Bitte Taschentücher bereit halten!
Mädchen, ike könnte dir Knutschen oder Hugo der Streuner
Wer von unserem Tierheim erzählt muss auch von Hugo erzählen.
Es ist zwar schon Frühling, aber die Sonne hat noch nicht die richtige Kraft um für Wärme zu sorgen.
Kurz nach dem Frühstück sitze ich in meinem neuen Büro und schaue zum Tor unseres Tierheim.
Ich bemerke dort einen Mann der immer wieder nach der Klinke des Tores greift, aber bevor das Tor sich öffnet, zieht er die Hand wieder zurück. Auch nach 15 Minuten war er noch da. Immer wieder griff er zum Türöffner, aber er schien sich nicht zu trauen.
Ich ging zum Tor um ihn zu fragen was er wollte. Als ich näher kam, sah ich, dass es bei diesem Mann sich wohl um einen Landstreicher handelte.
Ich fragte ob ich ihm helfen Könne. Und dann staunte ich. Denn er stellte sich zunächst vor.
Sei Name sei Hugo, sagte er und seine Katze sei krank. Er wäre schon bei drei Tierärzten gewesen, aber ohne Bezahlung wollten sie seiner Katze nicht helfen. Dann habe er von einem anderen Landstreicher gehört, der ihm von diesem Tierheim hier erzählte. Seinem Hund wurde damals geholfen. Nach zwei Tagen sei er nun hier angekommen.
Ich fragte ihn was denn seine Katze habe. Er erzählte seine Katze wäre immer am Husten, schien auch Fieber zu haben und ganz verklebte Augen. Er habe große Angst, dass seine Katze sterben müsse. Ich fragte, wo ist denn die Katze, denn ich sah keine. Er ging zu seinem Fahrrad und dann sah ich das arme Tier in einem Karton der auf dem Gepäckträger festgemacht war. Es lag unter einer Decke, nur der Kopf schaute hervor. Die Augen verklebt und sie war ganz schwer am Atmen.
Sofort sagte ich zu Hugo: „Kommen sie! Nehmen Sie ihr Fahrrad mit!“ Zusammen gingen wir zum Katzenhaus, wo wir auch einen Behandlungsraum haben. Dort angekommen nahm Hugo den Karton und ging mit mir zusammen ins Behandlungszimmer.
Dort angekommen bat ich eine Mitarbeiterin den Tierarzt zu verständigen. Da ich neben der Ausbildung zur Tierpflegerin auch eine Ausbildung zur Tierarzthelferin habe, untersuchte ich die Katze. Beim Abhören merkte ich, das sie entweder Asthma hatte oder etwas anderes mit ihrer Lunge nicht in Ordnung war. Zudem hatte sie Fieber. Ich verstand nicht, warum keiner der anderen Tierärzte diesem armen Tier geholfen hatte.
Aber hier werden wir helfen!
Die Mitarbeiterin betrat den Behandlungsraum und sagte dass der Tierarzt in ungefähr 30 Minuten da sei. Vorher ginge es nicht. Er sei gerade am Operieren.
Hugo, der Landstreicher, wollte etwas sagen. Aber er traute sich nicht. Da er ein bisschen streng roch, dachte ich mir schon was er wollte. Ich fragte ihn ob er Duschen wolle. Erstaunt sah er mich an. Er merkte, dass ich seine Gedanken erraten hatte. Dann willigte er zu. Ich zeigte ihm den Duschraum und er holte von seinem Rad sein Duschzeug. Nun war ich erstaunt, weil er so was besitzt.
Er sah mich nur an und ging wortlos zum Duschraum.
Hugo war gerade im Duschraum verschwunden als der Tierarzt hereinkam. Er hatte die Op durch seinen Sohn, der auch Tierarzt ist und mit in der Praxis arbeitet, machen lassen. Er wusste, dass wenn wir anrufen es immer dringend ist.
Zusammen betraten wir den Behandlungsraum wo noch immer die Katze in ihrem Karton lag. Schnell untersuchte der Tierarzt die Katze. Dann meinte er, er müsse die Katze mitnehmen in seine Praxis. Dort könne er ihr besser helfen. Es sieht aber schlecht aus, meinte er noch. Dann nahm er den Karton und ging schnell zu seinem Wagen um in seine Praxis zu fahren.
