Post aus Bayern

Diskutiere Post aus Bayern im Katzen Forum im Bereich Katzenfreunde; Ich bin auch für weiter schreiben, ich lese hier sooo gerne!
  • Post aus Bayern Beitrag #321
Ich bin auch für weiter schreiben, ich lese hier sooo gerne!
 
  • Post aus Bayern Beitrag #322
Auch von meiner Seite eine klare Bitte zum weiterschreiben, die Geschichten sind einfach toll. Vielleicht kannst du Monika (die Tochter) fragen, ob sie damit einverstanden ist?
Ich denke, du bekommst das gut hin mit deiner Eloquenz.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #323
Bitte schreib weiter!
 
  • Post aus Bayern Beitrag #324
Bitte weiter schreiben, ich freue mich immer sehr über eine neue weitere spannende Geschichte .
 
  • Post aus Bayern Beitrag #325
Bitte weiterschreiben. Ich lese die Geschichten so gerne.

LG Sina
 
  • Post aus Bayern Beitrag #326
Ich würde mich auch sehr über weitere Geschichten freuen auch ohne das sie diese Korrektur lesen konnte, also bitte schreib weiter :)
LG
 
  • Post aus Bayern Beitrag #327
Oh! Ich dachte zuerst, mich erwartet eine neue Geschichte.
Deshalb meine Meinung:

Weiter schreiben!

Hat denn Gerda grundsätzlich so viel zu verändern und korrigieren gehabt? Bestimmt weißt du inzwischen um die ihr typischen, wichtigen Dinge, die die Geschichten ausmachen.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #328
Oh! Ich dachte zuerst, mich erwartet eine neue Geschichte.
Deshalb meine Meinung:

Weiter schreiben!

Hat denn Gerda grundsätzlich so viel zu verändern und korrigieren gehabt? Bestimmt weißt du inzwischen um die ihr typischen, wichtigen Dinge, die die Geschichten ausmachen.

Bei den letzten 20 Geschichten wurde gar nichts mehr von Gerda geändert. Sie war sehr zufrieden über meine Umsetzung ihrer Erlebnisse. Trotzdem warte ich noch bis zum Wochenende mit meiner Entscheidung. Aber es sieht sehr gut aus.

Gruß Helmut
 
  • Post aus Bayern Beitrag #329
Nachdem keiner dagegen gesprochen hat das ich weiter Schreibe und das bei über 400 Klicks seit meiner Frage, werde ich weiter machen. Auch Monika, die ich natürlich gefragt habe, ist dafür das ich weiter mache. Schon um das Andenken an ihrer Mutter hoch zu halten. Auch sie liest immer die neuesten Geschichten und ist sehr erstaunt, was ihre Mutter alles geleistet hat. Das meiste wusste sie gar nicht.

Hier nun eine neue Geschichte:

Schweinchen

Wieder einmal sitze ich über dem Papierkrieg bei mir im Büro. Langsam wünsche ich mir doch eine Sekretärin für diesen Quatsch. Aber die werde ich wohl nicht bekommen, also muss ich das eben selber machen.
Als ich einmal auf die Uhr schaue stelle ich fest, das ich schon seit mehr als vier Stunden diesen Blödsinn mache. Gerade bin ich dabei ein Schreiben auf zu setzten indem ich um Spenden für das Tierheim bitte. Zwar sind wir ein stätisches Tierheim, aber leider werden auch bei uns die Gelder gestrichen, so das wir immer mehr auf Spenden angewiesen sind. Obwohl die auch sehr reichlich sprudeln.

Da es inzwischen kurz nach zwölf ist, entschließe ich mich dazu, in den Aufenthaltsraum zu gehen und mit den Mitarbeitern die Mittagspause zu verbringen. Ich lasse also Schreibmaschine, Schreibmaschine sein und erhebe mich von meinem Stuhl. In diesem Moment klingelt mein Telefon und nachdem ich mich gemeldet habe, ertönt die Stimme eines Mannes aus dem Hörer:

„Hallo, mein Name ist Peter von M……..! Ich werde nächste Woche für etliche Jahre nach China versetzt und suche deshalb eine Unterbringung für mein Schweinchen. Da ich nun aber mehrere Jahre nach China gehe soll gleichzeitig nach einem neuen Herrchen gesucht werden. Können Sie mir weiter helfen. Alle anderen Tierheim die ich bisher angerufen habe, wollten nicht!“

Den letzten Satz von ihm kann ich zwar nicht nach vollziehen aber ich verspreche ihm, das wir ihm helfen werden. Dabei sage ich: „Natürlich können Sie ihr Schwein zu uns ins Tierheim bringen und wir werden auch ein neues Herrchen für das Schwein suchen. Aber sie müssen es schon bringen!“

Da fängt der Mann laut an zu lachen und sagt: „Natürlich bringe ich Schweinchen! Aber Sie werden sich wundern, das verspreche ich Ihnen. Ist Ihnen übermorgen gegen Mittag recht?“ Natürlich ist mir das recht, was ich ihm auch sage. Dann verabschiedet sich der Mann und legt wieder auf.

Ich verlasse nun mein Büro und gehe zum Aufenthaltsraum wo schon die anderen Mitarbeiter bei der Pause sind. Nachdem ich kurz „Mahlzeit“ gesagt habe, setze ich mich auf einen freien Stuhl unter den Mitarbeitern. Irgendwann erwähne ich dann beiläufig das in zwei Tagen ein Schwein zu uns kommt, welches wir weiter vermitteln sollen. Natürlich wird nun den Rest der Pause nur noch über das Schwein geredet. Es werden sich schon Gedanken darüber gemacht, wer denn wohl ein Schwein nimmt. Jedenfalls sind alle der Meinung, das es schwer wird das Schwein zu vermitteln.

Bernd meinte noch, das für das Schwein aber ein eigenes Gehege vorbereitet werden muss. Da noch einige Absperrungen von der Baustelle hier herum stehen, sollen diese benutzt werden. Nach der Mittagspause machen sich Bernd und Klaus, ein weiterer Mitarbeiter, sofort ans Werk. Sie schleppen einige der Absperrungen zu der Wiese neben unserem Tierheim, diese dürfen wir mit benutzen, und sperren dort ein Areal ab. Bis zum Feierabend sind sie damit fertig. Nun kann das Schwein kommen.

Zwei Tage später, ich sitze wieder mal am Papierkrieg, klopft es an meiner Bürotür. Auf mein „Herein“ betritt ein etwa 40 jähriger Mann mein Büro. Direkt neben ihm läuft ein riesiger Hund, der sich sofort neben ihn auf den Boden legt, nachdem der Mann Platz genommen hat. Kurz bin ich am Überlegen um was für einen Hund es sich handelt. Vom Aussehen her ist es ein irischer Wolfshund der bis zu 80cm groß werden kann, wobei er dabei ein Gewicht von mindestens 55 Kilo hat. Erst jetzt sehe ich, das der Hund gar nicht angeleint ist, obwohl der Mann eine Leine in der Hand hat.

Nachdem er Platz genommen hat stellt er sich vor: „Ich bin Peter von M………! Ich hatte Sie angerufen wegen meines Schweinchens das ich leider hier abgeben muss.“ Nun frage ich ihn wo er denn sein Schwein hat. Wieder fängt er an zu lachen, dann sagt er: „Darf ich vorstellen? Das ist Schweinchen!“ Dabei zeigt er auf den Hund. Dann erzählt er mir die Geschichte wie der Hund zu seinem Namen gekommen ist.

„In einem meiner Wälder gibt es auch Wildschweine. Vor etwa 7 Monaten kam mein Wildhüter zu mir und berichtete davon, das bei den Wildschweinen auch ein kleiner Hund lebt. Ich hielt das natürlich für Blödsinn was ich dem Wildhüter auch sagte. Da forderte er mich auf ihm zu folgen. Natürlich bin ich mit ihm gegangen und nachdem wir im Revier waren, zeigte er mir die Wildschweinherde. Tatsächlich befand sich bei denen ein Hund. Aber von klein konnte gar keine Rede sein, denn der Hund war genau so groß wie die Wildschweine. Ich habe den Hund dann durch meinen Wildhüter fangen lassen und ihn sofort von Tierarzt untersuchen lassen. Dabei stellte sich dann heraus, das der Hund etwa 4 Monate alt war und nicht rein rassig ist. Welcher Hund noch mit darin steckt, ist aber nicht bekannt. Ich konnte es zunächst nicht glauben. Solch ein riesen Tier und erst 4 Monate alt? Jetzt ist er etwa ein Jahr alt und wie groß er ist, sehen sie selber. Er kann im Übrigen ruhig mit anderen Hunden aber auch Katzen zusammen sein. Schweinchen, wegen der Herkunft dieser Name, ist sehr sanftmütig. Auch Kleinkinder mag er sehr gern.“

Nun musste auch ich lachen und ich erzählte ihm nun was wir alles schon für Vorbereitungen getroffen hatten um sein Schwein unter zu bringen. Nun waren wir beide am Lachen. In diesem Moment betrat unser Tierarzt mein Büro, natürlich wie immer ohne an zu klopfen und fragte: „Ist das Schwein schon da?“

Peter und ich sahen uns nur an, dann mussten wir beide wieder lachen. Wir kriegten uns wegen des dummen Gesichts des Tierarzt gar nicht mehr ein. Erst nach Minuten konnten wir dem Tierarzt erklären warum wir beide lachten. Da stimmte er auch in unser Lachen ein.

Zwischenzeitlich war ich auch zu dem Hund getreten und fing ihn an zu streicheln. Ich war erstaunt darüber wie hart sein Fell war. Peter sagte mir aber, das ist normal so. Diese Hunde haben ein sehr hartes Fell. Auch braucht der Hund jede Menge Auslauf, denn eigentlich gehört seine Rasse zu den Windhunden. Nun schaute ich doch etwas erstaunt, denn das wusste ich nicht. Auch erzählte uns Peter, inzwischen duzten wir uns, etwas über das Fressverhalten von Schweinchen. Er meinte damit, das sein Hund erheblich mehr futtern würde wie alle anderen Hunde. Schweinchen brauchte etwa 50 Kilo Futter im Monat. Aber Sorgen um seinen Appetit brauchten wir uns nicht machen, denn Peter ließ eine großzügige Spende für das Futter da. Dann verabschiedete er sich von Schweinchen. Dieser fing nun natürlich an zu jaulen, aber ich versuchte ihn zu trösten.

Etwa eine Stunde später ging ich zusammen mit Schweinchen zum Hundebereich. Unterwegs kam mir Bernd entgegen und ich stelle ihn erst einmal Schweinchen vor. Auch Bernd fing an zu lachen und ich stimmte mit ein. Dann gingen wir zusammen weiter. Auch jetzt lief Schweinchen ohne an der Leine zu sein neben uns her. Jedoch hatte ich die Leine in der Hand. Ich vertraute darauf, das Schweinchen nur die Leine sehen musste und dann folgte er dieser. So war es auch!

Als wir das Hundebereich betraten ging ich mit ihm zunächst in dem dort befindlichen Untersuchungsraum. Dort untersuchte ich zunächst Schweinchen und nachdem ich festgestellt hatte, das das Tier vollkommen Gesund ist, kam er zunächst in den Quarantäne Bereich. Dorthin kommen alle Tiere die zu uns ins Tierheim kommen zunächst für vier Wochen. Egal ob gesund oder krank. Bernd brachte Futter für Schweinchen und dieser machte sich auch sofort darüber her. Als Bernd und ich den Raum verließen, war Schweinchen noch am Futtern.

Gegen Feierabend schaute ich noch einmal nach Schweinchen. Dieser lag inzwischen in einem Korb und weinte leise vor sich hin. Ich streichelte ihn noch eine Zeitlang und Schweinchen fing an mit dem Schweif zu wedeln. Dann fuhr ich nach Hause. Auch am nächsten Tag führte mein erster Weg zu Schweinchen, doch er änderte sein Verhalten nicht. Auch nach vier Wochen war Schweinchen noch immer am Weinen. Wir machten zwar alles was möglich ist für das Tier, doch sobald Schweinchen wieder alleine war, legte er sich in den Korb und weinte.

Heute soll Schweinchen zu den anderen Hunden gelassen werden. Darum gingen Bernd und ich zu Schweinchen. Als ich den Raum betrat, lag das Tier in seinem Korb und war wie immer am Weinen. Ich nahm die Leine die auf einem Tisch im Raum lag in die Hand und ging zu Schweinchen. Dann sagte ich zu ihm: „Komm mein kleiner! Jetzt geht es zu den anderen. Ich hoffe Du findest dort ein paar neue Freunde.“ Sofort stand Schweinchen auf und als ich den Raum verließ, folgte er mir. Bernd nahm den Korb und kam ebenfalls mit.

Dann betrat ich den nächsten Raum in dem sich die Hunde aufhalten die hier im Tierheim sind. Außer sie sind gerade draußen, denn eine geschlossene Tür nach draußen gibt es nicht. Dafür hängt ein Tuch vor dem Eingang, jedoch steht die Tür nur auf, damit sie bei schlechtem Wetter auch geschlossen werden kann.

Als Schweinchen mit mir den Raum betrat, schauten alle Hunde in dem Raum nach Schweinchen. Doch keines der anderen Tiere kam näher, denn alleine die Größe von Schweinchen flößte Respekt ein. Bernd stellte den Korb in einen freien Bereich des Raumes und Schweinchen ging sofort zu seinem Korb und legte sich hinein.
Erst jetzt kamen die anderen Hunde und schnupperten an ihm. Dieses ließ er ohne Regung über sich ergehen.

Auch Tessa, ein Dackelweibchen kam mit ihren drei Welpen um an Schweinchen zu schnuppern. Die drei Welpen fingen sofort an zu spielen. Sie versuchten auf den Rücken von Schweinchen zu kommen. Eine ganze Zeit lang rührte sich Schweinchen auch nicht, dann stand er auf. Sofort sind die Welpen zurück gewichen. Jedoch ging Schweinchen nur zu denen, schnupperte an ihnen und schleckte sie anschließend ab. Tessa stand die ganze Zeit neben Schweinchen und als sich dieser wieder in seinen Korb legte, sprang Tessa ebenfalls in den Korb. Auch die drei Welpen kamen wieder und fingen dasselbe Spiel von vorne an.

Von diesem Tag an waren Tessa, Schweinchen und die Welpen nicht mehr zu trennen. Wo Schweinchen war, waren auch Tessa und die Welpen nicht weit. Immer waren sie zusammen. Auch weinte Schweinchen nun nicht mehr so viel. Jedoch ab und an weinte er noch. Aber dann kam immer Tessa und tröstete ihn. Auch kamen dann die Welpen und schmusten mit Schweinchen. Dann beruhigte er sich immer sehr schnell.

Inzwischen war es soweit, das wir Schweinchen vermitteln wollten. Doch es gab ein Riesenproblem. Da war noch Tessa mit ihren drei Welpen. Wir konnten sie nicht mehr trennen. Einmal hatten wir es probiert, aber dann waren alle Tiere nur noch am jaulen bis wir sie zusammen gebracht haben. Also mussten wir die fünf irgendwie zusammen vermitteln. Aber bei den Tagen wo wir sie zusammen vermitteln wollten, interessierten sich wohl viele Leute für eines der Welpen oder für Tessa. Auch für Schweinchen waren genug Interessenten da, doch keiner wollte die fünf zusammen nehmen.

Etwa ein halbes Jahr später klingelte mal wieder mein Telefon. Als ich abnahm meldete sich Peter. Ich freute mich sehr das er sich meldete, obwohl die Verbindung sehr schlecht war. Naja, von China aus bis nach uns, da war es kein Wunder. Aber was er erzählte fand ich noch schöner!

„Hallo Gerda. Ich hoffe Schweinchen ist noch im Tierheim. Nächsten Monat komme ich zurück nach Deutschland. Mein Chef hat eine neue Verwendung in Frankreich für mich und da hätte ich Schweinchen gerne wieder. Ist er noch da?“

„Hallo Peter! Ja Schweinchen ist noch hier. Wir konnten ihn einfach nicht vermitteln. Weil keiner seine neue Freundin mit ihren Kindern mitnehmen wollte. Ich hoffe Du wirst das machen.“ Er fragte dann noch, wer denn die Freundin ist, doch ich sagte nur das er das sehen wird, wenn er zu uns ins Tierheim kommt.

Es ist ein Montag als Peter mein Büro betritt. Nachdem wir uns Begrüßt haben, setzen wir uns erst einmal wieder hin und reden übern den Aufenthalt in China. Auch erklärt er, warum er wieder in Deutschland ist und bald nach Frankreich geht. Dann lasse ich die fünf Tiere holen. Zunächst wird nur Schweinchen in mein Büro geführt. Als dieser Peter sieht, fängt er ein Freudengebell an und schleckt immer wieder durch das Gesicht von Peter. Auch dieser freut sich endlich sein Schweinchen wieder zu sehen. Nachdem die erste Freude vorbei ist, setzt sich Schweinchen vor sein Herrchen und fängt leise an zu jaulen. Dabei legt er eine Pfote auf den Schoß von Peter. Als Peter mit dem Kopf nickt, stehe ich auf und gehe zur Tür.

