Post aus Bayern

Diskutiere Post aus Bayern im Katzen Forum im Bereich Katzenfreunde; @Tschikitta, ich bin ein bekennender Fan deiner/Gerdas Geschichten. Sie sind einfach wunderschön. Weiter so. Danke.
  • Post aus Bayern Beitrag #201
@Tschikitta, ich bin ein bekennender Fan deiner/Gerdas Geschichten. Sie sind einfach wunderschön. Weiter so. Danke.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #202
Weihnachtmarkt 1995

Es ist Dezember und in diesem Jahr wollen wir zum ersten Mal einen Flohmarkt bei uns im Tierheim veranstalten. Dabei kann alles verkauft werden, was mit Tieren zu tun hat. Seien es Bücher über Tiere oder Tierbedarfsartikel. Aber auch Tierfiguren können verkauft werden. Es sind nur keine gewerblichen Händler erlaubt. Auch ein Weihnachtsmarkt ist geplant. Bisher haben sich fünfzig Stände angemeldet. Außerdem gibt es einige Bratwurststände sowie Getränkestände. Es ist ein richtiger Weihnachtsmarkt der bei uns stattfindet. Einige der Stände sind schon aufgebaut und an weiteren wird gearbeitet. Denn morgen soll der erste Tag des Marktes sein. Ein weiterer Tag soll übermorgen folgen. Ich entschließe mich dazu auf den Markt zu gehen um mir alles an zu sehen. Außerdem möchte ich ein paar Worte mit den Standbetreibern wechseln. Alle sind zwar schon informiert über den Ablauf des Marktes aber mit Sicherheit gibt es noch hier und da ein paar Fragen.

Ich ziehe meine Jacke an und verlasse mein Büro. Draußen ist es unnatürlich warm für die Jahreszeit. Fast könnte man vom Frühling an Weihnachten reden. Ich hoffe nur, das es nicht anfängt zu Regner während der Markttage. Langsam schlendere ich über den Markt und schaue hierhin und dorthin. Auch helfe ich bei zwei Ständen beim Aufbau. Da tritt eine junge Frau von vielleicht zwanzig Jahren auf mich zu. Sie stellt sich vor und wir reichen uns die Hände. „ Frau XXXXXX ich habe da mal eine Frage! Normalerweise haben wir während unser Stand geöffnet ist unseren Hund dabei. Ist das hier auch möglich oder geht das nicht? Schließlich weiß ich das Tiere hier im Tierheim immer an der Leine geführt werden müssen. Nur unser Hund ist es nicht gewöhnt an der Leine zu laufen oder irgendwo angebunden zu werden.“ Ich muss lächeln. Dann antworte ich: „Bringe deinen Hund ruhig mit! Das Gebot, das alle Hunde an der Leine geführt werden müssen, kann man jetzt wohl außer Kraft setzen. Außerdem wollen wir dem Hund keine Unannehmlichkeiten bereiten wenn er es nicht gewöhnt ist. Was ist es den für ein Hund?“ Die Frau sagt das es ein Bernhardiner ist. Dann trennen wir uns.

Am nächsten Tag, einem Samstag, bin ich um 8.00 Uhr im Tierheim. Obwohl der Markt erst um 12.00 Uhr öffnen soll. Nochmals schaue ich mir alles an. Auch der Bernhardiner wird von mir Begrüßt. Es ist ein feiner Hund der etwa vier Jahre alt ist. Als er mich sieht kommt er Schweifwedelnd auf mich zu. Auch die junge Frau kommt dazu. Wir unterhalten uns einige Minuten, dann gehe ich weiter. Ein paar Meter weiter schaue ich mir gerade einen Stand an, als ein kleines Mädchen zu mir kommt. „Tante kannst du mir helfen?“ fragt sie. Ich frage sie was denn los ist. Sie ergreift meine Hand und zieht mich hinter sich her. Dabei sagt sie: „Wir haben meinen Hund dabei und Papa ist ihm gerade auf die Pfote getreten. Jetzt ist er am Weinen.“ Trotz der Situation muss ich Lächeln. Aber so sind Kinder.

Als wir beim Stand des Mädchens ankommen, höre ich schon das jaulen des Hundes. Er scheint starke Schmerzen zu haben. Momentan hat ein Mann den Hund auf dem Arm. Dieser versucht den Hund zu trösten. Doch der Hund scheint große Schmerzen zu haben. Ich bitte den Mann darum den Hund auf den Tisch zu legen. Vorsichtig legt er den Hund auf den Tisch. Als der Hund liegt, wird sein jaulen sofort leiser. Es handelt sich bei dem Hund um einen Spitz. Der Mann sagt zu mir: „Entschuldigung! Aber wir hatten gehört das man seinen Hund mitbringen darf. Daher ist unsere Susi auch hier. Nur bin ich ihr auf eine Pfote getreten und seitdem ist sie am jaulen. Können sie nachsehen oder sollte ich sofort zu unserem Tierarzt fahren. Wir kommen aus sssssss und haben nur durch Zufall von dem Flohmarkt gehört.“

Ich sage zu ihm: „Ist schon recht! Während des Marktes darf jeder sein Tier mitbringen. Zu Ihrem Tierarzt brauchen Sie nicht zu fahren! Das machen wir hier! Na Susi, dann komm mal her damit ich sehen kann was du hast!“ Der Hund wedelt mit seinem Schweif als ich zu ihm gehe. Ich frage noch welche Pfote betroffen ist, aber ich sehe es schon. Der Mann antwortet das es die linke war. Aber das habe ich schon gesehen, denn die Pfote steht in einem unnatürlichen Winkel ab. Ich streiche dem Hund über den Kopf und taste gleichzeitig die Pfote ab. Anscheinend ist sie gebrochen. Doch das kann ich erst ganz genau sagen, wenn ich den Hund geröntgt habe. Das sage ich auch zu dem Mann. „Das war es dann wohl mit dem Flohmarkt. Ich werde mit Susi sofort zum Tierarzt fahren. Ich muss nur erst alles wieder einpacken, dann bin ich weg.“ Sagt er zu mir und seiner Tochter.

„Das mache ich alles hier! In diesem Tierheim gibt es ein Röntgengerät und auch jemanden mit der Entsprechenden Ausbildung um zu helfen. Ich nehme den Hund jetzt erst einmal mit und werde ihn Untersuchen, dann schauen wir weiter. Richten Sie ruhig Ihren Stand weiter ein und ihre Tochter begleitet mich, dann haben Sie mehr Ruhe.“ sage ich zu ihm. Erstaunt sieht der Mann mich an, dann fragt er: „Sind Sie die Frau Gerda xxxx?“ Ich bejahe das und der Mann sagt zu seiner Tochter: „Susi ist hier in sehr guten Händen. Hier bekommt sie genau dieselbe Hilfe wie bei Onkel Paul, wenn nicht sogar eine bessere. Geh du ruhig mit Tante Gerda mit, die wird alles machen damit Susi bald wieder mit dir toben kann.“

Ich leihe mir von einem Nachbarstand ein Brett und lege vorsichtig Susi darauf. Dann gehe ich in Richtung Katzenhaus. Das kleine Mädchen begleitet mich. Als wir im Katzenhaus sind, gehe ich sofort in den Behandlungsraum und lege das Brett mit Susi auf den Tisch. Als ich eine Spritze heran hole fragt das Mädchen mich: „Tust du Susi jetzt weh?“ Ich antworte ihr: „Nein meine Kleine! Ich gebe Susi jetzt eine Spritze damit sie keine Schmerzen mehr hat. Dann kann ich auch besser nachsehen was sie hat. Wie ist eigentlich dein Name?“ Sie sagt das sie Bettina heißt und ich sage ihr das mein Name Gerda ist. Dabei reichen wir uns die Hand. Dann setzte ich die Spritze. Es ist eine Narkosespritze, aber ich muss Susi röntgen und dabei darf sich der Hund nicht bewegen. Außerdem, sollte die Pfote wirklich gebrochen sein, kann ich gleich den Knochen richten.

Als Susi schläft, nehme ich sie und lege sie unter das Röntgengerät. Ich mache zwei Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln. Beim Betrachten der Aufnahmen stelle ich fest, das Susi einen glatten Bruch der Pfote hat. Also brauch nicht operiert werden. Eine Stilllegung der Pfote durch einen Gips reicht vollkommen. Alle sieben Tage muss kontrolliert werden ob der Knochen auch wieder richtig zusammen wächst. Da Susi drei Jahre alt ist, dürfte es keine Schwierigkeiten geben. Das sage ich auch zu Bettina. Nachdem alles erledigt ist, sage ich zu ihr: „So alles ist erledigt. Jetzt bleibt dein Hund erst mal bis heute Mittag hier, dann kannst du ihn wieder zu dir holen. Die Frau wird auf Susi aufpassen. Du brauchst dir keine Sorgen machen. Komm, ich bringe dich wieder zu deinem Vater.“ Damit nehme ich sie wieder an die Hand und bringe sie wieder zu ihrem Vater. Dort erzähle ich auch ihm das was ich Bettina erzählt habe. Auch erzähle ich ihm was mit Susi ist und vor allem welche Behandlung bei Susi weiterhin nötig ist. Der Mann bedankt sich überschwänglich bei mir und will wissen was denn die Behandlung hier kosten soll. Ich sage ihm daraufhin: „Die Behandlung hier im Tierheim ist Kostenlos. Wir dürfen für die Behandlung keine Rechnung erstellen. Aber über eine Spende freuen wir uns.“ Damit reiche ich ihm die Hand und ich gehe weiter nicht ohne vorher zu versprechen, das ich Susi nachher bringen werde.

Wie ich bei meinem Rundgang feststelle haben viele der Flohmarkhändler, aber auch die Weihnachtsmarkthändler ihre Tiere mitgebracht. So hatte ich das zwar nicht geplant aber ich sage nichts dazu. Nach etwa einer Stunde gehe ich wieder in mein Büro. Dabei schaue ich auf die Uhr. Es ist noch etwa eine Stunde bis zur Eröffnung des Marktes. Aber jetzt sind schon viele Besucher da. Bei vielen sehe ich auch, das sie ihre Hunde mitgebracht haben. Einer der Besucher hat sogar seine Katze mitgebracht, die an einer Leine geht. Ich muss lächeln, denn schließlich sieht man nicht oft, das eine Katze an der Leine geht.

Als der Markt eröffnet wird, bin ich auch wieder draußen. Das so viele Besucher kommen hatte ich nicht erwartet. Der Parkplatz vor dem Tierheim ist Rappel voll und auch die Zufahrtstraße ist dicht mit parkenden Autos belegt. Zum Glück hat auch der Bauer der neben unserem Tierheim eine Weide hat, seine Zustimmung gegeben diesen als Parkplatz zu benutzen. Da auch gleichzeitig das Tierheim besichtigt werden darf, sind auch in diesen Bereichen viele Besucher unterwegs. Ich gehe zum Katzenhaus um nach Susi zu schauen und auch um diese wieder zu Bettina zu bringen. Als ich im Katzenhaus ankomme begrüßt mich Susi mit freudigem Bellen. Ich nehme sie auf den Arm und bringe sie zum Stand ihrer Besitzer. Diese freuen sich Riesig das Susi wieder da ist. Susi wird von allen gestreichelt, besonders von Bettina. Sie ist glücklich ihre Susi wieder zu haben.

Nachdem ich noch einige Minuten mit dem Vater von Bettina gesprochen habe, gehe ich weiter über den Markt. Immer wieder muss ich Hände schütteln. Auf einmal bemerke ich einen kleinen Menschenauflauf vor einem Stand. Neugierig gehe ich näher und schaue über die Schultern der Leute um etwas zu erkennen. Doch das ist nicht möglich, denn das Geschehen scheint auf dem Boden statt zu finden. Als mich die Leute bemerken, öffnet sich sofort eine Gasse. Nun kann ich sehen was dort los ist. Am Boden liegt eine Dogge und ist schwer am Atmen. Daneben kniet ein Mann und ist auf den Hund am Einreden. Da ich diesmal meine Notfalltasche mitgenommen habe, gehe auch ich in die Hocke und hole sofort das Stethoskop aus der Tasche. Damit höre ich den Hund ab. Das Herz des Hundes ist am Rasen. Anscheinend hat er einen Herzanfall. Sofort hole ich das entsprechende Medikament aus der Tasche und ziehe eine Spritze auf. Bevor ich die Spritze setze, schaue ich auf und sehe direkt in die Augen des Mannes dem der Hund gehört. Ich kann eine bitte in seinem Blick erkennen. Stumm nicke ich ihm zu und setzte die Spritze. Schon nach kurzer Zeit beruhigt sich der Herzschlag des Hundes. Da inzwischen jeder Mitarbeiter ein kleines Funkgerät bei sich hat, nehme ich dieses und Rufe nach diesen. Als erster meldet sich Bernd und ich sage ihm was geschehen ist. Er sagt, das zwei weitere Kollegen bei ihm in der Nähe sind und er sofort kommt, wobei er die beiden mitbringt. Auch will er eine Trage mitbringen. Kurz darauf sind die drei da und zusammen legen sie die Dogge auf die Trage. Als sie die Trage hochheben packt auch der Besitzer des Hundes mit an und gemeinsam bringen sie den Hund zum Behandlungsraum

Dort angekommen höre ich den Hund nochmals ab. Dann gebe ich weitere Medikamente. Anschließend spreche ich mit dem Besitzer. Er sagt mir, das er nur auf der Durchreise ist und nach Italien will. Dort wohnen seine Eltern und über Weihnacht will er bei ihnen sein. Ich schlage ihm vor, das sein Hund hier im Tierheim bleiben kann, während er seine Eltern besucht. Auch er fragt nach den Kosten und ich sage auch ihm das wir keine Rechnung ausstellen dürfen. Nur spenden darf er so viel wie er will. Er ergreift meine Hand und sagt zu mir: „Wissen Sie, Carlo habe ich vor drei Jahren von meinen Eltern geschenkt bekommen. Er ist jetzt erst vier Jahre alt. Wenn ich nicht mit Carlo zu ihnen komme glauben sie nie, das er hier im Tierheim ist, weil er einen Herzanfall bekommen hat.“

Ich fange an zu überlegen, dann frage ich ihn ob seine Eltern Deutsch können, was er bejaht. Ich bitte ihn um die Telefonnummer der Eltern. Erstaunt sieht er mich an, aber er gibt sie mir. Ich greife zum Telefonhörer und wähle die Nummer. Als am anderen Ende abgenommen wird, sage ich: „ Hallo, ist dort die Familie AAAAAA? Gut! Mein Name ist Gerda XXXXXX! Ich bin die Leiterin des Tierheim in YYYYYYY. Ihr Sohn sitzt gerade bei mir. Er war mit Carlo unterwegs zu Ihnen, aber er wollte noch unseren Weihnachtsmarkt besuchen. Dabei hat Carlo leider einen Herzanfall bekommen und liegt jetzt bei uns. Ihr Sohn wird also ohne Carlo kommen weil sein Hund nun mal eben bei uns ist. Richtig, ich leite das Tierheim und habe Carlo behandelt. Genau! Ja, ich bin Frau Gerda XXXX.“

Während meines Anrufes wurden natürlich auch Fragen gestellt. Es sind Fragen ob ich die Leiterin bin und auch ob ich Frau Gerda XXXXX bin. Unser Gespräch dauerte noch etwa fünf Minuten, wobei mir mein Gesprächspartner sagte, das er mehrere Jahre bei uns in der Stadt gearbeitet hat und ihm mein Name geläufig ist. Das wichtigste war: „Sagen Sie meinem Sohn, das er auch ohne Carlo kommen kann. Schließlich weiß ich das Carlo wirklich krank ist. Bitte tuen Sie alles damit Carlo weiterleben kann.“ Das verspreche ich ihm. Salvatore, so heißt der Besitzer der Dogge, bleibt noch etwa zwei Stunden bei Carlo, dann fährt er weiter nach Italien. Kurz bevor er fährt sagt er noch zu mir, das er am 2.Januar seinen Carlo abholen wird.

Der Weihnachtsmarkt und auch der Flohmarkt verlaufen ohne weitere Zwischenfälle. Als beide Märkte am zweiten Tag geschlossen werden, kommen viele Aussteller zu mir und bedanken sich bei mir. Alle sind zufrieden. Immer wieder werde ich gefragt, ob im nächsten Jahr noch einmal ein Weihnachtsmarkt abgehalten wird. Zu allen sage ich, das die Entscheidung darüber im Januar fällt und jeder der seine Adresse hinterlegt informiert wird. Auch Bettina kommt mit Susi vorbei. Sie bedankt sich nochmals bei mir für die Hilfe die Susi erhalten hat. Auch ihr Vater bedankt sich. Ein paar Tage später geht eine große Spende von ihm bei uns ein!

Am zweiten Januar sehe ich zwei PKW auf unser Gelände fahren. Der erste hat ein Deutsches Kennzeichen und der zweite ein Italienisches. Aus den Wagen steigen Salvatore und ein mir unbekanntes Paar. Zusammen kommen sie auf mein Büro zu. Kurz darauf sitzen alle bei mir im Büro. Bei dem älteren Paar handelt es sich um die Eltern von Salvatore. Kurz darauf klopft es an meiner Tür und Carlo wird zu uns gebracht. Carlo freut sich riesig ihr Herrchen wieder zu sehen. Auch das ältere Paar wird freudig begrüßt. Wir unterhalten uns noch fast zwei Stunden lang, wobei ich Salvatore auch mitteile, das Carlo einen angeborenen Herzfehler hat und dieser daher unter ständiger Beaufsichtigung bleiben muss.

Dann fuhr Salvatore und Carlo wieder weiter. Das ältere Paar blieb noch einige Zeit. Der Mann heißt Gianni und seine Frau Maria. Beide haben vor ein Tierheim in ihrer Heimatstadt zu gründen. Lange berate ich die beiden über die Schwierigkeiten bei der Führung eines Tierheim. Trotzdem wollen sie es angehen. Ein Jahr später ruft mich Gianni an und teilt mir mit, das das Tierheim gegründet worden ist und auch die Finanzielle Seite für die nächsten Jahre geklärt ist. Im Jahre 1996 besuche ich das Tierheim zusammen mit Herbert meinen Mann.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #203
Heute bekam ich einen Brief aus Bayern!
Außer den üblichen Wünschen war auch noch ein Brief von Gerda an die
Forengemeinde beigefügt.

Hier ist er:


16834960ta.jpg


Gruß Helmut
 
  • Post aus Bayern Beitrag #204
Huhu,

ich wünsche Dir, Deiner Familie und Deinen Katzen ebenfalls frohe Weihnachte. Bitte übermittel Gerda auch liebe Weihnachtsgrüße.

LG
 
  • Post aus Bayern Beitrag #205
Herzlichen Dank für die wieder sehr schöne Geschichte.

"Post aus Bayern" ist für mich der spannendste Thread in diesem Forum und ich freue mich über jede neue Geschichte.

Auch ich wünsche dir und der lieben Gerda ein schönes Weihnachtsfest.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #206
Liebe Gerade, vielen Dank für die lieben Weihnachtsgrüße ans Forum.
Wie du siehst, hast du hier schon eine große Fangemeinde. Wir warten immer gespannt auf weitere neue Geschichten von dir.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #207
Silvester 1965

Es ist Silvester 1965 und ich habe freiwillig den Nachtdienst übernommen. Mein Freund ist zwar nicht sehr Begeistert aber auch er hat Notdienst. Zwar könnten wir zusammen sitzen aber er wird während seiner Notdienstzeit sehr oft angerufen und dann muss er in die Praxis. Das ist der Nachteil wenn man Zahnarzt ist, mit eigener Praxis. Also habe ich beschlossen in dieser Nacht den Notdienst hier im Tierheim zu verrichten. Es ist sehr ruhig im Tierheim. Zwar sind noch etliche Tiere hier bei uns, aber zu Weihnachten wurden doch sehr viele vermittelt. Ich hoffe, das von denen keiner zurück kommt. Im vorigen Jahr ist von 22 Tieren nur eines zurückgekommen. Das war aber wegen einer Allergie von Seiten der neuen Besitzer. Auch dieses Jahr wurden 22 Tiere im Dezember vermittelt.
Es ist inzwischen 22.30 Uhr. Im Fernsehen läuft nichts Vernünftiges. Jedenfalls nichts was mich Interessiert. Also mache ich das Fernsehen aus und nehme mir ein Buch zur Hand. Dieses habe ich unter anderem von meinem Freund geschenkt bekommen. Es ist ein Abenteuerroman der sehr spannend ist.

Als ich gerade anfangen will zu Lesen fällt das Licht eines Autoscheinwerfers durchs Fenster in den Raum wo ich mich befinde. Da das Licht nicht ausgeschaltet wird, nehme ich meine Jacke vom Haken und öffne die Tür um durch dem Vorraum nach draußen zu gehen. Als ich die Außentür öffne, höre ich nur noch einen PKW wegfahren. Vom Motorgeräusch her, kann es ein Käfer sein, oder ein Fahrzeug mit demselben Motor. Unser Bulli klingt genauso.
Ich schalte meine Taschenlampe an und leuchte damit in Richtung Tor. Doch zu sehen ist nichts. Langsam gehe ich in Richtung Tor, immer auf eine Überraschung gefasst. Auf der Straße nähern sich wieder Autoscheinwerfer. Ich bleibe stehen. Vor dem Tor wird hart auf die Bremse getreten, dann wird der Motor ausgestellt. Die Scheinwerfer bleiben weiter an. Gleichzeitig höre ich wie jemand anfängt zu fluchen. An der Stimme erkenne ich Herbert meinen Freund. Sofort laufe ich zum Tor und öffne dieses.
Dann trifft mich ein gewaltiger Schock. Vor mir liegen 4 Hunde und drei Säcke. Die Hunde rühren sich nicht! Was in den Säcken ist, kann ich nicht sehen, aber ich vermute das sich auch darin Tiere befinden. Herbert kniet schon bei den Hunden. Es sind junge Schäferhunde. Ich kann mich nicht rühren, so schockiert bin ich. Erst als Herbert anfängt zu reden geht ein Ruck durch mich und ich gehe schnell die letzten Meter zu ihm und den Hunden. „Die Hunde leben! Sie sind nur Betäubt! Was ist in den Säcken?“ Ich öffne einen der verschlossenen Säcke und schaue hinein. Es trifft mich fast der Schlag! In dem Sack liegen zwei Katzen! Auch sie rühren sich nicht. Schnell öffne ich die anderen Säcke. Auch darin befinden sich jeweils zwei Katzen. Irgendjemand hat 10 Tiere bei uns entsorgt! Ich koche vor Wut und auch Herbert ist am Kochen.

Ich schnappe mir alle 3 Säcke und laufe in Richtung Katzenhaus. Herbert folgt mir, dabei hat er einen der Hunde auf dem Arm. Als wir im Behandlungsraum, der befindet sich im Katzenhaus, ankommen legt er den Hund auf den Behandlungstisch. Dabei sagt er: „Fang du schon mal an, ich hole die anderen Hunde. Dann muss ich aber erst Telefonieren. Soll ich den Tierarzt anrufen?“ Will er zum Schluss noch wissen. Ich sage ihm, das ich das noch nicht sagen kann. Daraufhin dreht sich Herbert um und holt den nächsten Hund. Ich hole die Katzen aus den Säcken und lege diese zunächst in Katzenkörbe.
Anschließend untersuche ich den Hund. Ich muss herausfinden warum er ohne Besinnung ist. Außerdem muss ich feststellen ob er Verletzt ist. Äußere Verletzungen kann ich nicht feststellen, aber auch keine Inneren. Warum ist der Hund ohne Besinnung? Ich nehme eine Katze und Untersuche diese ebenfalls. Auch hier keine Inneren und äußeren Verletzungen. Herbert hat inzwischen alle Hunde in den Behandlungsraum gebracht. Als ich alle Tiere untersucht habe, bin ich ratlos. Keines der Tiere hat Verletzungen! Was ist los? Warum sind die Tiere ohne Besinnung?
Ich entnehme einem der Hunde etwas Blut um dieses zu Untersuchen. Da kommt mir Herbert in den Sinn. Wo ist er? Da kommt er auch schon wieder zur Tür herein. „Ich muss los, mein Schatz. Ein Patient wartet auf mich. Aber ich komme sofort wieder zurück um dir bei zu stehen.“ Er drückt mir einen Kuss auf die Wange und ist schon wieder zur Tür hinaus.