Während ich auf Hugo wartete, setzte ich Kaffee auf und machte ein paar Brötchen fertig.
Nach 20 Minuten betrat ein Mann den Raum, den ich zunächst nicht erkannte. Aber es war Hugo!
Er hatte geduscht und seinen 10 Tage Bart entfernt. Auch hatte er saubere Sachen angezogen.
Er fragte wo seine Katze ist und ich sagte ihm dass der Tierarzt schon da gewesen ist und sie sofort in seine Praxis mitgenommen habe. Aber sobald der Tierarzt fertig ist mit der Untersuchung und der Behandlung würde er sofort herkommen.
Hugo setzte sich an den Tisch und ich goss ihm eine Tasse Kaffee ein und reichte ihm die Brötchen.
Er meinte, dass er das schon lange nicht mehr gegessen und getrunken habe.
Dann erzählte er seine Geschichte:
„Vor acht Jahren war ich noch ein erfolgreicher Unternehmer. Hatte eine Frau, ein eigenes Haus, einen richtig guten Sportwagen und fuhr Jährlich zusammen mit meiner Frau auf die Bahamas in Urlaub. Dann verließ sie mich von heute auf morgen. Da bin ich angefangen zu Trinken. Habe mich nicht mehr um meinen Betrieb gekümmert. Nach einem Jahr war alles weg und ich saß auf der Straße. Außer einem Anzug und etwas Bekleidung habe ich nichts mehr gehabt. Das Fahrrad habe ich geschenkt bekommen. Seit dem lebe ich auf der Straße. Leider bekommt man nirgends einen Arbeitsplatz ohne feste Adresse. Und die habe ich nun mal nicht.“
Ich fragte ihn wie er zu der Katze gekommen ist.
„Eines Nachts, vor zwei Jahren, lag ich in einer etwas abseits gelegenen Scheune, ich hatte den Bauern vorher gefragt, unter meinem Schlafsack. Als ich etwas an meinen Beinen Bemerkte. Ich dachte an eine Ratte. Als ich jedoch nachschaute lag da Streuner. So hab ich die Katze genannt. Seitdem sind wir zusammen. Von dem Geld das ich bei den Ämtern bekomme, gebe ich einen großen Teil für das Futter von Streuner aus. Meistens reicht das Geld für 3 Wochen. Bei dem Bauern, wo Streuner mir zugelaufen ist, habe ich am nächsten Morgen vor der Scheune ein paar Konserven gefunden. Dadurch war ich in der Lage mehr Futter für Streuner zu Kaufen. Mit den Konserven bin ich fast zwei Wochen ausgekommen! Dann wurde Streuner vor drei Tagen so Krank. Seitdem habe ich kaum geschlafen. Bin von einem Tierarzt zum anderen gegangen. Aber alle wollten Geld sehen. Nur das habe ich nicht. Bis ich Alex, ein Bekannter, getroffen habe. Der sagte mir, das hier im Tierheim keiner abgewiesen wird der mit einem kranken Tier ankommt und um Hilfe bittet. Seit zwei Tagen bin ich nun nach hier unterwegs gewesen. In der Zeit habe ich kaum geschlafen. Nur immer Laufen, Laufen. Denn mein Rad ist kaputt, ich kann damit nicht mehr fahren. Aber meinen Besitz und Streuner konnte ich darauf transportieren. Ja, und nun bin ich hier!“
Als er so erzählte war ich mehrmals den Tränen nah. Ein verwegener Gedanke kam mir. Den beiden muss geholfen werden.
Ich meinte noch: „Zwei Streuner haben sich getroffen!“
Beide waren wir noch am Lachen als der Tierarzt den Raum betrat.
Sofort wollte Hugo wissen was denn mit seinem Streuner ist. Der Tierarzt meinte: „Schwere Lungen Entzündung. Wasser in der Brust. Auf beiden Augen eine Bindehaut Entzündung. Die Katze muss mindestens zwei Wochen bei mir in der Krankenstation bleiben.“
Hugo stand auf und meinte:“ Kümmern Sie sich bitte um Streuner und vermitteln ihn gut in eine liebevolle Familie.“
Als er das sagte, standen ihm Tränen in den Augen. Schnell drehte er sich um und wollte den Raum verlassen.