Nachdem ich diese geöffnet habe, stürmen zunächst die drei Welpen in den Raum, dann folgt Tessa. Die drei Welpen laufen sofort zu Schweinchen und fangen an herum zu tollen. Nur Tessa geht langsam auf Peter zu, der mit erstauntem Gesicht in seinem Sessel sitzt. Als Tessa bei ihm ist, lässt er diese zunächst an seiner Hand schnuppern, dann fängt er an Tessa zu streicheln. Nach etwa einer Minute nimmt Peter Tessa auf seinen Schoß. Dabei streichelt er sie weiter.

„Ich dachte immer daran, das Schweinchen sich eine Freundin in etwa der gleichen Größe angelacht hat. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Vier Dackel und mein Riese! Das wird gut aussehen wenn ich mit ihnen Spazieren gehe:“ sagte Peter. Da wusste ich, das er die vier Dackel auch mitnehmen wird.
Und so geschah es dann auch. Nach einer Stunde verlies uns Peter mit seinem Schweinchen. Auch die vier Dackel gingen ohne Leine mit zum Wagen von Peter. Dann fuhren sie davon.

Einige Monate später meldete sich Peter noch einmal. Er war inzwischen in Frankreich und berichtete, das sich die vier Dackel noch immer bei ihm befinden. Immer wenn sie zusammen spazieren gehen, gibt es Erstaunte Gesichter der Leute weil alle fünf ohne Leine mit ihm gehen. Sobald er ein Kommando gibt hört Tessa sofort, nur die drei Welpen sind noch etwas störrisch. Aber dann schreitet Schweinchen ein. Ein kurzes Bellen von ihm und die kleinen gehorchen.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #330
Hallo Helmut,

vielen lieben Dank das Du weitermachst.

Tolle Geschichte.

LG Sina
 
  • Post aus Bayern Beitrag #331
Der Ausflug

An diesem Wochenende machen wir, Herbert unsere 10jährige Tochter Monika und ich, einen Ausflug zu einem Badesee. Das Wetter dazu ist hervorragend. Wir haben uns diesen See ausgesucht, weil die Strände von der DLRG überwacht werden. Während Monika mit anderen Kindern am Spielen ist, beobachten Herbert und ich die Bote auf dem See. Hier dürfen neben Ruderbooten und Segelbooten auch Motorboote fahren. Die Motorboote müssen aber einen sehr großen Abstand zu den Stränden halten, es gibt drei rund um den See verteilt, wenn sie schneller fahren wollen. In der Nähe der Strände ist nur eine Geschwindigkeit von etwa 5 km/h erlaubt.

Ich schaue wieder nach Monika. Diese tobt gerade mit mehreren Kindern herum. Anscheinend spielen sie gerade Fangen. Dann gehen auch Herbert und ich ins Wasser. Meine Tasche, die ich natürlich dabei habe, ist bei der Strandwache hinterlegt. Da wir schon öfters hier an dem See waren, wissen die Helfer schon, was es mit der Tasche auf sich hat. Auch kennen wir die meisten der Leute von der DLRG schon mit dem Namen. Im Moment ist Fritz auf dem Aussichtsturm und überwacht Strand und Wasser.

Auch hat die DLRG selbst ein Motorboot auf dem See. Eigentlich ist dieses an einem Anleger festgemacht, der etwa 20 Meter ins Wasser reicht, jedoch befindet sich dieses zurzeit etwas weiter vom Strand weg auf Patrolienfahrt. Als ich einmal in die Richtung des Bootes schaue sehe ich ein weiteres Motorboot mit hoher Geschwindigkeit auf das Boot der DLRG zufahren. Auch erkenne ich einige Leute auf dem Boot die heftig am Winken sind. Dann wird es langsamer.

Ich wende mich wieder unserem Spiel zu. Im Moment spielen wir mit Bekannten etwas Volleyball, was im Wasser sehr viel Spaß macht. Auch Herbert hat sichtlichen Spaß an dem Spiel. Immer wieder wenn ich nicht gerade den Ball spielen muss, schaue ich kurz nach Monika. Aber die spielt noch immer mit den anderen. Also konzentriere ich mich auf unser Spiel.

„Gerda! Du wirst gebraucht! Ein Notfall!“ ertönt es auf einmal aus dem Lautsprecher der am Strand an dem Aussichtturm der DLRG befestigt ist. Sofort gehe ich aus dem Wasser und laufe zu dem Aussichtsturm. Fritz steht schon unten an der Treppe und hat meine Tasche in der Hand. „Du musst zum Anleger, dort kommt gleich ein Boot mit einem schwer Verletztem Hund!“ sagt er zu mir. Ich bedanke mich bei ihm, nehme meine Tasche und laufe schon zum Anleger. Herbert läuft neben mir und sagt dabei: „Unsere Bekannten kümmern sich um Monika! Mach dir also keine Sorgen.“

Bis zum Bootsanleger sind es nur etwa 100 Meter. Als wir darauf zu laufen kann ich die beiden Boote sehen die mit hoher Geschwindigkeit näher kommen. Dann wird kein Gas mehr gegeben und die beiden Boote werden von ihrem eigenen Schwung vorwärts getrieben. Da ich nicht genau weiß, wo die Boote anlegen werden, bleibe ich in etwa der Mitte des Anlegers stehen und warte auf die Ankunft der beiden Boote.

Kurz darauf legen zunächst das Boot der DLRG an und direkt dahinter das fremde Boot. Noch bevor die beiden Boote vertäut sind, springt ein DLRG-Mann aus seinem Boot und ruft mir zu: „Komm schnell Gerda! In dem anderen Boot!“ Sofort laufe ich die wenigen Meter zu dem anderen Boot. Dort sehe ich neben zwei Frauen und zwei Männern auch noch zwei Hunde in dem Boot. Wobei der eine total voller Blut ist.

Bevor ich ins Boot springen kann, heben die zwei Männer den Hund hoch und legen ihn auf den Anleger. Dabei sagt der eine: „Der Hund ist aus dem Boot gefallen in genau in die Schraube gekommen. Können Sie ihm helfen?“ Ohne ihn weiter zu beachten knie ich schon neben dem Hund. Sofort sehe ich die stark blutenden Wunden an seiner rechten Vorderpfote, an seiner rechten Seite und seiner rechten Hinterpfote.

Kurz schaue ich wo Herbert ist und sehe das er die neugierigen in etwa 5 Meter Abstand aufhält. Doch jetzt brauche ich ihn. Zwar ist er kein Tierarzt sondern nur Zahnarzt, aber sein Wissen über Tiere ist auch sehr hoch. Darum rufe ich nach ihm und er kommt sofort zu mir. Gleichzeitig sperren die Leute der DLRG den Steg ab, so das keiner der Neugierigen näher kommen kann. Auch Herbert kniet sich sofort hin, als er bei mir ist.

Zunächst muss ich die Blutung am Körper des Hundes zum Stehen bringen. Dann kann ich mich um die anderen Stellen kümmern. Schnell habe ich auch die Stelle gefunden an dem der größte Blutverlust ist. Es ist zwar keine wichtige Arterie betroffen aber die Wunde ist sehr tief. Schnell lege ich an der Stelle einen Druckverband an und hoffe dadurch die Blutung zu stillen. Da aber der ganze Körper betroffen ist, wird auch der Rest anschließend mit einem festen Verband umwickelt. Dann bringe ich die Blutungen an dem Vorder- und dem Hinterlauf zum Stehen. Erst jetzt höre ich den Hund ab. Der Hund hat einen sehr stark erhöhten Herzschlag. Er braucht umgehend eine Transfusion.

Dabei fällt mein Blick auf den zweiten Hund, der noch immer auf dem Boot ist. Schnell frage ich ob die beiden Hunde Geschwister sind. Als dieses bestätigt wird, weiß ich was ich mache. Ich unterrichte Herbert von meinem Vorhaben und schon steht dieser auf und holt den Hund von Bord. Dann fragt er einen Mann der DLRG ob sie eine Trage oder zumindest einen Tisch haben der sofort geholt werden kann. Sofort geht einer der Männer zum Ende des Steges und da dort ein Campingtisch steht, der anscheinend einem Badegast gehört, räumt er diesen leer und kommt mit dem Tisch wieder zurück. Herbert legt den zweiten Hund auf den Tisch und ich gebe ihm eine leichte Narkose.

Erst jetzt fragt mich einer der Frauen von dem Boot, was ich eigentlich vorhabe. Als ich ihr sage, das der verletzte Hund sofort eine Bluttransfusion braucht, schaut sie mich ganz erstaunt an. Dann tritt sie jedoch einen Schritt zurück und ich lege bei dem verletzten Hund zuerst einen Zugang, dann auch bei dem Hund auf dem Tisch. Anschließend stecke ich einen Schlauch auf den Anschluss und öffne die Absperrung an dem Anschluss. Jetzt läuft das Blut des Hundes durch den Schlauch und tropft bald auf den Boden. Erst jetzt schließe ich den Schlauch an dem zweiten Anschluss an und öffne auch hier die Absperrung. Nun läuft das Blut von dem einem Hund zum anderen. Ob die Blutgruppe passt, ist mir im Moment egal! Aber ich hoffe es, da es sich um Geschwister handelt.

Ich habe den Schlauch erst angeschlossen nachdem dieser mit Blut gefüllt war, denn wenn Luft in dem Schlauch gewesen wäre und diese bei dem anderen Hund in die Adern gekommen wäre, hätte dieser dadurch eine Embolie bekommen können. Darunter versteht man, das Fremdkörper in den Blutkreislauf geraten können. Dazu gehören auch Luftblasen. Das hätte zum Tod des Hundes führen können.

Während der Blutübertragung höre ich immer wieder beide Hunde ab. Nach etwa 2 Minuten schließe ich die beiden Hähne an den Anschlüssen. Als ich den Herzschlag des Verletzten Hundes wieder abhöre, hat sich dieser etwas beruhigt. Aber noch immer ist dieser erhöht. Zunächst kann ich aber nichts mehr machen und entferne darum bei dem Hund auf dem Tisch den Anschluss. Dann bekommt er von mir einen Verband angelegt und anschließend eine Stärkungsmittel gespritzt. Auch der Verletzte Hund bekommt ein Stärkungsmittel. Dann wende ich mich an Fritz, der auch bei uns steht: „Der Hund muss sofort in eine TK! Die Transfusion die er hier bekommen hat, reicht noch nicht aus! Außerdem müssen die Schnitte noch richtig behandelt werden.“ Worauf mir Fritz antwortet: „ Eine TK ist schon informiert. Sie warten auf den Hund. Wir können ihn gleich mit unserem Wagen dorthin bringen wenn Du willst. Aber nachher musst Du mir einiges Erklären. Jetzt ist erst mal der Hund wichtig!“

Schon kommen zwei andere Männer von der DLRG und legen, auf meinen Hinweis, beide Hunde auf eine Trage. Dann gehen sie zu ihrem Auto. Ich habe ihnen gesagt das ich mit will, doch zunächst muss ich mit den Hundebesitzern reden. Auch muss ich mich um unsere Tochter kümmern. Ich trete zu den Besitzern und erkläre ihnen in kurzen Sätzen was nun mit ihren Hunden geschehen wird und nachdem ich nachgefragt habe, wohin die Hunde kommen. Dann wende ich mich an Herbert aber der sagt schon zu mir: „ Fahr ruhig mit! Ich bleibe bei Monika und werde auch alle weiteren Fragen hier beantworten.“ Dann drückt er mir einen Kuss auf die Wange und ich gehe auch zum Wagen der DLRG.

Sofort nachdem ich in dem Wagen bin, auch Fritz fährt mit und lässt sich von einem Kollegen vertreten, fährt dieser los. Während der Fahrt höre ich immer wieder den Hund ab. Auch um den zweiten Hund kümmere ich mich, doch diesem geht es schon wieder ausgezeichnet. Kurz darauf hält der Wagen an und die Tür wird wieder geöffnet. Davor erkenne ich zwei Männer in einen grünen Kittel und zwei Frauen die ebenfalls so angezogen sind. Dann wird die Trage aus dem Wagen genommen und in ein Haus getragen. Natürlich folge ich und betrete auch das Haus.

Die vier Personen mit den Hunden betreten gerade einen weiteren Raum und als ich mich auch dort hinwende ich bin noch immer im Bikini, hält mich eine Person auf: „Halt! Dort können Sie nicht mit hinein. Das ist nur für TÄ!“ Bevor ich etwas erwidern kann sagt Fritz schon: „Ohne diese Frau würde der Hund schon nicht mehr Leben. Treten Sie zur Seite!“ Damit schiebt er mich einfach an dem Mann vorbei und betritt ebenfalls den Raum. Dieser stellt sich als Untersuchungszimmer heraus.

Die vier kümmern sich schon um den verletzten Hund. Gerade löst eine der Frauen den Druckverband. Dabei sagt sie: „Richtig fachmännisch. Da muss wohl ein Tierarzt da gewesen sein.“ Heh, wer sind Sie denn?“ richtet sie die Frage an mich. Kurz erkläre ich, das ich den Verband angelegt habe und Weise auch darauf hin, das der Hund mit Sicherheit noch eine Transfusion braucht, denn die zwei Minuten die er bisher neues Blut bekommen hat, werden nicht reichen.

Ein anderer der TÄ, er hatte bisher gar nicht hoch gesehen, sagte: „Das haben Sie wirklich gut gemacht. Aber es war umsonst! Ich werde den Hund einschläfern. Das wird das Beste für ihn sein, denn die Wunde ist zu tief. Selbst drei Rippen sind einfach durchgeschnitten. Nein, da ist nichts mehr zu machen! Gerda? Du hier? Dann nehme ich alles zurück! Alle werden jetzt genau das machen was die kleine Bikinipuppe zu uns sagt! Also fang an Gerda!“

Während er am Sprechen war, schaute er hoch und da ich schon zu dem Tisch getreten war, konnte er mich sehen. Ich war doch sehr überrascht über die Bemerkungen die er machte, denn ich wusste nicht wo ich ihn schon einmal gesehen hatte. Das bemerkte er aber schon bald, darum sagte er mir, das er auch bei meiner Prüfung dabei war. Er war der Prüfungsleiter damals gewesen. Jetzt erkannte ich ihn wieder.

Ich ließ mir einen Kittel geben und ein paar OP-Schuhe, dann trat ich näher zu dem Tisch. Schnell kamen meine Anordnungen. Zunächst Röntgen, anschließend Ultraschall. Was auch gemacht wurde. Nachdem der Hund vom Röntgen wieder auf dem Tisch lag, nahm ich den Kopf des Ultraschallgerätes und überprüfte ob auch Organe betroffen waren. Doch hatte der Hund ein unwahrscheinliches Glück gehabt. Keine Organe waren verletzt worden. Auch waren die Rippen nicht komplett durchtrennt worden, sondern bei der anschließenden Rettungsaktion gebrochen.

Ich begann mit de OP wobei mir die TÄ halfen. Zunächst wurden die Rippen wieder zusammengesetzt und mit kleinen Metallplatten stabilisiert. In ein paar Wochen können diese dann wieder entfernt werden. Dann wird der Schnitt in mehreren Schritten wieder vernäht. Dieses Nähgarn wird sich nach zwei Wochen auflösen. Erst danach nehme ich normales Garn um den letzten Rest des Schnittes zu vernähen. Anschließend sind die Vorder- und die Hinterpfote an der Reihe. Als alles erledigt ist, bekommt der Hund noch eine Bluttransfusion.

Die gesamte OP hat fast drei Stunden gedauert. Alles wurde von den TÄ so gemacht wie ich es wollte. Nachdem wir fertig waren, kam der Hund auf die Intensivstation. Auch der zweite Hund kam dort hin, obwohl es bei ihm nicht nötig war. Aber die beiden sollten nicht getrennt werden.

Danach setzten wir uns noch in den Vorraum und der eine Tierarzt erklärte den anderen, woher er mich kannte und wer ich bin. Auch die Besitzer der Hunde, sie waren kurz vor Ende der OP dazu gekommen, hörten nun zum ersten Mal von mir und meinem Wirken. Nach etwa 1,5 Stunden trennten wir uns dann wobei mir der Tierarzt sagte, das er mich öfters anrufen werde und über den Zustand des Hundes berichten wird. Dann fuhr ich zusammen mit Fritz, inzwischen war auch ein Fahrzeug der DLRG zum Tierheim gekommen und hatte die Besitzer der Hunde gebracht, wieder zurück zum See. Auch die Besitzer kamen wieder mitzurück.

Beim See angekommen wurde ich von Monika und Herbert empfangen. Natürlich wollten beide wissen wie es dem Hund ging und ich sagte es ihnen. Dann packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren wieder nach Hause.

Der Tierarzt rief in den nächsten Tagen des Öfteren an und informierte mich über den Zustand des Hundes. Nach vier Wochen konnte er wieder nach Hause. Zwar musste er sich noch schonen, aber zumindest ging es ihm sehr gut.

