Das hört aber m.E. bei Vergleichen von Tierzucht mit dem Nationalsozialismus auf.
Denn das relativiert was damals passiert ist.
Das sind Dinge, die nicht vergleichbar sind.
Und ich denke nicht, dass man darüber dann noch diskutieren muss.
Das geht nicht und Ende.
Und ich muss dazusagen, dass es auch noch ein extremer Unterschied ist, ob man VOR Schwangerschaft/Trächtigkeit bestimmte gesundheitliche Risiken ausschließt, z.B. durch Gentests, Ahnenforschung, etc., oder ob man sich wirklich ein Lebewesen "designt" z.B. durch gezieltes Aussortieren von Embryos (Stichwort Pränataldiagnostik), durch bewusste Genmanipulationen (wobei ich nicht weiß ob diese praktisch schon möglich) oder Zwangssterilisationen wie unter dem erwähnten H-Mann.
Ich kenne z.B. durchaus einige Asperger-Autisten, die in glücklichen Partnerschaften leben und einen Kinderwunsch haben, aber bewusst auf den verzichten, weil nach aktuellem Forschungsstand Autismus eine recht große erbliche Komponente hat. Ein anderes Paar das ich kenne, hat sich vorher gezielt auf bestimmte tödlich verlaufende Erbkrankheiten testen lassen, um auszuschließen, ein Kind mit so einer Krankheit bekommen zu können. Was machen diese Paare denn anders als ein seriöser Züchter, der Krankheiten ausschließt? Auf diese Schiene einen NS-Vergleich zu fahren, wäre in meinen Augen für mich völlig fehl am Platz.
Bliebe also nur noch der Bezug auf die Zucht die "Rasse"-Frage, in Hinsicht auf Aussehen und Charakter bestimmter Rassen. Und hier sehe ich einen kleinen oder feinen Unterschied zwischen menschlichen und tierischen Rassen: Bei Menschen haben wir durch diverse Gesetzgebungen und Konventionen eine Idealvorstellung der Gleichberechtigung aller Rassen ohne Diskriminierung. Rasse, Ethnie, Geschlecht, etc. sollen bzw. dürfen keine Auswirkungen und vor allem Beeinträchtigung des menschlichen Lebensweges haben, z.B. bei Berufswahl.
Sowas gibt es bei Katzen nicht. Wenn sich jemand eine bestimmte Rasse ausgeguckt hat und nur diese eine Rasse will, diskriminiert das keine Lastrami und auch keine andere Katze. Und bei Katzen spielt nun mal für viele die Optik eine wichtige Rolle. Ich hatte auch die Wahl zwischen zwei Pärchen und ich gebe offen zu, ich habe mich für die entschieden, die ich persönlich süßer fand. Und ja, vielen Rassen werden eben auch bestimmte Charaktereigenschaften zugesprochen, die teilweise stimmen mögen teilweise auch nicht (
BKH = gemütlich, Bengalen = extrem aktiv, Oris = gesprächig, etc.). Und auch danach werden sich manche Menschen entscheiden. Jemand der eine "Sofakatze" sucht die nicht so viel maunzt würde sich dann z.B. vermutlich eher für
BKH entscheiden, jemand wie ich, der gerne mit seiner Katze redet, eher für eine Ori, jemand der viel mit seiner Katze toben will für einen Bengalen, usw.
Darum sei mal in die Runde gefragt, ich kann es mir nicht vorstellen: Ist hier irgendjemand, dessen Entscheidung, genau seine Katzen auszuwählen, NICHT von der Frage nach Aussehen ODER Charakter beeinflusst wurde? (ausgenommen sind hier jetzt z.B. zugelaufene Katzen, sprich Katzen wo man nicht die Wahl zwischen mehreren Katzen hatte).
Und im Übrigen gehe ich persönlich ganz stark davon aus, dass auch bei der menschlichen Fortpflanzung, zumindest bei der bewussten Fortpflanzung, Charakter und Aussehen bei der Partnerwahl eine nicht unerhebliche Rolle spielen UND auch gesellschaftlich. Was meint ihr, wie blöd manche Leute heute noch angemacht werden, wenn z.B. ein hellhäutiges Paar mit einem dunkelhäutigen Kind unterwegs ist. Also auch bei Menschen ist die "Rassenfrage" immer noch ein großes Thema. Trotzdem ist so ein Vergleich mit den Taten des NS mehr als verwerflich.