„Stop, Hugo“ sagte ich „wo wollen sie denn hin?“
„Gehen“ sagte Hugo „ vermitteln Sie das kleine Kätzchen. Dann bekommen Sie wenigstens etwas Geld für die Behandlung zurück. Ich habe nichts um das alles zu bezahlen!“
„Doch, Sie haben etwas, womit Sie bezahlen können!“ sagte ich.
Hugo sah mich erstaunt an und sagte: „Was denn? Vielleicht mein kaputtes Rad, oder meinen Anzug, den ich immer noch habe?“
„Nein“ sagte ich „nichts Materielles. Sondern die Liebe zu Ihrem Streuner. Darum bleiben Sie hier!“
Und dann erklärte ich ihm, dass er für die Behandlung seines Streuners hier im Tierheim arbeiten könne. Unterkunft könne er hier im Tierheim haben und Essen würde er auch bekommen. Hugo war einverstanden und ich zeigte ihm dann im Beisein des Tierarzt wo er Schlafen könnte. Am nächsten Tag könne er dann anfangen. Jetzt solle er erst mal seinen Streuner besuchen gehen. Nachdem der Tierarzt ihm erklärt hatte wohin er gehen solle, machte sich Hugo sofort auf den Weg.
Ich erklärte, nachdem Hugo weg war, dem Tierarzt erst mal was ich vorhatte. Der Tierarzt war begeistert von meinem Plan. Er wolle mich dabei auf jeden Fall unterstützen.
So blieb Hugo erst mal bei uns und befreite das Tierheim-Gelände von den Spuren des letzten Winters.
Auch den Garten des Tierarzt bearbeitete er. Zweimal half er auch in der Praxis beim Tierarzt aus.
Irgendwann in den zwei Wochen erfuhren wir dass Hugo früher einen eigenen Landschaftsbau Betrieb hatte. Er war Gärtnermeister!
Nach zwei Wochen kam Streuner aus der Praxis zurück in das Tierheim. Er war zwar über dem Berg aber noch nicht ganz bei Kräften. Somit kam er dann auf unsere Krankenstation hier im Tierheim.
Weitere 2 Wochen später war Streuner dann wieder ganz Fit und er konnte die Krankenstation verlassen.
Während der ganzen 4 Wochen war Hugo jeden Tag für ein paar Stunden bei seiner Katze.
Da Streuner nun wieder gesund war, trafen Hugo, der Tierarzt und ich uns in meinem Büro.
Dort fragte ich Hugo ob er eine feste Wohnadresse haben wolle. Er meinte natürlich „Ja“.
Ich erklärte ihm daraufhin was der Tierarzt und ich uns überlegt hatten. Hugo bekäme hier im Tierheim eine Halbtags Anstellung, mehr sei nicht drin, und beim Tierarzt ebenfalls eine Halbtags Anstellung. Hier im Tierheim müsste er sich um das Gelände des Tierheim kümmern und beim Tierarzt würde er in Tierpflege eingewiesen, so dass er in naher Zukunft die Krankenstation hier im Tierheim übernehmen könne. Streuner könne dann immer wenn er Arbeitete hier im Tierheim sein.
Hugo war sofort einverstanden damit. Dann sagte er einen Satz den ich nie vergessen werde:
„Mädchen, ike könnte dir knutschen!“
Und so blieb Hugo bei uns. Schon bald bezog er eine eigene kleine Wohnung in unserer Nähe. Nach Feierabend nahm er dann immer Streuner mit nach Hause und brachte ihn morgens wieder mit. Nie hat er einen Tropfen Alkohol getrunken. Auch nicht bei irgendeiner Feier die hier im Tierheim war. Er sagte immer, dass er in dem einem Jahr als er alles verloren habe, für die nächsten hundert Jahre genug getrunken habe.
Hugo übernahm bald die Krankenstation bei uns im Tierheim und er wurde vom Tierarzt ganztags eingestellt. Trotzdem kümmerte er sich weiter um das Tierheim Gelände.
Fünf Jahre später starb Streuner und Hugo begrub ihn auf unserem kleinen Tierfriedhof, den er angelegt hatte. Auch Streuner bekam einen Gedenkstein. Dann errichtete Hugo eine kleine Mauer um unseren Tierfriedhof.
Hugo wollte keine andere Katze. Er sagte immer: „Ich habe hier genug Katzen. Zuhause brauche ich keine.“
Während Hugo Urlaub hatte, fuhr er nur einmal weg zu seiner Schwester nach Berlin. Ansonsten verbrachte er seinen Urlaub in seiner neuen Heimatstadt.
