Verbrannte Katze oder „Streuner Willkommen“
Ich sitze abends in meinem Büro, als ich ein Martinshorn höre. Als ich aus dem Fenster schaue sehe ich das ein Polizei Bulli mit hoher Geschwindigkeit auf das Tierheim Gelände fährt. Sofort laufe ich nach draußen. Ich komme gerade aus dem Haus, als mir ein Polizist mit einer laut jammernden Katze auf dem Arm entgegen kommt. Er ruft mir zu: „Die Katze hat gebrannt!“ Sofort rufe ich nur: “Folgen!“
Dann laufe ich auch schon zum Behandlungsraum. Dort angekommen legt der Polizist vorsichtig die Katze auf den Behandlungstisch. Ich ziehe eine Anti-Schmerzspritze auf und gebe diese der Katze.]
Schon nach kurzer Zeit hört sie auf zu jammern. Als eine Mitarbeiterin des Tierheim vorbei kommt, beauftrage ich diese sofort beim Tierarzt anzurufen. Sie rennt sofort zu meinem Büro. Dann wende ich mich an den Polizisten um zu erfahren was los ist. Der erzählt mir, dass sie Alarmiert wurden, weil auf einem Gelände in einem Dorf, das ca. 2km von unserem Tierheim entfernt liegt, jugendliche ein Tier quälen. Sie sind sofort mit anderen Einsatzwagen dorthin gefahren. Als sie ankamen sahen sie dass die Katze brannte und die jugendlichen damit Fußball spielten. Sofort sprangen sie aus ihrem Wagen, woraufhin die jugendlichen, die jetzt erst die Polizei bemerkten, zu flüchten versuchten. Was natürlich misslang. Er habe sofort eine Decke geschnappt und das Feuer gelöscht. Es war nur ihr Schwanz am Brennen. Aber die Katze musste starke Schmerzen haben, so wie sie schrie. Sie haben dann die jugendlichen in ihren Bulli gepackt und sind sofort hier hin gefahren.
„Was, die sind im Bulli?“ fragte ich. Worauf der Polizist dieses bejahte. Ich rannte zum Bulli und riss die Seitentür auf. Dort saßen vier Jugendliche und schauten mich entsetzt an.
Ich kochte vor Wut. Was ich denen anschließend gesagt habe, kann ich nicht wiedergeben. Auf jeden Fall war auch dabei, das man dasselbe bei ihnen in Brand setzen sollte, was sie bei der Katze gemacht hatten. Hinter mir standen die beiden Polizisten und bekamen alles mit.
Da sah ich den Tierarzt auf das Gelände fahren. Ich rief den Beamten noch zu, dass ich die Namen der jugendlichen haben wolle, dann lief ich zum Behandlungsraum. Der Tierarzt sah sich nur kurz die Katze an, dann packte er sie in eine Transportbox und sagte zur mir: „Komm mit!“ Dann lief er, mit der Box auf dem Arm zu seinem Wagen.
Schnell fuhren wir los. Unterwegs fragte er mich was ich der Katze gegeben habe. Ich sagte es ihm und er sagte: “Ausgezeichnet!“
Bei ihm angekommen untersuchte er die Katze ganz genau. Ich half ihm dabei. Der Tierarzt stellte fest: Beide Vorderläufe gebrochen, der hintere rechte Lauf mehrfach gebrochen, der linke hintere Lauf einfach gebrochen, drei Rippen gebrochen. Der Unterkiefer gebrochen und mehrere Zähne fehlten, der Schwanz stark verbrannt. Der Tierarzt sagte: „Normalerweise müsste sie eingeschläfert werden! Sie wird niemals mehr Mäuse fangen können, nie wieder vernünftig fressen können. Aber bei Gott, sie soll leben! Schließlich ist sie höchstens ein Jahr alt“ Dann gab er dem kleinen Kätzchen eine Narkosespritze und begann seine Arbeit. Ich half ihm, da ich auch eine Ausbildung zur Tierarzthelferin hatte.
Zunächst amputierte er den Schwanz, so das nur noch ein paar Zentimeter über blieben. Dann kümmerte er sich um die vielen Brüche die die Katze erlitten hatte. Ganz zum Schluss behandelte er ihren Kieferbruch. Dann brachte er sie auf die Krankenstation die in seiner Praxis vorhanden war. Er meinte: „Wenn sie die nächsten 24 Stunden schafft, können wir hoffen.“ Fast vier Stunden hatte er gebraucht um die Katze zu versorgen. Anschließend brachte er mich zurück zum Tierheim.
