten. Ob diese noch lebten konnten wir aber nicht sehen. Einer der Feuerwehrmänner meinte: „Gott sei Dank hat es seit vier Tagen nicht geregnet. Denn wenn das der Fall gewesen wäre, gäbe es keine kleinen Katzen mehr an diesem Ort. Die währen mit Sicherheit weg geschwemmt worden.“ Anschließend stieg er die sechs Stufen der Leiter hinunter die in diesem Gully waren. Vorsichtig reichte er ein Kitten nach dem anderen nach oben, wo sie von den anderen Männern in Empfang genommen wurden. Auch die große Katze kam so wieder ans Tageslicht. Diese war stark entkräftet, denn noch nicht einmal als sie ans Tageslicht kam, miaute sie. Außerdem war sie abgemagert. Anscheinend hatte sie länger als die drei Tage nichts Vernünftiges gefuttert.

Als alle Tiere oben waren kam der Mann auch schnell wieder hoch. Anschließend wurde der Deckel wieder verschlossen und der Verkehr konnte wieder laufen. Während der Aktion war ich schon mit dem ersten Kitten, welches einer der Männer trug an den Straßenrand gegangen. Hier standen viele Leute herum, die der Aktion gefolgt waren. Ich meinte noch das es schön wäre, wenn wir nun einen Tisch hätten und ein paar Decken. Woraufhin sofort einige Männer los liefen um dies Sachen zu besorgen. Keine Minute später stand vor mir ein Tisch und auch mehrere Wolldecken lagen darauf. Auch hatte einer der Restaurantbetreiber etwas klein gemachten Fisch dabei. Doch zunächst musste ich alle Katzen untersuchen. Das erste Kitten hörte ich ab. Außer einem großen Hunger fehlte dem Tier nichts. Auch bei den anderen drei Kitten war es so.

Ich sagte dieses in die Runde, da ich danach gefragt wurde. Sofort entstand wieder Bewegung um den Tisch. Etwa drei Minuten später lagen zwei große Katzen auf dem Tisch und diesen wurden die Kitten angelegt. Sofort fingen die Kitten an zu saugen. Ich staunte und fragte die beiden Frauen die die Katzen gebracht hatte, ob die beiden keine eigenen Kitten haben. Doch auch die beiden hatten Kitten, aber in so einem Notfall können die beiden wohl helfen. Was die beiden auch anstandslos machten. Es wurde nicht geknurrt. Dann lag das Muttertier auf dem Tisch. Bei der Untersuchung stellte ich mehrere Bisswunden fest, die offenbar von Ratten stammten. Da Ratten Krankheiten übertragen, musste ich sofort ein Antibiotikum verabreichen. Herbert ging mir dabei zur Hand. Während ich das Antibiotika in eine Spritze zog, machte Herbert schon die Spritze mit dem Stärkungsmittel fertig. Auch eine Narkosespritze bereitete er vor.

Zunächst setzte ich die Narkosespritze, da ich vorhatte zunächst die Bisswunden zu behandeln. Was ich auch machte! Einige kleine Bisswunden wurden von mir nur verbunden. Jedoch bei drei Bisswunden musste ich nähen. Während ich das machte, entstand wiederum Bewegung um mich und als ich kurz hoch sah, stand eine Frau neben mir und ging mir zur Hand. Offensichtlich war das der Tierarzt. Nachdem die Bisswunden versorgt waren, setzte ich einen Zugang für die Medikamente. Dann gab ich durch diesen Zugang zunächst das Antibiotika und die Stärkungsspritze. Auch eine Spritze, damit die Katze wieder aufwacht gab ich durch den Zugang. Was diese Katze nun noch brauchte, war eine Infusion mit Kochsalz.

Nun schaute ich endgültig auf, weil meine Arbeit getan war. Mein erstaunen war groß, als ich den Menschenauflauf sah, der inzwischen entstanden war. Auch einige Wohnmobilfahrer die wir in Travemünde kennen gelernt hatten standen um uns herum. Dann sprach mich die TÄ auf Schwedisch an und ich antwortete auf Englisch. Somit wurde die ganze Unterhaltung auf Englisch weiter geführt. Sie wollte wissen wer ich bin und ich sagte ihr es. Nur verschwieg ich, in diesem Moment, das ich keine TÄ bin. Sie bat mich mit ihr mit zu fahren, da sie ganz alleine gekommen war und nicht während der Fahrt auch noch auf die Katzen aufpassen kann. Ich sagte sofort zu und auch Herbert stimmte zu, das er mit dem Wohnmobil nachkommen würde, sofern er die Adresse bekomme wo er hin muss. Er meinte noch: „Frühstücken können wir wenn alles erledigt ist!“

So fuhr ich mit der TÄ in ihrem Wagen mit. Während der Fahrt erwähnte ich dann auch, dass ich keine TÄ bin, sondern nur eine besondere Ausbildung habe und die Berechtigung zu helfen bei Tieren die in Not sind. Als wir bei ihrem Haus ankamen und die Katzen im Haus waren, zeigte ich ihr dann die Sondergenehmigung. Sie war sehr erstaunt darüber und fragte mich, während wir noch einmal die Katzen untersuchten, nach den Bedingungen für diese Sondergenehmigung aus. Als ich ihr sagte, dass ich dieselbe Ausbildung habe wie ein Tierarzt und auch eine Prüfung abgelegt hatte, wollte sie wissen was das für eine Prüfung war. Ich erzählte ihr daraufhin alles was sie wissen wollte.

15 Minuten nach unserer Ankunft kam auch Herbert. Da er die Brötchen natürlich mitgebracht hatte, Frühstückten wir später zusammen mit der TÄ in ihrem Haus. Beim Abschied versprach sie uns sich um die Tiere zu kümmern und sie anschließend dem Tierschutz zu übergeben. Auch gab sie mir die Medikamente mit, die ich benötigt hatte. Zur Sicherheit trug ich die benutzten Medikamente aber trotzdem in die Liste ein und auch die TÄ bescheinigte mir, dass sie meine Vorräte wieder aufgefüllt hatte. Dann fuhren Herbert und ich weiter in Richtung Nordkap. Die ganze Aktion hatte über vier Stunden gedauert. Er meinte noch: „Sowas darf aber nicht oft passieren! Denn sonst haben wir für die Rückreise keine Zeit mehr, noch einige Besichtigungen zu machen!“ Womit er Recht hatte.

Ohne Unterbrechung, natürlich mit den nötigen Pausen, kamen wir am Nordkap an! Bei den jeweiligen Grenzübertritten gab es keine Schwierigkeiten. Am Zoll in Finnland wurde eine Bescheinigung ausgestellt das die Narkotika angemeldet waren und schon ging es weiter. Auch beim Zoll in Norwegen passierte genau das gleiche. Wir wollten zwei Tage dort bleiben. Nachdem wir alles besichtigt hatten, was es dort gab, viel war es nicht aber Herbert wollte einen Tag Pause machen bevor es wieder zurück ging, fuhren wir nach zwei Tagen auf einer ganz anderen Strecke zurück. Herbert wollte für den Rückweg nicht die gleiche Strecke nehmen, sondern eine Strecke die etwa 300km länger ist. Was wir auch machten. Doch ist der Rückweg eine eigene Geschichte wert.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #242
Vom Nordkap nach Hause
oder
Heimreise mit Hindernissen

Zwei Tage waren wir jetzt am Nordkap gewesen. Einige der Wohnmobilfahrer die wir dort trafen, kannten wir schon aus Travemünde. Natürlich wurde ich ausgefragt, da auch diese den Einsatz in Schweden miterlebt hatten. Groß war das Staunen als diese nun erfuhren dass ich keine TÄ bin, sondern nur eine Tierarzt-Helferin mit besonderen Kenntnissen. Auch hier am Nordkap musste ich einem Hund helfen, der etwas Verdorbenes gefuttert hatte und deshalb einen Durchfall hatte. Aber nachdem ich ihm einige Medikamente gegeben hatte, legte sich das sehr schnell. Problem war nur, die Familie denen der Hund gehörte kam aus Portugal und konnte weder Deutsch noch Englisch. Aber in solch einem Fall wird eben mit Händen und Füßen geredet. Trotzdem habe ich diese Familie bewundert. Denn sie sind fast 11000km, Hin und Rückweg; in vier Wochen gefahren um einmal am Nordkap zu sein.

Nun fahren wir zurück nach Deutschland. Wir fahren eine etwas andere Strecke zurück, da wir auch noch einen Abstecher nach Dänemark machen wollen. Machen hier und dort eine kleine Pause und schauen uns die Gegend an. So kommen wir nach 4 Tagen und 2200 gefahrenen Kilometern nach Göteborg. Von dort aus wollen wir mit der Fähre nach Frederikshavn. Herbert hatte auch diese Fähre schon von Deutschland aus gebucht. Nur müssen wir 22 Stunden warten, da wir sehr früh angekommen sind. Aber das ist für uns kein Problem und so besichtigen wir Göteborg.

Am nächsten Tag geht es auf die Fähre und nach nur 3,5 Stunden können wir diese in Dänemark wieder verlassen. Nur am Zoll gab es einen kleinen Aufenthalt, da der Zöllner die Dokumente die ich vorlegte nicht kannte. Etwa eine Stunde später waren wir wieder unterwegs. Herbert fuhr in Richtung Skagen, da er, so wie er sagte einmal seine Füße in die Nordsee und gleichzeitig in die Ostsee stellen wollte. Was nicht nur er, sondern auch ich in Grenen machte. Das ist der Nördlichste Zipfel vom Dänischen Festland.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter. Zunächst nach der versandeten Kirche in der nähe von Skagen. Nachdem wir dort den Kirchturm besichtigt hatten, der als einziges noch aus dem Sand der Wanderdüne schaute, fuhren wir weiter nach Rubjerk Knude. Auch dort besichtigten wir die Wanderdüne. Natürlich haben wir diese auch erklommen. Es war faszinierend dort oben auf der Düne zu stehen. An dem Parkplatz wo wir unser Wohnmobil stehen gelassen hatten, war auch eine Hinweistafel angebracht. Dort erfuhren wir, dass diese Düne etwa 5 Meter im Jahr ins Landesinnere weiter wandert. Irgendwann wird Skagen von der Außenwelt abgeschnitten sein. Wir besichtigten noch einige Schlösser dann fuhren wir langsam in Richtung Deutschland.

Kurz hinter der Oddesund Brücke machten wir in einer kleinen Ortschaft eine Pause. Schon als wir das Wohnmobil abgestellt hatte und dieses verließen fiel uns das Gebelle von mehreren Hunden auf. Da es in dieser Ortschaft auch ein Restaurant gab, gingen wir darauf zu um etwas zu Essen. Kurz vor dem Restaurant liefen zwei mittelgroße Hunde an uns vorbei. Immer wieder bellte einer der Hunde. Es hörte sich an als wenn sie sich am unterhalten waren. Als wir das Restaurant betreten wollten liefen wieder einige Hunde an uns vorbei. Langsam wurde ich neugierig und sagte zu Herbert: „Irgendetwas muss doch los sein. Alle Hunde laufen in dieselbe Richtung. Lass uns mal nach Fragen!“

So machten wir es auch. Wir setzten uns an einen Tisch und als die Bedienung kam bestellte Herbert zunächst etwas zu Essen. Natürlich war es ein Fischgericht. Er bestellte die Fischplatte auf dem mehrere Arten von Fisch serviert wurden. Unteranderem war es auch Hai. Nun war ich gespannt auf das Essen und ich vergaß meine Frage wegen der Hunde. Hai schmeckt im Übrigen sehr gut. Erst als Herbert die Rechnung beglich, fielen mir die Hunde wieder ein und ich fragte deshalb die Bedienung was denn mit den Hunden los ist. Doch auch sie wusste keine Antwort: „Das kann ich ihnen nicht sagen, weil es keiner weiß! Jeden Tag passiert das gleiche um diese Zeit und das seit drei Tagen. Alle Hunde die hier bei uns frei herum laufen, begeben sich in eine Richtung. Nach etwa 2 bis 2,5 Stunden kommen sie zurück. Keiner weiß auch wo die Hunde hinlaufen! Irgendwann verschwinden sie im Gelände und man hört nichts mehr von ihnen.“

Ein Rätsel, das ich gerne lösen will! Also begaben wir uns nach draußen und gingen in die Richtung in der auch die Hunde gelaufen sind. Auf einer freien Fläche trafen wir einige Bewohner der Ortschaft. Herbert fragte einen der Männer die dort standen, was es mit den Hunden auf sich hat. Doch auch dieser Mann wusste nichts. Er erzählte dasselbe wie die Bedienung. Auch meinte er, dass es in dieser Gegend sehr viele Weltkriegsbunker geben würde und er vermute dass sich die Hunde in einen dieser Bunker verstecken würden. Nun wurde ich richtig neugierig. Das Rätsel wollte ich lösen. Hätte ich es nur nicht gemacht. Denn so arteten die letzten Tage des Urlaubes in Stress aus.

Herbert hatte mich nur kurz angeschaut, dann sagte er: „Wenn dir drei Tage reichen um das Rätsel zu lösen, bin ich dabei. Mehr geht aber nicht, denn in 6 Tagen muss ich meine Praxis wieder öffnen! Außerdem brauchen wir noch mindestens einen Tag um nach Hause zu kommen und einen Tag um das Mobil zu reinigen!“ Zusammen gingen wir anschließend in das vor uns liegende Gelände. Dabei begleitete uns der Mann mit dem Herbert gesprochen hatte. Sein Name war Björn und er erzählte uns, während wir voran gingen, dass hier eine richtige Bunkerstellung ist. Auch Verbindungsgräben zu den Bunkern hat es gegeben. Nur ist inzwischen alles versandet.

Nachdem wir etwa 30 Minuten in dem Gelände unterwegs waren, kamen uns mehrere Hunde entgegen. Ohne einen Laut von sich zu geben liefen sie an uns vorbei. Daraufhin beschlossen Herbert und ich, unsere Suche auf zu geben. Auch Björn meinte, dass es jetzt keinen Sinn mehr hatte weiter zu suchen. Daraufhin verabredeten wir uns für den nächsten Tag. Aber zu dem Zeitpunkt an dem die Hunde hier ins Gelände laufen. Björn sagte dazu: „Das ist eine gute Idee! Bisher ist noch keiner auf die Idee gekommen. Wir sind immer erst los, als die Hunde auch losgelaufen sind!“

Am anderen Tag schauten sich Herbert und ich die alte Bunkerstellung an. Zwischendurch gingen wir auch ins Restaurant um etwas zu Essen. Während wir im Restaurant waren, sprachen uns einige Bewohner der Ortschaft an und fragten uns warum wir dieses Interesse für die Hunde hatten. Herbert sagte dazu nur: „Aus irgend einem Grund laufen die Hunde dort hin. Das es nichts Magisches ist, ist klar! Aber warum laufen sie dort hin? Was ist es was die Hunde dazu treibt dort hin zu laufen? Liegt dort vielleicht irgendwo ein verletztes Tier? Dann wird meine Frau helfen! Das wollen wir wissen. Vielleicht erfahren wir es ja bald. Warten wir es ab!" ]Bei den Worten zeigte er den Bewohnern meine Tasche, die wie immer, an meinem Stuhl hing.
Als die Bewohner das Zeichen des Veterinäres sahen fragten sie ob ich denn eine TÄ bin. Herbert sagte dazu nur: „So was ähnliches! Auf jeden Fall wird meine Frau keine Ruhe geben, bis sie weiß was los ist. Auch ich bin inzwischen sehr neugierig geworden. Denn was hier passiert ist sehr ungewöhnlich!“

Kurz darauf verließen Herbert und ich das Restaurant. Es war zwar noch etwas zeit, bevor die Hunde wieder los liefen, aber wir wollten schon mal zur Bunkerstellung. Mehrere Bewohner begleiteten uns. Auch Björn war inzwischen zu uns gestoßen und so gingen wir bis zu der Stelle an dem uns am Vortag die Hunde entgegen kam. Einige der Bewohner gingen noch weiter in das Gelände um nach spuren der Hunde zu suchen. Sie wurden fündig und so konnten wir noch einmal hundert Meter weiter in das Gelände. Aber auch am alten Standort blieben einige Bewohner stehen, falls die Spuren nicht von den Hunden waren, die hier im Gelände verschwanden.

Während wir warteten unterhielten wir uns mit den Bewohnern. Als schon das leise Bellen der Hunde zu hören war, sagte einer der Bewohner: „Es ist schon komisch! Normalerweise laufen hier etliche Hunde und Katzen in dem Gelände herum. Nun gar nichts!“ Auf meine Frage wie er das meinte, sagte er: „Es sind verwilderte Tiere! Etwa 20 an der Zahl! Keines ist zu sehen. Normalerweise sieht man einige der Tiere. Schließlich werden diese auch von uns gefüttert. Und jeden morgen sind die Näpfe an der Futterstelle leer. Ob die anderen Hunde damit etwas zu tun haben?“
In diesem Moment liefen drei Hunde, ohne sich um uns zu kümmern, bellend an uns vorbei. Sofort liefen wir hinter den Hunden her. Wir waren noch nicht weit gelaufen als wir wiederrum von zwei Hunden überholt wurden. Auch diese kümmerten sich nicht um uns, sondern liefen einfach bellend an uns vorbei. Wir beschleunigten unsere Schritte und als wir aus den Dünen heraus auf den Strand kamen, sahen wir einen Bunker vor uns liegen. Dieser lag aber auf dem Kopf.

Björn meinte dazu: „Komisch! Als ich vor sechs Tagen hier war, stand der noch oben auf der Düne! Aber ab und zu stürzt mal einer ab!“ Bei dem Bunker angekommen sahen wir ein kleines Loch im Sand. Durch dieses Loch waren die Hunde wohl in den Bunker gekommen, denn genau als wir dort ankamen, kroch ein Hund wieder aus dem Bunker hervor. Er lief in eine bestimmte Richtung woraufhin Björn sagte: „Dort vorn ist die Futterstelle! Wenn der jetzt Futter holt, müssen die anderen Tiere in dem Bunker sein!“ Während er das sagte kamen zwei weitere Hunde aus dem loch und liefen zur Futterstelle. Inzwischen kamen immer mehr Hunde bei dem Bunker an, kroch durch das Loch um nach kurzer zeit wieder hervor zu kommen. Alle liefen zur Futterstelle und von dort kamen sie wieder zurück und krochen durch das Loch in den Bunker. Bei einigen konnte man sehen, dass sie irgendetwas im Maul hatten.

In mir tauchte ein fürchterlicher Verdacht auf. „Ich glaube dass die vermissten Tiere in dem Bunker sind! Wir müssen da rein um nach zu sehen.“ Herbert und Björn stimmten zu. Auch die Bewohner waren der gleichen Meinung. Sofort lief ein Bewohner los um Rettungskräfte zu alarmieren. Wir konnten nichts anderes machen als warten! Während der Zeit kam immer wieder ein Hund aus dem Bunker und lief zur Futterstelle um etwas Futter zu holen. Daraufhin gingen mehrere Bewohner dort hin und holten das Futter zu uns an den Bunker. Nun brauchte keiner der Hunde mehr weiter weg laufen, sondern konnten sich sofort an dem Loch bedienen.

Etwas später kam auch der Bewohner zurück, der den Alarm auslösen wollte. Noch ganz außer Atem erzählte er: „Erst wollten die nicht! Aber als ich denen sagte dass eine TÄ aus Deutschland vor Ort ist, wurde Alarm ausgelöst. Auch ein Bauunternehmer ist alarmiert worden. Der kommt mit einem Bagger um das loch zu vergrößern!“ Wir konnten schon die Sirenen der Einsatzkräfte hören. Aber ob sie bis zu dem Bunker kommen würden bezweifelte ich, da der Sand an diesem Stück des Strandes doch sehr locker war. So war es auch, denn die Fahrzeuge blieben etwa hundert Meter vor uns stehen und die Leute sprangen aus den Fahrzeugen. Nur ein Auto kam auf uns zu. Das war ein Geländewagen! Als er neben uns angehalten hatte stieg ein älterer Herr aus und wollte wissen was eigentlich los ist. Björn und Herbert erzählten es dem Mann. Auch die Vermutung das etwa 20 Tiere in dem Bunker sein könnten erzählten sie. Ich erwähnte ebenfalls, dass diese Tiere vielleicht verletzt sind. Daraufhin schaute mich der Mann, sein Name war Kai, an. Auch meine Tasche, die ich über der Schulter hatte, musterte er. Da inzwischen seine Leute, alle hatten Schaufeln dabei, angekommen waren, gab er einige Kommandos und die Leute fingen an, das loch zu vergrößern.

Eine Gefahr durch den Bunker bestand nicht mehr, da er ja schon von der Düne abgestürzt war. Leider lief das Loch das die Hunde gegraben hatten, nun voll Wasser. Nun waren es über dreißig Tiere die in dem Bunker eingesperrt waren. Zum Glück, kam in diesem Moment der Bagger an. Doch auch er konnte nicht viel ausrichten. Denn immer wenn er seine Schaufel voll Sand hatte, lief Wasser nach.

Das ging also nicht! Ein weiterer Bewohner des Ortes der auf der Düne stand, rief auf einmal: „Da ist ein Loch im Boden. Vielleicht kann man von dort in den Bunker?“ Da der Bunker ja auf dem Kopf lag, konnte er das loch im Boden sehen. Wie da hoch kommen? So lange Leitern, der Boden war etwa 10 Meter über uns, hatte die Feuerwehr nicht. Aber einen Leiterwagen mit einer 25 Meter langen Leiter. Nur stand der hundert Meter von uns entfernt und hatte keine Chance aus eigener Kraft zu uns zu kommen. Da kam Herbert auf die Idee, den Leiterwagen mit Hilfe des Baggers zu uns zu schleppen.
Sofort wurde dieses in die tat umgesetzt. Es dauerte etwa eine Stunde bis der Leiterwagen bei uns war. Dann fuhr er seine Leiter aus und fünf Feuerwehrleute kletterten auf den Bunker. Da es inzwischen dunkel wurde, stellten die anderen mehrere Scheinwerfer auf. Auch ein Scheinwerfer wurde auf den Bunker gestellt. Dann wurden zwei Feuerwehrleute in den Bunker abgeseilt. Ich stand vor dem Bunker wie auf heißen Kohlen. Herbert hatte meinen Arm ergriffen, weil er wusste, dass ich, sobald die Chance bestand, auf den Bunker klettern würde. Doch er hielt mich so fest, dass ich keine Chance bekam!

Nach etwa 30 Minuten rief einer der FW-Leute, die in dem Bunker waren von oben herunter: „Wir haben die Tiere gefunden. Mehrere sind verletzt. Auch sind einige tot. Aber die Mehrzahl lebt. Am besten währe es, wenn ein Tierarzt mit uns in den Bunker kommt um sich die Tiere an zu sehen. Einige müssen mit Sicherheit noch erlöst werden.“ Nachdem Herbert das gehört hatte, ließ er meinen Arm los und sagte nur noch: „Pass auf dich auf, mein Schatz!“ Dann gab er mir noch einen Kuss und schon lief ich zum Leiterwagen. Dort angekommen fiel mir ein, das die Tiere auch nach oben mussten und ich sagte zu Kai, das wir einige große Körbe brauchten um die Tiere hoch zu holen. Sofort gab er das an die Anwohner weiter, denn die Einsatzkräfte vor Ort hatten so etwa nicht.

Ich stieg die Leiter hoch und wurde von einem Feuerwehrmann empfangen. Nun gab es aber ein Problem! Er konnte weder Deutsch noch Englisch! Und ich kein Dänisch! Aber schon kam der Einsatzleiter nach oben und das Problem war gelöst. Während einige andere FW-Leute in den Bunker abgeseilt wurden, sie hatten unter anderem einige Scheinwerfer sowie Leitern dabei, wurde mir ein Rettungsgurt umgelegt. Noch immer hatte niemand gefragt ob ich TÄ bin. Nur meine Tasche diente als Ausweis!


Ende Teil 1
Geht sofort weiter!
 
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Kurz darauf wurde ich vorsichtig in den Bunker abgeseilt. Drinnen war es Tag hell und obwohl der Bunker nun auf dem Kopf lag, konnte man gut durch die Gänge laufen. Nur an den Türen musste etwas geklettert werden. Aber vor jedem Durchgang war eine Leiter hin gestellt worden, so dass kaum ein Aufenthalt entstand. Schon nach kurzer Zeit betrat ich einen etwas größeren Raum Sofort sah ich die Tiere. Die gesunden und die verletzten. Alle waren in einer Ecke des raumes. Einige der Tiere waren am knurren und fletschten die Zähne. Darum war auch noch keiner der Männer zu den Tieren gegangen. Aber nun war ich da! Langsam ging ich auf die Tiere zu und fing an zu reden. Das mache ich immer, wenn ein Tier eine Drohposition eingenommen hat. Kurz vor den Tieren ging ich in die Hocke. Ein besonders großer Hund schnappte nach mir. Daraufhin setzte ich mich einfach hin und streckte diesem Hund meine Hand entgegen. Ich nahm an, dass er das Kommando über die Tiere hatte.

Wieder schnappte er nach meiner Hand und er biss auch zu. Da ich jedoch meine Hand nicht zurückzog, ließ er wieder ab und schaute mir in die Augen. Etwa 5 Minuten dauerte dieses und die ganze Zeit war ich am reden. Während dieser Zeit hörte er auf seine zähne zu fletschen und nach etwa weiteren zwei Minuten hörte er auch auf zu knurren. Dann schnupperte er an meiner Hand die ich ihm noch immer entgegen hielt. Da ich nicht wusste ob das Eis zwischen uns gebrochen war, streckte ich nun meine zweite Hand aus und legte diese auf seinen Kopf. Sofort zuckte er zurück. Jedoch schnupperte er auch an dieser Hand und ließ es anschließend zu, dass ich ihn am Kopf streichelte. Dabei kam ein ganz eigentümliches Geräusch von ihm, welches ich noch niemals vorher gehört hatte.

Danach kam er auf mich zu und stupste mich mit seiner großen Schnauze an. Jetzt durfte ich zu den anderen Tieren und sofort ging ich dort hin. Dabei sagte ich zu den FW-Leuten, dass die gesunden Tiere sofort nach oben könnten. Was auch geschah. Keines der gesunden Tiere wehrte sich als es nach oben gebracht wurde und wieder festen Boden unter den Pfoten hatte. Alle legten sich draußen in der Nähe hin und beobachteten die Rettungsaktion.

Während die anderen Tiere raus gebracht wurden, kümmerte ich mich um die verletzten Tiere. Viele hatten Brüche oder Quetschungen. Von den 20 Tieren die ursprünglich in dem Bunker waren, hatten drei nicht überlebt. Aber die anderen, obwohl zum größten Teil schwer verletzt. Ich versorgte alle Tiere so gut es ging. Auch bekam ich Nachschub an Medikamenten und Verbandzeug. Über 10 Stunden war ich in dem Bunker. Drei weitere TÄ trafen auch ein. Fast alle Tiere mussten operiert werden. Ich schiente ihre Brüche und gab Schmerzmittel. Dann wurde auch ich wieder nach oben geholt.

Inzwischen war es wieder hell geworden. Mein Erstaunen war groß, als ich sah das fast Tausend Leute um den Bunker standen. Als ich wieder auf dem Strand stand nahm mich Herbert in den Arm und drückte mich ganz fest. „Da bist du wieder. Immer wenn ein Tier hoch kam, habe ich gefragt wie es dir geht. Und immer erhielt ich zur Antwort, dass es dir gut geht. Trotzdem habe ich mir Sorgen gemacht und wollte zu dir. Doch Kai hat mich beruhigt. Er sagte zu mir das er schon etliche Einsätze hatte wo es auch um Tiere ging. Doch was dort geschah habe er noch nie gesehen. Da ist eine junge Frau, die ohne eine Pause zu machen am operieren ist. Jedes Tier bekam die Chance die es verdiente. Nicht ein einziges Tier wurde von seinen Verletzungen erlöst, obwohl die anderen TÄ bei einigen anderen Meinungen waren. Doch sie fügten sich, besonders als ich hier draußen Kai erzählte dass du nur eine Tierarzt-Helferin mit besonderer Ausbildung bist. Das hat er natürlich sofort den TÄ im Bunker erzählt. Als die das hörten, sprach keiner mehr von der letzten Spritze. Alle haben auf dein Kommando gehört. Selbst als die drei nicht mehr weiter wussten, das war bei dem Hund mit dem Lendenwirbelbruch, hast du sofort weiter gemacht. Gerade diesen Hund hätten alle drei erlöst, doch du warst dagegen. Alle Tiere die nach oben kamen wurden sofort in eine TK, die etwa 80 Kilometer entfernt ist, gebracht. Von dort kam immer wieder die Meldung, dass im Bunker ein Experte für Hund und Katze sein muss. Denn viele Op`s kannte die noch gar nicht. Wir sollen dort hinkommen, damit sie den Experten kennen lernen. Ich bin stolz auf dich mein Schatz.“

Obwohl ich total erschöpft war, taten mir diese Worte gut. Als Kai zu uns trat, löste ich mich von Herbert. Kai gab mir die Hand und meinte dabei: „Sie sind keine TÄ? Das kann mir keiner erzählen. Ohne ihre Hilfe wär vielleicht die hälfte der verletzten Tier noch am Leben! Nein, Sie sind keine Tierarzt-Helferin! Sie sind Tierarzt-Chirurgin!“ Wir redeten noch etwa 10 Minuten mit einander, dann merkte ich doch den Stress den ich hatte. Auch Kai bemerkte dieses und sofort lies er seinen Wagen holen um mich zurück in die Ortschaft zu bringen. Ich freute mich schon auf mein Bett im Wohnmobil. Doch eine Dame trat zu uns und sagte: „Einer dieser Hunde, die sie gerettet haben, gehört mir! Sie können bei mir im Hotel sich frisch machen und wenn Sie wollen dort auch in einem richtigen Bett schlafen und nicht im Wohnmobil!“

So geschah es dann auch. Nachdem ich geduscht hatte, fiel ich ins Bett und war sofort am Schlafen. Herbert ließ mich schlafen und erst am nächsten Morgen, nach fast zwanzig Stunden, wachte ich wieder auf. Natürlich war es noch sehr früh und darum verhielt ich mich leise, denn Herbert lag neben mir und war am schlafen. Erst zwei Stunden später wachte er auch auf und nachdem wir uns fertig gemacht hatten, gingen wir nach unten um zu Frühstücken. Während wir dort waren, kamen des Öfteren Bewohner der Ortschaft an unseren Tisch und gaben mir die Hand. Meistens ohne ein Wort zu sagen. Da erfuhr ich auch, dass die Rettungsaktion in der Presse groß aufgeführt wurde. Nur war dort von einer TÄ die Rede, aber das war mir egal.

