Post aus Bayern

Diskutiere Post aus Bayern im Katzen Forum im Bereich Katzenfreunde; So schön und so traurig!
  • Post aus Bayern Beitrag #101
So schön und so traurig!
 
  • Post aus Bayern Beitrag #102
Oh Helmut,

Gerda und Du könnten mir eine Großpackung Taschentücher spendieren;-)

Mein Sohn (17) guckt schon immer komisch, wenn ich vor dem PC sitze und weine. Ich will lieber nicht wissen, was er dann denkt (Die Alte dreht jetzt völlig durch, oder so ähnlich).:mrgreen:

Noch einmal vielen Dank für die wunderschönen Geschichten. Ich freue mich schon auf die Nächste. (Taschentücher liegen am PC bereit).

LG
 
  • Post aus Bayern Beitrag #103
Oh man, nun sitz ich hier wieder und heul. Danke für die tollen Geschichten
 
  • Post aus Bayern Beitrag #104
:a094:
Ja, traurig. Aber auch nicht. Danke für die tollen Geschichten.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #105
Hallo,
ja, ja! Die Taschentücher! Hier ein kleines Foto zum Aufmuntern.
Das ist einer der Hunde meiner Tochter. Das andere Tier gehört mir.
14801697sp.jpg

Gruß Helmut

P.S. Bei der nächsten Geschichte braucht ihr keine Taschentücher und der Sohn braucht sich dann auch nicht sein Teil denken.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #106
Jetzt mal eine Geschichte bei der, so hoffe ich, keine Taschentücher gebraucht werden. Und wenn der Sohn wieder mal komisch schaut, soll er doch bitte mal alle Geschichten lesen!
Gruß Helmut


Katze mit Kitten im Vogelkäfig

Als ich vor einiger Zeit zur Arbeit fuhr, (ich fahre mit dem Fahrrad) hörte ich kurz vor unserem Tierheim ein Klägliches Miauen. Sehen konnte ich zunächst nichts. Oh, Gott dachte ich, da ist eine Katze angefahren worden. Also Anhalten und das Fahrrad an einen Baum gelehnt. Dann um einen Busch gegangen und dann sah ich die Bescherung. Da stand ein kleiner Vogelkäfig in dem eine Katze gefangen war. Ich ging schnell näher. Da sah ich, das sich auch mindestens drei Kitten in dem Käfig befanden. Schnell schnappte ich mir den Käfig samt Katzen und fuhr so schnell wie ich konnte ins Tierheim.
Dort angekommen fuhr ich direkt zum Katzenhaus. Ich sagte einer Helferin das sie sofort den Tierarzt anrufen solle. Es ist ein Notfall. Der Tierarzt solle sofort kommen.
Ich öffnete den Käfig indem ich das Metallteil vom Rest trennte. Vorsichtig hob ich die große Katze aus der Käfigschale. Da sah ich das insgesamt 7 Kitten in dem Käfig lagen.