7Jahre später erkrankte Hugo sehr schwer, so das er seine Arbeit nicht mehr machen konnte. Alle Mitarbeiter einschließlich Tierarzt und mir besuchten ihn des Öfteren im Krankenhaus. Immer war Hugo gut drauf. Obwohl es ihm sehr schlecht ging. Dann kam noch ein Schlaganfall dazu, der ihn an den Rollstuhl fesselte. Doch Hugo gab nicht auf. Fast jeden Tag kam er mit seinem Rollstuhl zu uns ins Tierheim.
Wir fingen an Geld zu sammeln. Auch während der Besuchstage baten wir um Spenden für Hugo. Schon bald konnten wir für Hugo einen gut gebrauchten Elektro- Rollstuhl kaufen. Somit hatte Hugo es leichter uns zu besuchen. Den mit seinem normalen Rollstuhl war es doch ein schweres Stück Arbeit immer zu uns zu kommen.
2 Jahre später verstarb Hugo. Bei seiner Beerdigung waren alle Leute aus dem Tierheim anwesend. Aber auch einige Landstreicher waren da. Die Kosten für die Beerdigung übernahm der Tierarzt. Auch der Gedenkstein wurde von ihm bezahlt.
Zwei Wochen nach der Bestattung lag ein Brief von einer Anwaltskanzlei aus Berlin in der Post. Darin wurde gebeten am übernächsten Freitag eine Versammlung der Belegschaft des Tierheim einzuberufen. Auch der Tierarzt sollte dabei sein.
Einen Tag bevor die Versammlung stattfinden sollte trafen wir uns, soweit abkömmlich, auf unserem Kleinen Tierfriedhof. In einer kleinen Feierstunde wollten wir eine Gedenktafel für Hugo an der Mauer befestigen. Auch sollte der Tierfriedhof nach Hugo benannt werden.
Die kleine Feierstunde war kurz vor ihrem Ende, als ich eine elegant angezogene Frau am Eingang zum Tierfriedhof bemerkte. Da ich in ein paar Minuten eine kleine Rede halten sollte, machte ich den Tierarzt auf die Frau aufmerksam. Er meinte nur: „Die steht da schon seit 10 Minuten. Soll warten!“
Nach dem Ende der kleinen Feierstunde ging ich zu der Frau. Sie stellte sich vor und sagte das sie die Anwältin sei die sich angesagt hatte. Ich sagte dass die Versammlung doch erst für morgen angesagt ist. Daraufhin sagte sie:“ Mein Bruder hat so von Ihrem Tierheim geschwärmt, da wollte ich mir erst mal selbst ein Bild machen. Er hatte recht mit allem was er sagte. Ich bin ehrlich gesagt überrascht was ich hier vorfinde. Damit hatte ich nie und nimmer gerechnet!“ Sie schwärmte dann noch davon, dass das Außengelände des Tierheim seine Handschrift trägt. Wie in seinen besten Tagen als er noch seinen Betrieb hatte. Wir unterhielten uns noch fast 2 Stunden und auch der Tierarzt kam dazu. Als sie ging meinte sie noch: „Nie hätte Hugo damit gerechnet, das einmal ein Friedhof, wenn auch für Tiere, nach ihm benannt würde. Auch das er eine Gedenktafel bekommt hat sogar mich überrascht.“
Mit keinem Wort erwähnte sie, was bei der Versammlung morgen geschehen sollte. Dann ging sie und fuhr zu ihrem Hotel.
Am Freitagnachmittag war die ganze Belegschaft des Tierheim im großen Raum versammelt. Hugos Schwester war Anwältin und stellte sich zunächst vor. Sie erwähnte, dass sie das Testament von Hugo habe, ein Schreiben an die Belegschaft und ein Schreiben das an mich und den Tierarzt gerichtet ist.
Das Testament wurde am Todestag von Hugo verfasst. Geschrieben hatte es eine Krankenschwester, da Hugo das nicht mehr konnte. Als Zeugen hatte eine weitere Krankenschwester, sowie eine Schwester Oberin und der Oberarzt des KH unterschrieben.
Aus dem Testament, welches die Anwältin verlas, ging hervor das Hugo uns seine gesamten Ersparnisse die er in den 14 Jahren die er hier bei uns im Tierheim war, hinterließ. Immerhin 17834,27 DM.