Gegen Mittag fuhren wir dann mit dem Wohnmobil los zu der TK. Herbert hatte sich vorher genau erkundigt wo diese ist. Während er das machte, verabschiedete ich mich von Kai, der gekommen war, und von Björn, der ebenfalls gekommen war. Björn meinte noch: „Das habe ich noch nie erlebt. Wie keiner hier. Ich werde es noch lange erzählen bei uns in der Kneipe. Viele werden es nicht glauben, aber dank der Zeitung kann ich es beweisen. Gerda ich Danke dir von ganzem Herzen und wünsche dir, das Du immer wenn ein Tier in Not ist, rechtzeitig zur Stelle bist! Denn wo Du bist, haben die Tiere die Chance ihres Lebens!“

Später, in der TK, erfuhr ich dass Björn der Vorsitzende des Tierschutz Vereines in Dänemark ist. Als wir in der TK ankamen, wurden Herbert und ich sofort zum Leiter der TK geführt. Wir redeten sehr lange zusammen und als Herbert einmal erwähnte, die wussten es bisher noch gar nicht, das ich nur eine Tierarzt-Helferin bin, konnte der Leiter etliche Minuten nichts sagen. Erst als er wieder sprechen konnte, gab er mir die Hand um anschließend alle Beschäftigten, soweit abkömmlich, zusammen zu rufen. Als alle in einem großen Raum versammelt waren, erzählte er von dem Bunker und wie ich geholfen hatte. Erst als er erwähnte das ich keine ausgebildete TÄ bin, hatte ich das volle Interesse der anwesenden. Nun musste ich erzählen was in dem Bunker geschehen war. Zum Schluss sagte der Leiter: „Frau Gerda, das man Ihnen noch keinen Titel gegeben hat verstehe ich nicht. Sie haben dort im Bunker Operationen durchgeführt von denen wir noch nie etwas gehört haben. Alle waren erstaunt, als die Tiere hier eintrafen, in welchem guten Zustand die Tiere waren. Selbst der Hund mit dem Lendenwirbelbruch wird wieder genesen. Sicher wird er nicht mehr wie zuvor herum toben können. Aber er hat seine Chance Dank Ihnen erhalten.“

Noch zwei Stunden redeten wir zusammen, dann fuhren Herbert und ich weiter um nach Hause zu kommen. Bevor wir jedoch fuhren besuchten wir noch alle Tiere und der große Hund leckte mir einmal durch das Gesicht. Das war sein Danke! Eine Pause machten wir noch in Hamburg, dann ging es endgültig nach Hause. Einige Wochen später bekam ich einen Anruf von der TK in Dänemark. Alle Hunde waren wieder gesund. Auch der Hund mit dem Lendenwirbelbruch war den Umständen entsprechend wieder geheilt. Auch wurden alle Tiere von den Bewohnern der Ortschaft adoptiert. Dort gab es keine verwilderten Tiere mehr.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #244
Hallöchen!

Durch Zufall habe ich vor ca. 2 Wochen diesen Thread hier entdeckt und schon nach der ersten Geschichte war ich total gefesselt! Ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu lesen und habe in den letzten Wochen bei jeder sich bietenden Gelegenheit weiter durch gelesen, bis ich jetzt –leider- am (vorläufigen) Ende angelangt bin.
Diese Geschichten sind einfach wunderbar! Meine Hochachtung für „Gerda“, für all das, was sie erlebt und geleistet hat! Herzlichen Dank, dass Du erlaubt hast, diese Geschichten hier mit uns zu teilen! Und auch herzlichen Dank an Tschikitta, dass Du dir die Mühe machst die Geschichten alle abzutippen und hier hochzuladen. Ihr habt ab nun eine weitere Anhängerin, die nach neuen Beiträgen lechzt und süchtig ist danach, mehr zu erfahren.

Auch ich kann die Idee, daraus ein Buch zu machen, nur aufs schärfste unterstützen! Das, was man hier zu Lesen bekommt geht direkt mitten ins Herz und hat einen riesigen Suchtfaktor. Und es ist nicht nur ein netter Zeitvertreib, dies zu lesen – ich denke, dass diese Storys auch viele Leute dazu anregen werden, mehr auf die Umwelt zu achten und Tiere in Not zu finden und für Hilfe zu sorgen (wir können nicht alle solche Wunder vollbringen und so werden wie Gerda und den Tieren selbst helfen, aber zumindest dafür Sorge tragen, dass Hilfe kommt). Vielleicht regt es auch im ein oder anderen Tierheim oder bei manchem Tierarzt, der (noch) nicht so ideologisch an die Sache ran geht wie Gerda, einen Denkprozess an, mehr auf den Lebenswillen verletzter Tiere zu vertrauen und nicht voreilig zur „letzten Spritze“ zu greifen.

Wenn die kleinen Fehlerchen in den Beiträgen noch ausgebessert würden und alle Geschichten chronologisch sortiert würden (hier ist mir das hin- und herspringen zwischen den Zeiten mit und ohne Notfalltasche etc. manchmal etwas schwer gefallen), würde das den Lesespaß wohl noch nahezu ins Unermessliche ansteigen lassen. Ich finde es eben auch so wunderbar, die Steigerungen dieses Lebenswerkes vom kleinen Mädchen über die Tierarzthelferin bis hin zur „Tiersanitäterin“ (so nenne ich es jetzt einfach mal, da Gerda zu ihrer aktiven Zeit ja keine „richtige“ Tierärztin war) miterleben zu dürfen.

Ich bin immer noch total begeistert von dieser Frau, wie sie ihr Herz den Tieren verschrieben hat und was sie sowohl in Deutschland, als auch auf internationalem Boden alles bewerkstelligt hat und finde es auch wahnsinnig toll, dass sie außerdem noch einen kleinen Einblick in ihr privates Leben gibt. Auch dass immer mal wieder Personen auftauchen, die man schon „kennt“, finde ich genial (z.B. den Grafen).

Das hier ist nicht nur fast so gut wie ein Buch von einem klasse Autoren, es ist noch viel, viel besser - und vor allem wahr; vermutlich geht es deshalb auch sofort direkt ins Herz!
Macht unbedingt weiter! Und ich geb‘ jetzt Ruhe und warte mit den unzähligen anderen Fans ganz ungeduldig auf die nächsten Geschichten! :mrgreen:

PS: Leider konnte ich Gerdas „Weihnachtsworte“ nicht finden, es gibt so einen Beitrag wo das angekündigt ist, aber scheinbar funktioniert der Anhang nicht mehr, kann das sein? Ich würde sie gerne lesen, wenn also wer weiß wie ich sie finden kann, vielen Dank schonmal ;-)
 
  • Post aus Bayern Beitrag #246
Besuch von Herberts Eltern

An diesem Wochenende, ich habe gerade erst vor zwei Wochen meine Prüfung vor der Tierärzte Kommission bestanden, wollen uns Herberts Eltern besuchen. Die wissen noch nichts von meiner bestandenen Prüfung, weil ich Herbert gebeten habe nichts zu sagen. Bis Herberts Eltern kommen sind noch zwei Tage Zeit, trotzdem bin ich ganz Aufgeregt. Warum weiß ich auch nicht, aber vielleicht liegt es auch daran, das es das erste mal ist das sie uns Besuchen. Herbert und ich sind erst vor ein paar Wochen zusammen gezogen und haben eine schöne Wohnung in der Nähe des Tierheim gemietet. Herbert sagt immer: „Wenn wir erst verheiratet sind, ziehen wir in ein Haus. Aber selber Bauen machen wir nicht! Nein, wir Mieten oder Kaufen ein Haus.“ Nun leben wir also in einer Mietwohnung die nicht sehr groß ist. Aber uns reichen die 65 m2 die wir zur Verfügung haben.

Ich habe extra Urlaub genommen für diesen Anlass, denn schließlich wollen Herberts Eltern, Gerda und Walter, eine Woche bei uns bleiben. Somit bin ich überall in der Wohnung am putzen. Selber aus den unmöglichsten Ecken hole ich das letzte Staubkorn hervor. Herbert lacht nur über meine Putz Wut: „Nun übertreibe es nicht! Auch bei meinen Eltern wird der Staub unter den Teppich gekehrt!“ Nach diesen Worten müssen wir beide Lachen. Herbert hilft mir jedoch so gut er kann. Leider hat er erst ab dem kommenden Montag Urlaub, denn am Sonntag hat er noch den Zahnärztlichen Notdienst. Beide hoffen wir, dass nicht viel an diesem Sonntag los ist.

Es ist Samstag und in etwa 2 Stunden wollen Gerda und Walter bei uns sein. Immer wieder sehe ich durch die Wohnung ob nicht irgendwo ein Staubkorn liegt. Bis es Herbert zu bunt wird. Er steht auf und holt aus dem Flur eine Sonnenbrille. Als er mir diese hinhält schaue ich ihn erstaunt an. „Setz die auf! Dann siehst du keinen Staub mehr!“ lacht er dabei. Auch ich muss lachen und in diesem Moment klingelt es an der Tür. Es sind Gerda und Walter! Zusammen mir Herbert gehe ich zur Tür und wir begrüßen die beiden. Als wir im Wohnzimmer sitzen und der erste Kaffee getrunken ist, meint Gerda: „Sehr schön hast Du es euch gemacht. Ein Ausgezeichneter Geschmack.“ Auch Walter stimmt dem zu. Als wir uns unterhalten klingelt es wieder an der Tür. Diesmal sind es meine Eltern und zum ersten Mal treffen Herberts und meine Eltern zusammen. Nach der Vorstellung setzen wir uns wieder ins Wohnzimmer und nach kurzer Zeit ist das Eis zwischen Herberts Eltern und meinen Gebrochen. Es hat keine halbe Stunde gedauert, dann haben die vier nur noch Du zueinander gesagt.

Ich hatte es mir schwerer vorgestellt. Denn immerhin sind Herberts Eltern beide Zahnärzte und mein Vater nur ein Beamter im mittleren Dienst. Meine Mutter ist nur Hausfrau. Natürlich fragt jeder den anderen versteckt aus und alle geben auch bereitwillig Antwort. So gehen die Stunden dahin.

Es ist etwa 20.45 Uhr als das Telefon klingelt. Bevor ich aufstehen kann, ist Herbert schon unterwegs zum Telefon. Kurz darauf ist er wieder bei uns: „Gerda, Du muss sofort ins Tierheim. Auf der Autobahn hat es einen Unfall gegeben! Da der Tierarzt nicht da ist, musst du einspringen! Ein Hund scheint schwer verletzt worden zu sein! Der saß in einem Auto welches sich überschlagen hat.“

Schon bei den ersten Worten von Herbert stehe ich auf und greife nach meiner Notfalltasche. Zwar brauche ich diese im Tierheim nicht, aber es ist mir inzwischen zur Gewohnheit geworden diese immer mit mir zu führen. Herbert holt schnell den Autoschlüssel und nachdem wir uns Entschuldigt haben, verlassen wir die Wohnung. Bis zum Tierheim ist es nur fünf Minuten mit dem Auto und als wir dort ankommen steht schon ein Polizeifahrzeug vor dem Katzenhaus in dem sich der Behandlungsraum befindet.

Kaum hat Herbert angehalten laufe ich schon zum Behandlungsraum, wo der Hund schon auf einem Tisch liegt. Es handelt sich um einen Schäferhund. Schnell fange ich an, nachdem ich meine Tasche zur Seite gelegt habe und die anwesenden Personen kurz begrüße, den Hund zu untersuchen. Während ich das mache, frage ich natürlich, ich muss es wissen damit ich auch die richtigen Untersuchungen durchführe, was genau passiert ist. Ich erfahre, dass der Hund in einem PKW Kombi hinten auf der Ladefläche gelegen hat. Wegen eines Bremsmanövers des vor ihm fahrenden PKW musste auch der Kombi stark bremsen. Dabei ist er ins Schleudern geraten und auf den Grünstreifen geschleudert. Dort hat er sich mehrmals überschlagen und die Heckklappe ist aufgesprungen. Dabei wurde der Hund heraus geschleudert.

Nun kann ich mir ein ungefähres Bild machen was der Hund hat. Sehr wahrscheinlich Kopf und Rückenverletzungen. Seine Pfoten werden wohl auch in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Da der Hund ohne Bewusstsein ist, liegt eine Kopfverletzung sehr nahe. Darum entscheide ich, dass der Hund sofort geröntgt werden muss. Da neben dem Mitarbeiter des Tierheim und Herbert auch noch zwei Polizisten im Raum sind, wird der Hund in den Nebenraum gebracht, wo der Röntgenapparat steht. Dieser ist erst seit ein paar Wochen hier, weil unser Tierarzt sich einen neuen angeschafft hat. Natürlich ist dieses Gerät nicht auf dem neuesten Stand, aber für unsere Zwecke reicht er.

Ich mache mehrere Aufnahmen, nicht nur vom Kopf sondern auch von dem Rest des Hundes. So kommt es, dass ich anschließend acht Aufnahmen auswerten muss. Auf den ersten Blick sehe ich den Schädelbruch bei dem Hund. Auch scheint das Brustbein des Hundes gebrochen zu sein. Dafür brauche ich noch eine Aufnahme, was kein Problem ist, weil der Hund noch immer auf dem Röntgentisch liegt. Aber zunächst schaue ich nach den anderen Verletzungen. Auch scheint im Brustraum eine innere Verletzung vor zu liegen, da ein dunkler Schatten zu sehen ist. Also muss ich auch noch eine Ultraschalluntersuchung machen. Auf dem Rücken des Hundes stelle ich fest, das dort ein dicker Bluterguss sich gebildet hat. Dadurch wird der Hund erst einmal gelähmt sein. Seine Läufe haben nichts abbekommen.

Doch zunächst ist der Schatten im Brustbereich wichtig. Alles andere kann warten! Zunächst mache ich noch eine Aufnahme des Brustbeines und ich stelle fest, dass dieses tatsächlich gebrochen ist. Dann lasse ich den Hund vorsichtig auf den Behandlungstisch legen. Dort wird er sofort richtig hingelegt und fest geschnallt. Dann bekommt er von mir eine Narkosespritze. Dieses ist nicht unbedingt nötig, weil der Hund ohne Bewusstsein ist. Da ich aber nicht weiß wie lange die Bewusstlosigkeit anhält, bekommt er diese Spritze. Herbert geht mir dabei zur Hand. Auch er hat inzwischen ein enormes Wissen über Hunde und Katzen, da er mir bei meiner Ausbildung geholfen hat.

Dann setze ich den Kopf des Ultraschallgerätes an und betrachte sehr genau den Bildschirm. Bei dem Schatten scheint es sich um eine Blutung in den Brustraum zu handeln. Jetzt muss ich schnell handeln! Als ich einmal hochsehe erkenne ich meine Eltern vor der Tür des Behandlungsraumes. In der Tür ist eine Glasscheibe und dahinter stehen sie. Auch Herberts Eltern erkenne ich, doch diese befinden sich im Behandlungsraum. Walter meint dazu: „Vielleicht können wir helfen! Wenn nicht, bleiben wir im Hintergrund!“

Ich nicke nur mit dem Kopf, dann beginne ich meine Arbeit. Da das Fell eines Schäferhundes sehr lange Haare hat, schneide ich diese zunächst ab. Das rasieren erspare ich mir, denn dafür habe ich keine Zeit. Trotzdem nimmt Herbert den Rasierer und fängt an. Irgendwie bekomme ich mit, das jemand sagt: „Am besten wäre die letzte Spritze bei den Verletzungen. Das kann der Hund nicht überleben! Die Chance dafür beträgt vielleicht 5% das er es schafft. Und bei dieser kleine Chance?“

Ich weiß nicht, wer dieses gesagt hat, doch höre ich die Antwort von Herbert ganz genau: „Solch eine riesige Chance nimmt meine Verlobte gerne war. Das reicht ihr und ich verspreche ihnen, in ein paar Wochen springt der Hund wieder herum!“ Da Herbert die Person siezt, die das gesagt hatte, nehme ich an, dass es einer der beiden Polizeibeamten war, die den Hund gebracht haben. Beide kenne ich nicht. Kurz darauf verabschieden sie sich und fahren wieder weg. Ich sage dazu nur: „Blödmänner!“ Dann ist die Sache für mich erledigt.

Normalerweise ist keine OP bei einem Brustbeinbruch nötig, aber hier kommt noch der Schatten im Brustbereich hinzu. Bei einem Brustbeinbruch kann die Lunge in Mitleidenschaft gezogen werden, aber auch eine Herzprellung. Auch ist ein Riss im Rippenfell oder in der Magenwand möglich. Zudem besteht die Gefahr dass sich eine Pseudoarthrose (Falschgelenk) bildet. Wenn man alles richtig macht, kann dieses nicht passieren. Auch bildet sich solch eine Pseudoarthrose erst im laufe der Zeit.

Als ich zum Skalpell greife steht Walter neben mir. Er hat sich einen Kittel geben lassen und Handschuhe angezogen. Gut, jetzt helfen eben drei Zahnärzte um ein Tier zu retten denn Gerda hat sich die Sauerstoffmaske genommen und beatmet damit den Hund. Genau an der Stelle wo der Schatten im Bauchraum ist, mache ich einen Schnitt. Als ich die Schnittränder etwas auseinander ziehe, Walter hält die Wundhaken, sehe ich sofort was passiert ist. Neben einer Herzprellung hat der Hund auch einen Riss in der Lunge aus dem er blutet. Dieser Riss befindet sich im unteren Bereich der Lunge. Dadurch hat der Hund auch einen Pneumothorax (Zusammenfall eines Lungenflügels)! Schnell behandele ich den Riss der Lunge. Dann setze ich ein kleines Röhrchen ein, wodurch die Luft die sich im Brustraum befindet nach der OP entweichen kann. Dadurch ist es gewährleistet, dass sich die Lunge wieder aufbaut. Am Brustbein kann man nicht viel machen. Mit Schrauben alles wieder verbinden ist nicht ratsam, weil ein normaler Bruch auch so wieder heilt. Natürlich ist hierbei viel Ruhe angesagt. Aber bei einem Hund?

Darum entschließe ich mich zumindest den Brustbereich zu stabilisieren. Dazu bekommt der Hund, nachdem ich den Brustkorb wieder geschlossen habe einen sogenannten Zeltverband angelegt. Das ist ein Verband der sehr locker angelegt wird, wobei die Stelle an der der Verband wirken soll, doch fester verbunden wird. Anschließend behandele ich den Bluterguss auf dem Rücken indem ich dort einen Eisbeutel auflege und diesen ebenfalls mit einem Verband sichere. Alle paar Stunden muss der Eisbeutel gewechselt werden! Auch die Herzprellung, dadurch hatte der Hund Herzrhythmusstörungen, behandele ich. Er bekommt von mir ein Stärkungsmittel gespritzt.

Danach ist der Schädelbruch dran. Aber auch hier kann man nicht viel machen. Zudem ist es auch ein glatter Bruch, der wieder heilen wird. Ich muss nur dafür sorgen, dass der Hund nicht gleich am nächsten Tag wieder anfängt herum zu toben. Also wird er die nächsten Tage, schon alleine wegen des Brustbeines, immer in einem Dämmerzustand gehalten werden müssen. Natürlich wird auch der Bluterguss ihn daran hindern zu toben, da dieser ihn doch sehr stark in den Bewegungen hindern wird. Aber Sicher ist Sicher!

Nach etwas über zwei Stunden bin ich fertig und der Hund wird nach nebenan in einen Raum gebracht. Jetzt kann nur noch Mutter Natur für seine Heilung sorgen, denn ich habe mein Möglichstes getan. Das sage ich auch zu Gerda und Walter nachdem wir uns die Hände gewaschen haben. Auch meine Eltern, die zum ersten Mal eine OP die ich durchgeführt habe, beobachtet haben, sind inzwischen zu uns gekommen. „Meinst Du das der Hund überlebt?“ fragt mich mein Vater und ich antworte ihm: „Natürlich! Zwar war die Chance durch den Lungenriss gegen Null gesunken, aber das macht den Reiz doch erst richtig aus!“

Erst als wir etwa 1,5 Stunden später wieder zu Hause sind, sagt Walter zu mir: „Jetzt weiß ich warum Du diese Ausbildung gemacht hast! Ich hatte bisher geglaubt, dass Du nur bei leichten Fällen aktiv werden wirst und bei schweren Fällen, so wie bei dem Hund, einen Tierarzt holen wirst. Aber nun habe ich erkannt, dass Du auch ohne Tierarzt alles in deiner Macht stehende unternehmen wirst. Bei dir scheint es kein: Weiß ich nicht oder kann ich nicht, zu geben. Du hilfst auf jeden Fall! Immer! Hast Du eigentlich schon deine Prüfung abgelegt?“ Auch Gerda stößt ins gleiche Horn: „Das mit der Prüfung will ich auch wissen! Bisher dachte ich immer, das ein Tier das so schwer verletzt ist und an und für sich keine Chance mehr hat zu überleben, eingeschläfert wird. Schließlich hört man das oft genug. Aber bei dir bin ich Sicher, das alle Tiere die du unter deine Hände bekommst, später noch ein langes Leben haben werden!“ Anschließend nimmt sie mich in den Arm und drückt mich fest an sich. Auch Walter drückt mich fest. Mein Vater sagt dabei: „Also Mädchen! Das du so engagiert bis hätte ich nicht vermutet! Als ich mitbekommen habe, man kann schließlich jedes Wort hören was in dem Raum gesprochen wird, das der Hund einen Lungenriss hat, dachte ich auch dass er jetzt eingeschläfert wird. Aber Du hast weiter gemacht. Klasse mein Mädchen!“ Dann setzt er sich zufrieden grinsend auf das Sofa. Meine Mutter umarmt mich nur, aber ich kann sehen, dass sie sehr Stolz auf mich ist.

Natürlich erzählen Herbert und ich von meiner Prüfung und ich zeige ihnen auch die Genehmigungen. Trotz meines Urlaubes bin ich täglich zum Tierheim um nach dem Hund zu sehen Von Tag zu Tag geht es ihm besser, so dass ich nach einer Woche beschließe nun der Natur ihren freien Kauf zu lassen. Dazu gehört, dass ich den Hund nicht mehr in einem Dämmerungszustand versetze. Der Hund hat aber wohl selber gemerkt, dass es ihm sehr schlecht geht, denn die meiste Zeit liegt er in seinem Korb und steht nur auf wenn er etwas futtern oder trinken will. Selbst sein Geschäft verrichtet er in einem Katzenklo, welches wir ihm extra dafür hingestellt haben.

Gerda und Walter besichtigen natürlich das Tierheim. Auch mit dem Tierarzt reden sie sehr lange. Bei einem dieser Gespräche, Gerda erzählt es mir am selben Abend, sagt der Tierarzt: „Diese Frau hat ein Umdenken bei mir verursacht! Bevor ich sie kennenlernte war ich auch sehr schnell mit der Spritze. Schon beim ersten Mal als ich ihr begegnete wusste ich dass sie etwas Besonderes ist. Wie sie damals die Katze beruhigt hat die über den Zaun geworfen worden war, ihr habt diese Katze gesehen, das ist etwas Besonderes gewesen! Damals erkannte ich sofort, dass sie das Mädchen ist, welches ich suche. Später als sie die vergiftete Katze über drei Tage fast Pausenlos behandelt hat, wusste ich, das erst alles versucht werden muss.“ Dann fragte der Tierarzt ob Gerda und Walter diese Geschichten kennen. Und als diese verneinten erzählt er davon. Auch andere Geschichten erzählte er. Wobei er nicht nur erwähnte, dass er in einigen Fällen total daneben lag und ich dafür gesorgt habe, dass die Tiere überlebten. Obwohl ich auf Hund und Katze spezialisiert bin, so sagte er, hat das Pferd, welches er einschläfern wollte, nachdem ich mich eingemischt hatte, überlebt.

Nach einer Woche fahren Gerda und Walter wieder zurück nach Hause. Wir versprechen bald sie wieder zu besuchen. Dem Hund ging es immer besser und nach 5 Wochen konnte er wieder zu seinen Besitzern. Diese sind bei dem Unfall nicht verletzt worden. Doch täglich haben sie bei uns angerufen und erkundigten sich nach ihrer Petra. Als sie ihren Hund abholen war die Freude bei Petra natürlich sehr groß. Ich erkläre noch einige Verhaltensmaßnahmen dann verlassen sie uns. Einige Tage später geht eine große Spende auf das Konto des Tierheim ein.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #247
Das Pferd
Oder
Einschläfern? Nicht bei mir!

Nun sind es schon ein Jahr und ein paar Monate, das ich meine Spezialausbildung bei unserem Tierarzt mache. Unter seiner Aufsicht habe ich schon einige Operationen durchgeführt. Ich durfte bei Geburten von Kälbern, von Fohlen und auch bei Hund und Katze helfen. Auch Sterilisationen habe ich schon im Beisein des Tierarzt durchgeführt. Meistens bei Hund oder Katze. Auch Kaiserschnitte hatte ich schon gemacht. Egal ob Hund, Katze ,Pferd oder Kuh. Im Prinzip ist es bei allen Tieren wo ich das unter Aufsicht machen durfte gleich. Klar eine Kuh oder ein Pferd ist größer wie ein Hund. Aber der Ablauf der OP ist derselbe.

Heute müssen wir Geburtshilfe bei einer Kuh leisten. Dieses arme Tier quält sich schon seit ein paar Stunden mir der Geburt. Der Tierarzt meint zu mir, als wir bei dem Bauern ankommen: „Das ist deine Geburt! Lass Dir etwas einfallen! Ich greife nur ein, wenn es nicht anders geht!“ Ich schaue ihn an und erkenne in seinen Augen das Vertrauen das er in mich setzt. Zu dem Bauern sagt er: „Ich hoffe, das Du noch immer zu Deinem Wort stehst! Sie wird versuchen mit ihren Mitteln das Kalb auf die Welt zu holen! Sollte das nicht klappen werde ich eingreifen!“ Der Bauer antwortet: „Ich stehe zu meinem Wort! Lass das Mädchen es versuchen! Vielleicht haben wir Glück und wir brauchen keinen Kaiserschnitt. Ich vertraue dir voll und ganz!“ Auch die Bäuerin, die neben dem Bauern steht, nickt bei diesen Worten mit ihrem Kopf.

Natürlich stehe ich jetzt etwas doof neben der Kuh. Da fällt mir wieder der Wolf ein, dem ich geholfen habe bei der Geburt. Sollte das hier auch klappen? Ich werde es auf jeden Fall versuchen! Langsam gehe ich auf die Kuh zu und fange an mit dem Tier zu reden. Das habe ich mir angewöhnt, denn bisher habe ich keine schlechten Erfahrungen damit gemacht. Noch einmal rufe ich mir die Anatomie einer Kuh ins Gedächtnis. Klar, mit einer Kuh habe ich nicht soviel Erfahrung wie mit kleinen Tieren, aber warum soll es nicht klappen wie bei dem Wolf. Bei diesem hatte ich keine Ahnung von der Anatomie. Jetzt ist das anders.

Da die Kuh noch immer steht, eigentlich müsste die Kuh liegen, trete ich von vorn auf das Tier zu. So kann die Kuh sehen, dass ich nichts in den Händen habe. Als ich kurz vor der Kuh stehe, strecke ich meine Hände aus und streichele mit beiden Händen ihren Hals. Ich merke dass das Tier ruhiger wird. Dann taste ich mit einer Hand ihren Bauch ab und merke dabei, das siestarke Wehen hat. Noch immer überlege ich, was ich machen soll. Klappt es wie bei dem Wolf? Oder muss doch ein Kaiserschnitt gemacht werden? Ich entschließe mich also für den ersten Fall. Nur muss ich die Kuh dazu bewegen sich hin zu legen.

Ich fange an ihren Bauchbereich zu massieren. Dafür muss ich natürlich sehr viel Kraft aufbringen, denn eine Kuh hat ein dickere Speckschicht wie ein Wolf. Natürlich fange ich nach kurzer Zeit durch die Anstrengung an zu schwitzen, aber das stört mich nicht. Dafür bemerke ich, wie die Kuh sich entspannt. Immer ruhiger wird sie auch wenn die Wehen einsetzen bleibt sie im Gegensatz zu vorher, einiger Maßen entspannt. Dann endlich legt sie sich hin. Trotzdem massiere ich den Bauch weiter. Noch einmal kommt eine starke Wehe und ich bemerke wie die Kuh wieder aufstehen will, jedoch durch meine Massage wird sie wieder ruhig. Es dauert auch nicht mehr lange, bis der Geburtsvorgang beginnt. Erst jetzt tritt der Tierarzt zu mir, jedoch fordert er mich auf weiter zu machen.

Kurz darauf ist das Kalb auf die Welt gekommen und der Tierarzt kümmert sich jetzt um Kalb und Kuh. Als alles erledigt ist, nimmt mich der Tierarzt ohne ein Wort zu sagen in den Arm und drückt mich ganz fest. Auch der Bauer und die Bäuerin kommen zu mir und reichen mir ihre Hand. Dann sagt die Bäuerin: „Also Albert! Ich habe schon viele Geburten bei Kühen mit gemacht. Aber die Methode heute war auch neu für mich. Nur durch Massage den Geburtsvorgang ein zu leiten, das habe ich noch nie gehört! Ich dachte schon, dass Du einen Kaiserschnitt machen musst, denn Berta wollte sich einfach nicht hinlegen. Erst durch Gerda legte sie sich für die Geburt hin! Gerda, ich muss ehrlich sagen dass ich Dich bewundere. Was Du für ein Händchen bei Tieren hast ist wirklich einmalig. Gratulation!“

Auch der Bauer drückt sich ähnlich aus. Da kommt auf einmal die Tochter des Bauern angelaufen. Sie ist ganz aufgeregt: „Albert, gerade hat deine Frau angerufen! Bei Bauer Kkkk gibt es einen Notfall! Du musst sofort dort hin!“ Der Tierarzt fragt natürlich um was für einen Notfall es sich handelt, doch das weiß die Tochter nicht. Kurz darauf sitzen wir beide wieder im Auto und fahren zu dem nächsten Bauern.

Als wir dort ankommen wartet der Bauer schon auf uns. Nach einer kurzen Begrüßung, ich werde kaum beachtet weil ich eben nur die Helferin bin, sagt der Bauer: „Meine Tochter wollte eben mit Golden Hawk einen Ausritt machen! Aus irgendeinem Grund ist das Pferd ausgerutscht. Keine Ahnung warum! Jedenfalls scheint es so zu sein das ein Bein gebrochen ist. Kannst Du was machen?“ Während der Bauer erzählt, sind wir zu dem Pferd gegangen. Dieses steht in einer Ecke des Stalles. Wie man sehen kann, belastet es das linke vordere Bein nicht. Während der Tierarzt das Bein Untersucht, stehe ich nur daneben. Ich habe Zeit mir den Stall, ins besonders den Überbau des Stalles, genau an zu sehen. Mir kommt schon ein verrückter Gedanke, aber ich sage noch nichts.

Dann ist der Tierarzt mit der Untersuchung fertig: „Ja Peter! Es tut mir schrecklich leid! Aber das Bein ist wirklich gebrochen. Da kann ich nichts machen. Leider müssen wir dein Pferd erlösen!“ Während er das sagt, greift er schon zu seiner Tasche. Darin befinden sich unter anderem auch die Medikamente um ein Tier zu erlösen. Mitten in seinen Bewegungen hält er an, denn er hat in meine Augen gesehen. Dann fragt er mich: „Was hältst Du davon Gerda? Das Bein kann wieder verheilen aber es ist sehr unwahrscheinlich. Ich muss es erlösen! Ich kann dem Tier nicht Helfen. Es müsste in eine Pferdeklinik und diese befindet sich über 100km von hier entfernt! Oder hast Du eine andere Idee?“

Als der Bauer das hört, fragt er: „Sag einmal Albert! Hältst Du es für richtig deine Helferin zu fragen was gemacht werden muss. Wenn es nicht anders geht dann muss eben die Spritze gesetzt werden. Es besteht keine Möglichkeit Golden Hawk zur Klinik zu bringen, denn dabei müsste das Pferd die ganze Zeit stehen und du weißt schließlich genau so gut wie ich, wie die Straßenverhältnisse bis dahin sind. Nein, das geht nicht“

Doch der Tierarzt antwortet nur: „JA ich halte es für richtig! Ich hole mir gerne die Meinung meiner Helferin ein!“ Das Wort Helferin betont er dabei sehr stark. Mir ist inzwischen klar, wie dem Pferd geholfen werden kann ohne es zu erlösen! „Golden Hawk braucht die Spritze nicht! Zumindest diese nicht! Zuerst brauchen wir ein Medikament womit wir das Pferd beruhigen können! Dann brauchen wir starke Seile, mehrere Gurte, es gehen auch einige Decken und einen Trecker!“

Jetzt schaut nicht nur der Bauer erstaunt, sondern auch der Tierarzt. Ich erkläre was ich vorhabe. „ Die Seile müssen über die Konstruktion der Balken dort oben geworfen werden. Dann müssen einige Gurte oder Decken um den Leib des Pferdes gelegt werden und anschließend muss das Tier mir Hilfe des Treckers angehoben werden. Dadurch wird das Bein entlastet. Natürlich muss das Pferd für etwa drei Wochen in einem Dämmerungszustand gehalten werden. Auch ist dafür zu sorgen, das es während der Zeit künstlich ernährt wird. Dann besteht die Chance dass Golden Hawk in ein paar Wochen wieder herum geritten werden kann. Zwar nicht wie vorher, aber er wird mit Sicherheit ein guter Zuchthengst."

