Die Nachtwache beim Truckrennen
Ich brauche noch ungefähr 10 Minuten bis zur Einfahrt der Rennstrecke und des Trucker Treffens. Ich bin ganz allein mit unserem Wohnmobil unterwegs, da Herbert an diesem langen Wochenende zu einer Zahnärztetagung ist. Auch der Tierarzt hatte keine Zeit so das ich mich entschlossen habe, allein zu fahren. Inzwischen habe ich sehr viel Erfahrung mit unserem Wohnmobil gemacht und fahre nun sehr sicher damit durch die Landschaft. Auf der Autobahn hänge ich mich immer hinter LKW und schalte dann den Tempomat an.
Einen kleinen Stau vor der Einfahrt gibt es, aber ich sehe nach kurzer Zeit ein Hinweisschild für geladene Gäste. Dort biege ich ein und muss noch etwa 2 Kilometer fahren um an eine weitere Einfahrt zu kommen. Dort zeige ich meine Einladung vor und darf sofort das Gelände befahren.
Nur kurz dauert die Fahrt, dann werde ich wieder angehalten und nachdem ich nochmals meine Einladung vorgezeigt habe, weißt der freundliche Mann der mich angehalten hat, einen Stellplatz zu. Von dort hat man einen sehr guten Blick auf die Rennstrecke, so das man sogar bei Regen diese sehen kann, ohne das Wohnmobil zu verlassen. Aber laut Wetterbericht soll es an diesem Wochenende nicht Regnen.
Ich steige aus dem Wohnmobil aus um sofort wieder ein zu steigen. Denn ich hatte das wichtigste vergessen. Meine Notfalltasche! Nachdem ich den Wagen wieder verlassen habe, schließe ich die Tür ab und begebe mich zu einer Anhöhe ganz in der Nähe. Dort sitzen schon einige Pärchen, aber auch Männer ohne Begleitung. Ich hoffe das ich dort richtig bin.
Oben angekommen sage ich kurz die Tageszeit dann setzte ich mich auf einen Stein. Meine Tasche stelle ich neben mir ab. Es dauert nicht lange und eine Frau mittleren Alters setzt sich neben mir hin. Sie kommt von einem Mann, der immer wieder verstohlen zu uns hin blickt.
Nach einigen Minuten fängt sie an zu reden. Aber Hauptsächlich über das Rennen. Dabei erfahre ich, das sie mit ihrem Mann immer auf Tour ist. Auch fährt sie oft den LKW, da sie auch den passenden Führerschein hat. Auch ich rede nun über das Rennen, sage aber das ich eine Einladung vom Verband der Trucker habe. Da schaut mich die Frau erstaunt an und wirft gleichzeitig einen Blick zu ihrem Mann.
Alle anderen Trucker um mich herum sind am Tuscheln und langsam macht es mir Spaß immer um den heißen Brei herum zu reden. Als sie sich mit Namen Jennifer vorstellt, sage ich auch nur meinen Vornamen.
Da schaut sie mich an und fragt sehr leise: „Der Engel der Tiere?“ Auch das bestätige ich und da steht die Frau auf. Laut klatscht sie Beifall und alle um mich herum sind ebenfalls am Klatschen. Dann kommt jeder und reicht mir seine Hand. Ich frage Jennifer woher sie mich kennt und sie sagt mir. „Die Tasche! Ich habe noch nie gehört das jemand anderes wie Du diese Tasche dabei hat. Aber mein Mann, Jörg, hatte bedenken. Nun sind sie wahr geworden und ich freue mich, genau wie die anderen, dich kennen zu lernen.“
Immer mehr Trucker kommen auf den kleinen Hügel und sobald sie mich erkennen oder ihnen gesagt wird, wer ich bin, werde ich per Handschlag begrüßt. Keiner fragt mich nach meiner Arbeit doch immer wieder sehe ich die Blicke die auf mich geworfen werden. Doch das stört mich nicht, denn ich unterhalte mich mit Jennifer.
Erst als Peter, der Vorsitzende des Vereines der Trucker kommt, ändert sich dieses. Denn immer wieder erzählt er von meinem Wirken, aber er sagt auch: „Solltet ihr jemals in die Nähe von Gerdas Tierheim kommen und ein Krankes Tier bei euch haben, ruft sie an. Sie hilft immer! Und sei der Fall noch so schlecht! Ich habe gehört, das sie 3, in Worten, drei, Tagen um das Leben einer Katze gekämpft hat. Diese Katze ist vergiftet worden und hatte Null Chancen zu überleben. Aber Gerda hat gewonnen und die Katze lebte noch viele Jahre bei dem Mann der sie adoptiert hat.“
Dann rauscht der erste Renn LKW an uns vorbei und wir sehen nur noch nach den LKW. Aber es handelt sich zunächst um eine Warmlauffase für die LKW. Dann endlich fällt die Entscheidung für den ersten Platz. Der Favorit landet hierbei nur auf den zweiten Platz. Aber warten wir das Rennen am nächsten Tag ab.