Ich untersuche das Blut des Hundes und finde in der Tat die Ursache, warum das Tier ohne Besinnung ist. Der Hund ist mit einem Schlafmittel betäubt worden! Nur wie viel hat der Hund davon bekommen? Fragen über Fragen! Da ich jetzt weiß, warum der Hund betäubt ist, nehme ich an das es auch die anderen Tiere sind. Ich hoffe inständig das keines der Tiere ins Koma fällt. Auch mache ich mir große Sorgen darum das die Leber bei den Tieren nicht angegriffen wird. Sollten sie ins Leberkoma fallen, kann ihnen nicht mehr geholfen werden.

Ich bin noch am Überlegen was ich machen soll, da klingelt das Telefon. Als ich den Hörer abnehme ist es Herbert der sich nach den Tieren erkundigt. Ich erzähle ihm was ich herausgefunden habe. Er sagt „Moment“ dann höre ich wie er mit jemand redet. Kurz darauf ist er wieder am Telefon: „Gerda, du musst noch mal das Blut untersuchen. Und zwar auf die Leberwerte. Sollten die von der Norm abweichen, müssen die Tiere sofort mit einem Mittel behandelt werden, welches das Eiweiß reduziert. Hier bei mir im Stuhl sitzt ein Arzt den ich gerade Behandele. Den konnte ich fragen. Aber jetzt muss ich weitermachen. Ich rufe wieder an. Tschau mein Schatz.“ Damit legt er auf.

Sofort untersuche ich das Blut des Hundes, von dem ich schon etwas habe, auf die Enzymwerte der Leber. Es ist alles im grünen Bereich. Auch die anderen Hunde untersuche ich nach den Werten. Auch hier ist alles in Ordnung. Auch die sechs Katzen untersuche ich. Bei einer Katze sind die Werte leicht erhöht. Die anderen fünf, haben normale Werte.

So was habe ich bisher nicht gehabt. Schlafmittel bei Tieren? Ich überlege, da fällt mir etwas ein. In diesem Fall ist es eine Vergiftung! Also muss ich die Vergiftung behandeln! Schnell laufe ich zum Büro der Tierheim-Leiterin. Dort sind meine ganzen Lehrbücher die ich bisher gebraucht habe um meine Prüfung zu bestehen. Schnell habe ich das betreffende Lehrbuch gefunden. Sofort geht es wieder zum Behandlungszimmer. Als ich dort eintreffe hebt einer der Hunde seinen Kopf und schaut mich an. Ich streichele ihn über seinen Kopf und weiß bei ihm, das alles wieder in Ordnung kommt. Dann suche ich das entsprechende Kapitel in dem etwas über Vergiftung bei Tieren steht. Leider werden nur Hunde angesprochen, aber das kenne ich schon. Nachdem ich das Kapitel gelesen habe, bin ich genau so schlau wie vorher. Alle möglichen Vergiftungen werden angesprochen, aber eine Vergiftung mit Schlafmitteln nicht. Ich trete ans Telefon und Rufe bei Herbert an. Vielleicht ist der Arzt noch da und ich kann ihn fragen? Doch am anderen Ende geht keiner an das Telefon. Mist!!
In diesem Moment hält ein PKW am Tor. Kurz darauf wird dieses Aufgeschoben und der PKW fährt auf das Gelände. Das kann nur Herbert sein der dort kommt. Wenn ich Dienst habe, gebe ich ihm immer einen Schlüssel für das Tor. Wenige Augenblicke später hält der Wagen vor dem Katzenhaus. Herbert und ein mir unbekannter Mann steigen aus dem Wagen. Zusammen betreten sie das Katzenhaus und stehen auch schon vor mir. Herbert stellt den anderen Mann vor. Es ist der Arzt den Herbert gerade behandelt hat. Wir geben uns die Hand und dann sagt der Arzt: „Ich wollte Sie schon immer Kennenlernen. Naja, immer ist etwas übertrieben, aber meine Tochter die hilft öfters hier im Tierheim und die schwärmt geradezu von Ihnen. Sie haben sie schwer beeindruckt. Seitdem sie hier ist und Sie kennt, will sie TÄ werden. Doch kommen wir zu dem hier. Herbert sagte mir es gibt ein kleines Problem mit Tieren die Schlafmittel bekommen haben. Was haben Sie denn bisher gemacht?“

Schnell erkläre ich alles, auch wie die Tiere hierhin gekommen sind. Auch der Arzt fängt an zu Fluchen. Obwohl er kein Tierarzt ist, untersucht er die Tiere. Auch die Blutuntersuchung Ergebnisse schaut er sich an. Dann fragt er ob ich ein bestimmtes Medikament habe. Da das ein Medikament für Menschen ist, habe ich das natürlich nicht. Dann sagt der Arzt, das er ein Medikament benötigt mit einem ganz bestimmten Wirkstoff. Kurz überlege ich. Dann fange ich an zu suchen. In unserem Schrank sind jede Menge Medikamente. Doch schon bei dem fünften Medikament habe ich einen Treffer. Schnell reiche ich es dem Arzt. Er sieht sich die genaue Zusammensetzung an, dann sagt er: „Die Zusammensetzung ist zwar nur zu 80% gegeben. Es fehlt ein Wirkstoff, welcher bei Menschen benötigt wird. Aber ich glaube das können wir benutzen. Frau Kollegin, wenn ich bitten darf?“ Damit reicht er mir das Medikament zurück. Bei den letzten Worten von ihm muss ich Lächeln und auch Herbert kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Dann sagt er zu dem Arzt: „Wenn wir hier fertig sind Klaus, muss ich dir, glaube ich, etwas erzählen. Aber machen wir erst mal weiter.“ Alle ziehen wir Spritzen auf und geben diese den Tieren. Als alle versorgt sind, sagt Klaus der Arzt: „So das wäre geschafft. Jetzt können wir nur noch warten. Aber es bestehen gute Aussichten das alle Tiere das Überstehen. Was wolltest du mir erzählen Herbert?“

Klaus fängt damit an mich erst mal genau vor zu stellen: „ Also Klaus, das ist meine Freundin Gerda! Sie ist hier Mitarbeiterin. Sie ist ausgebildete Tierpflegerin und ausgebildete Tierarzthelferin. Außerdem hat sie die Zulassung dafür, Tiere in Not zu versorgen. Dazu gehören auch alle Notwendigen Maßnahmen. Das heißt: auch zu operieren. Ich betone, Gerda ist keine Tierärztin!“

Während Herbert dieses erzählt, kann ich sehen das Klaus immer mehr anfängt zu staunen. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. Nach einem kurzen Moment antwortet er: „Herbert, wenn ich dich nicht seit zehn Jahren kennen würde, möchte ich fast annehmen das du mich veräppelst. Da ich aber schon gehört habe, das irgendwo eine Tierarzt-Helferin operieren darf, glaube ich es dir. Gerda, ich freue mich riesig dich kennen zu lernen!“ Damit reicht er mir die Hand die ich auch ergreife.

In diesem Moment hören wir ein leises Miauen hinter uns. Es ist eine der Katzen die wieder wach ist. Erfreut sehen wir drei uns an und ich gehe auf die Katze zu. Als ich bei ihr bin, kann ich sehen das sie zittert und sich ganz klein macht. Auch die beiden anderen sehen das. Ganz langsam strecke ich meine Hand aus und beginne die Katze zu streicheln. Anscheinend gefällt ihr das denn sie beginnt zu schnurren. Auch die beiden anderen beginnen die Katze zu streicheln. Immer mehr Katzen werden wach. Auch die Hunde werden wach. Da alle sehr dicht beieinander liegen können wir jedes Tier streicheln. Wir bemerken aber auch, das die Tiere große Angst haben wenn sich jemand mal schneller bewegt. In diesem Moment klingelt das Telefon und Herbert muss wieder weg. Auch Klaus verabschiedet sich von mir. Dann fahren beide davon.

Alle Tiere erholten sich. Auch die Katze mit den erhöhten Leberwerten erholte sich. Trotzdem behielten wir sie ein halbes Jahr bei uns im Tierheim bevor wir sie zur Vermittlung freigaben. Klaus nimmt zwei Hunde und auch zwei Katzen. Die anderen Tiere kommen jeweils paarweise in sehr gute Hände.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #208
Seltene Zusammen Arbeit

Zusammen mit meinem Mann Herbert bin ich unterwegs zu einer Tagung. Diese Tagung ist von der Zahnärztekammer ausgerufen worden. Das Tagungshotel ist nur 230 km von unserem Wohnort entfernt und so haben wir uns entschlossen mit dem Auto zu fahren. Schließlich muss der alte Rekord auch mal wieder bewegt werden. Herbert und ich freuen uns schon auf die Tagung denn bei solchen Veranstaltungen treffen wir immer wieder Freunde von Herbert aus seiner Studienzeit.

Wir sind fast 1,5 Stunden unterwegs und haben die Autobahn inzwischen verlassen. Jetzt geht es nur noch über Landstraßen weiter. Herbert meint, das es noch etwa eine halbe Stunde dauern wird bis wir an dem Hotel ankommen. Etwa hundert Meter vor uns fährt ein PKW in die gleiche Richtung wie wir. Die Strecke ist sehr Kurvenreich, darum verlieren wir den Wagen immer wieder aus den Augen.

Gerade als wir wieder mal vor einer Kurve sind, kommt uns aus dieser ein PKW mit hoher Geschwindigkeit entgegen. Er ist so schnell, das er in unsere Fahrbahn hineinfährt. Geistes gegenwärtig reagiert Herbert. Er tritt mehrmals voll auf die Bremse und steuert unseren PKW noch weiter zum Fahrbahnrand hin. Daneben ist aber nur noch der Straßengraben. Es sieht so aus, als wenn der andere PKW an unserem Wagen vorbeikommen wird. Doch auch der Fahrer tritt voll auf die Bremse, so das seine Räder blockieren. Dadurch kann er seinen Wagen nicht mehr lenken.

Er knallt genau mit seinem linken Kotflügel in unseren Rekord. Dadurch wird unser Wagen herum gerissen und landet nun doch im Straßengraben. Dort bleibt unser Wagen auf der Seite liegen. Da wir immer angeschnallt fahren ist mir nichts passiert. Auch Herbert hat nichts abbekommen wie er mir versichert. Da unsere Windschutzscheibe nicht mehr vorhanden ist, löse ich meinen Gurt und klettere aus dem Wagen. Kurz darauf folgt Herbert. Er reibt sich die linke Schulter und meint das das nur eine Prellung ist. Ich hoffe es.

Dann schauen wir beide nach dem Unfallgegner. Auch er steht schon neben seinem PKW. Anscheinend hat er nur leichte Verletzungen. So wie ich sehen kann, blutet er aus einer Platzwunde über dem Auge. Herbert geht sofort zu dem Mann während ich nach meiner Notfalltasche suche. Dazu krieche ich wieder in unser Auto und habe sie nach kurzem Suchen gefunden. Als ich gerade aus dem Auto komme hält neben mir ein anderer PKW. Der Fahrer springt aus seinem Auto und kommt zu mir gelaufen. Anschließend hilft er mir beim Aufstehen. Er fragt ob ich verletzt bin was ich auch verneine.

Zusammen gehen wir dann zu dem Fahrer des anderen Unfallwagens. Mein Mann hat sich schon um diesen gekümmert. Aus einem Verbandkasten hat er einen Verband geholt und diesen um den Kopf des Mannes gewickelt. Der Mann der mir geholfen hat, fragt noch ob alles klar ist dann läuft er wieder zu seinem Wagen um Polizei und Krankenwagen zu alarmieren.

Unser Unfallgegner scheint unter Schock zu stehen. Herbert sagt zu mir: „Der murmelt immer was von seiner Katze. Ich habe noch keine gefunden!“ Sofort fange ich an zu suchen. Zuerst im Auto, doch dort sehe ich nichts. Dann in der näheren Umgebung des Autos. Immer weiter ziehe ich meine Kreise. Doch nirgends ist eine Katze zu finden.

Inzwischen höre ich ein Martinshorn näher kommen. Beim Aufschauen sehe ich außerdem viele PKW am Straßenrand stehen. Auch sehe ich viele Leute durchs Gelände ziehen. Auch sie scheinen die Katze zu suchen. Kurz darauf biegt ein Krankenwagen um die Kurve und kommt schnell zum Stehen. Ich laufe wieder zu meinem Mann, der noch immer bei dem Verletzten ist. Als ich bei ihm ankomme sind die Sanitäter schon da und kümmern sich um den Verletzten. Auch die Polizei hält in diesem Moment neben uns.

In diesem Moment ruft ein kleines Mädchen von etwa 5 Jahren: „Hier ist die Mieze! Hier unter dem Auto liegt sie!“ Sofort laufe ich zu dem Kind. Tatsächlich, da liegt eine Katze. Sofort bücke ich mich zu dem Tier und hole es unter dem Auto hervor. Ob die Katze noch lebt oder nicht kann ich noch nicht feststellen. Jedenfalls rührt sie sich nicht als ich sie hoch hebe. Herbert steht auch schon neben mir. Er greift in die Notfalltasche und holt die klappbare Trage hervor. Nachdem diese ausgeklappt ist, lege ich die Katze vorsichtig darauf. Herbert hebt die Trage mitsamt Katze hoch und schaut sich um. In der Nähe steht beine Sitzgruppe mit einem Tisch. Dorthin geht er und ich folge ihm. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie der Krankenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht wieder wegfährt. Anscheinend kommt der Verletzte jetzt ins Krankenhaus.

Ein Polizist tritt zu uns, nachdem wir die Sitzgruppe erreicht haben, und fragt ob wir die Leute aus dem zweiten Unfallwagen sind. Mein Mann meint nur: „Ja das sind wir! Aber Moment noch! Hier ist noch jemand schwer Verletzt und nun müssen meine Frau und ich erst um diesen kümmern. Dann habe ich Zeit für Sie!“ Ich trete neben Herbert und fange an die Katze ab zu tasten. Ich fange am Kopf an. Dabei stelle ich einen Kieferbruch fest und eine dicke Beule am Kopf. Auch eine Vorderpfote scheint gebrochen. Beim vorsichtigen Abtasten der Rippen stelle ich auch Unregelmäßigkeiten fest. Das Tier muss sofort in eine TK oder zu einem Tierarzt mit gut ausgestatteter Praxis! Das sage ich auch Herbert. Dieser wendet sich an den Polizisten und fragt wo ein Tierarzt ist. Es meldet sich eine Frau: „Kommen Sie, mein Mann ist der Tierarzt hier im Tierheim. Er müsste jetzt dort sein.“ Sofort sagt einer der Polizisten: „Fahren Sie ruhig mit! Es reicht wenn Ihr Mann die Aussage macht.“ Herbert meint nur noch, dass er nachkommt.

Als ich mit der Frau losfahre, stellt sie sich vor und auch ich nenne meinen Namen. In ihrem Wagen hat sie ein fest installiertes Telefon. Sie greift zum Hörer und drückt eine Zahl. Dabei meint sie: „Das ist eine Kurzwahl. Damit bin ich sofort mit meinem Mann verbunden. Ja, Hallo! Gerd ich komme mit einer Unfallkatze. In fünf Minuten sind wir da.“ Sie horcht noch einen kurzen Moment, dann legt sie auf. Kurz darauf sind wir bei dem Tierheim. Die Frau fährt direkt zu einem Gebäude. Bevor der Wagen zum Stehen kommt, eilt schon ein Mann im grünen Kittel heran. Er öffnet die Tür und nimmt die Trage auf der die Katze liegt in seine Hand und läuft wieder in das Gebäude. Ich folge ihm und komme fast Zeitgleich mit ihm an. Auch seine Frau ist schon in dem Raum. Sie zieht einen Kittel an und sagt dabei: „Die Kollegin hat die Katze schon untersucht. Wie ich mitbekommen habe, hat die Katze einen Kieferbruch, beide Vorderläufe gebrochen, eine dicke Beule am Kopf und ein paar Rippenbrüche. War das so richtig?“ fragt sie und schaut mich an.

„Ja das ist richtig. Die kleine muss sofort geröntgt werden!“ antworte ich. Schnell stellt sich der Tierarzt vor und sagt dann, dass er kein Röntgengerät in dieser Praxis hat. Er meint dann noch Moment mal und greift zum Telefon. Er wählt eine Nummer und als sich jemand meldet sagt er: „Hallo Hans, ich bin es Gerd. Du ich habe hier einen schwer Verletzten Patienten und der muss geröntgt werden. Ist dein Gerät frei und kann ich sofort kommen? OK, bis gleich!“

Er legt auf und sagt zu mir: „Kommen Sie Frau Kollegin! Ich habe meinen Freund angerufen. Der hat eine Orthopädische Praxis. Die ist etwa 5 Minuten von hier. Dort können wir röntgen. Nur ist die Assistentin nicht mehr da. Wir müssen alles selber machen. Ich hoffe Sie haben Erfahrung damit!“ Während er das erzählt sind wir schon bei dem Wagen angekommen. Er öffnet die Beifahrertür und ich setzte mich auf den Sitz. Dann legt er mir die Trage auf den Schoß und schließt die Tür. Sofort fährt er los und keine fünf Minuten später ist er schon bei der Praxis. Ich öffne die Tür und steige aus. Dabei halte ich vorsichtig die trage mit der Katze. [

Sofort laufe ich auf das Haus zu und Gerd läuft vor mir her. Er drückt auf einen Klingelknopf und schon geht die Tür auf. Wir steigen in den Fahrstuhl und fahren in den zweiten Stock des Hauses. Als wir aussteigen steht ein Mann vor einer Tür und hält diese auf. Als er die Katze sieht sagt er: „Du und deine Patienten! Ich vergesse immer wieder das du Tierarzt bist, Gerd. Hallo schöne Frau! Ich bin Dr. EEEEE! Aber alle nennen mich Hans!“ Während er das sagt, gehen wir schon in seine Praxis und er öffnet die Tür zum Röntgenraum. Dort lege ich die Trage auf den Röntgentisch und gebe Hans die Hand. Auch ich stelle mich vor, sage aber auch nur meinen Vornamen. Kurz erzähle ich was vorgefallen ist, dann bereite ich das Gerät vor. Beide Ärzte stehen daneben und können nur staunen, so sicher sind meine Handgriffe. Insgesamt mache ich zehn Aufnahmen. Da ich beim Abhören der Katze eine Auffälligkeit bemerkt hatte, benutze ich auch das Ultraschallgerät. Dabei erkenne ich mit Schrecken, das der linke Lungenflügel zusammen gefallen ist. Auch die beiden Ärzte erkennen das.

Beim Auswerten der Aufnahmen stelle ich außerdem fest: Bruch des Unterkiefers, Beide Vorderpfoten einfach gebrochen, 4 gebrochene Rippen. Dazu die eingefallene Lunge. Da ich beim Auswerten immer vor mich hinrede, tat ich das auch diesmal: „Kieferbruch: Kein Problem, beide Vorderpfoten gebrochen auch kein Problem. 4 Rippen gebrochen: das ist auch kein Problem. Rechter Lungenflügel zusammengefallen: bei den richtigen Geräten auch kein Problem.“

Beide Ärzte sahen mich erstaunt an, dann sagte der Gerd der Tierarzt: „Also mit den Brüchen hätte ich kein Problem. Das habe ich schon oft behandelt. Aber der Pneumothorax, da sehe ich keine große Chance etwas zu machen. Dafür habe ich keine Gerätschaften. Ich glaube das Beste wäre das arme Tier zu erlösen!“ Auch sein Kollege Hans stimmt dem zu. Ich frage Gerd wie hoch er die Chance einschätzt, die die Katze noch hat. Er sagt etwa 10%. Das reicht mir!

Ich frage Hans ob er ganz bestimmte Geräte hat und er sagt das er alles da hat. Ich nehme die Katze und zusammen gehen wir in den Raum in dem Hans kleinere Operationen durchführt. Ich sage zu den beiden: „Ich kümmere mich zunächst um den Pneumothorax. Anschließend kümmern wir uns um die Brüche. Also lasst es uns angehen!“ Gerd sagt noch: „Findest du das wirklich gut? Bei dieser kleinen Chance die die Katze hat? Ich habe zwar mal von einem verrückten Frauenzimmer gehört, die in einem Tierheim arbeitet und dort operiert, obwohl sie keine TÄ ist. Die operiert noch, auch wenn die Chance noch kleiner ist. Ich habe gehört, das sie schon bei einer Chance von unter einem Prozent operiert hat und gewonnen. Ich hatte dir davon erzählt Gerd!“

„Ja richtig Hans, das hast du gemacht. Aber das muss schon ein Teufelsweib sein die so was macht. Ich möchte sie gerne mal kennenlernen. Das wolltest du aber auch Gerd! Moment mal, sind Sie etwa?“ antwortet Hans und stellt gleichzeitig die Frage. Ich grinse Hans nur an und ihm fällt die Kinnlade herunter. Auch Hans ist sprachlos. Beide starren mich nur an und sagen kein Wort. Dann dreht Hans als erstes seinen Kopf und er stößt Gerd in die Seite. Dabei sagt er: „Gerd, das ist sie. Los an die Arbeit! Die Katze muss gerettet werden! Und sie wird leben!“

Hans nimmt sich eine Narkosespritze die ich ihm gebe und gibt diese der Katze. Ich greife zum Skalpell und mache einen kleinen Schnitt. Als es an der Tür klingelt geht Hans hinaus, kommt aber nach ein paar Minuten zurück. Das nun noch mehr Personen den Raum füllen, nehme ich nur am Rande war.

Zunächst muss ich feststellen was den Pneumothorax ausgelöst hat aber gleichzeitig kann ich die Rippenbrüche richten. Ein Pneumothorax kann durch einen Schlag oder durch eine Verletzung der Rippen ausgelöst werden. Dabei könnte sich eine Rippe in die Lunge gebohrt haben. Ist das der Fall muss ich irgendwie das Loch in der Lunge verschließen. Doch ich habe Glück. Keine Rippe hat die Lunge durchbohrt. So reicht es, zunächst die Luft durch eine sogenannte Thorakozentese die sich im Pleura Spalt befindet abzusaugen. Dabei wird die Luft die sich zwischen Lunge und Rippen befindet abgesaugt. Beim Atmen kann sich anschließend die Lunge wieder mit Luft füllen und sich wieder neu aufbauen. Ich nähe den kleinen Schnitt den ich gemacht habe wieder zu. Dabei setze ich ein kleines Drainagerohr ein, durch den die Luft entweichen kann. Dieses Rohr kann nach zwei Tagen entfernt werden, wobei anschließend nochmals eine Röntgenaufnahme zur Kontrolle gemacht werden muss. Ein Verband stütz die gebrochenen Rippen.

Anschließend kümmere ich mich um die gebrochenen Vorderpfoten. Sie werden gerichtet und stabilisiert. Auch der Kieferbruch wird gerichtet und Stabilisiert. Dann schaue ich hoch und schaue in die Augen von Herbert. Er lächelt mich an und sagt: „Ich stehe schon seit über einer Stunde hier. Ich weiß aber, wenn du in deinem Element bist, das dich nichts stören kann. Daher habe ich nichts gesagt.“ Ich lächle ihn an, dann setzte ich mich auf einen Stuhl. Auch eine mir unbekannte Frau befindet sich in dem Raum. Ich erfahre, das sie die Frau unseres Unfallgegners ist. Sie erzählt, das ihr Mann mit der Katze unterwegs war zum Tierarzt, da sie nach einem Sturz Atembeschwerden bekommen hatte. Daher war ihr Mann so schnell. Ich frage Herbert nach unserem Wagen und er antwortet: „Der ist Schrott. Er hat ja auch 10 Jahre gute Dienste geleistet. Jetzt muss ich mir einen neuen holen. Mal schauen was der Händler so stehen hat. Aber ein Kombi wird es mit Sicherheit wieder. Schließlich wissen wir beide nicht, was für Tiere damit mal Transportiert werden.“ Beide müssen wir Lachen und auch die anderen fangen an zu Lachen.

