Hallo und vielen lieben Dank, liebe Claxx, für Deine lieben Worte. Die Anteilnahme hier ist wirklich klasse.
Liebe Nathalie, ich bin froh, dass ich Dir ein wenig Hoffnung auf ein schönes Leben mit Joschi geben konnte.
In der Nacht sind mir noch ein paar Dinge eingefallen, auf die man bei blinden Katzen vielleicht noch achten sollte, zumindest in der ersten Zeit. Diese Dinge sind mir zwischenzeitlich so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich sie gar nicht mehr bemerke.
Zunächst sollte man die Wohnung bzw. die Umgebung auf spitze, hervorstehende oder ähnlich potentiell gefährliche Gegenstände vor allem in Katzenhöhe absuchen (Deko?) und diese entfernen oder deren spitze Kanten sichern. Ist ein bisschen wie bei kleinen Kindern, würde ich sagen. ;-)
Recht gefährlich finde ich persönlich diese Bürostühle auf Rollen. Falls Deine Eltern so etwas haben, solltest Du sie warnen, denn mein Paulinchen liegt sehr gerne ganz still dahinter. Einmal hätte ich sie fast mit dem schweren Teil "angefahren", was sicher sehr schmerzhaft für sie geworden wäre.
Ganz wichtig ist es, sich anzugewöhnen, nie hastige oder unbedarfte Schritte seit- oder rückwärts zu machen, wenn man nicht ganz sicher weiß, wo die Katze gerade ist. Das gilt vor allem für die Küche, wenn man beispielsweise mit heißem Wasser hantiert. Meiner Meinung nach sollte man eine blinde Katze beim Kochen sowieso aus der Küche verbannen, sofern möglich.
Ein weiteres Thema ist das Hochheben und auf den Arm nehmen der blinden Katze. Natürlich möchte jeder seine Katze mal auf den Arm nehmen und durchknuddeln, sofern es die Katze auch mag. Paulinchen wollte dies zunächst überhaupt nicht, und ich dachte zuerst schon, sie mag es halt einfach nicht. Aber dann habe ich begriffen, was ihr wirkliches Problem ist. Hebt man eine blinde Katze hoch und geht mit ihr im Raum umher, verliert sie völlig die Orientierung, weil sie sich nicht selbst im Raum bewegt und daher nicht mehr weiß, wo sie ist. Paulinchen konnte also ihre relative Position zur Umgebung einfach nicht mehr einschätzen, und das war sehr beängstigend für Sie.
Das kann man mit etwas Nachdenken leicht selbst nachvollziehen, wie ich finde. Stellt Euch mit aller Macht vor, Ihr seid blind. Und dann kommt jemand ohne große Vorwarnung daher, hebt Euch hoch, schleppt Euch irgendwohin und setzt Euch dann an einer ganz anderen Stelle wieder ab, so dass Ihr nicht mehr den blassesten Schimmer habt, wo ihr seid. Unangenehme Vorstellung, oder?
Man sollte es sich also unbedingt zur festen Regel
ohne Ausnahme machen, dass man die blinde Katze in der ersten Zeit wieder genau dort und exakt in der gleichen Ausrichtung (!) absetzt, wo man sie hochgehoben hat. Wenn man das konsequent beachtet, wird die Katze einem schnell vertrauen und wissen, dass sie immer wieder dort landet, wo sie ursprünglich gesessen hat. Als Paulinchen mir dann beim Hochheben vertraut hat, habe ich spezielle Punkte ausgewählt, die sie beim Absetzen immer leicht identifizieren kann, so dass sie auch dort sofort weiß, wo sie ist. Das ist zum Beispiel ein flauschiges Kissen auf der Couch, welches immer und nur dort liegt, so dass sie beim flauschigen Fühlen des Kissens weiß: "Aha, ich bin auf der Couch, alles ist gut!" Oder ein bestimmter Sisalläufer, den sie aufgrund der rauen Konsistenz sofort erkennt. Solche Orientierungspunkte kann man sehr leicht herstellen, und es erleichtert der Katze das Leben ungemein.
Ferner sollte man eine blinde Katze nur sehr langsam hochheben und vor allem ganz langsam und vorsichtig (!) wieder absetzen. Auch hier wieder der Hinweis, sich selbst in diese Lage zu versetzen. Abrupt hochgehoben und noch schneller wieder abgesetzt zu werden, ist sicher sehr beängstigend, wenn man nichts sehen kann.
Ich achte neben dem sehr langsamen Absetzen auch ganz besonders darauf, dass ich meine stützende Hand unter ihrem Bauch erst dann wegnehme, wenn sie alle vier Pfoten sicher aufgesetzt hat und sie eindeutig zu wissen scheint, wo sie ist. Man merkt das leicht daran, dass sie dann sofort zielsicher drauflos stapft. Es hat wie gesagt einige Wochen gedauert, bis Paulinchen mir in dieser Sache wirklich vertraut hat, aber nachdem wir uns so arrangiert hatten, genießt sie es mittlerweile tatsächlich, auf dem Arm geherzt zu werden.