Erstaunt sehen mich beide an. Dann fragt der Tierarzt: „Bist Du dir sicher das das klappt? Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert!“ Auch der Bauer fragt mich: „Glauben Sie wirklich das das klappt. Ich kann es mir nicht vorstellen! Nein ich glaube es ist besser das Tier zu erlösen!“ Da sagt der Tierarzt zu ihm: „Ich will es gerne Versuchen! Wenn es nicht klappt, brauchst Du nichts für die Behandlung Bezahlen, Klappt es jedoch, freue ich mich jetzt schon darauf dir die Rechnung zu schicken!“ Nun schaut der Bauer den Tierarzt an und er sagt: „Versuche was diese bekloppte Person vor hat. Ich werde dich mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln unterstützen! Aber bitte sehe es mir nach, das ich auch bei der Perdeklinik anrufe, damit diese sich Golden Hawk ansehen werden.“

So geschieht es dann auch. Es werden einige dicke Seile über die Balken, die sich über dem Verschlag von dem Pferd befinden, geworfen. Da keine Gurte vorhanden sind werden einige Decken unter dem Tier gelegt. Anschließend werden die Seile an den Decken befestigt und als das geschehen ist, an dem Trecker. Dann fährt der Trecker langsam vor und das Pferd wird angehoben. Aber nur soweit, das das Bein entlastet wird. Dann stellt der Bauer die Frage: „Und nun? Soll ich jetzt auf meinen Trecker verzichten?“ Genau so ist es, wie ich ihm sage. Er schaut mich an, dann schüttelt er mit dem Kopf und geht ins Haus um in der PK an zu rufen. Während dessen stabilisiert der Tierarzt das Bein, so dass nicht damit ausgeschlagen werden kann. Auch einen Zugang für die Ernährung legt er.

Am nächsten Tag sind wir wieder bei dem Bauern und dem Pferd. Ein Tierarzt der PK hat sich angekündigt. Als der das Pferd besichtigt, fragt er den Tierarzt: „Wie sind Sie auf die Idee gekommen, genau das zu machen. Einfach das Pferd aufhängen! Das ist doch gar nicht so bekannt. Das ein einfacher Tierarzt das macht, ist mir noch nie zu Ohren gekommen!“ Darauf antwortet der Tierarzt: „Meine Helferin hatte da so eine Idee, das dieses klappen könnte.“ Nun ist der Arzt sehr erstaunt und fragt mich wie ich auf die Idee gekommen bin.
Ich antworte: „Bei einem Menschen ist es doch genau das selbe! Das Bein muss entlastet werden und bei einem Tier ist es nicht anders!“

Kopfschüttelt wendet sich der Arzt ab. Dann sagt er zum Bauern: „Ich weiß gar nicht warum Sie mich gerufen haben. Sie haben doch eine Spezialistin hier. Wenn auch noch sehr jung! Auch bei uns in der PK wird es nicht anders gemacht. Sicher haben wir die richtigen Vorrichtungen bei uns. Und es wird auch nicht ein Trecker für drei Wochen außer Gefecht gesetzt. Dafür haben wir Flaschenzüge. Aber so ist es genau richtig. Trotzdem Danke das Sie mich geholt haben, Frau Kollegin!“ Dabei reicht er mir die Hand und will wieder gehen. Doch unser Tierarzt hält ihn auf! „Das ist meine Helferin und keine TÄ!“

Nun sieht mich der Arzt noch einmal an und der Tierarzt erklärt ihm, wer ich eigentlich bin und welche Ausbildung ich gerade mache. Als der Arzt alles Erfahren hat, reicht er mir noch einmal die Hand und sagt dabei: „Trotzdem Frau Kollegin! Wenn Sie mal Fragen haben, Frau Kollegin, rufen Sie mich an! Sie werden mal ein guter Tierarzt!“ Nach diesen Worten gibt er noch einmal allen die Hand und fährt wieder zur PK.
Jeden Tag sind nun der Tierarzt und ich bei dem Pferd und nach drei Wochen kann der Hengst wieder auf eigenen Beinen Stehen. Er erholte sich sehr gut von dem Bruch. Es lag aber auch daran, dass es ein glatter Bruch war, wie bei einer Röntgenuntersuchung nach drei Wochen festgestellt wird. Der Hengst wurde anschließend nicht mehr eingesetzt für Turniere! Er zeugte noch etliche Nachkommen.
Auch Kuh und Kalb erfreuen sich bester Gesundheit!
 
  • Post aus Bayern Beitrag #248
Und wieder England

Nun haben Herbert und ich es doch wah­r gemacht! Wir haben uns ein Wohnmobil gekauft! Herbert meinte kurz vor dem kauf: „Man lebt schließlich nur einmal! Unterwegs sind wir ja doch fast jedes Wochenende, sofern wir frei haben. Warum also nicht?“ Zusammen haben wir uns dann einige Mobile angeschaut. Zum Schluss haben wir uns entschieden ein gebrauchtes Mobil, was immerhin noch 40t Mark kostete, zu nehmen. Das gleiche Fahrzeug in neu mit gleicher Ausstattung hätte mehr als die Hälfte zusätzlich gekostet. Die Ausstattung und die geringe Laufleistung haben dazu geführt, gerade dieses Mobil zu nehmen. Und auch, das man damit auch im Winter mal eine Tour machen kann, weil es auch Winterfest ist. Dazu gehört nicht nur eine extra Isolierung sondern auch eine verstärkte Heizung.

Das Wohnmobil ist nichts großartiges, aber für drei Personen die wir sind, reicht es doch. Auf der linken Seite ist ein Kinderzimmer mit Doppelstockbett. Da aber nur unsere Tochter Monika dieses nutzen kann, freut sie sich jedes Mal darauf wenn sie sich ihr Bett aussucht. Beide Betten sind bezogen und so schläft sie mal oben oder auch mal unten im Bett. Auch unser Schlafzimmer hat eine eigene Tür und befindet sich im hinteren Teil des Mobiles. Rechts ist der Küchenblock untergebracht und direkt hinter dem Fahrersitz befindet sich die Sitzecke für vier Personen.

Da das Mobil länger ist wie die Fahrzeuge die wir uns bisher ausgeliehen hatten, nimmt Herbert an einem Fahrkursus teil. Auch ich nehme teil, obwohl ich bisher noch keines der Wohnmobile gefahren habe. Ich komme mir vor wie ein Trucker und natürlich hat dieses Mobil auch ein Funkgerät eingebaut. Trotzdem wird das Gerät gegen ein anderes getauscht, weil das alte Gerät nur den Deutschen Vorschriften entspricht, doch inzwischen gibt es internationale Absprachen für Funkgeräte. Diese wird auch kostenlos ausgewechselt. Gleich am nächsten freien Wochenende sind wir drei unterwegs. Nichts großartiges, aber so lernt Herbert noch besser dieses Gerät zu beherrschen. Immerhin ist es fast 7 Meter lang. Die Mietmobile waren meist nur 5 Meter lang.

Nun geht es also wieder nach England! Das dritte Mal. Unsere Tochter Monika möchte gerne dass wir London besuchen, dann möchte sie Nessie sehen und ans richtige Meer möchte sie. All das hat sie vom Kindergarten mitgebracht. Als sie einmal wieder nach Hause kam, sagte sie: „Im Urlaub möchte ich gerne das Ungeheuer von Loch Ness sehen und die Königin!“ Was Kinder von 5 Jahren doch für Wünsche haben! Auf den Gedanken mit dem richtigen Meer ist sie gekommen als sie einen Globus gesehen hat. Denn hinter England kommt lange Zeit nichts. Und so beschließen Herbert und ich, genau die Tour noch einmal zu fahren wie vor neun Jahren. Nur wollen wir die Steilküste bei Pembroke Dock diesmal auslassen.

Auch dieses Mal fahren wir einen Tag vorher los. Unsere Fähre geht erst morgen. Diesmal wollen wir von Dünkirchen mit der Fähre fahren. Die Überfahrt nach England dauert dafür etwas länger aber wir haben doch Zeit. Während der Fahrt spreche ich öfters über Funk mit anderen Verkehrsteilnehmern. Besonders freut es mich, als dieser Satz fällt: „Ach was freue ich mich! Die kleine Frau Doktor ist wieder unterwegs! Wie geht es dir Mädchen?“ Schon befinde ich mich in einem tiefen Gespräch. Immer mehr Trucker beteiligen sich daran. So bekommen wir fast nicht mit, wie die Zeit vergeht. Nachdem wir die Grenze nach Frankreich durchfahren haben, machen wir eine Pause, damit Monika sich von der Fahrt erholen kann. So denken Herbert und ich, doch sie möchte lieber weiter. Jedoch wollen wir auf die Trucker warten um mit Ihnen weiter zu fahren.

Schon nach einer Stunde sind wir wieder unterwegs, da die Zollformalitäten inzwischen sehr schnell gehen. Man redet schon davon, dass in ein paar Jahren es keinen Zoll mehr geben soll und somit die Grenzen fallen. Warten wir die Zeit ab. Immer weiter geht es. Der ein oder andere Trucker verlässt unsere Runde, weil er ein anderes Ziel hat. Dafür stoßen aber auch neue hinzu. Kurz vor Dünkirchen sind es noch fünf Trucker die uns begleiten. Auch hier im Hafen gibt es extra Plätze für Wohnmobile. Da für England trotzdem noch andere Zollbestimmungen herrschen, verlassen uns die Trucker und fahren zum Zoll. Auch wir fahren zum Zoll um meine Medikamente zu deklarieren. Schon kurze Zeit später sind wir wieder unterwegs und fahren zu unserem Stellplatz. Mit drei der Fahrer treffen wir uns noch etwas später.

Doch schon um 20.00 Uhr sind wir wieder an unserem Mobil, weil Monika doch langsam Müde wird. Für sie war es auch ein langer und Aufregender Tag. Immerhin sind wir schon gegen 9.00 Uhr am Morgen los gefahren. Natürlich hat sie während der Fahrt auch einmal geschlafen, dabei lag sie in der Sitzecke auf der Bank, was mir aber überhaupt nicht gepasst hat. Lieber währe ich stehen geblieben. Doch Herbert ist sehr vorsichtig gefahren und hat sich zwischen die LKW gesetzt. Somit konnte er deren Geschwindigkeit halten und wurde auch immer gewarnt wenn der Vordermann bremsen musste. Nachdem sie, natürlich im oberen Bett, eingeschlafen ist, setzen Herbert und ich uns noch vor das Mobil und lassen den Tag ausklingen.

Am anderen Morgen sind wir pünktlich an der Fähre und dürfen auch schon nach ein paar Minuten auf die Fähre fahren. Nachdem wir unser Wohnmobil verlassen haben, geht es an Deck, wo wir auch wieder die Trucker treffen. Erst jetzt erfahren wir, das zwei von ihnen nach London müssen, einer nach Birmingham, einer nach Liverpool und einer nach Aberdeen in Schottland. Während der 3stündigen Überfahrt unterhalten wir uns mit den Truckern. Einer der Trucker kommt auf die Idee mir einen Funknamen zu geben. Bisher hatte ich noch keinen, ich habe einfach drauf los geredet. Nun entbrennt aber eine heiße Diskussion welcher Name es werden soll. Bis Monika, die zugehört hatte, auf einmal sagte: „Du Mama, nennt Papa die nicht oft mein kleiner Doktor?“ Alle schauen wir uns an, dann meint der Trucker: „Das ist es! Genau so sollst Du heißen! Kleiner Doktor! Was haltet ihr davon?“ fragt er anschließend seine Kollegen. Die anderen stimmen zu und somit habe ich meinen Funknamen.

Kurz bevor wir in Dover im Hafen anlegen verabschieden wir uns von einander. Die Trucker gehen zu ihren LKW und wir zu unserem Wohnmobil. Nachdem wir die Fähre verlassen haben, geht es noch einmal zum Zoll. Ich bekomme ein Dokument und keine fünf Minuten später sind wir unterwegs. Von den Truckern hören wir nichts mehr und so lenkt Herbert das Mobil auf die Autobahn. Unterwegs übernachten wir auf einem Campingplatz und am nächsten Morgen geht es weiter.

Je näher wir dem richtigen Meer kommen umso nervöser wird Monika. Sie kann es kaum erwarten das „richtige Meer“ zu sehen. Denn die Kanalüberfahrt hat sie kaum interessiert. Als wir durch eine kleine Ortschaft fahren meint Herbert zu mir: „Weißt Du noch Gerda? Damals der Hund. Ob er noch lebt? Vor zwei Jahren haben wir ja nicht viel erfahren!“ Nachdem er das gesagt hat, fährt er an den Straßenrand. Monika protestiert natürlich aber als ich ihr sage, das eine kleine Pause nicht schlecht ist und wir ja auch bald am Meer sind stimmt sie der Pause zu.

Als wir aus dem Mobil aussteigen, natürlich habe ich wieder meine Notfalltasche umgehängt, und ein bisschen spazieren gehen spricht uns eine etwa 50jährige Frau an: „ Kommen Sie aus Deutschland und waren Sie vor 9 Jahren schon einmal hier?“ Herbert antwortet nur: „Aus Deutschland ja! Warum?“ will er anschließend wissen. Dann erzählt die Frau: „Mein Vater hat mir mal erzählt wie sein Hund von einer deutschen TÄ, die hier auf Urlaub war, mitten auf der Weide gerettet wurde. Auch erzählte er von der Tasche die diese TÄ mit sich geführt hat. Darin hatte sie alles um den Hund zu retten. Sind Sie die Person?“

Diese Frage ist an mich gerichtet. Ich sagte ihr dann, das ich diese Person wohl bin, wenn nicht noch einmal sowas vorgefallen ist. Sie ergreift meine Hand und fängt dann an zu erzählen: „Nachdem der Hund beim Tierarzt war, bestätigte dieser, das genau das richtige gemacht wurde. Nur durch Ihre Hilfe hat der Hund überlebt. Auch das Schild, auf dem Sie eine Antwort geschrieben haben, hat mein Vater gelesen. Dieses Schild hat er heute in seinem Wohnzimmer an der Wand hängen. Er sagte mir einmal, das er diese TÄ nie vergessen wird und das Schild ihn immer an diese tat erinnern wird. Leider hat er nie ihren Namen erfahren, denn sonst hätte er sich bei Ihnen gemeldet. Ich werde ihn gleich anrufen und ihm sagen, das ich Sie getroffen habe!“

Natürlich will ich wissen was aus dem Hund geworden ist und erfahre nun, das der Schäfer mit seinem Hund in einem Altersheim, etwa 60km von hier entfernt lebt. Immerhin ist der Schäfer schon über 80 Jahre alt. Spontan frage ich nach der Adresse und als ich das machte sagte die Frau: „Wissen Sie, ich glaube ich werde doch nicht anrufen. Sie fahren dort hin? Klar, sonst hätten sie nicht nach der Adresse gefragt!“

Genau das habe ich vor. Zunächst müssen wir aber mit Monika ans Meer. Das sagte ich auch und das wir wohl ein bis zwei Tage dort bleiben wollen. „Das ist kein Problem!“ sagt die Frau „dann rufe ich erst am Wochenende an.“ Wir reden noch etwa 10 Minuten zusammen, dann fahren wir weiter. Etwa eine Stunde später sind wir am „richtige Meer“. Zwei Tage bleiben wir dort und Monika hat einen riesen Spaß. Auch freundet sie sich mit anderen Kindern an und obwohl sie natürlich kein englisch kann, klappt die Verständigung der Kinder ausgezeichnet. Wenn es doch immer so einfach wäre! Auch kommen wir ins Gespräch mit den anderen Eltern der Kinder und obwohl ich ständig meine Tasche herum trage, fragt keiner danach. Mir war es recht!

Am dritten Tag brachen wir auf und fuhren zu der Ortschaft wo der Schäfer in einem Altenheim lebte. Nachdem wir unser Mobil verlassen hatten gingen wir auf das Gelände des Altenheimes. Das ist ganz anders wie in Deutschland. Überall standen Bänke wo man sich ausruhen konnte. Es war eine richtige Parklandschaft die wir betraten. Mein Erstaunen war groß und auch Herbert staunte über dieses Altenheim. Als wir in Richtung Gebäude gingen sah ich einen Mann auf einer Bank sitzen. Neben ihm lag ein Hund. Obwohl der Hund 9 Jahre älter war, erkannte ich ihn sofort. Das war der Hund dem ich geholfen hatte. Ich machte Herbert auf die beiden aufmerksam und auch er meinte das ist der Schäfer. "Den Schäfer habe ich nicht erkannt, sondern nur den Hund", was ich ihm auch sagte. Da musste Herbert laut lachen.

Als er das machte hob der Hund seinen Kopf und schaute zu uns rüber. Er legte seinen Kopf von einer Seite auf die andere. Dann stand er auf und witterte in unsere Richtung. Sicher konnte er nicht wittern wer da gelacht hatte, denn wir waren etwa 20 Meter vor den beiden stehen geblieben. Auch der Schäfer schaute uns an und holte aus seiner Tasche eine Brille hervor die er aufsetzte. Als er wieder zu uns blickte konnte ich sehen wie ein Ruck durch ihn ging. Er sagte etwas zu seinem Hund und dieser lief bellend auf uns zu. Monika bekam es mit der Angst und versteckte sich hinter ihrem Papa.

Dann war der Hund bei uns! Er sprang an mir hoch und war freudig am Bellen. Immer wieder kam er zu mir und sprang an mir hoch. Ich streichelte ihn und langsam gingen wir zu der Bank. Mühsam stand der Schäfer auf und als wir bei ihm waren viel er mir um den Hals und er drückte mich fest an sich. Dabei sagte er: „Das ich das noch erleben darf! Die Retterin meines Hundes steht wieder vor mir. Sehr oft musste ich die Geschichte des Schildes erzählen und keiner hier hat mir geglaubt. Immer hatte ich gehofft Sie noch einmal zu sehen. Und jetzt ist es wahr geworden! Sie sind wieder da!“ Ich konnte genau sein schluchzen hören. Der Mann weinte vor Freude!

Nach einigen Minuten hatte er sich wieder beruhigt. Während der ganzen Zeit sprang immer wieder der Hund an uns hoch. Auch Herbert wurde von ihm angesprungen. Nur bei Monika, die sich inzwischen nicht mehr versteckte, war er vorsichtig. Aber auch sie streichelte ihn und der Hund genoss dieses. Als ich hochschaute konnte ich doch sehen, das einige Neugierige zu uns herüber schauten. Auch der alte Schäfer bemerkte dieses. Daraufhin sagte er laut zu den Neugierigen: „Das ist die Frau die meine Elsbeth gerettet hat. Nur durch ihr eingreifen ist sie heute noch hier. Jetzt seht ihr selber, das ich nicht gelogen habe. Seht ihr die Tasche? Wie oft habe ich davon erzählt und ihr habt es nicht geglaubt. Aber nun ist sie hier! Nach neun Jahren kann ich mich endlich bei ihr bedanken. Ihr wisst genau wie Elsbeth immer war bei Fremden! Nie hat sie sich streicheln lassen! Und nun? Seht her, sie lässt sich streicheln denn auch sie hat ihre Lebensretterin wieder erkannt, Glaubt ihr mir jetzt?“

Nachdem er das gesagt hatte trat ein Mann auf uns Zu. Dieser war mit Sicherheit noch älter wie der Schäfer: „Ben, deine Geschichte war auch zu unglaubwürdig! Eine Frau, die mit einem Wohnmobil an deiner Schafweide gerade in dem Moment vorbei fährt als deine Elsbeth einen Herzanfall hat. Dann hat sie auch noch alles dabei um Elsbeth zu retten. Außerdem sollte sie aus Germany kommen. Das konnten wir alle nicht glauben. Wer hat schon jemals gehört, das jemand alle Medikamente für Tiere dabei trägt. Noch dazu eine Deutsche auf Urlaub hier in England. Mit Sicherheit keiner! Jetzt sehen wir eine junge Frau mit ihrer Tochter und ihrem Mann hier stehen und die junge Frau hat genau die Tasche dabei welche Du beschrieben hast. Wenn jetzt auch noch alles was Du erzählt hast in der Tasche ist, dann entschuldige ich mich bei Dir! Wenn ich es richtig überlege, dann kann man sowas nicht erfinden! Nein es muss die Wahrheit sein. Ben, ich entschuldige mich in aller Form bei Dir.“

Also hieß der Schäfer Ben. Langsam ging dieser zu dem alten Mann, dann reichte er ihm die Hand und gleichzeitig nahm er ihn in den Arm. Nachdem die beiden sich wieder getrennt hatten, holte ich aus meiner Tasche das Medikament welches ich seinerzeit Elsbeth gegeben hatte. Daraufhin kam der Mann zu mir und reichte mir seine Hand, die ich auch drückte. Um uns standen oder saßen in ihren Rollstühlen inzwischen etwa 40 Personen. Alle hatten zu gehört. Bei solch einem Menschenauflauf, immerhin kann ja etwas passiert sein, kamen auch einige Pfleger dazu. Einige hatten auch die letzten Worte des alten Mannes gehört und wollten natürlich wissen was los ist.

Bevor Ben etwas sagen konnte meldete sich der alte Mann zu Wort: „Das ist die Ärztin die damals Elsbeth gerettet hat. Alles was Ben bisher gesagt hat ist war. Auch das Schild welches in seinem Zimmer hängt ist wahr. Ben ist kein Lügner!“ Noch einmal reichte er Ben seine Hand und Ben drückte diese fest. Einer der Pfleger ging sofort zu dem Gebäude und kam nach kurzer Zeit mit einer Frau zurück. Sie stellte sich als Leiterin des Altenheimes vor. Auch dieses Mal ergriff der alte Mann das Wort. Nochmals erzählte er, das Ben nie gelogen hatte und alles was er über die Rettung von Elsbeth gesagt hatte, wahr ist.

Die Leiterin schaute mich an: „Stimmt das? Sind Sie die deutsche die Elsbeth gerettet hat? Aber wie ich an dem Verhalten des Hundes sehe, brauchen Sie meine Fragen nicht beantworten. Sie sind die Deutsche Tierärztin!“ Damir reichte auch sie mir ihre Hand die ich ergriff. Anschließend erfolgte eine Einladung zum Mittagessen, das kurz bevor stand. Diese Einladung nahmen wir an. Während wir zum Gebäude gingen fragte mich Monika: „Du Mama? Was hast Du denn gemacht? Alle drücken Dich, alle reichen Dir die Hand. Was ist los?“ Für eine fünfjährige sind das viele fragen und ich erklärte ihr so gut wie es ging was passiert war. Damit gab sie sich zufrieden.

Nach dem Essen musste Ben noch einmal seine Geschichte erzählen. Anschließend brandete Beifall auf. Wir blieben noch bis zum nächsten Tag in dem Altersheim. Dann fuhren wir weiter. Da Ben nun meine Adresse und meine Telefonnummer hatte, rief er mich noch öfters an.

Zunächst ging es zum Loch Ness. Auch dort erkundigte ich mich nach den Tieren die ich seinerzeit Behandelt hatte und so erfuhr ich, das beide noch am Leben waren. Beide waren unzertrennlich. Wo die Katze war, war auch der Hund. Ging der Hund irgendwo hin, ging die Katze mit. Nur haben beide nie mehr alleine die Straße überquert. Immer warteten sie am Straßenrand bis ein Mensch kam und gingen dann zusammen mit ihm über die Straße. Auch die beiden besuchten wir. Die Freude bei dem Hund war enorm und auch die Katze schien sich zu freuen, denn immer wieder kam sie zu mir und ließ sich streicheln. Nach drei Tagen fuhren wir in Richtung London. Bis auf einen Aufenthalt kurz vor London verlief der Urlaub fast so, wie wir wollten. Doch das ist eine andere Geschichte wert!
 
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Auf dem weg nach Hause (England Teil II)

Nachdem wir, Herbert, unsere Tochter Monika und ich, ein paar Tage am Loch Ness waren, ohne Nessie zu sehen, sind wir auf dem Weg nach London. Monika will unbedingt die Königin sehen. Obwohl Herbert und ich nicht glauben, dass wir sie sehen werden. Da Monika aber unbedingt die Queen sehen will, hat Herbert vorgeschlagen, dass wenn es nicht klappt, mit der Königin, dann wird Madame Thussaud besucht. Im dortigen Wachsfiguren Museum gibt es auch eine Figur der Queen.

Monika ist im übrigen mit unserer Reise sehr einverstanden. Auch sie besichtigt, obwohl erst 5 Jahre alt, gerne Bürgen und Schlösser. Selbst in alten Kirchen geht sie gerne mit. Meistens nehmen wir an geführten Besichtigungen teil und wenn Monika eine Frage hat, stellt sie diese auch, wobei Herbert oder ich die Frage beantworten oder aber wir stellen die Frage weiter und Monika erfährt auf diesem Weg, was sie wissen will.

Wir sind schon einige Stunden unterwegs und haben nur noch etwa 80 Kilometer bis London. Am Stadtrand von London gibt es einen guten Platz zum übernachten und dort wollen wir zunächst hin, um morgen mit der U-Bahn nach London City zu fahren. Da auch jetzt unser Funkgerät leise mitläuft, bekommen wir mit, wie vor einer Sperrung der Autobahn vor uns gewarnt wird. Dort scheint es einen Unfall gegeben zu haben. Darum verlässt Herbert an der nächsten Ausfahrt die Autobahn um über Land nach London zu kommen. Jedoch hatten wohl auch viele andere die gleiche Idee. In einer kleinen Ortschaft hält Herbert darum unser Mobil an und schaut in die Straßenkarte. Kurz hinter der Ortschaft teilt sich die Strecke. Darum beschließt Herbert den zweiten Weg zu nehmen. Dieser führt nicht wieder auf die Autobahn und so hofft er, dass nach dem Abzweig wieder zügig gefahren werden kann.

So ist es auch. Nachdem wir auf der anderen Strecke sind, geht es wieder schneller voran. Jedoch ist auch hier der verkehr sehr stark. Als wir einmal die Umleitungsstrecke auf einer Brücke überqueren, können wir sehen, dass es dort sehr langsam voran geht.

Wir sind noch etwa 25 Km von unserem tagesziel entfernt und durchfahren gerade eine kleine Ortschaft als aus dem Funkgerät deutsche Worte erklingen. Sofort dreht Herbert das Gerät lauter. „Was ist denn los, Peter?“ hören wir jemanden fragen. „Solch ein Mist!“ kommt die Antwort, „ich habe gerade einen Hund angefahren. Warte mal eben, ich muss nachsehen!“ Dann wird es still auf dem Kanal. Herbert hat schon angehalten um auf die Antwort zu warten. Schließlich kennt er mich zu genau. Denn würde er einfach weiter fahren riskiert er seinen ersten Ehekrach. Und das will er nicht. Auch hat er schon das Mikrofon in der Hand

Da meldet sich der zweite Mann wieder „Mann, Mann!! Das sieht schlecht aus. Ich bin dem kleinen wohl direkt über die Vorderbeine gefahren. Wenn jetzt doch der kleine Doktor hier wäre, dann hätte der Hund mit Sicherheit noch eine Chance. Aber so?“ Bevor der andere antworten kann, redet Herbert schon los. „Hier ist der kleine Doktor! Wo bist Du? Wir kommen sofort!“ Sofort antwortet der Mann „Was? Das gibt es doch gar nicht! Also wir sind kurz hinter der Ortschaft Northaw. Beeilt euch! Winfried, jetzt kannst Du was erleben! Das wirst Du nie wieder vergessen! Die beste TÄ die ich kenne ist auf dem Weg!“
Sobald Herbert den Standort erfahren hatte, es sind etwa 4 KM bis dort hin, schaute er schon in die Karte. Etwa 500 Meter weiter gab es einen Abzweig zu der Ortschaft. Herbert drehte das Gerät leiser und fuhr wieder los. „Mama, was ist denn los? Musst Du jetzt arbeiten?“ fragte mich Monika und ich erklärte ihr, warum wir nun eine ganz andere Strecke fahren werden wie geplant. Schon kurz darauf biegt Herbert an der Abzweigung ab. Nach etwa einem Kilometer müssen wir wieder abbiegen. Wir fahren durch eine Waldgegend und wundern uns, warum hier in dieser abgelegenen Gegend wohl deutsche LKW fahren. Während wir noch darüber reden, muss Herbert schon wieder abbiegen. Kurz darauf durchqueren wir die Ortschaft Northaw.
Da jetzt kein Wald mehr stört, können wir schon zwei Lieferwagen am Straßenrand stehen sehen. Das muss die Stelle sein. Auch ein Trecker und zwei andere PKW stehen dort. Neben einem der Lieferwagen stehen auch mehrere Personen. Eine Person kniet auf dem Boden. Herbert hält hinter dem letzten Fahrzeug an und ich sage, bevor ich aus dem Wohnmobil springe: „Monika, Du bleibst hier im Auto!“ Dann schnappe ich mir meine Tasche und laufe zu den Personen. Dort angekommen sehe ich, wie die auf dem Boden kniende Person gerade eine Spritze aufzieht. Noch bevor er damit fertig ist, kommt von mir ein „STOP“. Dann bin ich neben der Person. Da eine geöffnete Tasche mit Tierarzt Utensilien neben ihm steht, nehme ich an, dass es ein Tierarzt ist

„Hallo Gerda! Der will die letzte Spritze setzen ohne den Hund richtig zu untersuchen! Kannst Du was machen?“ Dann wendet er sich an den Tierarzt „Ich habe doch gesagt, dass eine deutsche TÄ unterwegs ist! Nun ist sie da! Lassen Sie die Frau nun mal machen!“ und an einen weiteren Mann gewandt sagt er: „Glauben Sie mir, wenn noch eine klitzekleine Chance besteht, wird Ihr Hund leben und demnächst wieder herum springen. Lassen Sie nicht zu, das Ihr Hund getötet wird, ohne die Frau nachsehen zu lassen!“ Da wendet sich der Mann an den Tierarzt: „Jeff, lass die Frau es versuchen. Du weißt schließlich genauso wie ich, wie June an Happy hängt!“

Noch während des Gespräches kniete ich schon neben dem Hund und fing an diesen zu Untersuchen. Vertrauensvoll schaute mich der Hund an und ich streichelte ihm über den Kopf. Beim Abtasten des Rumpfes konnte ich nichts feststellen. Als eine Bewegung neben mir entstand, schaute ich kurz hoch. Doch nur der Tierarzt hatte etwas Platz gemacht, damit ich den Hund besser untersuchen konnte. „Glauben Sie wirklich, dass der Hund noch einmal herum toben wird?“ fragte er mich. Ich nickte nur mit dem Kopf.

Dann untersuchte ich die Vorderläufe des Hundes. Der rechte Vorderlauf schien in Ordnung zu sein. Jedenfalls konnte ich keine Verletzung feststellen. Da ich nun den linken Vorderlauf untersuchen musste, fing ich an mit dem Hund zu reden. Ich hoffte den Hund dadurch ab zu lenken, während ich nach der linken Pfote schaute. Da ich auf Deutsch mit dem Hund redete, schaute er mich interessiert an und ich konnte vorsichtig die Pfote untersuchen. Dabei stellte ich fest, dass die Pfote zwar gebrochen war, aber anscheinend ist der Wagen doch nicht über die Pfote gefahren. Jetzt musste zunächst erst einmal geröntgt werden. Das sagte ich auch zu dem Tierarzt: „Anscheinend ist nur die Pfote gebrochen. Ob er noch mehr hat, kann nur eine Röntgenaufnahme zeigen! Jedenfalls braucht er nicht die Spritze!“

Nachdem ich das gesagt hatte, legte sich eine Hand schwer auf meine Schulter. Als ich hoch sah, sah ich, dass es einer der Fahrer war. „Danke Gerda! Jetzt geht es mir viel besser! Ich hatte gehofft dass Du sowas sagst! Nochmals Danke!“ Der Tierarzt sagte: „OK! Ich habe ein Röntgengerät, jedoch ist meine Frau nicht da, die das immer bedient. Ich habe mich nie damit befasst wie das Funktioniert. Wissen Sie das?“ Ich bestätigte ihm, dass ich das weiß und der Hund wurde zum Wagen des Tierarzt gebracht, wo er auf der Ladefläche gelegt wurde.

