Post aus der DDR
Ich komme gerade von der Hundestation zurück wo ich geholfen habe. Denn im Moment ist ein Helfer mangel bei uns im Tierheim. Es fehlen vier Personen die uns über tags helfen. Es sind auch fast 200 Tiere bei uns. Noch nie hatten wir so viele Tiere, aber was will man machen in der Urlaubszeit.
Also bin ich zum Hundebereich und habe dort mitgeholfen das Futter für die Tiere her zu richten. Auch das putzen der Näpfe gehörte dazu. Obwohl ich Leiterin des Tierheim bin und eigentlich diese Arbeit nicht machen muss, bin ich sehr oft bei den Tieren; sei es bei den Hunden oder auch bei den Katzen. Aber auch bei den anderen Tieren bin ich häufig. Ich helfe überall und vernachlässige auch gern die Büroarbeit.
Nun bin ich zurück von den Hunden und kümmere mich um die Post. Wie immer ist sehr viel Werbung dabei, aber auch einige wichtige Briefe. So auch diesmal! Neben Werbung, die ich sofort weg schmeiße, sind es noch sieben weitere Briefe. Einer davon scheint aus der DDR zu kommen, doch enthält dieser nur einen Satz auf vier DIN A4 Seiten. Nur folgender Satz ist zu lesen: „Du wirst den Brief schon lesen können!“
Auf jedem Fall steht dieser Satz auf den vorderen und hinteren Seiten der Zettel. Aber jeweils nur ein Wort vorn, dann wieder eines hinten. Nur der letzte Zettel scheint vollkommen leer zu sein. Ich entscheide mich dazu diesen seltsamen Brief zu Hause noch einmal genauer zu untersuchen. Darum kommen alle Blätter wieder in den Umschlag und ich lege ihn in meine Tasche.
Dann lese ich die anderen Briefe und bereite mich dann langsam auf den Feierabend vor. Besonders heute freue ich mich auf diesen Tag, denn es ist Mittwoch und da hat die Praxis von Herbert Nachmittags geschlossen. Dafür kocht Herbert dann immer das Essen für uns beide.
Gegen 18.00 Uhr bin ich endlich zu Hause. Auf der kurzen Fahrt vom Tierheim zu unserem Haus, stellte ich mal wieder fest, das auf der nahen Autobahn etwas geschehen sein muss. Denn wieder ist der Verkehr sehr dicht auf der Straße. Aber ich komme gut voran, weil der dichte Verkehr in der anderen Richtung ist.
Nachdem ich unser Haus betreten habe und Herbert, der die letzten Vorbereitungen trifft für unser Essen, dusche ich erst einmal. Wenn man den ganzen Tag mit Tieren gearbeitet hat, ist eine Dusche nicht verkehrt da, sollte eines der Tiere eine Krankheit haben, die Viren abspüle. Dann gehe ich zum Esszimmer.
Ich bin erstaunt, als ich den Raum betrete. Was Herbert wieder alles vorbereitet hat. Neben einigen Kerzen, die natürlich schon brennen, hat Herbert auch schon den Tisch eingedeckt. Nur die Teller fehlen noch, aber diese wird Herbert in der Küche haben. Da ich aber weiß, das Herbert nicht gern gestört wird wenn er kocht, schaue ich mir den Brief aus der DDR an. Noch immer kann ich nichts feststellen auf den beschriebenen Zetteln. Auch als ich diese gehen das Kerzenlicht hebe ist nichts zu sehen.
Bevor ich zum fünften Blatt greifen kann, betritt Herbert mit dem Essen den Raum. Heute gibt es Hackbraten und Herbert hat sich richtig Mühe gegeben, denn mir schmeckt es ausgezeichnet. Nach dem Essen räumen wir gemeinsam den Tisch ab und setzen uns anschließend ins Wohnzimmer.Herbert fragt mich wie es war und mir fällt wieder der Brief aus der DDR ein.