Dann kläre ich Hans und Gerd auf, das ich tatsächlich das verrückte Frauenzimmer bin die bei der kleinsten Chance handelt. Auch darüber müssen wir wieder Lachen. Beide Ärzte reichen mir ihre Hand und ich drücke diese fest. Wir sitzen noch etwa eine Stunde zusammen. Dann verabschieden wir uns, nicht ohne das ich das Versprechen gebe auf der Rückfahrt nochmals beim Tierarzt vorbei zukommen um nach der Katze zu sehen. Dieser nimmt die Katze mit zu sich nach Hause. Hans bietet uns an, das er uns zu der Tagung bringt, was wir auch gerne annehmen.

Als wir am nächsten Tag die Tagung besuchen, werden wir mit Beifall begrüßt. Der Vorfall hat sich auch schon bis hierher herum gesprochen. Oft muss ich während der Tagung den Vorfall erzählen.
Zurück fahren wir mit einem Leihwagen. Natürlich fahren wir beim Tierarzt vorbei und ich schaue nach der Katze. Die Lunge hat sich wieder voll Ausgebildet und ich entferne die Drainage. Auch hier bleiben wir etwas länger und bei einer Tasse Kaffee fragt mich Gerd über unser Tierheim aus. Bereitwillig erzähle ich ihm alles.

Etwa drei Monate später hält ein Wagen vor meinem Büro. Heraus steigt ein Paar mit einem Katzenkorb. Ich denke noch bei mir: „Neue Kundschaft für unser Tierheim.“ Als es auch schon an der Tür Klopft. Herein kommt das Paar mit dem Katzenkorb. Irgendwie kommt mir die Frau bekannt vor, aber ich weiß im Moment nicht, wo ich sie hinstecken muss. Erst nach der Vorstellung und dem Grund ihres Besuches weiß ich wer die Frau ist. Es ist die Frau unseres Unfallgegners und auch dieser ist dabei. Auch haben sie ihre Katze mitgebracht. Der Katze geht es inzwischen wieder ausgezeichnet und auch der Mann ist Genesen. Springen macht die Katze aber nicht mehr. Braucht sie auch nicht. Wie mir das Paar versichert sind im ganzen Haus inzwischen Treppen eingebaut worden für die Katze. So kann sie über mehrere Etagen bis auf den Wohnzimmerschrank gehen ohne einmal zu springen. Während ich die Katze auf meinem Schoß habe und streichele bedanken sich die beiden immer wieder bei mir, das ich ihre Katze gerettet habe.
Auch Gerd und Hans kamen um das Tierheim zu Besichtigen. Insbesondere interessierte sie das Katzenhaus mit Behandlungsraum und Krankenstation. Gerd meinte zum Abschied: „Zusammen mit Hans, der als Co einspringt, werde ich eine Tierklinik eröffnen. Auch ein anderer befreundeter Tierarzt will mitmachen. Im Moment bin ich auf der Suche nach einem passenden Grundstück. Am liebsten wäre mir natürlich direkt neben dem Tierheim und da bin ich am Verhandeln. Wenn es soweit ist, lade ich dich und deinen Mann gerne zur Eröffnung ein.“ Ein Jahr später besuchten Herbert und ich die neue Tierklinik. Sie ist direkt neben dem Tierheim errichtet worden. Auch unser Unfallgegner und seine frau war da. Natürlich auch die Katze. Springen tat sie aber immer noch nicht.
 
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Das Reh

Ich bin mit unserem Bulli unterwegs. Neben mir sitzt Silvia. Silvia ist eine Mitarbeiterin in unserem Tierheim. Beide haben wir 2 Hunde zu ihren Besitzern zurückgebracht. Diese Hunde waren für 3 Monate bei uns im Tierheim, da ihre Besitzer im Ausland waren. Da die Besitzer kein Auto haben, sind Silvia und ich losgefahren um die Hunde nach Hause zu bringen. Dafür waren wir eine Stunde unterwegs. Jetzt geht es zurück zum Tierheim. Für den Rückweg nehmen wir eine andere Strecke, da wir auf dem Hinweg in einem riesen Stau auf der Bundesstraße gestanden haben. Nun fahren wir eben über Landstraßen zurück.
Gerade fahren wir durch ein Waldgebiet als ich vor uns einen Mann bemerke der heftig am Winken ist. Ich halte neben ihm an und frage ihn was passiert ist. Er antwortet mir:

„Gott sei Dank! Sie kommen von einem Tierheim! Kommen sie schnell! Meine Frau und ich haben vorhin etwa 200m von hier ein schwer verletztes Rehkitz gefunden. Anscheinend ist es von einem Fuchs angefallen worden, denn der liegt auch dort. Nicht weit entfernt stehen ein Reh und auch ein Bock. Sie beobachten alles. Das Reh hat uns auch aufgehalten. Auf einmal kam es aus einem Gebüsch und stand direkt vor uns. Es drehte sich um und ging in Richtung Gebüsch. Da wir stehen blieben kam es wieder zurück. Das machte sie mehrmals. Erst als wir folgten ging es weiter in den Busch.“

Ich stelle den Bulli vor die Schranke die in dem Waldweg ist, dann greife ich zu meiner Notfalltasche und steige aus dem Bulli. Auch Silvia steigt aus. Sie holt aus dem Frachtraum des Wagens eine Trage heraus und dann laufen wir alle hinter dem Mann her. Nach etwa hundert Metern biegt er in einen weiteren Waldweg ein. Dann fängt er an nach seiner Frau zu rufen. Diese antwortet sofort und nach etwa zwei Minuten kommen wir bei der Frau an.

Sie presst dem Kitz ein Taschentuch auf den Kopf, welches schon durchblutet ist. Auch sehe ich, das ein Bein des Kitzes unnatürlich absteht. Auch an der Bruchstelle ist das Kitz am Bluten. Etwa 10 Meter weiter stehen ein Reh und ein Rehbock. Kurz vor ihnen liegt ein Fuchs. Ob dieser lebt kann ich nicht erkennen. Ich knie bei der Frau nieder und nehme das Taschentuch vom Kopf des Kitzes. Die Wunde die ich sehe ist fürchterlich. Anscheinend hat der Fuchs das Kitz ins Gesicht gebissen und dabei beide Augen zerstört. Aus diesen Wunden blutet das Kitz. Gerade als ich zu meiner Tasche greifen will, höre ich hinter mir ein Geräusch. Dort stehen Reh und Bock. Ich weiß wie gefährlich ein Rehbock sein kann und wende ganz langsam meinen Kopf.

Ich erkenne das Reh und Bock näher gekommen sind. Darum sage ich zu der Frau: „Stehen Sie langsam auf und gehen zu ihrem Mann. Dann gehen sie alle etwas zurück. Auch Du, Silvia!“ Langsam erhebt sich die Frau und gesellt sich zu ihrem Mann. Dann gehen alle ein paar Schritte zurück. Inzwischen ist ein weiterer Mann dazu gekommen. Ich vermute das es der Förster ist, denn er hat ein Gewehr in der Hand. Schnell sage ich zu ihm, das er unter gar keinen Umständen Schießen darf. Er nickt mit dem Kopf, behält sein Gewehr aber weiterhin in den Händen. Dann sagt er: „Das Reh kenne ich! Es ist im letzten Jahr beim Frühlingssturm aus dem Schutzgehege weg gelaufen. Sehen Sie die blaue Marke an ihrem rechten Ohr? Das Reh kennt also Menschen. Nur was mit dem Bock ist, kann ich nicht sagen. Ich passe aber auf das er nicht angreift.“

Jetzt bemerke ich eine Bewegung rechts von mir. Als ich leicht den Kopf drehe erkenne ich das Reh. Auch links von mir ist eine Bewegung. Das wird der Bock sein. Langsam hole ich aus meiner Tasche zwei Mullkompressen hervor. Diese will ich auf die Augenhöhlen legen. Nur wie befestigt man einen Verband an einem Rehkitzkopf? Auf einmal habe ich die Idee. Wozu gibt es Pflaster? Ich holte also noch eine Rolle Pflaster aus meiner Tasche und machte einen langen Streifen ab. Eine der Mullkompressen legte ich auf eine Augenhöhle und klebte diese mit dem Pflaster fest. Dann klebte ich einen zweiten Streifen über die Kompresse. So machte ich das auch mit dem anderen Auge.

Direkt neben mir tauchte der Kopf des Rehes auf. Es schnupperte an den Kompressen. Ich rührte mich nicht. Dann schaut mich das Reh an. Auch an mir beginnt es zu schnuppern. In meinem Nacken spüre ich, das der Bock auch am Schnuppern ist. Erst als beide wieder ihren Kopf zurückziehen, bewege ich mich wieder. Ich will nach dem gebrochenem Bein schauen. Dazu lege ich den Kopf des Kitzes, den ich bisher im Schoß hatte, auf den Boden und rutsche etwas zur Seite. Sofort werde ich von hinten angestoßen. Es ist der Bock. Nun wende ich den Kopf und schaue den Bock an. „Nun lass mich Mal machen! Ich kümmere mich schon um dein Kleines. Also gib Ruhe und lass mich meine Arbeit machen!“

Dann fällt mir ein, das unser Wagen sehr weit von hier entfernt steht. Darum sage ich zu Silvia: „Silvia, hole doch mal unseren Bulli so nah wie möglich hier hin!“ An den Förster gewannt sage ich: „Sie haben doch mit Sicherheit einen Schlüssel für die Schranke? Gehen Sie bitte mit und öffnen Sie diese, damit Silvia mit dem Wagen hier hin fahren kann.“ Silvia antwortet mir: „Ich habe gar keinen Führerschein und habe auch noch nie ein Auto gefahren!“ Darauf sagt der Förster: „Ich bringe den Wagen hier hin. Wenn Sie mir nur den Schlüssel zuwerfen.“ Ich greife in meine Tasche und hole den Autoschlüssel hervor. Bevor ich ihn zum Förster werfe, lasse ich den Bock daran schnüffeln. Dann werfe ich den Schlüssel und der Förster geht sofort um unseren Bulli zu holen.

Nun sehe ich mir erst mal den Bruch des Beines an. Es ist ein offener Bruch. Das heißt, das der gebrochene Knochen durch die Haut gestoßen ist und nun hervor schaut. Da das Kitz bei Bewusstsein ist hole ich eine Narkosespritze aus meiner Tasche und setze diese an. Bevor ich jedoch zu stechen kann, stößt mich das Reh mit ihrem Kopf an. Auch der Bock kommt nun nach vorn und steht jetzt direkt vor mir. Beide schauen mich an. Ich setze die Schutzhülle wieder auf die Spritzennadel und lege diese zur Seite. Dann fange ich an zu reden: „Hört mal zu ihr beiden! Ich muss diese Spritze setzen, damit ich das Bein behandeln kann. Dadurch wird euer Kitz schlafen, aber in ein paar Stunden wieder munter sein. Euer Kitz hat jetzt starke Schmerzen darum die Spritze. Ich hoffe ihr versteht mich?“ Danach halte ich ihnen meine Hände entgegen und beide schnuppern daran.

Dann legten sich beide auf den Boden. Als ich aufblickte sah ich, das der Förster inzwischen auch wieder da war. Ich zeigte auf den Fuchs und er ging in einem Bogen zu dem Tier. Dann sagte er: „Da ist nichts mehr zu machen!“ Ich wende mich wieder dem Rehkitz zu und gebe ihm die Spritze. Dann warte ich einige Minuten. In dieser Zeit kommt das Reh und sieht nach ihrem Kitz. Dann legt sie sich zu mir. Ich strecke meine Hand aus und beginne das Reh zu streicheln. Sie zittert zwar, aber bleibt liegen. Dann schläft das Kitz und ich beginne das gebrochene Bein zu richten. Als das geschehen ist, verbinde ich das Bein. Alles andere muss nun im Tierheim geschehen. Nur dort kann ich alles richtig Behandeln.

Ich rief nach Silvia und sie kam langsam mit der Trage zu mir. Der Bock ging zu Silvia und schnupperte an ihr. Auch die Trage wurde begutachtet. Da streckte Silvia ihre Hand aus und streichelte den Bock über den Kopf. Der Bock ließ das geschehen. Dann trat er zur Seite und zusammen legten wir das Kitz auf die Trage. Als Silvia die Sicherheitsgurte schließen wollte kam wieder der Bock zu ihr. Neugierig schaute er zu, tat aber nichts um Silvia zu hindern. Ich hängte mir meine Tasche um, dann hoben wir die Trage an und gingen in Richtung unseres Bulli. Der Förster ging voraus. Direkt hinter mir liefen Reh und Bock, dann folgte das Ehepaar.

Als wir den Bulli erreichten öffnete der Förster die Tür und Silvia legte die Trage auf die Fahrzeugkante. Ich schob die Trage in den Wagen und Silvia befestigte die Trage an den Fixpunkten. Als ich mich umdrehte stand das Reh direkt hinter mir. Ich konnte sehen das sie am Weinen war. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Doch mir kam eine verrückte Idee. Diese teilte ich dem Förster mit und der schaute mich ungläubig an. Dann sagte er: „Wenn Sie das schaffen, werde ich nie wieder ein Reh schießen. Das verspreche ich ihnen.“

Ich wandte mich an das Reh und schupste es in Richtung Bulli. Das Reh sah mich an und als ich es nochmals anstieß ging das Reh auf den Bulli zu und sprang in diesen. Auch der Bock kam näher. Auch ihn stieß ich an und er folgte dem Reh. Da trat nochmals der Förster zu mir und sagte: „Mein Versprechen gilt! Ab diesem Moment werde ich kein Reh und auch keinen Rehbock mehr schießen!“ Er gab mir die Hand und meinte noch das er sich um den Fuchs kümmern werde. Ich steige in den Bulli und Silvia steigt hinten ein zu den Tieren. Dann fahre ich los. Dabei habe ich die Warnblinkanlage angeschaltet. Da der Weg sehr holperig ist, fahre ich sehr langsam. Erst als ich auf die Landstraße komme, gebe ich mehr Gas. Jedoch schneller wie 30 Km/h fahre ich nicht. Was ich nachher auf der Schnellstraße mache weiß ich noch nicht. Ein Stück, etwa 5 Km, muss ich aber darauf fahren.

Als ich um die letzte Kurve vor der Schnellstraße fahre, es sind noch 200m bis dahin, sehe ich am Ende der Landstraße einen Streifenwagen stehen. Sofort fange ich an wie verrückt mit der Lichthupe Signale zu geben. Ich hoffe das die Beamten diese Bemerken. In der Tat! Ich habe noch etwa 100m zu fahren, da steigen die Beamten aus dem Wagen. Kurz darauf bin ich bei ihnen. Es sind Klaus und Peter! Zwei Beamte die ich schon lange kenne. Klaus hat nur noch zwei Wochen bis zu seiner Pensionierung, Peter ist seit 8 Jahren im Dienst. Beide sind sehr gute Freunde und haben mir schon oft geholfen.

Schnell erkläre ich ihnen die Situation und beide werfen erst mal einen Blick in den Bulli. Dann sagt Klaus: „Gerda, Du fährst jetzt genau so weiter wie bisher! Wir fahren hinter dir mit eingeschaltetem Blaulicht. Übrigens! Der Förster hat uns informiert das du wohl hier auf die Schnellstraße fahren willst. Darum sind wir los. Ein weiterer Wagen steht 500m weiter. Ich habe ihn schon angefunkt. Er wartet auf uns. Bis zum Tierheim brauchst du nicht mehr anhalten. Es wäre aber nett, wenn du dein Funkgerät einschaltest und die LKW-Fahrer darüber informierst das diese Überholen können. Hier herrscht zwar Überholverbot für LKW, aber diesmal dürfen sie das. Ach ganz einfach! Ich fahre bei dir mit und erledige das selber.“ Klaus gibt Peter noch einige Anweisungen, dann steigt er in den Bulli.

Nachdem Peter auf die Schnellstraße gefahren ist, diese hat zwei Fahrspuren pro Richtung, fährt er anschließend ein paar Meter zurück und schaltet sein Blaulicht ein. Somit kann ich ohne Schwierigkeiten auf die Straße einbiegen. Ich fahre los und Klaus schnappt sich das Mikrofon des Funkgerätes. Das ist ein CB-Funkgerät. Bernd hatte die Idee dieses einzubauen. Auch bei uns im Tierheim ist solch ein Gerät. Selbst der Tierarzt hat welche. So können wir untereinander uns Unterhalten, wenn der Bulli oder der Tierarzt erreicht werden muss. Klaus schaltet das Gerät auf den Brummi Kanal und schon hören wir wie ein Fahrer auf der Gegenfahrbahn seine Kollegen vor dem Hindernis, ich fahre immer noch 30 Km/h, warnt. Hinter uns fahren schon 5 oder 6 LKW, wie ich nach einem Blick in den Rückspiegel feststelle. Sie trauen sich nicht den Streifenwagen zu Überholen.

Klaus drückt die Mikrofontaste und sagt: „ Hallo Kollegen! Hier spricht XXXXXXXXX! Ich sitze hier vorne in dem Bulli der den ganzen Verkehr aufhält! In diesem Bulli liegt ein sehr schwer verletztes Tier welches zum Tierarzt gebracht werden muss. Ich gebe euch Ausdrücklich die Genehmigung den Streifenwagen und den Bulli zu Überholen und wünsche euch allzeit Gute Fahrt. Also lasst gehen Kollegen!“ Damit lässt er die Taste wieder los und greift zur Polizeikelle. Er öffnet die Scheibe auf der Beifahrerseite und fängt mit der Kelle an zu winken. Im Rückspiegel sehe ich wie der erste LKW zum Überholen ansetzt. Es meldet sich einer der LKW-Fahrer: „Danke Kollege! Was ist das den für ein Tier und welche Verletzungen hat es? Es ist doch nicht etwa ein Reh?“

Ich lasse mir von Klaus das Mikrofon geben und drücke auf die Sprechtaste: „Du hast recht Kollege! Es ist ein Rehkitz welches von einem Fuchs übel zugerichtet wurde. Außerdem hat es ein Bein gebrochen. Darum bitte ich euch alle, wenn ihr Überholt drückt nicht auf die Hupe, denn ich habe hier im Wagen auch noch das Muttertier und den Vater des Kitzes. Gute Fahrt!“ Damit lasse ich die Taste wieder los und reiche das Mikrofon an Klaus zurück. Vor uns sehe ich, während der erste LKW uns überholt ein Blaulicht angehen. Darum sagt Klaus in das Mikro: „Bleibt bitte auf der linken Spur bis ihr an dem anderen Streifenwagen vorbei seid. Dieser fährt anschließend vor uns her.“ Kurz darauf sind wir hinter dem anderen Streifenwagen, der sich an meine Geschwindigkeit anpasst.

Immer wieder rauscht ein LKW an uns vorbei. Im Rückspiegel kann ich sehen, das fast alle mindestens einmal die Lichthupe betätigt. Keiner benutzt beim Überholen seine Hupe. Jedes Mal wenn ein LKW vorbei fährt, hebe ich meinen linken Arm um mich zu Bedanken. Sehr oft höre ich die Worte: „Alles Gute für die Rehfamilie! “ Einer sagt sogar: „Ihr seid doch von dem Tierheim hier! Lasst Mal gelegentlich hören wie es dem Kitz geht. Ich weiß das ihr auch eine Station habt.“ Nochmal greife ich zum Mikro und verspreche es ihm. Dann haben wir die Abfahrt erreicht an der wir die Schnellstraße verlassen müssen um zum Tierheim zu kommen. Am Ende der Abfahrt ist eine Ampel. Aber der erste Streifenwagen fährt trotz Rotlicht in die Kreuzung und ich kann ohne an zu halten abbiegen. Dann setzt sich der Streifenwagen wieder vor unseren Bulli. So geschieht es auch an den nächsten Ampeln und wir kommen ohne einmal an zu halten im Tierheim an.

Dort wartet schon der Tierarzt. Auch er wurde von dem Förster informiert. Darum habe ich ihn auch nicht über Funk erreicht. Sofort kommt er zum Bulli. Ich stoppe ihn aber, da ja noch die beiden anderen Tiere im Wagen sind. Ich steige aus dem Bulli und gehe schnell zur Seitentür. Langsam öffne ich diese und muss erst mal staunen. Da sitzt Silvia auf dem Boden und hat die Köpfe des Rehes und des Bockes auf ihrem Schoß. Sie ist beide am Streicheln. Als die Schiebetür ganz offen ist, springt zunächst der Bock aus dem Wagen und dann die Ricke. Beide bleiben neben dem Bulli stehen und Silvia geht zu ihnen. Sie hält beide fest und ich hebe Langsam die Trage mit dem Kitz aus dem Wagen. Der Tierarzt hilft mir dabei und zusammen tragen wir das Kitz in den Behandlungsraum. Zuerst wird es geröntgt, dann kommt es auf den Behandlungstisch. Dort richtet der Tierarzt zuerst das Bein und kümmert sich anschließend um die Augenwunde des Kitzes.

Nach der Untersuchung und Behandlung der Augen sagt der Tierarzt zu mir: „Das Kitz wird nie wieder was sehen können! Beide Augen sind zerstört. Aber da die Eltern ja auch noch hier sind, habe ich die beste Hoffnung das die Eltern sich um das Kitz kümmern werden. Nachher bringen wir das Kitz zu den beiden dann werden wir sehen was passiert.“

Die beiden Rehe sind hinter dem Bürogebäude untergebracht. Normalerweise ist das ein Gehegen in dem sonst Weidetiere leben. Dieses ist uns vom benachbarten Bauern zu Verfügung gestellt worden. Hierhin bringen der Tierarzt und ich nach vier Stunden das Kitz. Wir wollen es nicht im Haus gesund pflegen, weil es sonst auch in freier Natur, trotz Verletzung, leben müsste. Wir beide hoffen das sich die Ricke weiterhin um ihr Kitz kümmern wird. Als Ricke und Bock uns sehen kommen sie sofort zum Tor des Geheges. Ich öffne das Gatter und der Tierarzt, er hat das Kitz auf dem Arm, betritt das Gehege. Nachdem ich auch das Gehege betreten habe, schließe ich das Gatter. Der Tierarzt setzt das Kitz auf den Boden und sofort kümmert sich die Ricke um das Kitz. Es sieht aus als wenn sich die beiden unterhalten würden. Dann gehen beide zum Bock, der etwa 5m von uns entfernt stehen geblieben ist. Auch der Bock begrüßt das Kitz. Der Tierarzt und ich sehen uns an und Lächeln. Das hat geklappt! Zusammen verlassen wir das Gehege.

Am nächsten Morgen kommt unser Zoodirektor zu uns um die Tiere zu sehen. Er erklärt sich bereit die drei bei sich im Zoo auf zu nehmen. Noch während wir zusammen sitzen und uns Unterhalten kommt Bernd zu uns. Er teilt mit, das immer wieder, über CB-Funk, nach dem Kitz gefragt wird. Da bei mir im Büro ein Gerät steht schalte ich dieses an und höre schon die Fragen der Brummifahrer. Ich greife zum Mikrofon und sage: „Hallo Kollegen! Hier ist die Leiterin des Tierheim in XXXX! Dem Kitz geht es gut! Auch Mutter und Vater erfreuen sich bester Gesundheit. Zwar ist das Kitz Blind, aber es wird demnächst, wenn es gesund ist, zusammen mit den Eltern in unseren Zoo Übersiedeln. Also wenn ihr wollt besucht das Kitz dort. In etwa 4 Wochen findet die Umsiedelung statt. Allzeit gute Fahrt!“

Nachdem ich das Mikrofon wieder weggelegt habe, höre ich immer wieder Glückwünsche die an mich gerichtet sind. Ich bedanke mich noch bei den Brummi Fahrern dann schalte ich das Gerät wieder ab. Vier Wochen später wurde die Rehfamilie in den Zoo gebracht. Das Bein des Kitzes heilte vollkommen. Nur das Augenlicht konnten wir dem Kitz nicht zurückgeben, aber die Ricke kümmerte sich Zeit ihres Lebens um das Kitz. Auch der Förster hat sein Versprechen gehalten.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #210
Danke für die wunderschönen Geschichten! Ich habe bisher drei gelesen, aber liebe Grüsse an Gerda. Toll!:lol:
 
  • Post aus Bayern Beitrag #211
Danke für die wunderschönen Geschichten! Ich habe bisher drei gelesen, aber liebe Grüsse an Gerda. Toll!:lol:
Du musst auf jeden Fall alle nacheinander lesen, und nix durcheinander :mrgreen:
Ich persönlich finde es nämlich unheimlich spannend, wie zwischendurch immer mal eine kleine Rückblende kommt. Z.B. wie sie ihren Mann kennen gelernt hat, .... dann kommt wieder eine Geschichte vor der Zeit mit ihrem Mann, .... dann wieder Eine wo sie z.B. mit ihrem Mann Urlaub gemacht hat.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #212
Urlaub mit dem Wohnmobil

Dieses Jahr machen mein Mann Herbert und ich Urlaub in den Bergen. Wir haben uns ein Wohnmobil gemietet um dieses Jahr beweglich zu sein und nicht an einen Ort gebunden sind. Wir wollen 14 Tage unterwegs sein. Uns beiden gefällt die Unabhängigkeit und Herbert denkt schon laut darüber nach, ob wir uns auch ein Wohnmobil kaufen wollen. Dann könnten wir an jedem Wochenende wenn wir frei haben in der Gegend herum fahren. Was uns bisher hindert ist der Preis für solch ein Fahrzeug. Und ob wir jedes Wochenende wegfahren können, bezweifele ich aber auch Herbert. Er meinte vielleicht alle 2 Wochen, aber dann ließ er es wieder über das Thema zu reden. Darum haben wir uns für diesen Urlaub das Mobil gemietet um aus zu probieren ob das etwas für uns ist.

