Um, ich glaub, das wird jetzt eine längere Geschichte, aber ich will sie irgendwie loswerden, und hier scheint der richtige Ort dafür zu sein. Nachdem ich, nachdem ich angefangen hab zu schreiben, weil ich mir das alles mal von der Seele schreiben möchte, festgestellt hab, dass es eine SEHR lange Geschichte wurd (zehn Seiten mittlerweile, und sie ist noch nicht vorbei), werd ich sie wahrscheinlich nur in kleinen Häppchen posten, wenn euch das recht ist
(für alle, die nach dem Anfang nervös werden, wir haben hier gerade ein schnurrendes Felltier sitzen

)
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Mitte Januar hatten wir eine Wohnungsbesichtigung, weil wir (mein Verlobter und ich) dank verbesserter Gehaltsverhältnisse endlich aus unserer 27 m²-Notlösung herauswollten (nachdem Provisorien ja immer noch am besten halten, haben wir in dieser Notlösung auch fast vier Jahre gewohnt). Wir waren auf der Suche nach einer größeren, schöneren Wohnung, so ungefähr zwei Zimmer, damit wir dann auch eine Katze halten können. Eigentlich wollten wir erst umziehen und uns einrichten, und dann, so ungefähr im Herbst, wenn die Finanzen sich erholt haben und wir die Fenster nicht mehr die ganze Zeit offen stehen haben wollen über den Sommer, uns im Tierheim umsehen. Eigentlich.
Schon beim Besichtigungstermin saß da nämlich eine Katze in den Büschen an der Terrasse. Schwarz, spindeldürr, mit einer ungefähr handgroßen verfilzten Stelle auf dem Rücken, die fast schon so aussah, wie wenn sie ein Geschwür wäre und nicht nur verklebt. Geduckt, die Ohren an den Kopf gelegt, lag sie wie ein Bündel Elend da an einer breitgelegenen Stelle und hat uns angeschrien. Nicht gefaucht oder nett gemaunzt, sondern richtig angeschrien, fordernd, so wie wenn sie mit der Welt im Allgemeinen böse wäre und wir gerade recht kommen würden, um die Aggressionen abzulassen.
Natürlich haben wir dann bei der Besichtigung, bei der auch die Vormieter da waren, mal gefragt, was mit der Katze denn so ist, und haben erfahren, dass das der ortsansässige Streuner ist, der von den Vormietern und den Nachbarn gefüttert wird. „Yummy“ würden sie ihn nennen, haben sie gesagt – weil er schreit, wenn er nichts zu fressen bekommt. Allerdings machte er das immer, auch wenn er gerade etwas bekommen hatte und deswegen gar nicht hungrig sein würde.
Groß haben wir uns nichts dabei gedacht – die Wohnung war so schön und so toll (groß, hell, große Fenster, Erdgeschoß, ruhige Gegend, mit kleinem Garten und Terrasse, gleich im Grünen), dass wir unsere Chancen, sie zu kriegen, sehr gering eingeschätzt haben, und es hieß ja, dass sich jemand um die Katze kümmern würde. Und gefüttert zu werden und einen Platz zu haben, an dem man bleiben konnte – das war ja besser als das Los vieler Streunerkatzen.
Ein paar Tage später hat sich das aber geändert. Wir haben die Zusage für die Wohnung bekommen und waren zur Vertragsunterzeichnung dort – und die Katze war noch immer da. Ist ja klar, das ist ihr Platz, da geht sie auch nicht weg, und warum sollte sie auch, sie wird ja gefüttert?
Damit wurde dann aber auch die Frage aktuell, was wir dann mit ihr machen sollten. Ich meine, wenn die Vormieter ausziehen, die sie gefüttert haben, werden dann ja eigentlich wir zumindest dafür verantwortlich, dass sie was zwischen die Zähne bekommt. Ist sie ja gewöhnt und so, da kann man sie ja nicht hungern lassen dann. Zumindest das wollten wir auf jeden Fall machen. Und eine andere Katze geht dann ja auch nicht so gut. Als ich noch ein Kind war, war bei uns auch ein Streuner zu Besuch, so ein großer, roter, schöner Langhaarkater, den wir dann Whiskey genannt hatten. Hat zwar nicht bei uns gewohnt, aber sehr gerne gefressen, und lag dann auch schon mal bei uns im Bett, wenn er gerade Lust darauf hatte. Aber dann haben wir eine andere, eigene Katze bekommen, so ein kleines, junges Ding – und die beiden haben sich gar nicht verstanden. Sie hat gefaucht, er hat gefaucht, und wir haben Whiskey nie wieder gesehen. Und sowas wollte ich dem Streuner natürlich nicht antun! Man kann ihn doch nicht einfach von seinem Platz vertreiben, nur weil wir meinen, wir müssten eine eigene Katze haben!
Aber das war ohnehin noch Zukunftsmusik, wir hatten ja noch eine Weile Zeit, bis wir in die neue Wohnung konnten. Ein bisschen hat mich das schlechte Gewissen aber doch geplagt in den Wochen – der Streuner sah so unglaublich mitleiderregend aus, wie er da saß und uns angemaunzt hat, dass wir uns dann gefragt haben, ob wir nicht vielleicht doch was für ihn tun sollen... aber im ganzen Umzugsstress ging das dann doch unter – bis zu dem Tag, als wir die Schlüssel bekommen und mit der Renovierung angefangen haben.