Schnell gehe ich zu dem Tisch auf dem der Brief liegt und zeige ihn anschließend Herbert. Dieser schaut sich alle Zettel an und kann bei den ersten vier Zetteln nichts feststellen, Erst als er den fünften Zettel gegen das Licht hält, scheint er etwas zu sehen, denn er sagt zu mir. :Hole das Bügeleisen und stelle es auf höchste Stufe ein!“
Ich schaue ihn nur kurz an, dann bin ich unterwegs in den Keller um mein Bügeleisen zu holen. Nachdem ich wieder zurück bin, schließe ich es an das Stromnetz an und stelle die höchste Stufe ein. Dann ist warten angesagt und ich frage Herbert, was er entdeckt hat. Er antwortet: „Der ganze fünfte Zettel scheint voll geschrieben zu sein. Ich vermute, das wenn wir den Zettel erhitzen, der Brief lesbar wird:“
Nach etwa fünf Minuten legt Herbert vorsichtig das Bügeleisen auf den Zettel. Wirklich erscheint nun die Schrift nach und nach und so macht es Herbert auch bei der zweiten Seite. Nun kann man den Zettel lesen, der von meinem Freund dem General aus der DDR geschrieben ist.
Ich lese: „Hallo Gerda! Du hast also das Geheimnis des Briefes entdeckt zu haben, denn sonst könntes Du diesen Brief nicht lesen.“ Ich schaue Herbert an, der mich die ganze Zeit ansieht. Dann reiche ich ihm den Zettel, damit er weiter liest. Was er auch macht, aber erst einmal für sich alleine.
Dann greift er wieder zum Bügeleisen und bearbeitet die anderen Zettel genau so, wie den ersten. Auf jeden Zettel ist eine Nummer zu erkennen, nur scheint es nicht die richtige Reihenfolge zu sein. Herbert fängt sofort an, die Zettel in die richtige Reihenfolge zu legen, jedoch scheitert er immer wieder. Nur die Vorwahl bringt er heraus, weil diese auf der Vorder- und Rückseite eines Zettels steht.. Doch bei den anderen Zahlen scheitert er.
Darum greifen wir wieder zum Zettel mit dem Brief an mich. Doch auf darauf finden wir keinen Hinweis auf die richtige Zahlenfolge. Nur bemerken wir, das es eine Rufnummer aus dem Westen von Deutschland ist. Denn die Vorwahl ist aus einem Ort der sehr in der Nähe von der DDR ist, aber auf Westdeutschem Gebiet.
Noch einmal schauen wir uns den Brief des Generals an und finden dann die Lösung zu dem Rätsel. In dem Brief sind des öfteren Zahlen versteckt, die nichts mit dem Text des Briefes zu tun haben. Schon auf der ersten Seite fallen uns zwei Zahlen auf, die nichts mit dem weiteren Text zu tun haben.
Darum schauen wir uns noch einmal die ersten Seiten an und haben bald eine komplette Telefonnummer zusammen. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr, inzwischen ist es 1.00 Uhr am morgen, entschließen wir uns bis zum Morgen zu warten um dort an zu rufen. Noch einmal lesen wir den Brief, jedoch können wir nicht entnehmen warum dieser Brief geschrieben ist. Jedoch macht mich die Wortwahl aufmerksam.
Es scheint ein Brief von dem General aus der DDR zu sein. Denn die Handschrift kenne ich und ich meine das sie von dem General ist. Aber ich bin mir nicht sicher und so beschließen Herbert und ich, das ich am Morgen die Nummer anrufen werde. Zehn Minuten später liegen wir im Bett und reden noch kurz über den Brief. Dann löscht Herbert das Licht im Schlafzimmer und wir fallen in tiefen Schlaf,
Jedoch ist die Macht schon um 6.oo Uhr vorbei. Herbert lässt mir den Vortritt beim Duschen und so bin ich schon um 5.15 Uhr fertig und bereite unser Frühstück vor. Die Brötchen, diese werden immer von unserem Bäcker geliefert, werden kurz aufgewärmt, dann liegen sie auf unseren Tellern. Dann wird gefrühstückt.
Um 7.30 Uhr bin ich im Tierheim und kann es nicht erwarten, die Telefonnummer, die Herbert und ich entziffert haben, anzurufen. Jedoch beherrsche ich mich und mache erst meinen Rundgang durchs Tierheim. Erst gegen 9.00 Uhr bin ich zurück in meinem Büro und wähle nun die Nummer.