Wir sind schon 4 Tage unterwegs und befinden uns jetzt am Achensee. Herbert steuert einen Campingplatz an, um dort für ein oder zwei Tage einen Platz zu bekommen. Als er wieder zurückkommt, sagt er: „Hier ist alles voll. Aber der Betreiber hat bei einem anderen Platz angerufen. Dort ist noch ein Platz frei. Ich habe diesen reservieren lassen. Wir müssen nur auf die andere Seite des Sees fahren. Von dort kann man auch gute Wanderungen in die Berge unternehmen.“

Herbert wendet das Mobil und fährt wieder zur Hauptstraße zurück. Wir müssen direkt am See entlang fahren um zu dem anderen Platz zu kommen. Nach etwa einer halben Stunde sind wir da. Der Betreiber des Platzes erwartet uns schon und zeigt uns den Platz wo wir uns hinstellen können. Wir unterhalten uns noch ein paar Minuten, auch um zu erfahren wohin wir denn von hier aus Wandern können. Er schlägt uns vor zu einer Berghütte zu wandern. Er sagt: „Die Hütte ist etwa 2,5 Kilometer von hier entfernt. Ich denke das können Sie in drei Stunden schaffen. Ich rate ihnen aber morgens los zu gehen, denn die Hütte hat nur Platz für 5 Übernachtungsgäste und ist immer Ausgebucht. Aber gut essen kann man dort! Übrigens von den 2,5 Kilometern sind etwa ein Kilometer leicht ansteigende Gelände. Der Rest ist sehr steil. Aber es gibt einen gut Ausgebauten Wanderweg.“ Wir bedanken uns bei ihm und er fragt noch ob wir am anderen Morgen Brötchen haben möchten. Er hängt diese dann an den Spiegel des Wohnmobils. Wir bestellen bei ihm 6 Brötchen und fragen noch wo wir für unseren Ausflug etwas zu trinken kaufen können. Nachdem er uns das gesagt hat geht er wieder. Da es schon später Nachmittag ist, beschließen wir kurz zum See zu gehen und ein Lokal zu suchen. Ich mache nur das Frühstück im Wohnmobil und einen Zwischenmahlzeit. Ansonsten Essen wir in Lokalen.

Am nächsten Morgen, es ist inzwischen 8.00 Uhr, holt Herbert die Brötchen, die tatsächlich am Spiegel hängen, herein und wir Frühstücken zusammen. Dann machen wir uns fertig für unsere Bergtour. Nachdem wir das Wohnmobil verlassen haben gehen wir noch in das Geschäft um uns etwas zu trinken zu kaufen. Auch eine Karte dieser Gegend kauft Herbert. Dann gehen wir los.

Die ersten paar Hundert Meter sind tatsächlich nur ganz leicht am Ansteigen. Dann wird es etwas steiler, aber noch nicht ganz schlimm. Hier fahren auch noch Leute mit ihren Fahrrädern. Als wir an eine Kreuzung kommen sehen wir das dort eine Unterstellmöglichkeit für Fahrräder ist. Es sind schon zehn Räder in dem Unterstand. Auch ein Hinweisschild zu der Berghütte ist vorhanden. Wir folgen diesem Weg und schon nach kurzer Zeit wird der Weg steiler. Wir kommen ganz gehörig ins Schwitzen. Unterwegs überholen wir einen älteren Mann. Wir unterhalten uns kurz und er erzählt das er 78 Jahre alt ist und seit heute Morgen 6.00 Uhr unterwegs ist. Er hofft das er gegen 15.00 Uhr bei der Hütte ankommt. Herbert und ich können nur noch staunen. Dann gehen wir weiter und Herbert meint: „Hochachtung vor diesem Mann! Wenn ich mal so alt bin, hoffe ich das ich noch genauso fit bin wie dieser alte Herr!“

Es ist gegen Mittag als wir bei der Hütte ankommen. Warum diese Hütte heißt haben wir nicht begriffen. Sicherlich, das Gebäude ist aus Holz aber sicherlich nicht als Hütte zu bezeichnen. Die Hütte ist sehr stabil gebaut und auch einigermaßen groß. Egal, wir betreten die Hütte uns setzen uns an einen Tisch. Als die Angestellte kommt bestellen wir etwas zu Essen. Wir bleiben ungefähr 3 Stunden auf dem Plateau wo die Hütte steht. Wir wollen erst die große Mittagshitze abwarten und dann zurück. Mehrmals werden wir darauf angesprochen ob jetzt ein Tierarzt hier oben stationiert wird. Das liegt daran, das ich wie immer meine Notfalltasche dabei habe. Auf der Vorderseite der Tasche ist groß das Zeichen für einen Veterinär zu sehen.

Als wir gegen 15.00 U hr aufbrechen kommt uns der alte Mann entgegen. Wir sind baff und unterhalten uns noch einige Minuten mit dem Mann. Dann machen wir uns auf den Weg. Schon kurz darauf merken wir, das es Bergab erheblich leichter ist als Bergauf. Herbert meint, das wir für den Rückweg sicher nur anderthalb Stunden brauchen werden. Wir sind schon etwa eine Stunde unterwegs als uns eine kleine Menschenmenge auffällt. Irgendetwas ist dort los. Auch sehe ich zwei Kinder die etwas abseits von der Gruppe stehen. Beide sind am Weinen. Neben ihnen steht eine Frau und presst die beiden an sich.

Als wir bei der Gruppe eintreffen dränge ich mich sofort nach vorn. Es gibt zwar Proteste deswegen, jedoch als die Leute meine Tasche sehen machen sie Platz und ich kann ungehindert durch. Am Boden liegt ein Hund. Es ist ein Münsterländer. Ein Mann versucht dem Hund Flüssigkeit ein zu träufeln. Sofort bücke ich mich und als der Mann meine Tasche sieht, macht er Platz. Jedoch hält er weiterhin den Kopf des Hundes. Ich sehe das der Hund stark am Hecheln ist und das er immer wieder nach Luft schnappt. Ich öffne meine Tasche und hole zuerst das Stethoskop hervor. Als ich den Hund abhöre, stelle ich sofort fest, das der Hund etwas am Herzen hat. Das Herz schlägt sehr unregelmäßig. Mal schnell, Mal sehr Langsam. Auch schwankt die Stärke der Herztöne. Der Hund hat Herzrhythmusstörungen!

Neben mir tauchen die Kinder auf. Eines fragt mich: „Was hat Alex denn? Wird er wieder gesund? Du hilfst doch unserem Alex? Bitte, bitte! Mache ihn wieder gesund!“ Das Kind ist etwa 7 Jahre alt. Bevor ich etwas sagen kann kommt die Frau dazu, anscheinend die Mutter. „Du sollst doch die Tierärztin in Ruhe lassen, Klara. Das du aber auch nicht hören kannst! Komm…..“ Bevor sie weiter schimpfen kann, hebe ich meine Hand und sie verstummt. Ich wende mich an Klara: „Ich werde alles versuchen, damit dein Alex bald wieder mit dir herum toben kann. Aber auch ich kann nicht alles schaffen. Jedoch gibt es bei mir kein: ich kann nicht. Also vertraue mir.“ Klara schaut mich an, dann geht sie ein bisschen zur Seite.

Ich nehme ein bestimmtes Medikament aus meiner Tasche und dazu eine Spritze. Es ist ein Herzstärkungsmittel. Ich hoffe, das sich dadurch das Herz wieder beruhigt. Dann setzte ich die Spritze. Außerdem gebe ich noch eine Aufbauspritze. Was jetzt fehlt wäre ein Tropf mit Kochsalzlösung. Doch das habe ich hier nicht. Darum die Aufbauspritze. Der Besitzer des Hundes meint während ich die Spritzen setze: „Bevor wir los sind, hat er noch mit den Kindern Getobt. Alex ist erst 4 Jahre alt. Ich verstehe nicht, wieso jetzt!“ Beruhigend lege ich ihm meine Hand auf die Schulter. „Jetzt kann er es schaffen. Sie brauchen sich keine Sorge zu machen. Nur muss Alex so schnell wie möglich in eine TK. Dort kann man ihm noch mehr helfen.“

Ein junger Mann, der bei den anderen steht, sagt zu mir: „Ich bin Amateurfunker und habe einen Notruf abgesetzt. Moment bitte!“ Er sagt etwas in sein Funkgerät dann fragt er mich, was der Hund nun Hat. Nachdem ich ihm es gesagt habe, spricht er wieder in sein Funkgerät. Als er damit fertig ist sagt er: „Das war der Funkfreund der den Notruf empfangen hat. Er hat die Bergrettung alarmiert. Die Rettung weiß das es ein Hund ist. Trotzdem schicken sie den Hubschrauber. Sie sollen auf jeden Fall bei dem Hund bleiben und sich um ihn kümmern. Die Rettung muss nur noch einen Tierarzt aus der TK holen, dann machen sie sich auf den Weg.“ Ich bin am Staunen und auch die Leute um uns herum fangen nach den Worten des Mannes an zu reden. Schon irgendwie komisch. Da kommt die Bergrettung mit einem Hubschrauber wegen eines Hundes!

Kurz darauf hören wir alle schon die Geräusche des Hubschraubers. Etwa hundert Meter von uns entfernt landet der Hubschrauber. Als er am Boden ist springen eine Frau und zwei Männer aus dem Hubschrauber und kommen sofort zu uns gelaufen. Ein weiterer Mann holt eine Trage aus dem Hubschrauber. Als die Frau bei uns ankommt sagt sie kurz das sie TÄ ist, dann fragt sie was los ist und welche Medikamente ich schon gegeben habe. Einer der Männer hatte einen Koffer in der Hand den er öffnet. Daraus holt er eine Flasche mit Kochsalzlösung, setzt einen Zugang, und gibt diese sofort dem Hund. Auch die TÄ hört den Hund ab. Dann schaut sie mich an: „Sie haben gut vor gearbeitet, Frau Kollegin! Ohne Ihr eingreifen würde der Hund schon nicht mehr Leben. Das Mittel das Sie gespritzt haben, gib es hier noch gar nicht. Wie sind Sie daran gekommen?“

Beide erheben wir uns und auch Herbert tritt zu uns. Die Männer die mit dem Hubschrauber gekommen sind legen den Hund auf die Trage und schnallen ihn fest. Dann gehen sie langsam in Richtung Hubschrauber. Während sie das machen stelle ich mich der TÄ vor: „Mein Name ist Gerda XXXXXX. Ich bin Mitarbeiterin in unserem Tierheim in YYYYYY. Dort habe ich die Ausbildungen zur Tierpflegerin gemacht und auch zur Tierarzt-Helferin. Außerdem habe ich die schriftliche Genehmigung vom Tierarzt-Verband Tieren in Not zu Helfen. Wenn es sein muss auch zu operieren. Auch darf ich die erlösende Spritze setzen. Aber das kommt bei mir nicht in Frage. Aber sagen Sie mal: Warum kommt die Bergrettung um einem Hund zu helfen?“

Zunächst ist die TÄ erstaunt, das ich keine TÄ bin. Erst als ich ihr meine Bescheinigung zeige ist sie überzeugt. Dann klärt sie mich auf: „Der Leiter der Bergrettung ist Funkamateur und er hat diesen Notruf aufgenommen. Als er hörte, das eine TÄ vor Ort ist, hat er natürlich die Besatzung des Hubschraubers gefragt, ob die helfen wollen. Als diese zugestimmt haben ist alles seinen Weg gegangen. Nein, normalerweise kommt die Bergrettung nicht wegen eines Hundes. Aber in diesem Fall ist es was anderes. Mit Sicherheit will er mit Ihnen sprechen wenn ich ihm davon erzähle, das eine Tierarzt-Helferin den Hund gerettet hat.“ Sie gibt mir die Hand dann wendet sie sich an die Besitzer des Hundes und sagt diesen wo der Hund hinkommt. Anschließend läuft sie schnell zu dem Hubschrauber der kurz danach abhebt und davon fliegt.

Das Ehepaar und besonders die Kinder bedanken sich bei mir und zusammen gehen wir weiter den Berg hinunter. Erst als wir bei dem Campingplatz ankommen auf dem wir unser Wohnmobil stehen haben verabschieden sie sich von uns. Sie haben einen Campingwagen auf dem anderen Platz stehen. Bevor sie gehen verabreden wir uns noch für ein Essen am nächsten Tag. Zunächst wollen sie zu ihrem Hund. Herbert und ich beschließen für den Rest des Tages in unserem Wohnmobil zu bleiben.

Es ist schon 19.00 Uhr, wir sitzen vor dem Wohnmobil und Herbert trinkt ein Bier, während ich ein Glas Wein vor mir stehen habe, als zwei Herren auf uns Zutreten. Sie fragen ob wir die XXXXXX sind. Als Herbert das bejaht, bitten sie darum bei uns Platz nehmen zu dürfen. Herbert und ich schauen uns an, dann stimmt Herbert zu. Dazu steht er auf und holt aus dem Stauraum des Wohnmobils noch zwei Stühle heraus. Die beiden Männer setzen sich. Der ältere von den beiden stellt sich und seinen Begleiter vor. Er ist der Leiter der Bergrettung und der andere ist der Leiter der Tierklinik.

„Als ich den Notruf empfangen habe, dachte ich erst ich höre nicht richtig. Da sendete ein Kollege einen Notruf wegen eines Hundes. Als er dann auch noch sagte, das eine TÄ vor Ort ist und dem Hund schon eine Spritze gegeben hat, wurde ich hellhörig. Eine TÄ die eine Spritze gegeben hat? Mitten in den Bergen? Das konnte ich mir nicht vorstellen. Ein anderer Funkkollege hatte den Notruf auch schon empfangen und fragte nach Details. In der darauf folgenden Sprechpause habe ich mich dann gemeldet. Nochmals lies ich mir alles schildern. Wieder hörte ich davon, das vor Ort eine Tierärztin ist, die aus einer Tasche die sie dabei hatte eine Spritze geholt hat und damit den Hund versorgt. Auch erfuhr ich, das sie eine weitere Spritze gesetzt hat. Da habe ich mich entschlossen sofort zu helfen. Doch zunächst musste ich die Kollegen von der Hubschrauberbesatzung fragen. Ich habe sie gerufen und ihnen die Lage erklärt. Nachdem diese wussten um was es geht, stimmten sie zu dem Hund mit dem Hubschrauber zu holen. Nachdem diese mein Büro verlassen haben, rief ich sofort in der TK an und bat um Mithilfe. Aber das soll Heinrich erzählen!“

„Als das Telefon bei mir klingelte und Max mir erzählte worum es geht, dachte ich zunächst an einen Scherz. Die Bergrettung will los Fliegen um einen Hund zu retten? Das gibt es nicht! Erst als mir Heinrich sagte, das vor Ort eine TÄ ist wurde ich hellhörig. Als er mir dann noch sagte, das diese TÄ eine Tasche dabei hat aus dem sie Spritzen hervor geholt hat und diese dem Hund gegeben hat, wurde mir klar, das ich keinem Scherz aufgesessen bin. Sofort gab ich meine Zustimmung und rief Frau Doktor SSSSSSS zu mir um ihr mitzuteilen, das sie gleich mit dem Hubschrauber abgeholt wird um einen Hund zu retten. Außerdem teilte ich ihr etwas mit, was sich nachher als richtig erwiesen hat. Als der Huby dann kam ist sie sofort mitgeflogen. Etwas später kam der Huby zurück und mit ihm der Hund. Im Übrigen dem geht es ausgezeichnet. Wir brauchten nichts mehr machen Ihre Hilfe hat ausgereicht das er überlebt. Wenn die Besitzer abreisen können sie den Hund wieder mitnehmen. Aber der Hund hat einen Herzfehler und der muss unter Beobachtung bleiben. Aber erst mal weiter! Als Frau Doktor SSSSSSS fertig war mit der Behandlung haben wir uns zusammengesetzt. Auch die Besatzung des Hubschraubers war anwesend. Natürlich war auch Max inzwischen da.

Frau SSSSSSS erzählte dann von der Begegnung mit Ihnen. Meine Vermutung bestätigte sich. Aber ich wollte Gewissheit. Darum habe ich einen befreundeten Tierarzt angerufen. Nach der Personenbeschreibung die er mir gab, hatte ich Recht. Gerda, ich darf Sie doch so nennen? Den Tierarzt den ich angerufen habe kennen Sie. Es ist der Tierarzt von Ihrem Tierheim. Wir sind schon seit Jahren befreundet. Als ich ihn letztes Mal getroffen habe, hat er von Ihnen erzählt. Er ist ganz Begeistert von Ihnen. Darum auch mein Verdacht. Die Tasche hat mich aufmerksam gemacht. Es gibt so glaube ich, nicht sehr viele die mit solch einer bestückten Tasche herum laufen. Wie ich sehe, hängt diese auch jetzt an Ihrem Stuhl!“

Ich kann es nicht glauben und auch Herbert schaut etwas verdutzt. Hier in Österreich hat unser Tierarzt auch Freunde. Aber so langsam gewöhne ich mich an Überraschungen in Bezug auf unsere Tierarzt. Wir sitzen noch lange zusammen und unterhalten uns. Am nächsten Tag treffen wir uns mit den Besitzern von Alex und den Kindern. Immer wieder bedanken sich die Kinder bei mir. Sie wissen inzwischen, das wenn ich nicht geholfen hätte, ihr Hund nicht mehr Leben würde. Nach dem Essen gehen wir alle zusammen zum See. Dort gehen die Kinder ins Wasser und wir Erwachsenen unterhalten uns. Erst als es dunkel wird, kommen wir wieder zu unserem Wohnmobil. Am nächsten Morgen fahren wir weiter. Wir besuchen noch Bozen und Meran, wo wir jeweils ein paar Tage bleiben. Dann geht es wieder nach Hause. Wochen später erhalte ich einen Anruf und ein glückliches Kind erzählt mir, das ihr Alex wieder ganz der alte ist. Auch der Vater des Kindes meldet sich und er bedankt sich ebenfalls für die Rettung ihres Hundes. Er erzählt, das Alex einen Herzklappenfehler hat und darum unter TÄ-Beobachtung steht. Nur in die Berge wollen sie nicht mehr mit dem Hund.

Lange haben Herbert und ich noch darüber gesprochen ob wir uns nicht ein Wohnmobil zulegen. Aber weil die Mobile so teuer sind, haben wir es sein gelassen. Herbert meinte dazu: „Wenn wir mal wieder so in Urlaub fahren wollen, mieten wir solch ein Teil.“ Damit war das Thema erledigt.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #213
Der Bunker

Es sind drei Wochen her, das ich meine Prüfung vor der TÄ-Kommission bestanden habe. Auch habe ich nun meine endgültige Notfalltasche bestückt. Zu Verbandmaterial, Schienen und Pflaster ist nun ein komplettes Operationsbesteck dazu gekommen. Dieses besteht aus mehreren Skalpellen, Spreize zum auseinanderhalten von Schnittwunden, Nadeln und Garn zum Vernähen der Wunden, mehrere Medikamente, darunter auch Schmerzmittel und Narkosematerial. Teilweise fallen diese Medikamente unter das Betäubungsmittelgesetz, darum habe ich natürlich auch meinen Ausweis dabei, der mich dazu berechtigt unter anderem diese Medikamente bei mir zu haben. Auch eine faltbare Trage, die hat ein befreundeter Mechaniker gebastelt, ist in der Tasche. Diese Trage ist gedacht für kleine Hunde und Katzen. Natürlich trage ich diese Tasche nun täglich mit mir herum. Ich hoffe das ich sie nicht oft brauchen werde.

Mein Verlobter Herbert und ich gehen, während wir uns über unsere bevorstehende Hochzeit unterhalten, an einem schönen Sonntag spazieren. Dazu sind wir mit dem Wagen in diese Gegend gefahren. Hier gibt es ein beliebtes Ausflugslokal in dem wir schon öfters waren. Bisher sind wir immer zu dem Lokal gefahren, doch dieses Mal haben wir den Wagen in einiger Entfernung stehen lassen und gehen zu Fuß zu dem Lokal. Dort gibt es auch einen kleinen Streichelzoo. Daher ist das Lokal auch sehr beliebt bei Familien mit Kindern. Gerade gehen wir durch einen lichten Wald. In diesem können wir eine Hausruine erkennen. Das Dach ist schon teilweise eingefallen, sämtliche Fenster scheinen kaputt zu sein und so wie man sehen kann, steht die Haustür weit auf. Es sind noch etwa 20 Minuten Fußweg bis zu dem Lokal.

Aus dem Haus kommt auf einmal ein junger Mann heraus. Als uns sieht fängt er wild mit den Armen an zu rudern. Herbert und ich bleiben stehen und der junge Mann kommt schnell auf uns zugelaufen. Als er bei uns eintrifft, er ist ganz außer Atem, bringt er nur hervor: „ Hilfe, meine Freunde sind dort in dem Haus verschüttet! Kommen Sie schnell!“ Dann dreht er sich wieder um und läuft auf das Haus zu. Herbert und ich eilen sofort hinterher. Kurz darauf stehen wir vor der Ruine. Dort kann Herbert ihn endlich aufhalten, indem er ihn am Arm festhält.
„Stopp, junger Mann! Jetzt erzählen sie erst mal was passiert ist! Wieso verschüttet? Das Haus sieht doch noch einigermaßen Stabil aus!“
Der junge Mann fängt an zu erzählen: „Wir sind von einem Verein der alte Bunker untersucht. Unter diesem Haus ist solch ein Bunker. Während des Krieges war hier in der Nähe ein Flugplatz und die Leitstelle für die Flugzeuge war in dem Bunker untergebracht. Nach dem Krieg hat man zwar versucht den Bunker zu sprengen, aber das ist fehlgeschlagen. Als wir heute in dem Haus waren und den Eingang zu dem Bunker gesucht haben ist auf einmal der Boden in einem Zimmer zusammen gebrochen und meine beiden Freunde sind hinab gestürzt. Jetzt antworten sie auf mein Rufen nicht.“

„Ihr beide bleibt hier! Ich laufe schnell zu dem Lokal und rufe die Feuerwehr.“ Sagt Herbert und läuft in Richtung des Lokales. Ich bitte den jungen Mann mir zu zeigen wo der Boden eingestürzt ist. Zusammen betreten wir das Haus. Gleich im nächstem Zimmer ist ein riesen Loch im Boden. Vorsichtig gehen wir bis zum Rand des Loches. Der Boden war wohl etwa ein Meter dick, wie man an den Bruchkanten sehen kann. Nochmals ruft der junge Mann nach seinen Freunden. Als Antwort können wir aber nur ein Stöhnen vernehmen. Ich höre auch noch etwas anderes! Es klingt wie das Jaulen eines Hundes. Darum frage ich den jungen Mann ob auch ein Hund dabei war, welches er verneint. Jetzt kann man deutlich das Jaulen hören. Es muss sich dort auch ein Hund befinden.