Zwei Monate später, ich war gerade im Katzenhaus, wurde ich von einer Mitarbeiterin zu meinem Büro gerufen. Als ich dort ankam und die Tür öffnete, sprang mich ein Hund an. Zunächst erschrak ich doch, aber schnell hatte ich mich wieder im Griff und ich erkannte den Hund. Auch der zweite Hund kam zu mir und sprang mich an. Beiden ging es ausgezeichnet. Die Besitzer bedankten sich mehrfach bei mir, das ich so schnell geholfen hatte. Wir sprachen wohl eine Stunde zusammen, dann gingen sie wieder. Bevor sie jedoch den Raum verließen kamen die Hunde noch einmal zu mir um sich zu bedanken. Auch drückte mir der Mann einen Scheck in die Hand, dann fuhren sie wieder davon. Alle drei Monate kam nun ein Scheck von den Besitzern der Hunde und als diese beide nach ein paar Jahren verstorben sind, holten sie sich neue Hunde aus unserem Tierheim.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #332
Seltsame Freundschaft

Herbert hatte heute bis um 14.00 Uhr Notdienst. Darum sind wir am späten Nachmittag mit dem Bus los um in der Stadt ein Eis zu essen. Nun sitzen wir vor der Eisdiele und lassen uns das Eis schmecken. Unsere Tochter Monika ist für eine Woche mit der Schulklasse auf einen Ausflug und kommt erst morgen zurück. Natürlich habe ich täglich mit ihr telefoniert. Sie sagte aber immer das alles in Ordnung ist. Auch gefällt ihr die Eifel sehr gut.

Natürlich habe ich wie immer meine Notfalltasche dabei. Herbert hat seine Fotoausrüstung mitgenommen, weil er meint, vielleicht findet sich ja ein interessantes Objekt was sich zu fotografieren lohnt.
Herbert und ich lassen uns unser Eis schmecken und reden über allesmögliche. Die Eisdiele ist sehr gut besucht und alle Sitzplätze davor sind besetzt. Nur an unserem Tisch sind noch zwei Stühle frei. Ein Paar kommt an unseren Tisch und fragt ob es sich auf die freien Stühle setzen darf. Natürlich dürfen sie das. Herbert und ich setzen unser Gespräch fort und das Paar beginnt, nachdem ihr Eisbecher gekommen ist, ihr Eis zu Essen.

Auf einmal sagt der Mann zu mir: „Sind Sie nicht Frau Gerda XXXXXX, die Leiterin unseres Tierheim?“ Natürlich bestätige ich das und der Mann stellt sich vor: „Mein Name ist Ewald TYYYYYYYY! Ich bin der zuständige Revierförster in ZZZZZZZZ. Sie erinnern sich wohl nicht mehr an mich?“ Ich schaue ihn an und bin am überlegen, aber mir fällt nichts ein. „Sie erinnern sich doch noch mit Sicherheit an das Rehkitz damals im Wald?“ fragt er. Da weiß ich wer er ist. Es ist der Jäger der damals versprochen hat, nie mehr ein Reh zu schießen.

Ich freue mich riesig und nachdem er sich bei Herbert vorgestellt hat, stellt er uns auch seine Frau vor. Danach beginnen wir ein lockeres Gespräch wobei er auch sagt, das er seit damals tatsächlich kein Reh mehr geschossen hat. Auch einigen wir uns schnell darauf uns zu duzen, weil ich ihn immer wieder so anspreche. Auf einmal meint er: „Ich glaube ich habe da etwas sehr interessantes für dich, Gerda! In meinem Revier gibt es natürlich auch Füchse. Aber ein Fuchspaar scheint etwas Besonderes zu sein. Als ich neulich bei dem Fuchsbau war, habe ich Spuren von Katzen entdeckt. Anscheinend leben in dem Fuchsbau auch Katzen!“
Natürlich hat er damit mein Interesse geweckt und ich frage ihn darum wo dieser Fuchsbau ist. „Den wirst Du nicht finde, dafür ist er zu gut versteckt. Ich habe ihn auch nur durch Zufall gefunden. Aber ich zeige ihn Dir gerne, wenn Du Zeit dafür hast.“ Natürlich habe ich nach einem Blick zu Herbert diese Zeit und schon kurz darauf sitzen wir im Wagen von Ewald und fahren in sein Revier.

Nachdem wir dort angekommen sind und das Fahrzeug verlassen haben, holt Ewald zwei Ferngläser aus dem Wagen. Herbert, dem eines der Gläser gereicht wird, lehnt ab dieses zu nehmen. Dafür schraubt er das größte Teleobjektiv was er mitgenommen hat, auf seine Kamera. Anschließend müssen wir noch etwa 1,5 Kilometer laufen. Nachdem wir eine leichte Anhöhe erklommen haben, bleibt Ewald stehen und legt die Finger an die Lippe. Dann zeigte er zu einem anderen Hügel der direkt vor uns liegt und flüstert: „Dort unten am Fuße des Hügels! Seht ihr den einzelnen Baum vor dem Wald? Etwas rechts davon ist der Fuchsbau. Aber nun seit leise, ich glaube es tut sich was!“

Während er das sagte, schaute er die ganze Zeit durch sein Fernglas. Auch ich nehme nun das zweite Glas und schaue dadurch. Schnell habe ich den Bau gefunden, während neben mir schon das leise klicken von Herberts Fotoapparat zu hören ist. Also hat er auch den Bau gesehen und macht nun Fotos. Ewalds Frau, die im übrigen Marlies heißt, schaut ebenfalls durch ein Fernglas, welches sie aus dem Handschuhfach des Autos genommen hatte.

„Da kommt der erste Fuchs!“ flüstert Ewald. Aber ich habe ihn schon gesehen. Der Fuchs kommt vorsichtig aus dem Bau und wittert in alle Richtungen. Da er aber anscheinend nichts verdächtiges Riechen kann, kommt er ganz aus dem Bau. Sofort dahinter kommt ein zweiter Fuchs aus dem Bau und auch noch zwei Jungtiere folgen. Herbert ist die ganze Zeit am Fotografieren.

Auf einmal ertönt ein lauter Knall. Es ist ein Schuss der gefallen ist. Einer der Füchse fällt auf der Stelle um und die anderen verschwinden wieder in ihrem Bau. Auch der angeschossene Fuchs verschwindet wieder in dem Bau. Dabei ist sein lautes Jaulen zu hören. Dann tritt ein Mann mit einem Gewehr aus dem Wald hervor. In diesem Moment sagt Ewald: „Was ballert der denn hier rum? Das darf er gar nicht! Moment bin gleich wieder da!“

Schnell läuft er zu dem anderen Mann und scheint ihn zur Rede zu stellen. Herbert macht weitere Fotos dabei meint er: „Danke! Jetzt ist das Gesicht klar und deutlich zu sehen. Ich habe gleich mal mehrere Fotos von dem Kerl gemacht.“ Ich bin sehr erstaunt als er das sagt, aber er hat sich das Beste, was es auf dem Markt für Hobbyfotografen gibt, ausgesucht.

Dann sehen wir wie der fremde Mann einfach davon geht. Ewald winkt in unsere Richtung und wir gehen schnell zu ihm. Als wir ankommen sagt er zu uns: „Der erzählte mir, das der Fuchs bei ihm Gänse gerissen haben soll. Darum ist er los um den Fuchs zu erschießen. Jedenfalls werde ich ihn bei der Polizei anzeigen, obwohl er meint, das ich keine Beweise habe. Naja, schauen wir mal.“ „Ich habe Fotos von dem Kerl auf denen er sehr gut zu erkennen ist. Wenn Du die Fotos brauchst, bringe ich gleich morgen den Film zum Entwickeln.“ Meint Herbert. Natürlich ist Ewald an den Bildern interessiert.

Ich mache mir derweil schon Sorgen um den angeschossenen Fuchs. Darum sage ich zu allen: „Ihr geht jetzt zum alten Platz zurück. Ich werde hier bleiben und versuchen den Fuchs aus seinem Bau zu locken. Vielleicht habe ich Glück.“ Sofort stimmen die drei zu und gehen auch sofort zurück zum Ausgangspunkt von dem sie alles übersehen können. Ich gehe zu einem umgestürzten Baum der nur etwa 10 Meter von dem Bau entfernt ist und setze mich auf dem Stamm. Dann fange ich an zu reden.

Wohl 15 Minuten bin ich schon am Reden, da bemerke ich eine Bewegung am Ausgangsloch des Baues. Ich bewege mich nicht sondern rede einfach weiter. Weitere 10 Minuten später erscheint der Kopf des Fuchses und er wittert in meine Richtung. Dann kommt er ganz aus dem Bau. Noch einmal wittert er zu mir hin, dann kommt er langsam und vorsichtig näher. Da ich mich nicht rege, sondern nur am Reden bin kommt er ganz dicht an mich heran. Vorsichtig und jederzeit Fluchtbereit schnuppert er an mir. Auch schaut er immer in eine bestimmte Richtung.

Da erkenne ich eine weitere Bewegung am Ausgang des Fuchsbaues und erkenne eine Katze die mich beobachtet. Schwach erkenne ich hinter der Katze einige Bewegungen. Dann kommt die Katze ganz aus dem Bau und hinter der Katze kommen noch zwei Kitten aus dem Bau. Die beiden sind höchstens 8 Wochen alt, jedoch total abgemagert. Alle beiden kommen zu mir gelaufen obwohl die erste Katze laut am Miauen ist. Dann sind sie bei mir und fangen sofort an meine Beine zu beschnuppern. Der Fuchs ist wieder etwas zurückgegangen und beobachtet alles. Dann klettern die beiden jungen Katzen an meinen Beinen hoch.

Noch immer habe ich mich nicht bewegt doch noch immer rede ich mit den Tieren. Da kommt auch die erste Katze näher und fängt an, an mir zu schnuppern. Auch der Fuchs nähert sich wieder um an mir zu schnuppern. Langsam hebe ich meine Hände und drehe diese so um, das die Innenfläche nun nach außen zeigt. Obwohl ich mich nun bewegt habe, bleiben Fuchs und Katze bei mir. Da weiß ich, das die Tiere Vertrauen zu mir gefasst haben. Nun muss ich sie nur noch dazu bewegen, mich an den Fuchsbau zu lassen, damit ich an den anderen Fuchs komme.

Ich nehme die zwei kleinen Katzen, die noch immer auf mir herum Turnen, auf den Arm und stehe langsam auf. Zwar weichen Fuchs und Katze etwas zurück, doch sie laufen nicht weg. Nun gehe ich auf den Fuchsbau zu, während mir Fuchs und Katze folgen. Als ich den Eingang erreiche knie ich mich hin und versuche in den Bau zu sehen. Aber das klappt nicht. Nach etlichen Zentimetern scheint der Gang in dem Bau sich zu teilen.

Da entsteht eine Bewegung neben mir und als ich hoch sehe, erkenne ich Marlies, Ewald und Herbert die neben mir stehen. Ich bin erstaunt und schaue zur anderen Seite. Dort sind der Fuchs und auch die Katze noch immer an demselben Platz den sie eingenommen haben als ich mich hin gekniet habe. Anscheinend haben die beiden keine Angst mehr vor Menschen. Die kleinen sind inzwischen wieder in dem Bau verschwunden. Jedoch kommen sie nach kurzer Zeit wieder aus dem Bau und bringen zwei weitere Kitten mit.

Ewald sagt zu mir: „Das hat keinen Sinn zu versuchen in den Bau zu sehen. Solch ein Fuchsbau kann mehrere Quadratmeter groß sein. Wir müssten schon buddeln um an den Fuchs zu kommen. Hinter dem Hügel dort ist eine Baustelle an der auch am Sonntag gearbeitet wird. Ich werde mal schauen ob die uns helfen können!“

Nach diesen Worten dreht er sich um und läuft schnell davon. Der Fuchs drängelt sich an mir vorbei und verschwindet in dem Bau. Schon nach kurzer Zeit kommt er wieder zum Vorschein. Diesmal trägt er vorsichtig eine weitere Katze im Maul Auch die kleinen Füchse kommen nun aus dem Bau. Langsam legt er die Katze vor mir auf den Boden und tritt wieder etwas zurück.

Diese Katze scheint irgendetwas zu haben, denn sie rührt sich nicht. Auch als ich sie berühre, erfolgt keine Reaktion von ihr. Obwohl ich mich nun schneller Bewege, zuckt keines der Tiere zurück. Auch als Herbert sich neben mir hin kniet bleiben die Tiere zunächst auf ihrem Platz. Dann kommt der Fuchs näher und schnuppert an Herbert. Nachdem dieses erfolgt ist, wird auch Marlies untersucht. Kurz darauf sitzt der Fuchs dann neben Marlies und als diese ihre Hand ausstreckt und auf den Kopf des Fuchses legt, erfolgt keine Reaktion von ihm.

Dann erscheint auch Ewald wieder bei uns. Neben ihm sind 10 Bauarbeiter. Alle sind mit Schaufel und Spitzhacke bewaffnet. Er sagt dazu: „Als ich bei denen angekommen bin und den Sachverhalt erklärt habe, waren die sofort bereit zu helfen. Die kennen die beiden Füchse schon, weil diese immer zu ihnen gekommen sind um sich etwas Futter zu holen.“ Danach gibt er einige Anweisungen und die Arbeiter fangen sofort an, den Eingangsbereich des Fuchsbaues zu erweitern.

Währenddessen kümmere ich mich wieder um die Katze und untersuche diese. Immer wieder gibt mir Herbert die richtigen Teile die ich brauche. Bei der Untersuchung stelle ich fest, das die Katze alle vier Pfoten gebrochen hat. Außerdem ist die Katze Dehydriert. Das heißt, das bei ihr ein Füssigkeitsmangel bedingt dadurch das sie keine Flüssigkeiten zu sich nehmen konnte, vorliegt. Da es sich bei dieser Katze um das Muttertier handelt, begreife ich nun auch, warum die Kitten unterernährt sind. Die Mutter konnte sie nicht ernähren. Vermutlich ist die Füchsin eingesprungen und hat die Katzen bei sich saugen lassen.

Da ich seit einiger Zeit immer einen kleinen Vorrat an Kochsalzlösung dabei habe, lege ich schnell einen Zugang und schließe die Lösung an. Dann gebe ich Marlies den Behälter in die Hand und sage ihr, das der Behälter immer höher sein muss wie die Katze. Aber das weiß sie schon wie sie mir sagt.

Ich schaue nach den Arbeitern und sehe, das diese das Loch schon erweitert haben. Inzwischen sind sie bis zum Abzweig vorgedrungen. Darum begebe ich mich zu den Arbeitern. Neben mir läuft der Fuchs und als ich mich bücke um in den Bau zu schauen, stößt sie mich mit der Nase an und verschwindet in dem Bau. Nun halten die Arbeiter mit der Buddelei inne und wir warten auf den Fuchs.

Nach etwa zwei Minuten kommt der Fuchs wieder aus dem Bau. Aber dieses Mal kommt er rückwärts heraus. Auch scheint er an irgendetwas zu zerren. Sofort gehen zwei Arbeiter in die Hocke und der Fuchs lässt das los woran er zieht. Nun können die Arbeiter in den Bau sehen und einer greift sofort in das Loch. Kurz ist auch er am Ziehen, dann liegt der verletzte Fuchs vor mir. Sofort kümmere ich mich um diesen. Die Kugel hat ihn am Kopf gestreift und nun ist der Fuchs ohne Besinnung. Sofort reinige ich die Wunde, lege einen Verband an und das Tier bekommt eine Stärkungsspritze von mir.

„Ich muss sofort mit den Tieren hier weg, damit ich mich vernünftig um diese kümmern kann!“ sage ich laut vor mich hin. Da tritt ein Arbeiter zu mir und sagt: „Ich habe schon einen Mann los geschickt um unseren Wagen zu holen. Das ist ein Geländewagen. Sie müssen nur sagen wo die Tiere hin sollen, dann bringen wir sie dort hin.“

Da mischt sich Ewald ein: „Wir bringen die Tiere erst einmal zum Baron! Dort ist ein Mini Zoo. Er kümmert sich um kranke und verletzte Tier die ich ihm bringe. Auch ein kleiner Behandlungsraum ist dort. Ich hoffe das reicht erst einmal für dich Gerda. Bis zum Baron sind es nur 5 Minzen und zu deinem Tierheim brauchen wir erheblich länger!“ Ich bin einverstanden und so warten wir auf den Wagen der Arbeiter. Ich schaue noch einmal zu der Katze und auch nach dem Fuchs während der Wartezeit.

Kurz darauf kommt der Wagen und alle Tiere werden auf diesen verladen. Auch Herbert und ich steigen zu den Tieren, während Ewald vorne einsteigt. Marlies geht los um mit dem Wagen von Ewald nach zu kommen. Langsam fährt der Wagen zum Haus des Barons und als wir dort ankommen werden die Tiere sofort in den dortigem Behandlungsraum gebracht. Ich bin erstaunt was ich dort alles vorfinde. Der hier zuständige Tierarzt hat sehr gute Arbeit geleistet, denn sehr viele Sachen und Medikamente sind vorhanden. Zunächst wird der Fuchs behandelt, aber ich habe schon sehr gut vor gearbeitet. Nur noch einen Anschluss lege ich, dann bekommt er eine Spritze gegen Schmerzen und kommt in einen Nebenraum.

Bei der Katze richte ich die Pfoten und lege an jeder Pfote einen Verband an. Noch einmal bekommt sie Kochsalzlösung, damit der Flüssigkeit Haushalt weiter ausgeglichen wird. Auch sie bekommt von mir eine Spritze. Als ich hochsehe steht ein etwa 60 Jahre alter Mann vor mir. Er stellt sich vor und nun weiß ich, das es der Baron ist. Ihm gehört der Wald.

