Post aus Bayern

Diskutiere Post aus Bayern im Katzen Forum im Bereich Katzenfreunde; Oh nein ich heul grad rotz und wasser :cry: wie toll is das denn?
  • Post aus Bayern Beitrag #81
Oh nein ich heul grad rotz und wasser :cry: wie toll is das denn?
 
  • Post aus Bayern Beitrag #82
So schön.....und doch treibts mit Tränen in die Augen.....
 
  • Post aus Bayern Beitrag #83
Wie schön!

Ja, ich heule gerade auch .... schnieeef ...
 
  • Post aus Bayern Beitrag #84
Stelle mich in die schniefende Runde...so schöne Geschichten!
 
  • Post aus Bayern Beitrag #85
*Schnüff*:c020:

Danke Helmut für die schöne Taschentuchgeschichte.

LG
 
  • Post aus Bayern Beitrag #86
Chapeau!

Dir, lieber Thread-Schreiber Tschikitta und dem geheimen Star Gerda, möchte ich danken für die letzten Stunden mit dieser wunderbaren Lektüre. Es sind Texte, so voller Leben und real dargestellt, wie ich sie schon lange Zeit nicht mehr gelesen habe.

Mein einziger Wehrmutstropfen, nachdem ich binnen der letzten Stunden jegliche Gefühlslage durchgestanden habe, ist die Tatsache, dass einstweilen keine Seite mehr aufgeschlagen werden kann die ich heute noch lesen könnte.

Ich hoffe so sehr, dass jeder Tropfen Erinnerung an das wunderbare Berufsleben und Wirken von Gerda einen Platz in diesem Buch finden wird, damit diese Erzählungen für alle Tierfreunde zugänglich werden.

Bitte, lieber Tschikitta, schreibe weiter :)

Herzliche Grüße

Salem
 
  • Post aus Bayern Beitrag #87
Verbrannte Katze oder „Streuner Willkommen“

Ich sitze abends in meinem Büro, als ich ein Martinshorn höre. Als ich aus dem Fenster schaue sehe ich das ein Polizei Bulli mit hoher Geschwindigkeit auf das Tierheim Gelände fährt. Sofort laufe ich nach draußen. Ich komme gerade aus dem Haus, als mir ein Polizist mit einer laut jammernden Katze auf dem Arm entgegen kommt. Er ruft mir zu: „Die Katze hat gebrannt!“ Sofort rufe ich nur: “Folgen!“
Dann laufe ich auch schon zum Behandlungsraum. Dort angekommen legt der Polizist vorsichtig die Katze auf den Behandlungstisch. Ich ziehe eine Anti-Schmerzspritze auf und gebe diese der Katze.]
Schon nach kurzer Zeit hört sie auf zu jammern. Als eine Mitarbeiterin des Tierheim vorbei kommt, beauftrage ich diese sofort beim Tierarzt anzurufen. Sie rennt sofort zu meinem Büro. Dann wende ich mich an den Polizisten um zu erfahren was los ist. Der erzählt mir, dass sie Alarmiert wurden, weil auf einem Gelände in einem Dorf, das ca. 2km von unserem Tierheim entfernt liegt, jugendliche ein Tier quälen. Sie sind sofort mit anderen Einsatzwagen dorthin gefahren. Als sie ankamen sahen sie dass die Katze brannte und die jugendlichen damit Fußball spielten. Sofort sprangen sie aus ihrem Wagen, woraufhin die jugendlichen, die jetzt erst die Polizei bemerkten, zu flüchten versuchten. Was natürlich misslang. Er habe sofort eine Decke geschnappt und das Feuer gelöscht. Es war nur ihr Schwanz am Brennen. Aber die Katze musste starke Schmerzen haben, so wie sie schrie. Sie haben dann die jugendlichen in ihren Bulli gepackt und sind sofort hier hin gefahren.
„Was, die sind im Bulli?“ fragte ich. Worauf der Polizist dieses bejahte. Ich rannte zum Bulli und riss die Seitentür auf. Dort saßen vier Jugendliche und schauten mich entsetzt an.
Ich kochte vor Wut. Was ich denen anschließend gesagt habe, kann ich nicht wiedergeben. Auf jeden Fall war auch dabei, das man dasselbe bei ihnen in Brand setzen sollte, was sie bei der Katze gemacht hatten. Hinter mir standen die beiden Polizisten und bekamen alles mit.
Da sah ich den Tierarzt auf das Gelände fahren. Ich rief den Beamten noch zu, dass ich die Namen der jugendlichen haben wolle, dann lief ich zum Behandlungsraum. Der Tierarzt sah sich nur kurz die Katze an, dann packte er sie in eine Transportbox und sagte zur mir: „Komm mit!“ Dann lief er, mit der Box auf dem Arm zu seinem Wagen.
Schnell fuhren wir los. Unterwegs fragte er mich was ich der Katze gegeben habe. Ich sagte es ihm und er sagte: “Ausgezeichnet!“
Bei ihm angekommen untersuchte er die Katze ganz genau. Ich half ihm dabei. Der Tierarzt stellte fest: Beide Vorderläufe gebrochen, der hintere rechte Lauf mehrfach gebrochen, der linke hintere Lauf einfach gebrochen, drei Rippen gebrochen. Der Unterkiefer gebrochen und mehrere Zähne fehlten, der Schwanz stark verbrannt. Der Tierarzt sagte: „Normalerweise müsste sie eingeschläfert werden! Sie wird niemals mehr Mäuse fangen können, nie wieder vernünftig fressen können. Aber bei Gott, sie soll leben! Schließlich ist sie höchstens ein Jahr alt“ Dann gab er dem kleinen Kätzchen eine Narkosespritze und begann seine Arbeit. Ich half ihm, da ich auch eine Ausbildung zur Tierarzthelferin hatte.
Zunächst amputierte er den Schwanz, so das nur noch ein paar Zentimeter über blieben. Dann kümmerte er sich um die vielen Brüche die die Katze erlitten hatte. Ganz zum Schluss behandelte er ihren Kieferbruch. Dann brachte er sie auf die Krankenstation die in seiner Praxis vorhanden war. Er meinte: „Wenn sie die nächsten 24 Stunden schafft, können wir hoffen.“ Fast vier Stunden hatte er gebraucht um die Katze zu versorgen. Anschließend brachte er mich zurück zum Tierheim.