Vorsichtig versuche ich ins Loch zu schauen, jedoch kann ich den Boden nicht sehen. Da meint der junge Mann: „Moment, ich habe eine Lampe dabei.“ Er geht wieder aus dem Haus und kommt nach kurzer Zeit mit einem Rucksack zurück. Aus diesem holt er neben einem Seil auch eine Taschenlampe hervor. Er schaltet sie ein und leuchtet in das Loch. Etwa 4 Meter tiefer liegt ein Haufen Betonstücke und eine Person die den Arm hebt. Auch ein Hund ist in einer Ecke zu sehen. Jedoch von einer weiteren Person keine Spur. Ich frage nach ob wirklich zwei Personen dort unten seien müssen, was der junge Mann bestätigt.

Nachdenklich schaue ich das Seil an. Dann kommt mir die blöde Idee, das ich dort runter muss. Dieses sage ich zu dem jungen Mann aber er meint, das es besser ist das er da runter geht. „Nein, ich kann das Seil nicht halten aber Sie können das. Lassen Sie mich vorsichtig runter damit ich wenigstens nach Ihrem Kameraden suchen kann und auch helfen kann!“ Kurz Überlegt er, dann stimmt er zu. Er befestigt ein Ende des Seiles an einem Fensterkreuz im Eingangsbereich und meint dazu: „Das geht schon. Das Seil ist dreißig Meter lang und bis hierhin sind es bloß 5Meter!“ In dem anderen Ende von dem Seil macht er eine Öse so das ich mit meinen Füßen darin stehen kann. Dann wickelt er sich das Seil ein paar Mal um seinen Körper. Ich steige mit einem Fuß in die Öse und hebe das Seil an. Dann trete ich an das Loch und er lässt mich langsam nach unten.

Als ich unten bin wirft er mir die Taschenlampe zu. Da diese schon brennt leuchte ich zunächst in dem Raum herum. Der Raum scheint genau so groß zu sein, wie das gesamte Haus. Überall liegen Betontrümmer die wohl von der versuchten Sprengung des Bunkers stammen. Während ich mich umschaue sehe ich immer wieder wie irgendetwas in dem Raum vor dem Lichtkegel der Lampe weg huscht. Ich vermute das es Ratten sind. Ich schaue nach dem Verletzten Mann der hier unten liegt und untersuche ihn.

Er hat eine Platzwunde am Kopf und irgendwie steht ein Bein etwas unnatürlich ab. Von daher vermute ich, das er ein Bein gebrochen hat. Ich hole einen Verband aus meiner Tasche und wickle diesen um seinen Kopf. Dann schaue ich mich um, ob nicht irgendwo ein Stück Holz liegt, damit ich sein Bein stabilisieren kann. Nach kurzem Suchen finde ich ein Stück Holz und benutze dieses als Schiene für das Bein. Dann schaue ich mich um da ja noch der zweite Mann fehlt. Unter einem großen Betonstück sehe ich eine Hand hervor schauen. Vorsichtig gehe ich auf das Betonstück zu. Ich bin auf alles vorbereitet. Als ich neben dem Teil bin, kann ich sehen das ein weitere Betonstück verhindert, das der Mann der darunter liegt zerquetsch wird. Auch dieser Mann hat eine Platzwunde am Kopf die ich sofort verbinde. Dann versuche ich den Mann unter dem Betonstück hervor zu ziehen. Doch das gelingt nicht! Er ist ein geklemmt!

Da ich hier nichts weiter machen kann, sehe ich mich nach dem Hund um. Er liegt en einer Wand. Langsam bewege ich mich auf den Hund zu. Als er mich sieht fängt er an zu jaulen. Nachdem ich ihn erreicht habe, fange ich sofort an den Hund zu untersuchen. Er scheint von einem Betonstück getroffen worden zu sein. So wie es aussieht hat dieses Betonstück seine Hüften getroffen. Ob was gebrochen ist, kann ich jedoch nicht erkennen. Ich hole das Schmerzmedikament aus meiner Tasche und dazu eine Spritze. Nachdem ich diese aufgezogen habe, gebe ich diese dem Hund. Dann schaue ich mich weiter um. In einer Nische des Raumes erkenne ich eine Bewegung. Als der Lichtkegel der Taschenlampe darauf fällt, erkenne ich dort noch einen Hund und mehrere Katzen. Einige der Katzen liegen auf dem Boden und auch der Hund liegt. Alle Tiere beobachten genau was ich mit dem Hund, der vor mir liegt, gemacht habe. Da dieser in diesem Moment seinen Kopf hebt und an meinen Arm leckt scheinen die anderen sich zu Beruhigen.

Ganz langsam, nachdem ich den Hund noch mal über den Kopf gestreichelt habe, bewege ich mich auf die Tiere zu. Als ich bei ihnen ankomme ducken sich zwar alle, aber keines der Tiere läuft weg. Es sind neben dem Hund noch acht Katzen. Nur drei der Katzen stehen auf ihren Pfoten. Auch der Hund bleibt liegen, wedelt aber mit seinem Schweif. Ihn Taste ich zuerst ab, kann aber nur eine dicke Beule auf seinem Rücken feststellen. Da er aber keine Schmerzen hat, so scheint es, verzichte ich bei ihm auf die Spritze. Gerade als ich mich der ersten Katze zuwende ertönt die Stimme von Herbert.

„Gerda, was machst du denn da unten? Bist du Lebensmüde? Die ganze Bude kann zusammenfallen! Komm sofort nach oben!“ Ich antworte ihm: „Das geht nicht Herbert! Hier unten liegen zwei verletzte Männer. Neben einer Platzwunde am Kopf hat der eine ein gebrochenes Bein und der andere ist unter einer Betonplatte eingeklemmt! Außerdem sind hier noch etliche Tiere die anscheinend auch verletzt sind!“

Ich höre wie oben gesprochen wird. Kurz darauf werden einige Seile nach unten geworfen. Auch zwei Leitern werden herunter gelassen. Dann kommen auch schon die Feuerwehrleute und ein Notarzt nach unten. Da ich inzwischen wieder bei dem verschütteten Mann bin kommt der Notarzt zu mir. „Hallo Frau Kollegin! Wie sieht es denn aus. Liegt hier der eingeklemmte?“ Ich zeige ihm den Mann und sofort fangen die Feuerwehrleute an die Betonplatte mittels eines Hebers an zu heben. Da oben keine Decke mehr ist, brauchen sie nicht besonders vorsichtig zu sein. Ich wende mich wieder den Tieren zu. Einer der Feuerwehr Leute sieht wie ich zu den Tieren gehe und warnt mich: „Bleiben Sie hier bis wir den Mann gerettet haben! Anschließend kümmern wir uns um die Tiere!“

Er hat Recht! Ich bleibe also stehen und sehe zu wie die beiden Männer mittels einer Trage nach oben gebracht werden. Diese Trage ist an mehreren Seilen befestigt und kann so nach oben gezogen werden. Nachdem dieses geschehen ist, kümmere ich mich endlich um die Tiere. Auch der Feuerwehrmann ist bei mir. Zunächst wird der Hund der an der Wand liegt nach oben gebracht. Auch der zweite Hund kommt so nach oben. Dann kümmere ich mich endlich um die Katzen. Drei der Katzen sind tot. Aber die anderen fünf schauen mich ängstlich an.

Vorsichtig untersuche ich die erste Katze. Sie scheint etwas am Kopf zu haben, denn es ist eine dicke Beule vorhanden. Auch bei der zweiten Katze ist es so. Die dritte Katze scheint es am hinteren Teil des Rückens erwischt zu haben. Sie kann zwar den Kopf heben und ihre Vorderpfoten bewegen aber der Rest kann nicht bewegt werden. Ich gebe ihr eine schmerzstillende Spritze, dann untersuche ich die restlichen Katzen. Auch bei diesen ist es so. Auch sie bekommen Spritzen. Als ich fertig bin und hochschaue, sehe ich in die erstaunten Augen des Feuerwehrmannes. Er will etwas sagen, bringt aber kein Wort heraus. Er steht auf und zusammen mit zwei weiteren Kollegen holt er die Trage. Vorsichtig lege ich alle Katzen, auch die toten, auf die Trage und diese wird ebenfalls nach oben gezogen. Ich trete zu einem Seil und einer der Feuerwehrmänner befestigt einen Rettungsgurt an mir. Dann werde ich nach oben gezogen.

Oben nimmt mich Herbert in den Arm und drückt mich ganz fest. Dabei sagt er: „Du verrücktes Weib! Wie kannst du dich nur so in Gefahr begeben? Wenn nun das Haus auch noch zusammen gefallen wäre? Ich hatte solche Angst um dich!“ Ich antworte ihm nur: „Ist doch nichts passiert! Aber nun muss ich zu den Tieren!“

Schnell trete ich zu der Trage auf dem die Katzen liegen. Vorsichtig taste ich eine Katze ab, die nur eine Beule am Kopf hat. Außer der Beule kann ich nichts feststellen. Auch als ich den Kopf etwas genauer Abtaste kann ich nichts bemerken. So ist es auch bei der zweiten Katze. Bei der dritten Katze bemerke ich außer der Beule auf dem Rücken nichts. Auch als ich die Beule etwas genauer untersuche, kann nichts ertasten. Auch bei den beiden letzten ist es so. Da hilft nur eine Röntgenuntersuchung! Ich frage den Feuerwehrmann, der noch immer neben mir steht, nach einer Tierklinik. Es ist als geht ein Ruck durch seinen Körper und er antwortet: „Sagen Sie mal! Haben Sie immer alles dabei um Tieren zu helfen? Ich habe schon viele TÄ im Einsatz gesehen aber noch nie gesehen das einer Spritzen mit sich rum trägt! Sie scheinen sogar alles dabei zu haben um vor Ort operieren zu können. Das gibt es gar nicht! Das muss ich meinen Kameraden erzählen! Hey Jungs, kommt mal her!“

Als seine Kollegen um uns herum stehen erzählt er das gerade Erlebte. Auch das ich Spritzen gesetzt habe im inneren des Bunkers erwähnt er. Alle schauen mich an und einer von ihnen sagt: „Davon habe ich schon mal gehört! Irgendwo hier in der Nähe gibt es ein Tierheim und dort arbeitet eine Mitarbeiterin. Diese hat immer eine gut gefüllte Tasche dabei um zu helfen. Ich wette das sind Sie!“ Als er den letzten Satz sagt schaut er mich an und ich kann nur mit dem Kopf nicken. Ich sage ihm aber auch das unser Tierheim etwa 75Km entfernt ist.

Da kommt Bewegung in den ersten Feuerwehrmann. „Kurt, setzt dich sofort ans Funkgerät und lasse die TK alarmieren. Die sollen sofort kommen! Ach geht ja nicht! Heute haben die nur Notdienst. Los die Trage sofort in den Mannschaftswagen. Die anderen die nicht mitfahren müssen eben etwas zusammen rücken, dann geht es schon. Ob nun 6 oder 8 Leute darin sitzen, es wird schon gehen. Ansonsten Fahrt mit der Polizei mit!“ Zwei Feuerwehrleute haben inzwischen die Trage zum Mannschaftswagen gebracht und vorsichtig auf die Rückbank gelegt. Auch die beiden Hunde werden in den Wagen gebracht. Herbert und ich steigen nach Aufforderung ebenfalls in den Wagen. Wir beide halten die Trage fest. Vorne steigen die zwei Feuerwehrleute ein und schon fahren wir los. Während der Fahrt schaltet einer das Martinshorn und das Blaulicht ein.

Nach etwa 10 Minuten kommen wir bei der TK an. Vor dem Eingang steht eine Frau. Als wir mit der Trage bei ihr ankommen, stellt sie sich kurz vor. Sie stammt vom Tierschutz und hat die Kostenübernahme der Untersuchungen schon geklärt. Dann gehen wir in die TK. Drinnen werden wir von einem Mann und einer Frau begrüßt. Sie teilen uns mit, das die Röntgenschwester in etwa einer Stunde da sein wird. Solange müssen wir warten. Ich ergreife das Wort: „Ich bin ausgebildete Röntgenschwester. Das kann ich übernehmen!“ Wieder schaut mich der Feuerwehrmann an, sagt aber nichts. Sofort gehen wir alle in den Vorraum des Röntgenraumes und ich lege die erste Katze auf den Röntgentisch. Ich mache zwei Aufnahmen des Kopfes. Auch die zweite Katze wird anschließend geröntgt. Dann sind die Katzen dran mit den Rückenverletzungen. Auch die Hunde werden geröntgt.

Anschließend werden die Aufnahmen von mir entwickelt und danach jede Aufnahme eines Tieres am Betrachtungsgerät befestigt. Zusammen mit den beiden TÄ werten wir die Aufnahmen aus. Alle Tiere haben Glück. Keines hat einen Bruch. Weder Katze noch Hund. Nur sehr schmerzhafte Beulen haben sie abbekommen. Ich atme auf. „Die Tiere bleiben erst mal bei uns solange bis sie wieder gesund sind. Dann kommen sie bei uns ins Tierheim. Anscheinend hatten diese Tiere schon Kontakt mit Menschen. Obwohl keines der Tiere Tätowiert ist. Das waren mit Sicherheit alles Streuner!“ sagt der Chef der TK.

Während die Tiere von dem anderen Mitarbeiter der TK in einen anderen Raum gebracht werden, sie bleiben alle zusammen, gehen wir in den Vorraum. Dort sind noch immer die Frau vom Tierschutz und die beiden Feuerwehrleute. Wir setzen uns zu diesen und der Leiter der Tk erzählt was mit den Tieren ist. Er ist gerade mit der Schilderung fertig da platzt der eine Feuerwehrmann mit der Frage heraus: „Nun sagen Sie mal, Frau Doktor, warum haben Sie alles dabei. Ihre Tasche ist doch voll mit Medikamenten und sogar mit einem OP-Besteck? Wieso haben Sie das alles mit? Ich kenne keinen Tierarzt der wenn er spazieren geht, eine komplette Tierarzt-Praxis dabei hat!“

Alle außer Herbert sehen mich erstaunt an. Selbst der Tierarzt ist erstaunt. „Das ist aber wirklich eine gute Frage die mich auch interessiert. Davon habe ich auch noch nie gehört. Sicher, wenn wir zu einem Einsatz gerufen werden, haben wir auch alles dabei. Aber kein OP-Besteck. Nee, das mit Sicherheit nicht. Darf ich mal die Tasche sehen?“ meint der Tierarzt. Wortlos reicht Herbert, der die Tasche hat, diese dem Tierarzt. Dieser öffnet die Tasche und legt alles vor sich auf den Tisch. „Wirklich alles dabei. Sogar Narkosemittel! Was ist das denn? Erstaunlich! Eine Trage für Kleintiere! Jetzt müssen Sie mir aber auch alles erzählen, Frau Kollegin.“ Sagt der Tierarzt.

Ich greife nach der Tasche und hole aus einem Seitenfach meinen Ausweis hervor. Wortlos reiche ich diesem den Tierarzt. Erstaunt schaut er mich an, dann beginnt er zu lesen. Nachdem er ihn gelesen hat, steht er auf und läuft mehrmals hin und her. Noch immer hat er meinen Ausweis in der Hand. Dann setzt er sich wieder. „Das gibt es doch gar nicht! Ich habe es zwar schon gehört, das es zwei Tierarzthelferinnen gibt, die eine Genehmigung haben genau so zu handeln wie ein Tierarzt. Aber das einmal solch eine Person meine TK betritt habe ich nie gedacht. Nein, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Also meine Dame meine Herren: Das ist Frau xxxxx aus dem Tierheim in YYYYY! Sie ist, wie ich schon ausführte, genauso ausgebildet wie eine TÄ und darf auch so handeln. Ich vermute mal, das nur die Schulausbildung Sie daran hindert einen Doktortitel zu haben. Vermutlich ist Ihre Ausbildung sogar besser wie die von manchem Tierarzt? Schließlich kenne ich Albert. Das ist der Tierarzt in YYYYY! Die Ausbildung hat er mit Sicherheit gemacht. Stimmt es soweit?“ fragt er mich zum Schluss seiner Ausführungen.

Ich gebe ihm recht und sage dann an den Feuerwehrmann gerichtet: „Sehen Sie. Aus diesem Grund habe ich immer die Notfalltasche bei. Es passiert so oft, das irgendein Tier Hilfe benötigt. Und sei es auf einem Sonntagsspaziergang wie heute, wo sogar noch zwei Menschen dazu kamen. Ich habe es schon oft erlebt, das irgendwo genau diese Tasche gebraucht wird. Klar hat mir unser Tierarzt alles beigebracht. Aber vieles, besonders die Theorie habe ich mir selbst beigebracht. Noch immer bin ich am Lernen, das bleibt nicht aus. Ja, seitdem ich diesen Ausweis besitze habe ich die Tasche zusammen mit unserem Tierarzt so ausgestattet. Die kleine faltbare Trage hat auf meinen Wunsch hin, ein befreundeter Mechaniker gebastelt.“ erkläre ich.

Wir sitzen noch fast zwei Stunden zusammen und unterhalten uns. Dann verabschieden wir uns von dem Tierarzt und fahren mit der Feuerwehr wieder zurück. Die Männer lassen uns bei unserem Auto raus und verabschieden sich von uns. Danach fahren Herbert und ich zu dem Lokal, trinken einen Kaffee und essen etwas Kuchen.

Einige Wochen später kamen drei junge Männer zu uns ins Tierheim. Es waren die drei die in dem Haus waren. Die beiden die Verletzt worden waren, sind vollkommen genesen. Sie bedankten sich bei mir, indem sie mir einen großen Blumenstrauß brachten. Auch erfuhr ich, das alle Tiere vollkommen gesund waren und demnächst vermittelt werden sollen. Der Bunker ist auch komplett zugeschüttet worden und das Haus darauf abgerissen. Den Bunker abreißen würde zu hohe Kosten verursachen. Daher hat man sich entschlossen diesen zu zu schütten, wobei auch dabei Beton mit eingefüllt wurde.
 
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Meine Ausbildung zur Tierpflegerin und zur Tierarzt Helferin

Endlich ist die Schulzeit vorbei. Ich freue mich schon riesig auf meine Ausbildung die ich im Tierheim machen kann. Schon immer habe ich mir gewünscht etwas mit Tieren zu machen. Das mir allerdings der Vorfall im Tierheim einen Ausbildungsplatz verschafft, hätte ich nie gedacht. Während meiner Rest Schulzeit war ich fast jeden Samstag im Tierheim um dort zu Helfen. Morgen beginnt meine Ausbildung. Um acht Uhr soll ich zu der Leiterin kommen.

Am nächsten Morgen bin ich schon um kurz vor acht im Tierheim. Ich bin sehr nervös. Als ich vor dem Büro der Leiterin stehe werde ich noch nervöser. Ich atme ein paar Mal tief durch, dann klopfe ich an der Tür. Auf ein „Herein“ der Leiterin betrete ich das Büro. Auch der Tierarzt ist anwesend. Die Leiterin kommt auf mich zu und reicht mir die Hand. „Hallo Gerda! Ich darf sie doch so nennen? Willkommen zu Ihrer Ausbildung. Doch leider muss ich Ihnen eine traurige Nachricht mitteilen. Wir dürfen Sie nicht Ausbilden!“

Als ich das höre bin ich enttäuscht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich könnte heulen vor Enttäuschung. Alles habe ich darauf ausgerichtet diesen Job zu machen. Und jetzt das! Da sagt die Leiterin zu mir: „Nun seien Sie nicht Enttäuscht! Wir können hier keine Ausbildung durchführen, aber ich habe Ihnen einen Ausbildungsplatz im Zoo besorgt. Dort fangen Sie morgen an. Wenn die Ausbildung beendet ist, können Sie hier Ihren Job antreten. Natürlich können Sie auch jederzeit zu uns kommen. Nur im Zoo können Sie alles lernen was zur Ausbildung nötig ist. Einfach nur Hund und Katze pflegen geht eben nicht. Darum der Zoo. Na was halten Sie davon?“

Ich bin sofort einverstanden. Auch der Tierarzt meldet sich zu Wort: „Ja leider geht es nicht anders. Aber ich habe ein gutes Gefühl das Du dort im Zoo richtig was lernst.“ Der Tierarzt duzt alle. Da macht er keinen Unterschied. Er reicht mir die Hand die ich freudig ergreife. Auch die Leiterin gibt mir noch mal die Hand, dann setzen wir uns an den Tisch der im Büro steht. Während des Gespräches bitte ich darum das die Leiterin nicht mehr „Sie“ zur mir sagt. Ich bin einfach zu jung dazu. Jedoch sage ich noch zu beiden „Sie“. Nach dem Gespräch gehe ich zum Katzenhaus und kümmere mich um die Tiere die dort sind.

Am nächsten Morgen bin ich um acht Uhr am Zoo. Ich werde vom Direktor persönlich begrüßt. Anschließend gehe ich zum Personalbüro. Von dort werde ich zu einem Mitarbeiter weiter geschickt. Dieser Mitarbeiter heißt Hans. Er ist der Chef Pfleger im Zoo. Er begrüßt mich und zeigt mir zunächst alle Bereiche die es im Zoo gibt. Auch als es Mittag ist, soll ich an seinem Tisch sitzen. Dort erklärt er mir noch einige Einzelheiten meiner Ausbildung. Besonders sagt er mir: „Für die nächsten zwei Wochen bist Du immer da wo ich auch bin. Wir fangen zunächst mit den Elefanten an! In zwei Wochen wechselst Du dann zu den Affen. Dort lernst du unsere nächsten Verwandten kennen. Wie es dann weiter geht, wird sich zeigen. Ich weiß das du Hauptsächlich mit Katzen und Hunden zu tun haben wirst wenn deine Ausbildung vorbei ist. Katzen haben wir. Wenn auch ein bisschen größer und gefährlicher. Mache immer das was dir gesagt wird. Auch bei den Wölfen und den Füchsen gilt das so. Niemals etwas unternehmen ohne das Du eine Sicherung hast. So, jetzt komm. Du kannst mich im Übrigen duzen. Das machen alle so hier.“

In den nächsten 14 Tagen bin ich immer mit Hans zusammen. Er ist nicht nur Chefpfleger sondern auch für die Elefanten zuständig. Bei der ersten Begegnungen mit den Giganten ist mir doch etwas komisch. Aber Hans bringt mir bei wie ich mich den Tieren nähern muss. Hans sagt zu mir: „Du musst dich immer so nähern das die Tiere dich sehen können. Das ist bei allen Tieren so die hier im Zoo sind. Egal ob Affe oder Zebra. Mach dich immer bemerkbar. Die Tiere dürfen sich auf keinen Fall erschrecken. Und wenn sie dann kommen, lass sie Schnuppern. Schließlich müssen die sich an dich gewöhnen.“ Schnell verliere ich meine Angst. Selbst die Elefanten kommen jeden Morgen um mich zu Begrüßen. Auch als ich in anderen Bereichen arbeite gehe ich immer zu den Elefanten. Sofort, wenn sie mich sehen, hebt ein großes Trompeten an. Einmal steht der Direktor bei den Elefanten als ich zu denen gehe. Wieder ertönt das freudige Trompeten der Elefanten und ich streichele über ihre Rüssel. Als ich wieder gehen will spricht mich der Direktor an: „Also Gerda! Ich bin platt! Als mir Hans davon erzählte glaubte ich ihm nicht. Nach nur 2 Wochen sollen sich die Elefanten freuen wenn Sie kommen? Also ich musste das mit eigenen Augen sehen. Und ich bin platt. Sie haben ein wunderbares Händchen für Tiere. Wenn Sie wollen können Sie nach der Ausbildung gleich hier anfangen! Aber ich weiß das es Sie wieder ins Tierheim zieht. Alles Gute weiterhin!“ Damit dreht er sich um und geht.