Ob Euer Joschi einmal springen, klettern oder sogar wieder jagen wird, kann ich natürlich nicht sagen, aber eins kann ich mit Sicherheit sagen: es ist nicht unmöglich!!! Nachdem ich bemerkte, dass Paulinchen sehr gerne hoch auf den Kletterbaum wollte, habe ich neben einigen Spezialkonstruktionen auch Duftspuren mit kleinen Leckerlis für sie gelegt, denen sie begeistert gefolgt ist. Später habe ich mir dann auch noch so ein Katzenduftspray zugelegt und die entsprechenden Punkte einfach angesprüht, das macht nicht so dick ;-)
Sollte Joschi das Klettern anfangen wollen, ist es gerade in der ersten Zeit sehr wichtig, ihn genau zu beobachten, um ihn wenn möglich aus brenzligen Situationen retten zu können. Paulinchen hat zunächst mehr als einmal die Abstiege nicht mehr hinbekommen, so dass ich sie herunterholen musste. Ich habe dann mit ihr geübt, unter anderem auch, in dem ich auf das jeweils nächste Brettchen auf dem Abstieg solange geklopft habe, bis sie es durch ihr Gehör orten konnte und schließlich vorsichtig ihre Pfötchen aufgesetzt hat. Das ist aber wie gesagt heikel, und wenn es zu gefährlich ist, sollte man vielleicht lieber keine Klettermöglichkeiten anbieten.
Last but not least ein Wort zum wahrscheinlich unangenehmsten Thema bezüglich einer "behinderten" Katze: Die lieben, "wohlmeinenden Mitmenschen", die einem einreden, so eine Katze würde sich nur quälen und das Beste wäre die Erlösung durch Einschläfern. Gerade bei Eurem Joschi sind solche Reaktionen gut möglich, da man ja sehen wird, dass er keine Augen mehr hat. Pauline hat ihre Augen noch, daher fällt es vielen gar nicht auf, dass sie nichts mehr sieht, dennoch habe auch ich dann und wann Erfahrungen mit solchen emotionalen Grobmotorikern machen müssen.
Ich würde an dieser Stelle gerne ein paar Photos einfügen um zu zeigen, wie wohl sich so eine Katze fühlen kann, dass dürfte dann auch den letzten Rest von Zweifeln ausräumen (sorry, sind ziemlich viele Bilder...)
Paulinchen in Ihrer Liegemulde:
Der Aufstieg zur ihrer Liegemulde mit der neuen Katzentreppe, die ist echt genial, bei Bedarf einfach mal nach Katzentreppe googeln, ich kann auch gerne meine Bezugsquelle nennen, falls gewünscht. Ansonsten kann vielleicht der eine oder andere handwerklich begabte Freund/Lebensgefährte/ Ehemann so etwas nachbauen:
Pauline auf ihrem Lieblingsplatz auf dem Balkon:
Sie hört sehr gerne den Vögeln und Umweltgeräuschen zu, das macht sie im Sommer stundenlang. Zur Sicherheit habe ich einen Stuhl mit Kissen unter den Sitzplatz geschoben, aber sie ist noch nie runtergefallen. Der Aufstieg ist so sehr leicht für sie.
Hier nimmt sie ihr geliebtes Sonnenbad auf der Couch:
Wie jede Katze liebt sie Kartons:
Ihr Kumpel Sammy wird nach Kräften belauert und bejagt, er hat es manchmal nicht leicht mit ihr:
Mittlerweile geht sie sogar in die hohe Kratztonne, die habe ich für sie als Aufstieg auf den Kleiderschrank besorgt:
Katzentunnel findet sie auch toll:
Und wenn sie "Cattainment" wünscht, sitzt sie vor der Schublade mit ihren Spielsachen und miaut zum Steinerweichen:
Das ist Paulinchens Duft-, Knabber- und Kratzecke mit ihrem Petwell-Trinkbrunnen, von dem ist sie sehr angetan:
Hier liegt sie auf ihrem Flauschkissen auf der Couch:
Mein Bett mit der Katzenflauschdecke liebt sie ebenfalls sehr, hier wird immer gerne ein Nickerchen eingeschoben:
Wie Du siehst, lebt Paulinchen mit einigen kleinen Hilfestellungen zufrieden ihr Leben und genießt es sehr. Sie ist eine echte kleine Persönlichkeit, sie ist neugierig, verspielt, widerborstig und so manches Mal wirklich zum Lachen:
Also, blickt einfach positiv in die Zukunft und versucht, so gut es geht auf Joschis Bedürfnisse einzugehen. Er wird sie Euch auf seine ganz eigene Art mitteilen, man muss nur genau hinsehen bzw. -fühlen. Lasst Euch nicht negativ beeinflussen von egoistischen Miesmachern, habt Spaß mit ihm und an ihm, denn das ist das einzige, was wirklich zählt.
In diesem Sinne: ganz liebe Grüße von Susanne, Paulinchen und Sammy, und solltest Du Fragen haben oder Hilfe brauchen: bitte melden!!!