Peter und der schwarzer Kater
„Ich fahre so vor mich hin. Seit drei Stunden bin ich mit meinem LKW wieder unterwegs. Bisher lief der Verkehr einwandfrei. Jetzt gibt es einen Stau. Vor mir ist in 2 Kilometer Entfernung eine Tagesbaustelle, wie ich über Funk erfahre. Zwei Kilometer sind nicht schlimm, darum bleibe ich auf der Bahn. Gelangweilt schaue ich immer wieder auf den Gegenverkehr, der ungebremst an mir vorbei donnert. Es sind noch 500 Meter bis zur Baustelle und ein Hinweisschild taucht auf, das alle Autos auf die Überholspur müssen. Also schaue ich in den Rückspiegel und setzte den Blinker. Ein freundlicher PKW-Fahrer lässt mich einscheren und ich bedanke mich bei ihm, indem ich die Hand aus dem geöffneten Seitenfenster halte. Es geht nur sehr langsam voran, fast Schrittgeschwindigkeit und so schaue ich mal wieder in den Gegenverkehr. Auf einmal sehe ich etwas im Gras des Mittelstreifens liegen was sich bewegt. Sofort schaue ich genauer hin und erkenne eine Katze die dort liegt. Sie hebt nur den Kopf, der immer wieder auf den Boden sinkt. Sofort halte ich an und springe aus meinem Truck. Sehr schnell bin ich bei der Katze und erkenne, dass diese offensichtlich angefahren wurde. Wann das war steht aber nicht dabei aber es muss schon länger her sein, da das Blut auf ihrem Fell schon eingetrocknet ist. Obwohl hinter mir Autos wie verrückt am Hupen waren, habe ich vorsichtig die Katze hochgehoben, bin um meinen Truck. Da schrie mich ein Mann an, was das solle und ich sagte ihm nur, dass er sofort die Tür aufmachen soll. Das machte er und ich legte die Katze auf den Beifahrersitz. Dann bin ich wieder um den Wagen rum und bin weiter. Ich wusste, noch 10 Kilometer, dann kann ich dich erreichen. Sobald ich deinen Einzugsbereich erreicht hatte, habe ich dich über Funk gerufen und bekam auch sofort Antwort aus deinem Tierheim. Das ist die Geschichte zu der Katze.“
Doch zum Anfang!
Wieder sitze ich in meinem Büro und mache den Papierkrieg. Kurz schaue ich auf die Uhr. Es sind noch zwei Stunden bis zum Feierabend. Bis dahin werde ich wohl fertig sein mit meiner Arbeit. Da das Funkgerät auf meinem Schreibtisch doch stark am Rauschen ist, stelle ich dieses aus. Gerade in dem Moment als eine Stimme daraus ertönt. Dann kümmere ich mich weiter um den Papierkram. Kurze Zeit später klopft es an meiner Tür und Bernd kommt herein. „Gerda mach das Funkgerät an! Da ist ein Notruf für dich!“ sagt er zu mir. Schnell stelle ich das Gerät wieder an und höre wieder die Stimme von vorhin. Ich ärgere mich, weil ich das Gerät ausgeschaltet habe als diese Stimme ertönte.
Nun kann ich sie wieder hören. „Hallo kleiner Doktor! Melde dich mal, es ist dringend!“ Sofort greife ich zum Mikrophon und antworte dem Trucker. Sofort kommt die Antwort: „Hallo Gerda! Schön dass ich dich endlich erwische! Du musst sofort zu mir kommen! Ich habe eine kleine Katze auf dem Mittelstreifen der Autobahn gefunden. Die ist schwer verletzt.“ Ich frage noch warum er nicht hier hin kommt und erfahre das sein Truck 18 Meter lang ist und nicht damit bei uns in die Straße kommt. Dann sagt er mir auf welchem Parkplatz er steht.
Sofort schnappe ich mir meine Notfalltasche und laufe zum Bulli. Bernd läuft neben mir her und schwingt sich auf den Fahrersitz. Nachdem ich sitze gibt er sofort Gas. Bernd fährt jedoch nicht auf die Autobahn, sondern biegt schon nach einigen hundert Metern, die wir auf der Hauptstraße fahren, in einen Waldweg ein. Dieser führt direkt zu auf die Rückseite des Parkplatzes. Als wir dort ankommen steht direkt vor der Zufahrt ein Polizeifahrzeug. Bernd hupt einmal kurz und als sich einer der Beamten umdreht, macht Bernd eine Handbewegung die anzeigt, dass er vorbei will. Doch anstatt Platz zu machen steigen die beiden Beamten aus dem Fahrzeug und kommen zu unserem Bulli.
