Der General Teil2
Herbert und ich haben uns eine Woche frei genommen. Aber wir wollen nicht wegfahren, sondern nur etwas im Garten machen. Da ich auch einen kleinen Gemüsegarten habe, braucht es hier etwas mehr Pflege.
In diesem Garten ist nichts Besonderes angepflanzt sondern nur ein paar Reihen Karotten, Salat, Blumenkohl und auch Kartoffeln. In einer Ecke gibt es auch noch Tomaten. Aber auch sehr viel Unkraut. Und diesem habe ich mal wieder den Kampf angesagt.
Herbert kümmert sich in der Zeit um den Rest des Gartens. Er mäht den Rasen, kümmert sich um das Unkraut in den Blumenbeeten und schneidet die Hecke. Da wir meistens erst um 11.00 Uhr im Garten anfangen, dauert die ganze Arbeit 3 Tage. Erst dann sind wir fertig.
Am Abend sitzen wir zusammen im Wohnzimmer und schauen uns eine Doku über Tiere an. Das es sich bei der Doku um Freundschaften im Tierreich geht, brauche ich wohl nicht zu betonen. Dabei sehen wir auch das ein Löwe wohl eine Gemse adoptiert hat, denn beide liegen sehr oft zusammen.
Während Werbung läuft, fragt mich Herbert ob wir beide nicht am nächsten Morgen für ein paar Tage weg fahren wollen. Er meint, das ein Ausflug uns beiden gut tun wird. Ich bin derselben Meinung und so gehen wir schon um 23.15 Uhr, nach Ende der Doku, ins Bett.
Am nächsten Morgen stehen wir beide zur gewohnten Zeit auf, frühstücken und dann begibt sich Herbert zu unserem Mobil. In der Zeit packe ich einige Lebensmittel in eine Wanne und auch Kleidung lege ich für unseren kurzen Urlaub bereit. Nach 30 Minuten bin ich fertig und bringe zunächst die Lebensmittel zum Wohnmobil. Dort läuft schon der Kühlschrank auf Hochtouren.
Ich räume die Lebensmittel ein und hole dann die Kleidung aus dem Haus. Auch diese kommen in die vorhandenen Schränke. Als alles im Wohnmobil verstaut ist, natürlich auch meine Notfalltasche, ist auch Herbert fertig. Er schließt das Haus ab und dann kommt er zum Wohnmobil. Anschließend fährt er sofort los.
Auf der Autobahn beschleunigt Herbert den Wagen auf das Tempo der LKW und schaltet dann den Tempomat ein. Jetzt hält der Wagen die vorher erreichte Geschwindigkeit automatisch ein, ohne das Herbert Gas geben muss.
Während der Fahrt unterhalte ich mich des Öfteren mit Truckern die unterwegs sind. Dabei bemerke ich gar nicht wie die Zeit vergeht. Erst als Herbert den Motor des Mobil ausstellt, bemerke ich das wir fast vier Stunden gefahren sind. Jetzt stehen wir auf einem Parkplatz wo auch schon andere Wohnmobile und Wohnwagen Gespanne stehen.
Auch eine kleine Bretterbude steht am Rand des Parkplatzes und dahin gehen wir beide nachdem das Wohnmobil in einem gekennzeichneten Bereich steht. Vor der Bude sitzt ein junges Mädchen von vielleicht 14 Jahren und als Herbert fragt, ob man hier einfach stehen kann, ruft das Mädchen ihre Mutter.
Diese schaut auch nach kurzer Zeit aus der Bude und Herbert und sie kommen ins Gespräch. Dabei erfahren wir, das unser Wohnmobil und somit wir, auf einem neu gegründeten Campingplatz stehen. Wenn nur für eine Nacht hier stehen wollen, ist es Kostenlos. Herbert sagt jedoch sofort, das wir planen bis Sonntagmittag zu bleiben. Erst dann wollen wir zurück fahren.
Dann nennt sie den Preis für die Zeit und Herbert will sofort zahlen. Aber die Frau fragt ob wir auch Strom brauchen, was Herbert nach einem kurzen Blick zu mir, bestätigt. Darum sagt die Frau das erst am Sonntag nach ablesen des Stromzählers bezahlt werden muss.
Nachdem wir alles wussten, auch könnten wir jederzeit den Platz verlassen, dieser wird dann frei gehalten, sind wir wieder zum Mobil zurück. Während Herbert das Vorzelt aufgebaut hat, habe ich Kaffee gekocht. Anschließend haben wir beide unseren Kaffee getrunken und kommen auch mit unserem direkten Nachbarn ins Gespräch.
