Der Streichelzoo
7Ich bin nun im zweiten Lehrjahr hier im Zoo um meine Ausbildung zur Tierpflegerin zu machen. Alle die wichtig sind hier im Zoo sind sich einig, das ich schon viel zu weit bin mit der Ausbildung. Nach deren Meinung könnte ich auch schon im dritten Ausbildungsjahr sein. Mein Ausbilder sagte zu mir, das er mich noch drei Monate beobachtet und dann entscheidet ob ich schon zur Prüfung soll. Das wäre ein Jahr vor dem Ende der normalen Ausbildungszeit.
Aber das bin ich gewöhnt. Schon in der Hauptschule war ich eine der besten und mein damaliger Lehrer sagte einmal zu mir, das ich doch besser eine Uni besuchen soll. Denn für die Hauptschule bin ich zu schlau. Doch meine Eltern konnten sich das nicht leisten. Also trat ich nach ende der Schule eben meine Ausbildung an. Zwar sollte diese im Tierheim stattfinden, aber das ging aus besonderen Gründen nicht.
Der Hauptgrund war, das eine Ausbildung im Tierheim nicht möglich war. Darum suchte die Leiterin des Tierheim für mich einen Ausbildungsplatz und wurde im hiesigen Zoo fündig. Aber meine Stelle habe ich im Tierheim, wo ich auch nach der Ausbildung wieder hingehen werde. Denn nichts hält mich im Zoo.
Ich will wieder ins Tierheim zurück. Zwar gibt es im Zoo viel mehr Tiere und auch mehr Rassen als im Tierheim aber ich gehe anschließend zurück ins Tierheim. Zwar ist die Ausbildung hier im Zoo sehr gut, ich war schon bei den Elefanten, den Affen, bei den Wölfen, bei Kleintieren und bei den Löwen und Tigern. Dort habe ich diverses erlebt und auch viel gelernt. Besonders haben es mir die Gorillas und die Schimpansen angetan.Aber auch Elefanten könnte ich mir vorstellen, sie zu pflegen. Aber leider gibt es diese Tiere nicht im Tierheim.
Aber wegen dieser Tiere will ich nicht auf das Tierheim verzichten. Immerhin wäre ich die erste ausgebildete Pflegerin im ganzen deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz, DDR und auch vielleicht Mallorca), Doch das ist mir vollkommen egal. Ich will zurück ins Tierheim, weil ich dort auch eine Festanstellung bekommen werde. Was im Zoo nicht möglich wäre. Dort bekomme ich nur eine sogenannten Zeitvertrag. Das reicht mir aber nicht.
Im Moment beaufsichtige ich den Streichelzoo. Eine Mitarbeiterin ist überraschend Krank geworden und ich bin der einzige der diesen Posten übernehmen kann, weil ich noch in der Ausbildung bin. Denn für die Beaufsichtigung des Streichelzoos braucht man keine Ausbildung. Auch soll ich diese Arbeit nur bis heute Abend,bis zum Ende der Besuchszeit im Zoo, machen.
Darum bin ich sehr entspannt als ich den Notruf einer Mitarbeiterin erhalte. Dieser Notruf lautet: „Fünfjähriger ist von einer Katze verletzt worden.“ Trotzdem nehme ich meinen Erste Hilfe Koffer an mich und gehe zu dem Bereich aus dem der Notruf kam.Dort sehe ich einen Jungen liegen, der anscheinend von einer Katze verletzt wurde.
Doch bevor ich ihn untersuchen kann, sagt der Junge zu mir: „Es war eine große Katze. Nicht solch ein Tier wie hier im Bereich! Suche bitte nach dem Tier!aber lasse es Leben. Denn das Tier kann nichts dafür das ich verletzt wurde!“
Ich bin sehr erstaunt darüber was mir der fünfjährige Junge sagt und erfahre nun, das er von seinen Eltern, bevor sie den Zoo besuchten, auf genaueste Aufgeklärt worden ist über die Tiere die hier im Zoo leben. Darum wusste er genau, das jenes Tier nicht hier in den Streichelzoo gehörte. Doch um welches Tier es sich handelt, konnte er nicht genau sagen.