Wir unterhalten uns und Ewald schildert den Vorfall. Sofort steht der Baron auf und geht zu einem Telefon. Von dort ruft er die Polizei an, dann kommt er wieder zurück. Als die Polizei kommt, wird noch einmal der Vorfall geschildert. Die Beamten nehmen die Anzeige auf und Herbert verspricht gleich Morgen den Film entwickeln zu lassen. Dann entfernen sich die Beamten wieder. Noch zwei Stunden reden wir zusammen, dann fahren Herbert und ich zusammen mit Ewald, der uns nach Hause bringt, zurück.

Alle Tiere werden vollkommen Gesund. Die kleinen, ob Fuchs oder Katze, werden prächtige Tiere. Als es darum ging, die Füchse wieder aus zu wildern, wollten die gar nicht mehr weg. Also kamen sie in ein großes Freigehege wo schon andere Füchse lebten. Die Katzen durften auch auf dem Gelände bleiben. Ich besuchte den Baron und die Tiere noch öfters. Dabei lernte ich auch den Tierarzt des Barons kennen. Auch mit ihm unterhielt ich mich lange.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #333
Mathilda?

Wieder einmal hatte Herbert an diesem Wochenende Notdienst. Zum Glück brauchte er nur einmal in der Nacht los. Somit sind wir, da der Notdienst morgens um 8.00 Uhr zu Ende war, gegen 14.00 Uhr los um etwas spazieren zu gehen. Darum sind wir zum nahen Naherholungsgebiet gefahren und haben unser Auto auf einen Parkplatz abgestellt. Wir wollen zu einem Ausflugslokal gehen welches etwa 2 Kilometer entfernt mitten im Wald liegt.

Nachdem unser Wagen steht, nehme ich meine Tasche und wir machen uns auf den Weg. Dabei unterhalten wir uns über unseren nächsten Urlaub. Ein Wohnmobil ist schon bestellt und die Vorbereitungen laufen bei uns auf Hochtouren. Mit dem Mobil soll es nach Ungarn gehen. Aber noch sind es bis wir starten drei Wochen.

In einer Gesprächspause hören wir wie jemand am Rufen ist. Anscheinend wird nach einem Hund gerufen, denn mehrmals fällt der Name „Waldi“. Jedoch ist niemand in dem Wald zu sehen. Nachdem wir um eine Biegung des Weges gegangen sind, öffnet sich der Wald und wir befinden uns auf einer großen Lichtung. Jetzt können wir auch in einiger Entfernung ein Paar sehen welches sich hingekniet hat. Als die Frau einmal hochblickt sieht sie uns sofort. Heftig fängt sie an zu winken und ruft gleichzeitig: „Hallo! Wir brauchen Hilfe!“

Sofort gehen Herbert und ich auf das Paar zu, welches wir auch bald erreichen. Der Mann kniet immer noch auf der Erde und ist an einem Loch mit den Händen am Graben. Die Frau ist aufgestanden und einige Schritte auf uns zugekommen. „Bitte helfen Sie uns! Unser Waldi ist einer großen Katze hinterher in dieses Loch. Kurz darauf hat er fürchterlich gejault. Jetzt hört man ihn noch leise wimmern. Irgendetwas muss in dem Loch passiert sein.“

Wie sich herausstellte war ihr Waldi ein Dackel und als dieser die Katze gesehen hat, ist er sofort los gestürmt und hat die Katze gejagt. Das diese anscheinend sehr groß war, hat ihn nicht gestört. Jedenfalls ist er hinter der Katze her ins Loch, vermutlich ein Fuchsbau, und fing kurz darauf an laut zu jaulen. Gleichzeitig hat das Paar das Fauchen der Katze gehört. Beide Tiere waren noch immer in dem Bau. Aber nur das Winseln des Hundes konnte man hören.

In etwa 10 Meter Entfernung sah ich auf einmal eine Bewegung. Als ich richtig hinsah, erschien ein großer Katzenkopf. Das es sich nicht um eine normale Katze handeln konnte sah ich sofort. Darum sagte ich: „Ruhe und keine Bewegung!“ Dann erschien die Katze ganz aus dem Loch. Dort war wohl der zweite Ausgang des Fuchsbaues. Sofort sah ich, das es sich nicht um eine normale Katze handelte sondern um einen Luchs.

Als er sich umsah, bemerkte er natürlich uns. Sofort fing er an zu Knurren und zu Fauchen. Dann kam er langsam näher. Das Paar bewegte sich sofort zurück, nur Herbert blieb bei mir stehen. Etwa fünf Meter vor mir blieb der Luchs wieder stehen und schaute mich an. Sein Knurren und Fauchen hatte er schon eingestellt. Nun legte er den Kopf von einer Seite auf die andere. Dann drehte er um und ging davon.

Sofort war das Paar wieder bei uns und fragte was das war. Bevor ich antworten konnte sagte Herbert: „War das Mathilda?“ Ich antwortete: „Keine Ahnung! Aber es wäre ein Wunder, denn immerhin wurde sie 500 Kilometer von hier entfernt wieder frei gelassen.“ Anschließend erklärte ich dem Paar, das die große Katze ein Luchs war. Auch sagte ich, das diese Tiere auch bei uns in Deutschland leben.

Auf einmal hörten wir einen Mann vom nahen Weg aus rufen ob etwas passiert ist. Die Frau rief zurück, das ihr Hund in einem Fuchsbau gerannt ist und noch immer dort drin ist. Da kam der Mann näher und als er bei uns war, stellte er sich als Revierförster vor. Noch einmal fragte er dann nach dem Hund und Herbert erklärte alles noch einmal. Auch erwähnte er den Luchs der von dem Hund gejagt wurde.

Da sagte der Förster: „Ach der Luchs! Der ist seit etwa einer Woche hier im Wald. Ich selber habe ihn schon mehrmals gesehen. Auch hat er mir schon viermal die Jagdbeute abgebettelt. Beim ersten Mal war es ein Fasan und erst gestern stand er auf einmal vor mir und schaute mich an. Dabei machte er ganz komische Geräusche. Kein Fauchen, kein Knurren! Nein es war irgendwie anders. Da ich zwei Hasen in meinem Rucksack hatte, habe ich einen davon hervor geholt und dem Luchs gegeben. Ganz vorsichtig hat er gefuttert. Er lief nicht weg, sondern hat dort wo ich den Hasen hingeworfen habe gefuttert. Als er fertig war kam er ganz dicht zu mir und ich habe ihm den zweiten Hasen vor die Nase gehalten. Diesen hat er aus meiner Hand genommen und ist dann gegangen. Der Luchs kennt Menschen, da bin ich mir sicher. Auch meine beiden Hunde sind schon gut Freund mit ihm.“

Die letzte Bemerkung versetzte uns doch in Erstaunen und wir fragten ihn welche Hunde er denn hat. Er stieß aber nur einen lauten Pfiff aus und dann sahen wir zwei Dackel auf uns zu laufen. Als sie bei uns waren, setzten sie sich sofort hin. „Sofort zurückziehen Der Luchs kommt wieder!“ sagte auf einmal der Förster. Alle gingen, auch Herbert, nun zu dem anderen Loch. Nur ich blieb an diesem stehen.

Ganz langsam kam der Luchs näher. Dabei beobachtete er mich genau. Doch ich rührte mich nicht.
Direkt vor mir blieb er stehen und musterte mich. Ich stellte die Frage: „Mathilda?“ doch er schaute mich nur an. Dann ging er auf den Bau zu und verschwand im Loch. Da konnte ich sehen, das es nicht Mathilda war. Denn dieses war ein Männlicher Luchs! Mathilda war Weiblich.

Kurz darauf konnte ich den Luchs wieder aus dem Loch hervor kommen sehen. Aber er ging rückwärts! Wahrscheinlich zog er den Hund mit heraus. So war es auch. Nachdem er ganz aus dem Loch war, ließ er die Hinterpfote des Hundes los und setzte sich hin. Ich ging die paar Schritte zu dem Hund und kniete mich hin. Dabei beachtete ich den Luchs nicht mehr, obwohl er nun hinter mir war.

Nun untersuchte ich den Hund und stellte fest, das er eine tiefe Schramme am Kopf hatte, die sich von den Ohren bis zur Nasenspitze verlief. Offenbar hatte der Luchs einmal zugehauen, wobei er seine Krallen ausgefahren hatte. Ich reinigte die Wunde und legte dort wo möglich einen Verband an. Dort wo es nicht möglich war, klebte ich Pflaster auf die Wunde.

Erst jetzt schaute ich wieder zu dem Luchs. Dieser saß noch immer an derselben Stelle. Nun stand er auf und kam langsam näher. Direkt vor mir blieb er stehen und nun erkannte ich, das der Luchs am sabbern war. Das kommt normalerweise nur vor, wenn er eine Verletzung im Maul hatte. Ganz langsam streckte ich meine Hände aus und nachdem der Luchs daran gerochen hatte legte ich meine Hände an den Kopf des Luchses. Sofort bemerkte ich am Unterkiefer die Verdickung. Darum schob ich Ober und Unterlippe an der Stelle etwas hoch oder runter und sah sofort den entzündeten Zahn. Nun musste Herbert ran.

Ich rief nach ihm und dieser kam langsam näher. Der Luchs rührte sich nicht und ließ es zu, das Herbert sich neben mir hin kniete. Ich zeigte ihm die Stelle im Maul des Luchses und er sagte: „Der Zahn muss sofort raus! Aber ob der Luchs das zu lässt bezweifele ich doch stark. Du muss ihn schon narkotisieren damit ich was machen kann.“ Nun wandte er sich an den Luchs und fing an mit ihm zu reden. Er erklärte dem Tier genau was er machen will. Dabei berührte er auch mehrmals den entzündeten Zahn. Jedes Mal zuckte der Luchs zusammen. Doch er hörte zu, obwohl ich mir sicher war, das der Luchs nicht verstand was Herbert erzählte.

Noch immer lag der Dackel neben mir. Kurz schnupperte der Luchs an dem Hund, dann legte er sich auch hin. Dabei schaute er Herbert und mich an. Als er seinen Kopf auf den Boden legte, wussten wir beide, das der Luchs uns vertraute.

Sofort holte ich aus meiner Tasche das Narkosemittel und eine Spritze hervor. Dabei bemerkte ich, das auch der Revierförster mit seinen Hunden und das Paar näher gekommen waren. Die Dackel des Försters hatten sich zu dem Luchs gesetzt und schleckten ihm die Ohren aus. Noch einmal schaute der Luchs mich an, dann setzte ich die Narkosespritze.

Herbert hatte sich schon Handschuhe angezogen und in meiner Tasche nach dem passenden Werkzeug gesucht. Da ich natürlich kein Material dabei hatte mit dem Zähne gezogen werden konnten, jedoch sich ein normaler Seitenschneider in der Tasche befand, nahm Herbert den zur Hand. Auch ein Skalpell nahm er aus meiner Tasche.

Ich hatte mein Stethoskop schon zur Hand um seinen Herzschlag zu kontrollieren. Auch nach der Stelle wo ich seinen Puls fühlen konnte, suchte ich. Wie bei normalen Katzen auch, fand ich eine Möglichkeit an der Innenseite der Hintergliedmaße. Aber wie hoch der Puls sein darf wusste ich nicht. Ich nahm aber an das es wie bei einer normalen Hauskatze ist. Dieser Wert liegt bei 80-150 Schlägen pro Minute.

Nachdem der Luchs am Schlafen war, setzte Herbert zunächst das Skalpell ein um das Zahnfleisch leicht auf zu schneiden. Da nahm er die Zange und zog und wackelte an dem Zahn. Das machte er so lange, bis er den Zahn gezogen hatte.

Dann reinigte er das Loch und vernähte es sorgfältig. Anschließend bekam er eine Antibiotika Spritze und eine Spritze damit der Luchs wieder wach wird. Als er die Handschuhe auszog meinte er: „Jetzt müsste er eigentlich auf eine Krankenstation. Aber das geht nicht. Am besten wäre es, wenn sie den Luchs etwa zwei Wochen mit kleinen Fleischstücken füttern würden. Aber dafür braucht es etwa 2-3 Kilo Fleisch am Tag.“ meinte er dann noch zu dem Förster.

„Das mache ich gerne, sofern der Luchs mit kommt.“ meinte der Förster. Nun kam auch das Paar näher, bisher hatten sie etwas abseits gestanden. Auch ihr Hund kam näher und schnupperte an dem Luchs. Die Frau strecke vorsichtig eine Hand aus und streichelte den Luchs. Als ich nun in die Augen des Luchses schaute, bemerkte ich, das er schon wieder wach war, aber noch immer leicht benebelt. Ich machte alle darauf aufmerksam und sofort ging das Paar mit ihrem Dackel wieder ein paar Schritte zurück.

Wir unterhielten uns noch weiter, wobei ich das Paar aufforderte ruhig näher zu kommen. Nach einigem Zögern machten sie das auch und beteiligtem sich an unseren Gespräch. Der Luchs wurde immer mehr wach und nach einiger Zeit fing er an zu kauen. Er merkte wohl, das er keine Schmerzen mehr hatte, denn er sah uns dankbar an. Nach ein paar Minuten stand er auf. Er war zwar noch etwas wackelig auf den Beinen und musste sich auch noch einige Male hinsetzen. Die drei Hunde waren sehr dicht bei ihm. Keiner der Drei hatte Angst, auch nicht der Dackel des Paares. Er schmuste sogar sehr oft mit dem Luchs.

Als ich einmal zum Weg schaute, sah ich doch einige Personen dort stehen die uns neugierig betrachteten. Auch machten zwei Männer Fotos von uns. Auch der Förster bemerke dieses und er sagte: „Lasst uns hier verschwinden! Meine Hunde werden es wohl schaffen den Luchs zu mir nach Hause zu bringen. Ist auch nicht weit. Wenn wir querfeldein gehen, sind wir in 10 Minuten dort. Kommt ihr mit?“ fragte er noch. Das Paar lehnte ab, weil sie mit ihrem Hund zu einer TK wollten, dann verabschiedeten sie sich nachdem sie sich noch einmal bei uns bedankt hatten.

Nun gab der Förster einige Kommandos und die beiden Hunde drängelten den Luchs in eine bestimmte Richtung. Wir folgten ihnen. Der Luchs ging anstandslos mit zum Haus des Försters. Dort angekommen öffnete der Förster ein Gehege in dem er normalerweise Rehe drin hatte, wie er uns sagte. Der Luchs ging anstandslos in das Gehege und legte sich auf den Boden um sich aus zu ruhen.

Dann fragte der Förster ob der Luchs schon was Futtern darf und nachdem Herbert ihm gesagt hatte, das keine Knochen dabei sein dürfen, ging er sofort los um Futter für den Luchs zu holen. Nach ein paar Minuten kam er wieder und stellte einen großen Napf in das Gehege. Sogleich machte sich der Luchs über das Futter her. Anschließend legte er sich wieder hin und war bald am Schlafen.

Wir redeten noch etwas zusammen und Herbert und ich versprachen am nächsten Tag auf jeden Fall wieder zu kommen. Erst am Abend konnten wir zu dem Förster fahren. Wieder machte der Luchs keine Angriffsanzeichen und so untersuchte Herbert die Wunde im Maul. Er war sehr zufrieden und ich gab dem Luchs wiederrum eine AB-Spritze.

Dann sagte der Förster: „Darf ich vorstellen, das ist ADAM! Er hat eine Tätowierung und ich habe sofort angerufen um etwas über den Luchs zu erfahren. An den bekannten Stellen war er jedoch nicht registriert, darum habe ich eine Wildaufnahmestation angerufen und die gaben mir die richtige Telefonnummer. Ich warte noch auf die Person die kommen will, anschließend können wir Adam entlassen.“

In den nächsten Tagen war ich täglich bei dem Luchs um ihm seine Spritze zu geben. Auch Herbert kam öfters, jedoch nicht jeden Tag, mit um nach seinem Patienten zu schauen. Da der Luchs keine Knochen knacken musste, heilte die Wunde hervorragend. Die Fäden lösten sich von alleine auf und nach zwei Wochen bekam der Luchs seine erste Mahlzeit mit Knochen. Beim Futtern hatte der Luchs keine Schwierigkeiten und so beschlossen wir, den Luchs am Wochenende wieder in die Freiheit zu entlassen.

Der Förster rief wieder bei der Station an und ihm wurde versprochen das jemand kommen wird. Als es soweit war, stand eine Frau neben dem Förster als Herbert und ich kamen. Wir begrüßten uns und ich schilderte die erste Begegnung mit dem Luchs. Daraufhin sagte die Frau: „Adam ist in unserer Station von Hand aufgezogen worden. Nachdem er soweit war, haben wir ihn auf seine Freiheit vorbereitet. Vor zwei Jahren war es soweit und Adam wurde von uns freigelassen. Jetzt ist er vier Jahre alt. Das er sich aber an Menschen erinnert hätte ich nie gedacht. Er muss Hilfe direkt bei Menschen gesucht haben und hat sie auch bekommen. Das ist wirklich einmalig. Aber jetzt wollen wir Adam wieder freilassen.“

Daraufhin ging der Förster zu dem Gehege und öffnete die Tür. Dann ging er ein paar Schritte zurück und wir warteten was passiert. Adam kam langsam aus dem Gehege und setzte sich zunächst vor die Tür. Dann musterte er uns alle. Bei Herbert verweilte sein Blick länger. Dann ging er auf Herbert zu und rieb seinen Kopf an den Beinen. Auch zu mir und zum Förster ging er um sich zu bedanken. Die Frau wurde lange von ihm gemustert aber auch dann ging er zu ihr, rieb seinen Kopf an ihren Beinen dann drehte er um und verschwand im Wald. Wir redeten noch lange zusammen dann fuhren Herbert und ich wieder nach Hause.