Am nächsten Tag saß ich in meinem Büro als es gegen 15.00 Uhr an meiner Tür klopfte. Auf mein herein betraten zwei jugendliche und ein Mann mein Büro. Sofort fing der Mann an laut zu werden. Er meinte das, das zwei der Übeltäter sind die gestern die Katze gequält hätten. Der Mann ging mir auf die Nerven aber ich sagte nichts, sondern wandte mich an die jugendlichen. Ich fragte was sie sich dabei gedacht hätten. Sie meinten nur dass sie sich nichts dabei gedacht haben. Schon fing der Mann wieder an zu brüllen. Er meinte, was die Nachbarn denken würden, wenn seine missratenen Söhne von der Polizei nach Hause gebracht würden. Es reichte mir! Ich sagte ihm, wenn er weiter so rum brüllen würde, kann er mein Büro verlassen. Da fing er erst richtig an zu brüllen. Ich hatte die Schnauze voll. Ich sagte ihm, dass er sofort mein Büro verlassen solle. Er starte mich wortlos an. Ich sagte nochmals. „Raus“,. Daraufhin verließ er mein Büro und ich konnte mich mit den Beiden unterhalten. Sie meinten dass es ihnen schrecklich leidtun würde, und sie es am liebsten wieder Rückgängig machen würden. Dann fragten sie, ob sie die Katze sehen dürften. Ich überlegte kurz, dann forderte ich sie auf mir zu folgen. Als wir nach draußen kamen, stürzte sofort der Mann auf uns zu. Bevor er was sagen konnte, sagte ich zu ihm, das ich nun mit seinen beiden Söhnen zum Tierarzt fahren würde und er hier bleiben könne oder hinter uns herfahren könne. Dann setzten wir uns in unseren Bulli und wir fuhren zum Tierarzt. Der Vater fuhr hinter uns her. Beim Tierarzt angekommen sagte ich zu dem Vater, dass er hier draußen warten könne bis wir wieder raus kommen würden. Wortlos setzte der Vater sich wieder in seinen Wagen.
Drinnen kam uns der Tierarzt entgegen. Er sagte keinen Ton als er dir beiden jugendlichen sah, sondern öffnete eine Tür. In dem Raum den wir betraten lagen nur Tiere, die eine geringe Überlebens Chance besaßen. Der Tierarzt zeigte den beiden die Katze. Beide Jungs mussten schlucken als sie die Katze sahen.
Dann fingen beide an zu weinen. Der ältere sagte unter Tränen: „Nie, nie wieder!“ Wobei ihm der Jüngere zustimmte. Beide versuchten die Katze zu streicheln. Sie wussten aber nicht wo, da die Katze fast komplett verbunden war. Der Tierarzt und ich standen schweigend daneben. Nach ein paar Minuten, die Jungs hatten sich auch die anderen Tiere angeschaut, verließen wir wieder den Raum. Wir setzten uns ins Wartezimmer. Noch immer weinten die beiden. Durchs Fenster konnte ich sehen das der Vater der beiden auf das Haus zukam. Offensichtlich hatte er uns durch die Fenster gesehen. Der Tierarzt ging nach draußen wo er kurz mit dem Mann redete. Dann betraten beide das Wartezimmer. Der Mann setzte sich still auf einen Stuhl. Es vergingen weitere Minuten bis sich die beiden Jungs beruhigt hatten. Der jüngere fragte unter schluchzen: „Wird sie überleben?“ Der Tierarzt antwortete: „Wenn sie die nächsten 48 Stunden übersteht ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß. Aber sie wird für immer ein Pflegefall bleiben!“
Die beiden fingen wieder an zu weinen und der Vater wollte etwas sagen. Jedoch winkte der Tierarzt ab und der Mann verhielt sich ruhig. Nach einigen Minuten hatten sich die beiden soweit beruhigt das sie Fragen stellen konnten. Was sie auch taten. Sie fragten nach den Kosten der Behandlung, was es bedeutet, sie bliebe ein Pflegefall. Alles wurde vom Tierarzt mit ruhiger Stimme beantwortet. Dann fragte der Tierarzt was sie sich dabei gedacht hätten. Darauf konnten sie keine Antwort geben. Der Tierarzt meinte dann noch, dass sie und die anderen beiden die Kosten übernehmen müssten. Auch für später, da Pflegefall. Das sahen die beiden ein und auch der Vater meinte, dass das wohl das mindeste ist, was sie für das Tier machen könnten.
Ich fragte die beiden wann sie denn morgen Schulschluss hätten. Worauf beide sagten, dass sie um 15.00 Uhr zu Hause sind und dann Freizeit hätten. Ich meinte daraufhin dann könnten sie ja um 16.00 Uhr im Tierheim sein. Worauf der Vater entgegnete: „Nichts da! Die beiden haben bis auf weiteres Hausarrest. Die gehen nirgendwo hin!“ Ich sagte nur zu den beiden: „Bis morgen!“ Dabei schaute ich den Vater direkt in die Augen. Er meinte dann: „Ja Ok. Ich bringe sie dann.“ Worauf ich meinte dass sie ruhig mit dem Rad kommen können. Der Vater wollte wieder was sagen, doch ich schaute ihn nur an und er schwieg.
Anderntags kamen die beiden Jungs zum vereinbarten Zeitpunkt. Der Tierarzt war auch anwesend und wir setzten uns alle in mein Büro wo wir uns lange unterhielten. Auch alle Bereiche des Tierheim zeigte ich ihnen. Beim Abschied versprachen beide morgen wieder zu kommen.
Am nächsten Tag erzählte mir der Tierarzt, das die Katze es geschafft habe. Sie war über dem Berg. Ich war so froh als ich das hörte. Pünktlich trafen die zwei Jungs wieder ein und ich erzählte ihnen sofort von dem freudigen Ereignis. Sie freuten sich riesig und ich brachte beide zum Katzenhaus wo ich sie mit der Mitarbeiterin bekannt machte. Dann ging ich wieder in mein Büro.
Von diesem Tag an, kamen die beiden fast jeden Tag ins Tierheim. Sogar ihre Ferien verbrachten sie im Tierheim. Auch brachten sie ihre Freundinnen mit.
Bei dem Prozess wurden die beiden nur zu einer geringen Strafe verurteilt, da sie richtige Reue zeigten. Die anderen wurden sehr viel härter bestraft. Den Letzt genannten schien das egal zu sein.
Nach 2 Jahren fing der ältere ein Studium an, jedoch der jüngere kam immer noch jeden Tag. Irgendwann fing er auch an zu studieren. Jedoch in den Semesterferien waren beide wieder da und halfen im Tierheim. Ich habe nie gefragt was sie studieren. Die Katze erholte sich vollständig und blieb bis zu ihrem Lebensende nach 15 Jahren, beim Tierarzt.