Da beide Beamten auf der Fahrerseite stehen und von Bernd die Papiere wollen, wird es mir zu bunt. Ich schnappe mir das Mikrophon und frage welcher von den 30 LKW auf dem Parkplatz der richtige ist. Nachdem ich das weiß, springe ich aus dem Bulli und laufe zu dem entsprechenden LKW. Als ich um den LKW herum laufe, sehe ich viele Trucker bei dem LKW stehen. Als diese mich erkennen, machen sie sofort Platz und einer zeigt nach oben. Schnell steige ich die drei Stufen hoch und sehe dann die Katze. Sofort erkenne ich, dass diese nicht überfahren wurde, sondern während der Fahrt aus dem Auto geworfen wurde. Das muss aber schon in der letzten Nacht geschehen sein, denn über Tags eine Katze aus dem fahrenden Auto werfen ist nicht möglich. Sie ist sehr schwer verletzt. Hier im LKW kann ich sie nicht behandeln. Während ich die Katze untersuchte, erzählte der Trucker wie er zu der Katze gekommen ist.
Da das Mikrophon neben mir herunter hängt, schnappe ich mir dieses und Rufe nach Bernd: „Bernd, komm sofort hier hin! Ich brauche den Tisch und eine Trage!“ Sofort antwortet Bernd: „Die beiden wollen mich hier nicht auf den Parkplatz fahren lassen. Ich soll wieder zurück und die normale Auffahrt benutzen. Außerdem wollen sie 30 Mark von mir und ich bin nicht bereit die zu bezahlen!“
„Alles klar Bernd! Ich werde das sofort klären lassen!“ Antworte ich ihm, dann rufe ich unseren Tierarzt, da ich weiß, das er heute in seiner Praxis ist und er auch dort sein Funkgerät an hat. Sofort meldet er sich und ich sage zu ihm: „Albert, ruf doch mal eben den Polizeipräsidenten an. Da sind zwei übereifrige Beamte hier auf der Autobahn und die wollen nicht, das Bernd mit unserem Bulli zu einem Notfall kommt!“ „Mache ich sofort, mein Engel! Ich melde mich gleich wieder.“ Ich weiß genau was der Tierarzt jetzt macht. Er wird in seiner unterbrochenen Arbeit fortfahren und sich in ein paar Minuten wieder melden. Auch die Trucker schauen mich erstaunt an. Einer sagt: „Kennst Du den denn? Ich meine den Präsidenten!“ Ich sage zu ihm: „Nee, aber das wirkt hoffentlich!“ Da brechen alle Trucker in lautes Lachen aus.
Da meldet sich Bernd und teilt mit, dass er durchfahren darf. Auch der Tierarzt meldet sich wieder und ich sage ihm, dass sich alles erledigt hat. Dann hält Bernd schon unseren Bulli vor dem LKW. Sofort springt er heraus und macht die Seitentür auf. Als er zu einem Tisch greift, es ist ein normaler Campingtisch, wird ihm dieser von einem Trucker aus der Hand genommen und dieser baut den Tisch auch sofort auf. Vorsichtig lege ich die Katze auf meine kleine Trage die ich schon aus der Tasche genommen habe und reiche diese einem weiteren Trucker. Zwei andere helfen mir beim runtersteigen und dann gehe ich schnell zu der Katze die schon auf dem Tisch liegt.
Vorsichtig untersuche ich nun die Katze und bin erschüttert. Alle Pfoten gebrochen, vermutlich einige Rippen, Kieferbruch, vermutlich auch einen Schädelbruch. Auch die Wirbelsäule hat etwas abbekommen. So wie es aussieht besteht mal wieder keine Chance. Muss ich nun zum zweiten Mal in meinem Leben die erlösende Spritze setzen? All das habe ich laut gesagt. Auch die beiden Beamten die hinter den Truckern stehen, haben es mit bekommen. Ich schaue die Trucker an, auch Bernd wird gemustert, dann schaue ich wieder auf die Katze. Die Katze sieht mir direkt in die Augen und darin erkenne ich den unbedingten Willen zu Leben. Ein Ruck geht durch mich und ich sage schnell zu Bernd: „Alles in den Bulli und dann müssen wir sofort los. Hier kann ich nichts machen! Wenn nur nicht der Weg so schlecht wäre, dann könnten wir Gas geben.“
Da sagt einer der Beamten: „Kommen Sie! Wir fahren mit unserem Wagen, das geht schneller!“ Schnell aber vorsichtig lege ich die Katze wieder auf die kleine Trage, verabschiede mich von den Truckern und laufe zu dem Polizeifahrzeug. Einer der Beamten öffnet die hintere Tür und ich steige ein. Als beide Beamten im Wagen sitzen fährt er sofort los. Blaulicht und Martinshorn werden angeschaltet und schon rast der Wagen über die Autobahn. Der zweite Beamte greift zu seinem Funkgerät und ruft die Zentrale: „Hier ist Wagen 17! Wir sind unterwegs zur Tierklinik mit einer sehr schwer verletzten Katze. Die Tierärztin sitzt mit im Wagen!“ Als Antwort bekommt er: „Ist das Gerda?“ und da ich mit dem Kopf nicke gibt der Beamte das weiter an die Zentrale. „Unbedingt die Anweisungen von Frau Gerda XXXXX befolgen und nicht zur Klinik sondern zum Tierheim! Ende“
Erstaunt sieht der Beamte mich an sagt aber nichts dazu, nur fragt er ob es mit dem Tierheim richtig ist. Wieder nicke ich mit dem Kopf und keine 5 Minuten später sind wir im Tierheim. Bernd ist noch nicht mit dem Bulli da. Trotzdem laufe ich mit der Katze auf dem Arm sofort zum Katzenhaus. Dort an- gekommen gehe ich sofort in den Röntgenraum und mache mehrere Aufnahmen von der Katze. Da Bernd inzwischen da ist, nimmt er anschließend die Katze und bringt sie in den Behandlungsraum. Ich entwickle derweilen die Aufnahmen. Dann betrachte ich diese und bin wieder entsetzt. Meine Vermutungen beim Abtasten auf dem Parkplatz bewahrheiten sich. Zusätzlich kommt noch ein Hüftbruch dazu. Die Wirbelsäule weißt nur eine starke Stauchung auf. Der Schwanz ist ebenfalls mehrfach gebrochen.