Erst als der Hund in dem Wagen lag, kam auch Herbert mit Monika zu uns. Die beiden hatten im Wohnmobil gewartet bis ich fertig war. Da ich mit dem Tierarzt mitfahren wollte sagte ich das Herbert sofort. Der meinte nur: „Fahr ruhig mit! Wir kommen nach, sobald ich weiß wo ich hin muss!“ Da meldete sich der Besitzer des Hundes zu Wort: „Sie können mit Ihrer Tochter ruhig hier bei uns warten. Mit Sicherheit findet Ihre Tochter es besser hier bei uns auf dem Hof, als im Wohnmobil vor dem Haus des Tierarzt.“ Herbert fragte dann Monika, ob sie lieber hier auf dem Bauernhof warten will oder vor dem Haus des Tierarzt. Natürlich wollte Monika auf dem Hof warten. Der Tierarzt versprach dann auch, mich nachher zurück zu bringen. Dann stieg ich in den Wagen des Tierarzt, der sofort los fuhr.

Kurze Zeit später waren wir bei der Praxis und er brachte den Hund in seinen Behandlungsraum. Dort bekam der Hund eine Narkose und nachdem der Hund schlief, machte ich mehrere Aufnahmen von dem Hund. Wie ich schon auf der Straße gemerkt hatte, war der Hund nur am linken Vorderlauf verletzt. Hier zeigte sich nun, dass es sich um einen komplizierten Bruch der Pfote handelte. Die Pfote war mehrfach gebrochen und musste somit operiert werden. Einen einfachen Knochenbruch hätte man auch so wieder hin bekommen. Einfach durch richten und ruhig stellen. Jetzt ging das aber nicht! Bisher hatte der Tierarzt nicht viel gesagt als ich die Aufnahmen auswertete. Jetzt meinte er aber: „Ob das jemals wieder richtig zusammen wächst? Ich glaube es nicht, denn die OP kann ich nicht machen. Schließlich bin ich nur ein kleiner Landtierarzt der normalerweise Rinder und Pferde behandelt. Aber ganz selten einen Hund. Haben Sie mehr Ahnung von der Materie?“

Natürlich hatte ich und das sagte ich dem Tierarzt auch. Daraufhin wurde er richtig hektisch. Er holte alles heran, was zur Versorgung des Hundes notwendig war. Dann begann ich die OP. Zwischendurch klingelte immer wieder sein Telefon, doch er ging nicht hin. Er sagte nur: „Lass es klingeln! Wenn es wichtig ist, rufen die noch einmal an.“ Auch seine Frau kam nach einiger Zeit wieder nach Hause. Als dann das Telefon klingelte ging sie zum Apparat und nahm ab. Ich hörte nur wie sie sagte: „Hier wird noch operiert! Wir melden uns.“ Dann legte sie auf und half wieder bei der OP mit. Auch der Tierarzt half mir dabei.

Als ich fertig war, inzwischen waren über zwei Stunden vergangen, ging die Frau wieder zum Telefon und wählte eine Nummer. Dann sagte sie: „Die OP ist gut verlaufen und in ein paar Wochen wird er wieder herum toben wie früher.“ Sie lauschte noch einen Moment, dann legte sie auf. Erst jetzt begrüßten wir uns richtig, denn zuvor hatte ich dazu keine Zeit. Der Hund wurde in einen Nebenraum gebracht, wo er die nächste Nacht verbringen sollte. Dann brachte mich die Frau des Tierarzt zu dem Bauernhof wo Monika und Herbert und alle anderen warteten. Auch die Fahrer der Kleintransporter waren noch da.

Nachdem ich den glücklichen Verlauf der OP geschildert hatte, bedankte sich noch einmal der Fahrer bei mir. „Ich wusste es! Wenn Du auftauchst gibt es immer eine Rettung. Winfried, was habe ich gesagt? Bei dem kleinen Doktor gibt es kein es geht nicht. Immer weiß sie eine Lösung und ist es noch so kompliziert. Das Tier wird weiterleben!“ Dann bedankte er sich noch einmal bei mir und fuhr dann mit seinem Kollegen davon. Sie mussten die Fähre am nächsten Morgen erreichen und wollten auch noch etwas Schlafen.

„So was habe ich noch nie gesehen. Diese Präzision, diese Ruhe bei einer OP. Keine Nervosität! Obwohl doch in einer völlig fremden Umgebung. Wie machen Sie das nur? Ich währe total nervös, wenn ich bei einem mir völlig Fremden Tierarzt helfen müsste.“ sagte die Frau des Tierarzt. Jetzt ergriff aber Herbert das Wort und erklärte warum ich nie nervös werde. Alle lauschten gebannt seinen Worten. Nur dass ich keine TÄ bin, erwähnte er nicht.

Monika hatte, während ich nicht da war, mit den Kindern des Farmers gespielt. Auch jetzt war sie noch mit denen am Spielen. Erst nach einiger Zeit kam sie auch ins Haus. Wir verbrachten die Nacht auf dem Bauernhof und am nächsten Tag holte ich zusammen mit dem Bauern den Hund vom Tierarzt ab. Dem Hund ging es den Umständen entsprechend sehr gut und er freute sich wieder bei seinen Leuten zu sein. Gegen Mittag fuhren wir dann weiter nach London. Die echte Queen bekam Monika nicht zu sehen, aber sie war sehr stolz auf das Foto welches sie mit der Wachsfigur der Queen zeigte. Unser weiterer Urlaub verlief ohne Zwischenfälle und an einem Samstag waren wir wieder zu Hause. Natürlich musste Monika sofort ihren Freundinnen von dem Urlaub berichten.

Ein paar Wochen später hielt ein Kleintransporter vor unserem Tierheim. Heraus sprang Peter. Er brachte mir einen großen Blumenstrauß. Außerdem erzählte er, das der Hund wieder herum tollt wie früher.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #250
Ungewöhnliches Quartett oder doch mehr

Es sind Ferien und es ist schönes Wetter. Darum fahre ich schon seit ein paar Tagen mit dem Rad zum Tierheim. Meine Eltern sind nicht begeistert davon. Sie meinen immer, dass ich doch den Bus nehmen kann, schließlich ist in der Nähe des Tierheim eine Haltestelle. Außerdem muss ich um zum ZH zu kommen die sehr stark befahrene Hauptstraße überqueren. Aber von unserer Wohnung bis zur Bushaltestelle sind es 300 Meter und auch von der Haltestelle beim Tierheim sind es 300 Meter. Darum fahre ich lieber mit dem Rad. Denn es sind nur 3500 Meter bis zum Tierheim und ich brauche dieselbe zeit, wie mit dem Bus. Außerdem sparen wir auch so etwas an Geld. Und falls es mal anfangen sollte zu regnen, kann ich immer Herbert, meinen Freund, anrufen. Er holt mich dann immer ab. Sei es um zum Tierheim zu kommen oder von dort nach hause.

Gerade vor ein paar Wochen habe ich meine Ausbildung zur Tierarzt-Helferin beendet. Momentan lerne ich für meine Spezialausbildung. Aber bis ich dort die Prüfung ablegen kann, wird es noch eine weile dauern. Mit der Tierheim-Leiterin habe ich spezielle Arbeitszeiten für mich vereinbart, da ich auch öfters beim Tierarzt aushelfen muss. Ich fange um 8.00 Uhr im Tierheim an und habe um 17.00 Uhr Feierabend. Normalerweise! Doch kommt es des Öfteren vor, das ich nicht im Tierheim arbeite sondern beim Tierarzt. Aber das ist alles mit dem Tierheim verabredet.

Es ist ein Donnerstag und da ich an diesem Tag beim Tierarzt gearbeitet habe, heute musste bei einem Pferd Geburtshilfe geleistet werden, bin ich schon um 16.30 Uhr unterwegs nach Hause. Unser Tierarzt hat seine Praxis etwa 1,5km entfernt vom Tierheim am Ortseingang. Unser Tierheim liegt außerhalb. Auch vom Haus des Tierarzt habe ich noch etwa 1,5km mit dem Rad zu fahren, denn das liegt nicht an meiner normalen Fahrstrecke die ich sonst nehme.

Heute fahre ich mit dem Rad durch ein kleines Waldgebiet. Dieser weg führt unter anderem auch zu einem Baggersee an dem bei schönem Wetter immer sehr viel Betrieb ist. Dort will ich mich mit Herbert treffen. Ich freue mich schon darauf! Kurz bevor ich den See sehen kann, fallen mir drei Kinder auf, die irgendetwas in der Hand haben. Als eines der Kinder mich sieht, fängt es wie wild mit den Händen an zu winken. Sofort halte ich mein Rad an und lehne es an einen Baum. Aus dem Korb auf dem Gepäckträger nehme ich meine Notfalltasche. In der befinden sich Verbandmaterial, Pflaster, ein paar kleine Schienen und Mittel um eine Wunde zu reinigen. Mehr darf ich leider noch nicht mitnehmen, aber später will ich die Tasche besser aufrüsten. Doch dazu muss ich erst meine Prüfung haben.

Ich gehe auf die Kinder zu, die noch immer neben einen Busch stehen. Ganz aufgeregt kommt mir eines der Kinder entgegen. Bevor es mich erreicht hat ruft es laut: „Komm schnell! Wir haben da vorn Tiere gefunden. Die waren in einer Tüte!“ Sofort fange ich an zu laufen und habe schon nach kurzer Zeit die Kinder erreicht. Einer hält mir die Tüte entgegen und sagt dabei: „Das habe wir gerade gefunden als wir hier vorbei sind! Die Tüte hat sich bewegt, darum haben wir nach gesehen. Darin sind Tiere. Welche wissen wir nicht, denn ich habe diese sofort wieder fallen gelassen. Wir wussten erst nicht was wir machen sollen bis wir dich gesehen haben. Da ist Franz sofort los gelaufen und ich habe die Tüte wieder hoch gehoben.“
„Das war genau richtig was ihr gemacht habt!“ lobe ich ihn „schließlich weis man nie was darin ist. Nun gib mir bitte die Tüte damit ich nachsehen kann!“

Er reicht mir die Tüte. Es ist eine Plastiktüte von einem Discounter. Diese hält er oben fest zu. Er reicht mir die Tüte und ich kann Bewegungen an der Tüte bemerken. Gleichzeitig kommt ein Geräusch aus der Tüte welches mir sehr bekannt ist. Sofort bücke ich mich und stelle die Tüte auf den Boden. Als ich sie öffne erkenne ich darin zwei kleine Katzen. Auch noch ein anderes Tier ist darin, doch durch die Katzen kann ich nicht erkennen was für ein Tier das ist.

Kurz überlege ich, ob ich die Kinder einspannen kann, damit ich erfahre was noch für Tiere in der Tüte sind. Ich hocke mich also auf den Boden und gleichzeitig sage ich zu den Kindern, dass sie mir nun helfen müssen. Erwartungsvoll schauen mich alle drei an und ich greife in die Tüte. Dann habe ich eines der beiden Kätzchen in der Hand und reiche es dem ältesten Kind. Das Kätzchen schätze ich auf drei bis vier Wochen. Das zweite Kätzchen reiche ich dem nächsten Kind. Dann greife ich wieder in die Tasche und hole ein Meerschweinchen hervor, welches ich dem dritten Kind reiche. Ich schaue nun in die Tüte und erkenne eine weiße Ratte. Auch diese hole ich hervor und die Kinder erschrecken doch, als sie die Ratte sehen.

Ich sage zu den Kindern: „Haltet die Tiere schön fest, das sie nicht weglaufen können. Aber auch wieder nicht all zu fest, sonst könnten sie Angst bekommen und euch womöglich beißen.“
Erst jetzt wird mir klar, welches Problem ich habe. Bis zum Tierheim ist es von hier aus fast vier Kilometer. Also bleibt nur der Tierarzt. Aber auch bis dahin sind es über einen Kilometer. In die Tüte möchte ich die Tiere aber auch nicht wieder packen. Als ich mich umsehe, erkenne ich Herbert, meinen Freund, wie er vom Badesee herauf kommt.
Ich sage zu den Kindern, dass sie mir folgen sollen und gehe wieder zu meinem Rad. Dort angekommen bleibe ich stehen und warte auf Herbert. Der ist auch nach ein paar Minuten da. Sofort erkennt er was los ist. „Hallo Gerda, Hallo Kinder! Was habt ihr denn für ein Problem? Aha Ich sehe schon! Irgendwie müssen die Tiere zum Tierarzt. Mal überlegen!“ Das macht er nur kurz. Er betrachtet den Korb auf dem Gepäckträger des Fahrrades und meine Tasche, dann scheint er die Lösung zu haben. Er zieht seine Jacke aus und legt diese so in den Korb, dass er nach allen Seiten und nach unten dicht ist. Vorsichtig legen die Kinder und auch ich ihr Tier in den Korb. Dann nimmt Herbert einige Mullbinden aus meiner Tasche, nimmt vom Boden einige Zweige auf und bindet diese zusammen, so dass nun ein Deckel für den Korb vorhanden ist. Diesen Deckel legt er auf den Korb und anschließend meine Tasche als Gewicht auf den Deckel. Jetzt kann keines der Tiere aus dem Korb springen.

Ich bedanke mich bei den Kindern und sage ihnen auch, bevor sie fragen können, dass die Tiere am Wochenende besucht werden dürfen, sofern sie nicht krank sind. Danach laufen die Kinder runter zum See und Herbert und ich gehen in die andere Richtung. Ich will mit den Tieren zunächst zum Tierarzt. Da er jetzt Kleintier Sprechstunde hat, ich brauche nicht helfen wenn wir vorher auf einem Bauernhof waren, wird er in seiner Praxis sein. Während Herbert und ich dort hin gehen, ich schiebe das Rad und Herbert hat seine Hand auf dem Deckel, erzähle ich ihm, wie die Tiere gefunden wurden. Herbert meint dazu: „Leute die so etwas machen, gehören auch in eine Tüte gesperrt und einfach in den Wald geschmissen!“

Ich weiß inzwischen, dass Herbert das was er sagt, auch genauso meint und ich stimme ihm zu. Mittlerweile ist es 17.30 Uhr als wir zum Haus des Tierarzt kommen. Durch ein Fenster können wir sehen, das im Wartezimmer noch einige Personen mit ihren Tieren sitzen. Als ich die Praxis betrete, Herbert trägt den Korb mir den Tieren, schaut mich Maria, die Frau des Tierarzt, fragend an. Als sie jedoch Herbert mit dem Korb erkennt steht sie sofort auf und öffnet eine Tür hinter der ich den Tierarzt erkenne. Dieser schaut auf, er verbindet gerade die Pfote eines kleinen Hundes, und sagt dass er sofort kommt. Dann reicht er den Verband an die Helferin weiter und er kommt zu uns.

"Was habt ihr denn für ein Problem?“ fragt er, nachdem er Herbert begrüßt hat. Herbert hebt den Deckel von dem Korb und nun kann der Tierarzt die vier Tiere sehen. „Gerda, untersuche Du erst einmal die Tiere. Du weißt schon! Abhören, abtasten und wenn was Unregelmäßiges ist hole mich sofort. Ich muss mich erst m die anderen Patienten kümmern.“ Der Empfang in der Praxis und das Wartezimmer sind ein großer Raum, sodass alle die in dem Raum warten, mit bekommen wie der Tierarzt mir seine Anweisungen gibt.

Eine Frau fragt was denn los ist und ich erkläre schnell was in dem Korb ist. Natürlich sage ich nicht das es drei verschiedene Arten sind, sondern nur das ich in dem Korb sehr junge Tiere habe, die erst ein paar Wochen alt sind. Auch sage ich, dass diese im Wald in einer Plastiktüte ausgesetzt worden sind. Darauf meint die Frau: „Albert, kümmere dich erst einmal um die Tiere. Zu mindestens ich kann warten!“ Dabei schaut sie die anderen wartenden Personen an und auch diese sagen dass sie warten können.

Doch der Tierarzt sagt: „Gerda wird das schon machen. Die ist euch ja bekannt. Schließlich habe ich sie ausgebildet und sie weiß mehr von kleinen Tieren wie meine Frau!“ Dabei ist er breit am grinsen. Seine Frau kommt zu ihm und haut ihm leicht in die Seite. „Komm Du mir mal nachher nach Hause! Nee Spaß beiseite: Gerda weiß wirklich mehr wie ich. Da nützt mir auch meine Jahrelange Erfahrung nichts. An ihr Wissen komme ich nicht heran. Aber ich helfe dir Gerda!“ Sie öffnet eine Tür und Herbert und ich betreten diesen Raum. Es ist ein weiterer Behandlungsraum den wir betreten. Die Tür bleibt auf, da Maria auch noch darauf achten muss, ob noch jemand die Praxis betritt.

Dann untersuche ich die Tiere. Zunächst beide Katzen, das Meerschweinchen und zum Schluss die Ratte. Alle scheinen Gesund zu sein, jedoch haben sie mit Sicherheit Durst und Hunger. Das sage ich auch zu Maria und schon ist sie wieder aus dem Raum. Gleichzeitig kommt die Frau von vorhin in dem Raum um die Tiere zu sehen. Bei der Ratte schreckt sie doch ein bisschen zurück, doch dann streichelt sie auch dieses Tier. Da kommt auch schon Maria zurück. Sie hat vier kleine Flaschen in den Händen. Sie gibt Herbert eine Flasche und sagt zu ihm, dass sich darin Katzenmilch befindet. Auch mir gibt sie eine Flasche für die andere Katze. Der Frau die im Raum steht gibt sie auch eine Flasche und sagt dabei, dass dieses für die Ratte ist. Dann greift sie zum Meerschweinchen. Kurz darauf hat jeder sein Tier auf dem Schoß und gibt diesem die Flasche.

In diesem Moment betritt der Tierarzt den Raum. Er hat den Hund der Frau an der Leine: „So Gisela, dein… äh!“ Erstaunt sieht er zu der Frau und diese schaut hoch: „Na prima! Dann halte ihn mal schön fest! Ich habe gerade keine Zeit!“ Dabei sind ihre Augen am strahlen. Neugierig fängt der Hund an der Ratte zu schnuppern, dann sieht er sein Frauchen an. Die Frau sagt jedoch kein Wort zu dem Hund sondern unterbricht ihre Fütterung und hält dem Hund die Ratte richtig hin. Nochmals schnuppert der Hund an der Ratte, dann schleckt er sie ab. Auch die anderen Tiere werden abgeschleckt. Dann legt er sich neben sein Frauchen auf den Boden.
Am nächsten Tag kamen die vier zu uns ins Tierheim. Wir hatten vor, alle mit der Flasche groß zu ziehen. Doch meistens kommt es anders als man denkt.

In einem extra Raum lebten bei uns die verwilderten Katzen, die bei uns in Behandlung waren. Sei es weil sie Krank waren und von uns gefangen wurden, oder weil sie kastriert werden sollten. Es gab auch andere gründe wie es bei Gloria der Fall war. Gloria war eine schwarz Weiße Katze und kam zu uns weil sie ihre kleinen nicht gebären konnte. Kinder hatten sie im Wald gefunden wo sie laut am jammern war. Zusammen mit dem Tierarzt machte ich einen Kaiserschnitt und holte neben vier toten Kitten auch 2 lebende ans Licht der Welt. Gloria kümmerte sich rührend um ihre beiden kleinen doch weinte sie auch viel. Vermutlich vermisste sie ihre anderen kleinen. Sehr oft kam es vor, das Gloria ihre kleinen von einem Korb in einen anderen brachte. Sie wollte offensichtlich die kleinen verstecken.

Drei Tage nachdem die vier bei uns ins Tierheim eingezogen waren, sind die in der Nacht verschwunden. Die beiden Helfer die die vier versorgen wollten, wurden durch das schmerzhafte Jaulen eines Hundes abgelenkt. Sie hatten schon die Tür zum Raum der vier geöffnet, jedoch als das jaulen erklang haben sie sofort nach gesehen. Doch sie konnten nichts finden. Als sie wieder zu den vieren zurückkamen, waren diese verschwunden. Sofort wurden die vier gesucht auch später als der normale Betrieb im Tierheim wieder los ging wurde noch nach den vieren gesucht. Doch sie blieben verschwunden.

Während der Suche fragte Ivone, eine Mitarbeiterin, auf einmal: „Wo ist denn Gloria mit ihren kleinen?“ Alle die im Raum waren schauten nun nach dem Korb in dem Gloria liegen müsste. Doch der war leer! Sofort wurde in alle Körbe geschaut die in dem Raum standen, doch nirgends war eine Spur von Gloria und ihren kleinen zu sehen. So wurde nun auch die Suche nach den drei Katzen ausgeweitet.

Es war Mittag als Gisela, die Frau die mit ihrem Hund beim Tierarzt war, ausrief: „Hier ist Gloria! Hier im Abstellraum!“ Sofort gingen alle zum Abstellraum und dann konnten wir Gloria sehen. Sie saß in einem Hundekorb und hatte alle vermissten Tiere bei sich liegen. Irgendwie musste sie aus ihrem Korb gekommen und in den Nachbarraum gegangen sein, wo sie die vier holte und auch ihre eigenen kleinen anschließend in den Abstellraum brachte. Nun waren alle bei ihr am saugen.

Nach einer kurzen Beratung, wurde beschlossen das Gloria mit den kleinen im Abstellraum bleiben darf. Es wurden Gegenstände aus dem Raum geholt und an anderer Stelle gelagert. Wir wollten Gloria ihre Ruhe lassen. Jedoch blieb die Tür zum Abstellraum nun geöffnet, so das Gloria auch etwas Ausgang genießen konnte.
Alle 7 Tiere, Gloria mit ihren zwei kleinen, die zwei gefundenen Katzen, das Meerschweinchen und auch die Ratte bekamen später ein schönes zu Hause. Gisela holte alle zu sich in ihr großes Haus. Giselas Hund freute sich riesig über seine neuen Kumpel.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #251
Winterurlaub

Nun haben wir seit 2 Jahren unser eigenes Wohnmobil. In dieser zeit sind wir über 40000km gefahren. In jedem langen Urlaub sind wir sehr viel gefahren. Immer von einem Ort zum anderen. Hat es uns an einem Ort nicht gefallen, oder war das Wetter zu schlecht, sind wir weiter. Auch an fast jedem Wochenende sind wir mit dem Wohnmobil unterwegs gewesen. Monika ist bei längerer Fahrten immer mit gefahren. Wenn Herbert und ich am Wochenende mit dem Wohnmobil gefahren sind, wollte sie meistens zu Oma und Opa. Also sind Herbert und ich alleine gefahren. Wobei Oma und Opa immer sehr erfreut waren, wenn ihre Enkelin zu ihnen gekommen ist.

Auch jetzt ist Monika bei Oma und Opa, obwohl wir diesmal für zwei Wochen in den Urlaub fahren. Diesmal ist es ein Urlaub im Winter. Wir wollen in die Berge und dafür schwärmt Monika überhaupt nicht. Noch dazu im Winter! Da bleibt sie lieber bei Oma! Also sind Herbert und ich alleine unterwegs. Sicherheitshalber haben wir noch Schneeketten geholt für unser Mobil und auch wie man die Befestigt haben wir uns zeigen lassen

Wir sind nun schon 4 Stunden unterwegs und Herbert steuert einen Autohof an. Wir wollen etwas Essen und Herbert will auch eine kleine Pause machen. Als wir auf dem Autohof ankommen ist dieser sehr voll, doch nach kurzer Suche findet Herbert einen Parkplatz. Wie immer habe ich auch diesmal meine Notfalltasche dabei als wir aus dem Mobil aussteigen. Dann gehen wir auf das Restaurant zu. Kurz bevor wir dieses erreichen sehe ich ein paar mit ihrem Hund auf einer Wiese. Der Hund ist stark am würgen. Der Mann hat ihn an den Hinterbeinen angehoben und schlägt dem Hund leicht auf den Rücken.

Ich mache Herbert auf das Paar aufmerksam und bin schon unterwegs zu dem Paar. Sofort als ich bei ihnen ankomme sieht die Frau meine Tasche und sagt: „Gott sei Dank! Ein Tierarzt! Unsere Molli hat irgendetwas geschluckt. Jetzt ist sie fürchterlich am würgen.“ Sofort kümmere ich mich um den Hund. Als der Hund mich bemerkt wird er ruhig und ich kann in sein Maul schauen ob dort etwas ist. Hinten im Rachenraum scheint irgendetwas zu sein. Bevor ich zu meiner Tasche greifen kann, reicht mir Herbert schon eine starke Taschenlampe. Sofort schalte ich diese an und leuchte in das Maul des Hundes. Ich erkenne einen Knochen oder einen kleinen Zweig eines Busches der sich dort verhakt hat.

Ich bitte den Mann den Kopf des Hundes ganz fest zu halten, dann will ich eine Pinzette aus der Tasche holen. Aber auch diese reicht mir Herbert schon. Vorsichtig führe ich die Pinzette in das Maul ein und greife damit nach dem Gegenstand. Sofort habe ich diesen Gegenstand mit der Pinzette erreicht und kneife die Pinzette fest zusammen. Dann ziehe ich an dem Gegenstand und dieser lässt sich auch leicht entfernen. Dann habe ich den Gegenstand aus dem Maul des Hundes entfernt und der Mann lässt seinen Hund los. Sofort kommt der Hund zu mir und schleckt an meiner Hand. Ich streichele ihm über den Kopf. Dann stehe ich wieder auf und packe Pinzette und Taschenlampe wieder in die Tasche. Später werde ich die Pinzette richtig reinigen. Die Frau und der Mann bedanken sich überschwänglich bei mir und schon nach kurzer Zeit gehen Herbert und ich wieder in Richtung Restaurant.

Etwa eine Stunde später sind wir wieder unterwegs. Am Abend steuert Herbert einen Stellplatz für das Wohnmobil an. Da Heizung und Kühlschrank mit Gas betrieben werden, brauchen wir keinen Stromanschluß. Im Wohnmobil ist es auch richtig warm. Gegen 22.00 Uhr legen Herbert und ich uns Bett. Kurz unterhalten wir uns noch, dann löscht Herbert das Licht.

Am nächsten Morgen ist Herbert schon früh auf den Beinen. Da der Stellplatz direkt an einem Ortsrand liegt, geht er los um Brötchen zu holen. Ich dusche inzwischen und danach bereite ich den Kaffee vor. Dieser ist noch nicht ganz durch die Maschine gelaufen als Herbert wieder das Wohnmobil betritt. Er hat frische Brötchen bekommen und erzählt, dass der Bäcker nur 200 Meter entfernt ist. Nachdem wir gefrühstückt haben, machen wir uns wieder auf den weg. Wir hoffen noch heute Abend an unserem Ziel an zu kommen. Dieses ist ein kleiner Ort in den Schweizer Alpen.

Am frühen Abend erreichen wir unser Ziel. Schon auf der Hinfahrt, sobald wir die Alpen erreichten, wurde der Schnee am Fahrbahnrand immer höher. Kurz vor dem Ziel türmte sich der Schnee Meterhoch. Die Straße die wir fahren ist als Einbahnstraße ausgeführt. Es muss also noch eine zweite Straße aus dem Ort heraus führen. Als wir in den Ort fahren, sehen wir sofort ein Hinweisschild der zu einem Stellplatz für Wohnmobile führt. Langsam folgt Herbert der Beschilderung, denn auf der Straße ist eine festgefahrene Schneedecke. Als wir den Platz erreichen kommt ein junger Mann auf uns zu. Er erklärt uns, dass wir wenn wir wollen Strom bekommen können, sofern wir ein Stromkabel haben. Da wir dieses haben, schließt Herbert dieses auch an. Dafür wird natürlich eine kleine Gebühr fällig, welche wir aber erst bei Abreise entrichten müssen.

Herbert und ich haben vor drei Tage hier zu bleiben. Dann wollen wir weiterfahren um noch mehr von den Alpen zu sehen. Nachdem alle Arbeiten erledigt sind, gehen wir beide in ein Restaurant zum Essen. Schnell kommen wir mit anderen Touristen in Kontakt. Da wir beide noch nie auf Skiern gestanden haben, erklärt man uns, wo die beste Skischule des Ortes ist. Da auch der Leiter der Schule in dem Restaurant ist, kommen wir auch mit ihm ins Gespräch. Wir verabreden uns für den nächsten Tag. Dann sollen wir auch Ski Leihweise erhalten. Herbert und ich freuen uns schon auf unsere ersten Gehversuche mit Skiern.

Am nächsten Morgen sind wir pünktlich um 9.00 Uhr in der Skischule. Zunächst bekommen wir unsere Ski und die dazu passenden Schuhe. Nach einer kurzen Einweisung wie die Ski befestigt werden, geht es auch schon nach draußen. Natürlich nur zu einem Übungshügel, aber jeder hat irgendwann angefangen. Zunächst gibt es vom Skilehrer, er heißt Michael, eine Einweisung. Mit uns sind noch vier andere Paare bei dieser Schulung. Auch die ersten Versuche mit den Ski zu fahren werden gemacht. Wenn dabei jemand stürzt wird nicht gelacht, auch werden keine dummen Bemerkungen gemacht. Am Nachmittag geht es zu einem anderen Hügel der etwas steiler ist, wie der erste. Auch dabei kommt es zu stürzen. Aber es ist wie beim ersten Hügel. Sieht der Sturz noch so komisch aus, keiner von uns Lacht. Irgendwann fragt mich Michael was es mit der Tasche auf sich hat, die ich natürlich wie immer mitführe. Eine kurze Erklärung von mir und Michael ist erst einmal zufrieden.

Viel zu schnell geht der Übungstag vorbei und wir verabreden uns alle nachher in einem Restaurant. Eine Stunde später sitzen wir alle im Restaurant an einem Tisch. Eigentlich sind es zwei Tische aber wir haben diese mit Erlaubnis des Gastwirtes zusammen geschoben. Auch Michael ist da. Mehrere Stunden sitzen wir zusammen und Michael gibt uns wertvolle Tipps. Gleichzeitig warnt er davor niemals die gekennzeichnete Piste zu verlassen. Denn Abseits würden Gefahren drohen die nicht zu unterschätzen sind. Hierbei erkläre ich Michael auch den Sinn und Zweck der Tasche. Er ist ganz erstaunt und auch die anderen Staunen. Nur erwähne ich nicht, dass ich keine TÄ bin.

Am nächsten Morgen treffen wir uns alle wieder. Es klappt immer besser mit dem Fahren bei allen. Somit wagen wir uns dann auf einen weiteren Hügel der wiederum steiler war die die beiden vorherigen. Ohne Sturz kommen Herbert und ich durch den Tag. Auch die anderen schaffen es am späten Nachmittag ohne Sturz. Somit war der Lehrgang beendet und wir verabredeten uns wieder für den Abend. Auch Michael sagte sein kommen zu.

Wir sitzen schon zwei Stunden zusammen als von draußen ein lautes Gepolter zu hören ist. Gleichzeitig erfüllt ein Rauschen die Luft. „Da kommt eine Lawine herunter!“ sagt Michael, dann steht er auf und will zur Tür gehen. In diesem Moment fängt das ganze Haus in dem wir, sind zu schwanken. So muss sich ein Erdbeben anfühlen. Kurz darauf ist alles vorbei. „Keiner verlässt den Raum!“ ordnet Michael an und reißt die Tür auf. Direkt davor steht ein Mann der zur Klinke greifen wollte, nun sagt er: „Die Lawine ist genau am Mobilheimpark runter gekommen. Fast alle Wohnmobile sind weg. Michael komm, Du musst den Einsatz leiten.“

Da meldet sich Herbert zu Wort: „Können wir helfen. Ich bin Arzt und meine Frau hat die nötige Ausbildung um zu helfen!“ Michael winkt uns heran und nachdem wir unsere Winterjacken angezogen haben laufen wir zum Wohnmobilpark. Beide hoffen wir, das unser Mobil nicht beschädigt worden ist. Als wir den Parkplatz sehen können, sehen wir sofort, das genau die Ecke von der Lawine erfasst wurde, auf dem unser Mobil gestanden hat. Nun ist es weg, dafür türmt sich an der Stelle der Schnee meterhoch.