„Vielleicht ist es ein Tiger oder Gepard. Ich weiß es einfach nicht.“ sagt er zu mir und zuckt dabei mit den Schultern. Doch mir ist es egal welches Tier es ist, denn ich weiß nun, das es eine Raubkatze ist und davor ist allemal zu warnen.
Schnell laufe ich zum Zoo eigenen Telefon und informiere den Zoodirektor. Kurz darauf ertönt aus den Lautsprechern, die überall im Zoo sind, eine Warnung. Die Besucher werden aufgefordert, wenn sie in der Nähe eines Ausganges sind, sofort den Zoo zu verlassen. Dabei wird auch auf einen freilaufenden Tiger hingewiesen. Alle Personen die nicht in der Nähe eines Ausganges sind, sollten die Schutzräume aufsuchen.
Schon bald sind alle Pfleger der Tiere allein im Zoo. Die Besucher haben entweder den Zoo verlassen oder sich in Schutzräume begeben. Zu zweit durchsuchen alle Pfleger den Zoo. Jedoch kann die große Katze zunächst nicht gefunden werden. Auch die Polizei ist inzwischen eingetroffen und sichert zunächst die Besucher die noch im Zoo in den Schutzräumen geblieben sind, damit diese den Zoo verlassen können.
Peter und ich sind inzwischen dabei, im Streichelzoo noch einmal hinter jeden Busch zu schauen. Als Peter wieder einmal in einem Busch sucht, zuckt er plötzlich zurück. Leise ruft er nach mir und als ich dann bei ihm bin, flüstert er mir ins Ohr: „Hinter dem Busch sitzt unser Sibirischer Tiger. Aber er ist nicht allein. Noch ein anderer Tiger ist bei ihm. Mir scheint es so, als wenn unser Tiger Weiblich ist und gerade entbunden hat.“
Vorsichtig schaue ich in den Busch und muss ihm recht geben. Dann sage ich zu ihm, das er sofort zum Leiter des Suchtrupps laufen soll und dort Bescheid gibt, wo der Tiger ist. Sofort macht er sich auf den Weg und entschwindet schon bald meinen Blicken.
Ich schaue wieder zu dem Tiger und bemerke auf einmal, das sich das große Tier nicht bewegt, obwohl das kleine immer wieder gegen den Körper des Großen Tigers stößt.
„Da kann etwas nicht stimmen!“ sage ich zu mir und gehe direkt zu den Tieren. Kaum bin ich da faucht mich der große Tiger ganz leise an. Darum wende ich mich zuerst an ihn und sage: „Hör genau zu! Du bist zu schwach um dein junges zu ernähren. Darum müssen wir Menschen das machen. Ich bringe nun den Kleinen sofort zum Tierarzt und du wartest hier. Ich bin gleich zurück!“
Damit wende ich mich dem Kleinen zu und nehme es auf den Arm. Dann gehe ich aus dem Gebüsch und sehe schon vier Leute auf mich zu kommen. Drei von ihnen haben Schusswaffen dabei. Als sie mich erreichen sage ich ihnen, wo der große Tiger ist, aber dann ertönt schon ein Rascheln im Gebüsch. Sofort heben die drei Männer ihr Schusswaffen, jedoch sage ich zu ihnen, das sie auf keinen Fall schießen sollen.
Was sie auch nicht machen als der Tiger aus dem Gebüsch erscheint. Ich zeige dem großen Tier das kleine und sofort folgt mir Langsam der Tiger. Ich passe mich seiner Geschwindigkeit an und schon bald läuft der Tiger neben mir her. Er ist keine 10 Zentimeter von meinen Beinen entfernt, doch ich gehe immer weiter zum Haus des Tierarzt.
Einer der Männer die mich begleiten, inzwischen sind alle Mitarbeiter des Zoo´s und die Polizei bei mir. Alle haben die Hand an der Waffe, jedoch macht keiner Gebrauch davon. Als wir beim Haus ankommen reißt einer sofort die Tür auf und ruft nach dem Tierarzt. Da dieser aber nicht da ist, betrete ich das Haus. Hinter mir kommt der Tiger und legt sich sofort hin, als ich mich auch setze.
