Benito
Wie so oft sitze ich in meinem Büro. Freue mich aber schon auf den Feierabend, denn dann habe ich drei Wochen Urlaub. Dieses Mal soll es mit dem Wohnmobil nach Spanien gehen, worauf ich mich schon sehr freue. Zwar werden wir mindestens drei Tage brauchen um dort an zu kommen aber Herbert und ich haben sehr viel Zeit.
Aber noch sind es vier Stunden bis ich Feierabend habe. Wenn ich zu Hause bin, will Herbert sofort los fahren. Er hofft das er mindestens 400 Kilometer fahren kann, bis er die erste Pause machen muss. Dann sind wir schon in Frankreich und dort brauchen wir nur den schon Angemieteten Standplatz anfahren. Wann wir ankommen ist egal, darum hat Herbert schon einen Code zugeschickt bekommen und den braucht er nur eingeben. Erst dann brauchen wir auch den Platz bezahlen. Diese Bezahlung erfolgt per Überweisung und das erst vier Wochen später.
Dafür sind es auch nur 10 Mark die wir zahlen müssen. Natürlich können wir auch den Standplatz benutzen ohne den Code einzugeben, aber dann gibt es keinen Strom und kein Wasser.
Herbert will auf jeden Fall den Code eingeben, denn er ist der Meinung, das jemand den Platz pflegen muss und dieser braucht eine Bezahlung. Natürlich gebe ich ihm Recht. Er hofft das er um 22.00 Uhr an dem Platz ist. Wir werden dann um etwa 7.00 Uhr weiter fahren.
Es ist nur noch eine Stunde bis zu meinem Feierabend als mein Telefon klingelt. Als ich abnehme meldet sich eine Frau die Spanisch mit mir spricht. Jedoch kann ich kein spanisch, darum antworte ich zunächst auf französisch und dann auf englisch.
Englisch wird verstanden und nun geht die ganze Unterhaltung auf Englisch weiter. Nur merke ich schnell, das meine Gesprächsteilnehmerin kein sehr gutes Englisch spricht. Darum dauert es etwas bis eine Antwort erfolgt. Das sage ich auch sofort zu ihr und sie versteht mich.
Dann erzählt sie von einem Hund der einfach umgefallen ist und seitdem nicht mehr aufgestanden ist. Der eigene Tierarzt wollte schon die letzte Spritze setzen, da er nichts gefunden hat, aber sie ist strikt dagegen. Auch sagt sie mir die bisherigen Blutwerte durch. Dabei handelt es sich um das große Blutbild, doch es gibt keine Unregelmäßigkeiten hierbei.
Darum frage ich sie wo der Standort ist, wo es diesen Hund finden kann. Und sie sagt mir sofort diesen Standort. Dahin gibt es aber keine Flugmöglichkeit, darum sage ich zu ihr, das wir in drei Tagen da sein können. Genau so lange würde es mit der Bahn dauern. Dazu ist ihr Tierheim zu abgelegen. Sie sagt zu mir, das sie alles versuchen wird um den Hund am Leben zu erhalten.
Danach legt sie den Telefonhörer auf. Nun fiebere ich meinem Feierabend entgegen . Doch zunächst muss ich die Übergabe an meinen Stellvertreter erfolgen. Alles klappt sehr gut, denn Annemarie hat mich schon oft vertreten.
Dann habe ich Feierabend und bin sofort unterwegs nach Hause. Dort ist schon Herbert und hat das Abendessen vorbereitet. Während des Essens erzähle ich von dem Anruf und er lässt sofort seine Gabel fallen als er das hört. Anschließend rennt er zum Telefon und spricht mit einer Frau.
Als er zurück kommt ist er ganz aufgeregt. Sofort rennt er ohne ein Wort zu sagen in unser Schlafzimmer. Dort höre ich wie er einige Sachen aus dem Schrank nimmt. Bevor ich das Zimmer betreten kann, erscheint er wieder an der Tür des Raumes.
Er ruft mir zu: „Deine Tasche und dann zum Auto!“ Sofort greife ich zu meiner Tasche und laufe hinter ihm her. Er steht schon mit seinem Auto vor der Tür und sobald ich Platz genommen habe auf dem Beifahrersitz gibt er Gas. Erst jetzt sagt er zu mir: „Dein Flieger nach Spanien geht in 2 Stunden. Du bist dort als besonderer Passagier angemeldet. Der Flieger geht nach Spanien und du wirst erheblich schneller da sein, wie ich. Schnapp dir anschließend ein Taxi. Bezahle mit meiner Kreditkarte, wenn es möglich ist. Wir sehen uns dann in drei Tagen!“
So viel Gas wie heute hat Herbert noch nie gegeben. Denn er fährt weit über der erlaubten Geschwindigkeit. Mehrmals blitzt auch ein Gerät vor uns auf, jedoch kümmert sich Herbert nicht darum. Auch als hinter uns ein Blaulicht und ein Martinshorn angehen, wird er nicht langsamer.
