Das ist ja für mich das Tolle: Dass ich dieser unabhängigen Institution, die sich dem aktuellen Stand der Wissenschaft verpflichtet hat, so viel Vertrauen schenke, dass ich NICHT alles nachprüfen muss.
Das widerspricht aber dem, dass du angeblich so auf Wissenschaft und Fakten setzt. Denn gerade die Wissenschaft LEBT davon, dass man eben nicht (blind) vertraut, sondern Ergebnisse versucht zu falsifizieren und Ergebnisse immer wieder nachprüft. Ansonsten bräuchte man ja keine Studien mehr. Denn ich wette es hat ach anno 19XX schon irgend ein unabhängiges Institut zum Thema Katzenfutter geforscht. Dann könnte man dieser Studie doch auch vertrauen.
Wenn wissenschaftlicher Gehalt jetzt nur noch nach den Faktoren unabhängiges Institut (was auch erst mal nachzuprüfen wäre, wie unabhängig das Institut ist, wir dürfen Ergebnisse von Stiftung Warentest NICHT verwenden, weil sie eben nicht die wissenschaftlichen Kriterien erfüllen) und danach, dass sie sich "dem aktuellen Wissensstand verpflichten", wäre das für die Wissenschaft eine Katastrophe. Denn es gibt meistens nicht einmal "DEN" aktuellen Wissensstand, man kann höchstens sagen, dass es ein kanonisiertes Wissen gibt, aber es wird auch immer Gegenstimmen zu diesem geben. Teilweise gibt es nicht einmal ein kanonisiertes Wissen, weil es entweder zu wenig Studien und Ergebnisse zu einem wissenschaftlichen Untersuchungsgegenstand gibt oder weil das Wissen zu kontrovers ist, als dass sich ein Kanon durchsetzen kann.
Solange mir ein Institut nicht sag, WAS ihrer Meinung nach der aktuelle Wissenstand ist, ist diese Floskel der Verpflichtung für mich genau das: Eine Floskel ohne jeglichen wissenschaftlichen Wert.
Ergänzung ()
Es ist eben nicht vertrauenswürdig wenn Aussagen lt. Wissenschaft gemacht werden ohne entsprechende Quellen anzugeben.
Ich kann auch behaupten vegane Ernährung ist für Katzen nicht schädlich und mich drauf berufen, dass ich dazu mal ne Studie gelesen hab. Nur weil ich mich auf die Wissenschaft beziehe heißt das nicht, dass die Aussage als solche korrekt ist.
Ich hab jetzt z.B. kurz bei der FEDIAF quer gelesen, die die Stiftung Warentest in ihrem Fall als "Quelle/Vorlage" für ihren Test hergenommen hat. Dort finde ich auch keinen Quellenverweis für ihre Aussagen. Was für mich nichts anderes aussagt, als das die Recherche von Stifung Warentest für ihre Testkritierien unsauber und unseriös ist.
(Ich hab nur bei den Statistiken „Verweise“ gefunden die ich jetzt auch nicht gerade als aussagekräftig bezeichnen würde...)
Genau das sehe ich auch so.
Das muss ja nicht heißen, dass alles, was die Stiftung Warentest sagt Inhaltlich falsch ist. Aber ihre Arbeitsweise genügt nicht den wissenschaftlichen Ansprüchen und ist nicht wissenschaftlich verwertbar.
Ich hatte einen ähnlichen Fall bei meiner BAchelorarbeit. Es ging um das Unterthema Kaiserschnitt im Mittelalter. Es gibt dazu ein ganz schönes, inhaltlich gut geschrieben und leicht verständliches, im Gegensatz zu einigen anderen Schriften mit 2006 sogar recht aktuelles, aber populärwissenschaftliches Buch von Volker Lehmann. Obwohl es inhaltlich den aktuellen Wissensstand anderer wissenschaftlicher Werke widerspiegelt, durfte ich es nach Anweisung meiner Dozentin NICHT als Referenz nehmen. Aus folgenden Gründen (diese sind NICHT nach Gewichtung sortiert, sondern wie sie mir gerade einfallen):
- Der Autor war "nur" Gynäkologe und hatte keine Verbindungen zu Forschungsinstituten oder sonstigen Einrichtungen, was seine wissenschaftliche Autorität in Zweifel stellt
- Er hat keine erkennbare eigene Quellenarbeit geleistet
- Er hat seine Aussagen nicht nachvollziehbar gekennzeichnet (sprich Quellen- und Literaturverweise)
Da zumindest die beiden letzten Punkte unverzichtbare Kriterien für die Verwendung von Forschungsliteratur als Beleg für eigene aufgestellte Themen sind, durfte ich das Buch nicht als solches verwenden. Ich durfte nur darauf verweisen als "populärwissenschaftlich hilfreiches, aber aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Seriösität nicht als vollwertige Forschungsliteratur verwendbares Werk, dass aber durchaus einige interessante Ansätze bietet, die aber erst durch den wissenschaftlichen Standards genügende Quellen- und Literaturrecherche zu belegen sind."
Und genau als solches sehe ich diese Tests von Stiftung Warentests nämlich auch und müsste sie in einer wissenschaftlichen Arbeit auch als solche kennzeichnen "populärwissenschaftlich hilfreiches, aber aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Seriösität nicht als vollwertige Forschungsliteratur verwendbares Werk, dass aber durchaus einige interessante Ansätze bietet, die aber erst durch den wissenschaftlichen Standards genügende Quellen- und Literaturrecherche zu belegen sind."
Oder wie mein Dozent es mal ausgedrückt hat:
Alle Quellen und Literaturen, die das Minimum wissenschaftlicher Standards nicht erfüllen, haben den gleichen Wert wie Wikipedia. Gut um populärwissenschaftliches Wissen zu vermitteln und vielleicht Anregungen zu geben, aber ungeeignet für ernsthafte Forschung.
Und zum Schluss noch: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