Am nächsten Tag saß ich in meinem Büro als es gegen 15.00 Uhr an meiner Tür klopfte. Auf mein herein betraten zwei jugendliche und ein Mann mein Büro. Sofort fing der Mann an laut zu werden. Er meinte das, das zwei der Übeltäter sind die gestern die Katze gequält hätten. Der Mann ging mir auf die Nerven aber ich sagte nichts, sondern wandte mich an die jugendlichen. Ich fragte was sie sich dabei gedacht hätten. Sie meinten nur dass sie sich nichts dabei gedacht haben. Schon fing der Mann wieder an zu brüllen. Er meinte, was die Nachbarn denken würden, wenn seine missratenen Söhne von der Polizei nach Hause gebracht würden. Es reichte mir! Ich sagte ihm, wenn er weiter so rum brüllen würde, kann er mein Büro verlassen. Da fing er erst richtig an zu brüllen. Ich hatte die Schnauze voll. Ich sagte ihm, dass er sofort mein Büro verlassen solle. Er starte mich wortlos an. Ich sagte nochmals. „Raus“,. Daraufhin verließ er mein Büro und ich konnte mich mit den Beiden unterhalten. Sie meinten dass es ihnen schrecklich leidtun würde, und sie es am liebsten wieder Rückgängig machen würden. Dann fragten sie, ob sie die Katze sehen dürften. Ich überlegte kurz, dann forderte ich sie auf mir zu folgen. Als wir nach draußen kamen, stürzte sofort der Mann auf uns zu. Bevor er was sagen konnte, sagte ich zu ihm, das ich nun mit seinen beiden Söhnen zum Tierarzt fahren würde und er hier bleiben könne oder hinter uns herfahren könne. Dann setzten wir uns in unseren Bulli und wir fuhren zum Tierarzt. Der Vater fuhr hinter uns her. Beim Tierarzt angekommen sagte ich zu dem Vater, dass er hier draußen warten könne bis wir wieder raus kommen würden. Wortlos setzte der Vater sich wieder in seinen Wagen.
Drinnen kam uns der Tierarzt entgegen. Er sagte keinen Ton als er dir beiden jugendlichen sah, sondern öffnete eine Tür. In dem Raum den wir betraten lagen nur Tiere, die eine geringe Überlebens Chance besaßen. Der Tierarzt zeigte den beiden die Katze. Beide Jungs mussten schlucken als sie die Katze sahen.
Dann fingen beide an zu weinen. Der ältere sagte unter Tränen: „Nie, nie wieder!“ Wobei ihm der Jüngere zustimmte. Beide versuchten die Katze zu streicheln. Sie wussten aber nicht wo, da die Katze fast komplett verbunden war. Der Tierarzt und ich standen schweigend daneben. Nach ein paar Minuten, die Jungs hatten sich auch die anderen Tiere angeschaut, verließen wir wieder den Raum. Wir setzten uns ins Wartezimmer. Noch immer weinten die beiden. Durchs Fenster konnte ich sehen das der Vater der beiden auf das Haus zukam. Offensichtlich hatte er uns durch die Fenster gesehen. Der Tierarzt ging nach draußen wo er kurz mit dem Mann redete. Dann betraten beide das Wartezimmer. Der Mann setzte sich still auf einen Stuhl. Es vergingen weitere Minuten bis sich die beiden Jungs beruhigt hatten. Der jüngere fragte unter schluchzen: „Wird sie überleben?“ Der Tierarzt antwortete: „Wenn sie die nächsten 48 Stunden übersteht ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß. Aber sie wird für immer ein Pflegefall bleiben!“
Die beiden fingen wieder an zu weinen und der Vater wollte etwas sagen. Jedoch winkte der Tierarzt ab und der Mann verhielt sich ruhig. Nach einigen Minuten hatten sich die beiden soweit beruhigt das sie Fragen stellen konnten. Was sie auch taten. Sie fragten nach den Kosten der Behandlung, was es bedeutet, sie bliebe ein Pflegefall. Alles wurde vom Tierarzt mit ruhiger Stimme beantwortet. Dann fragte der Tierarzt was sie sich dabei gedacht hätten. Darauf konnten sie keine Antwort geben. Der Tierarzt meinte dann noch, dass sie und die anderen beiden die Kosten übernehmen müssten. Auch für später, da Pflegefall. Das sahen die beiden ein und auch der Vater meinte, dass das wohl das mindeste ist, was sie für das Tier machen könnten.