Fünf Jahre später tauchte der Luchs wieder bei dem Förster auf. Der war zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause. Erst als er nach Hause kam, sah er den Luchs in dem Gehege liegen. Sofort ging er zu dem Luchs, doch dieser war schon gestorben.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #334
Berta und die Hundewelpen

Heute ist nach meinem Urlaub, bei dem ich Herbert kennen gelernt habe, mein erster Arbeitstag. Gleich nach dem Frühstück schwinge ich mich auf mein Rad, obwohl ich auch mit meinem alten Käfer zur Arbeit fahren könnte. Aber das Wetter ist so herrlich, das ich mich gegen das Auto entschieden habe. Zwar meckern dann meine Eltern immer, aber es sind nur 10 Minuten mit dem Rad vom Haus meiner Eltern zum Tierheim.

Da das Haus am Ende einer Sachgasse liegt, herrscht hier natürlich sehr wenig Verkehr. Nur wenn zur Arbeit gefahren wird ist etwas Autoverkehr in unserer Straße. Natürlich auch, wenn alle zurückkommen. Ansonsten ist sehr wenig Autoverkehr. Es fahren vielleicht nur 3-4 Autos Übertrags.

Nun sitze ich also auf meinem Rad und fahre in Richtung Hauptstraße. Kurz bevor ich diese erreiche, sehe ich Berta ganz Aufgeregt aus einem Busch kommen. Obwohl Berta schon 18 Jahre alt ist, sie wurde vor meiner Zeit aus unserem Tierheim geholt, staune ich immer wieder wenn ich sie sehe, wie jung sie doch geblieben ist. Denn immerhin ist ihr alter umgerechnet in Menschenjahren schon 100!

Jetzt kommt sie aufgeregt aus einem Busch und als sie mich sieht, kommt sie laut Mauzend auf mich zu. Sofort halte ich an und stelle mein Fahrrad an einen Zaun. Als ich mich Berta zuwende ist sie schon ganz dicht bei mir. Noch immer ist sie am Mauzen und läuft immer wieder in Richtung des Gebüsches. Also folge ich ihr und sie rennt wieder zum Gebüsch. Dabei bleibt sie öfters stehen und schaut nach ob ich auch wirklich folge.

Dann verschwindet sie in dem Gebüsch. Ich suche nach einem Zugang, denn das Gebüsch ist sehr dicht. Nur einige Meter weiter erkenne ich einen Zugang und gehe schnell dort hin. Da kommt mir auch schon Berta entgegen. Wieder ist sie am Mauzen und ich folge ihr. Nachdem ich das Gebüsch durchquert habe, komme ich auf ein freies Stück Land. Dieses soll in nächster Zeit bebaut werden und es stehen auch schon drei Holzhütten auf dem Gelände. Vermutlich sind das Bau Buden. Auf eine dieser Bau Buden läuft Berta zu.

Berta läuft um die Bude herum und als ich um die Ecke komme sehe ich einen Hund der halb in der Bude liegt. Die Wand, in der ist ein Loch und durch dieses wollte der Hund wohl in die Bude, ist zusammengefallen und auf den Hund gefallen. Sofort bücke ich mich und schaue nach dem Hund. Aber jede Hilfe kommt zu spät. Der Hund, ein Spitz, ist Tod. Aber ich erkenne auch, das der Hund vor kurzem Junge geboren hat, denn die Zitzen sind voll ausgebildet und auch gerötet.

Nur wo sind die kleinen? Da stößt Berta mich an und springt über das Holz in die Bude. Anscheinend befinden sich die jungen Hunde in der Bude. Auch ich klettere nun über die Holztrümmer und befinde mich nun im inneren der Bude. Hier ist es sehr dunkel, weil die Bude keine Fenster hat. Nur durch den zusammengefallenen Teil der Wand kommt etwas Tageslicht herein.

Ganz leise vernehme ich nun ein winseln. Da kommt auch schon Berta zu mir und stößt mich mit ihrem Kopf an. Dann geht sie in eine Ecke und ich folge ihr. Sofort sehe ich die drei Welpen die dort liegen. Ich schätze sie auf zwei bis drei Stunden. Anscheinend haben sie großen Hunger und warten auf ihre Mutter. Doch diese lebt nicht mehr. Nur kurz bin ich am Überlegen was ich machen soll. Dann nehme ich die drei kleinen auf den Arm und verlasse die Bude wieder. Auch Berta kommt mit.

Schnell gehe ich wieder zur Straße und laufe zum nächsten Haus. Eigentlich müsste die Bewohnerin zu Hause sein. Bevor ich klingeln kann, geht schon die Tür auf und Mechtild, so heißt die Bewohnerin, steht vor mir. „Hallo Gerda! Was gibt es, das Du es so eilig hast? Oh, ich sehe schon! Wo hast Du denn die her? Ach was sind die süß! Und Berta ist auch da! Bisher hat sie immer einen großen Bogen um unser Haus gemacht, wegen Gloria. Ach Du weißt es ja nicht! Gloria ist unser Hund. Sie bekommt in den nächsten Tagen auch Welpen! Ich freue mich schon darauf.“

Mir kommt ein schlimmer Verdacht, doch ich sage zunächst nichts, sondern schnell sage ich ihr woher die Welpen sind und frage nach einem Telefon. Sie antwortet aber nur: „Komm, wir nehmen mein Auto! Das geht schneller als das wir auf euer Auto warten. Moment mal! Auf der Baustelle? Oh Gott! Da ist Gloria vor zwei Stunden hin. Sind das etwa?“

Ich nicke nur mit dem Kopf. Ich sehe wie die Tränen in ihre Augen schießen, doch sie schluckt ein paar Mal, dann dreht sie sich um und nimmt einen Schlüssel von einer Garderobe. Dann kommt sie wieder zu mir und fordert mich auf ihr zu folgen. Berta geht mit bis zur Garage wo ich warte das Mechthild das Auto hervor holt. Dann steht der Wagen neben mir und die Beifahrertür geht auf. Sofort springt Berta in den Wagen und ich setze mich auf den Sitz. Nachdem die Tür wieder zu ist, gibt Mechtild Gas und schnell sind wir beim Tierheim.

Sofort als der Wagen hält, springt sie heraus und kommt um das Auto. Sie öffnet meine Tür und nimmt mir die Welpen ab. Ich steige aus und sofort kommt auch Berta aus dem Wagen. Ich will die Hunde wieder an mich nehmen doch Mechthild sagt zu mir: „Bitte nicht.“ Kurz schaue ich in ihre Augen, dann nicke ich mit dem Kopf und laufe zur Krankenstation. Mechthild und Berta sind kurz hinter mir. Auf der Krankenstation sind auch drei weibliche Hunde die vor ein paar Tagen Welpen zur Welt gebracht haben. Dort will ich hin um zu versuchen, das die drei Welpen von den Muttis versorgt werden.

Als wir den Raum betreten in dem die Hunde mit den Welpen in ihren Körben liegen, heben alle Muttis ihre Köpfe und fangen an mit ihrem Schweif zu wedeln. Ich wende mich sofort Fee zu. Diese ist ein Schäferhund Mischling und hat nur drei Welpen. Drei weitere sind leider bei der Geburt gestorben. Ich nehme eines der Welpen und lasse Fee an diesem schnuppern. Auch an den beiden anderen Welpen wird geschnuppert. Anschließend schaut mich Fee fragend an.

Ich gehe in die Hocke und erkläre Fee warum wir sie brauchen. Noch einmal schnuppert Fee an den Spitzwelpen, aber sie macht keine Anstalten sich auf die Seite zu drehen. Ich will mich gerade abwenden als Berta in den Korb von Berta springt. Sofort fängt Berta an zu köpfeln und auch zu schnurren. Fee ist ganz erstaunt und schnuppert nun auch an Berta. Dann schaut sie mich noch einmal an und dreht sich endlich auf die Seite.

Sofort werden die drei Spitzwelpen angelegt und am schmatzen kann man hören wie sie am Saugen sind. Noch immer schaut mich Fee an und streichele ihr über den Kopf. Auch Berta legt sich nun genau neben den Kopf von Fee und fängt an ihr über die Augen zu lecken. Da entspannt sich Fee vollends.

Mechthild und ich schauen uns an und sind beide am Lächeln. „Wenn es soweit ist, kann ich dann die drei haben. Sie sind eine schöne Erinnerung an meine kleine Gloria.“ Obwohl ich nichts zu sagen habe, dafür ist die Leiterin zuständig, sage ich ihr das natürlich die drei zu ihr dürfen. Denn schließlich sind es die Kinder von ihrer kleinen Gloria.

Da räuspert sich im Hintergrund die Tierheim-Leiterin und fragt erst einmal was los ist. Schließlich bin ich zum ersten Mal nicht pünktlich zur Arbeit erschienen. Zusammen mit Mechthild erkläre ich nun was vor gefallen ist und auch die Leiterin sagt, das die kleinen schließlich Gloria gehören und somit deren Besitzerin. Noch etwa zwei Stunden bleibt Mechthild im Tierheim bei den Hunden. Dabei ist sie die ganze Zeit Fee am Streicheln. Aber auch deren Welpen werden gestreichelt und nachdem die drei Spitzwelpen genug getrunken haben, werden auch diese gestreichelt.

Als Mechthild wieder weg fährt, will sie Berta mitnehmen, doch diese will nicht, sondern sie bleibt bei den Welpen. Mechthild verspricht bei den Besitzern von Berta an zu halten und diese zu informieren das Berta nun im Tierheim ist. Dann fährt sie davon. Etwa 30 Minuten später sind die Besitzer von Berta da um zu sehen, warum Berta im Tierheim ist. Ich erkläre es ihnen, sage aber auch das Berta wohl wieder nach Hause kommt, wenn die Welpen ebenfalls zu Mechthild kommen. Das beruhigt sie und sie fahren wieder heim. Kommen jedoch jeden Tag um nach ihrer Berta zu sehen.

Nach 14 Wochen holt Mechthild ihre drei Welpen ab. Aber auch Fee mit ihren Welpen dürfen mitgehen. Berta war die ganze Zeit im Tierheim geblieben und hatte trotz ihres Alters mit den Welpen gespielt. Nun verlässt sie auch uns, kehrt aber nicht zu ihren alten Besitzern zurück, sondern blieb bei den Hunden. Nur ab und zu ging sie zu ihren alten Besitzern. Diese freuten sich jedes Mal das Berta zu ihnen kam. Schon bald waren die beiden bei uns im Tierheim und holten sich zwei Katzen. Auch mit denen freundete sich Berta an. Aber auch die Hunde freuten sich über die neuen Nachbarn.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #335
Karoline

