Nach dem Unfall
Ich liege hier im Krankenhaus und bin von oben bis unten in Verbänden eingewickelt. Ich war mit meinem Golf unterwegs zu einer Tagung der Tierheim-Leiter in einer 400 Kilometer entfernten Stadt. Da es sehr heiß war in diesem Sommer, bin ich mit meinem Golf gefahren. Die Klima in dem Wagen verlockte mich dazu, denn mit der Bahn wäre es mit Sicherheit nicht so eine kühle Fahrt geworden.
Ich war noch etwa 50 Kilometer vom Zielort entfernt, als aus einer nicht einsehbaren Seitenstraße ein LKW heraus kam. Dieser erfasste meinen Golf auf der rechten Seite, drückte ihn über die ganze Straßenbreite in einen Graben. Auf meinem Golf kam der LKW dann zum Stehen. Da der Motor meines Golf noch immer am Laufen war, drehte ich den Schlüssel und der Motor war aus. Danach wurde mir schwarz vor Augen und ich wachte erst wieder im Krankenhaus auf.
Seit drei Wochen liege ich hier und darf nun zum ersten Mal aufstehen. Dabei sitze ich in einem Rollstuhl und werde von einer Schwester geschoben. Von Zeit zu Zeit darf ich auch meinen Rollstuhl verlassen und ein paar Schritte gehen. Doch dieses fällt mir noch sehr schwer. Nach ein paar Tagen darf ich auch in Begleitung von einer Zimmernachbarin mein Zimmer verlassen.
Nun bin ich nach der Nachmittagsvisite nicht mehr in meinem Zimmer, sondern auf dem Gelände des Krankenhauses. Auf diesem Gelände gibt es einen großen Teich in dem Fische vorhanden sind. Auch Enten und Gänse gibt es auf dem Gelände. Die Kaninchen und Hasen sind sehr zutraulich und kommen bis auf einen Meter an die Menschen heran um nach Futter zu betteln.
Als ich einmal zu einem Gebüsch sehe, erkenne ich eine Kaninchen oder Hasen die sich mühsam voran schleppt. Dabei sind zwei Enten die mich durch ihr Geschnatter auf das Tier aufmerksam haben lassen.
Sofort bitte ich die Frau die mich mit nach draußen genommen hat, darum zu dem Tier zu gehen. Erstaunt sieht sie mich an, dann geht sie doch zu dem Tier. Die Enten machen bereitwillig Platz und legen sich ganz in die Nähe des Tieres. Dann ist meine Bekannte bei dem Tier und ich rufe ihr zu, das sie das Tier nicht bewegen soll, sondern mir nur zurufen soll, wie sich das Kaninchen oder der Hase bewegen.
Sie ruft mir dann zu, dass das Tier sich nur sehr mühsam auf den Hinterpfoten bewegt und nach nur wenigen Schritten von dem Tier, zusammen bricht um nach einiger Zeit sich weiter zu bewegen. Darum rufe ich ihr zu, dass das Tier auf jeden Fall aufgehalten werden muss, bevor es das Gebüsch wieder erreicht.
Während wir uns laut unterhalten haben, sind immer mehr Patienten und ihre Besucher auf mich aufmerksam geworden. Ein Mann fragt mich, ob er mich zum Tier bringen soll. Erstaunt sehe ich ihn an und frage wie er das machen will. Dann erklärt er mir, das zwei starke Männer mich zu dem Tier bringen und ein weiterer meinen Rollstuhl hinter mir her bringen wird.
Ich schaue ihn lange an und sehe das noch einige andere Männer ihre Jacken inzwischen ausgezogen haben. Dann nicke ich stumm mit meinem Kopf und sofort stehen drei Mann neben mir. Zwei packen fest unter meine Arme und der dritte greift zu meinem Rollstuhl. Nachdem ich aus dem Rollstuhl bin, bringen mich die beiden zu dem Tier und der dritte schiebt meinen Rollstuhl. Nach kurzer Zeit zieht er ihn hinter sich her. „Jetzt geht es leichter!“ sagt er zu mir.
Bei dem Tier angekommen wird der Rollstuhl so hingestellt, das ich zu dem Tier greifen kann. Das liegt bewegungslos vor mir und schaut mich aus großen Augen an. Bevor ich das Tier aber erreichen kann, bückt sich einer der Männer und legt das Kaninchen auf meinen Schoß. Auch jetzt schaut mich das Tier nur an.