Ich fragte die beiden wann sie denn morgen Schulschluss hätten. Worauf beide sagten, dass sie um 15.00 Uhr zu Hause sind und dann Freizeit hätten. Ich meinte daraufhin dann könnten sie ja um 16.00 Uhr im Tierheim sein. Worauf der Vater entgegnete: „Nichts da! Die beiden haben bis auf weiteres Hausarrest. Die gehen nirgendwo hin!“ Ich sagte nur zu den beiden: „Bis morgen!“ Dabei schaute ich den Vater direkt in die Augen. Er meinte dann: „Ja Ok. Ich bringe sie dann.“ Worauf ich meinte dass sie ruhig mit dem Rad kommen können. Der Vater wollte wieder was sagen, doch ich schaute ihn nur an und er schwieg.
Anderntags kamen die beiden Jungs zum vereinbarten Zeitpunkt. Der Tierarzt war auch anwesend und wir setzten uns alle in mein Büro wo wir uns lange unterhielten. Auch alle Bereiche des Tierheim zeigte ich ihnen. Beim Abschied versprachen beide morgen wieder zu kommen.
Am nächsten Tag erzählte mir der Tierarzt, das die Katze es geschafft habe. Sie war über dem Berg. Ich war so froh als ich das hörte. Pünktlich trafen die zwei Jungs wieder ein und ich erzählte ihnen sofort von dem freudigen Ereignis. Sie freuten sich riesig und ich brachte beide zum Katzenhaus wo ich sie mit der Mitarbeiterin bekannt machte. Dann ging ich wieder in mein Büro.
Von diesem Tag an, kamen die beiden fast jeden Tag ins Tierheim. Sogar ihre Ferien verbrachten sie im Tierheim. Auch brachten sie ihre Freundinnen mit.
Bei dem Prozess wurden die beiden nur zu einer geringen Strafe verurteilt, da sie richtige Reue zeigten. Die anderen wurden sehr viel härter bestraft. Den Letzt genannten schien das egal zu sein.
Nach 2 Jahren fing der ältere ein Studium an, jedoch der jüngere kam immer noch jeden Tag. Irgendwann fing er auch an zu studieren. Jedoch in den Semesterferien waren beide wieder da und halfen im Tierheim. Ich habe nie gefragt was sie studieren. Die Katze erholte sich vollständig und blieb bis zu ihrem Lebensende nach 15 Jahren, beim Tierarzt.
NACHTRAG
Trotz meines Ruhestandes war ich zu einer Tagung eingeladen. Da der alte Tierarzt leider schon verstorben war, begleitete mich der Sohn des Tierarzt. Dieser hatte die Praxis von seinem Vater übernommen. Am Abend saßen der Doc und ich zusammen mit dem Tagungsleiter und unterhielten uns über alles Mögliche. Nach kurzer Zeit verabschiedete sich der Tagungsleiter und ging zu einem anderen Tisch. Da traten zwei Männer, offensichtlich Brüder, auf unseren Tisch zu und fragten ob sie sich setzen dürften. Obwohl noch einige Tische frei waren stimmten der Doc und ich zu. Nachdem sich die beiden gesetzt hatten stellten sie sich vor. Anschließend sagten sie, dass sie auch zu dieser Tagung eingeladen worden sind, aber nicht dran teilnehmen konnten. Als sie jedoch die Liste der Redner durchlasen seien sie beide spontan auf die Idee gekommen zu mindestens am ersten Abend der Tagung hier hin zu fahren. Dann fragte der ältere der beiden ob ich sie nicht kennen würde. Das musste ich verneinen. Da fragten sie: „Erinnern Sie sich noch an Klaus und Martin und die verbrannte Katze?“ Da wusste ich wer die beiden waren. Es waren die Jugendlichen von damals. Sie erzählten dann dass beide inzwischen Tierärzte seien und dank ihres Erbes, das sie sich haben vorzeitig auszahlen lassen, eine Tierklinik betreiben. Als sie damals zum ersten Mal die arme Katze gesehen haben, wussten beide nicht was nun kommen würde. Da aber außer von der Seite des Vaters keine Drohungen ausgesprochen wurden, haben sie sich wieder gefasst. Am Abend haben sie sich dann zusammengesetzt und beschlossen Tierärzte zu werden. Da der Numerus Klausus aber sehr hoch angesetzt war, haben sie sich gemeinsam hingesetzt und gelernt wie die verrückten. Klaus, so heißt der ältere, habe dann sein Abi mit Auszeichnung bestanden und auch sein Bruder zwei Jahre später.