Wieder einmal sind Herbert und ich unterwegs mit unserem Wohnmobil. Monika, unsere Tochter wollte nicht mit. Sie wollte lieber bei Oma und Opa Ostereier suchen. Also sind wir heute Morgen alleine los gefahren. Wir wollen zur Ostsee und dort trotz des nicht sehr guten Wetters ein paar Tage verbringen. Heute wollen wir nur bis Hamburg fahren, uns die Stadt ein bisschen ansehen und dann Morgen sehr früh auf den Fischmarkt gehen.
Gerade befinden wir uns zwischen Bremen und Hamburg und Herbert steuert einen Autohof an. Dort wollen wir etwas Essen und dann durchfahren bis Hamburg. Nachdem wir auf dem Autohof angekommen sind, steigen wir aus dem Mobil. Ich nehme meine Tasche und zusammen gehen wir zum Restaurant. Dort treffen wir ein paar bekannte LKW Fahrer. Während wir Essen unterhalten wir uns natürlich über dieses und jenes. Auch erwähnt Herbert, das wir zwar den Funk abhören können, jedoch nicht antworten können da etwas mit dem Sender des Gerätes nicht stimmt.
Nach etwa 1,5 Stunden fahren wir weiter in Richtung Hamburg. Es sind noch etwa 300 Meter bis zu einem Parkplatz als auf einmal hinten ein lautes Poltern zu hören ist. Sofort setzt Herbert den Blinker und wir fahren auf den Parkplatz. Dort steigen wir beide aus und Herbert schaut sofort unter das Mobil um den Grund des Poltern zu finden.
Da er jedoch nichts erkennen kann, schaut er auch noch von links und rechts unter den Wagen. Doch auch hierbei kann er nichts feststellen. „Da muss wohl der Pannendienst ran. Ich werde mal zur Notrufsäule gehen und den rufen.“ sagt er zu mir und geht zur Einfahrt des Parkplatzes, wo sich eine Säule befindet.
In diesem Moment kommt es auf der Autobahn zu einem Stau und der Verkehr kommt zum Erliegen. Es wird richtig leise hier auf dem Parkplatz. Ich gehe zu einer in der Nähe stehenden Sitzgruppe zu, um mich dort in den Schatten zu setzen. Zwar ist kein Hochsommer aber die Sonne hat doch schon eine große Kraft.
Auf dem Weg dorthin, meine ich die Stimme eines Kindes zu hören. Jedoch sind wir der einzige Wagen auf dem Parkplatz. Trotzdem schaue ich mich um doch es ist nichts zu sehen. Da ertönt wieder die Stimme. Sie scheint hinter dem Parkplatz zu sein. Doch ein Gebüsch verhindert, das ich etwas sehen kann. Darum gehe ich auf das Gebüsch zu als Herbert wieder neben mir ist.
„Der Pannendienst braucht etwa eine Stunde bis er hier ist. Wo willst Du eigentlich hin?“ sagt er zu mir. Doch ich hebe nur meine Hand und Herbert verstummt sofort. Da wir jetzt dicht vor dem Gebüsch stehen, können wir beide die Kinderstimme besser hören als diese noch einmal ruft.
„Lady, wo bist Du? Komm meine kleine!“ Ich schaue nur Herbert an und er errät meine Gedanken. Ich muss durch das Gebüsch und nach der Kinderstimme schauen, denn irgendetwas scheint das Kind zu suchen. Vielleicht kann ich helfen! „Moment, ich gehe eben zum Mobil und schließe es ab.“ Sagt Herbert und geht schnell zum Wohnmobil. Schon nach kurzer Zeit ist er wieder bei mir und zusammen betreten wir das Gebüsch.
Kurz darauf ist es durch quert und wir stehen vor einem Acker. Nicht weit entfernt sehen wir ein etwa 10jähriges Mädchen, welches wieder am Rufen ist. Zusammen mit Herbert gehe ich zu dem Mädchen und frage sie zunächst was sie sucht. Da erfahren wir, das sie mit ihrem kleinen Hund spazieren gegangen ist. Als es mehrmals knallte, hat ihr Hund kurz gejault, die Leine hat sich gelöst und der Hund ist in diese Richtung gelaufen.
Da das Mädchen, sie sagte das sie Karoline heißt, noch die Leine mit dem Halsband in der Hand hält, schaut Herbert sich die beiden Teile genauer an. Dann sagt er zu mir: „Der Hund muss verletzt sein! Am Halsband ist getrocknetes Blut! Außerdem sieht es so aus als wenn das Halsband durchtrennt worden ist. Da wird doch nicht jemand auf den Hund geschossen haben?“
Entsetzt schaue ich Herbert an. Die Leine ist nur etwa 150cm lang und dann hat jemand geschossen? Wie leicht hätte das Mädchen getroffen werden können! Ich frage noch ob sie weiß wo genau ihr Hund hingelaufen ist, doch sie zeigt nur stumm auf den Busch der sich entlang des Parkplatzes zieht. Herbert geht nach rechts während ich und Karoline nach links gehen um den Hund zu suchen.
Wir suchen schon eine ganze Zeit und als ich einmal einen Blick auf den Parkplatz werfe, erkenne ich wie gerade der Pannendienst eintrifft. Sofort will ich Herbert davon unterrichten, doch der ruft: „Hab es schon gesehen! Bin gleich wieder da!“ Dann geht er schnell zum Wohnmobil. Karoline und ich suchen weiter.
Als ich ein leises jaulen vernehme bleibe ich stehen und lausche ganz genau. Da ist es wieder und schnell gehe ich um einen dichten Busch. Sofort sehe ich den Hund der total mit Blut verschmiert ist. Auch Karoline sieht den Hund und ruft: „Da bist Du ja mein Kleiner.“ Dann kniet sie sich zu ihrem Hund hin und streichelt ihm über den Kopf.
Sofort knie ich auch bei dem Hund und fange ihn an zu untersuchen. Im Nacken hat er eine blutige Schramme und am Bauch ist alles Blutverschmiert. Erst jetzt fällt mir auf, das ich zum ersten Mal meine Tasche nicht dabei habe. Die ist im Wohnmobil. Darum sage ich zu Karoline: „Karo. Lauf schnell zu meinem Mann und lasse dir von ihm meine Tasche geben. Aber pass auf, es scheinen inzwischen mehr Autos auf dem Parkplatz zu sein.“
Sofort läuft Karoline los und ich schaue nun genau nach, warum der Hund am Bauch blutet. Es ist eine Stelle aus der das Blut rinnt. Also scheint der Hund einen Bauchschuss zu haben. Da ist auch schon Karo wieder mit meiner Tasche da. Sofort gebe ich dem Hund erst einmal ein Schmerzmittel, dann lege ich einen Druckverband am Bauch an. Auch um die Nackenwunde kümmere ich mich, aber dort ist es wirklich nur eine Schramme.
Am meisten Sorgen macht mir der Bauchschuss. So kann ich den Hund nicht transportieren. Darum rufe ich so laut ich kann: „Herbert! Einen Tisch! Schnell!“ Sofort ruft Herbert zurück was ich gesagt habe. Darum widerhole ich noch einmal die Forderung nach einem Tisch. Jetzt hat Herbert verstanden den von ihm kommt ein „Alles klar!“ Karo geht schnell zum Rand des Parkplatzes, damit Herbert nicht erst nach mir suchen muss. Etwa 2 Minuten später höre ich Herbert heran kommen und schon kurz darauf ist er da. Sofort will er den Tisch aufbauen doch ich wehre ab und sage ihm: „Lege den Tisch einfach auf den Boden! Damit kann der Hund transportiert werde.“
Herbert hat verstanden und legt den Tisch ganz dicht neben dem Hund ab. Anschließend lege ich ganz vorsichtig den Hund auf den Tisch und Herbert hebt ihn hoch. Da der Mann vom Pannendienst auch mit gekommen ist, packt er am Tisch mit an und zusammen gehen wir nun zu unserem Wohnmobil.
Unterwegs werde ich von einem älteren Herren angesprochen: „Gerda? Sind Sie nicht Gerda Xxxxxxx?“ Ich schaue den Mann an und weiß das ich ihn schon einmal gesehen habe. Nur fällt mir nicht ein wann und wo. Aber ich bestätige seine Frage und er sagt: „Ich bin Dr. Dyyyyyyyyyyyyyy! Du weißt doch noch der Hund vor ein paar Jahren den Du unter dem verunfalltem Campinganhänger geholt hast und den Du in meinem Röntgenzug geröntgt hast?“
Da fällt mir alles ein und ich begrüße ihn. Da kommt auch schon die nächste Frage von ihm: „Wie ich sehe hast Du wieder einen Hund der versorg werden muss. Brauchst Du wieder den Röntgenwagen? Denn damit bin ich heute zum letzten Mal unterwegs. Montag geht’s in Rente! Ich heiße im übrigen Piet!“
Natürlich nehme ich sein Angebot an und sofort gehen wir mit dem Hund zum Röntgen. Der Fahrer des Wagens ist genau derselbe wie vor einigen Jahren. Auch er geht in Rente, darum sind die beiden auch heute unterwegs. Der Röntgenzug wird ins Depot gebracht und dort soll er Grundüberholt werden. Natürlich begrüße ich auch den Fahrer und dieser startet sofort den Motor.
Daraufhin steigen wir in den Röntgenwagen und der Hund wird sofort auf den Röntgentisch gelegt. Ich mache fünf Aufnahmen von dem Hund und anschließend werden die von Fahrer des Wagens entwickelt. Als er damit fertig ist, befestigt er die Aufnahmen an einem Leuchtschirm und wir betrachten die Aufnahmen. Sofort fällt die Kugel auf die den Hund getroffen hat. Ob die Kugel wichtige Organe zerstört hat, kann man aber auf den Bildern nicht sehen.
Wir verlassen den Wagen, außer Karo sie bleibt bei ihrem Hund, und draußen frage ich den Mann vom Pannendienst wo es eine Tierklinik gibt. Doch bevor er antworten kann sagt Piet: „Meine Frau leitet eine TK hier ganz in der Nähe. Nur ist dort heute nur ein Notdienst. Trotzdem werde ich sie mal anrufen.“ Damit dreht er sich um und steigt wieder in den Wagen wo er zu einem Telefon greift.
Auch der Pannenhelfer, inzwischen weiß er, das auf den Hund geschossen wurde ist am Telefonieren. Als er damit fertig ist kommt er wieder zu uns und sagt: „Ich habe die Polizei informiert. Da Karo mit dem Hund spazieren war und sie den Hund an der Leine führte, hätte sie auch getroffen werden können. Darum habe ich denen gesagt das auf ein kleines Mädchen geschossen wurde. Die Polizei ist also bald da!“
Piet ist immer noch im Wagen und wartet darauf das seine Frau zurück ruft, wie er uns mitteilt. Schon können wir Martinshörner hören die schnell näher kommen. Der Mann von Pannendienst läuft sofort zur Einfahrt des Parkplatzes um die Polizei einzuweisen. Kurz darauf hält ein Streifenwagen bei uns und zwei Beamte steigen aus dem Wagen. Es kommen aber immer mehr Fahrzeuge der Polizei was natürlich die Neugier der Leute auf dem Parkplatz weckt. Immer mehr Leute sind vor dem Röntgenwagen versammelt.
Auch ein Rettungswagen und ein Notarzt erscheinen. Der Notarzt schaut sofort nach Karo, doch sie ist nicht getroffen worden. Auf einmal bemerkt der Notarzt: „Hier sind zwei Löcher in der Hose. Sieht aus als wenn sie doch getroffen wurde aber ohne sie zu verletzen.“ Da inzwischen auch jede Menge Zivilfahrzeuge der Polizei da sind, steigt einer der Beamten sofort in den Röntgenwagen und untersucht die Hose. Es ist tatsächlich so erklärt er, das Einschuss- und das Ausschussloch einer Kugel.
Da sich weiter keiner um den Hund kümmert, trete ich zu Piet und frage ihn was denn nun mit seiner Frau ist. Aber diese hat noch nicht geantwortet. Aber anscheinend hat der Notarzt inzwischen etwas bemerkt denn er fragt, warum der Hund im Röntgenwagen liegt. Piet erklärt ihm das und dann entscheidet der Notarzt: „Den Hund sofort in den Rettungswagen und dann mit vollem Konzert zur TK. Ich fahre mit! Wollen Sie auch mit Herr Kollege?“ Diese Frage stellt er an Piet und dieser antwortet: „Natürlich fahre ich mit! Auch Gerda, das ist die Frau da hat den Hund bisher behandelt. Sie muss auch mit!“
Anschließend dreht er sich um und greift zum Telefon, weil dieses wieder geklingelt hat. Nur kurz spricht er mit dem anderen Teilnehmer dann sagt er nur: „Alles klar! Meine Frau wartet.“ Herbert hat inzwischen mit dem Notarzt den Hund in den Rettungswagen gebracht und auch wir gehen zum Wagen. Ich steige ein und Herbert sagt noch zu mir, das er mit dem Wohnmobil nachkommt. Auch Karo steigt in den Rettungswagen. Da tritt ein Beamter in Zivil auf mich zu und sagt: „Wir brauchen die Kugel die in dem Hund steckt. Möglichst unbeschädigt!“ Dann wendet er sich an Karo und bittet diese ihm genau zu zeigen wo sie mit ihrem Hund war, als die Schüsse fielen. Erst der Hinweis, das sie anschließend zur TK gebracht wird lässt sie wieder den Wagen verlassen.
Dann startet der Rettungswagen und mit vollem Konzert geht es zur TK. Nach etwa zehn Minuten sind wir da und sofort wird der Hund in einen Behandlungsraum gebracht. Dort drängelt sich eine Frau sofort vor und meint dabei: „Ich bin Frau Dr. Dr. Sabine DYYYYYYYYYYYYYYY! Lassen sie mal sehen.“ Da sagt Piet zu ihr: „Nun lass Gerda mal machen. Ich habe dir doch vor ein paar Jahren von ihr erzählt. Das ist die beste Tierärztin die es gibt, obwohl ohne Doktortitel.“
Daraufhin schaut mich Sabine genau an, dann tritt sie etwas zur Seite und fragt: „Was soll denn nun geschehen?“ Ich antworte: „Sofort Blutgruppe feststellen! Passendes Blut besorgen und auch alles zur Transfusion vorbereiten! Dann brauche ich ein Ultraschallgerät damit ich feststellen kann wie der Schusskanal verläuft. Außerdem muss sofort der Hund rasiert werden!“
Dann lasse ich mir einen Kittel geben, greife zu einem Atemschutz und wasche mir die Hände. Als das erledigt ist, greife ich zum Ultraschallgerät und setze den Kopf des Gerätes nachdem ich ihn mit Kontaktmittel beschmiert habe, an. Vorsichtig führe ich ihn über den Leib des Hundes und kann nun sehen, welchen Schaden die Kugel angerichtet hat.
Die Kugel hat nicht nur die Bauchdecke durchschlagen, sondern auch den Magen. Anschließend ist sie von innen an einer Rippe steckengeblieben. Sabine schaut mich fragend an, doch bevor sie was sagen kann fragt Piet: „Sag mal Gerda! Wie hoch ist die Chance das der Hund Morgen oder in einer Woche noch lebt?“ Ich schaue ihn an und antworte: „Die Chance das er Morgen noch lebt, besteht zu 0 Prozent, in einer Woche bei etwa 15 Prozent. Lebt er in vier Wochen noch, hat er es geschafft und wird sehr alt.“
„Ist es nicht besser den Hund einzuschläfern?“ fragt der Notarzt, der immer noch da ist. Wieder antwortet Piet: „Das ist nicht ihr Ernst, oder? Natürlich wird der Hund leben. Ich habe öfters einen Freund angerufen der Gerda auch kennt. Er erzählte mir, das Gerda erst einmal zur Spritze gegriffen hat ansonsten hat jedes Tier überlebt, welches sie behandelt an. Auch das wird bei diesem Hund so sein!“
Alle schauen mich an, doch ich kümmere mich schon nicht mehr um ihr Gerede. Jetzt ist nur noch der Hund für mich wichtig und ich beginne mit der OP nachdem der Notarzt den Hund nach meinen Anweisungen in Narkose gelegt hat. Inzwischen ist auch das Klinikpersonal da. 8 Leute kümmern sich nun um den Hund. Darunter sind drei Mitarbeiter der TK, Sabine, der Notarzt, Piet, der Fahrer des Rettungswagens und ich.
Entschlossen setze ich das Skalpell an und öffne die Bauchdecke. Sofort saugt Sabine den Bauchraum in dem sich Blut und das innere des Magens befindet, aus. Somit kann ich mich zunächst um die Kugel kümmern die ich vorsichtig von der Rippe löse. Die Kugel kommt in einen Plastikbeutel und wird zur Seite gelegt. Nun verschweiße ich die beiden Löcher in der Magenwand und anschließend wieder die Bauchdecke. Als das erledigt ist, kümmere ich mich auch noch um die Schramme im Nacken des Hundes. Aber diese ist nicht sehr tief. Nachdem alles zur Rettung des Hundes getan wurde, kommt er auf die Intensivstation, wo er an einem Überwachungsgerät angeschlossen wird.
Die OP etwa vier Stunden gedauert und ich bin doch etwas erschöpft, was mich doch verwundert denn ich fühle mich kern gesund. Darum beschließe ich für mich selber in den nächsten Tagen mal wieder zum Frauenarzt zu gehen. Wann weiß schließlich nie!
Im Vorraum des OP setze ich mich darum in einen Sessel. Da auch Herbert in dem Raum ist, natürlich ist auch Karo mit ihren Eltern da, kommt er sofort zu mir und schaut mich Sorgenvoll an. Doch er sagt nichts denn zunächst wende ich mich an Karo und erzähle ihr von der OP. Anschließend geht sie zusammen mit ihren Eltern zu ihrem Hund.
Auch die an der OP beteiligten sind alle in dem Raum versammelt und der Notarzt, der immer noch da ist, ein weiterer Kollege vertritt ihn, ergreift das Wort: „Sag mal Gerda, ich darf doch Du sagen, hast Du das schon öfters gemacht? In einer völlig fremden Umgebung zu operieren? Also ich hätte damit Schwierigkeiten weil schließlich nicht alle Geräte und Werkzeuge am gewohnten Platz liegen würden. Aber Du hast einfach so getan als wenn Du schon immer hier gearbeitet hast.“
„Bevor ich angefangen bin, hab ich einmal geschaut wo alles ist und mir dieses eben gemerkt. Dann läuft alles von ganz alleine. Also ich habe damit keine Schwierigkeiten.“ antwortete ich auf die Frage. Noch lange sitzen wir alle zusammen und ich zeige ihnen auch meine Sondergenehmigung. Von allen, außer von Piet und Herbert, kommen anschließend viele Fragen die ich alle beantworte. Sabine lädt uns zu sich nach Hause ein und Herbert und ich verbringen einen schönen Abend bei den beiden.
Nach Hamburg sind wir nicht weiter gefahren, sondern Herbert und ich blieben bis Montag- Nachmittag in der TK. Dort half ich auch noch bei der Rettung einer Katze die vergiftet worden war. Dann fuhren wir wieder nach Hause.
Gleich am Dienstag bin ich zum Frauenarzt und habe mich untersuchen lassen. Leider wurde eine Erkrankung der Eierstöcke festgestellt und diese mussten darum entfernt werden. Was solls?! Der Hund wurde wieder ganz gesund und nach vier Monaten stand er bei mir im Büro und freute sich mich zu sehen. Auch Karo war glücklich das ihr Hund noch lebte. Die Eltern überreichten mir einen Scheck der eine große Summe auswies. Auch die Katze überlebte ihre Vergiftung. Am Wohnmobil war auch nichts Schlimmes. Nur ein Blech was sich gelöst hatte und nun während der Fahrt an den Boden des Mobil klopfte. Der Schütze der auf den Hund oder auf Karo geschossen hat, wurde leider nicht ermittelt.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #336
Wow! Habe das hier heute gefunden und schon 10 Seiten gelesen. Ganz tolle Geschichten, nur muss ich jedes mal weinen, weil ich so angerührt bin … :mrgreen:

… und das sind alles wahre Geschichten? Oder ist hier und da etwas künstlerische Freiheit eingeflossen?
 
  • Post aus Bayern Beitrag #337
Hallo Virra,
alle Geschichten beruhen auf Ereignisse die tatsächlich im Leben von Gerda passiert sind.
Gerda hat mir freundlicherweise ihre Aufzeichnungen, die sie gemacht hat, zur Verfügung gestellt aus denen ich dann die Geschichten schreibe. Alle Geschichten entsprechen der Wahrheit. Natürlich ist auch einiges an künstlerischer Freiheit mit eingeflossen, aber das ist nur ein sehr kleiner Prozentsatz. Nicht jedes Gespräch hat so stattgefunden wie es in den Geschichten steht, aber die Lobreden auf Gerda, von den verschiedensten Leuten, die gab es wirklich, denn die hat Gerda genau aufgeschrieben.
Der Wahre Kern jeder Geschichte lieg bei etwa 75% der Rest entspringt meiner Fantasie. Aber vom Grund her sind alle Geschichten wahr!
Zudem hat Gerda jede Geschichte bis zu ihrem Ableben, bevor sie veröffentlicht wurden, vorab gelesen und wenn Änderungen nötig waren habe ich diese durchgeführt. Zu Anfang sind diese Geschichten mehrmals zwischen uns hin und her gegangen bis alles passte. Erst die letzten 6 Geschichten konnte Gerda leider nicht mehr lesen. Aber das wirst Du noch mitbekommen.

Gruß Helmut
 
  • Post aus Bayern Beitrag #338
Das ist aber schade, dass die Gute nicht mehr lebt. Aber es ist ein sehr schönes Andenken an das Wirken dieser großartigen Frau! Ich hatte es eigentlich auch so verstanden, dass es wahre Geschichten sind, aber bei der Geschichte mit dem Dobermann Bruno (?) kam ich dann doch bissl ins Grübeln …

Ich freue mich schon, die nächsten Seiten zu lesen! Das ist ein ganz besonderer Genuss.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #339
Bei dieser Geschichte hatte ich zwei nützliche Helfer. Natürlich ist die Geschichte viel Länger und würde mit Sicherheit ein komplettes Buch über 100 Seiten füllen. Doch das wollte ich euch nicht antuen. Darum unten die Kurzfassung! Dazu am Ende mehr!
Bitte unbedingt lesen!

Fiehnchen
Wir schreiben das Jahr 1986 und heute ist richtig schönes Wetter. Kurzfristig habe ich mich dafür entschieden mit dem Rad zum Tierheim zu fahren. Auch freue ich mich schon auf meinen Feierabend. Da heute Freitag ist, mache ich zwei Stunden eher Feierabend weil Herbert und ich noch heute zu dessen Eltern fahren wollen. Auch Herbert schließt seine Praxis zwei Stunden eher. Wir beide waren schon lange nicht mehr bei seinen Eltern. Da dieses Wochenende auch noch ein langes ist, Montag ist Feiertag, da lohnt sich auch die lange Fahrt dorthin.