Jetzt fange ich an mit dem Tier zu reden. Dabei fange ich an das Kaninchen vorsichtig ab zu tasten. Bei den Vorderpfoten merke ich, das diese mehrfach gebrochen sind. Meine Vermutung ist, das ein Unfall dafür verantwortlich ist, denn ich bemerke auch einige gebrochenen Rippen bei dem Tier. Aber auch die Schulter scheint etwas ab bekommen zu haben.
Einen der Männer bitte ich darum, sofort in unserem Tierheim anzurufen und die Sachlage zu schildern. Anschließend soll sofort unser Bulli hier hin geschickt werden, damit das Kaninchen zu unserem Tierarzt kommt. Darum gebe ich ihm die Telefon Nummer des Tierheim.
So schnell wie er kann läuft er zum Eingang des Krankenhauses und schon bald kann ich ihn nicht mehr sehen. Während er in der Klinik ist, schaue ich weiter nach dem Tier. Aber auch zu den beiden Enten sehe ich. Beide kommen auf mich zu und bleiben dann stehen. Sie schauen mich einige Zeit an, dann watscheln sie davon.
Schon taucht auch der Mann wieder auf den ich gebeten habe zu telefonieren. Neben ihm läuft ein Weißkittel den ich nicht kenne. Als die beiden bei uns sind sagt mir der Mann, das unser Wagen unterwegs ist. Dann stellt sich der Weißkittel vor: „Ich bin Professor Doktor Med., Doktor Vet. Bxxx. Als ich den Mann am Telefon hörte wie er sagte Schwer verletzt, habe ich ihn gefragt wen er meint. Er erzählte mir dann was hier draußen los ist. Also wie kann ich helfen?“
Während der ganzen Zeit in der wir zusammen gesprochen haben, hatte ich das Kaninchen auf dem Schoß. Als ich die Verletzungen des Tieres schilderte, wurde der Professor hellhörig. Dann meinte er sehr laut: „Eigentlich würde ein jeder Tierarzt dieses Tier erlösen. Aber ich weiß wer sie sind und hoffe, das in sechs Monaten das Kaninchen wieder hier herum hoppelt. Ich werde sofort veranlassen, das ein Zaun um dieses Gelände gezogen wird, damit sowas nicht nochmal passiert. Denn bald werden sie uns wieder verlassen, aber die Tiere nicht.“
Jeder der um uns stand hatte diese Worte gehört und ein allgemeines Gerede fing an. Darum sagte der Prof.: Diese Frau hat schon mehr Tiere behandelt als ich jemals zu Gesicht bekommen werde. Ein Tier musste in dieser Zeit erst von seinem Leiden erlöst werden, denn sie findet immer eine Lösung.“
In diese, Moment kam unser Bulli und auch der Tierarzt ist dabei. Kurz gibt er dem Prof. die Hand, dann nimmt er sehr vorsichtig das Kaninchen von meinem Schoß und geht wieder zum Bulli. Anschließend verlässt unser Wagen das Grundstück der Klinik. Ich rede noch sehr lange mit dem Professor und er bringt mich persönlich zu meinem Zimmer.
Vier Wochen später werde ich aus der Klinik entlassen und nach fünf Monaten bringe ich das Kaninchen zur Klinik. Dort lasse ich es auf der großen Wiese frei. Neben mir erscheint der Prof. und wir reichen uns die Hände. Er sagt keinen Ton sondern nach 10 Minuten geht er wieder davon.
Ich war noch öfters in der Klinik um nach den Tieren zu sehen. Jedes Mal kam auch das Kaninchen und ließ sich streicheln. Es war das einzige Tier in der Klinik, welches sich von den Patienten streicheln ließ. Als das Tier starb, bekam es in der Eingangshalle eine eigene Vitrine. Dort wurde die Geschichte von dem Kaninchen erzählt, so wie sie bekannt war.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Um diese Geschichte zu schreiben, habe ich nun mehrere Wochen gebraucht. Aber nach etwa 2 Minuten fangen meine Handgelenke an zu Schmerzen und nach 10 Minuten kann ich beide Hände nicht mehr gebrauchen. Dann ist immer eine mehrstündige Pause angesagt. Tut mir schrecklich Leid!
Ich schreibe schon an einer neuen Geschichte, ob die aber rechtzeitig fertig wird?.
Gruß Helmut