NACHTRAG
Trotz meines Ruhestandes war ich zu einer Tagung eingeladen. Da der alte Tierarzt leider schon verstorben war, begleitete mich der Sohn des Tierarzt. Dieser hatte die Praxis von seinem Vater übernommen. Am Abend saßen der Doc und ich zusammen mit dem Tagungsleiter und unterhielten uns über alles Mögliche. Nach kurzer Zeit verabschiedete sich der Tagungsleiter und ging zu einem anderen Tisch. Da traten zwei Männer, offensichtlich Brüder, auf unseren Tisch zu und fragten ob sie sich setzen dürften. Obwohl noch einige Tische frei waren stimmten der Doc und ich zu. Nachdem sich die beiden gesetzt hatten stellten sie sich vor. Anschließend sagten sie, dass sie auch zu dieser Tagung eingeladen worden sind, aber nicht dran teilnehmen konnten. Als sie jedoch die Liste der Redner durchlasen seien sie beide spontan auf die Idee gekommen zu mindestens am ersten Abend der Tagung hier hin zu fahren. Dann fragte der ältere der beiden ob ich sie nicht kennen würde. Das musste ich verneinen. Da fragten sie: „Erinnern Sie sich noch an Klaus und Martin und die verbrannte Katze?“ Da wusste ich wer die beiden waren. Es waren die Jugendlichen von damals. Sie erzählten dann dass beide inzwischen Tierärzte seien und dank ihres Erbes, das sie sich haben vorzeitig auszahlen lassen, eine Tierklinik betreiben. Als sie damals zum ersten Mal die arme Katze gesehen haben, wussten beide nicht was nun kommen würde. Da aber außer von der Seite des Vaters keine Drohungen ausgesprochen wurden, haben sie sich wieder gefasst. Am Abend haben sie sich dann zusammengesetzt und beschlossen Tierärzte zu werden. Da der Numerus Klausus aber sehr hoch angesetzt war, haben sie sich gemeinsam hingesetzt und gelernt wie die verrückten. Klaus, so heißt der ältere, habe dann sein Abi mit Auszeichnung bestanden und auch sein Bruder zwei Jahre später.
Zuerst sei Klaus mit dem Studium angefangen und zwei Jahre später Martin. Nachdem Klaus sein Studium beendet habe, sei er in einer TK angefangen. Nachdem Martin fertig war, ist er in der gleichen Tierklinik angefangen. Dort haben sie drei Jahre zusammen gearbeitet. In der ganzen Zeit wollten sie sich als Tierarzt mit eigener Praxis niederlassen. Durch Zufall haben sie dann erfahren dass eine Tierarzt-Praxis in ländlicher Gegend zum Verkauf stand. Diese haben sie besichtigt und da die Praxis auf einem alten Bauernhof war, sind sie auf die Idee gekommen dort eine TK zu bauen. Es musste nur der Vater überredet werden, damit sie ihr Erbe vorzeitig bekommen. Der Vater habe sofort zugestimmt als er von den Plänen hörte und sie unterstützt wo er konnte. So konnten sie schon während der Bauphase der TK eine Praxis eröffnen und Tiere behandeln. Eines Tages kam in dieser Zeit ein Landstreicher vorbei der einen Hund dabei hatte der Stark am Humpeln war. Außerdem setzte er sich immer nach ein paar Metern hin und leckte seine Hinterpfote. Er fragte ob wir nicht helfen könnten. Sofort habe Martin nach dem Hund geschaut und festgestellt, dass der Hund einen Dorn in der Pfote hatte und diese sich entzündet hatte. Während Martin nun den Hund behandelte, erzählte der Landstreicher das ihm schon einmal kostenlos geholfen wurde. Das war in einem Tierheim in xxxxxxx, die dortige Heimleiterin habe sogar einem seiner Kollegen einen Job gegeben so dass er nicht mehr auf der Straße sei. Auch würden dort sämtliche Landstreicher nur noch Streuner genannt. Wenn die kranken Tiere im Tierheim bleiben mussten bis sie wieder gesund wurden, konnten die Streuner dort im Tierheim helfen. Dort konnten sie auch Übernachten. Das hätte sie beide sehr erstaunt. Sie redeten noch eine ganze Weile mit dem Land.., äh, Streuner und hätten sehr viel erfahren. Da in der Nähe ein Tierheim war das Aufgegeben werden sollte haben sie kurzerhand das Gelände gekauft und das Tierheim neu aufgebaut. Außerdem wurde im Tierheim eine Tierarzt-Praxis eröffnet, wo sie einen Angestellte Tierarzt wirken ließen. So konnten sie sich nur noch um die TK kümmern.
Bevor sie gingen luden sie den Doc und mich noch zu einem Besuch ein.
Einige Wochen später machten der Doc und ich uns auf den Weg um die beiden zu besuchen. In dem Ort angekommen mieteten wir uns in einem Hotel ein und ich rief bei Klaus an, dass wir eingetroffen wären. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag. Sie würden kommen und uns Abholen. Ich saß mit dem Doc zusammen im Restaurant des Hotels als Klaus und Martin zusammen mit ihren Frauen kamen. Wir saßen bis spät in der Nacht zusammen und unterhielten uns.
Am nächsten Morgen holten uns die beiden wie versprochen ab. Als ich die TK betrat konnte ich nur staunen. Dort waren neben den beiden weitere 4 TÄ beschäftigt. Klaus meinte, das er sich hauptsächlich um Hunde und Katzen kümmern würde, wohin gegen Martin alle anderen Tiere versorgte. Natürlich halfen sie sich gegenseitig. Nun waren der Doc und ich aber auf das Tierheim mit der Tierarzt-Praxis gespannt. Wir fuhren dahin. 250 Meter vor der Einfahrt zum Tierheim stand das erste Hinweisschild auf das Tierheim und die Praxis. Nach 100 Metern folgte das zweite und als wir am dritten vorbeikamen konnte ich meinen Augen nicht trauen. Dort war neben dem Hinweisschild für das Tierheim und der Praxis ein großes weißes Schild installiert. Auf diesem Schild war die Figur eines Mannes abgebildet, daneben die Figur eines Hundes. Darunter stand, neben der deutschen auch in mehreren anderen Sprachen:
Streuner Willkommen
 