Ich bin noch etwa 200m von der Straße entfernt, die direkt zum Tierheim führt, als ich eine Frau bemerke, die vor mir auf dem Radweg geht. Sie zieht einen Bollerwagen hinter sich her auf dem eine Art Zelt aufgebaut ist. Ich benutze meine Klingel, weil ich sonst nicht an ihr vorbei kommen werde. Sie schaut sich um und macht auch sofort Platz, dabei hebt sie eine Hand als wenn sie mich anhalten will. Darum verlangsame ich meine Fahrt und bleibe bei ihr stehen.

Ich schätze die Frau ist 60-70 Jahre alt. Nachdem wir uns einen „Guten Morgen“ gewünscht haben sagt sie zu mir: „Entschuldigung, das ich Sie so einfach anhalte! Aber können sie mir sagen wie weit es noch bis nach XXXXXXXXXXX ist?“ Erstaunt schaue ich sie an, denn sie ist schließlich gerade durch unsere Stadt gelaufen und dort will sie hin. Sie sieht wohl mein Erstaunen denn sie sagt sofort: „Tut mir Leid, aber Sie können es nicht wissen. Ich kann nicht Lesen und auch nicht Schreiben. Ich bin immer auf die Hilfe von Passanten angewiesen. Ich habe schon mehrfach gefragt, aber alle haben mich nur angeschaut als wenn ich verrückt wäre. Sie sind die erste die Erstaunt schaut.“

Sofort sage ich ihr das sie die Stadt die sie sucht gerade durchquert hat. Dann frage ich sie wo es denn hin gehen soll. Sie antwortet: „Ich suche den Tierarzt oder die Tier Nothilfestation. Ich habe gehört die behandeln auch Tiere von Leuten die kein Geld haben. Wissen Sie, meine beiden kleinen sind sehr krank und als ich hörte das es hier solch sozial eingestellten Menschen gibt, bin ich sofort los. Da ich aber nicht mehr richtig laufen kann, hat es sehr lange gedauert. Seit 10 Tagen bin ich unterwegs um zu diesem Tierarzt zu kommen. Ich habe nur geschlafen wenn es gar nicht mehr ging mit mir. Dann habe ich mich irgendwo ein paar Minuten hingesetzt und bin dann weiter. Seitdem ich los bin zu diesem Tierarzt habe ich keine Nacht mehr durchgeschlafen sondern ich bin immer weiter um hier hin zu kommen. Aber jetzt sagen Sie mir bitte, wie ich zum Tierarzt oder zu dieser Tier Station komme.“

Bevor ich antworten kann, hält ein PKW neben uns auf der Straße. Es ist Peter der auch zum Tierheim will. „Hallo Gerda, ist irgendwas?“ fragt er mich. Ich sage nur „Moment“ zu ihm und wende mich wieder der Frau zu. „Wo sind denn ihre beiden Tiere?“ Da schlägt sie eine Plane von dem Zeltaufbau zur Seite und ich erkenne darunter einen kleinen Hund und eine Katze. Beide bewegen sich nicht, auch wird kein Auge geöffnet. Aber am Schlafen sind die beiden nicht.

Sofort bitte ich Peter darum mein Rad zu halten und greife schon zu meiner Tasche. Nachdem Peter mein Rad hält, entnehme ich aus meiner Tasche das Stethoskop und höre sofort den Hund ab. Er atmet sehr schwer und auch sein Herzschlag ist sehr unregelmäßig. Auch bei der Katze ist es so. Medikamente will ich ihnen aber noch nicht geben. Erst muss ich die beiden genau untersuchen.

„Kommen Sie! Zur Station sind es nur noch ein paar hundert Meter. Dort wird den beiden dann sofort geholfen.“ sage ich zu ihr. Sie antwortet: „Sind Sie etwa die Frau die dem Tierarzt immer hilft? Übrigens ich bin Fiehnchen.“ Ich muss lächeln und sage ihr das ich genau die Frau bin. Ich nehme mein Rad und gehe los. Doch schon nach ein paar Metern merke ich, das Fiehnchen wirklich nicht gut laufen kann. Darum sage ich zu Peter der gerade wieder in seinen Wagen einsteigen will: „Peter, hole schnell den Bulli. Wir warten hier.“ Peter versteht sofort, denn auch er hat gesehen wie schlecht die Frau laufen kann.

Sofort fährt er los und ist nach kurzer Zeit mit unserem Bulli wieder da. Peter und ich heben den Bollerwagen mitsamt den Tieren auf die Ladefläche und während Peter den Bollerwagen darauf befestigt, helfe ich Fiehnchen in den Bulli ein zu steigen. Dann schwinge ich mich wieder auf mein Rad und fahre schnell zum Tierheim. Da ich schneller da bin wie die beiden, fange ich schon einmal an den Behandlungsraum vor zu bereiten. Ich bin noch damit beschäftigt, als unser Bulli vor dem Haus hält.

Da ich schon Bernd gleich bei meiner Ankunft gesagt habe, das mit unserem Bulli Patienten gebracht werden, ist er sofort bei dem Wagen und hilft den Bollerwagen von der Ladefläche zu nehmen. Während Peter anschließend Fiehnchen aus dem Bulli hilft, kommt Bernd mit dem Bollerwagen in das Haus. Vor dem Behandlungsraum bleibt er stehen und nimmt zunächst den Hund aus dem Aufbau und bringt ihn zu mir. Dann geht er wieder und holt die Katze. Diese legt er zunächst in einen Korb den ich auf dem Schreibtisch gestellt habe.

Noch einmal höre ich den Hund ab. Nichts hat sich verändert. Darum entnehme ich dem Hund etwas Blut und gebe die Spritze sofort an Bernd weiter. Dieser gibt das Blut in einen Reflotron und drückt die Starttaste. Dieses Gerät analysiert nun die Blutprobe und druckt anschließend die Werte aus. Bei jeder Blutprobe muss ein neuer Teststreifen mit Blut benetzt werden. Dabei werden die verschiedensten Werte analysiert. Anschließend kann schon sehr schnell eine Diagnose erstellt werden.

Während das Gerät arbeitet, entnehme ich auch der Katze etwas Blut. Auch dieses wird, wenn das Gerät fertig ist untersucht. Fiehnchen sitzt derweil am Schreibtisch und kann es anscheinend nicht fassen, das so unkompliziert und ohne Fragen geholfen wird. Aber Fragen kann ich auch nach der Erstbehandlung stellen, denn ich habe viele Fragen an Sie.

Als das Gerät fertig ist, gibt mir Bernd den Ausdruck und bereitet sofort das Gerät für die nächste Probe vor. Noch während ich mir den Ausdruck anschaue, ist er damit fertig und gibt die Probe der Katze in das Gerät. Ich kontrolliere alle Werte des Hundes und stelle fest: Harnwerte stark erhöht was auf eine Nierenkrankheit hindeutet, die Zuckerwerte sind auch erhöht und ich vermute eine beginnende Diabetes aber auch die Entzündungswerte sind stark erhöht. Also muss der Hund auch irgendwo eine Entzündete Stelle haben. Vielleicht auch eine Lungenentzündung oder aber auch eine Entzündung im Körper.

Als mir Bernd den Ausdruck der Katze gibt sehe ich auch hier die erhöhten Zuckerwerte und den erhöhten Harnwert. In diesem Moment betritt auch der Tierarzt den Raum und fragt sofort was los ist. Schnell erzähle ich ihm das und er kümmert sich sofort um die Katze. Sofort gibt er die Notwendigen Medikamente während ich mich wieder dem Hund zuwende. Ich muss feststellen welche Entzündung er hat.

Darum greife ich wieder zum Stethoskop und höre noch einmal seine Lunge ab. Doch die hört sich völlig normal an. Also ist es keine Lungenentzündung! Ich fange an, den Hund genau von außen zu untersuchen, vielleicht hat er ja eine offene Wunde. Doch auch hier finde ich nichts. Da der Tierarzt inzwischen mit der Versorgung der Katze fertig ist, fängt er nun an mir zu helfen. An einigen Stellen fängt er an den Hund zu rasieren, während ich das Ultraschallgerät vorbereite.

Nachdem der Tierarzt mit der Rasur fertig ist, setze ich den Tastkopf des Ultraschallgerätes zunächst in Höhe der Lungen an. Doch hier ist nichts feststellbar. Danach setze ich den Tastkopf im Bauchbereich an und finde nach kurzer Zeit die Ursache der Entzündung. Der Hund hat eine Rippenfellentzündung!

Schnell gebe ich die entsprechenden Medikamente und dann kommt der Hund zusammen mit der Katze auf unsere Intensivstation. Anschließend erklären wir beide Fiehnchen genau was ihre Tiere haben und nachdem sie gefragt hat, was die Behandlung den kostet, schließlich waren zwei TÄ am Behandeln, können wir sie beruhigen. Denn die Behandlung ist kostenlos. Danach geht der Tierarzt wieder und ich setze erst einmal Kaffee an. Dann setze ich mich zu Fiehnchen und stelle einige Fragen.

Als der Kaffee durchgelaufen ist, gieße ich den Kaffee in zwei Tassen und gebe eine davon Fiehnchen. Nachdem sie den ersten Schluck genommen hat, fängt sie an zu erzählen:
„Ich bin Jüdin und wurde 1927 in ccccccc geboren. Bis zum Jahr 1933 hatte ich eine sehr schöne Kindheit. Ich wurde eingeschult, jedoch schon nach drei Monaten durften keine Juden mehr zur Schule gehen. Meine Eltern, mein Vater war Goldschmied, haben anschließend versucht mir Rechnen und Schreiben bei zu bringen. Doch schon nach weiteren fünf Monaten brachte mich mein Vater zu einem Bekannten auf einen Bauernhof. Der Bekannte versprach meinem Vater mir das Rechnen und Schreiben weiter bei zu bringen. Doch das machte er nicht. Ich musste von morgens bis abends auf dem Hof arbeiten. Nach zwei Jahren wurde ich zu einem anderen Hof gebracht, da der erste Bauer Angst bekam. Dort blieb ich drei Jahre, dann musste ich auch diesen Hof verlassen. Nun stand ich mit 11 Jahren alleine da. Ich schlug mich bis zum Haus meiner Eltern durch, doch dort war inzwischen ein anderes Geschäft und keiner wusste wo meine Eltern sind. Auch meine fünf Geschwister waren verschwunden. Da bin ich weiter gezogen. Hab mal hier und mal da beim Bauern geholfen und als die unglückselige Zeit endlich vorbei war, bin ich in der Nähe von Leipzig gewesen. Immer wieder habe ich versucht nach Hause zu kommen, aber ich durfte es nicht. Die Behörden der damaligen Regierung waren dagegen. Wenig später habe ich dann Theo, meinen Mann, kennen gelernt. Er kam aus dem Krieg wieder und hat fürchterliches Erlebt. Nachts ist er oft wach geworden und hat schreckliche Angst gehabt. Irgendwann sind wir dann nach Ungarn. Im ersten Winter sind wir bei Zigeunern untergekommen. Dort habe ich zum ersten Mal Herzenswärme und Menschlichkeit kennen gelernt. Während der langen Abende wurde Theo einmal gefragt wie lange wir schon verheiratet sind. Das waren wir aber noch nicht, weil wir beide keine Papiere hatten. Theo sagte das auch. Schon bald lief im dem kleinen Dorf das Gerücht um, das bald eine Hochzeit gefeiert wird. Theo und ich halfen bei den Vorbereitungen damit es für das Paar eine schöne Hochzeit gab. Da wir keine Kleidung hatten um an einer Hochzeit teilzunehmen, gab man uns Kleidung. Am Tag der Hochzeit zogen dann alle durchs Dorf. Wir waren in der ersten Reihe. Warum wussten wir damals noch nicht. So ging es zum Haus des Sippenchefs. Erst dort erfuhren wir, das wir beide das Hochzeitspaar waren und der Chef traute uns dann. Es war die schönste Hochzeit die ich mir vorstellen konnte. Leider wurde diese Heirat von keiner Behörde anerkannt. Trotzdem war es schön!“

Bei den letzten Worten fängt sie an zu weinen. Ich stand auf und nahm sie fest in den Arm. Nachdem sie sich beruhigt hat erzählt sie weiter, von ihrer Flucht aus Ungarn, die ein paar Wochen später erfolgen musste, weil die Behörden sie als unerwünschte Ausländer suchten, von ihrem Leben während der acht tägigen Flucht bis sie endlich über die Grenze nach Österreich gingen. Ihr Leben dort und wie sie endlich, nach Wochen, wieder in Deutschland ankamen. Doch dieses mal in Bayern! Sie erzählte von ihrem Leben entlang der Straße und wie glücklich sie mit ihrem Theo war, trotz der widrigen Umstände. Während sie am erzählen war, unterbreche ich sie nicht ein einziges Mal. Es scheint ihr gut zu tun, endlich einmal ihre Geschichte zu erzählen.

„Vor vier Jahren ist mein Theo dann ganz überraschend gestorben. Er lag als ich wach wurde neben mir und war gestorben. Ich weiß noch nicht einmal den Namen der Stadt in der er Beerdigt liegt. Ich habe nur ein Foto von der Kirche dort. Aber wie ich jemals dort wieder hin komme weiß ich auch nicht, weil ich nicht weiß wie die Ortschaft heißt. Also bin ich alleine weiter gezogen. Vor zwei Jahren liefen mir dann meine beiden Lieblinge zu und gingen mit mir mit. Als sie jetzt so Krank wurden habe ich überall gefragt ob mir jemand helfen kann, doch keiner machte es. Bis ich einen Freund von der Straße getroffen habe. Er sagte ich solle nach hier gehen. Schließlich sind es nur 130 Kilometer gewesen. Er malte mir dann auf einen Zettel auf, welche Straße ich nehmen musste und auch den Namen der Stadt. Leider habe ich den Zettel verloren, aber den Straßennamen habe ich mir merken können. Es war die Bundesstraße XXX! Und die bin ich nun seit 10 Tagen gelaufen um endlich hier an zu kommen. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben es jemals rechtzeitig zu schaffen. Ich bin Ihnen so dankbar!“

Wieder fing sie an zu weinen. Sie hatte so viel von ihren Geschwistern erzählt und auch von den Eltern, das in mir eine Idee heran wuchs. Denn der Geburtsort von ihr, war derselbe wie der Ort in dem Herberts Eltern wohnten. Ich griff zu einem Zettel und sagte zu ihr:
„ Ich bin Gerda und Du bist Fiehnchen! Lasse es dabei bleiben! OK? Du sagtest das Du in ccccccccccc geboren wurdest. Da wohnen meine Schwiegereltern. Ich werde die Fragen ob sie etwas herausfinden können über dein Eltern und deine Geschwister. Aber nun zeig mir erst einmal das Foto der Kirche und dann erzähle mir von deinen Geschwistern und deinen Eltern.“

Zuerst gab sie mir das Foto, welches eine Postkarte war und auf der Rückseite stand der Name der Stadt wo die Kirche steht. Also war das schon einmal geklärt. Auch zeigte sie mir ein Foto ihrer Eltern und Geschwister auf dem alle drauf waren und auch dieses nahm ich an mir. Dann erzählte sie von ihren Eltern und Geschwistern. Sie nannte mir die kompletten Namen, die Geburtsdaten der Geschwister und der Eltern und auch die alte Adresse wo sie geboren wurde.

Anschließend bat sie darum zu ihren Tieren gehen zu dürfen und ich stand auf, holte einen Sessel aus dem Aufenthaltsraum und stellte diesen in das Zimmer in dem ihre Tiere lagen. Noch einmal hörte ich die Tiere ab und da alles soweit in Ordnung war, ging ich nachdem ich Fiehnchen davon erzählt hatte, in mein Büro. Aber mir fiel noch eine Frage ein und ich ging nochmal zur Krankenstation. Dort hielt Bernd mich auf: „Sie schläft! Ich habe sie mit einer Wolldecke zu gedeckt. Das hat sie noch nicht einmal bemerkt.“ Ich bedankte mich bei Bernd und ging wieder zu meinem Büro.

Nachdenklich schaute ich auf den Zettel den ich dabei hatte, dann griff ich zum Telefon und rief Herbert an. Kurz schilderte ich ihm von Fiehnchen dann meinte er, das ich doch einfach seine Mutter anrufen soll denn die befindet sich schließlich im Stadtrat und könnte so mit Sicherheit einiges erfahren. Da ich nicht die Nummer aus der Praxis von Herberts Mutter hatte, gab er mir diese und ich sagte ihm noch, das es bei mir etwas später werden könnte, denn inzwischen war es nach 13.00 Uhr. Trotz ihres hohen Alters, praktizierten die beiden noch immer. Jedoch wollten sie bald aufhören, da sie einen Nachfolger für ihre Praxis gefunden hatten.

Da ich weiß, das Gerda, so heißt auch Herberts Mutter, immer Freitags keine Mittagspause in deren Praxis gemacht wird, hob ich den Hörer ab und wählte die Nummer. Nur einen kurzen Moment musste ich warten, dann wurde am anderen Ende abgenommen und die Helferin meldete sich. Ich nannte meinen Namen und aus welcher Stadt ich anrufe, damit diese nicht glaubte das sich jemand einen Scherz machte, denn Gerda und ich heißen schließlich genauso. Ich fragte nach Gerda und bekam sie auch sofort an den Apparat.