Am Abend findet noch ein gemeinsames Treffen der Trucker statt, wobei einer der Trucker besonders genannt wird. Er hat bei einem schweren Verkehrsunfall erste Hilfe geleistet und drei Menschen das Leben gerettet.
Dann begeben sich nach und nach, alle Fahrer und Fahreinen zu ihrem Schlafplatz. Viele sind mit einem LKW gekommen, aber auch einige mit Wohnmobilen oder Wohnwagen.
Es ist erst 22.30 Uhr als ich in mein Wohnmobil komme. Das ich etwas Schlagseite habe, bedauere ich sehr, aber es ist neben Truckern eben nicht zu vermeiden. 15 Minuten später liege ich schon im tiefen Schlaf.
Ich werde wieder wach als jemand an die Tür meines Wohnmobils hämmert. Gleichzeitig ruft ein Mann immer wieder „Gerda, wach auf!“ Ich rufe zurück das ich gleich soweit bin. Gleichzeitig höre ich mehrere Männerstimmen, aber auch Frauen vor meinem Mobil reden. Ein schneller Blick auf die Uhr im Mobil, sagt mir das es 3.37 Uhr ist.
Dann habe ich meine Jeans an. Am Oberkörper habe ich nur eine dünne Bluse, aber sobald ich die Tür öffne, nehme ich doch noch eine Jacke von Haken. Dieser Haken befindet sich an der Innentür des Mobiles.
Als ich nun fertig bin, meine Tasche habe ich umgehängt, sagt Jennifer zu mir: „Du hörst es sicherlich. Irgendwo ist ein Tier vor Schmerzen am Jaulen. Ich hoffe Du kannst helfen?“ Ich frage nur nach dem genauen Platz, denn das jaulende Tier kann man bis zu meinem Mobil hören.
Als ich das gesagt habe, dreht sich Jasmin um und läuft auf einen kleinen Wald zu. Mitten durch den Wald verläuft die Rennstrecke. Dann hält sie keine 5 Meter neben der Rennstrecke. Da alle Leute mitgelaufen sind, haben auch viele eine Taschenlampe dabei. Diese leuchten jetzt alle auf eine Stelle am Boden. Als ich näher trete erkenne ich ein Loch im Boden aus dem das jaulen des Tieres kommt.
Sofort versuche ich in das Loch zu sehen. Aber ich kann nur sehr wenig an dem Loch erkennen, denn es ist ein Fuchsbau und dieser teilt sich nach wenigen Zentimetern ab. Sofort schaue ich wieder auf und sage zu den Umstehenden: „Ich brauche sofort ein paar Schaufeln. Wir müssen den Eingang vergrößern. Allerdings ist der Bau sehr groß! Bereitet euch darauf vor den Rest der Nacht zu Buddeln. Vielleicht auch noch am Morgen!“
Da ruft ein Fahrer: „Ich habe zwei Trecker mit Baggerschaufel geladen. Brauchst Du diese?“ Sofort bejahe ich das. Da ruft der Fahrer: „Leute! Auf den Treckern ist nur wenig Sprit. Holt mir bitte so viel Diesel wie ihr habt!“ Dann rennt er los, aber auch noch andere Fahrer laufen los.
Kurz darauf höre ich den Motor eines Baggers anspringen. Gleichzeitig taucht der erste Trucker neben mir auf der einen großen Kanister in der Hand hat. Immer mehr Fahrer kommen mit Kanistern angelaufen und stellen diese in der Nähe des Loches ab.
Dann taucht der Trecker mit der Baggerschaufel endlich auf. Zunächst wird er mit dem Inhalt aus 5 Kanistern befüllt, dann fängt der Fahrer an zu graben. An jeder Abzweigung des Baues hält er an und ich sehe nach ob schon das Tier im Bau zu sehen ist. Noch immer hören wir es alle jaulen. Doch mir fällt auf, das das jaulen leiser wird.