  • Post aus Bayern Beitrag #88
Abonniert

"Mehr" schreit der kleine Häwelmann, "Mehr!"

:-D
 
  • Post aus Bayern Beitrag #89
Wann gibt es mehr???????????
 
  • Post aus Bayern Beitrag #90
Ben hat einen Vogel

Ben war ein junger Kater der von einer Autofahrerin gefunden wurde. Sie war mit ihrem Wagen unterwegs, als sie den Kater sah. Dieser lief neben der Straße und lief auch immer wieder vor Bäume und Sträucher. Sofort hielt sie an und rief nach dem Kater. Dieser blieb stehen und schaute in die Richtung aus der der Ruf kam. Da er sich aber nicht bewegte ging sie auf den Kater zu. Dabei redete sie mit ihm. Als sie bei ihm ankam, konnte sie diesen auf den Arm nehmen. Er war Abgemagert. Sie ging zu ihrem Wagen und fuhr direkt zu uns ins Tierheim. Da der Tierarzt gerade anwesend war untersuchte er sofort den Kater. Er stellte fest, dass dieser vielleicht 3 Monate alt war, unter ernährt und leider Blind. Aus diesem Grund hatte ihn wohl der Besitzer ausgesetzt. Wir nannten ihn Ben. Als er Futter bekam, stürzte er sich sofort darauf und fraß den Napf leer. Er blieb noch eine Woche im Quarantänezimmer, dann durfte Ben zu den anderen Katzen. Eine ältere Kätzin kümmerte sich um unseren kleinen Blinden, jedoch wurde sie bald vermittelt, so das Ben wieder allein war. Bei jedem Besuch der stattfand zeigte sich auch Ben von seiner besten Seite, jedoch wollte keiner einen blinden Kater haben. Ben fand sich trotz seiner Blindheit sehr gut zurecht. Alle anderen Katzen kümmerten sich irgendwie um Ben. Wenn die Katzen im Freigehege waren ging auch Ben mit. Er wurde immer von einer anderen Katze zu seinem Lieblingsplatz gebracht. Der befand sich unter einem Baum. Ben lag dann immer im Schatten des Baumes und da er nichts sehen konnte spielte er nie mit den anderen Katzen. Aber oft kamen die anderen Katzen zu ihm und kuschelten mit ihm.
An einem sonnigen Tag lag Ben wieder unter dem Baum, als er auf einmal erschrocken Miaute. Es war so laut, das der Mitarbeiter der gerade im Katzenraum war um diesen sauber zu machen, hochschreckte und sofort nach draußen lief. Doch er konnte nicht die Ursache des Geschreies sehen. Das einzige was er sah, war das alle Katzen bei Ben waren und dieser knurrte und fauchte. Es sah aber so aus als wenn die anderen Katzen nicht angreifen wollten, sondern nur neugierig waren.
Als der Mitarbeiter näher zu Ben ging konnte er sehen weshalb der so fauchte und knurrte. Zwischen seinen Vorderpfoten lag ein kleiner Vogel der wohl aus dem Nest gefallen war, das sich genau über Ben befand. Der Vogel lebte noch. Er wurde nicht von Ben festgehalten. Ben schien den Vogel nicht als Beute anzusehen. Vorsichtig ging der Mitarbeiter auf Ben zu, während er mit dem redete. Als er angekommen war, wollte er Ben hochheben. Ben jedoch nahm zuerst ganz vorsichtig den Vogel in sein Maul, dann lies er sich hoch heben. Der Mitarbeiter ging mit Ben und dem Vogel in den Katzenraum. Er schloss die Tür hinter sich, so dass keine weitere Katze in den Raum konnte. Anschließend rief er mich über das Haustelefon an und schilderte mir den Vorgang.
Sofort machte ich mich auf den Weg zum Katzenhaus. Als ich dort ankam musste ich zunächst lachen. Da lag Ben in einem Korb und schleckte gerade den Vogel ab. Als er mich hörte, unterbrach er sein tun und schaute in meine Richtung. Der Vogel zwischen seinen Vorderpfoten zwitscherte protestierend. Vielleicht auch hungrig? Nun war erst mal guter Rat teuer. Ich rief den Tierarzt an und fragte ihn, was wir denn nun machen sollten. Er meinte nur, dass er gleich kommen würde.
Als der Tierarzt kam, gab er zunächst dem Mitarbeiter einen kleinen Beutel in dem etwas Futter für den Vogel war. Zunächst schnupperte Ben an dem Futter, danach durfte der Mitarbeiter den Vogel füttern. Während dessen unterhielt ich mich mit dem Tierarzt und der meinte, dass es gar nicht so ungewöhnlich ist, dass Katze und Vogel zusammen leben. Ungewöhnlich war nur, dass der Vogel so jung war. Anscheinend konnte er noch nicht fliegen und war beim Runterfallen genau auf Ben gelandet. Dieser hatte den Vogel dann gegen seine Katzenkollegen verteidigt. Dann meinte der Tierarzt noch: „Bin mal gespannt, wer zuerst fliegen kann. Katze oder Vogel!“
Wir mussten alle lachen. Was machen wir denn nun? Wollte ich wissen. Der Tierarzt meinte dass es zunächst am besten wär, wenn wir die beiden von den anderen Katzen fern halten. Man weiß ja nie ob nicht eine andere Katze Hunger auf den Vogel bekommen würde. Natürlich könnten wir alle zusammen jetzt ausprobieren ob wir Ben und den Vogel zu den anderen Katzen lassen könnten. Wir stimmten zu und ich holte zur Sicherheit des Vogels noch einen Pfleger dazu. So waren wir zu viert als der Tierarzt die Tür nach draußen öffnete. Ben bemerkte den Luftzug und nahm den Vogel der inzwischen mit dem Fressen fertig war wieder in sein Maul und dann suchte er den Ausgang. Da er diesen nicht fand, schob ihn ein Pfleger in die richtige Richtung. Ben ging dann nach draußen. Als er die Tür passiert hatte, kam eine der anderen Katzen und schubste Ben leicht an. Die andere Katze brachte Ben wieder zu seinem Platz und legte sich in die Nähe von Ben. Alle anderen Katzen kamen nach und nach, schnupperten an dem Vogel und gingen dann wieder zu ihrem Platz. Wir vier schauten uns an und mussten alle Lachen. Wir waren sicher dass dem Vogel nichts passieren würde.
So war es auch. Alle Katzen kümmerten sich um Ben und seinen Vogel. War der Vogel mal zu weit von Ben entfernt, nahm ihn eine andere Katze vorsichtig in sein Maul und brachte ihn wieder zu Ben zurück.
Nach ein paar Wochen konnte der Vogel ein paar Meter fliegen. Dabei landete er des Öfteren bei einer anderen Katze. Obwohl er dabei stark flatterte, hoben die anderen Katzen nur kurz ihren Kopf. Fand der Vogel nicht zu Ben zurück, wurde er zurück gebracht.
Dann war es soweit. Der Vogel konnte richtig fliegen. Alle dachten wir, dass er nun weg fliegen würde, doch das tat er nicht. Immer wieder landete er auf dem Rücken von Ben. Wenn es des Abends in den Katzenraum ging, saß der Vogel auf dem Kopf von Ben. Es war als würde er die Augen von Ben ersetzen. Tauchte vor Ben ein Hindernis auf, zwitscherte der Vogel einmal. Wenn Ben in die falsche Richtung ging, zwitscherte der Vogel zweimal. So lief Ben vor nichts mehr vor. Auch schliefen sie zusammen in Bens Korb. Ab und zu flog der Vogel auch von dem Außengehege der Katzen weg. Doch immer kam er zurück zu Ben.
Wir wussten, so können wir Ben nicht vermitteln. Wer nimmt schon eine blinde Katze, die einen Vogel hat? Dieses Problem besprachen wir auch mit dem Tierarzt. Er überlegte einige Zeit, dann schien er eine Lösung gefunden zu haben. Er stand auf und ging Telefonieren. Nach ein paar Minuten war er wieder da. Er meinte dann nur, das gleich jemand kommt der eine Lösung für unser Problem hat. Wir warteten weiter und unterhielten uns über Ben und seinen Vogel. Dann klopfte es an meine Tür. Ein Mann der etwa 50 Jahre alt war betrat den Raum. Er stellte sich vor als Professor, Doktor von xxxxxxxx. Ich war platt wen der Tierarzt alles kannte. Der Professor war Ornithologe. Er sagte, dass der Tierarzt ihn mit seinem Anruf neugierig gemacht hätte. Wieso, wollte ich wissen. Daraufhin antwortete der Professor: „Der Tierarzt hat mir was von einem Vogel erzählt, der in unserer Gegend einmalig wäre." Ich musste lachen. Dann gingen wir gemeinsam zum Katzenfreigehege. Dort angekommen fragte der Ornithologe wo den der seltene Vogel wäre. Ich öffnete stumm die Tür und forderte ihn auf mir zu folgen. Wir gingen auf Ben zu, doch der Vogel war nicht da. Also war zunächst warten angesagt. Nach etwa 10 Minuten landete der Vogel im Katzengehege. Der Ornithologe meinte, das ist ein ganz normaler Sperling. „Abwarten“ sagte der Tierarzt. Und da hüpfte der Vogel auch schon auf Ben zu. Der Vogel flatterte auf den Kopf von Ben und machte es sich gemütlich. Der Professor meinte erstaunt: „Wirklich, ein seltener Vogel! Das hab ich noch nie gesehen! Bleibt die Katze ganz ruhig liegen und stört sich nicht an dem Vogel. Was machen denn die anderen Katzen?“ Ich erzählte ihm, wie Ben, der Kater, zu seinem Vogel gekommen war. Da meinte der Professor: „Jetzt wollen sie mir die beiden Tiere andrehen, nicht wahr?“ Ich schaute ihn wohl entsetzt an, denn er fing an laut an zu Lachen. „ Das war natürlich Spaß“, meinte er. „Ist doch klar dass ich die beiden nehme. So eine Arbeit habe ich noch nie gehabt. Die Beobachtung der beiden wird natürlich mir einen großen Spaß machen.“
In diesem Moment stand Ben auf, streckte sich und ging in Richtung Futternäpfe. Wieder wurde er durch den Vogel vor Hindernissen gewarnt. Auch zeigte ihm der Vogel den besten Weg dorthin. Der Ornithologe kam aus dem Staunen nicht heraus. Er nahm noch am selben Tag beide Tiere mit nach Hause. Wie ich später erfuhr war Ben ein richtiger Schmusekater. Auch der Vogel ließ sich Berühren. Im nächsten Jahr brachte der Vogel noch ein Weibchen mit zu dem Ornithologen. Das Vogelweibchen freundete sich ebenfalls mit dem Ornithologen an. Ben durfte von da an zwei Vögel durch die Gegend tragen. Nach ein paar Wochen waren es sogar fünf, denn das Weibchen brütete 3 Eier aus.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #91
Das ist absolut niedlich!! Ich kann mir Ben bei dem Ornitologen bildlich vorstellen! ;-)
 
  • Post aus Bayern Beitrag #92
Was neues von "Gerda"!