Wieder kommen mir bedenken die Katze zu behandeln. Doch leichtes Knabbern an meiner rechten Hand sagt mir, was ich machen muss. Sofort fange ich an mit der OP. Zwischenzeitlich kommt auch der Tierarzt und nach kurzer Unterweisung hilft er sofort mit. Leider muss ich den Schwanz fast komplett amputieren so das nur ein kleiner Stummel von ein paar Zentimetern übrig bleibt. Nach vier Stunden sind wir fertig. Mehr können wir im Moment nicht für die Katze tun. Vorsichtig wird das Kätzchen in einen Korb gelegt und nach nebenan in einen anderen Raum gebracht.
Ich rede noch einige Zeit mit dem Tierarzt, dann fahre ich nach Hause. Bernd hat zuvor gesagt, das er die Nacht über bei der Katze bleibt und sich um diese kümmern wird. In den nächsten vier Wochen blieb Bernd immer des Nachts bei dem Kätzchen, während ich über Tags mich um die Katze kümmerte. Dann haben wir beide es geschafft. Die Katze war über den Berg. Sie musste aber noch einige Zeit auf der Krankenstation bleiben. Nur war jetzt keine intensive Pflege mehr nötig. Auch Bernd konnte nun wieder seinen normalen Dienst machen und brauchte nicht mehr nachts bei der Katze bleiben.
Drei Monate später, inzwischen war die Katze wieder genesen, wenn man auch davon absah das sie für den Rest ihres Lebens humpeln wird und nicht mehr sehr schnell laufen kann, wollten wir sie vermitteln. Da ein Tag der offenen Tür geplant war, wollten wir es dabei versuchen. Doch keiner wollte an diesem Tag eine behinderte Katze mit zu sich nach Hause holen.
Während dieser langen Zeit, hat immer wieder Peter, das ist der Fahrer der die Katze gefunden hat, nachgefragt wie es der Katze ging. Immer war er sehr erfreut wenn er hörte, das es langsam besser wurde. Natürlich erzählte ich ihm, das die Katze vermittelt werden soll. Er freute sich darüber. Das war das letzte was ich von ihm hörte.
Am zweiten Tag der offenen Tür sah ich dann Peter wieder. Er kam gegen Mittag zusammen mit einer Frau. Als wir uns begrüßten stellte er diese als seine Frau vor. Dann erkundigte er sich nach der Katze. Zusammen gingen wir zu dem Raum in dem sie mit den anderen Katzen herum tobte. Sofort erkannte Peter die Katze und er fragte mich welchen Namen sie bekommen hatte. Da sagte ich ihm, das es ein Kater ist der den Namen Peter hat. Laut mussten er und seine Frau nun lachen.
Da stoppte Peter in seinen Bewegungen, miaute einmal dann lief er auf Peter zu. Der große Peter ging in die Hocke und nahm den Kater auf den Arm. Dieser war am köpfeln und laut am Schnurren. Auch die Frau streichelte nun den Kater. Auch diese wurde an geköpfelt. Dann sagte Peter: „Schon gut, mein kleiner. Du kommst mit zu uns. Dich kann man hier nicht lassen. Nein Du brauchst ein neues zu Hause, wo Du glücklich bist.“ Während er das sagte, kam eine weitere Katze zu uns und schaute die Frau von Peter an. Dann Miaute auch sie und die Frau bückte sich sofort zu der Katze. Als sie die Katze streichelte sagte Peter: „Natürlich darfst Du auch mit. Ich glaube ihr beide seid Freunde.“ Da fing die zweite Katze an zu schnurren. Beide Katzen wurden sofort mitgenommen und am nächsten Tag sprach ich mit Peter über Funk. Beide Katzen fühlten sich pudelwohl in ihrem neuen zu Hause. Sie konnten sogar die Terrassentür auf lassen ohne das einer der beiden raus ging. Aber trotzdem will er ab dem nächsten Wochenende, ab da hat er Urlaub, den Garten Katzensicher machen.