Ich war erschüttert und wütend zugleich. Wie kann ein Mensch so was tun? Wie kann man so herzlos sein? Warum hat dieser Mensch nicht einfach die Katze mit ihren Kitten bei uns abgegeben? Ich verstand es nicht!
[Vorsichtig legte ich die Katzenmutti in einen Extra großen Katzenkorb. Doch die Mutti wollte wieder zu ihren Kitten. Da nahm ich schnell das erste Kitten aus dem Käfig und legte dieses bei der Mutter an. Sofort fing das Kitten an zu suchen und die Mutti legte sich hin. Vertrauensvoll schaute sie mir in die Augen.
Daraufhin hob ich ein Kitten nach dem anderen aus dem Käfig und legte diese bei der Mutter an. Sofort fing jedes an, nach den Zitzen zu suchen.
Ich war froh, das alle 7 Kitten noch lebten.
Da kam auch schon der Tierarzt. Ich erklärte ihm kurz die Sachlage und er fing fürchterlich an zu Fluchen. Die Wortwahl gebe ich nicht wieder, aber sie war schon recht heftig.
Er Untersuchte schnell zunächst die Mutter und dann einzeln die Kitten. Dann meinte er, das die Kitten höchstens 3 Tage alt sind, aber soweit, bei dieser Blitzuntersuchung, alle 8 In Ordnung sind. Er werde sie auf jeden Fall noch heute Nachmittag genauer untersuchen. Alle die bisher Kenntnis von dem Fall hatten waren sehr froh, das Mutter und Kitten so weit in Ordnung waren. Nacheinander kamen alle, soweit es die Arbeit zu lies zu der Mutter und streichelten sie. Die Mutter ließ das alles mit sich gefallen. Nur wenn jemand zu laut war, zuckte sie zusammen und schaute ängstlich zu der Lärmquelle.
Am Nachmittag kam der Tierarzt zurück und untersuchte zunächst die Katzenmutti genau. Er konnte einen schlecht verheilten Bruch an einer Vorderpfote feststellen, sowie zwei gebrochene Rippen. Sofort ging er mit der Katze in den Untersuchungsraum, wo er sie Röntge (Wir haben hier, als der Doc sich einen neuen Röntgenapparat kaufte, den alten einbauen lassen) (wird natürlich genauso gewartet wie beim Doc in der Praxis, Kosten trägt der Doc) Dort stellte er fest, das sein Verdacht mit den gebrochenen Rippen und der Pfote richtig war. Die arme Katze musste schwer Misshandelt worden sein. Da die Katzenmutti ihre kleinen noch säugte, konnte er an den Rippenbrüchen zunächst nichts machen. Ganz vorsichtig brachte er die Mutti zurück. Dann wurden die Kitten untersucht. Die waren vollkommen gesund. Nur hatten sie zu wenig Gewicht, weil die Mutti ihre kleinen, bedingt durch die Rippenbrüche, nicht richtig versorgen konnte. Das hieß für uns, das wir alle 2 Stunden nach Füttern mussten. Und das rund um die Uhr. Sofort machten wir einen Schichtplan um die Mutter zu Unterstützen. Alle meldeten sich Freiwillig, so das eine rund um die Uhr Betreuung gewährleistet war. Natürlich war ich auch mit dabei.
Es war eine schwere Zeit für alle Mitarbeiter des Tierheim. Aber auch fremde Leute die in der Nachbarschaft des Tierheim wohnten und von der Geschichte hörten, unterstützten uns bei der Aufzucht. Und wir schafften es. Alle Kitten überlebten und wurden schöne Kätzinen oder Kater. Wenn es auch bei dreien sehr schwer war. Auch die Mutter erholte sich. Nachdem so viel Hilfe da war, konnte der Tierarzt früher als geplant mit der Behandlung beginnen, so das die gebrochenen Rippen wieder gut verheilen konnten. Nur an dem Lauf wollte der Tierarzt nichts machen. Schließlich war dieser mehr schlecht als Recht verheilt. Der Tierarzt meinte dazu: Damit kommt die kleine sehr gut zurecht. Sie wird keine Einschränkungen davon tragen.

Für alle die uns bei der Aufzucht der sieben Kitten halfen, wurde anschließend eine kleine Dankesfeier veranstaltet.
Die Kitten und auch die Mutter wurden unter den Hilfskräften vermittelt. Immer Paarweise.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #107
Eine sehr schöne Geschichte. Du hast Recht EIGENTLICH braucht man keine Taschentücher. Aber so zwei Wuttränen kullerten doch ... wie kann ein Mensch so was machen?
 
  • Post aus Bayern Beitrag #108
Bei dieser Geschichte wird garantiert kein Taschentuch benötigt!