Die Lebensretterin

Draußen ist es spiegelglatt und es schneit mal wieder. Als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich die Polizei zu uns ins Tierheim kommen. Die Polizei fährt direkt zum Katzenhaus. Schnell laufe ich hinüber und frage was los ist. Die Beamten bringen einen verletzten Hund und ein durchfrorene Katze. (Verletzte Tiere werden immer zu uns ins Tierheim gebracht. So möchte es der Tierarzt. Die Polizei weiß das.) Der Hund wurde von einem Auto angefahren und die Katze war bei ihm. Die Beamten verabschiedeten sich wieder und fuhren davon. Kurz darauf kam auch der Tierarzt und sofort untersuchte er den Hund. Die Katze lag schon unter einer Wärmelampe. Der Hund hatte einen gebrochenen Hinterlauf und ansonsten nur Prellungen auf der rechten Seite. Der Tierarzt versorgte den Hund und auch dieser kam unter eine Wärmelampe. Ich stellte noch Futter und Wasser zu Hund und Katze dann verließen der Tierarzt und ich den Raum. Auf dem Weg zu meinem Büro kam uns eine Frau von etwa 45 Jahren entgegen. Sie stellte sich vor und wir gingen erst mal zusammen in mein Büro. Dort erzählte uns die Frau, dass sie Hund und Katze gefunden hatte.
Hier die Worte der Frau: „Ich fuhr mit meinem Wagen aus Richtung xxxxx kommend. Ich wollte nach xxxxx um dort ein zu kaufen. Da es sehr glatt war, fuhr ich Langsam. Auf einmal sehe ich etwa hundert Meter vor meinem Auto eine Katze auf die Straße rennen. Sie lief bis zur Mitte, dann drehte sie um und rannte wieder zurück. Das machte sie mehrmals. Ich hielt meinen Wagen an und stieg aus. Vor mir war die Katze die laut miaute. Dann lief sie auf eine Böschung zu und kam wieder zurück. Aber nur um sofort wieder Richtung Böschung zu laufen. Offensichtlich wollte sie mir was zeigen. Ich ging hinter ihr her. Als ich den Rand der Böschung erreichte erschrak ich. Dort war ein Auto zwischen den Bäumen. Nach dem Schnee der auf dem Wagen lag, befand sich dieser schon länger da. Daher waren auch keine Spuren am Straßenrand zu sehen. Ich kletterte vorsichtig die Böschung hinab um zu dem Auto zu gelangen. Als ich dort ankam wischte ich den Schnee von einer Seitenscheibe und schaute in das Fahrzeug. Ich erschrak! Da saß noch ein Mann drin der Stark am Bluten war. Ich versuchte die Tür zu öffnen, aber das gelang mir nicht. Schnell kletterte ich wieder nach oben und rannte zu meinem Auto. Die Katze saß während der Zeit unter einem Busch und war am Miauen.
Gerade als ich in meinen Wagen steigen wollte um Hilfe zu holen, sah ich das ein Krankenwagen der Bundeswehr in meine Richtung kam. Da er weder Blaulicht noch Martinshorn anhatte, nahm ich an, dass er nicht zu einem Einsatz unterwegs war. Ich stellte mich auf die Straße und schwenkte meine Arme. Der Krankenwagen wurde langsamer und der Fahrer schaltete das Blaulicht an. Dann hielt er an. Sofort lief ich zu dem Fahrer und erzählte schnell dass dort ein Auto die Böschung runter ist und der Fahrer noch verletzt darin saß. Der Fahrer und ein zweiter Soldat sprangen aus ihrem Fahrzeug und liefen sofort zu dem Unfallwagen. Auch sie versuchten die Tür zu öffnen, doch das gelang nicht. Da der Unfallwagen ein Kombi war, versuchten sie es an der Heckklappe und diese ging auf. Sofort kroch einer der Soldaten in das Auto und dann kam auch schon der zweite Soldat wieder die Böschung herauf. Er rannte zu seinem Fahrzeug und holte ein paar Wolldecken aus diesem. Dann rannte er wieder zu dem Unfallwagen. Nachdem er die Wolldecken abgeliefert hatte, kam er wieder nach oben und lief wieder zu seinem Fahrzeug. Dort sah ich, dass er zu seinem Funkgerät griff und einen Notruf sendete. Als er damit fertig war, griff er sich einen Notfall Koffer und kam zu mir. Er meinte dass gleich Rettungskräfte kommen würden. Ich sollte diese doch bitte einweisen. Der Fahrer des Unfallwagens lebe noch, sei aber stark unterkühlt und zusätzlich in seinem Wagen eingeklemmt. Dann lief er wieder zu seinem Kameraden um zu helfen. Ich schaute mich nach der Katze um und sah sie noch immer unter dem Busch liegen. Ich ging auf sie zu um sie zu streicheln. Als ich bei ihr ankam, sah ich dass unter dem Busch ein verletzter Hund lag. Dieser, aber auch die Katze, war heftig am Zittern. Ich lief zu der Böschung und rief zu den Soldaten hinunter ob ich mir eine Wolldecke aus ihrem Wagen nehmen könnte, da hier ein verletzter Hund liegt. Sofort kam der eine Soldat wieder nach oben und zusammen liefen wir zu Katze und Hund. Dann lief er schnell zum Krankenwagen und holte eine Decke hervor. Diese breitete er über die beiden Tiere aus. Dann lief er wieder nach unten. Kurz darauf kamen auch der Notarzt und der Rettungswagen sowie Polizei und Feuerwehr. Alle kümmerten sich sofort um den verletzten Fahrer des PKW. Zwei weitere Beamte der Polizei legten Hund und Katze in ihren Bulli und brachten diese ins Tierheim.“
Der Hund, ein Münsterländer Mischling, bekam den Namen Tobias und die Katze hieß nun Petra. Hund und Katze erholten sich von ihren Gebrechen und schon bald konnten wir die beiden in eine vergrößerte Hunde box bringen. Wir versuchten auch die beiden zu trennen. Aber das gelang nicht. Sobald sich die beiden nicht mehr sahen, machten sie ein Mordsgeschrei. Wenn mit Tobias spazieren gegangen wurde, wurde Petra in einem Katzen Tragekorb mitgeführt. Darum entschlossen wir uns die beiden nur zusammen zu vermitteln.

Ein halbes Jahr später sah ich dass ein schwer Gehbehinderter Mann in Begleitung einer jungen Frau und eines älteren Paares in das Tierheim kam. Da wir einen Rollstuhl hier im Tierheim stehen hatten, nahm ich diesen und ging zu den Neuankömmlingen. Der Behinderte sah mich dankbar an, als ich ihn Aufforderte sich in den Stuhl zu setzen. Nachdem er sich gesetzt hatte, sagte er zur mir: „Ich wollte meinen Lebensretter besuchen. Nach dem Unfall damals lag ich Wochenlang im Koma. Nun bin ich in einer Reha-Klinik im Norden und habe nun das erste freie Wochenende. Da dachten wir alle, fahren wir doch mal hier hin. Vielleicht ist mein Lebensretter noch da.“
Ich wusste sofort wen er meinte, darum schob ich den Rollstuhl in Richtung der Hundeboxen. Als wir dort ankamen meinte er, das doch eine Katze ihn gerettet habe und kein Hund. Ich antwortete nur: „Schauen sie mal genau hin.“ Da sah er neben dem Hund auch die Katze. „Das ist sie?“ fragte er.
Ich antwortete: „ Die Katze heißt Petra, die hat den anderen Autofahrer angehalten und der Hund, Tobias, hat wohl den Unfall verursacht. Wie lange sich die beiden schon kennen, wissen wir nicht. Aber sie sind unzertrennbar seit dem Vorfall.“ Ich öffnete die Tür zur Box und schob den Rollstuhl in die Box. Sofort kamen Tobias und Petra zu dem Mann. Tobias legte eine Vorderpfote auf den Schoß des Mannes und war leise am jaulen. Petra saß daneben und schnurrte leise. Die beiden wussten wer da im Rollstuhl saß. Der Mann streichelte beide und sagte dabei: „Schon gut Tobias. Du hast es nicht mit Absicht gemacht. Und du Petra vielen Dank, dir verdanke ich, das ich noch lebe.“ Bisher hatte der ältere Mann noch nichts, außer der Vorstellung, gesagt. Nun meinte er ob man die beiden haben könnte. Ich schaute den jungen Mann an, dann die junge Frau. Ich erkannte, dass sie für Tobias und Petra nur das Beste wollten. So stimmte ich zu. Wenig später verabschiedete sich Tobias von mir, indem er mir einmal durch das Gesicht leckte und Petra in einem meiner Finger biss. Dann verließen sie das Tierheim und ich konnte wieder in mein Büro zurückgehen, wo ich die beiden aus der Kartei austrug.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #93
Was neues von Gerda!
Bitte Taschentuch beim Lesen bereit halten!

Kuno der Kampfkater

Ich war erst kurz in dem Tierheim und musste mich um viele Dinge kümmern. So auch damals als diese Geschichte stattfand. In der Zeit musste ich immer die Streuner füttern, die außerhalb des Tierheim lebten. Der Kollege der das sonst machte, war krank geworden und fiel somit aus.