Als am anderen Ende abgenommen wird, meldet sich eine Frau. Aber sie sagt nur „Hallo“ am Apparat. Darum stelle ich mich vor: „Wunderschönen guten Morgen! Meine Name ist Gerda Xxxxx!. Ich rufe“ Jedoch bevor ich weitersprechen kann, sagt die Frau in einem gänzlich anderen Tonfall: „Bitte warten Sie! Ich verbinde Sie weiter!“
Dann entnehme ich dem Klicken was nun folgt, das ich weiter verbunden werde und nach etwa einer Minute meldet sich ein Mann am Apparat: „Guten Morgen! Ich bin Gefreiter Frxxx! Was kann ich für sie tun?“ Auf einmal bekomme ich mit, wie eine Stimme im Hintergrund ist und der Gefreite sagt nur noch: „Jawohl Herr General!“ Dann höre ich wieder das Rufzeichen und kurz darauf höre ich eine mir bekannte Stimme.
Es ist die Stimme von dem General aus der DDR. Ich stutze etwas, denn ich hatte ja eine Nummer gewählt, die mir gezeigt hat, das ich jemanden in der BRD anrufe. Ist der General nun über die Grenze? Doch schon bald erhalte ich Auskunft darüber, was es mit der Nummer auf sich hat.
„Hallo Gerda, wie geht es dir? Entschuldige bitte das ich diesen Weg nehme mit dir zu sprechen, aber es geht nicht anders.“ Nun begrüße ich auch den General und frage ihn zunächst warum er unter einer Westdeutschen Telefon Nummer erreichbar ist. Schnell klärt er mich auf das diese Rufnummer in keinem Verzeichnis hinterlegt ist, sondern nur für Gespräche mit einer Nummer aus der BRD gedacht ist. Es meldet sich immer eine Frau aus dem Ort, die einen weiterleitet. So wie mich. Diese Gespräche können nicht zurück verfolgt werden und auch ein Mithören ist nicht möglich. Selber der Gefreite im Nebenzimmer hört nur ein Rauschen.
„Jedoch hat es wohl einen kleinen Fehler beim Gesprächsaufbau gegeben. Denn mein Apparat und das Telefon im Nebenzimmer hat geklingelt. Aber ich werde gleich überprüfen lassen, woran es gelegen hat.“
Dann kommt er endlich dazu, warum er solch ein Geheimnis um meinen Anruf macht.Wieder einmal sind es zwei Hunde, die beide schon von der TÄ behandelt werden Auch hat sie schon die richtige Diagnose gemacht, aber sie braucht ein Medikament, welches es nur bei uns im Westen gibt. „Auf dem Postweg ist es nicht möglich diese Medizin zu erhalten. Du weißt mit Sicherheit das es ein Embargo für bestimmte Artikel gibt. Leider fällt die Medizin darunter.“
Er nennt mir den Namen des Medikamentes und ich verspreche ihm, die Medizin zu besorgen und sobald ich sie habe, diese persönlich zu bringen. Wir reden noch einige Zeit zusammen, dabei sagte er auch: „Ich wusste das Du die Telefonnummer heraus bringst, Darum die vielen Seiten mit den scheinbaren leeren Seiten.“ Kurz darauf beenden wir das Gespräch und ich sage noch zu ihm, das ich mich über diese Nummer melden werde.
Erst nachdem ich den Hörer aufgelegt habe, denke ich über unser Gespräch nach und komme zu der Ansicht, das ich mich strafbar mache. Jedoch sind mir die Tiere wichtiger wie Gesetze, die von irgend welchen Politiker erlassen wurden und ich schmeiße meine Bedenken über den Haufen.
Bevor ich jedoch beim Tierarzt anrufen kann, muss ich erst wieder zum Katzenhaus und in den Hundebereich. Hier scheint eine Epidemie zu herrschen und ich kümmere mich zunächst um die erkrankten Tiere. Dabei fällt mir auf, das diese Tiere genau die Medikamente benötigen wie die Tiere in der DDR.