(Biographie von Gerda)

Mein weg zur Tierheimleiterin

Geboren wurde ich im Sommer 1940. Zum Ende meiner Schulzeit machte ich mit 15 Jahren ein Praktikum im Ortsansässigen Tierheim. Dort wurde ich sehr freundlich aufgenommen und mir wurde, nach einem Zwischenfall eine Anstellung zugesagt. Ab dem Tag der Zusage machte ich mir Notizen über besondere Vorfälle und Ereignisse mit Tieren. Mit 16 Jahren trat ich meine Stelle im Tierheim an. Die Tierheim-Leiterin hatte mir eine Lehrstelle zur Tierpflegerin besorg. Da das im Tierheim nicht möglich war, machte ich diese im Zoo in unserer Stadt. Diese Ausbildung schloss ich vorzeitig mit Auszeichnung ab.
Noch am selben Tag bin ich zum Tierheim gefahren und habe der Tierheim-Leiterin mein Zeugnis vorgelegt. Ich sollte zunächst erst mal ein paar Tage Urlaub machen und mich danach wieder bei ihr melden. Ich war verunsichert ob ich noch die Stelle im Tierheim bekomme. Aber die Leiterin beruhigte mich und meinte die Stelle ist auf jeden Fall noch für mich da.
Nach meinem Kurzurlaub fing ich an einem Montag im Tierheim an zu arbeiten. Nach zwei Wochen rief mich die Tierheim-Leiterin in ihr Büro. Auch der Tierarzt war da. Die Leiterin fragte mich, ob ich nicht auch Lust hätte, eine Ausbildung zur Tierarzthelferin zu machen. Ich überlegte kurz und meinte dann, dass ich dieses gerne machen würde, aber nur wenn ich hier im Tierheim bleiben kann. Die Leiterin und der Tierarzt schauten sich kurz an, dann meinte der Tierarzt das das in Ordnung gehen würde. Denn genau darum ginge es ihm. Er brauchte eine ausgebildete Tierarzthelferin hier im Tierheim die bei Bedarf die Erstversorgung bei Kranken oder Verletzten Tieren machen kann. Auch diese Ausbildung beendete ich vorzeitig mit Auszeichnung. Von nun an arbeitete ich im Tierheim und beim Tierarzt damit ich noch mehr lernen konnte. Ich half bei Operationen und als ich soweit war, machte ich meine erste OP unter Aufsicht des Tierarzt. Er meinte einmal, dass an mir eine gute TÄ verloren gegangen sei. Nur leider sprach meine Schulbildung dagegen. Auch hatte ich nicht viel Ahnung von größeren Tieren. Hunde und Katzen waren mein Bereich. Da kannte ich mich aus. Auch machte ich viele Weiterbildungskurse mit. Unter anderem wurde ich am Röntgengerät sowie am Ultraschallgerät ausgebildet. Aber nicht nur das, der Tierarzt brachte mir auch bei, wie man diese Auswertet. Einen Knochenbruch auf einer Aufnahme kann jeder erkennen. Aber die anschließende korrekte Behandlung damit alles wieder richtig zusammen wächst, lernt man nicht bei der Ausbildung an den Geräten.
Nach insgesamt 5 Jahren war ich mit allen Ausbildungen fertig und ich konnte endlich richtig im Tierheim anfangen zu Arbeiten. Natürlich kamen immer wieder Weiterbildungen hinzu, aber diese dauerten nicht mehr so lange wie die anderen Ausbildungen. Meistens dauerten diese Weiterbildungen zwischen einer und drei Wochen. Auch wurde bei mir eine Prüfung, veranlasst durch den Tierarzt, von einer Tierarzt Kommission durchgeführt. Bei dieser Prüfung wurde festgestellt, das ich auch ohne das der Tierarzt anwesend ist, die Erstversorgung bei Kranken oder verletzten Kleintiere durchführen darf. Dazu zählten auch eventuelle Lebensrettende Eingriffe.
In den folgenden Jahren wurden auf meine Anregung hin viele Neuerungen eingeführt. Zum Beispiel wurde von starren Besucher Öffnungszeiten abgegangen. Es war bisher so, dass einmal in der Woche die Tiere besichtigt werden konnten und wenn jemand wollte, diese sofort mitnehmen konnte. Dies wurde geändert dahin, dass an jedem Tag der Woche Besuchstag war und Tiere aus dem Tierheim geholt werden konnten. Auch wurde dann ein sogenannter Tag der offenen Tür eingeführt. Dort konnten dann Interessierte auch mal hinter die Kulissen des Tierheim schauen. An diesen Tagen wurden die meisten Tiere vermittelt. Einmal im Jahr gab es einen Tag des Tieres. An diesem Tag konnten alle ihre Tiere mitbringen und diese wurden Kostenlos vom Tierarzt und mir auf eventuelle Krankheiten hin Untersucht. Wurde hierbei eine Krankheit festgestellt, berieten wir die Besitzer was unternommen werden muss. In dieser Zeit wurde viel erreicht. Es wurde das alte Röntgengerät des Tierarzt bei uns eingebaut (als der sich ein neues anschaffte) die Krankenstation wurde ausgestattet wie in einer Tierarzt-Praxis und auch der Behandlungsraum wurde mit allen Notwendigen Geräten ausgerüstet. Somit konnte die Ersthilfe bei erkrankten oder verletzten Tieren noch besser durchgeführt werden, weil der Transport zum Tierarzt entfiel.
Inzwischen sind weitere 12 Jahre vergangen und die Tierheim-Leiterin ist im Rentenalter. Darum soll heute ein neuer Leiter bestimmt werden. Alle sind gespannt wer es werden soll. Gerüchte besagen das es der Tierarzt werden soll, andere Gerüchte besagen das es eine Kollegin oder Kollege hier aus dem Tierheim werden soll. Hier im Tierheim sind zwei die schon über 20 Jahre hier sind. Auch sind Gerüchte aufgetaucht das es jemand werden könnte den wir noch gar nicht kennen. Spaßeshalber sagte die Tierheim-Leiterin mal zu mir, dass ich es werden soll. Wir haben beide über diesen Witz gelacht. Aber die Tierheim-Leiterin weiß es selbst nicht.