Etwas weiter entfernt türmen sich an einer steil ansteigenden Hangseite die Mitgerissenen Wohnmobile. Auch jede Menge Schnee ist dort. Schon kommen viele Leute angelaufen die mit Schaufeln bewaffnet sind. Diese fangen sofort an den Schnee von den Mobilen zu entfernen.

„In einigen der Mobilheime sind noch Leute! Los fangt an zu schaufeln!“ ruft irgend jemand. Auch Herbert nimmt eine Schaufel und fängt an den Schnee von einem Wohnmobil zu entfernen. Michael tritt zu mir und sagt: „Dein Mann ist doch Zahnarzt! Meinst Du er kann Brüche und was weiß ich noch behandeln?“ Ich antworte nur: „Klar! Das Studium ist doch bei allen Ärzten gleich. Erst später kommt die spezielle Ausbildung zum Zahnarzt!“ Michael gibt mir Recht. Da kommt ein Mann heran gelaufen. Schon von weitem ruft er: „Michael, hast Du den Tierarzt gesehen? Da hinten ist ein Hund der von seinen Schmerzen erlöst werden muss!“

Sofort reagiere ich und frage wo der Hund ist. Erstaunt sieht der Mann mich an, dann sieht er meine Tasche mit dem Veterinäremblem. Sofort läuft er los und ich folge ihm. Kurz darauf stehen wir vor einen Stall oder was von dem über geblieben ist. Der Stall ist vom Rand der Lawine getroffen worden und komplett zusammen gefallen. Nur ein Hund war in dem Stall, noch dazu angekettet. Nun liegt der Hund neben dem eingestürzten Stall und ist noch immer an einen Balken gekettet.

Langsam werde ich wütend. Schnell bücke ich mich zu dem Hund und im gleichen Moment werde zurück gerissen. „Sind Sie Lebensmüde? Der Hund ist gefährlich! Was meinen Sie warum ich den angekettet habe?“ Da ich gestürzt bin stehe ich auf. Nun koche ich richtig vor Wut. Ganz langsam gehe ich auf den Mann zu. Als ich nur noch wenige Zentimeter vor ihm stehe, schnellt meine Hand vor und ich packe ihm am Kragen. „Mache das nie wieder! Pack mich noch einmal an und Du wirst anschließend nicht mehr wissen ob Du Männchen oder Weibchen bist. Jetzt mach sofort die Kette los, sonst kannst Du was erleben!“

Ganz erstaunt sieht er mich an. Damit hatte er nicht gerechnet. Er holt ein Schlüsselbund aus seiner Hosentasche, aber er geht nicht zu dem Hund. Ich nehme ihm einfach den Schlüssel weg und bücke mich wieder zu dem Hund. Nach kurzem suchen habe ich den Schlüssel gefunden der die Kette vom Halsband löst. Die ganze Zeit schaut mich der Hund an. Als die Kette auf den Boden fällt, schnuppert der Hund an meiner rechten Hand. Dann schleckt er diese ab.

Ich fange an den Hund ab zu tasten als wieder die Stimme des Mannes ertönt: „Nun streichelt sie noch das Vieh. Gib dem Sch…. Hund endlich die Spritze, damit ich den endlich los bin.“ Ich glaube ich höre nicht richtig. Obwohl ich schon wieder vor Wut koche, taste ich den Hund weiter ab. Anscheinend hat er nichts gebrochen. Das einzige was ich feststellen kann, seine rechte Schulter ist ausgekugelt. Also nichts Schlimmes. Ich greife zur meiner Tasche und hole das Schmerzmittel und das Narkosemittel heraus.

Wieder ertönt die Stimme des Mannes: „Endlich! Wird aber auch Zeit das Sie dem Mistvieh die Spritze geben.“ Nun reicht es mir. Langsam stehe ich auf und sage dabei: „Die Mittel die ich hier habe, wirken auch bei Menschen! Wenn Sie jetzt nicht sofort verschwinden passiert was. Hau endlich ab Mann, und lass dich nie wieder in der Nähe des Hundes sehen. Verschwinde!“ Der Mann schaut mich wütend an, dann schaut er in die Runde. Etwa 25 Frauen stehen um uns.

Da dreht sich der Mann um und geht. Gleichzeitig tritt eine junge Frau von etwa 25 Jahren auf mich zu. Sie reicht mir die Hand und sagt dabei: „Ich bin Monika. Ich arbeite bei dem Tierarzt. Wie kann ich helfen?“ Fest drücke ich ihre Hand und nenne dabei meinen Namen. Dann sage ich ihr was der Hund hat und zusammen behandeln wir den Hund. Zunächst bekommt er eine leichte Narkose und als er schläft renke ich seine Schulter wieder ein. Danach lege ich mit Hilfe von Monika einen Verband an um die Schulter zu stabilisieren. Nachdem das fertig ist, setzte ich die Schmerzspritze und eine Spritze damit der Hund wieder wach wird. Als ich aufstehe tritt eine ältere Frau zu uns und sagt dabei, dass sie den Hund gerne nehmen wird. Ich kläre sie noch auf, dass der Hund spätestens Morgen zum Tierarzt muss um geröntgt zu werden. Sie sagt: „Alles klar“, bückt sich und nimmt den Hund auf den Arm.

In diesem Moment kommt ein junger Mann dazu: „Sind Sie die TÄ? Dort hinten sind noch einige verletzte Tiere. Leider ist unser Tierarzt nicht da.“ Schnell gehe ich zusammen mit Monika zu den Tieren. Diese liegen alle, es sind insgesamt drei Hunde und zwei Katzen, neben einer Hauswand. Monika sagt: „Das ist die Praxis vom Tierarzt. Moment, ich habe einen Schlüssel. Dann können wir drinnen weiter machen.“ Und schon öffnet sie die Tür.

Mir kommen zwar bedenken ein fremdes Haus zu betreten aber Monika zerstreut diese schnell. Anschließend werden die Tiere behandelt. Keines ist sehr schwer verletzt. Zwei Hunde und auch eine Katze haben sich eine Pfote gebrochen und die anderen haben nur Prellungen. Schon nach etwa zwei Stunden sind alle Tiere versorgt. Alle bleiben zunächst in der Praxis des Tierarzt. Später können sie von ihren Besitzern abgeholt werden.

Als ich nach draußen gehen will, höre ich das Telefon in der Praxis läuten. Monika nimmt ab und spricht einige Minuten mit dem Teilnehmer. Als sie wieder aufgelegt hat, kommt sie zu mir und sagt: „Das war der Tierarzt. Er findet es in Ordnung dass Sie seine Geräte benutzt haben. Er war erstaunt, dass überhaupt ein Tierarzt hier im Ort ist. Da die Straße auch verschüttet ist, kann er nicht sofort kommen. Aber sobald die Straße frei ist, kommt er sofort. Sie sollen solange weitermachen.“ Ich nicke nur mit dem Kopf, dann gehe ich in Richtung wo unser Wohnmobil gestanden hat.

Dort angekommen frage ich einen der Helfer wo denn die Ärzte sind. Er zeigt auf ein Haus und sagt dabei: „Dort in der Schule sind alle. Mann, da ist einer bei der das Kommando übernommen hat. Der ist richtig. Obwohl nur Zahnarzt hat er schon drei Personen behandelt. Mann, was für ein Kerl!“ Ich muss Lächeln und gehe auf das Haus zu. Dort treffe ich Herbert der gerade eine Pause macht. „Unser Wohnmobil ist Schrott. Totalschaden! Der ganze Aufbau ist abgerissen. Aus den anderen Mobilen sind alle Personen gerettet. Zum Glück hat es keine Todesopfer gegeben. Ein paar Verletzte das war es Gott sei Dank schon.“

Auch ich schildere ihm meine Erlebnisse. Zusammen gehen wir in den Klassenraum in dem die Verletzten auf Notbetten gelegt wurden. Es sind noch zwei Ärzte da, die sich im Moment um die Kranken kümmern. Herbert und ich setzten uns auf zwei Stühle und schauen uns um. „Wenn ich doch nur ein Röntgengerät hätte. Bei einer Frau kann ich nicht genau feststellen was sie hat. Sie müsste sofort geröntgt werden. Aber im Moment können wir nicht aus dem Ort. Die Straße ist verschüttet und das nächste Röntgengerät ist 10 Kilometer entfernt.“

Ich frage ihn ob ein Gerät in einer Tierarzt-Praxis reicht. Erstaunt sieht er mich an. Dann wird er ganz hektisch. Sofort wird die Frau auf eine Trage gelegt und schon heben vier Männer die Frau an und folgen Herbert und mir. Ich hoffe die Monika noch in der Praxis ist, da ich nicht weiß wo sie wohnt. Kurz darauf sind wir bei der Praxis. Monika ist noch da und sie meint, dass sie die ganze Nacht bei den Tieren bleiben will. Schnell wird die Frau unter das Röntgengerät gelegt. Da das Gerät nicht für Menschen ausgelegt ist, wird die Liegefläche einfach mit einer Tür als Auflage verlängert. So kann die Frau geröntgt werden. Bei der Auswertung stellt sich heraus, dass die Verletzung doch nicht so schwer ist, wie vermutet. Nur ein starker Bluterguss drückt auf ihre Wirbelsäule.

Zusammen gehen wir wieder zur Schule. Dort beraten Herbert und ich wie es nun weitergehen soll mit unserer Situation. Wir wollen sobald es hell ist zu den Resten unseres Wohnmobiles und versuchen noch einige Sachen aus diesem zu bergen. Irgendwann schlafen wir auf unseren Stühlen ein und werden wieder wach durch lautes Motorengeräusch. Es sind mehrere Hubschrauber die in der Nähe landen. Kurz nachdem die Hubschrauber gelandet sind, erscheinen Hilfskräfte in der Schule. Es sind mehrere Ärzte und Sanitäter. Jeder Verletzte wird, nachdem von Herbert erklärt worden ist, was die Patienten haben in einen Hubschrauber gebracht und zur nahen Klinik geflogen. Nachdem die Schule leer ist, gehen Herbert und ich zu den Resten des Mobiles. Herbert holt noch einige Bekleidungsstücke aus dem Wagen. Auch einen Koffer holt er hervor in dem wir die Sachen packen. Danach schlendern wir wieder in Richtung Ortsmitte. Wir wollen versuchen ein Hotelzimmer zu bekommen.

Schon im ersten Hotel erfahren wir, das kein Zimmer mehr frei ist. Doch der Mitarbeiter des Hotels ruft alle Hotels an die es in dem Ort gibt. Kein Zimmer mehr frei. Nun bleiben nur noch die Privatzimmer. Gerade als wir das Hotel verlassen läuft uns Monika über den Weg. „Ich suche Sie schon! Sie brauchen doch jetzt mit Sicherheit eine Unterkunft! Bei meiner Mutter ist noch ein Zimmer frei! Wenn Sie mir folgen würden.“ Natürlich folgen wir Monika und kurz darauf sind wir bei dem Haus. Wir werden von Monikas Mutter herzlich begrüßt und sie zeigt uns sofort unser Zimmer. „Machen Sie sich frisch, dann kommen Sie in die Küche. Ihr Frühstück wartet schon.“ sagt sie und geht wieder in Richtung Küche. Eine Stunde später sitzen wir in der Küche und lassen uns den Kaffee und die Brötchen gut schmecken. Dabei erfährt Monika nun auch, dass ich keine TÄ bin sondern nur eine Sonderausbildung habe. Etwa gegen 14.00 Uhr gehen wir wieder nach oben. Wir wollen uns ein bisschen Ausruhen, doch schon nach einer halben Stunde wird an der Tür geklopft. Wir sollen nach unten kommen ins Wohnzimmer, man wartet dort auf uns.

Als wir das Wohnzimmer betreten erheben sich drei Männer von ihren Stühlen. Es sind der Bürgermeister des Ortes, der Einsatzleiter der Rettungskräfte und der Tierarzt. Alle bedanken sich bei uns beiden dafür, dass wir so schnell geholfen haben. Besonders Herbert bekommt sehr viel Lob für die Behandlung der Verletzten Personen. Schließlich ist er ja nur Zahnarzt. Aber auch ich bekomme ein lob ausgesprochen, dafür das ich die Tiere behandelt habe. Wir sitzen noch etliche Stunden zusammen und unterhalten uns. Dann können wir endlich ins Bett.

Drei Tage später holt uns Herberts Vater mit seinem Wagen ab. Er bringt uns nach hause. Ein anderes Wohnmobil haben wir uns nie wieder geholt, sondern immer eines ausgeliehen wenn wir unterwegs sein wollten. Auch haben wir nie wieder im Winter Urlaub in den Bergen gemacht. Der Hund hatte im übrigen ein wunderschönes neues zu hause bekommen.
 
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Wochenende ohne Herbert

Ich schlendere an einem Samstag durch die Einkaufsstraße unserer Stadt. Herbert ist nicht dabei! Der ist auf einem Fortbildungslehrgang der eine Woche dauern soll. Er kommt erst Morgen wieder nach Hause. Da auch ich an diesem Wochenende frei habe, bin ich mit dem Bus in die Stadt gefahren um einen Schaufensterbummel zu machen. Großartig etwas Kaufen will ich nicht.
So gehe ich also von einem Laden zum nächsten. Gehe auch mal hier und dort in einen Laden. So komme ich auch in ein großes Kaufhaus Das geht über mehrere Etagen. In den beiden ersten Etagen gibt es Bekleidung, in der nächsten beherrscht Porzellan und Glas Gegenstände die Auswahl. In der letzten Etage gibt es Elektroartikel wie Fernseher, Radios, Schallplatten und vieles mehr.

Ich betrete also das Kaufhaus und gehe auf die Aufzüge zu. Mit denen will ich in die oberste Etage fahren, weil ich schauen will ob eine bestimmte Platte da ist. Dabei führt mein weg auch an den Rolltreppen vorbei. Gerade als ich bei denen ankomme, ertönt von oben das schmerzhafte jaulen eines Hundes. Sofort sehe ich hoch, doch ich kann nichts sehen. Nur wird in diesem Moment die Rolltreppe gestoppt. Alle die sich darauf befinden müssen nun wie auf einer normalen Treppe weiter gehen.

Auch ich betrete die Rolltreppe und gehe nach oben. Dort ist nicht zu sehen, welcher Hund gejault hat. Also gehe ich weiter hoch zur nächsten Etage. Aber auch dort ist kein Hund. Erst als ich zur nächsten Etage hoch gehe, sehe ich dort einen kleinen Menschenauflauf. Sofort gehe ich dorthin und drängle mich durch die Menschenmenge. Es wird zwar geschimpft über mich, als aber eine Frau meine Tasche sieht und ruft: „Der Tierarzt ist da!“ habe ich viel platz und sehe sofort den Hund, der noch immer am jaulen ist.

So wie es aussieht ist er mit einer Pfote an der Rolltreppe hängen geblieben. Dabei hat er sich mindestens zwei seiner krallen abgerissen die nun stark bluten. Sofort bücke ich mich zu dem Hund und streichele ihm zunächst über den Kopf. Das scheint ihn etwas zu Beruhigen, denn sein jaulen wird leiser. Nun schaue ich mir seine Pfote genauer an. In der Tat sind zwei krallen komplett abgerissen und eine dritte Kralle wird nur noch von einem Hautfetzen gehalten.

Vertrauensvoll schaut mich der Hund an und ich streichele ihn nochmals. Dann hole ich ein Schmerzmedikament aus meiner Tasche und mache eine Spritze fertig, die ich auch sofort ansetzte. Kurz drauf stellt der Hund sein jaulen ein und ich lege dem Hund einen Verband an. Mehr kann ich im Moment nicht machen, da der Hund sofort in eine Tierarzt-Praxis muss. Das sage ich auch zu den Besitzern des Hundes und die versprechen sofort zu einer TK zu fahren. „Einkaufen können wir später, wenn Teddy beim Arzt war. Und wenn wir den Einkauf nicht mehr schaffen, gehen wir eben nächste Woche los.“ Sagt der Mann. Ich weise ihn darauf hin, dass die Läden heute besonders lang aufhaben. Er bedankt sich bei mir und nimmt den Hund auf den Arm. Dann gehen er und seine Frau davon.

Auch ich erhebe mich, nachdem ich mein Material wieder in die Tasche getan habe und gehe weiter. Ich bleibe noch über eine Stunde in dem Kaufhaus. Als ich dieses verlasse, ist es leicht am Regnen. Das stört mich nicht, denn bis zum nächsten Kaufhaus sind es nur etwa 100m und man kann fast die gesamte Strecke unter den Vordächern der Kaufhäuser gehen.

Als ich das Kaufhaus betrete, sehe ich neben dem Eingang ein Regal in dem verschiedene Regenschirme angeboten werden. Spontan entschließe ich mich dazu eine zu erwerben. Nachdem ich einen gefunden habe der mir gefällt und diesen Bezahlt habe, gehe ich weiter durch die verschiedenen Abteilungen des Kaufhauses. Ich kaufe noch ein paar Kleinigkeiten, dann mache ich mich auf den Rückweg zum Bus. Inzwischen ist es viel fester am regnen und ich beglückwünsche mich selber, das ich mir den Schirm geleistet habe. Langsam schlendere ich in Richtung Haltestelle des Busses. Immer wieder bleibe ich trotz Regen vor den Schaufenstern stehen und schaue mir die Auslage an. Dabei stört mich der Regen dank des Schirmes nicht. Dann bin ich an der Haltestelle. Da das Wartehäuschen schon sehr voll ist, bleibe ich vor diesem stehen.

Als der Bus kommt, sehe ich ihm natürlich wie alle anderen entgegen. Dabei sehe ich, dass irgendetwas unter dem Bus herunter fällt. Als der Bus steht und der seine Tür öffnet, ich stehe als erster an der Tür, sage ich dem Fahrer sofort, das er etwas verloren hat und dieses jetzt unter dem Bus liegen müsste. Ungläubig schaut er mich an, aber ein älterer Herr und ein junger Mann bestätigen meine Aussage. Da steigt der Fahrer aus und schaut unter den Bus. Auch ich schaue unter den Bus sowie noch einige anderen Personen. Mitten unter dem Bus liegt ein schwarzes etwas. Man kann nicht genau erkennen was es ist.
"Ich fahre mal ein paar Meter vor bis man erkennen kann was es ist. Ich hoffe nichts Wichtiges sonst müssen Sie auf einen Ersatzbus warten.“ Meint den Fahrer und steigt wieder in seinen Bus. Dann fährt er etwas mit seinem Bus vor. Nun kann man erkennen was es ist und mich durchfährt ein heißer Schreck. Da liegt ein kleines Kätzchen von höchstens zwei Tagen. Sofort drängle ich mich durch die Neugierigen. Kurz kommt Protest auf, aber meine Tasche öffnet mir den Weg. Dann bin ich bei dem Kätzchen.

Ich stelle meine Tasche ab und hole aus dieser ein Stethoskop! Dann höre ich die kleine ab. Sie lebt noch. Meinen Schirm hatte ich neben mir abgelegt und als ich merke dass ich nicht mehr nass werde schaue ich kurz hoch. Der junge Mann hält meinen Schirm über mich. Ich murmele kurz „Danke“ dann untersuche ich das kleine weiter. Ich überlege dabei, denn wo ein solch kleines Kätzchen ist, könnten auch noch mehr sein. Das sage ich zu dem Busfahrer.

„Dann bleibt der Bus eben stehen, bis das geklärt ist! Ich rufe jetzt im Bus Hof an. Die sollen entscheiden was geschehen soll.“ Sagt der Fahrer. Ich sage ihm noch, er soll sagen das ich an Ort und stelle bin. Dabei nenne ich meinen Namen. Neben der Haltestelle ist ein Telefon nur für die Busfahrer und dort geht der Fahrer hin. Während er telefoniert lege ich das Kätzchen auf meine Trage und stehe auf. Noch immer hält der junge Mann meinen Schirm und als ich mich umsehe, erkenne ich doch schon eine große Menschenmenge um uns herum

Es dauert etwa 10 Minuten, da kommt ein anderer Bus der die Leute abholen soll. Doch keiner steigt ein um den neuen Bus zu nehmen. Ich habe inzwischen einer älteren Frau das kleine Kätzchen gegeben, denn ich habe vor unter den Bus zu kriechen. Doch der Fahrer und auch andere Personen halten mich davon ab. Kurz nachdem der neue Bus gekommen ist, hören wir ein Martinshorn das schnell näher kommt. Als der zweite Busfahrer das hört, fährt er schnell mit seinem Bus weiter. Dann hält auch schon die Feuerwehr hinter unserem Bus und sechs Männer springen aus dem Fahrzeug.

Dann geht alles sehr schnell. Nachdem die Männer wissen worum es geht, kriechen drei Männer unter den Bus und fangen an diesen am Unterboden ab zu suchen. Auf einmal ruft einer der Männer: „Hier muss es sein! Ich höre deutlich eine Katze Miauen! Das Blech muss hier weg! Ich brauche sofort unser Werkzeug!“ Damit meint er ein paar Schraubenschlüssel. Nach kurzer Zeit wird es ihm unter den Bus gereicht und er beginnt das Blech, welches stört, zu entfernen. Ein anderer Feuerwehrmann hält das Blech fest, während der erste die Schrauben löst. Dann sind alle Schrauben los und das Blech wird zur Seite gelegt.

Kurz darauf reicht einer der Männer noch ein kleines Kätzchen unter dem Bus hervor, welches ich in Empfang nehme. Sofort laufe ich in den Bus um die Katze zu untersuchen. Immer mehr Tiere werden in den Bus gebracht. Zum Schluss sind es 5 junge Katzen und das Muttertier. Diese faucht zwar fürchterlich, kratzt oder Beisst aber keinen der Retter. Erst als sie ihre jungen wiedersieht, hört sie auf zu fauchen.

Da alle Jungtiere auf einem Sitz liegen, wird die Mama dazu gelegt. Nun kann ich auch die Mutter untersuchen, was sie sich auch gefallen läßt. Ihr fehlt nichts. Auch bei vieren der Jungkatzen kann ich nichts feststellen. Nur das kleine Kätzchen, welches aus dem Bus gefallen ist, machte mir Sorgen. Denn es bewegte sich nicht. Herzschlag und Atmung waren vorhanden. Wenn auch erhöht. Ich muss sofort mit den Tieren ins Tierheim. Das sage ich auch laut.

Da meldet sich ein Mann von etwa 50 Jahren. „Klaus, lass dir das Blech geben, schmeiß den Hobel an und dann nichts wie zum Tierheim. Meine Damen und Herren, ich bin der Einsatzleiter dieser Buslinien und bitte Sie den Bus zu verlassen, damit die Tiere schnellstens ins Tierheim kommen und Behandelt werden können!“ Während er das sagt, fällt mir erst auf, dass der Bus gerammelt voll ist. Alle wollen wissen was mit den Tieren ist! Da keiner der Personen im Bus Anstalten macht diesen zu verlassen, schliesst der Fahrer die Türen und fährt los. Sämtliche Sitzplätze sind belegt und auch alle Stehplätze. Nur in der Reihe wo die Katzen waren, war außer der älteren Frau, die die Katzen streichelte, niemand.

Nach etwa 15 Minuten biegt der Bus zu unserem Tierheim ein und als er hält und die Türen wieder offen sind, strömten alle Leute aus dem Bus. Ich nehme das Kätzchen, welches aus dem Bus gefallen war, mitsamt der Trage und gehe schnell in den Behandlungsraum. Ich macht einige Röntgenaufnahmen des Tieres und als ich diese Auswertete, stellte ich fest, dass die Katze nur eine riesige Beule am Kopf hat und ohnmächtig ist. Trotzdem bekommt sie von mir eine Aufbauspritze und eine Spritze um den Kreislauf zu stärken. Dann bringe ich die kleine wieder zur Mutter.

Diese freut sich riesig als sie ihr junges sieht und fängt an zu schnurren. Natürlich will ich nun wissen wie die Katze in den Zwischenraum des Busses gekommen sind. Der Einsatzleiter erklärt daraufhin: „Bei uns auf dem Betriebshof leben einige verwilderte Katzen. Diese werden von uns versorgt. Der Bus hat bis vor zwei Stunden noch in der Werkstatt gestanden. Er stand schon seit vier Tagen dort. Innerhalb dieser zeit muss die Katze in den Hohlraum geklettert sein und hat ihre jungen Geboren. Heute Morgen ist das keinem aufgefallen als das Blech wieder angeschraubt wurde. Durch einen kleinen Spalt muss dann die kleine heraus gerutscht sein und auf die Straße gefallen sein. Anders kann ich mir das nicht vorstellen!“

Auch ich bin sicher dass es so war. Wäre das kleine Kätzchen nicht herausgefallen, hätte keines der Tiere überlebt. Wir bringen die Mutter mit ihren kleinen in einen anderen Raum und gehen dann nach draußen. Noch immer warten die Menschen dort auf uns. Ich erklärt kurz, dass alle Tiere Wohlauf sind und auch besagtes kleines Kätzchen sich erholen wird. Dann stiegen alle Leute wieder in den Bus und dieser verlässt das Tierheim-Gelände.

Am nächsten Tag kam die ältere Frau um nach den Katzen zu sehen. Das kleine Kätzchen saugte auch schon sehr kräftig an der Mutter. Jeden Tag kam nun die ältere Frau um die Katzen zu besuchen und nach 14 Wochen nahm sie alle mit nach Hause wo sie ein schönes heim bekamen. Zum Abschied kam noch einmal die Mama zu mir und ließ sich von mir ausgiebig streicheln. Dann ging sie in den Tragekorb und ein Mitarbeiter brachte die Tiere zusammen mit der Frau nach hause.
Als Herbert am nächsten Tag, von seinem Lehrgang, nach hause kam, bereitete ich wie immer sonntags unser Essen zu. Er fragte mich wie es denn ohne ihn war und ich sagte nur: „Ganz normal. Du kennst das ja schon!“
 
  • Post aus Bayern Beitrag #253
Es sind wunderbare Geschichten, die gehen teilweise unter die Haut. Habe noch nicht alles gelesen, werde ich schnellstens nachholen. Hut ab für so viel Initiative für die ganzen Tiere.

LG Ramona
 
  • Post aus Bayern Beitrag #254
Mallorca Urlaub

In diesem Jahr wollen wir nach Mallorca. Wir, das sind Herbert unsere 14jährige Tochter Monika und ich. Nach Mallorca deswegen, weil die Freunde und Freundinnen von Monika auch dort sind und diese sich verabredet haben. Diese Verabredung war zwar nicht von uns geplant, denn den Mallorca Urlaub haben wir schon vor einem halben Jahr gebucht. Natürlich auf drängen von Monika, die anscheinend schon im vor raus wusste, das ihre Freunde zu diesem Zeitpunkt dort sind. Sie hat solange von Mallorca geschwärmt (Gebettelt) bis Herbert und ich zugestimmt haben.

Morgen in aller frühe soll unser Flieger gehen. Das heißt für uns: Sehr früh aufstehen, eine Stunde mit dem PKW zum Flugplatz fahren und dann warten. Aber was macht man nicht alles für die Kinder! Ob ich meine Notfalltasche mitnehme weiß ich noch nicht. Ich tendiere zwar diese mit zu nehmen, aber Herbert meint dass es wegen der BTM-Mittel eventuell am Flughafenzoll Schwierigkeiten geben kann. Auch Monika möchte dass ich die Tasche zu Hause lasse. Sie meint: „Mach jetzt einfach Urlaub! Du musst nicht jedem Tier helfen welches Du siehst!"


Natürlich habe ich meine Tasche am nächsten Tag mit dabei. Ich kann einfach nicht ohne. Herbert schaut zwar komisch, aber er sagt nichts. Schließlich kennt er mich. Nur Monika nörgelt ein bisschen, gibt aber nach kurzer Zeit Ruhe.

Um 5.00 Uhr fahren wir los. Unser Gepäck hatten wir schon am Abend ins Auto geladen. Nur meine Tasche wird nicht ins Auto getan, die nehme ich erst kurz vor unserer Abfahrt an mich. Um kurz nach 6.00 Uhr sind wir am Flughafen und setzen uns erst einmal in den Wartebereich. Die Flugschalter für unseren Flug sind noch geschlossen. Bis diese öffnen sind noch 25 Minuten Zeit. Als diese geöffnet werden, sind wir mit die ersten die durch die Schalter gehen. Nachdem ich meine Genehmigungen vorgezeigt habe, bekomme ich nur ein Dokument und schon ist alles erledigt. Noch etwas warten, dann geht es in den Flieger.

Monika ist sehr nervös, da es ihr erster Flug ist. Herbert und ich sind die Ruhe in Person. Ich versuche Monika etwas zu beruhigen: „Monika, Du brauchst keine Angst zu haben. Das fliegen ist wie Autofahren. Nur das man keine Straße unter den Rädern hat. Außerdem ist noch nie ein Flugzeug oben geblieben.“
Daraufhin muss Monika, aber auch Herbert und einige Personen die das mit gekriegt haben laut Lachen. Aber die Nervosität von Monika ist weg und das wollte ich erreichen.

Schon bald sind wir in der Luft und Herbert und ich lösen unsere Sicherheitsgurte. Nur Monika bleibt während des ganzen Fluges angeschnallt. Nach etwas über zwei Stunden landet der Flieger in Palma de Mallorca. Herbert hat bei der Buchung der Reise einen Mietwagen bestellt. Darum gehen wir zu Vermietstation und nehmen unser Fahrzeug in Empfang. Herbert meint als er den Wagen sieht: „ Dann wollen wir mal schauen wie sich ein Golf fährt“ und nachdem er im Auto sitz: „Fast so wie unser Wagen! Nur ohne Hintern!“ Monika und ich müssen herzhaft über diesen Spruch Lachen. Herbert steigt noch einmal aus und lädt unser Gepäck in den Wagen. Dann fahren wir zu unserem Hotel.

Nur zweimal musste ich meine Notfalltasche benutzen. Beim ersten mal hatte sich ein Hund, der einem Hotelangestelltem gehörte, einen Dorn in die Pfote getreten. Er bekam von mir, nachdem ich den Dorn entfernt hatte, eine AB-Spritze und einen Verband. Der zweite Einsatz war, als sich eine Frau an einem Stück Glas welches im Wasser war, einen Fuß aufgeschnitten hatte. Auch sie bekam von mir einen Verband und den Rat zum Arzt zu gehen, da die Wunde doch sehr tief war. Am nächsten Tag kam sie und bedankte sich bei mir.

Monika war viel mit ihren Freunden unterwegs. Teilweise haben wir sie von Morgens bis Abends nicht gesehen. Doch war sie immer pünktlich wieder bei uns. Wir haben sie gewähren lassen und viele Jahre später hat sie einmal zu uns gesagt: „Das war der schönste Urlaub, den ich jemals in meinen jungen Jahren gehabt habe. Vielen Dank Mama und Papa!“ Da war sie selber schon 30 Jahre alt. Viel zu schnell war der Urlaub vorbei und als wir unsere Koffer packten sagte meine Tochter zu mir: „Du Mama! Darf der Peter, Du kennst ihn, ab und zu bei uns vorbei schauen? Ich habe den richtig Lieb!“ Was soll man daraufhin als Mutter antworten? Natürlich durfte Peter zu uns kommen und er war lange Zeit ihr fester Freund.