Nur kurz warten wir, dabei sind fast alle Männer in dem Raum, als der Tierarzt zu mir tritt. Nur kurz hebt der alte Tiger den Kopf, schnuppert an dem Tierarzt dann singt der Kopf wieder auf den Boden. Der Tierarzt holt sofort Milch heran, bringt diese sofort auf die nötige Temperatur und gibt mir dann die Flasche. Damit füttere ich den kleinen Tiger, während der große mich genau beobachtet.
Als der kleine genug getrunken hat, lege ich ihn zu seiner Mutter. Diese schleckt den kleinen ab, dann schaut sie uns dankbar an. Wieder nehme ich das kleine auf den Arm und sofort folgt mir der große Tiger. Ich gehe zu ihrem Gehege und dabei stelle ich fest, das jemand vergessen hat das Gatter wieder zu schließen und so der Tiger sein Gehege verlassen konnte. Warum es niemand auffiel das der Tiger fehlte wird wohl für immer im Geheimen verborgen sein.
Aber wie wir bald feststellten. Gab es ein Problem! Die Mutter konnte ihr kleines nicht säugen. Der Tierarzt hat probiert dem kleinen die Flasche zu geben. Jedoch hat die große Tigerin immer wieder die Annäherungsversuche des Tierarzt abgewehrt.
Nach drei Tagen wurde ich gerufen und der Tierarzt redete lange mit mir. Dabei sagte er mir, das der Tiger es einfach nicht zulässt, wenn er kommt um dem kleinen die Flasche zu geben. Ich bin die einzige Hoffnung die sie nun haben. „Stellst Du dich zur Verfügung um unter Bewachung den kleinen zu versorgen?“ Natürlich sagte ich „Ja“ und so kam es, das ich schon bald eine riesige Flasche mit Tiermilch in der Hand hatte.
Dann ging ich zum Tiergehege und betrat dieses doch sehr unsicher. Aber ich wusste, das mindestens 4 Gewehre mich beschützten und auf die Tiermutti gerichtet waren. Als die Mutti mich erblickte, fauchte sie zunächst und ich hatte schon Angst, das der Tiger mich angreift. Doch ich hob nur meine Hand. Damit wussten alle, das sie zwar bereit sein müssen, aber nicht eingreifen müssen.
Und die Mutti lies´es zu, das ich den kleinen Tiger fütterte. Zwei Wochen machte ich dieses, dann kam die Mutti zu mir, legte sich so hin das ihr junges bei ihr saugen kann. Ich verstand sofort und legte den kleinen Tiger bei ihr an. Sofort fing der kleine an zu saugen und zum ersten mal streichelte ich der Mutti über den Kopf. Alle Berührungen hatte ich bisher vermieden.
Nun konnte ich nicht anders und kraulte die Tiermutti hinter den Ohren. Das schien ihr so zu gefallen,das ich der einzige war, der sie hinter den Ohren Streicheln durfte. Auch nach 15 Jahren war ich der einzige der zu dem Tiger durfte. Jedes mal wenn ich den Zoo besuchte war der Tiger bei mir und ich musste ihr Gehege betreten. Dann schmuste der Tiger mit mir. Der junge Tiger bekam von mir den Namen Ferdi und er blieb bei uns. Obwohl ich in den letzten Jahren nicht mehr bei ihr war, erkannte sie mich sofort wieder. Dicht am Gatter zum Gehege stand der Tiger und brüllte, was ihre Lungen hervor gaben. Darum bin ich zu ihr. Sie legte sofort ihren Kopf auf meinen Schoß, wie sie es immer gemacht hat, schaute mich noch einmal an und schloss die Augen. Ich wusste sofort, das der Tiger gestorben war und nahm sie ganz fest in meine Arme. Dabei weinte ich wie ein Schlosshund.
Der Tiger bekam in unserem Tierheim ein Besonderes Grab. Auf dem Grabstein war eine große Katze dargestellt. Sehr oft war ich an dem Grab und ich traf oft den Tierarzt des Zoo´s. Einmal sagte er mir, das er es sehr bedauert, das sie keinen Sibirischen Tiger mehr haben. Denn das waren die einzigen Tiere in die er sich verlieben konnte.