An einem dieser Tage lud ich mein Fahrrad voll Futter für die Streuner und radelte los. Bis zur Stelle an dem sich die Streunerkatzen aufhielten waren es nur ein paar Hundert Meter. Schon beim Näherkommen hörte ich ein fauchen und Geknurre von zwei Katzen. Als ich diese endlich sehen konnte, sah ich dass der alte Kater der zu diesem Rudel gehörte mit einem anderen Kater am Kämpfen war. Das war kein spielerisches Raufen, sondern ein richtiger Kampf. Nach kurzer Zeit gab der alte Kater nach und verzog sich unter einen Busch. Der andere Kater blieb an Ort und Stelle sitzen. Langsam ging ich näher. Sobald der junge Kater mich sah, fing er an zu Fauchen. Doch auch er ging unter einen Busch. Ich füllte das mitgebrachte Futter in die Näpfe und wandte mich danach an den Kater. Doch dieser fing sofort wieder an zu Fauchen. Also ließ ich es bleiben mit ihm zu reden. Jedoch konnte ich sehen dass das nicht sein erster Kampf gewesen ist. Er hatte mehrere verkrustete Wunden am Körper. Ich ging ein paar Schritte zurück. Sofort stürzte der Kater sich auf den Futternapf. Näherte sich ihm eine andere Katze fing er wieder an zu fauchen und schlug nach der Katze. Nachdenklich fuhr ich zurück zum Tierheim. Dort traf ich auf den Tierarzt und erzählte ihm von dem Kater. Er versprach, das wenn ich morgen wieder zu den Streunern fuhr, mich zu begleiten.
So geschah es. Am nächsten Tag fuhr er mit mir auf seinem Rad mit zu den Streunern. Sofort sah er den Kater, der sich mal wieder am kloppen war. Der Tierarzt hatte ein kleines Blasrohr mitgenommen in dem ein Narkosepfeil steckte. Er legte das Blasrohr an und blies den Pfeil in Richtung des Katers. Der Tierarzt traf sofort und nach ein paar Augenblicken legte sich der Kater hin und schlief ein. Schnell lief der Tierarzt zu dem Kater und legte ihn in eine Transportbox. Dann ging er zu seinem Rad und fuhr mit dem Kater zu seiner Praxis. Ich versorgte die anderen Streuner und fuhr dann ebenfalls zurück zum Tierheim.

Zwei Tage später brachte der Tierarzt den Kater zu uns ins Tierheim. Er kam in eine Gitterbox da er sich benahm wie ein Kampfhund. Daher bekam er den Namen Kuno, der Kampfkater!
Zur gleichen Zeit hatten wir bei uns im Tierheim einen Border-Collie. Dieser war durch einen Unfall erblindet. Sein Vorbesitzer hatte ihn bei uns abgeliefert weil er Blind war. Wir gingen sehr viel mit ihm spazieren. Zu diesem Zweck trug er ein besonderes Geschirr, an dem eine kurze Leine abging. Diese Leine hing auf dem Boden, so konnte er durch die Schleifgeräusche die die Leine verursachte, hören wenn es eine Veränderung des Bodens gab. Wir versuchten dadurch ihn an seine dunkle Umwelt zu gewöhnen. Sobald die Führungsleine, die ein Mitarbeiter in der Hand hatte, los gelassen wurde, blieb der Hund (er hieß Billie) stehen.

An einem Morgen, Kuno war noch bei uns (Er war durch den Tierarzt kastriert worden), nahm ich Billie mit ins Katzenhaus, denn heute war ich dran mit dem Hund spazieren zu gehen. Dort ließ ich die Leine los und Billie setzte sich hin. Dann kümmerte ich mich um die Arbeit die ich machen wollte. Auf einmal hörte ich ein Geräusch von dort wo Billie sich befand. Ich schaute hin und erschrak. Irgendwie hatte es Kuno geschafft aus seiner Box zu entwischen. Nun stand er vor Billie, der sich inzwischen hingelegt hatte, und schaute den an. Ich rührte mich nicht, da ich Kuno nicht vertreiben wollte. Da Kuno leise Miaute, hob Billie den Kopf und schnupperte an Kuno. Dieser ließ das geschehen. Vorsichtig nahm Kuno die Schleifleine in sein Maul und zog daran. Sofort stand Billie auf und folgte Kuno. Zusammen gingen beide nach draußen ins Katzen Gehege. In der ganzen Zeit hatte Kuno die Leine in seinem Maul. Der Kater ging mehrmals mit der Leine im Maul durch das Gehege. Er ließ kein Hindernis aus. Immer bevor Billie vor dieses Hindernis lief, zog Kuno an der Leine und Billie änderte die Richtung. Ich war fasziniert von dem was ich sah. Hinter mir bemerkte ich den Tierarzt und auch die Tierheim-Leiterin. Beide schauten zu wie Kuno und Billie durch das Katzengehege gingen. Da kam der Tierarzt auf die Idee das doch auf dem Tierheim Gelände zu probieren. Vielleicht führte Kuno dann auch Billie. Sofort öffnete ich die Ausgangstür aus dem Gehege und der Tierarzt rief nach Kuno. Katze und Hund kamen sofort und gingen durch die Tür, ohne das Billie vor diese stieß. Wir begleiteten die beiden wie sie durch das Tierheim gingen. Immer führte Kuno und Billie folgte ihm. Von diesem Tag an waren Kuno und Billie unzertrennlich. Auch ließ sich Kuno von da an streicheln. Vorher konnte niemand Kuno auch nur ein bisschen zu nahe kommen. Dann fauchte und knurrte er. Seitdem er Billie getroffen hatte, war das vorbei. Natürlich versuchten wir beide zusammen zu vermitteln. Doch leider wollte niemand die Beiden. Bis eines Tages der Chef des örtlichen Zoos zu uns kam. Als er das paar zum ersten Mal sah, lagen beide in einem Korb und waren am Schlafen. Der Zoo Chef sah die beiden zwar und schaute sie sich eine Weile an, aber dann ging er weiter. Der Zoo Chef suchte für sich einen Hund. Doch er fand keinen Hund der ihm gefiel. Er ging wieder zu Billie und Kuno zurück und sah sich die beiden nochmals an. Er wollte gerade etwas sagen, als Kuno aufstand. Auch Billie erhob sich. Beide reckten und streckten sich, dann nahm Kuno die Leine von Billie in sein Maul und beide gingen zusammen zu ihren Fressnäpfen. Der Zoo Chef schaute staunend zu wie die Katze den Hund führte. Als beide etwas gegessen hatten nahm Kuno wieder die Leine ihn sein maul und beide kamen auf die Tür zu. Ich öffnete diese und die beiden gingen aus ihrer Box. Dann führte Kuno seinen Freund Gassi.
Der Zoo Chef staunte noch immer und fragte was das war. Daraufhin klärte die Tierheim-Leiterin ihn auf, dass Billie Blind war und Kuno ihm seine Augen ersetzte. Kuno warnte vor allem. Waren es Stufen, blieb Kuno vor diesen stehen, dann Miaute Kuno leise und beide gingen die Stufen hinab.
Der Zoo Chef nahm alle beide und gab ihnen ein schönes zu Hause.