Kurze Zeit später fuhren wir zum Flughafen und Herbert gab den Wagen zurück. Sein Kommentar, nachdem er wieder bei uns war: „Nicht schlecht solch ein Auto. Aber den müsste es auch als Kombi und eine Nummer größer geben dann wäre er was für uns. Der braucht viel weniger Sprit wie unser Rekord und ist auch viel bequemer. Wenn wir wieder zu Hause sind, werde ich mal zum Händler gehen. Vielleicht haben die etwas für uns!“ Auch ich fand, dass der Golf nicht schlecht war. Schließlich habe ich diesen auch mehrmals während unseres Urlaubes gefahren. Nur die Sitze im Rekord fand ich besser.

Während des Rückfluges haben wir lange über den Golf geredet. Nur Monika hat sich verträumt auf ihren Sessel gerekelt. Anscheinend dachte sie an ihre erste Liebe. Warum auch nicht? Schließlich war ich genau so gewesen in meinen jungen Jahren. Nur war ich damals schon etwas älter, als Herbert in mein Leben trat.

Nachdem wir mit dem Flieger gelandet waren und durch den Zoll gegangen sind, lief Monika sofort zu einem Telefon. Während sie in den Apparat sprach schaute mich Herbert fragend an. Ich sagte zu ihm: „Wo die Liebe so hinfällt!“ Herbert sagte dazu: „Meinst Du wirklich? Schließlich ist sie erst 14!“ Ich nickte nur mit dem Kopf und so warteten wir etwa 20 Minuten auf unsere Tochter. Herbert wollte mehrmals zu Monika gehen und sie auffordern endlich auf zu hören zu Telefonieren. Ich hielt ihn jedoch jedes Mal zurück. Schließlich sagte er: „Wahrscheinlich hast Du recht und unsere Tochter ist verliebt. Lassen wir sie! Wer ist das eigentlich? Ihr Frauen hockt doch sowieso immer zusammen und wisst alles bevor der Vater auch etwas mit bekommt!“

Ich musste herzhaft Lachen und erklärte Herbert wer der Freund unserer Tochter ist. Aufmerksam hörte er zu und gab keinen Kommentar ab. Als unsere Tochter zu uns zurückkam, nahm er sie nur in den Arm und sagte etwas in ihr Ohr. Was, habe ich nie erfahren. Doch Monika sagte darauf hin: „Ich verspreche es Dir!“ Dann verließen wir das Flughafengebäude und gingen zu unserem Auto. Wir legten unsere Koffer in den Laderaum und stiegen ein. Herbert fuhr Rückwärts aus der Parklücke und nachdem dieses erledigt war gab er Gas und fuhr vorwärts.

Genau in diesem Moment sagte ich: „Stopp“ denn ich hatte einen Hund gesehen der zwischen zwei Autos am Boden lag. Bevor Herbert reagieren konnte, hatte ich schon meine Tür geöffnet und nachdem Herbert das Auto zum stehen gebracht hatte, war ich aus dem Auto und lief zu dem Hund. Monika und Herbert stiegen ebenfalls aus dem Auto um hinter mir her zu kommen. Doch bevor sie mich erreichten wurde laut gehupt und Herbert fuhr unser Auto wieder in die Parklücke.

Inzwischen hatte ich den Hund erreicht und bückte mich zu ihm nieder. Schon im laufen hatte ich mein Stethoskop aus meiner Tasche geholt und sofort hörte ich den Hund ab. Ganz leise konnte ich den Herzschlag und die Atemgeräusche des Hundes hören. Also lebte der Hund noch. Obwohl ich den Hund nun berührt hatte, reagierte er nicht. Der Hund war ohnmächtig. Warum musste ich noch herausfinden. Vorsichtig taste ich den Hund, ein Schäferhund, ab. Dabei bemerkte ich eine große Beule an seinem Kopf. Sonst konnte ich keine Verletzungen feststellen. Danach war der Hund nicht von einem Auto angefahren worden, denn dann hätte er auch noch andere Verletzungen haben müssen. Doch ich fand nichts.

Herbert war inzwischen auch bei mir und meiner Tochter angekommen. Monika hatte sich ebenfalls zu dem Hund herunter gebückt und streichelte diesen. Herbert fragte mich was denn los sei. Nachdem ich ihm dieses gesagt hatte, lief er zur nächsten Notrufsäule und nachdem sich die Gegenstelle gemeldet hatte, sprach er in das Gerät. Er wurde richtig laut und betonte des Öfteren: „Wenn nicht Augenblicklich jemand hierhin kommt, wird meine Frau, die im übrigen Tierärztin ist, eine geharnischte Beschwerde gegen ihren Flugplatz los lassen. Es kann wohl nicht sein, das niemand bei Ihnen, sich angesprochen fühlt! Wenn nicht Augenblicklich was passiert, werde ich die Presse informieren und meine Frau wird auch entsprechend agieren.“
So aufgebracht hatte ich Herbert noch nie gesehen und auch Monika war ganz erstaunt. So kannte sie ihren Vater gar nicht. Nachdem Herbert fertig war und zu uns zurückkam, stand Monika auf und umarmte ihren Vater. Dieser meinte nur: „Ist doch war! Wegen eines Hundes wollten die nicht Aktiv werden. Ja wo sind wir denn? Schließlich ist ein Hund auch ein Lebewesen und wenn es Hilfe braucht hat diese sofort zu erfolgen!“ Auch ich konnte nicht anders und umarmte Herbert, wobei ich ihm einen Kuss gab.

Es dauerte noch etwa fünf Minuten bis ein Rettungswagen neben uns hielt. Erstaunt schauten wir drei uns an. Damit hatten wir nicht gerechnet! Als die Sanis ausstiegen fragten sie Herbert wo denn der Patient ist und Herbert zeigte nur stumm auf den Hund. Einer der Sanis sagte nur: „Uns hat man erzählt, das hier jemand Bewusstlos in der Garage liegt. Von einem Tier hat man nichts gesagt. Aber sei es drum! Was hat der Hund?“

Diese Frage war zwar an Herbert gerichtet aber er sagt nur, das ich dazu was sagen kann. Ich sagte den Sanis was ich vermutete, eine dicke Beule, wenn nicht sogar einen Schädelbruch. Daraufhin ging einer der Sanis zu dem Wagen und holte eine trage hervor. Auf diesen wurde der Hund gelegt. Dann fragte der eine Sani: „Wollen Sie mit? Oder sollen wir alleine zur Tierklinik?“ Natürlich fuhr ich mit! Die Fahrt ging ohne Martinshorn, jedoch mit eingeschaltetem Blaulicht zur TK. Herbert und Monika folgten in unserem Auto.

Nach etwa 10 Minuten hatten wir eine TK erreicht und die beiden Sanis trugen den Hund in die Praxis. Die TK war schon informiert worden und so waren sofort zwei TÄ da um uns in Empfang zu nehmen. Auch waren sie schon informiert worden, dass eine TÄ mit kommen würde. Trotzdem schauten sie erstaunt dass ein normaler Rettungswagen den Hund brachte. Nach einer sehr kurzen Begrüßung wurde der Hund sofort geröntgt. Dabei stellte sich heraus, dass Knochensplitter in das Gehirn eingedrungen waren. Nun musste ein Tierchirurg helfen. Doch der war nicht da! Sowas gab es nicht in der Klinik! Es musste erst einer Telefonisch gerufen werden. Da dieser aber erst in zwei Stunden zur Verfügung stand, meinte Monika: „Wenn meine Mutter alles zur Verfügung gestellt bekommt, hat der Hund die größte Chance seines Lebens!“

Erstaunt schauten die beiden Ärzte auf meine Tochter. Dann meinte einer: „Der Hund hat keine Chance mehr! Wir müssen ihn einschläfern!“ Monika wurde richtig wild als sie sagte: „Keine Chance mehr? Das reicht meiner Mutter! Jetzt wird sie operieren und der Hund wird Leben! Was anderes gibt es nicht bei Mama!“

Nachdem Monika das gesagt hatte schaute mich einer der Tierärzte an und fragte wer ich bin. Nachdem ich meinen Namen gesagt hatte, schaute er seinen Kollegen an und meinte: „Du kennst diese Frau wohl nicht? Jetzt hat der Schäferhund seine Chance! Also komm! Lass uns bei der OP helfen! Aber nur Helfen! Alles andere macht Gerda!“ Nun schaute der andere erstaunt, aber bevor er was sagen konnte wurde er von seinem Kollegen daraufhin gewiesen, das nun alles gut wird für den Hund.

Monika verließ den Raum und auch Herbert ging mit nach draußen. Ich machte mich fertig für die OP und auch die beiden Ärzte machen sich fertig. Dann begann ich mit der OP. Ich griff zum Skalpell und machte einen großen Schnitt in die Haut an der Stelle wo der Splitterbruch sich befindet. Dann entfernte ich die Splitter aus dem Kopf des Hundes. Dabei halfen mir die beiden TÄ. Bevor ich fertig war, bemerkte ich eine dritte Person die mir half. Doch ich registrierte dieses nur und machte weiter. Ungefähr zwei Stunden Hat die OP gedauert. Ich hatte alle Splitter entfernt, selbst die kleinsten Splitter hatte ich mit Hilfe einer starken Lupe entfernt. Welche Teile des Gehirnes einen dauerhaften Schaden ab bekommen hatten, wird sich erst in ein paar Tagen erweisen. Dann wurde der Hund in einen anderen Raum gebracht und ich verließ den OP-Raum um zu Monika und Herbert zu gehen. Ich wollte nur noch nach Hause.

In dem Raum sprach mich ein Mann an, der etwa 50 Jahre alt war: „Mein Name ist Dr. T…. Ich bin der für diese Klinik zuständigeTierchirurg. Als mich die Dame vom Empfang angerufen hat, beendete ich zunächst meine OP und bin dann sofort hier hin. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine Tierchirurgin zufällig auf dem Flugplatz ist und nun einen verletzten Hund bei uns operiert, obwohl keine Chance bestehen würde, dass dieser Hund überlebt. Nachdem ich hier angekommen bin, sagte mir die Dame wer denn eigentlich operiert und da wusste ich, dass genau dieser Hund überleben wird. Ich werde alles Menschenmögliche machen, damit dieser Hund in absehbarer Zeit wieder herum tobt. Das verspreche ich Ihnen Frau XXXXXX“ Damit reichte er mir seine Hand die ich fest drückte.
Anschließend saßen wir noch über zwei Stunden zusammen. Beim Abschied versprach mir Dr. T…. das er mich über die Genesung des Hundes jeden Tag unterrichten wird. Dann fuhren wir nach Hause. Immer gegen Mittag erfolgte dann der Anruf und so erfuhr ich, dass der Hund wieder fast gesund wurde. Nur konnte er nicht mehr bellen, da die Splitter des Knochens genau in dem Zentrum eingedrungen sind, wo sich, vom Gehirn gesteuert, das Bellen entwickelte. Beim Menschen würde es heißen, dass das Sprachzentrum gestört ist. Ein paar Wochen später fuhren wir drei zu der Klinik und konnten uns selber überzeugen wie es dem Hund ging. Dieser freute sich riesig als er uns sah. Ob er wusste, dass ich ihn gerettet hatte? Ich weiß es nicht! Jedenfalls sprang er mich immer wieder an und schleckte mir auch durch das Gesicht.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #255
Schorle

Ich sitze in meinem Büro und warte auf eine Frau. Diese hatte mich angerufen, weil sie ihren Kater Schorle bei uns abgeben will. Gründe habe ich noch nicht von ihr erfahren. Darum bin ich gespannt was sie mir erzählen wird.
Gegen 15.00 Uhr betritt eine etwa 30jährige Frau mein Büro. In der Hand hat sie einen Katzentragekorb. Nachdem wir uns begrüßt haben und sie sich gesetzt hat, erzählt sie: „Ich werde von meiner Firma ins Ausland versetzt. Leider kann ich meinen Schorle nicht mitnehmen. Auch der Versuch ihn im Freundeskreis und Bekanntenkreis unter zu bringen war leider nicht erfolgreich. Darum bin ich nun gezwungen den kleinen ins Tierheim zu bringen. So leid es mir auch tut.“ Ich stellte ihr Fragen nach Schorle und sie meinte: „Schorle ist ein normaler Kater! Nur mag er keine Hunde! Immer wenn er auf der Fensterbank liegt und draußen geht ein Hund vorbei spielt Schorle verrückt. Auch den Hund der Nachbarin hat er schon mehrmals angegriffen. Ich glaube mein Schorle hasst Hunde!“
Ich frage noch wie alt Schorle ist und ob er Freigänger ist. Als Antwort bekomme ich: „Schorle ist vier Jahre alt und war immer eine Wohnungskatze seit er bei mir ist.“ Auf meine Frage ob noch weitere Katzen bei ihr gelebt haben, bekomme ich ein „Nein“ zu hören. Dann verabschiedet sie sich und geht wieder zu ihrem Auto. Den Katzenkorb lässt sie da, weil sie ihn nicht mehr braucht.
Nachdem sie gegangen ist, nehme ich den Korb und gehe zum Katzenhaus. Dort will ich zunächst Schorle auf eventuelle Krankheiten untersuchen. Als ich den Deckel des Tragekorbes abmache will Schorle sofort aus dem Korb springen, doch ich halte ihn fest. Dann hebe ich Schorle hoch und eine Mitarbeiterin stellt den Korb zur Seite. Anschließend hält die Mitarbeiterin den Kater fest und ich fange mit der Untersuchung an. Dabei stelle ich fest, das Schorle auf einem Auge blind ist und auch auf dem zweiten Auge die Sehkraft nicht mehr zu 100% gegeben ist. Außerdem ist er nicht Kastriert.
Der arme Kater! Einzelhaltung in einer Wohnung und nicht Kastriert! Ich stelle mir vor, wie es in der Wohnung der Frau aussehen muss und muss lächeln. Das geschieht ihr recht. Wie kann man nur einen potenten Kater vier Jahre lang in einer Wohnung einschließen? Ich schaue in den Terminkalender und lege die Kastrations-OP für den nächsten Tag fest. Dann kommt Schorle in einen separaten Raum wo er bis morgen bleiben muss. Dieser ist groß genug um auch noch Futter und etwas zu trinken darein zu stellen. Auch dann bleibt noch genug Platz über damit er Bewegungsfreiheit hat. In dem Raum befindet sich neben Kratzbaum und mehreren Höhlen auch die Katzentoilette. Doch schon bald stelle ich fest, das Schorle keine Toilette kennt. Wir stellen darum einen Karton gefüllt mit Katzenstreu in den Raum, den Schorle auch sofort benutzt.

Der Raum in dem der Kater ist enthält auch ein großes Fenster durch den man in den Katzenraum sehen kann. Schorle springt nach einiger Zeit auf einen Tisch der vor dem Fenster steht und kann nun in den Raum schauen. Er ist ganz aufgeregt als er die anderen Katzen sieht. Immer wieder Miaut er und kratzt an der Scheibe. Ich will ihn jedoch erst nach erfolgter OP zu den anderen Katzen lassen.

Am nächsten Tag operiere ich den Kater und er kommt anschließend auf die Krankenstation. Hier liegen Hunde und Katzen ohne eine Trennung in ihren Körben. Neben Schorle befinden sich noch zwei Katzen und zwei Hunde in dem Raum. In einem Nebenraum, dorthin gibt es keine Tür, liegt noch eine Hundedame mit ihren vier Welpen. Die Welpen sind jetzt eine Woche alt. Der Name der Hündin ist uns unbekannt, darum haben wir sie Betty genannt. Betty kam nach einem Unfall auf der Autobahn zu uns. Leider wissen wir auch nichts über die Besitzer. Betty ist bei dem Unfall nur leicht verletzt worden und hat ihre Kleinen bei uns im Tierheim zur Welt gebracht.

Von dort wo Schorle liegt kann er Betty genau sehen und als er wieder munter wird, fällt sein Blick auf Betty. Ein ganz leises knurren ist von Schorle zu hören aber er versucht nicht auf zu stehen. Dann schaut er sich in dem Raum um. Er sieht die anderen Hunde in ihren Körben liegen und ist wieder leise am Knurren. Da die Hunde sich aber nicht rühren, sondern nur mit leisem jaulen antworten, stellt Schorle sein knurren ein.

Zwei Tage bleibt Schorle auf der Krankenstation. Keiner der Hunde hat Schorle belästigt oder ist zu ihm gegangen, obwohl beide Hunde in dem Raum herum liefen. Auch Schorle ist schon ein paar Mal durch den Raum gegangen, hat aber immer einen Bogen um die beiden Hunde gemacht. Mit den anderen beiden Katzen hat er jedoch geschmust. Einmal war er auch in dem Raum wo Betty liegt. Dort saß er lange auf einem Tisch und beobachtete Betty mit ihren Welpen. Auch in dem Raum befindet sich ein großes Fenster, jedoch schaut man von dort auf das Hundeaussengehege. Zunächst war Schorle auch hier am knurren, jedoch stellte er bald sein knurren ein und war nur noch stiller Beobachter.

Heute nun soll Schorle zu den anderen Katzen gelassen werden. Als eine Mitarbeiterin ihn holen will, ist Schorle weg. Sie sucht in allen möglichen verstecken, jedoch findet sie keinen Kater. Daraufhin werde ich informiert und ich eile sofort zur Krankenstation. Doch auch ich kann Schorle nicht finden. Selber in dem Raum wo sich Betty befindet suchen wir. Aber keiner findet Schorle. Auch bei einem Blick in Bettys Korb wird kein Kater gefunden. Wo ist nur Schorle? Fragen wir uns alle. Die Suche wird auf das ganze Tierheim erweitert.

Unterdessen bereitet eine Mitarbeiterin das Futter für die anderen Katzen und die Hunde in der Krankenstation zu und verteilt das an diese. Ich befinde mich auch in dem Raum als ich hinter mir ein leises Miauen höre. Langsam drehe ich mich um und sehe Schorle bei den kleinen Welpen liegen. Darum hat ihn keiner gefunden! Schorle ist fast genauso groß wie die Welpen und hat auch fast dieselbe Farbe. Nämlich schwarz weiß! Dieses Muster haben auch die Hunde. Darum hat keiner Schorle gefunden bei der Suchaktion. Natürlich bekommt auch Schorle seinen Napf mit Futter und er macht sich auch sofort darüber her. Nachdem er gefuttert hat, kuschelt er sich wieder zu den Welpen und ist kaum noch von diesen zu Unterscheiden.

Wir lassen Schorle bei den Hunden. Ab und zu geht er auch zu den beiden anderen Katzen und schmust mit diesen. Aber hauptsächlich liegt er bei Betty und ihren Welpen. Auch wird Schorle zu den anderen Katzen ins Freigehege gelassen. Dort bleibt er einige Zeit bis er wieder zurück will.

Nachdem Betty und ihre Welpen soweit sind, das sie ins Hundehaus ziehen können, geht auch Schorle mit. Zunächst knurrt er alle anderen Hunde an die sich dort befinden. Aber nach ein paar Tagen legt sich das und er freundet sich mit den Hunden an. Alle Hunde kommen zu ihm und schlecken ihn ab und auch Schorle ist am köpfeln. Das Schorle ein Hundehasser ist, konnte keiner der Mitarbeiter bestätigen. Denn Schorle war immer friedlich, wenn er auch ab und an geknurrt hat. Aber dann wollte er nur seine Ruhe und die Hunde haben das auch akzeptiert.

Nachdem die gesetzliche Wartezeit für Betty und ihre Welpen abgelaufen war, wollten wir sie vermitteln. Natürlich nur mit Schorle zusammen. Da wir einen Tag der offenen Tür veranstalten wollten, warteten wir mit der Vermittlung bis zu diesem Termin. Dann kam der Tag und Betty mit ihren Welpen und Schorle tobten in dem Gehege herum. Auch die anderen Hunde beteiligten sich an der Toberei. Viele interessierten sich für Schorle und auch für Betty, jedoch wollte keiner alle beiden zusammen nehmen.

Am zweiten Tag gegen Mittag sah ich dann ein bekanntes Gesicht. Es war der Mann der seinerzeit 2 Katzen statt einem Hund ein neues zuhause gegeben hatte. Zusammen mit seiner Frau ging er von Box zu Box und schaute sich die Hunde an. Auch am Freigehege, in dem sich Betty und Schorle befanden, blieb er stehen. Da auch die Welpen dort noch mit in dem Gehege waren, dachte ich, dass er nach denen schaute. Dann drehte sich die Frau um und sieh erkannte mich sofort.

Sofort kam sie zu mir und wir reichten uns die Hand. Auch ihr Mann kam dazu dem ich ebenfalls die Hand gab. Dann sprachen wir zunächst über alles Mögliche und dabei erfuhr ich auch, das beide Katzen die sie damals aus unserem Tierheim geholt hatten inzwischen verstorben waren. Nun wollten sie neue Tiere haben. Da ihr weg aber zuerst an den Hunden vorbeiführte, haben sie dort zunächst geschaut. Er will immer noch einen Hund und sie will eine Katze. „Beides werden wir wohl schlecht finden. Denn Freundschaft zwischen Hund und Katze gibt es doch sehr selten.“

Während ich mit ihnen sprach, fiel mein Blick zufällig auf das Gehege in dem Betty und Schorle waren. Beide standen am Gitter und schauten zu uns hin. Nur die Welpen tobten noch immer herum. Sollten die beiden ihr Frauchen und ihr Herrchen sich gerade ausgesucht haben? Ich glaube schon, darum machte ich die beiden auf Hund und Katze aufmerksam.

Als die beiden sich umdrehten und zum Gehege schauten fing Betty an zu bellen und Schorle hörte man Schnurren. Die Frau und der Mann gingen daraufhin sofort zum Gehege und ich öffnete ihnen die Tür. Als beide das Gehege betreten hatten gingen sie in die Hocke und sofort waren Betty und Schorle bei ihnen. Beide Tiere wurden gestreichelt und nach nur fünf Sekunden hörte ich die frage: „Können wir beide sofort mitnehmen?“ Natürlich konnten sie und bald darauf verließen Hund, Katze und das Paar unser Tierheim. Auch die Welpen wurden am selben Tag vermittelt.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #256
Cäsar und Cleopatra
Nach einer überstandenen Grippe, Monika hatte Herbert und mich angesteckt, bin ich wieder im Tierheim. Alle Arbeiten der letzten vierzehn Tage müssen von mir aufgearbeitet werden. Ich kämpfe mich gerade durch einen Haufen Rechnungen als der Tierarzt mein Büro betritt.
"Hallo mein Mädchen! Da bist Du ja wieder! Alles gut überstanden oder muss ich noch schweren Atemschutz tragen?“ Ich muss lachen als er das sagt und antworte: „Eine Gasmaske wäre nicht verkehrt! Aber es geht schon wieder.“ Nun fängt auch er an zu lachen und ich gebe ihm erst einmal einen Kaffee, der schon fertig ist. Dann reden wir über die letzten 14 Tage, da er alles was ich sonst in Bezug auf kranke Tiere mache, selber erledigen musste.

Wir sitzen schon etwa eine Stunde zusammen als mein Telefon klingelt. Nachdem ich mich gemeldet habe sagt mein Gesprächspartner, dessen Namen ich nicht verstanden hatte: „Sie sind doch das Tierheim? Hier auf dem Mittelstreifen der Autobahn laufen zwei kleine Hunde herum. Können Sie was machen oder soll ich die Polizei anrufen?“ Nachdem ich ihn gefragt habe, wo er denn ist, antwortet er: „Ich bin hier an der Raststätte und die Hunde laufen etwa 4 Kilometer in Richtung XXXXX von hier.“ Ich verspreche ihm, dass wir uns darum kümmern werden und lege wieder auf.

Kurz erzähle ich dem Tierarzt was ich erfahren habe, dann wähle ich die Nummer der Polizei. Da ich nicht die Nummer der Autobahnpolizei kenne, wende ich mich an die Polizei bei uns im Ort. Nachdem sich dort ein Beamter gemeldet hat, schildere ich ihm was ich soeben erfahren habe und er sagt mir zu, sofort bei den Kollegen der Autobahnpolizei an zu rufen. Dann legt er auf.

Kurz darauf klingelt wieder mein Telefon und diesmal ist es die Autobahnpolizei. Sie wollen genau wissen, wo die Hunde sich befinden sollen. Kurz erkläre ich was mir der unbekannte Anrufer mitgeteilt hat, dann frage ich ob wir schon mal kommen sollen. Sofort sagt der Beamte: „Das wäre nicht schlecht! Sie haben mit Sicherheit mehr Erfahrung mit Hunden wie wir! Trotzdem sind schon Kollegen unterwegs.“ Dann nennt er mir noch die Auffahrt an der ich auf die Autobahn fahren soll, obwohl ich das selber weiß, und ich verspreche sofort los zu fahren.
„Ich komme mit! Vielleicht werde auch ich gebraucht!“ sagt der Tierarzt und zusammen gehen wir zum Bulli. Auch eine weitere Mitarbeiterin steigt mit ein und sofort fahre ich los. Nach zehn Minuten habe ich die Autobahn erreicht und fahre gerade auf die Bahn, als wir auch schon im Stau stehen. „Das fängt ja gut an! Hoffentlich ist das nicht wegen der Hunde!“ sage ich zum Tierarzt. Dieser antwortet nicht, sondern er stellt das Funkgerät an. Sofort hören wir, dass es weiter vorn einen Unfall gegeben hat.

Ich nehme das Mikrofon in die Hand und melde mich: „Hier ist der kleine Doktor! Wo ist denn der Unfall und was ist passiert? Ich bin gerade auf dem Weg zu einem Einsatz hier auf der Bahn und hänge nun hier im Stau fest!“ Der Tierarzt sieht mich erstaunt an und meint: „Das mit dem kleinen Doktor musst Du mir später mal erklären! Aber nun wollen wir mal hören was los ist!“

Da meldet sich auch schon ein Fahrer auf der Gegenfahrbahn: „Hallo Gerda! Schön mal wieder von dir zu hören! Etwa einen Kilometer vor Dir hat es einen Unfall mit mehreren PKW und LKW gegeben. Was genau passiert ist konnte ich nicht sehen. Vielleicht weiß einer der Kollegen vorne im Stau mehr, wenn diese endlich wieder in ihren LKW sitzen. Jedenfalls ist die Bahn komplett zu!“ Ich bedanke mich bei ihm und frage dann, ob mich jemand hört, der näher an der Unfallstelle ist.

Kaum habe ich die Mikrofontaste wieder los gelassen, meldet sich schon ein Fahrer: „Hier hat es fürchterlich geknallt! Dabei sind auch zwei Hunde verletzt worden, die auf einmal auf der Bahn waren. Komm schnell nach vorne Gerda! Deine Hilfe wird gebraucht!“ Nachdem ich das gehört habe, schnappe ich mir meine Tasche und bin schon aus dem Bulli. Der Tierarzt ruft noch: „Ich komme mit dem Bulli nach wenn es geht!“ Doch ich höre schon nicht mehr richtig zu und laufe sofort los.

Unterwegs merke ich doch, dass die Grippe mir mehr zugesetzt hat wie ich dachte. Aber ich laufe weiter und nach einer Ewigkeit, so scheint es mir, sehe ich den Unfallort. Es sind mindestens 5 PKW und auch zwei LKW in den Unfall verwickelt. An der Seite sehe ich mehrere Personen stehen. Von Polizei keine Spur. Also hat diese den Unfallort noch nicht erreicht.

Außer Atem komme ich bei der Personengruppe an und als die meine Tasche sehen, machen sie sofort Platz. Ich frage noch schnell ob Personen verletzt sind, doch ich bekomme zur Antwort: „Keine Personen verletzt! Nur die zwei Hunde hat es schlimm erwischt!“ Ich atme irgendwie auf, denn wenn auch noch Personen verletzt worden wären, hätte ich mich natürlich erst um diese kümmern müssen. Aber so kann ich sofort nach den Hunden sehen.
Beide, es sind ganz junge Collies, höchstens 8 Wochen alt, liegen auf dem Pannenstreifen und rühren sich nicht. Darum höre ich beide erst einmal ab. Da ich bei beiden noch Herztöne und Atemgeräusche höre, fange ich an den ersten Hund genau zu untersuchen. Auf der rechten Seite des Hundes stelle ich fest, dass beide Pfoten gebrochen sind. Auch hat er mit Sicherheit einige Rippen gebrochen. Ob er noch mehr Brüche hat, kann ich so nicht feststellen. Der zweite Hund hat neben einer gebrochenen Hinterpfote anscheinend auch noch die Hüfte gebrochen. Beide müssen sofort ins Tierheim wo ich sie behandeln kann, aber mir fehlt der Bulli.

Als ich hoch sehe steht neben mir ein Polizist. Sofort sage ich zu ihm: „Hinten im Stau, etwa einen Kilometer entfernt steht unser Bulli. Den brauche ich sofort damit die Tiere in Behandlung kommen!“ Er fragt wo genau, dann geht er zu seinen Kollegen. Diese winken nun einen PKW nach dem anderen an der Unfallstelle vorbei und nach kurzer Zeit ist unser Bulli mit dem Tierarzt zur Stelle. Dieser springt sofort aus dem Bulli und auch die Helferin steigt aus. Kurz fragt er mich, was los ist und als ich ihm berichtet habe rennt er schon wieder zum Bulli und holt eine Trage. Auch die Helferin holt eine Trage und als beide bei mir sind, werden die Hunde vorsichtig auf die Tragen gelegt.

Als der Tierarzt und ich eine Trage anheben wollen, tritt ein Beamter zu uns und fragt, wo die beiden Hunde denn nun hinkommen. Als der Tierarzt sagt, dass sie ins Tierheim kommen meint der Beamte: „Wäre es nicht besser die beiden zu einem Tierarzt zu bringen. So wie es ausschaut haben die beiden sowieso keine Chance mehr weiter zu leben. Ein Tierarzt könnte die beiden sofort erlösen!“ Während der Beamte das sagt, tritt ein weiterer Beamte zu uns der durch hochheben einer Hand uns beide grüßt. Wir kennen ihn schon darum nicken der Tierarzt und ich nur mit dem Kopf.

„Also Willi, Du kennst die beiden wohl nicht? Also das ist der Tierarzt der Ortschafft in unserem Bereich und das ist die Tierheim-Leiterin in der Stadt. Du kannst mir glauben, ob Du willst oder nicht, dass beide Hunde überleben werden. Das „keine Chance“ mehr ist genau das richtige für unsere Tierheim-Leiterin, die auch noch dazu eine vorzügliche Chirurgin ist. Bei ihr gibt es kein: der hat keine Chance mehr, wir müssen ihn erlösen! Nein, die beiden werden in einigen Wochen wieder herum toben so als wenn nichts geschehen wäre. Wenn hier alles erledigt ist, fahren wir beide zum Tierheim. Dann kannst Du dich selber davon überzeugen! Außerdem müssen wir sowieso da hin. Also bis später Gerda und Albert!“

Nun werden die Hunde schnell aber vorsichtig in den Bulli geladen und kurz darauf sind der Tierarzt, die Helferin und ich unterwegs zum Tierheim. Dort angekommen werden die Hunde sofort in den Röntgenraum gebracht und ich mache die Aufnahmen von beiden Hunden. Als Ergebnis dieser Röntgenuntersuchung kommt heraus, das der eine Collie beide Pfoten der rechten Seite gebrochen hat. Außerdem hat er eine starke Prellung der Rippen und eine große Beule am Kopf. Der zweite Hund hat neben der Beule am Kopf, den rechten Hinterlauf und die Hüfte gebrochen. Das alles hatte ich schon auf der Autobahn vermutet.

Zusammen mit dem Tierarzt beginne ich nun zuerst den Hund mit den gebrochenen Läufen zu versorgen. Dann wird er, ein Rüde, auf die Krankenstation gebracht. Das machen zwei Mitarbeiter. Inzwischen behandele ich schon den zweiten Hund. Ein Weibchen. Ihre Hüfte wird mit einem Streckverband stabilisiert, da es sich um einen glatten Bruch handelt. Eine OP ist nicht unbedingt nötig, aber das werde ich in etwa einer Woche sehen, wenn ich sie wieder röntgen werde. Auch ihr gebrochener Hinterlauf wird gerichtet und stabilisiert. Auch dieser Hund wird anschließend auf die Krankenstation gebracht.