Da der Tierarzt alle Anforderungen von Medikamenten für das Tierheim macht, rufe ich ihn wenig später an. Zunächst schildere ich ihm von meinem Gespräch mit dem General, dann sage ich ihm, wie viel an Medizin, auch die Tiere in der DDR sind einbezogen, ich benötige. Ohne einmal zu widersprechen sagt der Tierarzt zu, das die Medis am nächsten Tag da sind. Eine Uhrzeit kann er mir aber nicht nennen.
Am Abend spreche ich mit Herbert, der natürlich sehr neugierig ist, über den Fall. „Also Morgen im laufe des Tages! Es ist wirklich gut, das wir übermorgen Feiertag haben. Darum fahren wir am Freitag und können spätestens am Sonntag zurück fahren.“ Somit ist alles abgesprochen und ich warte auf das Medikament.
Am nächsten Tag ist das Medikament gegen Mittag beim Tierarzt und ich fahre sofort zu ihm um es Ab zu holen,Als ich entgegen nehme sagt der Tierarzt zu mir: „Für unsere Freunde habe ich 10 Einheiten mehr bestellt. Sei vorsichtig an der Grenze!“ Dankbar drücke ich ihm die Hand und weiß, das ich einen Mitstreiter habe, im Kampf gegen die Politik. Denn werde ich erwischt, kann auch er seine Praxis, aufgrund Mittäterschaft, schließen.
Nachdem ich wieder im Tierheim bin, rufe ich sofort die Geheimnummer an und als sich der General meldet, sage ich ihm nur: „Morgen“ Er fragt noch nach dem PKW, dann legen wir wieder auf.
Am nächsten Morgen fahren Herbert und ich sehr früh los. Es ist kurz nach sechs als Herbert auf die Autobahn einbiegt. Anschließend gibt er Gas und ich fange an mich zu wundern. Denn Herbert fährt heute fast Höchstgeschwindigkeit. Unser Wagen fährt fast 190 Kim/h
Es ist noch nicht einmal Mittag, als Herbert die Grenze erreicht. Beim Westdeutschen Zoll werden wir einfach durch gewunken, was schon sehr erstaunlich ist. Dann nähern wir uns dem Zoll der DDR. Es wird nach unseren Ausweisen gefragt und da wir keine Visa haben, fragt man nach unseren Namen. Als diese genannt werden, zuckt der Zöllner richtig zusammen. Er hebt anschließend seine rechte Hand und fordert uns auf weiter zu fahren.
Da ich den Weg zur TÄ schon kenne, fährt Herbert nun nach meinen Anweisungen zu der Praxis. Kurz darauf sind wir auch da und als ich klingele, wird die Tür sofort geöffnet. Die Ärztin fragt nur nach dem Medikament und als Herbert ihr dieses reicht, greift sie danach und rennt sofort zu den Praxisräumen. Dort gibt sie jedem Hund das benötigte Medikament und wendet sich erst jetzt an uns.
Sie begrüßt uns wie alte Freunde und sagt, das es Rettung in letzter Sekunde gewesen ist. Die Tiere hätten keine Stunde mehr auf das rettende Medikament warten dürfen. Sie schildert mir gerade den Gesundheitszustand der Tiere als ich einen PKW bemerke, der auf dem Parkplatz der Praxis hält. Heraus steigt der General mit einem anderen General. Das erkenne ich daran, weil er die selben Abzeichen trägt wie der andere General. Zusammen kommen die beiden in die Praxis und dann fällt mir der General um den Hals. „Ich wusste das Du kommst, bevor ich deine Nachricht bekommen habe. Darf ich dir meinen Nachfolger vorstellen? Er denkt genauso wie ich!“
Wir reichen uns die Hände, dann stelle ich Herbert vor. Der andere General scheint ganz in Ordnung zu sein denn schon nach kurzer Zeit den wir uns alle nur noch mit „Du“ an.
Wir bleiben bis zum Sonntag Mittag bei der TÄ, dann sind die Hunde gesund genug. Die restlichen Medikamente lasse ich alle in der Praxis. Dabei ist keiner der Generale im Zimmer. Erst draußen fragt mich der neue General: „Alles klar oder gab es Ärger?“
Am Abend sind wir wieder zu Hause und nur vier Wochen später erreicht mich ein neuer Hilferuf aus der DDR. Diesmal vom neuen General!