Sofort mache ich den Fahrer des Baggers darauf aufmerksam. Als dieser das hört hebt er die Baggerschaufel an und fängt an den Boden rund um das Loch ab zu schieben. Fast einen Meter Boden schiebt er nach und nach ab. Dann springt er von seinem Bagger und ruft: „Los Leute! Buddeln!“
Inzwischen ist es hell geworden und ein Mann mit Kamera taucht neben mir auf. Da das Tier noch immer leise am jaulen ist, fragt er: „Was ist denn hier los?“ Ein weiterer Fahrer klärt ihn darüber auf, das es um eine Tierrettung geht. Als ich einen kurzen Blick auf meine Uhr werfe, sehe ich das es schon nach 5.30 Uhr ist.
Nun taucht auch ein Fahrzeug der Rennleitung auf, denn der Baggerfahrer hat auch viel Sand auf die Rennstrecke geschoben. Ein älterer Herr spricht mich an und sagt zu mir:“ Guten Morgen Frau Yyyyy! Ich hoffe bis zum Beginn des Rennens ist die Fahrbahn wieder sauber? Aber nun sagen sie mir, was los ist!“ Schnell schildere ich ihm, das wir seit über drei Stunden nach einem Tier buddeln, das nur noch sehr leise zu hören ist.
In der Tat ist nur noch sehr wenig von dem Tier zu hören. Nur wenn es sehr leise ist, kann man das Tier noch hören. Da ruft einer der buddelnden Männer: „Wir sind durch! Reicht mir eine Lampe ob es hier schon richtig ist!“ Als ich zu ihm hinsehe, liegt er lang auf dem Boden und er schaut durch ein weiteres Loch im Boden.
Dann ruft er: „Es ist ein Hund der sich ganz klein macht. Ich glaube er hat Angst.“ Sofort bin ich bei ihm und schaue in das Loch. Dann fange ich mit dem Hund zu reden. Ich weiß das meine Stimme Tiere beruhigt und so ist es auch diesmal. Der Hund antwortet mir nach etwa zwei Minuten, rührt sich aber nicht. Auch nach gutem Zureden kläfft der Hund nur leise auf mein Locken.
Dann sage ich zu dem Hund: „Ich glaube Du kannst dich nicht bewegen. Ist das richtig?“ Als daraufhin der Hund mehrmals bellt steht mein Entschluss fest. Da der Hund noch aus meiner Reichweite ist, lasse ich den Bagger kommen. Genau erkläre ich dem Fahrer was er machen muss.
Dann fängt der Fahrer an vorsichtig an zu Baggern. Dicht vor mir senkt er die Baggerschaufel und nimmt einen großen Erdbereich weg. Sofort springe ich in das Loch, doch noch immer komme ich nicht an den Hund, der leise am Bellen ist. Jedes Mal wenn er bellt, antworte ich ihm. Wieder nimmt der Bagger eine große Schaufel voll Sand weg.
In diesem Moment bricht die ganze Höhle zusammen. Sofort springen einige der Männer auf den Sandhaufen und fangen an zu buddeln. Auch der Bagger nimmt etliche Schaufeln Boden aus dem Loch, jedoch soweit von dem Hund entfernt wie ich ihm zeige. So können die Männer in dem Loch den Sand direkt hinter sich schaufeln.
In einiger Entfernung höre ich nun einen Renntruck näher kommen. Kurz bevor dieser Truck die Stelle erreicht an der wir sind, hören wir alle Bremsen quietschen. Dann fährt ein Renntruck an der Stelle vorbei wo wir sind. Gleich danach gibt er wieder Gas und beschleunigt auf Renntempo. So macht es jeder LKW und unser Baggerfahrer fährt zur Rennstrecke um den Sand darauf zu entfernen. Auch holen einige Trucker Besen herbei um die Rennstrecke zu fegen.
Nach 15 Minuten ist die Bahn wieder sauber, aber noch immer fahren die Trucks langsam an unserer Stelle vorbei. Da in diesem Moment auch zwei Herren der Rennleitung auftauchen, frage ich diese warum die LKW noch immer so langsam fahren. Als Antwort bekomme ich: „Ein jeder Fahrer hat mitbekommen was hier gerade abläuft. Alle fahren freiwillig so langsam. Es gibt keinen Hinweis mehr auf diese Stelle. Aber sie wollen es so lange tun, bis sie Nachricht erhalten, das der Hund gerettet ist.“
Ich bin richtig erstaunt als ich das höre, dann ruft mich einer der Fahrer die am buddeln sind zu sich. Er ist nur wenige Zentimeter von dem Hund entfernt und kann das Jaulen des Hundes hören. Jedoch ist das Loch zugeschüttet und muss somit erst frei gemacht werden.
Vorsichtig buddeln die Männer weiter und nach ein paar Augenblicken kann man zu dem Hund. Sofort bin ich da und lege mich auf den Boden. Dann rede ich auf den Hund ein, denn er zeigt mir seine Zähne und ist am knurren. Doch nach ein paar Minuten ist er ruhig und ich robbe weiter zu dem Hund.