Der Tierarzt und ich waschen uns gerade die Hände als die beiden Beamten im Raum erscheinen. Hermann, so heißt der ältere der beiden, fragt sofort was mit den Hunden ist. Als ich ihm sage, dass beide Hunde inzwischen auf der Krankenstation sind will er sofort dorthin. Auch sein Kollege Willi will die Hunde sehen. Zusammen gehen wir also zur Krankenstation die nur wenige Meter entfernt ist. Als Willi den Raum betritt hebt der Rüde gerade seinen Kopf. Als er uns erblickt wedelt er mit seiner Rute. Willi ist sprachlos als er das sieht und nach einem kurzen Augenblick meint er: „Damit habe ich nicht gerechnet! Als Hermann mir auf dem Weg hier hin einiges erzählte konnte ich es nicht glauben. Er redete davon, dass hier ein Krankenhaus für Tiere exerzieren würde. Innerlich habe ich an meine Stirn getippt. Aber es stimmt. Das hatte ich nun wahrlich nicht erwartet. Auch den Hunden scheint es wieder besser zu gehen?“

Das letzte war eine Frage und ich sagte ihm, dass wenn keine OP mehr notwendig ist, beide vollkommen gesund werden. Dann fragte Willi: „Wie kommt es eigentlich das eine Tierchirurgin Leiterin eines Tierheim ist? Währe es nicht besser, sie würden in einer TK arbeiten, statt im Tierheim?“ Hermann, der Tierarzt und ich mussten daraufhin lachen und der Tierarzt erklärte dem verdutzen Beamten wer ich eigentlich bin. Auch sagte er, dass ich nie eine Uni von innen gesehen habe um so weit zu kommen, sondern fast alles nur eigen Studium ist.

Wir saßen noch lange zusammen, beide hatten schon Feierabend, und redeten zusammen. Willi kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, soviel erzählte ihm Hermann und der Tierarzt. Schließlich wollte der Tierarzt wissen was es mit dem kleinen Doktor auf sich hat und als ich ihm das erzählte meinte er: „Das ist genau der richtige Name für dich! Es gibt keinen besseren!“ Auch die beiden Beamten meinten das ist der richtige Name. Bevor die beiden gingen sagte Willi noch: „In einem Monat werde ich näher an meinen Heimatort versetzt. Das ist in der Nähe von Stuttgart. Die Kollegen dort werden ganz schön blöd aus der Wäsche schauen wenn ich ihnen von heute erzähle.“ Dann verabschiedeten sich beide und fuhren weg.

Vier Monate später kam Willi mit seiner Freundin zu uns ins Tierheim. Er nahm beide Hunde, die komplett genesen waren, zu sich nach Hause. Die beiden wurden inzwischen von uns Cäsar und Cleopatra genannt. Wenige Jahre später habe ich ihn wieder getroffen. Aber das ist eine eigene Geschichte wert.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #257
Tagung mit Hindernissen

Herbert und ich sind unterwegs um eine Ausstellung für Zahnärztebedarf zu besuchen. Gleichzeitig findet dort auch eine Tagung von Zahnärzten statt. Zu dieser Tagung sind nur ausgesuchte Zahnärzte zugelassen worden. Herbert sagte dazu: „Warum ich? Verstehe ich nicht! Ich bin doch nur ein kleiner Zahnarzt und nicht solch eine hochgelobte Erscheinung wie sonst bei solchen Tagungen.“

Aber er hat zu gesagt, da der Besuch der Ausstellung und auch der Aufenthalt am Veranstaltungsort für ihn Kostenlos sind. Bevor er zusagte, hat er aber noch gefragt ob Ehepartner ebenfalls kostenlos zugelassen sind. Das wurde ihm zu gesagt und nun sind wir unterwegs.

Eine Pause haben wir schon hinter uns und wir brauchen auch nicht mehr lange, bis wir angelangt sind. Ich lese in einem Fachbuch über Tiermedizin als Herbert meint: „Noch zehn Minuten, dann haben wir es geschafft. Schau doch mal bitte in der Karte nach, wo wir nach der Abfahrt genau hin müssen.“ Ich lege mein Buch zur Seite und nehme mir die Karte zur Hand. Dann suche ich die Straße in der das Hotel liegt, in dem wir untergebracht sind. An der Ausfahrt erkläre ich Herbert genau wie er fahren muss und schon bald sind wir am Hotel, das genau neben dem Ausstellungshallen liegt.

Nachdem wir uns angemeldet haben, gehen wir auf unser Zimmer und packen da Gepäck aus. Für den Abend ist ein kleines Treffen in dem Restaurant der Ausstellungshallen geplant. Kurz darauf machen wir uns auf den Weg. Da das Restaurant nur zehn Minuten entfernt liegt, gehen wir zu Fuß dorthin. Dort angekommen wird Herbert von einem Mann am Eingang nach der Einladung gefragt. Herbert zeigt diese vor und darf sofort das Restaurant betreten. Ich werde aufgehalten: „Das ist eine Veranstaltung für Zahnärzte und nicht für Tierärzte!“ sagt der Mann zu mir. Doch Herbert klärt schnell die Situation und auch ich betrete das Restaurant.
Nachdem wir uns an einen Tisch gesetzt haben schaut Herbert sich in der Runde um. Dabei meint er zu mir: „Von denen kenne ich keinen. Scheinen aber alles Hochgestellte Leute zu sein. Na warten wir mal ab, was der Abend noch so bringt!“ Trotzdem merken Herbert und ich dass wir irgendwie nicht hierher gehören. Dazu ist die Gesellschaft zu fein! Fast alle anderen sind in einer Zahnklinik beschäftigt und haben dort hohe Positionen oder betreiben eine Praxis mit mehreren Ärzten zusammen. Nur Herbert scheint als einziger Zahnarzt alleine eine Praxis zu betreiben. Ein weiteres Paar tritt auf uns zu und nachdem wir uns gegenseitig vorgestellt haben, nimmt das Paar an unserem Tisch Platz. Schnell sind wir in ein Gespräch vertieft und so erfahren wir endlich, warum ausgerechnet Herbert eingeladen wurde.

Es ist wegen der besonderen Beziehung die er zu einem Tierheim hat, teilt uns unser Gesprächspartner mit. Herbert will nun wissen, was damit gemeint ist, aber bevor unser Gesprächspartner antworten kann, tritt einer der Bediensteten des Restaurants an unseren Tisch: „Entschuldigen Sie bitte! Aber wir haben gesehen, dass auch ein Tierarzt unter den Teilnehmern ist. Können Sie bitte sofort mitkommen? Die Katze des Betreibers scheint krank zu sein und er kann unseren Tierarzt nicht erreichen!“

Sofort stehe ich auf und gehe mit dem Mann mit. Auch Herbert folgt uns, nachdem er sich entschuldigt hat. Wir verlassen das Restaurant und gehen zu einem ganz in der Nähe stehendem Haus. Dort werden wir schon erwartet und ich werde sofort zu der Katze gebracht, die in einem Korb im Wohnzimmer liegt. Die Katze ist laut am Miauen. Anscheinend hat sie starke Schmerzen. Normalerweise kann eine Katze Schmerzen sehr gut verstecken. Aber hier ist das anders. Diese Katze krümmt sich vor Schmerzen. Da die Katze bisher in einem Korb auf dem Boden stand, heb ich sie mitsamt dem Korb hoch und stelle diesen auf den Wohnzimmertisch

Die Frau protestiert, das der Korb nun auf dem Tisch steht: „Sie können doch die Katze nicht auf den Tisch stellen. Wenn etwas an dem Tisch passiert, mache ich Sie haftbar dafür!“ Ich schaue die Frau an und sage nur ein Wort: „Raus!“ Die Frau, ich schätze sie auf 50-55 Jahre, schnappt hörbar nach Luft. Im Hintergrund sehe ich einen gleichaltrigen Mann der breit am grinsen ist. Dann kommt er nach vorne und greift zum Arm der Frau. Noch immer sprachlos führt er die Frau aus dem Raum. Kurz darauf ist er wieder da und sagt zu mir: „Danke! Aber das hat meine Frau gebraucht! Hoffentlich ist ihr jetzt bewusst geworden, dass es auch noch andere Menschen gibt, die etwas zu sagen haben. Bisher war das nicht der Fall!“ Damit reicht er mir seine Hand die ich ergreife. Dann kümmere ich mich um die Katze.

Bei der Untersuchung stelle ich fest, dass die Katze hoch trächtig ist und eigentlich ihre kleinen Gebären will. Doch das scheint nicht zu gehen. Hier ist ein Kaiserschnitt nötig. Das sage ich zu dem Mann und er fragt sofort was ich brauche. Als ich ihm dieses gesagt habe, rennt er fast aus dem Raum. Wir hören wie er draußen sehr laut mit seiner Frau spricht, dann kommt er wieder rein. Kurz darauf erscheint seine Frau und bringt die gewünschten Sachen. Da ich, um die ungeborenen kleinen nicht zu gefährden, nur eine ganz leichte Narkose geben kann, setze ich diese Spritze und schon kurz darauf beruhigt sich die Katze. Nun schaut sie mich an und ich streichele ich ihr über den Kopf. Dann beginne ich mit dem Kaiserschnitt.

Dazu setze ich das Skalpell an und mache einen Schnitt. Anschließend hole ich vier kleine Kitten auf die Welt. Alle vier leben und ich vernähe schnell den Schnitt. Anschließend legte ich die kleinen bei der Mutti an. Dann schaute ich auf und blickte genau in die Augen der Frau: „Entschuldigen Sie bitte! Aber ich habe wohl über reagiert! Sie haben vollkommen richtig gehandelt! Was soll nun weiter mit den Tieren geschehen?“ Zunächst fragte ich sie nach den Lebensumständen der Katze und erfahre nun, dass die Katze alleine in ihrem Haus lebt und eine Wohnungskatze ist. Nur einmal, vor zwei Monaten, ist sie ihnen ausgerissen, aber nach zwei Tagen war sie wieder da.

Nun erklärte ich der Frau, dass diese zwei Tage wohl ausgereicht haben, das ihre Katze trächtig wurde. Auch kläre ich sie auf, dass so schnell wie möglich noch eine weitere Katze in das Haus einziehen muss. Auch dass ihre Katze kastriert werden muss erwähnte ich. Bei allem was ich ihr erkläre hörte sie aufmerksam zu und sie versprach alles zu machen was ich erwähnt habe. „Genau das wird passieren! Schon Montag werde ich zum Tierheim fahren und eine zweite Katze aussuchen!“ sagte ihr Mann. Nur kurz wollte die Frau etwas sagen, aber ein Blick ihres Mannes brachte sie zum schweigen.

Etwas später waren wir wieder im Restaurant und bekamen unser Essen. Aber es war ganz anderes wie alle anderen Personen bekommen hatten. Der Restaurantbesitzer brachte es selber und er sagte sehr laut (fast alle in dem Raum konnten es hören): „Das ist ein besonderer Dank von meiner Frau und mir für die Hilfe bei der Geburt! Ein Kaiserschnitt auf dem Wohnzimmertisch kommt wohl nicht alle Tage vor. Auch unser Arzt bestätigte das, nachdem er zurück gerufen hatte. Nochmals recht Herzlichen Dank für Ihre schnelle Hilfe!“

Alle die das mitbekommen hatten starrten uns nun an. Langsam verebbten alle Gespräche in dem Raum als die anderen informiert wurden. Herbert und ich aßen mit Genuss unser Essen und immer wieder trafen sich unsere Augen. Beide konnten wir uns ein grinsen nicht verkneifen, aber auf die stummen Fragen antworteten wir nicht. Lange Zeit war es ruhig in dem Raum als der Besitzer wieder den Raum betrat. In den Händen hielt er einen Korb mit der Katzenmutti und ihren kleinen.

Dann sagte er: „Das ist das Resultat des Kaiserschnittes. Vier gesunde Katzenkitten mit ihrer Mutti!“ Zunächst konnte man nur hier und da ein leises Lachen hören aber dann lachten alle in dem Raum. Auch Herbert und ich platzten nun mit unserem Lachen hervor. Immer mehr Personen kommen an unseren Tisch und klopfen Herbert auf die Schulter. Dieser versucht zwar immer wieder zu erklären dass ich der eigentliche Geburtshelfer bin, aber keiner hört genau zu. Spät am Abend sind wir wieder auf unserem Zimmer und gehen auch sehr schnell schlafen.

Am nächsten Morgen, kurz nach dem Frühstück, gehen wir in die Ausstellung. Herbert lässt sich viele der neuen Geräte zeigen und nimmt auch einige der angebotenen Prospekte mit. Immer wieder kommt es vor, dass Personen die an der Tagung teilnehmen zu Herbert kommen und ihm die Hand reichen. Fast alle wechseln ein paar Worte mit ihm. Immer wieder versucht Herbert auf zu klären, das ich die eigentliche Person bin, die den Kaiserschnitt gemacht hat. Doch wieder hört keiner zu.

Ende Teil 1! Geht sofort weiter!
 
  • Post aus Bayern Beitrag #258
Weiter mit Teil II !


"Frau Gerda Xxxxx! Kommen Sie bitte sofort zur Information! Es gibt einen Notfall!“ ertönt es auf einmal aus den Lautsprechern. Herbert ist gerade mit einem Mann am sprechen der sich als Leiter einer Zahnklinik vorgestellt hat. Bevor dieser Mann Herbert richtig ins Gespräch verwickeln kann sagt Herbert: „Tut mir schrecklich Leid das ich Ihnen nicht mehr zu hören kann! Aber meine Frau ist gerade zu einem Notfall gerufen worden und da werde ich mitgehen!“ Schon kommt er hinter mir her und lässt einen verdatterten Professor einfach stehen. Ich bin schon unterwegs zum Infoschalter.

Als ich dort ankomme, tritt ein Polizist auf mich zu. „Komm schnell Gerda! Ein Notfall bei uns auf der Wache!“ Schon ergreift er meinen Arm und zieht mich in Richtung Ausgang. Nur kurz bin ich am überlegen wer der Polizist ist, dann fällt es mir ein. Es ist Willi, der Polizist von damals bei dem Unfall mit den zwei Hunden die er anschließend zu sich geholt hat. Als wir bei dem Streifenwagen ankommen, der mit laufendem Motor und eingeschaltetem Blaulicht vor der Halle steht, ist auch Herbert neben uns. Schnell steigen wir in den Wagen und schon gibt der Fahrer Gas. Dabei schaltet er das Martinshorn an.

Willi erklärt uns schnell wieso er mich auf der Ausstellung gesucht hat: „Mein Vater, er ist der Besitzer des Restaurants, hat mich gestern Abend noch angerufen und mir von deinem Einsatz erzählt. Ich wusste sofort dass Du es bist. Als dann der Hund zu uns gebracht wurde dachte ich sofort an dich und habe schnell in dem Hotel angerufen um mir deine Anwesenheit bestätigen zu lassen. Dann bin ich hier hin. Bei dem Hund handelt es sich um eine Dogge die anscheinend von mehreren Fahrzeugen überfahren wurde. Es sieht schlimm aus und der Tierarzt der da ist, will schon die letzte Spritze setzen. Ich habe ihn gehindert und nun passt mein Vorgesetzter auf den Hund auf. Der Tierarzt ist aber immer noch da!“

Inzwischen fahren wir schon auf der BAB. Fast mit 200 km/h ist der Wagen unterwegs. Alle vor uns machen sofort Platz wenn sie den Wagen bemerken. Hier herrscht zum Glück auch ein LKW Überholverbot, so dass uns diese nicht hindern. Nach ein paar Minuten fahren wir auf den Parkplatz wo sich die Wache der Autobahnpolizei befindet. Als der Wagen hält springt Willi sofort heraus und auch Herbert und ich verlassen den Wagen. Gemeinsam laufen wir zur Wache und betreten kurz darauf den Raum in dem der Hund liegt. Dieser liegt auf einem Tisch. Direkt daneben steht ein Polizist. Anscheinend ist das der Vorgesetzte von Willi. Ein dicklicher Mann redet gerade auf den Beamten ein: „Nun lassen Sie mich doch zu dem Hund! Dem kann sowieso keiner mehr helfen! Lassen Sie mich endlich die Spritze setzen. Das ist doch Tierquälerei was Sie hier veranstalten! Außerdem kommt diese Frau doch sowieso nicht mehr. Wie soll die denn gefunden werden auf der Ausstellung? Noch dazu, das sie von wo weiß ich her kommt“

„Sie ist schon da!“ sage ich zur Begrüßung und gehe zu dem Hund. Sofort fange ich an ihn zu Untersuchen. In der Tat scheint er von mehreren Autos überfahren worden zu sein. Überall an seinem Fell klebt Blut. Auch fehlt an einigen Stellen das Fell. Doch kann ich auf die schnelle keine offene Wunde erkennen. Während ich den Hund untersuche redet der Tierarzt auf mich ein. Ich schaue hoch und sehe ihn an: „Wie hoch ist die Chance das er nächstes Jahr noch lebt?“ frage ich ihn.

„Nächstes Jahr? Das schafft der niemals! Aber ich will Ihre Frage gerne beantworten! Der Hund hat keine Chance mehr!“ [/SIZE]Da mischt sich Herbert ein: „Also, nach Ihrer Meinung besteht Null Prozent Chance?“ und als der Tierarzt mit dem Kopf nickt, fährt Herbert fort „OK! Dann treten Sie mal zur Seite! Denn solch eine Chance liebt meine Frau! Schauen Sie genau hin, denn mit Sicherheit können Sie nun etwas lernen was Sie noch nie gesehen haben.“

Dann tritt er zu mir und zieht sich Gummihandschuhe an die er aus meiner Tasche holt. Währenddessen habe ich schon eine Narkosespritze bereit gemacht und setze dies an. Da ich kein Röntgengerät zur Verfügung habe, taste ich jeden Zentimeter des Hundes ab. Alle Läufe sind gebrochen, dazu mindestens acht Rippen. Auch die Wirbelsäule hat etwas ab bekommen. Daher untersuche ich diese genauer. Aber es scheint nur eine Prellung zu sein. Auch am Kopf hat der Hund eine große Beule. Vorsichtig taste ich den Kopf in diesem Bereich ab und versuche einen eventuellen Bruch so zu ertasten. Doch ich kann nichts feststellen.

Trotz meiner Diagnose muss der Hund schnellstens geröntgt werden. Das sage ich zu dem Beamten und sofort schickt er Willi los um in einer nahen TK an zu rufen, damit von dort sofort ein Wagen kommt. Willi sagt dazu: „Das habe ich schon gleich nach meiner Rückkehr gemacht. Der Wagen muss jeden Moment da sein.“ Inzwischen kümmere ich mich um die gebrochenen Rippen und richte diese. Dann lege ich einen festen Verband um. Dabei hilft mir eine Frau die einen weißen Kittel an hat.

Nachdem der Verband richtig sitzt redet sie mich an: „Ich bin Dr. Cornelia F…! Was konnten Sie feststellen Frau Kollegin?“ Mit kurzen Worten erzähle ich ihr meine Diagnose, während der Hund schon auf eine Trage gelegt wird und nach draußen zu einem Fahrzeug gebracht wird. Die Ärztin fragt ob ich mit will und schon nach sehr kurzer zeit, ein Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn fährt vorn weg, sind wir unterwegs zur TK. Auch Herbert sitzt mit im Auto.

Nach 10 Minuten sind wir bei der TK. Aus dem Streifenwagen steigen Willis Vorgesetzter und Willi selber. Er hat den Wagen gefahren. Auch ich verlasse den Wagen der TK zusammen mit Herbert und allen anderen die darin saßen. Vorsichtig wird der Hund in einen Röntgenraum gebracht wo sofort mehrere Aufnahmen gemacht werden. Meine Diagnose war richtig. Außer den Brüchen und den Abschürfungen hat der Hund keine weiteren Verletzungen. Auch die Rippen, die ich schon gerichtet habe, sitzen an ihrem richtigen Platz.

Irritiert schaut mich die TÄ an: „Das alles haben Sie mit Ihren Fingern fest gestellt? Das gibt es nicht! Ohne Röntgen hätte ich das nie festgestellt! Moment, ich hole mal unseren Chef dazu!“ sprichst und ist aus dem Raum. Zusammen mit Herbert lege ich den Hund auf einen fahrbaren Behandlungstisch und bringe ihn wieder in den Behandlungsraum. Dort kümmere ich mich um die Brüche der Pfoten. Ich kann nicht verstehen warum die TÄ los rennt um den Chef zu holen und sich nicht um den Hund gekümmert wird. Den Chef kann man schließlich auch später holen.

Das sage ich laut und eine fremde Stimme antwortet mir: „Sie haben recht! Das war nicht korrekt! Aber nun erzählen Sie mal!“ Ohne mich um den Mann zu kümmern der geantwortet hat, verrichte ich meine Arbeit. Stumm richte ich eine Pfote nach der anderen, wobei mir die TÄ und ein fremder Mann helfen. Fast zwei Stunden arbeiten wir an den Pfoten und erst dann bin ich zufrieden. Immer wieder musste ich die Pfoten der Tiere anders Ausrichten, da die TÄ und auch der Mann diese nicht ganz korrekt gerichtet hatten. Dadurch hätte es passieren können dass der Hund später humpelt. So wie ich die Pfoten gerichtet habe, war das aus geschlossen.

Nur einmal wollte der Mann protestieren doch ich schaute nur kurz hoch und er verstummte. Auch bekam ich mit wie Herbert einmal sagte: „Nun lassen Sie mal meine Frau machen! Das ist schon richtig so!“

Als wir mit der OP fertig waren, zog ich die Handschuhe aus und ging in einen angrenzenden Raum. Dort setzte ich mich in einen Sessel und wartete auf die Tierärzte. Auch Herbert hatte sich in einen Sessel gesetzt. Stumm warteten wir beide und nach kurzer Zeit betreten die TÄ und der Mann den Raum. Der Mann stellte sich als Leiter der TK vor und betonte noch einmal, dass es nicht korrekt war erst ihn zu holen statt sich um das Tier zu kümmern. Dann stellte er viele Fragen an mich. Besonders fragte er nach der Methode wegen des Richtens der Pfoten.

Ich antwortete ihm daraufhin: „Das Richten, so wie ich es gemacht habe, entspricht genau der Anatomie des gesamten Tieres und nicht nur der Pfoten! Ich habe besonders die Größe und das Gewicht des Hundes berücksichtigt. Nur dadurch wird der Hund später nicht humpeln, sondern wie jede andere Dogge seines alters herum tollen können. Bei Ihrer Methode wär er behindert geblieben!“

Erstaunt sah mich der Chef an und nach kurzem Überlegen gab er mir Recht: „Da haben Sie mit Sicherheit recht. Neulich habe ich davon in einer TÄ-Mitteilung für Kliniken gelesen. Die Methode wurde von einer Frau entwickelt, die gar keine TÄ ist. Ich habe mir das damals auch überlegt und bin zu dem gleichen Ergebnis gekommen. Aber angewandt habe ich die Methode noch nie. Wo kennen Sie den die Methode her?“

]Als ich ihm sagte dass ich diese entwickelt habe, schaute er mich nicht gerade geistreich an. Seine Augen waren weit aufgerissen und auch sein Unterkiefer war herunter gefallen. Endlich fand er seine Stimme wieder und nachdem er mehrmals geräuspert hatte sagte er: „Aber die Methode wurde doch von jemanden entwickelt der keine TÄ ist! Haben Sie inzwischen ihren Doktor nach gemacht. Sicherlich, den sonst hätten Sie ja nicht alles machen können.“

Da musste ich ihn enttäuschen, denn einen Titel habe ich nicht. Wieder war das Erstaunen groß und ich holte meine Sondergenehmigung hervor und zeigte sie ihm. Noch fast zwei Stunden waren wir in der Klinik dann brachte uns Willi und sein Chef zurück zum Ausstellungshalle. Beide waren die ganze Zeit dabei gewesen und auch Willi war erstaunt darüber dass ich immer noch keine TÄ bin.

Bei den Hallen wieder angekommen betraten wir leise den Kongresssaal, da die Tagung schon begonnen hatte. Gerade sprach ein ZA darüber, ob es notwendig ist, das ein ZA eine Verbindung zu einem Tierheim hat. Er meinte, dass das nicht nötig ist. Auch legte er seine Gedankengänge für seine Meinung dar. Inzwischen war unsere Ankunft bekannt geworden und nachdem noch ein ZA seine Meinung zu dem Thema abgegeben hatte, er war auch dagegen, wurde Herbert nach vorne gerufen. Auch er sollte seine Meinung sagen, da er schließlich eng mit dem Tierheim zusammen arbeiteten würde.

„Meine Damen und Herren! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Hier auf dem Podest steht die falsche Person! Zwar ist es richtig, dass ich eng mit dem Tierheim in unserem Ort zusammen arbeite. Das liegt aber zum größten Teil daran, das meine Frau dort die Leiterin des Tierheim ist. Sicher, wenn sie operiert habe ich schon des Öfteren geholfen, aber immer hat sie mir ganz genau gesagt was ich machen muss. Oder ich wusste es auch so! Sie sagt immer: Arzt ist Arzt, auch wenn es ein ZA ist. Der kann genauso gut helfen. Und sie hat Recht! Gestern war es der Kaiserschnitt den sie durchgeführt hat. Heute war es eine Dogge die wohl von mehreren Fahrzeugen überfahren wurde. Nur mit ihren Händen hat sie genau die richtige Diagnose gestellt. Später wurde der Hund geröntgt und genau die Verletzungen wurden festgestellt die meine Frau schon erkannt hatte. Aber das schönste daran ist: Der Hund wird Leben! Und das ohne Behinderung. Gleich nach der Katze habe ich versucht Ihnen zu erklären, dass nicht ich die Katze behandelt habe, sondern meine Frau. Doch sie ließen mich gar nicht richtig zu Wort kommen. Umso mehr freut es mich hier und heute alles richtig zu stellen! Sie sehen also, dass ich nicht allzu viel mit dem Tierheim zu tun habe, sondern es eben ein glücklicher Zufall ist, der mich so eng mit dem Tierheim verbindet! Gerda! Ich liebe dich!“

Während der Rede von Herbert merkte ich schon dass alle Personen im Saal mich an sahen. Als Herbert mit seiner Rede fertig war, blieb es einen kleinen Moment still in dem Saal. Dann brandete Applaus auf. Auch ich musste nun nach vorne gehen, wobei ich meine Tasche wieder wie immer mitnahm.

"Sehr verehrte Herren und Damen! Leider kann ich nicht sagen Kollegen und Kolleginnen! Aber das liegt nur daran, weil ich keinen Doktor habe. Nur eine Genehmigung! Ja es ist richtig dass mein Mann Herbert mir öfters unter die Arme greift. Aber er hat während ich gelernt habe, ebenfalls so viel gelernt, das er fast schon ein Tierarzt ist! Wenn auch nicht so gut wie ich! Herbert ich liebe dich auch!“

Während der letzten zwei Sätze wurde heftig gelacht, dann brandete auch wegen meiner kleinen Rede Applaus auf. Der Tagungsleiter trat zu mir und reichte mir seine Hand. Dabei sagte er: „Willkommen im Kreis der ZÄ Frau Kollegin!“ Wieder brandete Applaus auf. Noch über eine Stunde mussten Herbert und ich Rede und Antwort stehen. Dabei erklärte ich den ZÄ auch, das es nicht verkehrt ist das ein ZA sich mit einer TK oder einem Tierarzt eine Verbindung eingeht. Denn nicht immer kann ein Tierarzt eine Zahnbehandlung durchführen

Am anderen Tag fuhren Herbert und ich, nachdem ich nach der Katzenmami und dem Hund geschaut hatte, wieder nach Hause. Als wir wieder zu Hause waren rief ich unseren Tierarzt an und erzählte ihm von der Tagung.
Die Dogge wurde im Übrigen wieder ganz gesund und der Vorgesetzte von Willi holte ihn zu sich nach hause.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #259
Ein sehr schwerer Fall
Wir sind mal wieder unterwegs mit unserem Wohnmobil. Dieses haben wir uns vor gar nicht all zu langer Zeit gekauft. Jedoch ist es diesmal nur ein verlängertes Wochenende. Heute ist Pfingsten, genauer der Samstag vor Pfingsten. Wir, das sind Meine Tochter Monika, mein Mann Herbert und ich. Wir wollen an diesem langen Wochenende nur ins Sauerland fahren. Monika ist inzwischen 16 Jahre alt und wollte eigentlich mit ihrem Freund zusammen sein. Da dieser jedoch die Beziehung zu Monika beendet hat, fährt sie einfach mit. Natürlich ist Monika sehr traurig darüber, aber aus meiner Sicht ist es das Beste für sie im Moment.

Wir sind schon fast an unserem Tagesziel angelangt, dem Kahlen Asten in der Nähe von Winterberg. Schon seit einigen Minuten wundern wir uns, dass kein Fahrzeug uns entgegen kommt. „Hoffentlich ist nichts passiert!“ meint Herbert, während er einen Gang herunter schaltet. „Ein paar mehr PS würden unserem Mobil auch gut tun. Aber was will man von 75 PS anderes erwarten.“

Kurz vor einer Kurve sehen wir dann einen Stau. Also muss doch etwas passiert sein. Darum stellt Herbert das Funkgerät, welches sich im Wohnmobil befindet und die ganze zeit leise mitlief, lauter. Er hofft dadurch zu erfahren, was weiter vorne los ist. Doch außer dem Rauschen, welches aus dem Funkgerät ertönt, ist nichts zu hören.

Gerade als Herbert zum Mikrofon greift, fährt ein Krankenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn an uns vorbei. Dicht gefolgt von einem Polizeifahrzeug. „Oh,oh! Da muss doch etwas passiert sein. Hoffentlich nichts Schlimmes!“ Kaum hat Herbert dieses gesagt wird es auch lebendig auf dem Kanal.

„Wie kann man auch wegen einer Katze eine Vollbremsung hinlegen? Dann ist es doch klar, dass ein Auto schleudern kann. Noch dazu bei dieser Geschwindigkeit! Hoffentlich ist den Leuten nichts passiert. Mit einem Cabrio in die Bäume zu rasen ist nicht sehr gut. Und wie der Hund aus dem Cabrio geflogen ist! Schrecklich!“

Als ich das höre, nehme ich das Mikrofon aus Herberts Hand und melde mich: „Hier ist der kleine Doktor! Was sagst Du da? Ein Hund ist verletzt? Wo ist denn der Unfall?“ Sofort erhalte ich die Antwort: „Wer bist Du denn? Hängst dich einfach in Männergespräche! Halte mal die Klappe! Sensationstouristen könne wir hier nicht gebrauchen!“

Kaum hat der Mann die Taste losgelassen ertönt eine andere Stimme: „Nun halte Du mal die Klappe! Es ist Hilfe da und nur das zählt! Hallo Gerda! Also, direkt hinter der Kurve ist dieser Unfall! Dabei hat sich ein Cabrio überschlagen und ist in die Bäume gerauscht. Dabei ist auch ein großer Hund aus dem Wagen geschleudert worden, der an einem Baum geprallt ist. Alle kümmern sich um den Fahrer und die Beifahrerin. Keiner schaut nach dem Hund. Der liegt noch immer neben dem Baum gegen den er geprallt ist. Ob er lebt weiß ich nicht! Kannst Du nicht eben nachschauen? Die Katze ist im Übrigen heil über die Straße gekommen und im Wald verschwunden!“

Sobald der Gesprächsteilnehmer anfing zu erzählen, habe ich schon zu meiner Tasche gegriffen. Auch Monika steht neben mir: „Diese Ablenkung brauche ich jetzt! Bitte Mama, nehme mich mit, wenn Du losgehst.“ Nur kurz bin ich am Überlegen ob ich Monika mitnehme. Dann steht mein Entschluss fest.