Nachtrag:
Es sind nun acht Jahre vergangen als der Zoo Chef die beiden zu sich geholt hatte. Nun ist er wieder bei uns und erzählt, dass Billie und Kuno zusammen in der Sonne gesessen haben. Auf einmal habe Billie mehrmals gebellt. Danach habe er Kuno noch mal so richtig abgeschleckt. Er legte sich hin und starb. Kuno habe drei Wochen am Grab von Billie verbracht, dann war er auf einmal verschwunden. Etwa zwei Wochen später war er wieder da. Kuno lag auf dem Grab von Billie und war Tod. Er sah schlimm aus. Kuno muss gekämpft haben, doch leider hatte er diesmal verloren. Dennoch hat er sich zum Grab seines Freundes geschleppt um dort zu sterben. Kuno wurde neben Billie beerdigt.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #94
Oh Gott was für eine schöne Geschichte, da kommen einem die Tränen
 
  • Post aus Bayern Beitrag #95
Schön und traurig zugleich *schnief*
 
  • Post aus Bayern Beitrag #96
Danke für die tollen Geschichten. Bitte mach weiter.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #97
Manchmal könnte man meinen, einige Geschichten sind erfunden.
Aber wenn ich dann z.B. lese, dass der Tierarzt mit dem Fahrrad daher kam, scheint mir nix erfundenes an den Geschichten zu sein. Denn ein Fahrrad in der heutigen Zeit denkt sich niemand in eine erfundene Geschichte rein.
Und Gerda ist ja nun schon in Rente und die Zeit, wo sie es erlebt hat, ist mit heute so nicht mehr zu vergleichen. Das liest man aus den Geschichten auch deutlich heraus.

Auch wenn hier nicht zu allen Geschichten eine Rückmeldung kommt, lesen viele doch eifrig und gespannt mit. Ich inklusive.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #98
  • Post aus Bayern Beitrag #99
Hallo Lady of Camster,
Hallo Schweden-Tiger,
und Hallo allen die hier mitlesen,
in der tat, man könnte tatsächlich meinen, das ich die Geschichten erfunden habe. Ich muß aber dazu sagen, das die Aufzeichnungen die mir "Gerda" zur Verfügung gestellt hat, zum größten Teil aus Handschriftlichen Aufzeichnungen bestehen. Also nix Schreibmaschine oder ähnliches. Alles von Hand geschrieben und meistens dann nur eine DIN A4 Seite voll. Ab und an auch beidseitig. Ich kann schlecht Schreiben das da ein Kater mit Namen Kuno ist, der sich um einen Blinden Hund kümmert. Und das war es dann, das ließt keiner. Da muß ich schon ein bisschen meine Fantasy spielen lassen. Ich sage mal, das eine Geschichte aus 75% wahrem Kern besteht und die restlichen 25% nur meiner Fantasy entspringen.
Außerdem, bevor ich eine Geschichte hier veröffentliche bekommt Gerda diese zum Korrekturlesen. Sollte etwas nicht stimmen, teilt sie mir das mit und ich ändere das entsprechend. Das geht solange, bis alles passt und sie endlich ihr OK gibt. Erst dann wird die Geschichte auf meinem Compi gespeichert und der Ur-Entwurf wird gelöscht. Ein paar Tage später könnt ihr dann das Ergebnis lesen.

Ich weiß, das "Gerda" hier viele Fans hat, man sieht es an den Zahlen der Hits, über 4300 bei bisher 17 Geschichten. Das nicht jeder einen Kommentar schreibt ist auch in Ordnung. Gerda freut sich über jeden Kommentar. Sie liest hier unangemeldet mit. Und nein, Sie wird sich nicht anmelden.

Ich Habe Gerda gefragt ob ich ihre Biographie veröffentlichen darf und ich habe das OK bekommen. Ich habe diese also ins reine geschrieben und zu Gerda geschickt und warte nun auf die Antwort. In dieser Biographie die mir vorliegt, steht alles mit dem genauem Datum. Wann, was, wo geschehen ist. Diese Daten habe ich natürlich entfernt. Das einzige Datum welches noch darin steht, ist das Jahr von Gerda`s Geburt.
Gruß Helmut
 
  • Post aus Bayern Beitrag #100
Bernhard und Bianca

Bernhard kam im Sommer zu uns. Er wurde von der Polizei gebracht. Der Beamte der Bernhard brachte erzählte, dass eine alte Frau den Notruf gewählt hatte, weil es ihr sehr schlecht ging. Als die Retter bei ihr im Haus ankamen war sie schon verstorben. Einer der Retter hörte ein Geräusch aus dem Badezimmer. Es hörte sich an als wenn ein kleines Kind laut jammert. Sofort schaute dieser nach, doch er fand eben jenen Kater den der Beamte nun brachte. Im Badezimmer war ein Katzenklo, welches schon mehrere Tage nicht sauber gemacht worden war. Außerdem stand dort ein Teller mit Fressen, welches aber schon stark am Riechen war. Im Handwaschbecken war Wasser eingelassen. Sonst befand sich im ganzen Haus nichts, welches auf die Anwesenheit einer Katze hinwies. Anscheinend hatte der Kater schon mehrere Tage im Badezimmer verbracht, wenn nicht sogar sein ganzes Leben. Wobei der Polizist das darauf führte, dass nur im Badezimmer und Wohnzimmer, ansonsten aber im ganzen Haus keine Katzenhaare waren.
Bernhard war 18 Jahre alt und er jammerte fürchterlich. Nur wenn man ihn streichelte war Bernhard ruhig. Der Tierarzt untersuchte ihn. Der Tierarzt stellte fest, Bernhard war Verhalten gestört weil er anscheinend nur in den beiden Räumen des Hauses eingesperrt war. Er hatte auch wohl nie kontakt zu anderen Tieren gehabt. Außerdem war er nicht kastriert. Er hatte wohl nie einen Tierarzt gesehen. Bernhard war Blind und Taub. Daher auch sein lautes Gejammer. Nur wenn er merkte dass jemand in der Nähe war, gab er Ruhe.
Ich brachte Bernhard ins Seniorenzimmer. In dem lebten noch 5 andere Katzen die über 15 Jahre alt waren. Natürlich hatte auch dieser Raum einen Ausgang zum Katzenfreigehege. Auch Bianca lebte hier. Bianca war eine Katze die 18 Jahre alt war, sie hatte inzwischen Rheuma in ihren Gelenken und leichtes Asthma. Sie war hier vor 3 Jahren abgegeben worden, nachdem die Besitzerin gestorben und ihr Sohn sie nicht halten konnte. Denn dessen Kinder hatten leider eine Katzen Allergie. Der Sohn der Besitzerin, nennen wir ihn Jürgen, kam einmal die Woche um nach Bianca zu sehen. Dann setzte er sich zu ihr, redete mit ihr streichelte und kraulte sie. Dann war Bianca immer sehr glücklich. Doch irgendwas bedrückte sie. Sie hatte nicht um ihre Besitzerin getrauert. Als diese gestorben war, ist Bianca nicht zu ihr gegangen, sondern sofort mit Jürgen mitgegangen und das ohne sich einmal umzusehen. Das konnte es also nicht sein. Vielleicht lag es daran das Bianca Zeit ihres Lebens nie rollig geworden ist und sie somit nicht dieses Gefühl kannte.

Doch auch das war es nicht! Wir erfuhren es aber.

Ich brachte Bernhard also ins Seniorenzimmer und legte ihn in einen Katzenkorb. Dann kümmerte ich mich um die anderen Katzen hier im Raum. Bernhard fing auch bald wieder an zu jammern. Die anderen Katzen sahen ihn kurz an, dann interessierte sie Bernhard nicht mehr. Nur Bianca sah weiter zu Bernhard. Ihr Schwanz peitschte von einer Seite auf die andere. Offensichtlich war sie sehr erregt.
Bianca stand auf. Noch immer schaute sie zu dem jammernden Bernhard. Ich vermutete das das Jammern sie störte. Dann humpelte sie langsam auf Bernhard zu. Noch immer peitschte ihr Schwanz von einer Seite zur anderen. Als sie bei Bernhard angekommen war, schien sie sich zu beruhigen, denn ihr Schwanz kam zur Ruhe. Sie schnupperte an Bernhard. Der hatte noch nicht gemerkt das Bianca so dicht bei ihm war, denn er jammerte noch immer laut vor sich hin. Dann stupste Bianca mit ihrer Nase Bernhard an. Sofort hörte der auf zu jammern und wandte seinen Kopf nach Bianca. Auch er schnupperte an Bianca. Dann hörte ich von Bernhard ein Miauen wie ich es noch nie gehört hatte. Auch Bianca miaute ganz laut. Dabei rieben beide Katzen ihren Kopf aneinander. Es war als wenn sie sich freuten.