Zuerst sei Klaus mit dem Studium angefangen und zwei Jahre später Martin. Nachdem Klaus sein Studium beendet habe, sei er in einer TK angefangen. Nachdem Martin fertig war, ist er in der gleichen Tierklinik angefangen. Dort haben sie drei Jahre zusammen gearbeitet. In der ganzen Zeit wollten sie sich als Tierarzt mit eigener Praxis niederlassen. Durch Zufall haben sie dann erfahren dass eine Tierarzt-Praxis in ländlicher Gegend zum Verkauf stand. Diese haben sie besichtigt und da die Praxis auf einem alten Bauernhof war, sind sie auf die Idee gekommen dort eine TK zu bauen. Es musste nur der Vater überredet werden, damit sie ihr Erbe vorzeitig bekommen. Der Vater habe sofort zugestimmt als er von den Plänen hörte und sie unterstützt wo er konnte. So konnten sie schon während der Bauphase der TK eine Praxis eröffnen und Tiere behandeln. Eines Tages kam in dieser Zeit ein Landstreicher vorbei der einen Hund dabei hatte der Stark am Humpeln war. Außerdem setzte er sich immer nach ein paar Metern hin und leckte seine Hinterpfote. Er fragte ob wir nicht helfen könnten. Sofort habe Martin nach dem Hund geschaut und festgestellt, dass der Hund einen Dorn in der Pfote hatte und diese sich entzündet hatte. Während Martin nun den Hund behandelte, erzählte der Landstreicher das ihm schon einmal kostenlos geholfen wurde. Das war in einem Tierheim in xxxxxxx, die dortige Heimleiterin habe sogar einem seiner Kollegen einen Job gegeben so dass er nicht mehr auf der Straße sei. Auch würden dort sämtliche Landstreicher nur noch Streuner genannt. Wenn die kranken Tiere im Tierheim bleiben mussten bis sie wieder gesund wurden, konnten die Streuner dort im Tierheim helfen. Dort konnten sie auch Übernachten. Das hätte sie beide sehr erstaunt. Sie redeten noch eine ganze Weile mit dem Land.., äh, Streuner und hätten sehr viel erfahren. Da in der Nähe ein Tierheim war das Aufgegeben werden sollte haben sie kurzerhand das Gelände gekauft und das Tierheim neu aufgebaut. Außerdem wurde im Tierheim eine Tierarzt-Praxis eröffnet, wo sie einen Angestellte Tierarzt wirken ließen. So konnten sie sich nur noch um die TK kümmern.
Bevor sie gingen luden sie den Doc und mich noch zu einem Besuch ein.
Einige Wochen später machten der Doc und ich uns auf den Weg um die beiden zu besuchen. In dem Ort angekommen mieteten wir uns in einem Hotel ein und ich rief bei Klaus an, dass wir eingetroffen wären. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag. Sie würden kommen und uns Abholen. Ich saß mit dem Doc zusammen im Restaurant des Hotels als Klaus und Martin zusammen mit ihren Frauen kamen. Wir saßen bis spät in der Nacht zusammen und unterhielten uns.
Am nächsten Morgen holten uns die beiden wie versprochen ab. Als ich die TK betrat konnte ich nur staunen. Dort waren neben den beiden weitere 4 TÄ beschäftigt. Klaus meinte, das er sich hauptsächlich um Hunde und Katzen kümmern würde, wohin gegen Martin alle anderen Tiere versorgte. Natürlich halfen sie sich gegenseitig. Nun waren der Doc und ich aber auf das Tierheim mit der Tierarzt-Praxis gespannt. Wir fuhren dahin. 250 Meter vor der Einfahrt zum Tierheim stand das erste Hinweisschild auf das Tierheim und die Praxis. Nach 100 Metern folgte das zweite und als wir am dritten vorbeikamen konnte ich meinen Augen nicht trauen. Dort war neben dem Hinweisschild für das Tierheim und der Praxis ein großes weißes Schild installiert. Auf diesem Schild war die Figur eines Mannes abgebildet, daneben die Figur eines Hundes. Darunter stand, neben der deutschen auch in mehreren anderen Sprachen:
Streuner Willkommen