In der ganzen Zeit hören wir immer wieder einen dumpfen Knall. Dieser ist nicht laut aber zu hören. Wir fragen unsere Nachbarn was das ist und erfahren nun, das in etwa 5 Kilometer Entfernung sich ein Übungsplatz der Bundeswehr befindet. Dort wird mit Panzer geschossen und einmal innerhalb von drei Wochen findet auch ein Nachtschießen statt. Dann wird es etwas lauter aber man kann trotzdem sehr gut schlafen.
Als Herbert fragt, wann das denn ist, erfahren wir, das es schon an diesem Abend ist. Nur dafür sind zwei Familien mit ihren Wohnwagen hier hin gefahren, denn es ist immer wieder ein Schauspiel von einem nahen Berg dem Schießen zu zusehen. Auf meine Frage „Wieso?“ sagt uns ein Mann: „Jeden Schuss kann man beobachten durch die Leuchtspur der Geschosse. Wenn der Schuss dann das Ziel trifft, gibt es ein wares Feuerwerk. Zwar nur für ein paar Sekunden, aber es ist herrlich das zu sehen.“
Ab 22.00 Uhr sitzen wir alle auf dem kleinen Hügel und schauen dem Nachtschießen der Bundeswehr zu. Es ist wirklich einmalig was wir zu sehen bekommen. Falls der Blick genauer sein soll, gibt es auch noch einen kleinen Hochsitz auf dem Berg. Von dort aus, hat man noch einen besseren Blick auf das Gelände vor uns. Doch reicht uns der Blick von dem Hügel aus.
Es ist wirklich einmalig was wir dort sehen. Kurz leuchten Scheinwerfer bei den Panzern auf, dann fällt auch schon der Schuss und das Licht erlischt im gleichen Moment. Oft ist noch nicht einmal das Licht der Scheinwerfer zusehen und trotzdem scheint ein Schuss zu fallen, denn wir sehen eine Leuchtspur auf ein Ziel zu rasen. Trifft der Schuss, gibt es immer ein großes Feuerwerk.
Nachdem 10 Schuss gefallen sind, wird es am Gelände sehr hell. Nun können wir erkennen, das 15 Panzer dort stehen, aber auch wie dort einige Aufregung herrschen muss. Denn es laufen viele Soldaten herum und schauen durch Ferngläser in das Gelände. Hierbei scheint es sich aber um Spezialgläser zu handeln, wie Herbert erklärt. Er hat ebenfalls ein Fernglas bei dem man auch im dunklen sehr gut sehen kann.
Auf einmal meint er: „Da ist einer der Schaut genau in unsere Richtung. Jetzt ist er am Winken. Macht doch mal Licht und leuchtet meine Frau an!“ Sofort gehen mehrere Taschenlampen an, die mich anleuchten. Dann sagt Herbert wieder: „Jetzt spricht der Mann mit jemand anderes. Moment! Er winkt zu uns hin. Der Mann neben ihm schaut auch durch ein Fernglas. Das ist doch der General von der Autobahn!“
Sofort als Herbert sagt, das ein Mann zu uns winkt, will ich zum Wohnmobil. Aber die anderen Worte von Herbert stoppen mich. Kurz darauf klingelt mein Handy. Ich hatte dem General damals meine Handynummer gegeben. Nun hole ich mein Handy aus meiner Tasche und nehme sofort ab. Als die Stimme eines Mannes ertönt, weiß ich sofort, das ist der General von der Autobahn.
Er fragt mich: „Bist Du das wirklich Gerda?“ Ich antworte nur, das ich es bin. „Moment mal eben!“ sagt er daraufhin zu mir und ich bekomme mit, wie er jemanden antwortet. Was er sagt kann ich nicht richtig verstehen. Dann meldet er sich wieder: „ Gerda, hier hat es einen Unfall mit Tieren gegeben! Kannst Du helfen?“ Sofort sage ich meine Hilfe zu und der General sagt, das er sofort einen Wagen schickt.
Während wir nun auf den Wagen warten, hole ich meine Tasche aus einem Schrank des Mobiles. Dann trete ich zu den anderen und wir warten auf den Wagen der Bundeswehr. Dabei reden wir über den General und was er doch für ausgezeichnete Ferngläser hat. Denn immerhin sind wir mehr wie fünf Kilometer vom Ort des Schießens entfernt. Aber auch Herbert scheint ein sehr gutes Fernglas zu haben.
Während wir am Reden sind, sehen wir ein Bundeswehrfahrzeug mit hoher Geschwindigkeit auf den Campingplatz fahren. Da nur bei uns auf dem Hügel ein kleines Licht brennt, hält der Fahrer auf uns zu. Direkt neben uns tritt der Fahrer auf die Bremse und nachdem er steht hören wir nur wie der Fahrer nach mir ruft. Herbert und ich stehen sofort auf und beide gehen wir auf den Wagen zu.