„Natürlich kannst Du mit! Aber wenn es zu schlimm ist, geh bitte wieder zurück.“ „Klar! Aber vielleicht kann ich helfen. Schließlich will ich ach einmal Tierarzt werden! Und bisher durfte ich nicht bei deinen Einsätzen helfen!“ Ich muss ihr Recht geben. Bisher habe ich sie aus allem heraus gehalten. Aber vielleicht ist es das richtige um über ihren verflossenen Freund hinweg zu kommen. Also sage ich zu und schon verlassen wir beide unser Wohnmobil. Herbert meinte noch: „Seid vorsichtig ihr beide! Nun habe ich zwei bekloppte Weiber im Haushalt! Wie soll ich das überstehen?“ Monika und ich müssen herzhaft lachen und ich gebe Herbert einen Kuss. Auch Monika umarmt ihren Vater und sagt dabei: „Du wirst es schon schaffen. Und wenn nicht, ich kenne einen guten Psychiater.“

Als wir aus dem Mobil sind, gehen wir sehr schnell, dicht am Straßenrand, nach vorne. Ich hoffe, dass es nicht all zu weit ist bis zur Unfallstelle. Kaum haben wir die Kurve hinter uns gelassen, sehe ich schon die Unfallstelle. Zwei Polizeiwagen und der Krankenwagen stehen mitten auf der Straße. Gerade wird eine Trage in den Krankenwagen geschoben. Eine weitere Person sitzt schon im Wagen. Von dem Hund ist nichts zu sehen. Aber anscheinend befindet sich dieser etwas abseits der Straße im Wald, denn dort stehen mehrere Personen um etwas herum.

Sofort gehen Monika und ich zu der Stelle und haben sie kurz darauf erreicht. Ich höre gerade wie ein Mann sagt: „Bevor der Hund weiter leidet, sollte man ihn erschießen, denn bis ein Tierarzt da ist, dauert es mit Sicherheit noch sehr lange.“ Ich scheine genau im Richtigen Moment zu kommen! Bevor ich etwas sagen kann, ergreift Monika das Wort: „Sind Sie Tierarzt, das Sie solche Diagnose erstellen können? Wenn nicht, dann gehen Sie zur Seite und lassen meine Mama machen!“

Der Mann schaut erst Monika an, dann mich. Als er meine Tasche sieht, tritt er zu Seite und ich kann auf den Hund sehen. „Ein Tierarzt! Dann brauchen wir ja nicht auf einen warten. Der wird den Hund schon erlösen!“ Der Hund ist ein Rottweiler. Das alter schätze ich auf etwa ein Jahr. Völlig Bewegungslos liegt er neben einem Baum. Sofort gehe ich neben ihn in die Hocke und auch Monika bückt sich. Ich stelle meine Tasche neben mir ab und sofort holt Monika ein Stethoskop aus der Tasche und reich es mir.

Beim abhören kann ich Atemgeräusche und einen Herzschlag feststellen. Wobei letzterer stark erhöht ist. Anschließend taste ich den Hund ab. Schon bei dieser Untersuchung komme ich zu einem vorläufigen Ergebnis. Hautabschürfungen, Prellungen, Kieferbruch, Kopfhaut abgezogen, beide Vorderläufe zertrümmert und etwas scheint mit der Wirbelsäule nicht zu stimmen. Was kann nur eine Röntgenuntersuchung zeigen.

Leise habe ich das alles gesagt und nur Monika konnte es hören. Während sie mich anschaut, sagt sie laut: „Der Hund hat noch eine Chance gesund zu werden. Voraussetzung ist, er kommt sofort in eine Tierklinik. Wo gibt es hier so was?“ Diese Frage richtet sie an einen jungen Polizisten, der neben uns steht. Als Antwort erhält sie: „Etwa 10 Kilometer von hier gibt es eine TK! Nur ist dort am Wochenende nur ein Notdienst: Anscheinend muss der Hund aber operiert werden und das machen die glaube ich nicht am Wochenende. Noch dazu an einem so langem wie wir es jetzt haben. Soviel wie ich weiß, ist dort nur ein Tierarzt der Notdienst macht. Ich rufe aber gerne dort an und erkundige mich.“

Wieder, bevor ich was sagen kann, meldet sich Monika zu Wort: „Dann machen Sie schnell. Es geht um Minuten! Hopp, Hopp, nun komm in die Gänge!“ Irritiert schaut der Beamte Monika an, dann dreht er sich um und geht schnell zu seinem Einsatzfahrzeug. Dort greift er zum Telefonhörer und spricht in diesen. Schon nach etwa drei Minuten kommt er zurück: „Wie ich schon sagte! Dort ist nur eine Notbesetzung und die können nicht raus kommen. Jedoch können wir den Hund bringen und am Diensttag wird sich dann jemand um die Verletzungen kümmern. Natürlich will der Arzt auch heute schon nachsehen was der Hund hat. Aber richtig kümmern ist erst am Dienstag möglich. Tut mir sehr leid!“

Da der Krankenwagen inzwischen weg gefahren ist, läuft der Verkehr auf der Straße wieder. Wenn auch langsam, aber er läuft. Auch sehe ich schon unser Wohnmobil näher kommen, welches kurz darauf anhält. Herbert steigt sofort aus und redet kurz mit einem weiteren Beamten. Dabei zeigt er mehrmals in unsere Richtung, dann kommt er zu uns.

Bevor Herbert uns erreicht, ertönt wieder die Stimme von Monika: „Dann mach mal deinen Bulli startklar! Der Hund wird sofort in den Bulli geladen, meine Mutter und ich fahren mit und dann geht es mit vollem Konzert zur TK! Nun schau nicht so, sondern lass gehen!“

So kenne ich meine Tochter gar nicht und auch Herbert, der die letzten Worte mitbekommen hat, sieht nicht sehr Geistreich aus. Er blickt zwischen Monika und mir hin und her, dann zuckt er mit den Schultern, sagt jedoch nichts. Noch immer steht der junge Polizist unschlüssig neben uns, als wiederrum Monika sagt: „Nun komm mal in die Gänge, junger Mann und halte nicht Maulaffen feil. Der Hund muss behandelt werden!“

Nun geht ein Ruck durch den Beamten und er sagt: „Ich hole eine Wolldecke aus dem Wagen. Suchen Sie mal ein paar starke Äste, damit wir eine Trage bauen können!“ Das sagt er zu Herbert, dann dreht er sich um und geht schnell zu seinem Wagen. Herbert steht neben uns und schüttelt mit dem Kopf, dann geht er auf die Suche und kommt nach kürzester Zeit mit zwei starken Ästen zurück. Da auch der Beamte inzwischen wieder da ist, wird schnell eine Trage gebaut. Zusammen mit zwei weiteren Helfern wird die Tage anschließend zusammen mit dem Hund angehoben und langsam wird zum Bulli gegangen.

Keine 5 Minuten später sind wir unterwegs zur TK. Wir das sind, der Streifenführer, ein älterer Kollege des jungen Beamten, Monika und ich. Herbert folgt mit unserem Wohnmobil. Während der Fahrt flüstert mir Monika ins Ohr: „Ist der nicht Süß“ Ich schaue sie nur kurz an und muss lächeln. Doch ich sage, wie fast die ganze Zeit, nichts.

Da der Wagen mit vollem Konzert fährt, Herbert ist ganz dicht hinter uns, sind wir schnell bei der TK. Dort angekommen wird der Hund von uns sofort in einen Behandlungsraum gebracht. Nach einer sehr kurzen Vorstellung wird der Hund von mir sofort geröntgt. Der Tierarzt der Klinik sagt dazu nichts, sondern lässt mich, nachdem er meine Tasche gesehen hat, gewähren.

Bei der anschließenden Auswertung der Aufnahmen bestätigt sich mein Verdacht! Beide Vorderpfoten sind mehrfach gebrochen und auch an der Wirbelsäule gibt es einen Komplizierten Bruch. Dabei ist die Wirbelsäule nicht einfach gebrochen, sondern an mehreren Stellen, was wohl durch den Aufprall am Baum geschehen ist. Jedoch sieht es so aus, dass das Knochenmark, was eine Lähmung des Tieres bedeuten würde, nicht durchtrennt worden ist. Doch das kann nur durch eine OP genau festgestellt werden.

Als der Tierarzt sagt, dass er das nicht machen kann, ergreift wiederum Monika das Wort: „Dann lassen Sie mal Mama alles machen! Hauptsache Sie helfen bei der OP. Außerdem ist auch noch mein Papa da! Dann kann nichts schief gehen!“ Nun schaut der Tierarzt doch etwas erstaunt, da immer wieder Monika das Wort ergreift und ich nichts dazu sage. Doch er fügt sich!

Bevor die Polizeibeamten wieder fahren, sehe ich wie Monika mit dem jungen Beamten spricht. Auch sehe ich, wie sie etwas auf einen Zettel schreibt. Still muss ich lächeln, aber auch Herbert hat das gesehen. Er stößt mich leicht in die Seite und flüstert mir ins Ohr: „Ich glaube das der kurz Urlaub genau richtig gekommen ist. Sieh nur die beiden! Wie wir damals!“ Nun muss ich doch laut lachen und Monika schaut zu uns herüber. Doch Herbert hebt nur einen Hand und zeigt ihr den hochgehobenen Daumen. Da geht Monika zusammen mit dem Beamten aus dem Raum, nicht ohne uns noch eine Kusshand zu, zu werfen.

Während ich mich für die OP fertig mache, gibt der Tierarzt dem Hund zur Sicherheit eine Narkosespritze. Erstens weil ich nicht weiß, wie lange die OP dauert und zweitens wollen wir auch nicht, dass der Hund während der OP aufwacht. Auch Herbert wäscht sich und zieht einen OP-Kittel an. Dann trete ich an den Behandlungstisch. Zuerst muss ich nach der Wirbelsäule schauen. Denn sollte das Knochenmark durchtrennt sein, muss ich leider die Spritze setzen. Denn dann wäre der Hund gelähmt und könnte nur noch vor sich hin vegetieren. Das will ich ihm aber ersparen.

In diesem Moment kommt auch Monika zurück. Ungefragt geht sie zum Waschbecken und zieht anschließend ebenfalls einen OP-Kittel an. Dann nimmt sie das Sauerstoffgerät und schaut mich fragend an. Schnell erkläre ich, was sie machen muss. Dann greife ich zum Skalpell und mache einen Schnitt in Höhe des Wirbelbruches. Der Tierarzt hält die Wunde nun mit Klammern auf und ich setze eine Lupe auf. Mit der Lupe kann ich nun besser erkennen, ob das Knochenmark angegriffen ist.

„Das Knochenmark ist nicht angegriffen! Der Hund hat ein unwahrscheinliches Glück gehabt. Stabilisieren mit Platten und er kann demnächst wieder herum Toben. Nur müssen die Platten ewig eingesetzt bleiben! Hast Du die passenden Platten da?“ lautet meine Frage nach einem kurzen Zwischenbericht. Kurz überlegt der Tierarzt, dann geht er zu einem Metallschrank. „Der Schrank ist unser Sterilisator! Alles darin ist vollkommen Steril! Eigentlich müssten die Platten da sein! Ah, da sind sie schon!“ sagt er und kommt mit einem Sortiment an Platten wieder zurück. Schnell habe ich die richtigen gefunden und setze diese ein. Nach etwas über zwei Stunden bin ich damit fertig und die Wunde wird vom Tierarzt wieder verschlossen.

Während der OP ist Monika aus dem Raum gegangen, weil das Telefon am Eingang geklingelt hat. In den OP-Raum ist eine Klingel gelegt worden. Nun steht sie vor dem OP und beobachtet uns durch eine Scheibe. Was der Anrufer wollte, hat sie noch nicht mitgeteilt aber sie wird es uns später sagen.

]Ich kümmere mich nun um die Vorderpfoten. Auch diese werden mit Metallplatten gestützt so dass die Knochen wieder verwachsen können. Später können diese dann entfernt werden. Dann richte ich den Kieferbruch. Auch hier kommt eine Metallplatte zum Einsatz. Als letztes kümmere ich mich um die Kopfhaut. Ich lege diese wieder an die richtige Stelle und vernähe diese. Anschließend bekommt der Hund einen Verband umgelegt. Prellungen und Hautabschürfungen werden dann vom Tierarzt versorgt. Auch legt er einen Zugang für Medikamente und zur Versorgung des Tieres. Denn der Hund muss für mindestens zwei Wochen in einem Dämmerungszustand gehalten werde.

Insgesamt hat die OP über 5 Stunden gedauert. Nachdem alles erledigt ist, bringen wir den Hund in einen Nebenraum, wo er die nächsten Wochen verbringen wird. Hier liegen schon ein weiterer Hund und auch eine Katze, wie ich sehen kann. Dann verlasse ich zusammen mit Herbert den OP-Raum, nachdem ich mich der OP-Bekleidung entledigt habe, um nach Monika zu sehen. Denn seit fast drei Stunden habe ich sie nicht mehr an der Glasscheibe stehen sehen.

Als wir zum Empfang der TK kommen sitzt Monika dort zusammen mit dem jungen Polizisten und einem älteren Herren. Als Monika uns kommen sieht, steht sie auf, auch die beiden anderen erheben sich, und kommt zu uns. „Alles klar mit dem Hund? Ach was frage ich! Sicher ist alles klar sonst hätte es nicht solange gedauert! Das ist im übrigen Kai und das ist Doktor K…! Er ist der Leiter der TK und ist vor etwas über drei Stunden gekommen, nachdem er hier angerufen hat und von mir erfahren hat, das hier gerade eine schwere OP durchgeführt wird.“

Doktor K…, ist ein Mann von etwa 45 Jahren, der gar nicht nach einem Arzt aussieht. Eher könnte er ein verkappter Hippie sein. Seine Haare sind zu einem Zopf gebunden und auch der Vollbart passt nicht zu einem Arzt. Zunächst gibt mir aber Kai die Hand und stellt sich korrekt vor. Dann gibt er auch Herbert die Hand und dieser klopft Kai auf die Schulter. Auch bietet Herbert ihm sofort das Du an. Auch der Tierarzt ist inzwischen zu uns gestoßen. Dann reicht mir Doktor K… die Hand und auch Herbert wird begrüßt.

Als wir alle auf Stühlen im Empfangs Raum sitzen ergreift der Doktor das Wort: „Eigentlich wollte ich von meinem Kollegen nur wissen, wie es der Katze geht, als ich anrief. Doch eine mir vollkommen unbekannte Stimme meldete sich am Telefon und teilte mir mit, das mein Tierarzt im Moment nicht an den Apparat kann, da er bei einer OP helfen muss. Eine OP heute? Dachte ich mir und beschloss sofort zur Klinik zu fahren. Dort wurde ich von Ihrer Tochter empfangen und war doch erstaunt, dass auch die Polizei anwesend ist. Doch schnell wurde ich aufgeklärt, dass der Polizist nur rein Privat hier ist. Dann erzählte mir Ihre Tochter was gerade im OP abgeht. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, als ich hörte welche Verletzungen der Hund hat und trotz der Verletzungen operiert wird. Ich hätte nicht operiert. Aber nun gut, das ist was anderes! Durch einen Blick in den OP konnte ich mich davon überzeugen dass dort sehr konzentriert gearbeitet wird, denn obwohl ich an der Scheibe klopfte, hat keiner der Anwesenden in dem Raum hoch gesehen. Nein, alle haben sich voll und ganz auf den Hund konzentriert! Das war vor drei Stunden! Inzwischen hat mich Ihre Tochter auch aufgeklärt, dass Sie keine Tierärztin im eigentlichen Sinn sind, sondern nur eine Tierarzt-Helferin die eine besondere Ausbildung mit gemacht hat und somit Tieren in Not, wenn es sein muss, auch operieren darf. Meine Hochachtung, Frau Kollegin!“

Dann fragte er wie es dem Hund geht und welche Maßnahmen ich getroffen habe. Während ich ihm alles genau erkläre, klingelte es an der Tür und Monika steht auf um den Besucher herein zu lassen.
Ein Mann von etwa 35 Jahren betrat den Raum und er stellte sich als der Fahrer des Unfallwagens vor. Dann fragte er nach seinem Hund und ich erklärte ihm, dass sein Hund wahrscheinlich wieder gesund wird. Jedoch müsse der Hund noch mindestens vier Wochen in der Klinik bleiben. Erst dann kann er zurück, wobei in der ersten Zeit laufend Besuche in einer TK sein müssen. Stumm hörte er sich alles an, dann reichte er uns allen die Hand und er bedankte sich bei uns. Dann ging er zusammen mit dem Tierarzt zu seinem Tier.

Wir redeten noch etwa eine Stunde zusammen, auch der Besitzer des Hundes kam dazu, Dann verabschiedeten sich Herbert, Monika und ich von den Ärzten. Kai brachte uns zum Wohnmobil und während Herbert und ich es sich schon auf unseren Sitzen bequem gemacht hatten, war Monika noch immer mit Kai draußen vor dem Mobil. Zehn Minuten später kam auch endlich unsere Tochter in den Wagen. Sie setzte sich stumm auf ihren Sitz und schaute verträumt in die Gegend. Herbert und ich sahen uns nur lächelnd an. Dann startete er das Mobil und wir fuhren zu unserem Ziel.

Der Hund wurde wieder gesund, nur die Metallplatten an der Wirbelsäule müssen Zeit seines Lebens dort bleiben. Dadurch ist der Hund zwar behindert, aber das stört ihn nicht großartig. Sein Herrchen schickte uns einen Scheck über einen vierstelligen Betrag, da er inzwischen auch erfahren hatte, wer seinen Hund operiert hatte. Kai und Monika telefonierten jeden Tag zusammen und immer wenn Kai ein freies Wochenende hatte, kam er zu uns. Einige Jahre später bestand Monika ihre Ausbildung zur TÄ und kurz darauf heiratete sie ihren Kai. Später zogen beide nach Bayern wo Kai das Haus seiner Eltern geerbt hatte.
 
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Unsere Hochzeit

Inzwischen ist es 1966. Herbert und ich wollen nun endlich Heiraten. Bisher haben wir das immer sein gelassen, denn ich wollte zunächst meine Ausbildungen fertig haben. Im vorigen Jahr habe ich meine Prüfung bestanden und nun ist es endlich so weit. Geplant ist, vormittags zum Standesamt und zwei Stundenspäter dann die Kirchliche Trauung. Noch immer leben Herbert und ich in unserer kleinen Wohnung, jedoch ist Herbert schon fest am suchen nach einem Haus in der Nähe des Tierheim.

Zwei Häuser haben wir uns schon angesehen, aber beide entsprachen nicht so ganz unseren Wünschen, da einfach zu alt! Beide stammten aus dem letzten Jahrhundert und Herbert meinte: „Es sollte schon etwas neuer sein! Sonst müssen wir ewig mit Reparaturen leben und dazu habe ich keine Lust!“ Also sucht Herbert weiter. Er sagte mir auch schon gestern, dass er das richtige gefunden hat. Schön groß und mit einem schönen Garten! Nur 1,5 KM vom Tierheim entfernt und nur zwei Kilometer von seiner Praxis. Also ideal für ihn und mich.

Heute, am Freitag, soll nun der große Tag sein. Als Trauzeugen fungieren für mich, Albert unser Tierarzt und ein sehr guter Freund von Herbert ist sein Trauzeuge. Bei Herberts Freund, sein Name lautet Fritz, handelt es sich um einen Studienkollegen den ich auch schon lange kenne. Fritz und Herbert haben beide bei uns in der Stadt ihre Praxen.

Die Haare wurden gleich heute Morgen in aller früh gemacht. Schon um 8.00 Uhr saß ich beim Frisör, obwohl dieser erst um 9.00 Uhr sein Geschäft öffnet. Aber für mich hat er eine Ausnahme gemacht. Nun ist es schon 10.00 Uhr und noch eine Stunde Zeit um mich fertig zu machen. Helfen tun mir Herberts und meine Mutter. Gerda, Herberts Mutter, meinte immer wieder, dass ich doch ein bisschen Schminke auflegen soll, doch davon halte ich nicht viel, denn immerhin müssen leider Tiere herhalten um die Schminke zu testen. Um das Gerede wegen dem Schminken zu beenden sage ich zu ihr: „Weißt Du Gerda, entweder man ist schön und man hat es, oder man ist nicht schön! Herbert hat mich noch nie mit Schminke im Gesicht gesehen! Noch nicht einmal einen Lippenstift habe ich bisher aufgelegt. Das werde ich heute nicht ändern!“

Gerda maulte zwar kurz, aber dann sagte sie: „Du hast recht! Einen alten Baum soll man nicht verändern!“ Alle müssen wir über den Vergleich lachen und es bleibt dabei, das ich mich nicht Schminke. Meine Mutter holt das Hochzeitskleid aus dem Schrank und ich sehe zum ersten Mal die Überraschung die meine Mutter schon angekündigt hatte. Es ist eine weiße Stoffrose die auf dem Kleid befestigt wurde. Jetzt gefiel mir das Kleid noch besser und ziehees mit Hilfe der beiden an. Es ist ein Bodenlanges Kleid mit einem kleinen Reifrock darin. Es hat einen kleinen Ausschnitt, der mit Rüschen besetzt ist. Dazu gehört ein Hut an dem ein Schleier befestigt ist.

Dieses Kleid zu bekommen war ein hartes Stück Arbeit. Da ich nur 1,52m groß bin, gab es in meiner Größe einfach kein Hochzeitskleid. Alle Kleider die ich anprobiert habe, waren einfach zu lang. Erst in der nächsten größeren Stadt wurde meine Mutter fündig und schon am nächsten Tag, war sie mit mir in dem Geschäft. Zwar waren auch diese Kleider zu lang, aber die Dame die uns beriet, meinte: „Das ist kein Problem! Moment ich hole eben unseren Schneider!“ sprach sie und ging in den hinteren Ladenbereich.

Schon nach kurzer Zeit kam sie mit einem Mann von etwa 40 Jahren wieder zurück. In seinem Beisein probierte ich dann das Kleid an welches mir am besten gefiel. Auch dieses Kleid war mindestens 10cm zu lang, aber der Schneider meinte, das es kein Problem darstellen würde, dieses Kleid so um zu ändern das es mir passt und man auch nichts von den Änderungen sehen kann. „Meistens ist das nämlich das Problem. Wenn es geändert ist, kann man den Übergang an dem die Änderung durchgeführt wurde sehen. Ich verspreche ihnen aber, dass nichts zu sehen ist. Steigen Sie bitte auf diesen Hocker, damit ich das Kleid abstecken kann.“

Also kletterte ich mit Hilfe meiner Mutter auf den Hocker und der Schneider machte sich ans Werk. Fast 30 Minuten lang änderte er die Länge und machte an den Stellen wo er eine Kürzung vornehmen wollte, diese mit Stecknadeln fest. Mehrmals musste ich vom Hocker herunter und einige Schritte durch den Laden laufen. Immer wieder änderte er danach etwas an dem Kleid. Dann war er zufrieden und wir verabredeten uns für eine Woche später. Dann ist mein Kleid fertig.

Eine Woche später klingelte bei meiner Mutter das Telefon und sie machte einen Termin für 15.00 Uhr in dem Geschäft aus. Pünktlich waren wir da und wurden von der Dame und dem Schneider begrüßt. Der erklärte mir zunächst die Änderungen die er durchgeführt hatte. An mehreren Stellen hatte er immer wieder einen Streifen Stoff aus dem Kleid entfernt. Hätte er das nur an einer Stelle gemacht, wäre der Übergang zu sehen gewesen. Darum die Stoffentnahme an mehreren Stellen. Dann habe ich das Kleid anprobiert.

Es passte ausgezeichnet. Genau so sollte es sein. Dann schlug der Schneider noch vor, an mehreren Stellen Stoffbordüren an zu bringen. Die würden mich größer erscheinen lassen. Sofort zeigte er mir was er meinte und befestigte einige dieser Bordüren an dem Kleid. Als ich in den Spiegel schaute, erkannte ich das Kleid nicht wieder. So hatte es sich durch die Bordüren verändert. Ich war begeistert und auch meiner Mutter gefiel das Kleid so viel besser. Dann erklärte der Schneider noch: „Alle Kleider die hier in dem Raum sind, wurden von mir Hergestellt. Alles ist reine Handarbeit! Wenn Sie erlauben werde ich einige Ähnliche Kleider produzieren und diese dann hier Ausstellen und natürlich auch verkaufen. Dann können wir auch über einen größeren Preisnachlas verhandeln, da wir durch die anderen Kleider das fehlende Geld wieder herein holen.“

Natürlich stimmte ich auch diesem Vorschlag zu und wir einigten uns darauf, dass nur der Grundpreis des Kleides gezahlt werden muss. Alle Änderungen und Verschönerungen, was auch zusammen mehrere Hundert Mark waren, wurden kostenlos gemacht! Eigentlich wollte ich das Kleid gar nicht mehr ausziehen so gut gefiel es mir nun. Aber das ging nicht und so hatte ich mich kurz darauf wieder umgezogen. Wir verabredeten noch, dass das fertige Kleid drei Tage später abgeholt werden könne, dann fuhren meine Mutter und ich wieder nach Hause. Drei Tage später holte meine Mutter das Kleid ab und versteckte es bei sich im Kleiderschrank. Selbst mein Vater durfte ab dem Tag nicht mehr an den Schrank, was er auch nicht machte. Außerdem sagte mir meine Mutter, dass an dem Kleid noch eine Überraschung für mich angebracht worden ist.

Als es an der Tür klopft geht meine Mutter hin und öffnet die nur einen Spalt weit. Doch es ist Albert, mein Trauzeuge, der vor der Tür steht. „Es wird Zeit, dass wir los kommen! Bist Du fertig Gerda, oder brauchst Du noch ein bis zwei Stunden?“ Alle in dem Raum fangen an zu Lachen und Albert betritt mit einem breiten Grinsen im Gesicht den Raum. Sofort bleibt er stehen als er mich sieht.

„Bist Du das wirklich Gerda? Ist das wirklich die kleine Gerda die ich kenne? Also von der Größe her ist sie es! Mädchen, Du siehst wunderbar aus!“ Dann tritt er auf mich zu und nimmt mich in den Arm. „Also Mädchen, wenn ich 25 Jahre jünger wäre, hätte dein Zukünftiger aber eine große Konkurrenz in mir! Wirklich, “ damit wendet er sich an Gerda und meine Mutter, „ich kenne sie nur in Hosen! Wie ein Kleid doch die Menschen verändern kann?“

Noch einige Minuten schwärmte er von mir und meinem Kleid. Dann sagte er: „So, nun komm mein Mädchen! Die erste Überraschung steht vor dem Haus und wartet auf dich. Hallo, nicht aus dem Fenster sehen! Das gilt nicht!“ Natürlich wollte ich wissen was das für eine Überraschung ist und bin darum in Richtung Fenster gegangen. Doch der Ausruf ließ mich anhalten und in Richtung Tür gehen.

Als wir das Haus verließen, Albert verließ es als erster, sah ich einen Vorkriegs Mercedes vor dem Haus stehen. Albert lief auf den Wagen zu und öffnete die hintere Tür. Dabei verneigte er sich ein klein wenig. „Bitte sehr, gnädiges Fräulein! Wenn Sie bitte einsteigen würden!“ Lachend stieg ich in den Wagen und auch meine Mutter stieg mit ein. Auf dem Beifahrersitz nahm Albert Platz. Dann startete der Wagen und fuhr in die Stadt.

Als wir vor dem Standesamt ankamen, wartete neben etlichen Neugierigen auch schon mein Vater auf mich. Als der Wagen hielt, öffnete mein Vater die Tür und ich stieg aus dem Wagen. Erst jetzt sah auch mein Vater zum ersten Mal das Hochzeitskleid. Ganz fest nahm er mich in den Arm und sagte zu mir: „Toll siehst Du aus, mein kleines Mädchen!“ Dann reichte er mir seinen Arm und wir gingen zum Eingang des Standesamtes.

Am Eingang zum Standesamt stand Herbert in einem schwarzen Anzug. Gerade unterhielt er sich mit Fritz. Als er mich jedoch sah, verstummte er und ein noch nie bei ihm gesehenes Lächeln erschien in seinem Gesicht. Als wir bei ihm ankamen, sagte mein Vater zu ihm: „Hier ist meine Tochter! Hege und Pflege sie, so wie wir es in den letzten 26 Jahren gemacht haben. Pass immer auf sie auf, als wenn es dein wichtigster Besitz wäre. Möge immer Frieden und Freude bei euch herrschen! Und sollten mir einmal Klagen ins Haus kommen, bin ich bei Dir und lege dich übers Knie!“ Vorher hatte mein Vater ein ernstes Gesicht gemacht, jedoch beim letzten Satz, musste auch er lachen und alle stimmten wir in das Lachen ein.´

Anschließend sagte Herbert zu meinem Vater: „Ich verspreche Ihnen auf Ihre Tochter immer auf zu passen. Kein fremder soll unser Glück stören! Und wenn Du mich übers Knie gelegt hast, weine ich mich bei meiner Frau aus und die kommt dann zu Dir und lässt Dich durch!“ Auch hieraufhin war wieder alles am Lachen. Dann trat Herbert zu mir und nahm mich ganz fest in den Arm. Anschließend betraten wir das Standesamt und kurz darauf begann die Trauung. Der Beamte wies noch einmal auf die gesetzlichen Rechte und Pflichten hin, dann erhoben sich alle von ihren Sitzen und die eigentliche Trauung wurde vollzogen.

Bei dieser Feier im Standesamt waren nur die Eltern von Herbert, seine Schwester, meine Eltern und einige Mitarbeiter des Tierheim anwesend. Natürlich auch die Trauzeugen mit ihren Ehepartnern. Erst am Nachmittag, bei der Kirchlichen Trauung sollten mehr Gäste anwesend sein. Im Anschluss an die Trauung gingen wir in ein in der Nähe gelegenes Restaurant und wir machten eine kleine Feier.

Als es Zeit wurde, stiegen Herbert und ich wieder in den Wagen und wir fuhren zur Kirche. Als wir dort ankamen, waren wir doch erstaunt darüber dass soviel Leute anwesend waren. Herbert flüsterte mir zu, dass fast alle seine Patienten vor Ort sind. Auch ich sah viele Bekannte die ich vom Tierheim her in Erinnerung hatte.

Herbert ging schon mal vor in die Kirche und nach etwa einer Minute wurde ich von meinem Vater zum Altar geleitet. Dort übergab er mich an Herbert und die Trauung Zeremonie begann. Es war eine sehr schöne Trauung. Immer wieder sang ein Mädchenchor. Nur einmal wurde gelacht, als Fritz auf seiner Trompete das Lied anstimmte: „Ich hatte einen Kameraden!“ Doch schnell spielte er ein anderes Lied.

Als wir die Kirche wieder verließen standen einige Mitglieder des Schützenvereines, in dem Herbert Mitglied ist, Spalier. Nach einem kurzen Umtrunk vor der Kirche fuhren Herbert und ich zu dem Lokal in dem die Feier stattfinden sollte. Dort trafen wir uns alle wieder. Zur Feier sind etwa 200 Menschen eingeladen worden. Auch viele Freunde und Bekannte von Herbert sind extra aus Bayern angereist um bei der Hochzeit dabei zu sein. Nur einmal wurde die Feier kurz unterbrochen, als der Tierarzt gebraucht wurde. Natürlich wollte ich mit, jedoch tippte der Tierarzt nur vielsagend an seine Stirn. Nach zwei Stunden war er wieder da und er beteiligte sich weiter an der Feier. Mit keinem Wort erwähnte er, was los gewesen ist.

Natürlich eröffneten Herbert und ich den Hochzeitstanz. Dafür hatte Herbert extra Unterricht genommen, denn mit Tanzen hatte er nicht viel am Hut. Trotzdem waren wir auch später sehr oft auf Tanzveranstaltungen, denn ich tanze sehr gern. Bis kurz nach Mitternacht blieben Herbert und ich bei unserer Hochzeitsfeier. Dann fuhren wir mit dem alten Mercedes nach Hause, da am Samstag gegen Mittag unser Flieger in die USA ging. (Von dieser Reise ist schon berichtet worden)

Nachdem wir von unserer Hochzeitsreise zurück waren, sind Herbert und ich in unser neues Haus eingezogen. Herberts Eltern haben uns dieses, nach Absprache mit meinen Eltern, zur Hochzeit geschenkt.
 
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