(Original Notizen von Gerda):

Wir sitzen alle im Aufenthaltsraum und warten auf das Ergebnis. Auch dabei ist der Tierarzt. Sogar der Bürgermeister unserer Stadt ist da. (Wir sind ein Städtisches Tierheim) Außerdem noch der stellvertretene Minister des Landes und uns drei unbekannte Personen. (zwei Frauen und ein Mann)
Dann hält der Bürgermeister eine kleine Rede und bedankt sich bei der bisherigen Tierheim-Leiterin für ihre Arbeit. Er verweist darauf dass sie über 20 Jahre das Tierheim geleitet hat. Auch der stellv. Minister bedankt sich bei ihr. Dann endlich kommt der BM auf das wesentliche zu sprechen.
„Wir haben sehr, sehr lange überlegt, ich glaube es waren 2 Minuten, wer das Amt des Tierheim-Leiters übernehmen soll. Der Tierarzt wollte nicht. Er meinte sein Tag hat schon 25 Stunden, einschließlich Frühstück und Mittagspause. Dazu kommt noch das er Ab und an auch noch des Nachts raus muss. Nein, er meinte das muss jemand sein der mit Leib und Seele für die Tiere da ist. Es blieben dann nur drei Personen über. Aber eigentlich haben wir alle an dieselbe Person gedacht.“
Nun mischte sich der stellv. Minister ein: „Natürlich wurde auch ich befragt. Schließlich hat auch das Land hier etwas mitzureden. Auch ich war derselben Meinung wie die Herrschaften der Stadt. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, dass es eine weibliche Person sein muss. Tut mir Leid Herr xxxx, aber es ging nicht anders.“
Damit ergriff der Bürgermeister wieder das Wort: „Wir wollen es nun nicht mehr so spannend machen. Die neue Leiterin des Tierheim wird Frau Gerda xxxxxx. Herzlichen Glückwunsch!“