Ganz im Gegenteil! Er gibt noch mehr Gas. Schon bald taucht neben uns ein Polizeifahrzeug auf und der Beamte auf dem Beifahrersitz schaut zu uns herüber. Nur ich schaue zurück, mache aber gleichzeitig das Innenlicht unseres Wagens an. Da dort auf Wunsch von Herbert eine stärkere Beleuchtung installiert worden ist, konnte der Beamte mich sehr gut erkennen.
Während Herbert mit unveränderter Geschwindigkeit, fast 150 km/h, weiter fährt, sehe ich einen der Beamten Telefonieren. Jedenfalls hält er einen Telefonhörer in der rechten Hand. Dann gibt der Fahrer noch mehr Gas und er schwenkt vor uns ein. Gleichzeitig geht das Hinweislicht an, das wir folgen sollen.
Dabei erkenne ich wie der Beamte sich umdreht und nur kurz einen Blick zu uns wirft. Dann scheint er wieder in sein Telefon zu sprechen. Kurz darauf klingelt mein Handy. Ich bin doch sehr erstaunt, denn die Nummer habe ich nur sehr wenigen Bekannten gesagt. Das sind natürlich alle Mitarbeiter im Tierheim, natürlich Herbert, aber auch Georg. Dieses ist ein Beamter der Autobahn Polizei. Georg leitet dort eine Station.
Nachdem ich abgenommen habe meldet sich eben jener Georg und er fragte mich, wo wir denn so schnell hin wollen. Kurz erzählte ich ihm um was es geht und als er von mir hörte das wir nur noch 30 Minuten, soviel Zeit bleibt uns noch bis wir da sein müssen, bleibt sagt er: „Ich werde sofort alle Einsatzkräfte informieren. Später könnt ihr mehr erzählen!“
Nachdem er aufgelegt hat, überholt uns ein Streifenwagen, dabei hat auch dieser Blaulicht und Martinshorn an. Ein zweiter Wagen folgt nach kurzer Zeit. Nun begleiten uns schon vier Wagen und wir werden noch schneller. Mit fast 200 km/h geht es nun über die Autobahn.
Als die Autobahn Ausfahrt näher kommt, werden die Polizeifahrzeuge vor uns langsamer. Dann geht es schon in die Ausfahrt. Am Ende der Strecke ist eine Ampel und die zeigt „Rot“. Jedoch fahren zwei Polizeifahrzeuge in die Kreuzung und so kann Herbert ohne anzuhalten in Richtung Flugplatz ab biegen. Sofort folgen uns die Wagen die die Kreuzung für uns gesichert haben und fahren nun vor und neben uns her.
Wieder wird beschleunigt und obwohl hier nur Tempo 80 erlaubt ist, fahren wir wieder mit fast 150 km/h. Schon bald taucht das Flughafengebäude vor uns auf und als wir vor der Tür dieses Gebäudes anhalten sind sofort mehrere Beamte neben unserem Fahrzeug und zusammen mit mir, rennen diese auch zum Gebäude. Auch dort laufen die Beamten neben mir her, bis ich den Abflugschalter erreicht habe.
Kurz stelle ich mich der Mitarbeiterin vor, dann bekomme ich schon mein Ticket und sofort gezeigt wo ich hin muss. Auch jetzt folgen die Beamten. Da vor dem Durchlass zum Vorfeld des Fliegers eine kleine Menschenmenge steht, laufen sie einfach nach vorn und nachdem ich meine Flugkarte dort vorgezeigt habe, durfte ich in den Bereich. Erst jetzt blieben die Beamten zurück, dafür bemerkte ich das mich die anderen Passagiere anstarrten.
Auch wurde ich von einer freundlichen Dame abgeholt. Diese brachte mich zum Ausgang des Raumes in dem ich mich befand. Vor dem Ausgang stand schon der Flieger und ich wurde lange vor der Zeit der anderen Passagiere, zum Flieger gebracht. Ich konnte sofort in die Maschine und wurde herzlich an Bord begrüßt. Dann wurde ich in die erste Klasse gebracht.
Nach nur einer Stunde hob der Flieger dann ab. In der ersten Klasse waren noch drei andere Personen und alle schauten mich doch irgendwie seltsam an, Doch keiner stellte eine Frage an mich. Mir war es natürlich recht und so genoss ich den Flug mit all seinen Annehmlichkeiten.
Gleich nach der Landung holte ich meinen kleinen Koffer ab und als ich genau das machte ertönte eine Durchsage. Darin wurde ich aufgefordert mich sofort am Infostand des Flugplatzes zu melden.
Nachdem ich meinen Koffer hatte, bin ich sofort zum Infoschalter. Dort wartete schon ein Beamter der hiesigen Polizei auf mich. Sobald ich meinen Namen genannt habe, griff er zu meinem Arm und zog mich zu einem Einsatzfahrzeug der Polizei. Sobald wir beiden in dem Wagen saßen, gab der Fahrer Gas. Dabei schaltete er nicht nur das Blaulicht an, sondern auch seine Alarmsirene.