Kurz schilderte ich die Geschichte von Fiehnchen und bat darum, doch einmal in den Akten der Stadt nach zu sehen ob etwas über die Familie bekannt ist. Sie sagte sofort zu und fragte nach den Namen der Familie. Als ich diesen nannte fragte sie noch dreimal nach ob sie sich nicht verhört hatte. Dann fragte sie nach den Namen der Geschwister und als ich den ersten genannt hatte sagte sie: „Gleich habe ich einen Patienten der genau diesen Namen trägt. Nenne mir bitte alle Namen und ich werde ihn dann gleich fragen, ob es dieselben Personen sind.“ Ich nannte die anderen Namen und auch die Geburtsdaten. Auch die Namen der Eltern und deren Daten gab ich Gerda. Anschließend sagte sie: „Du weißt ja, das wir in einer kleinen Ortschaft leben. Hier bei uns in der Stadt sind wir die einzigen Zahnärzte. Und alle Namen die Du nanntest sind unsere Patienten. Naja, die Eltern von Fiehnchen lassen wir mal außen vor. Aber auch die waren mal unsere Patienten bevor sie dann ein Gebiss bekamen. Ich melde mich nachher wieder. Bis dann Gerda!“

Ich wünschte noch Grüße an Walter und das wir uns ja heute Abend sehen werden, obwohl ich schon wusste, das daraus wohl nichts werden kann, dann legte ich auf. Noch einmal rief ich bei Herbert an und erzählte ihm, was ich bisher erfahren hatte. Auch sagte ich ihm, das es wohl nichts mit der Fahrt wird, worauf er antwortete: „Das habe ich mir schon gedacht! Mach dir darum keine Sorgen! Wir fahren eben ein anderes Mal.“ Dann beendeten wir unser Gespräch und ich ging noch einmal zur Krankenstation. Doch Fiehnchen war immer noch am schlafen und ich ließ sie auch. Ich ging zurück zum Büro und wartete auf den Anruf von Gerda.

Etwa eine Stunde später klingelte mein Telefon und als ich abnahm war Gerda am Apparat. „Hallo, meine Lieblingsschwiegertochter! Moment ich gebe dir mal eben Herrn Aaron Wwwwwwwwww!“ Ich konnte hören wie sie kurz mit einem Mann sprach, dann meldete sich dieser am Telefon. „Ja Hallo Frau Xxxxxxxxxxxx! Ihre Schwiegermutter erzählte mir gerade das jemand bei ihnen ist, den wir vielleicht kennen. Wer ist es denn?“
Ich erzählte noch einmal alles, was mir Fiehnchen gesagt hatte, auch nannte ich die Daten die ich von ihr bekommen hatte. Als ich von dem altem Foto erzählte bat er mich darum die Personen darauf zu beschreiben, was natürlich nicht einfach war, weil das Foto schon so alt war. Aber ich beschrieb die Personen auf dem Foto so gut es ging.

Es war nach meiner Beschreibung einen Augenblick ruhig am Telefon, dann ertönte wieder die Stimme des Mannes, ich hörte das er mehrmals heftig schlucken musste: „Das muss Fiehnchen sein. Als damals alles vorbei war, haben wir sie gesucht. Doch ihre Spur verlor sich auf dem zweiten Bauernhof. Wir dachten alle, das sie ums Leben gekommen ist. Das muss ich sofort meinen Eltern erzählen und meinen Geschwistern. Wenn Sie nichts dagegen haben, rufe ich Sie heute Abend wieder an. Die Nummer von Ihnen zu Hause hat mir Gerda schon gegeben. Recht herzlichen Dank!“

Ende Teil I
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Damit gab er den Hörer an Gerda weiter und ich unterhielt mich noch einige Zeit mit ihr. Dabei sagte ich ihr auch, das es mit dem Besuch wohl nichts wird, was sie auch verstand. Dann meinte sie: „Weißt Du was Gerda? Wir kommen einfach zu euch. Machst Du bitte ein Zimmer im Hotel klar.“

Nach dem Telefonat rief ich im Hotel an und bestellte ein Zimmer für Herberts Eltern. Ihm sagte ich noch nichts, denn ich hielt das jetzt für eine gute Überraschung für ihn. Ich rief ihn an und sagte ihm, das aus unserer Fahrt nichts wird, da ich mich um Fiehnchen kümmern muss und er verstand das auch und sagte: „Ist nicht weiter schlimm! Dann fahren wir eben beim nächsten Mal. Ich rufe gleich an und informiere meine Mutter.“ Daraufhin sagte ich ihm das sie schon davon weiß und wir beendeten das Gespräch. Später bin ich noch einmal zur Krankenstation gegangen, doch Fiehnchen war immer noch am Schlafen. Ich ließ sie und verabredete mit dem Nachtpersonal, das ich sofort informiert werde wenn Fiehnchen wieder wach wird. Dann fuhr ich nach Hause.

Gegen 20.00 Uhr klingelte das Telefon zu Hause und als ich abnahm war es wieder der Bruder von Fiehnchen. Er fragte mich, ob ich ein Hotel empfehlen kann, da er und die Familie morgen kommen wollten. Ich fragte ihn nun wie viele Personen denn kommen und er antwortete das sie 23 Personen sind. Nun musste ich erst einmal überlegen dann sagte ich ihm, das ich mich gleich wieder bei ihm melde und er mir seine Telefonnummer geben soll. Die bekam ich auch und ich beendete das Gespräch.

Dann rief ich einen guten Freund an, der ein Hotel betreibt. Ich weiß das er auch noch neben dem Hotel ein Gästehaus hat, was aber noch nicht in Betrieb genommen wurde. Nachdem er den Hörer vom Telefon abgenommen hatte, schilderte ich ihm kurz den Sachverhalt und er sagte: „Natürlich mache ich gleich Morgen das Gästehaus soweit fertig. Was sagtest Du eben? Die haben sich seit über 50 Jahren nicht mehr gesehen. Mir kommt eine Idee! Morgen findet bei uns das jährliche Treffen der jüdischen Gemeinde aus unserem Ort statt. Das wäre doch eine gute Möglichkeit die Familie wieder zusammen zu bringen.“
Auch ich finde diese Idee gut und wir bereden noch einige Zeit das Vorhaben. Dann verabschiede ich mich und rufe wieder Fiehnchens Bruder an. Auch ihm erzähle ich von der Idee und er findet das hervorragend. Auch bedankt er sich bei mir, das ich die Zimmer schon gestellt habe, dann reden wir noch etwas zusammen und er legt anschließend auf.

Als es um 22.30 Uhr an der Haustür klingelt, schaut mich Herbert erstaunt an und will wissen ob ich heute noch zu einem Einsatz muss, was ich verneine. Daraufhin geht er zur Tür und kurz darauf kann ich seine Eltern hören. Diese kommen auch bald ins Wohnzimmer wo ich die beiden auch begrüße dann sitzen wir noch etwa zwei Stunden zusammen und reden über Fiehnchen.

Am nächsten Morgen fahren Herbert und ich zum Tierheim. Auch Gerda und Walter fahren mit ihrem PKW hinterher. Dort angekommen finde ich Fiehnchen im Aufenthaltsraum wo sie gerade einen Kaffee trinkt. Ich begrüße sie und stelle ihnen Herbert und dessen Eltern vor. Nochmal will sich Fiehnchen bedanken, doch ich unterbreche sie sofort, denn für mich ist das selbst verständlich.

Kurz darauf fahren Walter, Gerda und Fiehnchen mit dem PKW davon. Sie wollen in die Stadt um Fiehnchen etwas neues zum Ankleiden zu kaufen. Gleich darauf fahren Herbert und ich zum Hotel um noch den genauen Ablauf ab zu sprechen. Dann fahren wir beide wieder nach Hause.

Am frühen Nachmittag klingelt es an unsere Haustür und als ich öffne steht eine Frau vor mir, die ich fast nicht wieder erkannt hätte. Aber an ihrem Lächeln habe ich sie erkannt. Es ist Fiehnchen!
Herberts Eltern waren mit ihr beim Friseur und sie wurde auch vollkommen neu eingekleidet. Wir haben uns dann alle bei uns ins Wohnzimmer gesetzt um Kaffee zu trinken und natürlich habe ich von der Feier im Hotel erzählt. Natürlich ohne den Bruder zu erwähnen. Dieser war inzwischen im Hotel angekommen. Zusammen mit seiner Schwester und seinen drei Brüdern und deren Angehörigen. Aber auch die Eltern von Fiehnchen waren mit dabei. Also lebte die ganze Familie von Fiehnchen noch und freute sich auf das Wiedersehen. Mit dem Hotelbesitzer war inzwischen alles abgesprochen und nun warteten wir auf den Abend.

Um kurz vor sieben Uhr am Abend fahren wir dann zum Hotel. Wir das sind Herberts Eltern, Fiehnchen, Herbert und ich. Als wir dort ankommen ist der Parkplatz sehr voll. Zusammen gehen wir in den Saal wo etwa 100 Leute sitzen. Nachdem wir uns gesetzt haben, hält der Vorsitzende der jüdischen Gemeinschaft eine kurze Rede, wobei auch Fiehnchen begrüßt wird. Dann kommt das Essen, wobei alle außer Herbert, seine Eltern und ich ein besonderes Essen bekommen. Nur bei uns macht man eine Ausnahme. Fiehnchen blüht richtig auf in dieser Gesellschaft. Da sie neben mir sitzt, greift sie öfters nach meiner Hand um diese zu drücken.

Dann betritt der Vorsitzende wieder die kleine Bühne und hält noch einmal eine Rede, wobei er nun uns vier Begrüßt. Dann bittet er mich, wir hatten es so abgesprochen, auf die Bühne. Da ich immer aus dem Stehgreif rede, stellte ich mich zunächst vor um anschließend Fiehnchens Geschichte in sehr kurzen Worten schilderte.
Dann wandte ich mich direkt an Fiehnchen: „Liebe Fiehnchen! Vor langer Zeit hast Du deine Familie verloren und nicht wieder gefunden. Ich habe Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt um dir ein bisschen zu helfen. Zunächst zu deinem Theo: Sein Grab haben wir gefunden, doch waren wir sehr erstaunt, das er inzwischen umgebettet wurde und auf einem anderen Teil des Friedhofes liegt. Denn er hatte eine Schwester und die arbeitete genau an der richtigen Stelle und als sie den Namen von ihm gelesen hat, wusste sie das es ihr Bruder ist und ließ ihn verlegen. Nun hat dein Theo kein Anonymes Grab mehr sondern ein richtiges mit Stein. Aber noch etwas anderes haben wir gefunden über das ich sehr froh bin. Hier kommen nun fünf Personen die sich freuen dich wieder zu sehen. Deine Schwester und deine vier Brüder!"

Während ich die kleine Rede hielt, fasste sich Fiehnchen mehrmals an die Brust, besonders als ich die Geschwister erwähnte. Sie konnte es nicht fassen als diese nun die Bühne betraten. Sie brach in Tränen aus und auch die Geschwister konnten die Tränen nicht zurück halten. Beifall brandete auf und obwohl ich noch nicht fertig war mit meiner Rede, musste ich eine Pause einlegen.

In dieser Zeit ging ich hinter die Bühne um Fiehnchens Eltern zu treffen. Die beiden saßen in Rollstühlen, was auch kein Wunder war denn die beiden sind fast 100 Jahre alt, und die Mutter sagte zu mir: „Vielen Dank, das Sie mir mein Mädchen wieder gegeben haben. Sie sieht genauso aus wie ich vor 30 Jahren.“ Dann drückten mir beide die Hand und ich ging nach einem kurzen Gespräch, bei dem ich einige Fragen stelle, wieder nach vorn.

Ich konnte nun meine Rede weiter halten und sagte: „Fiehnchen! Vor über 50 Jahren gaben dir deine Eltern ein Versprechen. Und zwar wollten sie dich wieder abholen, wenn alles vorbei ist. Erst dann bliebst Du auf dem Bauernhof. Hier und heute kann ich dir sagen, das alles vorbei ist und deine Eltern nun ihr Versprechen von damals einlösen werden. Fiehnchen, deine Eltern!“

Fiehnchen schlug die Hände zusammen und dann kamen die Eltern auf die Bühne. Ein wahrer Beifallssturm fing an und ich verließ die Bühne um zu meinem Stuhl zu gehen. Viele Hände musste ich auf dem Weg dorthin schütteln und mir wurde von wildfremden Menschen auf die Schulter geklopft.
Während Fiehnchen nun mit ihrer Familie beschäftigt war, redeten Herbert, die Eltern von ihm und ich zusammen. Dann kam Fiehnchen zu unserem Tisch. Ich stand auf und sie legte mir die Hände auf die Schulter. Dabei schaute sie mich an, aber sie konnte kein Wort hervor bringen. Alle Dankbarkeit der Welt lag in ihrem Blick.

Noch lange wurde gefeiert und erst weit nach Mitternacht sind Herbert und ich wieder nach Hause gekommen. Am Morgen bin ich ins Tierheim um nach den beiden Tieren zu sehen. Denen ging es schon etwas besser, aber noch waren sie nicht über den Berg. Aber es sah sehr gut aus. Als Fiehnchen später mit ihrem Bruder Aaron kam, erklärte ich ihr was die Tiere haben und das sie noch hier bleiben müssen. Auch versprach ich, wenn sie mit ihrer Familie nach Hause fährt die beiden sobald es geht nach zu bringen.

Am folgenden Morgen fuhr die Familie zusammen mit Fienchen wieder nach Hause. Nicht ohne sich noch einmal bei mir zu bedanken. Vier Wochen später fuhren Herbert und ich zu seinen Eltern. Natürlich hatten wir die beiden Tiere mitgenommen und brachten diese zu Fiehnchen. Zwar mussten die Tiere für den Rest des Lebens Medikamente zu sich nehmen, aber das war nun kein Problem mehr. Aaron übernahm die gesamten Kosten und hatte Fiehnchen auch schon eine Wohnung in einer sehr schönen Umgebung besorgt. Von dort war es nicht sehr weit zu ihren Familienmitgliedern, denn alle wohnten dicht zusammen. Am selben Abend gab es eine Dankesfeier für mich. Dabei lernte ich die gesamte Familie von Fiehnchen kennen.
Noch sehr oft sind wir am Telefonieren und immer wenn wir zu meinen Schwiegereltern fahren, besuchen wir Fienchen.
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Nachtrag: Als ich diese Geschichte zum ersten mal gelesen habe, in Gerdas Aufzeichnungen, habe ich natürlich sofort Gerda angerufen. Das war im Oktober 2014. Doch sie bestätigte mir die Zeilen und gab mir auch von Aaron die Telefonnummer. Im übrigen sind die Namen Aaron und Fiehnchen echt! Die Geschichte wurde von mir aber erst Anfang Februar geschrieben und als ich diese Geschichte nun hier veröffentlichen wollte, das war vor zwei Wochen, kam mir der Gedanke doch einmal bei Aaron anzurufen. Ihm schilderte ich alles von Gerda und mir und er fand es eine gute Idee darüber zu schreiben. Jedoch wollte er erst Fiehnchen fragen ob sie auch dazu bereit ist.

Ein paar Tage später sahen wir uns zum ersten Mal auf Sk… und ich schilderte nun auch Fiehnchen die Geschichte wie ich sie bisher geschrieben hatte. Auch sagte ich ihr, das Gerda schon nicht mehr unter uns weilt. Das wusste sie bisher gar nicht, sie hatte sich nur gewundert das Gerda sie nicht mehr anrief. Sie bat nun darum ihr doch die Geschichte zu zusenden, damit Aaron ihr diese vorlesen kann, was ich auch machte. Zwar war es der Anschluss von einem der Söhne von Aaron, aber das war mir egal.

Schon am selben Abend haben wir uns per Sk… wieder gesehen und nun schilderte mir Fiehnchen, sie betonte das „h“ in der Mitte, ihre Geschichte. Natürlich schrieb ich alles mit (auf mehreren Schmierzetteln per Hand) Darum auch die gesprochenen Worte im Text, soweit es sie betraf. Noch am selben Abend bin ich angefangen die Geschichte umzuschreiben. Aus drei Seiten wurden nun eben acht Seiten. Natürlich ist die Erzählung von ihr, der Aufenthalt und die Flucht aus Ungarn, noch viel ausführlicher. Alleine dieser Teil würde über mehrere Seiten gehen. Aber auch alles andere beschrieb sie genau. Ich glaube aus ihrer Geschichte könnte man, also ich, ein eigenes Drehbuch schreiben so spannend ist ihre Darstellung der ganzen Geschichte von ihr. Ich habe in dieser Geschichte nur das wichtigste wieder gegeben um über Fiehnchen zu berichten. Darum auch der lange Text. Natürlich habe ich die Geschichte wie sie jetzt hier steht von Fiehnchen bzw. ihrem Bruder vor der Veröffentlichung hier vorab lesen lassen. Fiehnchen bestätigte mir, das alles so abgelaufen ist, wie es in der Kurzfassung steht.

Natürlich kenne ich inzwischen auch ihr ganzes Leben, aber um das alles nieder zu schreiben um es hier zu veröffentlichen würde doch den Rahmen des Forums sprengen.

Gruß Helmut
Der auch ein paar Tränen nicht zurück halten konnte bei Fiehnchens Lebensgeschichte.
 
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