Dann habe ich ihn erreicht und streichele ihm zunächst über seinen Kopf. Dabei bleibt der Hund ganz ruhig. Dann fange ich ihn an zu untersuchen und stelle dabei fest, das der Hund gebären will, aber dieses geht nicht. Ich muss einen Kaiserschnitt machen, wenn der Hund noch lange leben soll.
Sofort rufe ich nach zwei Männern die auch sofort neben mir sind. Ich erkläre ihnen genau, wie sie den Hund vorsichtig aus dem Loch bekommen. Dann fangen die Männer, nachdem sie zunächst den Hund der schon wieder am knurren war, vorsichtig aus dem Loch. Ich stehe schon wieder und warte auf den Hund. Arzneimittel habe ich schon heran geholt und diese an meinen Nebenmann abgegeben. Gleichzeitig sage ich zu ihm, ds er die Arzneimittel genau nach der Reihenfolge mir geben soll.
Dann liegt der Hund neben mir auf dem Boden. Von einer Fahrerin nehme ich eine Decke und bereite diese auf dem Boden aus. Vorsichtig wird nun der Hund auf die Decke gelegt. Ich sage schon zu meinem Nebenmann das ich die Nummer eins brauche. Sofort wird mir eine Spritze gegeben. Es ist das Medikament welches ich brauche. Jedes Mal wenn ich wieder ein Medikament brauche, sage ich nur die Zahl und ich bekomme das richtige.
Nach der OP, lege ich vier Welpen bei der Mutti an. Zwei weitere haben die OP leider nicht überlebt. Sofort werden die Mama und ihre Hündin in eine nahe Tierklinik gebracht. Dazu wird einfach der Krankenwagen benutzt, der eigentlich während des Rennens bereit steht. Auch ich fahre mit, bin aber pünktlich zum Start des Rennens wieder auf dem kleinen Hügel neben der Rennstrecke.
Bei der Einführungsrunde werden alle Renn LKW an unserem Hügel sehr langsam. Da ich weiß, das keiner der LKW eine Hupe an Bord hat, wegen der Gewichtsersparnis, bin ich doch sehr erstaunt, das bei jedem LKW das vorbei fährt, eine Hupe ertönt.
Dann begint das Rennen und der Favorit gewinnt natürlich. Während seiner Ehrenrunde hält dieser LKW genau bei unserem Hügel. Heraus springt der Fahrer und er kommt auf uns zu. Anschließend bittet er mich zu sich in den LKW und dann geht die Fahrt weiter. Jeder LKW ist hinter dem Gewinner stehen geblieben und so geht es noch zweimal um den Ring. Bei der Siegerehrung werde ich auf das Siegerpodest gerufen und nun erklärt der Sprecher der Rennstrecke was eigentlich gewesen ist.
Auch bei der Siegerfeier bin ich und alle anderen Trucker eingeladen und wir feiern heftig mit. Erst gegen 2.00 Uhr bin ich zu meinem Wohnmobil gegangen. Da ich den ganzen Abend, außer einem Glas Sekt auf den Sie g des Favoriten, nur Alkoholfreies getrunken habe, bin ich nicht betrunken, sondern könnte sofort losfahren. Denn der Sekt liegt schon etliche Stunden zurück.
Am Morgen verabschiede ich mich von den Truckern und fahre zunächst zur TK in der die Hündin mit ihren kleinen ist. Allen geht es sehr gut und die Mama kommt sogar um sich bei mir zu bedanken. Nach dem Aufenthalt in der TK bin ich wieder auf die Autobahn und fahre nach Hause.
Dort angekommen werde ich von Herbert begrüßt und er gratuliert mir zur Geburt der Hunde. Ich bin total erstaunt, dann zeigte mir Herbert eine Kassette mit der Aufnahme aus dem Fernsehen. Dabei wird genau über das Rennen berichtet, aber auch einige Minuten lang über Geschehnisse entlang der Rennstrecke. Dabei wird auch die Geburt der Hunde erwähnt. Auch der Moment, wo ich auf dem Siegerpodest stehe, wird im Fernsehen gezeigt. Dabei wird alles erzählt was passiert ist.
Die Hündin und ihre Welpen wurden nach Ablauf der Vermittlungsfrist auf einen Hof vermittelt wo sie es sehr gut hatten.
____________________________________________________________________________________________________________________________________________
Wieder sind einige Wochen vergangen um diese Geschichte zu Schreiben. Bitte lasst mir Zeit für die nächste.
Gruß Helmut