Wörtlich stand in dem Testament: „ Meine Ersparnisse sind für das Tierheim. Speziell für die Krankenstation. Hiermit sollen die vierbeinigen Streuner die mit ihren zweibeinigen Streunern zum Tierheim kommen geholfen werden.“ Des Weiteren hieß es, dass sein Mobiliar an bedürftige Personen verteilt werden solle. Spontan brandete Beifall auf. Alle waren begeistert. Danach verlas die Anwältin den Brief an die Belegschaft. Hugo wollte es so. Aus dem Schreiben ging hervor, das sich Hugo hier im Tierheim sehr wohl gefühlt hat. Er bedankte sich mehrmals bei allen für ihre Freundlichkeit als er hier anfing. Er habe unter allen Beschäftigten nur Freunde gefunden. Auch bedankte er sich dafür, das, nachdem er im Rollstuhl saß und er wie so oft hier im Tierheim war, ihm immer irgendeiner seiner Freunde nach Hause gebracht habe.
(Dieser Brief wurde später in einem Rahmen hier im großen Raum aufgehängt.)
Dann verlas die Anwältin den Brief an mich und den Tierarzt.
„Liebe Gerda,
lieber Hubert,
wenn dieser Brief von meiner Schwester verlesen wird, sitze ich schon zusammen mit meinem Kater Streuner im Regenbogenland. Beide werden wir auf euer Tierheim heruntersehen und von der guten Zeit bei euch erzählen.
Es heißt zwar immer Ladys First, jedoch möchte ich zunächst meine Worte an dich mein Freund Hubert richten. Vor meiner Zeit hier im Tierheim musstest du 3 bis 4 Streuner im Jahr, die hier ins Tierheim kamen, behandeln. In den 14 Jahren die ich in unserem Tierheim war, sind es über 200 gewesen. Das ist meine Schuld. Nachdem Streuner gestorben war, bin ich oft nach Feierabend zu den Plätzen gegangen an dem sich die zweibeinigen Streuner getroffen haben. Schließlich kenne ich die Plätze ja. Dort habe ich immer von unserem Tierheim erzählt. Daher die vielen Besuche. Ich möchte mich, auch im Namen meiner Streuner Kollegen, bei dir bedanken.
Liebe Gerda, ich bin dir unendlich Dankbar was du für Streuner und für mich getan hast. Bei euch im Tierheim habe ich die schönsten 14 Jahre meines Lebens verbracht. Du, aber auch alle anderen, hast mich nie als Landstreicher gesehen. Du nanntest mich Streuner. Auch meine Kollegen von der Straße waren für dich Streuner. Immer habt ihr mich unterstützt. Besonders du Gerda. Sei es das du mir eine Anstellung besorgt hast, oder meine Wohnung. Alles ging von dir aus! Auch als Streuner starb hast du mir beigestanden. Du hast mir vom Regenbogenland erzählt. Wie schön es dort ist, das keiner der dort lebt, leiden muss. Ich habe es dir geglaubt und mich damit getröstet. Auch jetzt, so kurz vor meinem Gang über die Regenbogenbrücke, glaube ich ganz fest daran das Streuner mich an der Brücke abholt und wir beide wieder vereint sein werden. Auch hast du dafür gesorgt das ich wieder mit meiner Schwester in Kontakt trete. Als ich sie besuchte, bin ich auch dort zu diversen Plätzen gegangen und hab mich mit meinen Streuner Kollegen unterhalten. Auch dort hab ich von deinem Tierheim erzählt. Ich weiß, irgendwann in ferner Zukunft sehen wir uns wieder. Vielen, vielen Dank an dich Gerda und all die anderen.
Mädchen, ike könnte dir Knutschen!“
(Diesen Brief habe ich zuhause bei mir im Wohnzimmer in einem Bilderrahmen aufgehängt)
Nachdem die Anwältin den Brief verlesen hatte, war es minutenlang still in dem Raum. Dann standen alle auf und Beifall brandete auf. Damit war die Versammlung beendet und alle gingen wieder an ihre Arbeit oder fuhren nach Hause. Der Tierarzt, die Anwältin und ich saßen noch mehrere Stunden zusammen, bis auch wir nach Hause bzw. ins Hotel fuhren.