Ich holte einen größeren Korb vom Lager und bereitete diesen für Bernhard und Bianca vor. Als ich diesen neben den beiden abstellte, stieß Bianca den Bernhard in die Seite und beide gingen zum größeren Korb hinüber und legten sich darin hin. Ich sah, das beide Katzen am Weinen waren. Jedoch war es kein trauriges weinen sondern eher ein freudiges weinen.

In diesem Moment kam die Tierheim-Leiterin in den Raum. Erstaunt sah sie zu Bianca und Bernhard hin und fragte was los ist. Ich sagte ihr, was bisher vorgefallen war und das ich eine bestimmte Ahnung hätte. Doch das könnte ich erst erzählen wenn Jürgen wieder hier gewesen ist. Da er heute kommen wollte sagte die Tierheim-Leiterin das wir dann eben so lange warten wollen. Sie kannte mich inzwischen und wusste das ich keine Gerüchte verbreiten oder Müll erzählen würde.
Ein paar Stunden später kam Jürgen. Als er Bernhard und Bianca sah, war er verdutzt und sah mich fragend an. Ich erzählte ihm von dem bisher geschehene. Dann rief ich die Tierheim-Leiterin an, denn sie wollte bei dem Gespräch mit dabei sein. Sie kam dann auch sehr schnell ins Katzenhaus und brachte auch den Tierarzt mit. Nachdem sie Jürgen begrüßt hatte, sagte sie, das ich einen Verdacht wegen Bianca habe und daher ein paar Fragen habe. Erstaunt sah Jürgen zuerst die Tierheim-Leiterin und dann mich an. Er wollte wissen was für fragen. Somit stellte ich meine erste Frage: „Hatte Bianca einen Bruder?“
Jürgen sagte ja und dann erzählte er die Geschichte. Danach war zuerst ein Kater geboren worden und kurz darauf kam Bianca zur Welt. Nach nur 8 Wochen war der Bruder verschwunden und die Mutter von Jürgen meinte nur, was sie mit solch einem Kater solle. Ich fragte ihn was er meinte und er sagte: „Nach Mutters Aussage hatte der Kater nur einen Hoden!“ Ich sah den Tierarzt an und er verstand mich. Er ging zu Bernhard und Untersuchte ihn kurz. Dann nickte er mir zu. Ich stellte die Frage ob Jürgen sich noch an den Kater erinnern könne. Er überlegte kurz und sagte dann: „Natürlich, ich erinnere mich genau! Der Kater hatte den Namen Bernhard und außerdem auch noch zwei verschieden farbige Augen.“ Ich sah wiederum zum Tierarzt und der meinte, das hoffentlich noch Hell und Dunkel unterschieden werden könnten. Dann wär es kein Problem. Der Tierarzt stand auf und ging zu den beiden Katzen. Nach einem kurzen Moment kam er zurück und fragte: „ Welche Augenfarbe hatte Bernhard?“ Jürgen sagte: „Das linke Auge war gelb und das rechte grün. Wenn ich mich recht erinnere. Schließlich ist das über 18 Jahre her, das ich Bernhard zum letzten Mal gesehen habe.“
Da meinte der Tierarzt: „Hundert Prozentige Sicherheit hätten wir nur bei einer Blut Analyse. Aber so wie es aussieht, ist das ihr Bernhard. Der Bruder von Bianca. Diese hat ihn sofort erkannt und auch Bernhard hat seine Schwester erkannt!“ Alle sahen wir zu Bernhard und Bianca hin. Die lagen beide in dem Korb und hatten sich richtig umarmt. Jürgen schaute zuerst den Tierarzt dann mich an anschließend auch die Tierheim-Leiterin. Dann stand Jürgen langsam auf. Wir sahen wie ihm Tränen in den Augen standen. Er ging zu den beiden Katzen hin und setzte sich auf den Boden. Dann streckte er beide Arme aus und streichelte die Katzen. Dabei sagte er: „Nach so langer Zeit habe ich euch beide wieder!“ Jürgen fing hemmungslos an zu weinen. Der Tierarzt, die Tierheim-Leiterin und ich sahen uns an. Dann verließen wir alle drei den Raum. Draußen meinte der Tierarzt: „ Ich habe schon viel erlebt und auch viele Wissenschaftliche Abhandlungen gelesen. Immer wird behauptet, das außer Elefanten kein anderes Tier solch ein Langzeit Gedächtnis habe. Aber das stimmt wohl nicht. Hier ist der Gegenbeweis. Bianca hat ihren Bruder nach 18 Jahren wieder erkannt und auch Bernhard hat seine Schwester erkannt.“ Dann gingen Tierheim-Leiterin und der Tierarzt in ihr Büro, während ich weiter im Vorraum blieb. Zweimal hinderte ich andere Mitarbeiter daran den Raum zu betreten in dem Bernhard, Bianca und Jürgen waren. Dann kam Jürgen wieder aus dem Raum. Hatte sich beruhigt und meinte er komme morgen wieder. Sein guter schwarzer Anzug war verschmutzt und voller Katzenhaare, aber es schien ihn nicht zu stören. Dann ging er zum Büro der Tierheim-Leiterin und ich kümmerte mich um die beiden Katzen. Diese lagen zufrieden in ihrem Korb und schnurrten vor sich hin. Am nächsten Tag kam Jürgen mit seiner Frau um die beiden Katzen zu besuchen. Ich sah wie beide am Weinen waren.

Ab diesem Tag waren die beiden Katzen unzertrennlich. Wo Bianca hinging, ging auch Bernhard mit. Wollte einer der beiden aufs Katzenklo, ging der andere mit und wartete davor. Wenn Bernhard zum KA-Klo musste, stupste ihn Bianca immer mit ihrer Nase an, damit er in die richtige Richtung lief. Jeden Tag kam Jürgen um seine beiden Katzen zu besuchen. Auch seine Kinder brachte er mit. Doch schon nach kurzer Zeit brachte ich die Kinder zu den Hunden. Der Sohn hatte eine zu starke Katzenallergie. So kam Jürgen, immer nachdem er Feierabend hatte, für ein paar Stunden zu uns.
Drei Jahre später, ich war wieder in dem Raum am Arbeiten, fing Bernhard an zu jammern. Als ich zu ihm hinsah, leckte er gerade Bianca über die Augen. Dann legte er sich hin und starb. Bianca fing fürchterlich an zu weinen. Sie trauerte um ihren Bruder. Ich ließ die Tierheim-Leiterin holen und als sie da war, brauchte ich ihr nichts erklären. Sie meinte nur, das wir die beiden noch zusammen lassen sollten. Zu mindestens bis Jürgen da ist. Wir redeten noch beide zusammen als auch das weinen von Bianca leiser wurde. Wir schauten beide zu ihr hin und ich ging zu ihr. Sie schaute mich dankbar an und ich streichelte über ihren Kopf. Dann schloss auch Bianca die Augen für immer. Ich holte eine Decke und breitete diese über die beiden aus. Der Tierheim-Leiterin und auch mir kamen die Tränen.
Jürgen kam drei Stunden später. Ich empfing ihn vor dem Raum in dem seine beiden toten Katzen waren. Als ich ihm erzählte das Bianca etwa eine halbe Stunde nach Bernhard gestorben war, sagte er: „Bernhard wurde eine halbe Stunde vor Bianca geboren.“ Dann betrat er den Raum und ging zu seinen Katzen. Nach über einer Stunde kam er wieder aus dem Raum und fragte ob er die beiden mitnehmen könne. Er wolle sie bei sich im Garten beerdigen. Natürlich durfte er die beiden mitnehmen. Er beerdigte die beiden zusammen in seinem Garten. Auch einen Gedenkstein ließ er herstellen. Auf dem stand neben ihren Namen und Geburts- und Sterbedaten:
„Sie waren lange getrennt, aber kurz vor ihrem Tod waren sie wieder vereint. Nun warten beide auf mich im Regenbogenland“
 
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