Nach etwa einem halben Jahr betreue ich die Wölfe. Hier ist Sabine für diese Tiere zuständig. Sie erklärt mir alles über Wölfe was sie weiß. Ihr Wissen über diese Tiere ist enorm. Sie erzählt, dass in den nächsten Tagen Nachwuchs bei den Wölfen kommt. Dazu zeigt sie mir das Muttertier. Dieses ist separat untergebracht, damit es nicht von den anderen Wölfen bedrängt wird. Ich soll mich um dieses Tier kümmern. Freudig mache ich mich an die Arbeit. Ich frage Sabine ob bekannt ist, wie viele Jungtiere den geboren werden. Sie meint nach den Untersuchungen durch ihren Tierarzt ist es nur ein Junges

Auf einmal fängt die Wölfin laut an zu heulen „Der Geburtsvorgang beginnt! Ich hole schnell den Tierarzt. Warte hier! Aber nicht zu der Wölfin gehen!“ Meint Sabine und rennt aus dem Raum. Immer lauter heult die Wölfin und ich kann sehen dass sie sich vor Schmerz krümmt. „Das kann nicht normal sein!“ Fährt es mir durch den Kopf. Ich öffne die Tür die zu dem Raum der Wölfin führt und gehe langsam auf das Tier zu. Sie schaut mich an, macht aber keine Drohgebärden. Als ich bei ihr bin, fange ich an über ihren Bauch zu streicheln. Je länger ich das mache umso mehr entspannt sich die Wölfin. Noch einmal heult sie auf, dann ist ihr Junges auf der Welt. Sofort kümmert sich die Wölfin um ihr junges und schleckt es ab. Als dieses geschehen ist, drückt sie mit ihrer Nase das Kleine an ihre Zitzen. Sofort fängt dieses an zu saugen. Dann schaut mich die Wölfin an. Erst jetzt fällt mir ein in welcher Gefahr ich mich befinde.

Ich knie immer noch neben der Wölfin. Da streckt diese einer ihrer Vorderpfoten aus und legt mir diese in den Schoß. Ich rutsche etwas herum und knie nun neben ihrem Kopf. Ich glaube nicht das sie mir etwas tun wird. Ich habe Recht! Sie legt mir ihren Kopf in den Schoß wobei sie mich noch immer anschaut.

In diesem Moment geht die Tür zum Nebenraum wieder auf und Sabine, der Tierarzt und der Direktor kommen in den Raum. Als sie mich im Raum der Wölfin sehen bleiben sie stehen. Der Direktor findet als erster seine Sprache wieder: „Das gibt es nicht! Nein, das gibt es nicht! Ich glaube meine Brille ist beschlagen. Sag mal Sabine, sitz Gerda dort wirklich in dem Raum und die Wölfin hat ihren Kopf auf dem Schoß von Gerda liegen? Ich glaube ich bin blöd!“

Doch Sabine ist sprachlos. Sie bringt keinen Tonhervor. Nur der Tierarzt hat sich schnell wieder gefangen. „Dann wollen wir mal sehen was da für ein Wölfchen geboren ist.“ Als er den Raum betritt hebt die Wölfin den Kopf und fängt an zu knurren. Sofort bleibt der Tierarzt stehen: „Oho, da will wohl jemand das ich das Kleine nicht untersuche. Aber ich muss das. Schließlich müssen wir wissen ob das Kleine gesund ist. Kannst du nicht was machen Gerda? Rede doch mal mit der Mami!“ Ich muss den Tierarzt wohl ziemlich dumm angeschaut haben, denn der Tierarzt fängt an zu lachen. Auch die anderen beiden fangen an zu Lachen.

Ich streichele der Wölfin über ihren Kopf und sie stellt ihr knurren ein. Dabei schaut sie mich an. Ich weiche ihrem Blick nicht aus. Dann nicke ich dem Tierarzt zu. Langsam kommt er näher und als die Wölfin ihren Kopf wieder heben will, setze ich auch meine zweite Hand ein um sie zu streicheln. Nun lässt die Wölfin zu, das der Tierarzt ihr kleines untersucht. Als er fertig ist, erhebt er sich und geht langsam aus dem Raum. Auch ich erhebe mich und folge dem Tierarzt. Als ich die Tür schließe schaue ich noch einmal zu der Wölfin. Auch sie schaut zu mir hin. Ich glaube, das ich nun eine neue Freundin habe!

Der Direktor kommt zu mir und gibt mir seine Hand. Dabei sagt er: „Du wirst mal eine gute Tierpflegerin!“ Dann dreht er sich um und geht wieder hinaus. Auch der Tierarzt gibt mir die Hand, sagt aber nichts. Dann geht auch er. Nur Sabine bleibt bei mir. Noch lange reden wir beide über die Wölfin. Auch als die Wölfin mit ihrem jungen wieder ins Freigehege kann, kommt sie jedes Mal wenn sie mich sieht zu mir. Jedoch habe ich nie wieder ihr Revier betreten. Auch habe ich sie nie wieder gestreichelt. Auch den jungen Wolf habe ich nie gestreichelt.

Nach insgesamt 2 Jahren wurde ich vorzeitig zur Prüfung zugelassen. Diese Prüfung bestand ich mit Auszeichnung!

Noch am selben Tag, nachdem ich meine Prüfung bestanden habe, fahre ich in ins Tierheim. Stolz präsentiere ich meine Unterlagen. Die Tierheim-Leiterin betrachtet sich die Unterlagen ganz genau. Als sie diese an die Seite legt sagt sie zu mir: „Herzlichen Glückwunsch Gerda! Ein Ausgezeichnetes Zeugnis. Albert hat schon gleich zu Beginn deiner Ausbildung gesagt, dass du nicht die ganze Zeit für die Ausbildung brauchst. Und er hat Recht behalten. So, jetzt machst du erst mal bis zum ersten Urlaub und dann sehen wir uns wieder.“ Nun bekomme ich es doch mit der Angst zu tun, ob mein Platz im Tierheim noch frei ist. Aber die Tierheim-Leiterin beruhigt mich indem sie sagt: „Keine Sorge! Aber deine Ausbildungszeit läuft noch bis zum Ende des Monats. Daher die Beurlaubung. Natürlich darfst Du trotzdem kommen. Aber dann gibt es keine Vergütung und ich glaube dass Du dann auch nicht versichert bist. Also bleib zu Hause. Es sind ja nur 9 Tage.“ Ich willige ein, dann verlasse ich die Leiterin. Ich gehe noch zu den Abteilungen des Tierheim und spreche mit den Mitarbeitern, dann fahre ich nach Hause.

Am 1.ten bin ich pünktlich im Tierheim und beginne mit meiner Arbeit. Es macht richtig Spaß hier wieder zu Arbeiten. Auch kommt der Tierarzt zu mir und beglückwünscht mich zu meiner bestandenen Prüfung. „Meinen allerherzlichsten Glückwunsch. Ich habe es gewusst, das du nicht die 3 Jahre für deine Ausbildung brauchst. Erst Recht als ich das mit dem Wolf gehört habe. Wie du das hingekriegt hast war wirklich toll. In den nächsten Tagen muss ich noch etwas mit dir besprechen, was mir sehr am Herzen liegt. Aber zunächst muss ich das mit der Stadt klären, dann erfährst du mehr.“ Ich werde neugierig und will natürlich wissen was er meint, aber er winkt ab und sagt „Später“ Dann geht er wieder.

Etwa zwei Wochen später werde ich zur Tierheim-Leiterin gerufen. Auch der Tierarzt ist da. Als ich mich gesetzt habe, fragt mich die Leiterin: „Hast du Lust auch noch eine Ausbildung zur Tierarzt-Helferin zu machen? Der Tierarzt braucht nämlich eine Helferin!“ Ich schaue sie an und antworte: „Wenn ich weiterhin hier im Tierheim bleiben darf, mache ich das gerne.“ Da schaltet sich der Tierarzt in das Gespräch ein: „Gerda, genau das will ich! Ich will jemand hier im Tierheim haben, der in Notfällen zuerst helfen kann. Leider kann ich nicht immer sofort, wie Du weist. Schließlich habe ich auch noch andere Patienten. Nicht nur aus dem Tierheim. Es sieht so aus, dass wenn Du die Ausbildung bei mir machst soweit von mir Ausgebildet wirst, bis du eine komplette Tierärztin bist. Ich weiß dass du kein Abi hast und von daher nie einen Doktortitel haben wirst. Aber die Ausbildung die du bei mir bekommst und das was du aus Lehrbüchern erfahren wirst, werden dich zu einer Ausgezeichneten TÄ werden lassen. Die Ausbildung zur Tierarzt-Helferin ist nicht so schwer. Sicher du musst auch mal mitfahren wenn es zum Bauern geht. Du wirst vieles über Rinder, Pferde und andere Tiere lernen. Aber den Schwerpunkt meiner speziellen Ausbildung lege ich fest auf Hund und Katze. Also was hältst Du davon?“

Ich bin erst mal sprachlos. Eine Ausbildung bis zur TÄ? Das habe ich mir gewünscht und ich stimme zu! „Das habe ich mir gedacht. Also das läuft so ab, das du zuerst die gesamte Theorie bei mir lernst. Dann machen wir die Praxis. Du wirst helfen bei OP`s, bei Einsätzen auf dem Bauernhof und in meiner Praxis. Zunächst all das was du zur Tierarzt-Helferin benötigst. Dazwischen lernst du aber schon in kleinem Maß etwas über Hund und Katze, was eine Helferin nicht unbedingt wissen muss. Ich hoffe das du nach 5 Jahren soweit bist, das ich dich zu einer besonderen Prüfung anmelden kann. Aber das werden wir sehen.“ Der Tierarzt gibt mir die Hand und auch die Tierheim-Leiterin gibt mir ihre Hand. Dabei sagt sie: „Der Platz im Tierheim ist natürlich weiterhin hier im Tierheim frei für Dich. Du musst dir keine Sorge machen, denn die Ausbildungen sollen schließlich unserem Tierheim zu Gute kommen.“

Schon am nächsten Tag bin ich beim Tierarzt. Zunächst lerne ich in einem Schnelldurchgang alles über die Bürotätigkeit in einer Tierarzt-Praxis kennen. Dazwischen helfe ich auch immer wieder in den Behandlungsräumen oder fahre mit dem Tierarzt zu seinen Patienten. Nach etwa einem Jahr, darf ich unter Aufsicht des Tierarzt meine erste OP machen. Immer wieder muss ich aber auch den Büro Kram machen. Doch meistens bin ich in den Behandlungsräumen und helfe dem Tierarzt. Ich lerne auch jetzt schon sehr viel über die Anatomie von Hund und Katze. Denn darauf soll ich mich konzentrieren. Aber auch über andere Tiere lerne ich viel.

Nach einem weiteren Jahr Ausbildung mache ich meine Prüfung zur Tierarzt-Helferin. Auch diese Prüfung bestehe ich mit Auszeichnung. Sofort als die Prüfung vorbei ist bin ich wieder im Tierheim. Dort kann ich aber nur zwei Tage arbeiten, dann schickt mich der Tierarzt zur einen Röntgenlehrgang. Dieser dauert etwa zwei Wochen in dem ich viele verschiedene Arten des Röntgen kennen lerne. Als dieser Lehrgang zu Ende ist, bringt der Tierarzt mir bei, wie diese Ausgewertet werden. Er gibt mir den Rat, immer die Auswertung laut zu sprechen. Dann kann man sich das Ergebnis leichter merken. Als nächstes ist eine Ausbildung zur Laborantin geplant. Hier soll ich aber nur lernen wie Blut, Urin und Kotproben ausgewertet werden. Bei einem befreundeten Labor lerne ich diese Dinge. Auch das ist nach zwei Wochen erledigt.

Nach weiteren zwei Jahren bestehe ich dann auch die Prüfung vor einer Tierarzt-Kommission. Da ich mich nur auf Hunde und Katzen konzentriert habe, wird auch meine Prüfung nur auf diese Tiere bezogen, abgenommen. Ab jetzt darf ich auch Tiere behandeln ohne das ein Tierarzt vorhanden ist. Als ich die Prüfung in der Tasche habe, umarmt mich der Tierarzt und auch die Leiterin gibt mir die Hand. Nach einem Vorfall duzte ich auch diese. Nur der Tierarzt weiß wie es dazu gekommen ist.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #215
Huhu,

mal wieder eine wunderschöne Gerda-Geschichte.

Wie sieht es eigentlich mit dem Buch aus? Irgendwelche Neuigkeiten?

LG
 
  • Post aus Bayern Beitrag #216
Der schwarze Panther

Heute ist ein schöner Tag. Die Sonne scheint und es ist 10 Grad warm. Ein schöner Frühlingstag. Nach dem strengen Winter den wir hatten, ist es richtig herrlich dass dieser endlich vorbei ist. In dem Winter hatten wir Temperaturen von unter 10 Grad minus. Sogar die von uns Betreuten Streuner sind alle in der mit Stroh ausgelegten Hütte geblieben. Diese Katzen leben etwa 500 Meter von unserem Tierheim entfernt im Wald. Zwei Mal am Tag ist ein Mitarbeiter zu diesen Tieren gefahren um sie zu versorgen. Keines der Tiere ist weg gelaufen wenn der Mitarbeiter da war. Vielleicht mal etwas zur Seite gerückt, aber das war es schon.

Vor 10 Tagen, da war es noch knackig kalt, berichtete mir Peter, einer der Mitarbeiter, von einer schwarzen Katze die dort neu hinzugekommen ist. Auch diese war in der kleinen Hütte. Jedoch lag dieser Panther ganz in einer Ecke ohne mit den anderen zu kuscheln. Anscheinend wurde die Katze auch gemoppt. Denn wenn Peter das Stroh erneuerte, wurde die Katze immer von den anderen verjagt.

Heute fahre ich mit Peter mit um mir die schwarze Katze einmal an zu sehen. Wir müssen den Bulli etwa 100 Meter von den Streunern entfernt stehen lassen und laufen den Rest der Strecke. Jeder von uns beiden hat einen Behälter bei sich in dem das Futter für die Katzen ist. Ich hoffe das die Streuner noch alle da sind, da es doch inzwischen sehr warm ist. Leider konnte ich vorher nicht mit zu den Streunern, da ich nach einem Sturz wegen Glatteis, den linken Knöchel verstaucht hatte. Heute ist es mir egal! Zwar kann ich noch immer nicht richtig laufen, ich humple immer noch leicht, aber ich will die Tiere heute sehen. Schließlich bin ich einmal im Monat bei den Streunern und diese Tiere vertrauen mir auch. Zumindest laufen sie nicht weg wenn ich komme.

Peter und ich biegen um den letzten Busch und können nun die Hütte sehen. Vor der Hütte liegen mehrere Katzen die uns anschauen. Langsam gehen Peter und ich auf die Hütte zu. Die Katzen erheben sich und gehen einige Schritte zur Seite. Aber sie laufen nicht weg, denn sie haben gesehen dass ich dabei bin. Petra, eine weiß-schwarze Katze kommt auf mich zu und streicht um meine Beine. Ich bücke mich und streichele ihr über den Rücken. Das mache ich etwa zwei Minuten dann geht Petra wieder. So ist es jedes Mal wenn ich komme. Peter hat inzwischen einen Blick in die Hütte geworfen und teilt mir mit, das die schwarze Katze nicht da ist. Vermutlich ist sie wieder gegangen.

Eine genauere Untersuchung der Hütte zeigte, das die Katze tatsächlich nicht mehr da ist. Ich bin enttäuscht, aber so ist es mit Streunerkatzen. Peter macht mich auf ein Loch neben der Hütte aufmerksam: „Hier scheint ein Hund gebuddelt zu haben. Eine Katze kann so ein Loch nicht buddeln. Uns sieh mal, das Loch ist mit Stroh ausgelegt. Anscheinend hat der Hund zusammen mit den Katzen hier gelebt. Komisch, das Loch ist mit nie aufgefallen und auch den Hund habe ich nicht gesehen.“

Ich schaue mir das Loch etwas genauer an. Es ist nicht sehr tief, aber es hat etwas Ähnlichkeit mit einer Höhle. Als Peter und ich die nähere Umgegend absuchen, können wir nichts von dem Hund sehen. Auch von der schwarzen Katze findet sich keine Spur. Nachdem wir wieder im Tierheim sind, bespreche ich mit dem Tierarzt die Situation. Auch er findet es ein wenig Sonderbar, das ein Hund so dicht bei verwilderten Katzen leben kann. Aber er und ich haben schon so oft festgestellt, das die Natur ihre eigenen Gesetze hat und der Mensch nur ein Klitzekleines Glied im großen System ist.

Erst im Herbst hören wir wieder etwas von der Katze und dem Hund. Es ist ein Autofahrer der zu uns kommt. Er erzählt: „Ich bin Vertreter und unterwegs nach Y-dorf. Als ich zwischen zwei Feldern durchfahre, sehe ich neben der Straße eine pechschwarze Katze und daneben liegt ein schwarzer Hund. Ich halte sofort an und gehe zu der Stelle an denen ich die beiden gesehen habe. Doch da war nichts. Ich bin noch ein paar Meter weiter gegangen, aber auch dort war nichts von den beiden zu sehen. Es ist mir schleierhaft wo die beiden geblieben sein könnten. Nirgends war etwas von den beiden zu sehen. Wenn Sie mal nachsehen könnten? Es war auf dem xsxsxs-weg.“ Ich überlege kurz dann entschließe ich mich dort nach zu sehen. Bis zu der Stelle die gemeint ist, sind es nur drei Kilometer.

Ich nehme noch zwei Mitarbeiter mit. Es sind Peter und Bernd. Zusammen suchen wir an der Stelle. Auch in einem kleinen Buschgelände werfen wir einen Blick. Gerade als wir von diesem Gelände weg gehen wollen, sagt Peter auf einmal: „Stopp“ und zeigt in eine bestimmte Richtung. Bernd und ich bleiben stehen und dann sehen wir in etwa 50 Meter Entfernung eine schwarze Katze und einen schwarzen Hund. Beide laufen direkt auf uns zu. Alle drei bewegen wir uns nicht mehr. Noch haben uns die beiden Tiere nicht gewittert. Hätten wir doch nur etwas mitgenommen damit wir die Tiere fangen können. Das einzige was wir dabei haben, ist wie immer meine Tasche.

Als die Tiere noch etwa 10 Meter von uns entfernt sind, bleibt die Katze ruckartig stehen. Ich kann ein kurzes Miauen der Katze hören, da bleibt auch der Hund stehen. Komischerweise läuft der Hund hinter der Katze. Sofort legt sich der Hund auf den Boden. Die Katze kommt ganz langsam weiter auf uns zu. Als sie noch etwa 5 Meter von uns entfernt ist, bleibt auch sie stehen. Sie schaut uns drei an. Besonders mich mustert sie lange. Ganz Langsam bewege ich mich auf die Katze zu. Als ich etwa einen Meter von ihr entfernt bin, bücke ich mich und gehe in die Hocke. Bisher hat die Katze mich nur beobachtet jetzt steht sie auf und schaut nach Peter und Bernd. Auch diese kommen langsam näher und bleiben wie ich etwa einen Meter vor der Katze stehen. Die Katze dreht sich um und geht zu dem Hund. Sie stößt ihn mit der Nase an und dann kommen beide auf uns zu.

Wieder etwa einen Meter vor uns ertönt ein leises miauen der Katze und der Hund bleibt stehen. Da der Hund jetzt sehr dicht vor mir steht, kann ich sehen das die Augen des Hundes Milchig aussehen. Das bedeutet: Er ist blind! Außerdem ist seine linke Seite an verschiedenen Stellen aufgerissen. Jedenfalls ist ab und zu eingetrocknetes Blut zu erkennen. Nachdem ich den Hund betrachtet habe, wende ich mich wieder der Katze zu. Außer das sie dünn ist, kann ich nicht weiter erkennen ob sie etwas hat. Jetzt kommt sie auf mich zu. Sie ist komplett Schwarz, nur ihre Schwanzspitze ist weiß.

Direkt vor mir bleibt sie stehen. Sie ist etwa 10cm vor mir, doch ich rühre mich nicht. Sie kommt noch näher und fängt an an meiner rechten Hand zu schnuppern. Auch schlägt sie leicht nach der Hand. Das dabei die Krallen raus sind, merke ich am Schmerz. Gleich darauf fängt meine Hand an leicht zu bluten. Nachdem die Katze mich gehauen hat, weicht sie etwa 20 Zentimeter zurück. Anscheinend wartet sie auf eine Reaktion von mir. Doch ich rühre mich noch immer nicht. Da kommt die Katze wieder näher zu mir. Sie duckt sich und dann stößt sie mit ihrem Nacken an meine Finger. Natürlich könnte ich jetzt sofort zu packen, aber das will ich nicht. Die Katze scheint mich zu testen. Darum bewege ich nur ganz leicht einen Finger und streichele sie dadurch am Nacken.

Sofort springt sie zurück und mustert mich wiederum. Dann geht sie auf Bernd zu. Bei ihm verhält sie sich genauso wie bei mir. Auch Peter wird so getestet. Doch wir drei machen keine Anstalten sie zu fangen. Darum kommt die Katze wieder zu mir. Diesmal drückt sie ihren Kopf an meine Hand und vorsichtig beginne ich sie zu kraulen. Zuerst will sie weg, aber dann entspannt sie sich. Nach etwa einer Minute geht sie zu dem Hund und stößt ihn mit ihrer Nase an. Der Hund steht auf und die Katze drückt sich gegen seine Vorderbeine. So kommt der Hund ganz langsam auf mich zu. Direkt vor mir ertönt wieder ein leises miauen und der Hund setzt sich hin.

Langsam strecke ich meine Hand nach dem Hund aus. Als ich ihn Berühre, will er weg. Doch ein miauen der Katze lässt ihn verharren. So kann ich den Hund zunächst erst mal streicheln. Dabei streichele ich ihn über den Kopf und über seinen Rücken.

Der Hund ist ein Mischling aus Terrier und Boxer. Wobei der Boxer überwiegt. Er ist pechschwarz. Nur um seine Augen ist das Fell etwas heller. Auch ist seine Nasenspitze rot! Ich beginne den Hund zu untersuchen. Das Blut an seiner Seite scheint davon zu sein, das er wohl durch ein Dornengestrüpp oder an einem Stacheldrahtzaun entlang gelaufen ist. Als ich meine Tasche öffne kommt die Katze und schaut genau was ich daraus hervor hole. Aber es ist nur etwas Reinigungsbenzin welches ich aus der Tasche hole. Nachdem ich einige Tropfen auf einen Wattebausch geträufelt habe, reinige ich einen der Kratzer. Die Wunde ist nicht schlimm und braucht nicht behandelt werden. Dann schaue ich auch nach den anderen Schrammen. Doch auch hier ist es so, das keine Maßnahme ergriffen werden muss.

Während der ganzen Zeit saß der Hund ganz ruhig neben mir. Nur die Katze beobachtete jede Hand Bewegung von mir ganz genau. Als ich eine kleine Taschenlampe aus der Tasche hole, stößt die Katze meine Hand an und schaut mich wieder an. Ich schalte die Lampe an und zeige der Katze um was es sich handelt. Dann wende ich mich dem Hund zu. Mehrmals leuchte ich in beide Augen des Tieres, aber es erfolgt keine Reaktion. Bisher haben weder Bernd, noch Peter oder ich ein Wort gesprochen. Doch jetzt muss ich mit der Katze sprechen.

„Deinem Freund geht es gut. Das einzige was mir Sorgen macht sind seine Augen. Er kann nichts mehr sehen. Keinen Schatten, kein gar nichts. Eine Unterscheidung von hell zu dunkel ist auch nicht möglich. Aber er braucht Augen. Die hast du ihm bisher immer ersetzt. Das musst du auch jetzt weiterhin machen. Komm mit uns mit. Wir werden für euch sorgen. Na was hältst du davon?“

Ich weiß dass die Katze mich nicht versteht, Aber ich vertraue auf meine Stimme. Natürlich können Hund und Katze weg laufen. Wir werden sie nicht hindern. Die Katze schaut mich an, dann geht sie zu dem Hund. Sie miaut mehrmals leise und der Hund scheint zu antworten. Dann steht der Hund auf und kommt auf mich zu. Als er mich berührt setzt er sich hin und schmiegt sich an mich. Die Katze dreht sich um und will weglaufen. Da spricht Bernd: „Hallo mein kleiner schwarzer Panther! Wo willst du denn hin? Du musst die Augen deines Freundes ersetzen. Du kannst nicht gehen. Komm!“

Die Katze schaut Bernd an und dann mich. Ich kann erkennen, dass sie am Weinen ist. Aber sie hat zu große Angst vor den Menschen. Ich sage zu Peter und Bernd: „Führt den Hund zum Bulli und wartet dort auf mich. Ich glaube das er auch mit euch mitgeht.“ Peter legt eine Hand auf den Rücken des Hundes und schiebt ihn in Richtung unseres Bulli. Der Hund geht los und Peter und Bernd folgen ihm. Nun bin ich alleine mit der Katze.