Erst jetzt stellt sich der Beamte vor. Das in einem sehr guten Deutsch. Auch sage er mir warum die Polizei am Flughafen auf mich gewartet hat. E§s war ein Anruf aus Deutschland bei dem um Unterstützung in einem Notfall gebeten wurde. Ihr Vorgesetzter hat sich alle angehört und dann entschieden, das die Polizei hilft.
Es dauert nur etwa 2 Stunden, inzwischen ist es dunkel da auch dieselbe Zeit wie in Deutschland herrscht. Trotzdem ist es schon etwa 1.30 Uhr. Sobald der Wagen steht, springt einer der Beamten aus dem Wagen und läuft zum Tor. Auf eine mir nicht sichtbare Klingel drückt er und schon kurz darauf erscheint ein Mann am Tor. Der Beamte sagt nur kurz etwas zu ihm, dann öffnet der Mann das Tor.
Sobald das Tor auf ist, fährt der Wagen zum Hauptgebäude des Tierheim. Dann steige ich endlich aus und der fremde Mann ergreift sofort meinen Arm. Mich als Anhängsel läuft er auf ein Gebäude zu und als wir dieses betreten, wendet er sich nach links. Dort ist ein Raum in dem auch ein Telefon steht. Der Mann greift zum Hörer, wählt eine Nummer und legt kurz darauf wieder auf. Dann greift er wieder zu meinem Arm und er führt mich zum Krankenbereich des Tierheim. Dieses ist nicht so eingerichtet wie bei uns, denn es fehlt sogar ein Medikamentenschrank.
Der Mann zeigt auf einen Stuhl und während ich mich setze ist er wieder aus dem Raum. Auch die Beamten, die die ganze Zeit bei mir waren, verabschieden sich von mir. Ich bedanke mich bei ihnen und bin bald alleine in dem Raum.
Ich muss nur 15 Minuten warten, dann öffnet sich die Tür wieder. Eine Frau in mittlerem alter betritt den Raum und schaut mich erstaunt an. Dann sagt sie zu mir: „Das gibt es einfach nicht! Vor nicht einmal 9 Stunden haben wir Telefoniert. Du sagtest das Du mindestens drei Tage brauchst um hier zu sein. Und jetzt stehst Du vor mir.“
Schluchzend fällt sie mir um den Hals und kriegt sich auch die nächsten 10 Minuten nicht mehr ein. Dann scheint ein Ruck durch ihr zu gehen und sie nimmt mich am Arm. Sie betritt einen Nebenraum und führt mich zu einem Hund. Dieser liegt völlig Apathisch in seinem Korb. Ich frage die Frau nach den Anzeichen der Krankheit, jedoch kann sie mir noch immer nicht antworten.
Darum wende ich dem Hund zu und höre ihn erst einmal ab. Doch dabei kann ich nichts feststellen. Darum frage ich nach dem Blutbild und den Röntgenaufnahmen. Da die Frau noch immer nicht reagiert, holt der Mann, anscheinend die Nachtwache, alle Befunde und Aufnahmen heran.
Ich schaue mir das Blutbild noch einmal an und nachdem ich erfahren hab, das es von heute spät abends ist, schaue ich mir dieses genau an. Auch die Röntgenfotos werden genau von mir betrachtet.
Langsam keimt ein Verdacht in mir auf und ich entnehme noch einmal eine Blutprobe. Dieses wird sofort durch einen Taxifahrer zum Labor gebracht. Dieses Labor arbeitet rund um die Uhr und ich machte darum noch einmal die Notwenigkeit des Ergebnisses aufmerksam. Dabei sage ich, das Lebensgefahr vorliegt.
Der Fahrer macht sich sofort auf den Weg und nach nur dreißig Minuten habe ich das Ergebnis vorliegen. Der Hund leidet an Epilepsie! Sofort bekommt er von mir die benötigten Medikamente, dann unterhalte ich mich mit der Leiterin des Tierheim, denn diese Form der Epilepsie ist sehr schwer zu Diagnostizieren. Ich erkläre ihr genau wie sie das feststellen kann und schon bald lädt sie mich in ihr zu Hause ein. Natürlich nehme ich an, denn ein Hotelzimmer um diese Zeit zu finden ist sehr schwer.
Während der ganzen Zeit in dem ich auf Herbert warte, wohne ich bei der Tierheim-Leiterin. Alle Tiere im Tierheim untersuche ich und knüpfe auch eine Verbindung nach Deutschland. Jetzt werden auch Tiere nach Deutschland vermittelt.
Darunter auch der Hund den ich gerettet habe. Eine Nachbarin von mir kam eines Tages zu mir und berichtete, das sie einen Hund aus Spanien zu8 sich genommen hat. Sie hatte ihn Benito genannt. Sehr erstaunt war ich, das es genau der Hund ist, den ich in Spanien behandelt habe.
Herbert war nach drei Tagen da und wir verbrachten einen wunderbaren Urlaub in Spanien. Nur für die Rückfahrt brauchen wir eine eigene Geschichte.