Nachdem Bella und Bina ausgezogen waren, habe ich den Pflegiraum umgebaut. Die Abtrennung des kleinen hinteren Teils von dem eigentlichen Wohnraum, in dem auch mein Schreibtisch mit sämtlichem Computerkram steht, war mir schon länger nicht geheuer. Und mit der Aussischt, daß ja mit Ida und Tarik zwei völlig verspielte Abrissbirnen in diesem Raum leben sollten, wurde mir Angst und Bange vor den Unfällen, die da passieren könnten. (Frau erinnere sich an die Fotos im Bericht meiner Tochter, wo die Nachttischlampe dran glauben musste...)
Also hab ich mit meiner tollen Tochter die Trennwand eingerissen und eine neue so gebaut, dass es nun einen größeren Gesamt-Pflegiraum gibt und mein Schreibtisch davon getrennt in einem kleineren Bereich steht
Als das fertig war, durften Ida und Tarik aus dem Gästezimmer nach oben umziehen. Die beiden haben ihren Katzenschnupfen auskuriert und wachsen und gedeihen und warten eigentlich nur darauf, dass sie die 2kg-Marke knacken, damit sie kastriert werden können. Allerdings röchelt und schnorchelt Tarik weiterhin wie in seinen schlimmsten Katzenschnupfenzeiten und mein Verdacht, dass da eher Fremdkörper/ Polypen mit im Spiel sind hat sich bewahrheitet. Das Geschnorchel ist völlig unbeeinflussbar durch irgendwelche Medikamente und hat sich leider auch nicht "verwachsen". Er wird also bei seiner Kastra auch endoskopiert werden müssen um ihm endlich ein freies Atmen zu ermöglichen
Ein paar Bilder von den beiden noch im Gästezimmer:
Das Umsiedeln der kleinen wilden
Tricolor mit ihrem Kitten hat leider nur mäßig geklappt. Meine toTo (tolle Tochter) hat in dem Wäldchen, an dessen Rand wir sie zuerst gefüttert haben, eine geschützte, aber trotzdem offene Stelle gesucht und auch gefunden. Die Mami ist dort auch schnell wieder aufgetaucht, aber leider ohne Kitten

toTo hat sie die ganze Zeit, die ich in Berlin war gefüttert und dabei den Wald erkundet und festgestellt, daß dort fast der gesamte Wildtierbestand, der in Deutschland vorkommen kann, ebenfalls wohnt: wir hatten Marderhunde, Füchse, Wildschweine, Waschbären, ein Marder und ein Reh auf der Kamera, alles auf vielleicht 2 Hektar Wald...
Nach 5 Tagen ohne Kitten mussten wir schließlich einsehen, daß der Wald selbst vielleicht doch ein zu gefährlicher Ort für Katzen allgemein ist und daß das Kitten vermutlich einem der Räuber als Mahlzeit gedient hat. Meine toTo reiste wieder ab und ich versprach, die Mami weiter zu füttern und zu gegebener Zeit dann zu fangen
Zu der Zeit, September war es, hatte ich wieder mehr Aufgaben zu bewältigen als Zeit und Kraft vorhanden waren. Speziell Jonte bereitet mir zu dem Zeitpunkt echte Sorgen. Sein Mitlaufen mit meinen Katzen im Haus brachte nicht den erwünschten Effekt für ihn. Er hatte zwar mehr Platz und konnte mehr bei mir sein zum Kuscheln, aber das was er noch nötiger braucht, ist ein richtiger Freund. Ein echter Katerkumpel zu dem er aufblicken kann, der ihm Halt im Leben gibt, der mit ihm spielt und rauft. Meine 4 Freigänger interessieren sich null für ihn und lassen ihn eiskalt auflaufen; selbst meine soziale Lienne mag ihn nicht wirklich, denn Jonte möchte halt Kater sein dürfen und das wurde Lienne schnell zu wild.
Eines Tages hab ich ihn dann mit rausgenommen in den Garten. Da war der kleine Kerl erstmal ganz neu gefordert und sehr aufgeregt. Die ersten beiden Tage blieb er je 4 Stunden draußen, am dritten Tag war der dann schon über Nacht weg. Ich konnte natürlich fast überhaupt nicht schlafen und sah ihn dann wie er im Morgengrauen nach ganz oben auf den VogelFutterMast stürmte. Offensichtlich genoß er den Freigang sehr. Das erleichterte mich, brachte aber neue Sorgen mit sich: konnte ich ihn ernsthaft noch als Wohnungskater vermitteln oder sollte ich die besser Vermittlungsanzeigen umschreiben? Wie müsste denn ein endgültiges Zuhause jetzt unter diesen neuen Umständen für ihn überhaupt aussehen? Oder kann er nicht doch einfach hierbleiben, nachdem sich ja eh keine passende Interessentin je für ihn fand?
Ich hab den kleinen Kerl ja wirklich gern und von meiner Seite aus hab ich ihn schon längst als Dauerpflegi innerlich akzeptiert gehabt.
Aber meine Katzen wollten nicht

Ich hab dann nämlich durchaus auch mal miterleben dürfen, wie mein Bany den armen Jonte rund gemacht hat. Da war nix mehr mit nach Hause flüchten für den kleenen Kerl, das war ein deutliches vom-Hof-gejagt-werden. Also hab ich angefangen eine Art zeitlicher Reviertrennung zu organisieren: meine Kater sind nachts draußen, Jonte durfte nur noch tagsüber raus. Die Anspannung, wenn er nicht rechtzeitig drinnen war, können sich die Freigänger-Halter unter euch bestens vorstellen. Es war nervenzehrend und ich wußte nicht mehr weiter
Und dann plötzlich, ohne großes Tamtam, tat sich eine Tür auf und Jonte bekam eine Anfrage. Ganz unspektakulär hieß es plötzlich "Herr Jonte, Sie haben sechs Richtige im Lotto; nehmen Sie den Gewinn an?"
Dass Jonte da einen 6er im Schicksalslotto gezogen hat, weiß ich, weil auch seine neue Dosine eine mir bekannte Wiederholungstäterin ist: Jonte zieht zu meinem ehemaligen Pflegi Ruben

Ich bin so unglaublich glücklich und erleichtert, dass kann man sich fast gar nicht vorstellen. Und ich hoffe natürlich aus tiefstem Herzen, daß die beiden Tiger sich miteinander verstehen werden und einander der jeweilige Kumpel sein werden, den sie jeder brauchen
Ein Abschiedsfoto gibt es noch nicht, erst wenn er sicher angekommen ist, ein bißchen Aberglaube muss sein