Ich gehe zu ihr und gehe vor ihr in die Hocke. Dann streichele ich ihr über den Kopf und sage zu ihr: „Kleiner schwarzer Panther! Komm mit mir mit. Wenn es dir nicht gefällt kannst du weglaufen. Aber hörst du wie dein Freund dich ruft? Also komm mit zu deinem Freund!“

Ich stehe wieder auf und gehe in Richtung unseres Bulli. Nach etwa 5 Metern bleibe ich stehen und schaue nach der Katze. Sie sitzt noch immer an derselben Stelle. Da ertönt ein leises Kläffen des Hundes. Er ruft nach seinem Partner. Die Katze steht auf, bleibt jedoch stehen. Nur ein leises Miauen ist zu hören. Da ertönt wieder ein kläffen des Hundes. Da bewegt sich die Katze und geht auf mich zu. Ich drehe mich um und gehe in Richtung Bulli. Doch immer wieder drehe ich mich um und schaue nach, ob die Katze mir folgt. Die Katze folgt bis zum Bulli, doch einsteigen will sie nicht. Also bleibt mir nichts anderes über, als zusammen mit der Katze zum Tierheim zu laufen. Dabei ist unser Bulli immer in Sichtweite der Katze. Erst als wir am Tierheim ankommen fängt die Katze stark an zu zittern. Darum versuche ich sie auf den Arm zu nehmen. Sie lässt das geschehen und mit ihr auf dem Arm gehe ich zu ihrem Freund. Dieser wird gerade von Bernd in den Untersuchungsraum geführt. Ich folge mit der Katze und setze diese auf den Behandlungstisch ab. Noch immer zittert die Katze aber da ihr Freund auch im Raum ist, beruhigt sie sich langsam.

Am Augenlicht des Hundes kann nichts gemacht werden. Aber wenigstens gewöhnt sich die Katze schnell an Menschen. Jeder der wollte konnte mit ihr kuscheln. Hund und Katze wurden zusammen vermittelt. Der Autofahrer der uns auf die beiden Aufmerksam gemacht hatte, kam eines Tages vorbei und wollte wissen was mit den Tieren die er entdeckt hatte, geschehen ist. Als er die beiden sah, war es um ihn geschehen. Er betonte immer wieder, dass er keine Tiere haben will, aber diese beiden will er sofort mitnehmen. Natürlich durfte er die beiden haben.

Nur ein kleines Problem gab es. Die Katze wollte nicht ins Auto um zum Heim des neuen Besitzers zu fahren. Immerhin waren das 35 Kilometer. Ich versuchte einen Trick. Ich ließ mein Fahrrad holen. Auf diesem ist ein Korb befestigt. Darin setzte ich die Katze. Als ich mit dem Rad losfuhr, blieb die Katze in dem Korb. So wurde die Katze eben auf dem Fahrrad zu ihrem neuen Dosi gebracht. Das machte Peter! Er ist leidenschaftlicher Radfahrer und fährt auch gelegentlich Rennen. Nach etwa 2 Stunden, nachdem er los gefahren war, meldete sich Peter. Die Katze hat die ganze Zeit im Fahrradkorb gelegen und vor sich hin geschnurrt. Obwohl sie nicht festgeschnallt war, hat sie nur einmal den Korb verlassen. Sie verschwand hinter einem Busch und kam kurz darauf wieder zurück. Sprang in den Korb und die Fahrt ging weiter.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #217
Der Großbrand

Zusammen mit meinem Mann Herbert sitze ich im Wohnzimmer. Heute ist unsere Satelliten Schüssel endlich aufgebaut worden. Herbert und ich sind schon gespannt, was es nun für neue Programme gibt. Herbert ist schon seit einer Stunde immer wieder am Umschalten der Programme. Immer schaut er in die jeweilige Sendung um dann weiter zu schalten. Ich bin dadurch leicht genervt aber ich lasse Herbert machen was er will. Ich weiß genau, das er an irgendeinem Programm hängen bleibt. Also lasse ich ihn und lese in einem Buch.
Es ist etwa 21.30 Uhr als das Telefon klingelt. Da Herbert keine Anstalten macht zum Telefon zu gehen, stehe ich auf und nehme den Hörer ab. Am anderen Ende ist die Leitstelle der Feuerwehr. Der Mann sagt: „Hallo Frau XXXXX! Leider muss ich stören! Aber wir haben einen Einsatz zusammen mit den Kollegen der Berufsfeuerwehr. Sag Herbert bitte, treffen am Gerätehaus!“ Danach legt er auf. Sofort sage ich Herbert was los ist. Mit einem Fluch wirft er die Fernbedienung weg und rennt ins Schlafzimmer um sich um zu ziehen. Herbert ist Mitglied in der freiwilligen Feuerwehr unseres Ortes. Er leitet dort die Abteilung für erste Hilfe Einsätze. Normalerweise muss er nur bei Unfällen raus. Heute scheint das etwas anderes zu sein.

Schon nach kurzer Zeit erscheint Herbert in voller Montur, gibt mir einen Kuss und rennt nach draußen. Kurz darauf höre ich den Motor von unserem Wagen anspringen und Herbert fährt zum Gerätehaus. Ich bin noch am Überlegen warum die paar Männer der FwF bei einer großen Sache helfen sollen als schon wieder das Telefon klingelt. Schnell hebe ich ab und es meldet sich der Tierarzt: „Hallo Gerda! Du musst helfen! Im Nachbarort hat es eine Explosion gegeben. Das halbe Gewerbegebiet soll davon betroffen sein. Es brennt überall. Auch das Tierheim dort ist betroffen. Was genau los ist weiß ich noch nicht. In 5 Minuten hole ich dich ab. Wir müssen den Bulli auch mitnehmen!“ „OK, Albert! Ich mache mich fertig! Bis gleich!“ antworte ich, dann lege ich auf. Schnell ziehe ich mich um und bin gerade rechtzeitig fertig als der Tierarzt an der Tür klingelt.

Ich nehme meine Notfalltasche und gehe schnell aus dem Haus. Im Wagen wartet der Tierarzt bei laufendem Motor. Kaum sitze ich und habe die Tür geschlossen als er auch schon Gas gibt. Kurz darauf sind wir am Tierheim. Ich laufe schnell ins Büro und nehme den Schlüssel für unseren Bulli vom Haken. Auf dem Weg zum Bulli kommt mir der Mitarbeiter der Nachtschicht entgegen. Als er mich erkennt hebt er nur den Arm und ich steige in den Bulli. Der Mitarbeiter ist schon auf dem Weg zum Tor, wo er dieses öffnet. Der Tierarzt setzt sich ebenfalls in Bewegung und zusammen fahren wir in Richtung Hauptstraße. Von vorn kommt uns Polizei mit Blaulicht entgegen. Der Tierarzt hält und auch die Polizei hält an. Kurz darauf wendet der Streifenwagen und setzt sich vor uns. Dann geht die Fahrt weiter. Dank der Polizei kommen wir schneller voran.

Es sind noch etwa fünf Minuten bis zum Ort des Geschehens aber man kann schon den hell erleuchteten Himmel erkennen. Dass es ein riesiges Feuer ist sieht man sofort. Kurz danach kommen wir zu einer Straßensperre die wir ohne anzuhalten passieren. Der Streifenwagen fährt direkt zum Tierheim und der Tierarzt und ich folgen ihm. Als wir dort ankommen sehen wir das Ausmaß der Katastrophe!

Von dem Tierheim sind zwei Gebäude stark beschädigt. Eines davon steht in hellen Flammen. Das andere ist ohne Dach und auch eine Wand fehlt komplett. Sobald wir angehalten haben springen der Tierarzt und auch ich aus unseren Autos. Dann gehen wir zusammen auf eine Ansammlung von Männern zu. Der Tierarzt übernimmt das Wort. Zunächst will er wissen welches Haus dort brennt. Es ist zum Glück nur das Gerätehaus. In dem anderen Gebäude sind das Katzenhaus und die Krankenstation. Ich frage wo denn die Tiere sind und erfahre dass diese noch in dem Gebäude sind. Da es Einsturz gefährdet ist, kann keiner das Gebäude betreten. Ich schaue den Tierarzt an und der nickt mit dem Kopf. Zusammen gehen wir in Richtung des Gebäudes, bleiben aber etwa 5 Meter vor diesem stehen. Trotz des Lärmes der herrscht, können wir Hunde und Katzen hören. Da die anderen mitgegangen sind, frage ich ob dort auch Hunde sind. Es sind 5 Hunde und etwa 30 Katzen in dem Gebäude erfahre ich.

Wieder schaue ich den Tierarzt an und der flüstert: „Lass es Gerda! Es ist gefährlich. Warten wir lieber bis wir darein dürfen.“ Genau so leise antworte ich: „Ich muss da rein! Stell dir vor, darin sind Tiere verletzt! Was dann? Lenk du die Leute ab, dann kann ich in das Gebäude!“ Der Tierarzt schüttelt mit dem Kopf, aber er wendet sich an die anderen Männer und deutet mit einer Hand in die Richtung des Gewerbegebietes und fragt was denn eigentlich passiert ist. Alle Männer sehen in die angezeigte Richtung und ich laufe schnell zu dem Gebäude. Ohne dass ich bemerkt werde, komme ich hinein.

Gleich links von mir ist ein Raum dessen Tür herausgerissen ist. In der Außenwand klafft ein großes Loch. Anscheinend handelt es sich um den Raum in dem Katzenkörbe und Toiletten gelagert werden. Direkt vor mir ist eine Tür die geschlossen ist. Jedoch wird von innen an der Tür gekratzt und auch das Jammern von mindestens zwei Katzen ist zu hören. Vorsichtig gehe ich in den Lagerraum und hole einen Katzenkorb heraus. Diesen stelle ich direkt vor die Tür hinter der die Katze ist. Nur einen Spalt breit öffne ich die Tür und schon bemerke ich dass mindestens eine Katze in dem Korb ist. Ich ziehe ihn etwas zurück und halte sofort meine Hand vor den Eingang. Dann schließe ich die Tür. Als ich mich umdrehe steht hinter mir der Tierarzt. Wortlos nimmt er mir den Korb aus der Hand und geht damit nach draußen. Ich hole einen weiteren Korb aus dem Lager und gehe zur nächsten Tür. Dort verhalte ich mich genauso wie beim ersten Mal. Jedes Mal ist eine oder mehrere Katzen in der Transportbox.

Dann komme ich an einem Raum hinter dem die Hunde sind. Vorsichtig öffne ich die Tür und schaue hinein. Ich kann aber nichts erkennen, da es zu dunkel ist. In diesem Moment leuchtet hinter mir eine Taschenlampe auf. Als ich mich umdrehe sehe ich dass es ein Mann der Feuerwehr ist. Er leuchtet in den Raum und ich kann die 5 Hunde erkennen. Alle wollen aus dem Raum. An der Wand neben der Tür kann ich einige Leinen erkennen. Schnell mache ich diese an den Halsbändern der Hunde fest. Dann reiche ich zwei Leinen dem Feuerwehrmann und dieser geht nach draußen. Ich halte die restlichen drei Leinen in der Hand und gehe ebenfalls in Richtung Ausgang.

Gerade als ich nach draußen gehen will, höre ich das Jammern einer Katze. Ich laufe fast mit den Hunden nach draußen und drücke die Leinen irgendjemand in die Hand. Dann will ich wieder ins Gebäude, doch ich werde am Arm festgehalten. „Bleiben Sie hier! Das ist zu gefährlich! Bis jetzt haben Sie Glück gehabt. Außerdem sind doch alle Tiere draußen! Was jetzt noch in dem Haus ist, hat keine Chance mehr.“ Sagt zu mir ein Mann der im Anzug mit Krawatte vor mir steht. Ich reiße mich los und antworte: „Keine Chance mehr? Da drin ist noch mindestens ein Tier welches lebt! Und das werde ich holen! Du kannst mich nicht Aufhalten!“ Schon drehe ich mich um und bin wieder im Haus.

An der Tür bleibe ich stehen und lausche. Doch ich kann kein Tier hören. Darum fange ich an zu rufen. Nach etwa einer Minute höre ich ein Tier antworten. Es kommt aus dem Lagerraum. Vorsichtig betrete ich den Raum und schaue mich um. An der rechten Wand sehe ich eine Tür auf die ich zugehe. Da ich eine Taschenlampe dabei habe, schalte ich diese an. An der Tür angekommen muss ich erst ein paar Trümmerteile zur Seite Räumen. Dann versuche ich die Tür zu öffnen. Doch es geht nicht! Irgendwas liegt innen vor der Tür.

Neben mir taucht ein Feuerwehrmann auf. Auch er versucht die Tür zu öffnen. Doch er schafft es ebenfalls nicht. Daraufhin greift er zu einem Beil und schlägt ein Loch in die Tür. Jetzt kann man wenigstens in den Raum sehen. Auch dort ist eine Wand eingedrückt, doch nicht so schwer wie in diesem Raum. Vor unserer Tür liegt ein großer Schrank und blockiert diese. Der Mann macht das Loch größer, dann klettert er durch das Loch in den Raum. Sofort fängt er an zu suchen und reicht mir schon nach kurzer Zeit eine Katze durch das Loch. Leider hat sie nicht überlegt. Immer wieder reicht er mir eine Katze und nach 5 Minuten liegen 6 tote Katzen neben mir. Dann reicht er mir mit den Worten: „Da liegen noch zwei! Diese scheinen zu Leben!“ eine weitere Katze und nach wenigen Augenblicken noch zwei Katzen. Diese drei Katzen leben. Ich warte noch bis der Mann wieder bei mir ist, dann hole ich schnell einen großen Transportkorb und lege die drei Katzen dort hinein. Sofort nimmt der Mann den Korb hoch und zusammen verlassen wir das Haus.

In der Nähe ist es durch Scheinwerfer hell erleuchtet. Dorthin werden die Katzen gebracht. Dort angekommen wird der Korb mit den Katzen auf einen Tisch gestellt. Sofort untersuche ich die erste Katze und auch der Tierarzt, er ist inzwischen mit der Untersuchung der Hunde fertig, nimmt eine Katze und fängt diese an zu Untersuchen. Beim Abtasten der Katze kann ich feststellen, das das Tier eine riesige Beule am Kopf hat außerdem eine heftig blutende Wunde auf dem Rücken. Gerade als ich das Tier verbinden will, öffnet es die Augen und schaut mich an. Dann ertönt ein leises Miauen und die Katze streckt sich. Es ist vorbei!

Mir kommen die Tränen, aber da ist noch eine Katze die Hilfe braucht. Vorsichtig greife ich nach dem Tier. Auch der Tierarzt greift gleichzeitig nach der Katze. Als uns unsere Hände treffen schauen wir uns an. Dann zieht der Tierarzt, nachdem er in meine Augen geschaut hat; seine Hände zurück. Somit nehme ich vorsichtig die Katze mitsamt dem Korb und stelle diesen vor mich hin. Dann fange ich an, die Katze zu untersuchen. Auch hier stelle ich Verletzungen des Rückens fest. Außerdem ertaste ich gebrochene Beine, eine dicke Beule am Kopf und auch der Kiefer scheint gebrochen zu sein. Da meint Der Tierarzt: „Ich habe alle Tiere bei dir im Bulli. Meine Katze lebt noch. Sie ist nur leicht Verletzt im Gegensatz zu dieser Katze. Gehen wir es gemeinsam an. Ich habe schon mit dem Leiter der Rettung gesprochen. Wir dürfen einen der Rettungswagen benutzen, damit die Katze es schafft. Der Wagen ist gleich hier. AH, da kommt er.“

Vorsichtig nimmt der TAden Korb mit der Katze und geht auf den Rettungswagen zu. Ich bin mal wieder erstaunt, was der Tierarzt alles zustande bringt. Diesmal einen Rettungswagen wegen einer Katze. Als wir den Wagen betreten wird der Tierarzt vom Notarzt begrüßt. Auch mir wird die Hand gedrückt, aber anscheinend nur, weil ich den Tierarzt begleite. „Hallo Albert! Schön dich wieder zu sehen. Als mir die Rettungsleitstelle Bescheid sagte, dass ich zum Tierheim soll um dort eventuell Tiere versorgen soll, da wusste ich schon fast das du es bist. Was hast du denn für Patienten?“

Während der Notarzt noch mit unserem Tierarzt am Reden war, kümmerte ich mich schon um die Katze. Vorsichtig legte ich sie auf eine Trage. Ich schaute mich um und konnte ein Ultraschallgerät erkennen. Ohne mich um irgendeinen der anwesenden Leute zu kümmern, stellte ich das Gerät an. Dabei lauschte ich auf die Antwort des Tierarzt. Gerade antwortete er dem Notarzt: „ Du wirst dich wundern Peter! Ich werde gar nichts machen. Vielleicht helfen, aber die Arbeit macht meine Tierarzt-Helferin. Die kann das Besser wie ich. Schau, die ist auch schon bei der Arbeit!“

Der Notarzt dreht sich um und schaut mich an. Aber er sagt keinen Ton. Der Tierarzt tritt auf die andere Seite der Trage. Ruhig mache ich meine Arbeit. Nur als der Tierarzt zur Trage tritt, schaue ich kurz hoch und lächle ihn an. Dann kümmere ich mich wieder um die Katze. Mit dem Ultraschallgerät fahre ich vorsichtig über den Bauch der Katze. Aber hier sind keine Veränderungen zu erkennen. Auch der Bereich Leber, Nieren Lunge wird von mir untersucht. Aber alles ist in Ordnung. Die Katze scheint keine inneren Verletzungen zu haben. Was mir jetzt fehlt ist ein Röntgenapparat. Das sage ich auch zum Tierarzt. Und der Notfallarzt sagt: „Zwei Kilometer weiter ist die Klinik. Da fahren wir jetzt hin.“ Schon gibt er seine Kommandos und kurz darauf fährt der Rettungswagen mit dem Tierarzt und mir zur Klinik.

Dort angekommen werden nach kurzer Diskussion die notwendigen Aufnahmen gemacht. Der Hinweis des Tierarzt: „Das ist meine Tierarzt-Helferin! Die will sofort die Aufnahmen machen. Und wenn Sie nicht helfen, macht Sie alles selber.“ Kurz überlegte der zuständige Arzt, aber dann gab er seine Zustimmung, nicht ohne an zu merken: „Aber darüber müssen wir nachher reden!“ Bei der Auswertung der Aufnahmen stelle ich fest: Schädelbruch, Kieferbruch, beide vorderen Pfoten gebrochen, schwere Prellung des Rückens. Sämtlich Brüche werden von mir, sofern möglich, behandelt. Da die Katze in den nächsten Tagen nicht selbstständig Futtern kann, lege ich auch dazu einen Zugang. Als alles erledigt ist, legt der Tierarzt die Katze zurück in den Korb. Der Arzt des Krankenhauses und auch der Notarzt schauen mich staunend an. Ich lächle nur, dann verlasse ich den Raum und setze mich im Vorraum auf einen Stuhl.

Die beiden Ärzte kommen dazu und setzen sich ebenfalls. Auch der Tierarzt nimmt neben mir Platz. Bevor die beiden anderen Ärzte etwas sagen können, ergreift der Tierarzt das Wort: „Darf ich mich vorstellen. Ich bin Dr. Albert CCCCC! Ich bin unter anderem der Tierarzt vom Tierheim in YYYYYYY. Und das ist meine Tierarzt-Helferin Frau Gerda XXXXX! Nein sie ist keine Ärztin. Aber Sie ist die beste TÄ die ich jemals kennen gelernt habe. Darum lasse ich Sie auch machen wenn es etwas zu helfen gibt. Allerdings hat sie sich auf Hunde und Katzen spezialisiert. Da darf sie uneingeschränkt Helfen. Auch operieren wenn es sein muss.“ Ich zeigte den beiden Ärzten meine Sondergenehmigung, die auch genau studiert wurde. Dann gaben mir beide die Hand und zusammen mit dem Notarzt ging es wieder zu dem Unfallort. Auch die Katze war dabei.

Da es für uns nichts mehr zu machen gab, fuhr ich unseren Bulli mit den Tieren zum Tierheim, wo ich zusammen mit dem Tierarzt die Tiere unter brachte. Beide Katzen überlebten. Bei der von mir behandelten Katze, waren aber noch zwei OP`s nötig, die ich auch durchführte. Es war, das genau richten des Kiefers und auch der Schwanz der Katze musste amputiert werden. Erst dann konnte sie genesen. Alle Tiere die bei uns waren konnten vermittelt werden. Die von mir behandelte Katze wurde von dem Krankenhausarzt genommen.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #218
Das Schützenfest

Alljährlich findet bei uns im Ort im September ein Schützenfest statt. Dieses Fest erfreut sich großer Beliebtheit. Fast jeder aus unserem Stadtteil ist im Schützenverein. So auch mein Vater und meine Mutter. Ich selber habe noch nicht den richtigen Drall gefunden um dem Verein beizutreten. Aber ich bin natürlich immer dabei wenn das Schützenfest ist. So auch im Jahr 59. Ich stecke zwar mitten in der Ausbildung zur Tierarzt-Helferin, aber der Tierarzt meint dass auch mal etwas Abwechslung nötig ist und nicht nur lernen.

Das Fest läuft schon seit ein paar Stunden. Am Schießstand geht es hoch her, aber noch ist der Vogel nicht herunter gekommen. Auch mein Vater ist dabei. Er will dieses Jahr den Holzvogel erlegen. So sagte er heute Morgen. Der Schützenverein denkt auch an die kleinen. So ist neben dem Vogelschießstand noch ein Luftgewehr Schießstand aufgebaut. Auch zwei Wurf Buden sind aufgebaut. An der einen Bude müssen Dosen abgeräumt werden, bei der anderen ist Pfeilwerfen angesagt. Dort sind viele Kinder dabei um die Preise die locken, zu ergattern.

Gerade unterhalte ich mich mit meinem Vater als auf einmal ein lautes jaulen den allgemeinen Lärm übertönt. Es ist ein Hund der fürchterlich jault. Sofort springe ich von meinem Sitz hoch. Das jaulen kommt aus Richtung der Vogelstange. Alle glauben jetzt natürlich, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hat und dass Hunde Gejaule von einem Tonband kommt. Alles fängt an zu lachen. Nur ich nicht und mein Vater auch nicht. Er hört genauso wie ich immer noch das Jaulen des Hundes. Ich laufe zum Schießstand wo gerade wieder mit dem Schießen begonnen wird. Mein Vater ist neben mir und er brüllt: „Nicht Schießen! Feuer einstellen! Da ist wirklich ein Hund verletzt! Hört ihr es nicht?“

Sofort ist Ruhe am Stand und man kann deutlich das Jaulen hören. Sofort laufe ich in die Richtung aus der das jaulen ertönt. Schon nach wenigen Metern liegt vor mir ein Hund. Er ist auf der anderen Seite der Absperrung. Diese Absperrung wird nur für das Schützenfest aufgestellt. Er dient dazu, dass keiner von hinten an den Schießstand kann. Und genau dahinter liegt der Hund. Nun muss ich den ganzen Weg zurück laufen. Der Sicherheitsbereich ist bei diesem Vogelschießen sehr groß, denn vor ein paar Jahren hat es mal einen Unfall gegeben.

Ich laufe also um die Absperrung herum und komme nach etwa drei Minuten bei dem Hund an. Als ich mich zu ihm bücken will, fängt er an zu knurren und schnappt nach mir. Ich strecke meine Hand aus und fange an mit dem Hund zu reden. Noch immer knurrt der Hund, aber zwischendurch ist er auch am Jaulen. Ganz langsam nähere ich mich mit ausgestreckter Hand dem Hund. Von den Zuschauern die hier sind, kommen immer wieder warnende Worte. Wie es scheint, kennt keiner den Hund. Es scheint sich bei dem Hund um einen Schäferhund Mischling zu handeln. Welche andere Rasse noch dabei ist, kann ich nicht genau sagen. Aber ein reinrassiger Schäferhund ist das nicht.