Alle spendeten Beifall, dann ergriff noch mal der BM das Wort: „Unsere Endscheidung fiel so klar aus, weil Sie, Gerda, über ein fundamentales Wissen verfügen, sowie fast wie eine TÄ ausgebildet sind. Schon öfters haben Sie diese Ausbildungen unter Beweis stellen können, ich erinnere an das letzte Jahr, an die Katze mit dem Schädelbruch. Ich hoffe es geht weiter so. Auch für Sie Frau Xxxxxx gibt es eine Beförderung. Sie sind nun Stellvertreter von Frau Gerda.“
Wieder brandete Beifall auf. Anschließend kamen alle und gratulierten mir zur Beförderung.
Danach fand noch eine kleine Feier statt.

(Ende des Original)

Am nächsten Tag traf ich mich mit der Tierheim-Leiterin und wir besprachen die Übergabe des Postens. Auch wurden die Kollegin und der Kollege die nicht Leiterin bzw. Leiter des Tierheim geworden sind, zu einem Gespräch eingeladen, welches sie auch freudig mit machten. Auch der Tierarzt kam zu diesem Gespräch hinzu. Er legte noch mal die genauen Entscheidungsgründe für meine Wahl da. Das sahen die beiden auch ein. Bis zur Erreichung ihres Rentenalters arbeiteten beide weiterhin im Tierheim.
Über 25 Jahre war ich Leiterin des Tierheim. Dann wurde ich leider sehr krank, so dass ich meinen Job nicht mehr Ausführen konnte.
Trotz meiner Krankheit half ich in meinem Tierheim so gut wie es ging aus.

Vor 3 Jahren starb mein Mann, nach kurzer schwerer Krankheit. Da er aus Bayern kam, ließ ich ihn dahin überführen. Das war sein Wunsch! Daraufhin zog ich nach Bayern in die Nähe meiner Tochter. Auch hier helfe ich ab und an im Tierheim. Jedoch wissen die Leute in diesem Tierheim nicht, das ich mal ein Tierheim geleitet habe. Warum auch? Wenn die es wüssten, würde das auch nichts ändern. Sie wissen nur, das ich eine Tierarzthelferinen Ausbildung habe. Also gehe ich an manchen Samstagen dort hin und kümmere mich ein wenig um Hunde und Katzen. Mit den Hunden gehe ich, soweit ich es kann, spazieren. Wenn es mal nicht geht kümmere ich mich um die Katzen hier in dem Tierheim.
Ich selbst habe nie ein Tier besessen. Mir reichten die Tiere im Tierheim. Natürlich hatte ich meine Lieblinge, auch hier in dem Tierheim habe ich welche, aber mit zu mir nach Hause nehmen wollte ich sie nicht. Sie wären sonst sowieso fast den ganzen Tag allein zu Hause gewesen.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #109
Eine tolle Biographie, die zwischen den Zeilen erahnen lässt, wie viele tolle, interessante und bewegende Geschichten da zusammengekommen sein müssen. Wie bescheiden, dass sie bei dem jetzigen Tierheim nicht preisgibt, wie viel Erfahrung in der Leitung sie wirklich hat. Das ist bestimmt nicht immer einfach, sich da zurückzuhalten.
"Gerda", bitte gib uns weitere Geschichten, auch wenn sie manchmal unglaublich erscheinen.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #110
Mein bis dahin schwerster Fall