Während ich hinten einsteige, nimmt Herbert auf dem Beifahrersitz Platz. Sofort gibt der Fahrer wieder Gas und mit einem Höllentempo fährt er wieder davon. Während der ganzen Fahrt, gibt der Fahrer nicht einen Ton von sich. Auch auf Fragen von mir, antwortet er nicht.
Nach einer kleinen Ewigkeit biegt der Fahrer in eine kleine Straße ein und schon bald ist der Platz erreicht, von dem die Panzer schießen. Aber der Fahrer hält nicht an, sondern fährt ins Gelände vor den Panzern. Im Vorbeifahren habe ich gesehen, das alle Panzer ihre Kanonen hoch gehoben haben. Dafür brennt bei jedem Panzer ein Scheinwerfer, der auf dem Turm befestigt ist.
Das Licht dieser Scheinwerfer ist auch nach drei Minuten noch zu sehen als der Wagen hält indem wir sind. Sofort steige ich aus dem Wagen aus und werde von einem mir unbekannten Mann empfangen. Dieser sagt zu mir, das ich ihm folgen soll, aber immer nur da laufen soll, wo er sich befindet.
Auf mein Nachfragen sagt er, das es hier sehr viele Munition befindet, die nicht explodiert ist. Nachdem ich meine Tasche genommen habe, folge ich dem Mann. Auch Herbert ist sehr dicht hinter mir. Bei einem alten Panzer der schon oft von Granaten getroffen worden ist, bleiben wir stehen. Jetzt sagt der Mann zu mir, das nur ich folgen soll. Aber Herbert kann nicht hören und er folgt uns langsam.
Dann haben wir den Bug des alten Panzers erreicht und dort treffen wir den General. Er schaut mich und Herbert an, dann sagt er: „In dem Panzer befinden sich ein oder mehrere Tiere. Ich habe einen von ihnen erst erkannt, als das letzte Geschoss den Panzer im vorderen Bereich getroffen hat. Da es sehr gefährlich ist den Panzer zu betreten habe ich ein Sprengkommando angefordert. Doch diese brauchen noch etwa zwei Stunden bis sie hier sind.“
In diesem Moment entsteht hinter dem General auf dem Panzer eine Bewegung. Ein großer Hund erscheint und schaut uns alle an. Dann scheint er mich zu sehen denn er schaut mich lange an. Dabei ist er leicht am knurren. Als das Tier sich in Bewegung setzt, erkenne ich das es sich um einen Wolf handelt. Das Tier springt von dem Panzer herunter und kommt auf mich zu. Dicht vor mir setzt er sich auf den Boden und fängt leise an zu jaulen. Jetzt erkenne ich ihn wieder. Es ist der Wolf von dem Unfall auf der Autobahn!
Ich strecke meine Hand aus und streichele ihm über den Kopf. Der Wolf kommt ganz dicht an mich heran und ich sage zu den Männern um mir: „Bleibt alle zurück und nähert euch erst, wenn ich es sage. Hierbei handelt es sich nicht um einen Hund sondern um einen waschechten Wolf! Also seit sehr vorsichtig mit euren Bewegungen.“
Dann schaue ich den Wolf wieder in seine Augen und er wendet sich wieder zu dem Panzer. Vor dem alten Gerät setzt er sich hin und ist einmal kurz am Heulen. Aus dem alten Panzer springen nun ein weiterer Wolf und auch noch drei Welpen. Diese kommen zu dem ersten Wolf und setzen sich neben ihm hin.
Sie schauen mir direkt in die Augen und ich begebe mich zu ihnen. Jeden Wolf höre ich ab und stelle bei keinem eine Verletzung fest. Jeder Wolf, auch die kleinen, drücken einen kurzen Moment ihren Kopf an meine Schulter, dann setzen sie sich zu dem ersten Wolf.
Dieser kommt zu mir, schaut mich lange an, dann drückt auch er seinen Kopf an meine Schulter. Aber viel länger als die anderen. Dabei kommt ein Ton von ihm als wenn er „Danke“ sagt. Dann dreht er sich um und alle verlassen den Ort und laufen auf einen nahen Wald zu. Bevor sie darin verschwinden, schauen alle noch einmal zu uns. Dann sind sie nicht mehr zu sehen.
Ich wende mich wieder dem General zu und er sagt zu mir: „Danke Gerda! Ich hoffe das es das letzte Mal war, das Du helfen musstest. Vielen Dank.“ Wir reden noch etwa eine halbe Stunde zusammen, dann bringt uns der Fahrer wieder zurück zu unserem Mobil.
Am nächsten Tag werden Herbert und ich in die Kaserne eingeladen. Dort sind nicht nur der General und der Kommandant der Übungstruppe, sondern auch noch viele andere. Auch der Verteidigungsminister ist da. Lange hält dieser meine Hand und immer wieder sagt er zu mir, das ohne meine Hilfe wohl eines der Geschützen Tiere in Deutschland verendet wäre.