Es wird immer ruhiger um mich herum, je näher ich mit der Hand mich dem Hund nähere. Jetzt sind es nur noch wenige Zentimeter die mich vom Kopf des Hundes trennen. Wenn er wollte, könnte er jetzt nach meiner Hand schnappen. Aber der Hund lauscht meiner Stimme und schaut mich die ganze Zeit an. Dann habe ich seinen Kopf erreicht und ich lege meine Hand ganz leicht auf den Kopf. Sofort zieht der Hund seinen Kopf weg und er schnappt nach meiner Hand. Er verfehlt diese aber. Ob mit Absicht oder aus Versehen kann ich nicht sagen.

Nun lasse ich den Hund zunächst an meiner Hand schnuppern. Als er mit seiner Schnauze an meine Hand stößt, streichele ich ihm ganz vorsichtig am Hals Das scheint zu gefallen, denn er stellt endgültig sein Knurren ein. Nur sein Jaulen bleibt. Nun knie ich mich auf den Boden und rutsche näher an den Hund. Dabei streichele ich den Hund nun auch über den Kopf. Als ich ganz dicht bei ihm bin, hebt er seinen Kopf und schaut mich an. Ich streichele ihn weiter, halte seinem Blick aber stand. Noch immer rede ich mit dem Hund. Vorsichtig fange ich an ihn zu Untersuchen. Da er auf der linken Seite liegt, kann ich nur die rechte Seite abtasten. Doch ich finde nichts. Als ich im Bereich der Schulter meine Hand unter den Hund schiebe und diese wieder hervor ziehe, ist diese voller Blut.

Ich rede wieder mit dem Hund und versuche ihn herum zu drehen. Doch das gelingt zunächst nicht. Jedes Mal wenn ich versuche den Hund zu drehen fängt er richtig laut an zu Jaulen. Doch ich muss den Hund drehen. Bisher habe ich immer versucht den Hund mit der linken Hand zu drehen, während die rechte Hand den Hund weiter gestreichelt hat. Jetzt nehme ich beide Hände zu Hilfe und drehe den Hund langsam auf die andere Seite. Sofort sehe ich was der Hund hat! Er muss von einem Querschläger während des Schießens getroffen worden. Bei einem Querschläger wird das Geschoß, welches in diesem Fall von der Halterung für den Holzvogel, die aus Stahl besteht, abgeprallt ist, stark deformiert. Soll heißen es ist nur noch ein klumpen Blei der durch die Luft fliegt. Und soll ein Klumpen hat den Hund getroffen. Er reißt eine große Wunde die stark blutet.

Da ich nichts dabei habe um die Blutung zu stoppen, schaue ich mich um. Auf der anderen Seite des Zaunes steht ein Sanitäter eines Hilfsdienstes. Sofort fordere ich ihn auf, mir einige Verbandpäckchen zu zu werfen. Doch er lehnt ab mit dem Hinweis, dass die Verbandpäckchen nur für Menschen sind. Entsetzt sehe ich ihn an. Da sehe ich, wie mein Vater neben dem Sanitäter auftaucht und diesem was ins Ohr flüstert. Der Sani schaut sich einmal kurz um, dann greift er in seine Tasche und wirft mir etliche Verbandpäckchen zu. Sofort greife ich zu und hole das erste Päckchen aus der Verpackung. Dieses presse ich auf die Blutende Wunde, dann nehme ich das zweite Päckchen und verbinde den Hund. Das ist nicht einfach, weil ich immer wieder unter den Hund greifen muss um den Verband fest zu bekommen.

Inzwischen scheint der Hund gemerkt zu haben, dass ich ihm helfen will. Er steht auf und ich kann nun einen weiteren Verband anlegen. Dieser Verband wird von mir als Druckverband ausgeführt. Als das erledigt ist, sehe ich auf. Mein Vater sagt zu mir: „Der Tierarzt ist schon verständigt. Er ist gleich da! Du sollst mit dem Hund auf der Seite bleiben. Er bringt eine Trage mit.“ Während mein Vater das sagt, hat sich der Hund wieder hingelegt. Er ist stark am Hecheln und ich überlege, wie ich ihm etwas zu trinken geben kann. Auch mein Vater errät meine Gedanken. Sofort läuft er los und kommt nach kurzer Zeit mit einer Flasche zurück. In dieser befindet sich Wasser. Gleichzeitig kommen mir Bedenken. Schließlich wird der Hund mit Sicherheit eine Narkose bekommen und dann ist es sehr schlecht wenn er kurz vorher etwas zu trinken bekommt.

Kurz darauf kommt der Tierarzt. Er hat eine Trage dabei und bittet meinen Vater und noch zwei andere Männer darum mit an zu fassen. Dann kommt er zu mir. Er gibt dem Hund eine Narkosespritze und gemeinsam legen wir den Hund auf die Trage. Gerade als die vier Männer die Trage anheben wollen, hören wir ein leises jaulen von hinten. Ist da noch ein Hund? Ich gehe auf das Gebüsch zu von wo aus das jaulen zu hören war. Als ich darum herum gehe, sehe ich eine Hundemutti mit 6 jungen Welpen. Es sieht so aus, als wären die Welpen erst gerade geboren worden. Ich teile das dem Tierarzt mit und sofort ist er neben mir. Schnell kommen seine Kommandos. Jetzt hält der Tierarzt es für angebracht, das Frauen die Welpen nehmen. So geschieht es.

Fünf Frauen und ich tragen jeweils einen Welpen, während das Muttertier neben uns her geht. Als wir beim Auto des Tierarzt ankommen, es ist ein Kombi, öffnet er die Heckklappe und bereitet eine Decke aus. Da aus dem Wagen die Rücksitze ausgebaut sind, hat er eine große Ladefläche. Zuerst wird die Trage mit dem Hund in den Wagen geschoben, dann folgen die Welpen. Anschließend wird auch die Mutti ins Auto gehoben. Dann sagt der Tierarzt zu mir nur das Wort „Mitkommen“ und schon sitz er in seinem Auto. Schnell steige ich auf der anderen Seite ein und der Tierarzt gibt Gas. Kurz darauf sind wir bei seiner Praxis. Nachdem alle Tiere im Haus sind, untersucht der Tierarzt zunächst den Hund. Anschließend entfernt er die Kugel.

Auch die Mutti und ihre Welpen werden Untersucht. Alles ist bei diesen in Ordnung. Zunächst behält der Tierarzt die Tiere bei sich in der Praxis. Er hat dafür extra einen Raum. Auch Auslauf haben die Tiere von dort aus. Nach zwei Wochen kommen alle Tiere zu uns ins Tierheim wo sie noch etwa ein halbes Jahr verbleiben. Der Hund wurde wieder vollkommen gesund. Da sich niemand meldete der seinen Hund vermisste, wurden die Hunde vermittelt. Das Elternpaar zusammen und die Welpen kamen nur paarweise in ein neues zu Hause.

Mein Vater hat den Vogel nicht herunter geholt. Das machte er erst im nächstem Jahr. Nach dem Vorfall hatte er keine Lust mehr auf den Holzvogel zu Schießen. Auch wurde die Komplette Schießanlage so ausgebaut, das es solch einen Vorfall nicht mehr geben kann. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich auch immer eine Tasche dabei, in der sich Verbandmaterial befindet.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #219
Tessa

Es ist ein schöner Spätsommertag. Im Tierheim ist nicht viel los. Ausnahmsweise sind nur sehr wenige Tiere hier bei uns. Genau sind es 12 Katzen und drei Hunde. Wobei von den Katzen 3 nur während des Urlaubes von ihren Besitzern hier sind. Darum wird auch im Moment neben mir nur mit drei Mitarbeitern gearbeitet. Für nachts haben wir zwei Rentner die sich unter einander ablösen.

Es ist um die Mittagszeit als es an meiner Tür klopft. Da die Jalousien geschlossen sind, konnte ich vorher nicht erkennen dass sich jemand meinem Büro nähert. Auf mein „Herein“ betritt eine etwa 40 jährige Frau mein Büro. Sie stellt sich vor und nachdem sie sich gesetzt hat und einen Katzentragekorb neben sich gestellt hat, kommt sie gleich zum Thema: „Mir ist eine Katze zugelaufen! Ich kann die aber nicht versorgen! Schließlich bin ich den ganzen Tag am Arbeiten!“

Es wundert mich schon dass sie angeblich keine Katze versorgen kann denn schließlich kommt sie mit einem Katzentragekorb zu mir. Und diese kann man nicht so ohne weiteres bekommen. Aber ich sage nichts dazu, sondern lasse mir die Katze zeigen. Sie holt eine etwa 6 Monate alte Katze aus dem Korb und setzt diese auf meinem Schreibtisch ab. Sofort erkenne ich, dass etwas mit der Katze nicht stimmt. So wie die Frau sie hingesetzt hat, so blieb die Katze. Spontan entschließe ich mich, dass diese Katze bei uns bleiben soll. Jedoch sagte ich dieses noch nicht. Die Frau und ich unterhalten uns noch etwa eine Stunde, dann geht die Frau wieder. Während der ganzen Zeit saß die Katze auf meinem Schreibtisch und rührte sich nicht. Während unseres Gespräches kam ich immer mehr zu der Überzeugung dass ich angelogen wurde. Eine Katze die während des Gespräches sich nicht rührte und sich anstandslos von mir streicheln lies, gibt es nicht.

Nachdem die Frau gegangen ist nahm ich das kleine Kätzchen auf den Arm und ging mit ihr zum Untersuchungsraum. Dort untersuchte ich zunächst ob sie irgendeine Krankheit haben kann. Doch ich bemerkte nichts. Danach legte ich sie auf den Röntgenapparat. Die ganze Zeit über, bewegte sich die Katze nicht. Sie ließ alles mit sich geschehen. Auch das röntgen wurde ohne Schwierigkeiten durchgeführt. Gerade als ich die Aufnahmen betrachten wollte, kam unser Tierarzt ins Untersuchungszimmer. Er grüßte kurz und wollte dann wissen, was ich mal wieder für einen besonderen Fall auf dem Tisch liegen habe.

Schnell erklärte ich, wie die Katze zu uns kam und er meinte das es schon komisch ist wie die Frau sich verhalten hat. Dann sichteten wir beide die Aufnahmen. Dabei stellen wir fest, dass durch einen Geburtsfehler die Verbindung zwischen den Bändern verwachsen sind. Dadurch kann die Katze nicht laufen, geschweige das sie sich überhaupt auf die Hinterpfoten stellen kann. Eine OP kann dieses beheben. Nur ist diese OP extrem kompliziert und der Tierarzt traut sich diese OP nicht zu. Aber er sagt das er mal Telefonieren muss. Nachdem ich das kleine Kätzchen an eine Mitarbeiterin weiter gegeben habe, gehen wir beide zu meinem Büro. Dort greift der Tierarzt, nachdem er ein Notizbuch aus seiner Tasche geholt und etwas darin geblättert hat, zum Telefon. Wo er anruft kann ich nicht sehen. Da ich aber weiß, dass der Tierarzt nicht gerne beim Telefonieren beobachtet werden will, hole ich zwei Gläser aus dem Schrank und fülle diese mit einem kalten Getränk. Ich bekomme nur ein paar Gesprächsfetzen mit. Nach einem kurzen „bis Morgen“ legt er den Hörer wieder auf.

Er wendet sich an mich und sagt, während er zum Glas greift und einen ersten Schlucktrinkt: „Danke, das tut gut. Also! Morgen früh hole ich dich um 7.00 Uhr von zu Hause ab. Dann holen wir das Kätzchen und fahren zu einem befreundeten Tierarzt. Der ist Tierchirurg und will sich die Sache ansehen. Ob er helfen kann, sagt er uns dann Morgen. Rechne aber bitte nicht damit, dass du früh wieder zu Hause bist. Wir brauchen bis dorthin etwa drei Stunden. Also nimm auch etwas zu trinken mit. Ich möchte nicht anhalten unterwegs wenn es nicht sein muss. Pinkelpause ist auch gestrichen!“ sagt er noch zum Schluss und muss selber über seinen Witz lachen. Dann verabschiedet er sich wieder. Ich hole die Röntgenaufnahmen und alle Untersuchungsergebnisse die wir ermittelt haben und lege diese in meine Tasche. Dann bespreche ich noch den morgigen Ablauf mit Bernd, einem der Mitarbeiter. Dann mache ich Feierabend und setze mich auf mein Fahrrad und fahre nach Hause.

Am nächsten Morgen kommt der Tierarzt pünktlich um mich abzuholen. Wir fahren zum Tierheim und holen das Kätzchen. Anschließend machen wir uns auf die Fahrt zu der TK. Dabei unterhalten wir uns darüber, welche Möglichkeiten es gibt der Katze zu helfen. Die liegt in ihrem Tragekorb, der auf der Ladefläche des Autos festgemacht ist, und ist am Schlafen. Nur einmal zwischendurch wird sie wach. Als die Katze laut anfängt zu Mauzen hält der Tierarzt auf einem Parkplatz und zusammen schauen wir nach der Katze. Die hat sich voll gepieselt, welches aber kein großes Problem ist. Wir reinigen Tragekorb und Katze und schon geht es weiter.

Gegen 10.00 Uhr kommen wir in der TK an. Als wir uns am Empfang melden, werden wir sofort in einen anderen Raum geführt. Dort bekommen wir erst mal einen Kaffee und uns wird mitgeteilt das Dr. Kkkkk sofort für uns da ist. Er untersucht nur gerade einen Wolf aus dem Zoo. Während wir den Kaffee trinken schauen wir uns in dem Raum um. Es scheint ein Empfangsraum zu sein. An den Wänden hängen Fotografien der Mitarbeiter der TK und auch sehr viele Fotos von Tieren mit ihren Besitzern.

Wir warten schon etwa 20 Minuten als ein Mann mittleren Alters den Raum betritt. Er stellt sich als Dr. Kkkkk vor und reicht mir die Hand. Dann wendet er sich an unseren Tierarzt: „Hallo Albert! Schön dich mal wieder zu sehen! Du scheinst ja einen heiklen Fall mitgebracht zu haben wenn Du dich selbst hier hin bemühst. Ich hoffe deine Vertretung, wie heißt die Frau noch, wird alles für dich regeln?“

Der Tierarzt schaut mich an und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ich schüttele leicht mit dem Kopf und der Tierarzt sagt nichts. Dann will Dr. Kkkkk die Katze sehen. Auch die Röntgenaufnahmen will er sehen. Dazu begeben wir uns in ein Untersuchungszimmer. Ich reiche dem Arzt die Aufnahmen und er betrachtet diese ganz genau. Dann ruft er nach einer Helferin und erklärt ihr ganz genau dass er noch von einem ganz bestimmten Bereich eine Aufnahme braucht. Bisher hatte ich Dr. Kkkkk noch nicht alle Aufnahmen gezeigt. Es fehlten noch drei Aufnahmen die ich nun heran holte.

Bevor die Mitarbeiterin mit der Katze den Raum verlassen kann, gebe ich Dr. Kkkkk die erste Aufnahme. Es ist genau die Aufnahme die er braucht. Erstaunt schaut er mich und dann den Tierarzt an. Dann betrachtet er die Aufnahme. Die Helferin steht immer noch an der Tür und wartet.

„Von dem Bereich brauche ich auch noch eine Detailaufnahme! Haben Sie diese auch?“ schaut er mich fragend an. Wortlos gebe ich ihm eine weitere Aufnahme. Nun ist er verdutzt und blickt Hilfesuchend auf unseren Tierarzt. Doch der schaut vielsagend in eine ganz andere Richtung. „Wenn Sie jetzt auch noch eine Aufnahme dieses Bereiches haben, glaube ich dass Du Albert, mich angeschwindelt hast. Anscheinend kannst du die OP doch machen.“ Auch von dem Bereich drücke ich dem Dr. die gewünschte Aufnahme in die Hand. Wortlos betrachtet er die Aufnahme und sagt bevor er sich an den Tierarzt wendet zu der Mitarbeiterin: „Lassen Sie die Katze hier und bereiten Sie den OP 4 vor. Wenn alles gut geht, können wir in einer Stunde operieren.“ Die Mitarbeiterin stellt den Tragekorb auf einen Tisch dann verlässt sie den Raum.
„So Albert, jetzt musst du mir mal erzählen wie du auf die Idee gekommen bist genau diese Aufnahmen zu machen die ich für die OP brauche. Das kannst du doch gar nicht wissen!“ „Ich nicht, da hast du recht. Ich wusste noch nicht mal, dass es diese Aufnahmen gibt. Die Frau, wie du so schön sagst Paul, hat die Aufnahmen gemacht. In dem Tierheim wo sie arbeitet haben sie mein altes Röntgengerät. Die Leiterin dort hat die Ausbildung zur Röntgen-Assistentin. Die hat die Aufnahmen ohne mein Wissen gemacht.“ antwortet der Tierarzt. Ich kann sehen dass ihm die Situation Spaß macht und er verzieht keine Miene. Auch ich schweige darüber das ich die Aufnahmen gemacht habe. „Woher weiß die Frau denn, welche Detailaufnahmen noch nötig sind? Dazu muss man schon Tier Chirurgie studiert haben. Sag mal Albert, welchen Schatz verbirgst Du da vor mir?“
Ich sehe das dem Tierarzt der Schalk im Nacken sitz und er meint: „Ich könnte sie ja anrufen! Aber ich weiß dass sie heute nicht im Tierheim ist. Sie ist Außerhalb unterwegs und kommt vor heute Abend nicht wieder zurück. Vielleicht kommst Du ja mal zu uns. Spätestens dann kannst Du sie kennen lernen. Ich nehme an, dass es aber eher wird bis Du sie kennenlernst. Oder was meinst Du Gerda?“ Die ganze Zeit habe ich dem Gespräch nur zugehört. Ich mache das Spiel des Tierarzt mit: „Damit ist zu rechnen das es etwas eher wird, Albert.“

Der Dr. schaut zwischen uns beiden hin und her. Man kann sehen das er am überlegen ist. Dann huscht ein Lächeln über sein Gesicht: „Klar Albert! Du hast mich ganz schön veralbert. Ist doch klar dass du nicht ohne die Person fährst die diese Aufnahmen gemacht hat. Ich hätte es mir gleich denken können. Uns Sie sind Frau Dr.?“ Schaut er mich fragend an. Bevor ich etwas sagen kann ergreift wiederum unser Tierarzt das Wort: „Darf ich vorstellen? Frau Gerda Xxxxx! Die Leiterin des Tierheim in YYYYYYY. Ohne Dr. dafür ist Sie aber die beste TÄ die ich kenne! Das kannst du mir glauben Paul. Was diese Frau schon alles geleistet hat das kannst du dir nicht vorstellen. Sie gibt niemals auf. Keine Chance ist klein genug als das diese nicht ergriffen wird. Und bisher hat sie immer gewonnen.“

Langsam dreht der Dr. seinen Kopf und schaut mich an. Dann steht er auf und reicht mir die Hand. „Entschuldigung, aber ich dachte Sie währen eine Helferin von Albert. Wer rechnet denn damit das gleich die gesamte Tierarzt-Praxis nebst Ableger hier hin kommt.“ Auch ich erhebe mich und reiche dem Dr. die Hand. Dann setzen wir uns wieder und bereden die OP. Ich höre mir seine Methode der OP an und er sich meine. Dann gehen wir zum OP-Raum in dem die Katze inzwischen vorbereitet worden ist.

Dann beginnen wir mit der OP. Unser Tierarzt ist diesmal nur der Helfer. Paul, der Dr. und ich arbeiten vorzüglich zusammen. Unsere Methoden mischen wir und schon nach zwei Stunden ist die OP beendet. Nach einer Pause von etwa 30 Minuten treffen wir uns im Büro des Dr. Auch noch zwei andere TÄ der Klinik sind anwesend. Darunter auch der Leiter der TK. Bisher dachte ich die ganze Zeit, dass Paul der Leiter ist. Nun stellt sich heraus, er ist der Stellvertreter.

Der Chef der TK ergreift das Wort: „Erst einmal herzlich willkommen! Paul hat mir schon gestern gesagt dass Du Albert, heute mit einem Patienten kommst. Natürlich habe ich sofort zugestimmt dass sofort wenn möglich operiert wird. Nach der OP habe ich mit Paul gesprochen. Der erzählte mir etwas, was es an und für sich gar nicht geben kann. Er erzählte dass ihm ein ausgebildeter Tierarzt als Helfer bei einer OP geholfen hat und eine Tierarzt-Helferin die Hauptarbeit bei der OP gemacht hat. Irgendwie kam ich mir veräppelt vor, darum musste Paul mir genau erzählen was bei der OP passiert ist. Ich bin aus dem Staunen nicht heraus gekommen und konnte es nicht fassen. Daraufhin habe ich beim TÄ-Verband angerufen und gefragt ob das möglich ist. Die Auskunft die ich dort erhalten habe, erstaunte mich insoweit doch, dass es möglich ist, das Tierarzt-Helferinnen operieren dürfen, wenn sie dafür Ausgebildet worden sind und eine Entsprechende Prüfung abgelegt haben. Wie ich hörte Frau Xxxxx sind Sie eine der ganz wenigen die das dürfen und dazu haben Sie auch noch vorzüglich, ganz anders wie geplant, die Prüfung bestanden. Natürlich habe ich gefragt was denn bei der Prüfung war und als mir das erzählt wurde, konnte ich es nicht glauben. Auch einen Befreundeten Leiter einer TK in Ihrer Nähe habe ich angerufen. Auch er erzählte mir, das in dem Tierheim wo du Tierarzt bist Albert, diese Frau arbeitet. Nun sagen Sie mal Frau Xxxxx, wo haben Sie das alles gelernt? Die Methode die heute gemacht wurde ist mir ganz neu und auch Paul hat diese noch nie gemacht.“

Ich beantwortete seine Frage und auch Albert, unser Tierarzt, bestätigte alles was ich sagte. Wir saßen noch über zwei Stunden zusammen und Unterhielten uns über meine Ausbildung und was ich bisher alles gemacht habe. Danach fuhren wir wieder zurück. Das Kätzchen musste zunächst in der Klinik bleiben. Der Leiter der TK versprach uns, dass Paul und er sich persönlich um das Kätzchen kümmern würden und es in etwa drei Wochen zu uns bringen würden.

Es sind inzwischen drei Wochen vergangen. Täglich habe ich oder der Tierarzt in der Klinik angerufen und uns nach dem Kätzchen erkundigt. Die Genesung, so wurde uns gesagt, verlaufe sehr gut. Auch könne das Tier nun selbständig aufstehen. Doch mehr erfuhren wir nicht. Daraus wurde ein Geheimnis gemacht. Heute soll die Katze wieder zu uns kommen. Albert und ich warten schon seit einer Stunde auf die Ankunft der Katze mit ihren Begleitern. Auch Bernd ist bei uns.

Endlich biegt der Wagen der TK auf unser Gelände ein. Paul und der TK-Leiter steigen aus dem Wagen und Paul holt einen Katzentragekorb aus dem Laderaum des Kombis. Dann kommen beide auf mein Büro zu. Bernd öffnet die Tür schon bevor es klopft. Wir begrüßen uns, und ich stelle Bernd vor und erkläre kurz seine Stellung im Tierheim. Dann öffnet Paul die Klappe des Tragekorbes. Sobald dieses geschehen ist, sehen wir alle nur noch einen Schatten aus dem Korb fliegen und in einer Ecke verschwinden. Sofort geht Paul in die Ecke und kommt mit der Katze auf dem Arm zu uns zurück. Dabei sagt er: „Das Kätzchen hat die OP sehr gut überstanden und sie ist komplett geheilt. Alles was eine andere Katze kann, macht sie genauso gut. Ohne Zweifel, war Ihre Methode genau richtig, damit die Katze wieder eine Katze werden konnte. Herzlichen Glückwunsch!“

Auch der Leiter der TK reichte mir seine Hand um mir zu Gratulieren. Etwa zwei Stunden später fuhren die Beiden wieder weg, nicht ohne vorher noch einen Rundgang durch das Tierheim zu machen. Besonderes Interesse zeigten die beiden an unserer Krankenstation. Beide meinten, das die Ausstattung fast die einer TK gleicht. Nur eben für Hund und Katze!
Wir nannten die kleine Katze Tessa. Nach etwa drei Monaten wurde sie Vermittelt. Sie kam zu einer Dame die schon zwei Katzen hatte.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #220
Was für eine schöne traurige geschichte ich bin froh das für das kätzchen alles gut ausgegangen ist.

Vielen lieben Dank Tschikitta
 
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