Wie immer bei schönem Wetter fahre ich mit dem Rad zum Tierheim. Bis dahin sind es nur 5 Kilometer.
So auch in diesem Sommer 71. Der Weg zum Tierheim führt neben einer stark befahrenen Straße her.
An einem Montag, ich bin spät dran, radle ich wieder in Richtung Tierheim. Auf der Straße ist wie immer dichter Verkehr. Während einer Lücke im Autoverkehr höre ich eine Katze fürchterlich Jaulen. „Oh Gott“ denke ich, „da ist wieder eine Katze angefahren worden.“ Schnell stelle ich mein Rad an einen Busch und schaue mich um. Trotz des jetzt wieder fließenden Verkehrs höre ich die Katze jammern. Sie ist auf der anderen Straßenseite. Ich habe immer eine Umhängetasche bei mir, in dem sich ein Erste Hilfe Set für Tiere ist. Dieses Set habe ich mit Hilfe des Tierarzt zusammengestellt. Schnell greife ich zu dieser Tasche und trete an den Fahrbahnrand. Als eine Lücke im Autoverkehr ist, betrete ich die Fahrbahn und gehe bis zur Mitte der Straße. Dort lässt mich ein Autofahrer, der abbremst, über den Rest der Straße. Als ich dort ankomme sehe ich sofort die Katze die so laut jammert. Doch anscheinend ist diese nicht verletzt, sondern eine zweite Katze die dort liegt. Als ich mich nähere, fängt die unverletzte Katze an zu knurren und fauchen. Je näher ich komme umso bedrohlicher wird das Fauchen und Knurren. Ich fange mit der Katze an zu reden und diese hört wirklich auf zu fauchen. Auch das knurren wird weniger. Bei den beiden Katzen kniete ich mich auf den Boden und strecke langsam meine Hand aus. Sofort wird das knurren der Katze wieder lauter. Doch noch immer rede ich mit der Katze. Dann geht sie ein wenig zur Seite. Jetzt kann ich die andere Katze ganz sehen. Sie muss von einem Auto angefahren worden sein. So wie es aussieht, ist die Katze am Kopf verletzt, ebenso ist ihr linker Vorderlauf unnatürlich abgewinkelt. Sie blutet leicht aus der Nase. Ebenso blutet sie aus einer Wunde an der Schulter. Als ich die Katze berühre, legt die andere Katze mir eine ihrer Pfoten auf meine Hand. Ich schaue sie an. Ganz tief schaut sie mir in die Augen, so ist mein Gefühl. Ich sage zu der Katze: „ Ich werde alles tun um deinen Kumpel zu retten. Vertrau mir, es wird schon wieder.“
Da nahm die Katze ihre Pfote wieder zurück.
In diesem Moment erklang hinter mir eine Stimme: „ Können wir helfen? Was ist los?“ Ich schaute auf und sah einen Mann und eine Frau am Straßenrand stehen. Ich erklärte schnell was ich hier mache und die Frau meinte: „Wie können wir helfen?“ Schnell sagte ich ihr, das auf der anderen Straßenseite mein Rad steht. Auf diesem ist ein Korb befestigt und diesen brauche ich sofort. Der Mann drehte sich um und hob seine rechte Hand in dem er eine Polizeikelle hielt. Es war anscheinend eine Polizeistreife in Zivil die angehalten hatte. Der Verkehr stockte und der Mann konnte die Straße gefahrlos überqueren. Inzwischen kam die Frau zu mir und bückte sich ebenfalls. Ich untersuchte die Katze erst mal weiter. Dann holte ich eine Schmerzstillende Spritze aus meiner Umhängetasche und gab diese der Katze. Die andere Katze kam wieder und legte wieder eine Pfote auf meine Hand. Ich redete mit dieser Katze und wieder sah sie mir in die Augen. Inzwischen hatte ich schon gesehen, das diese Katze ein Kater war. Die verletzte Katze war ein Weibchen. Da kam der Mann mit meinem Korb zurück und stellte diesen auf den Boden neben mir. Ich nahm eine kleine faltbare Trage aus dem Korb und faltete diese Auseinander. Ich legte diese neben die Katze und bat den Mann diese unter die Katze zu schieben wenn ich diese angehoben habe. Das machte er sofort. Danach stand ich auf und hob die Trage mitsamt der Katze hoch. Die Frau griff nach meiner Tragetasche und hob diese auf. Der Mann fragte mich, was denn nun passieren würde und ich antwortete ihm, das ich nun schnell zum Tierheim fahren werde, wo ich die Katze behandeln könnte. Er fragte ob ich mit dem Rad fahren wolle und ich bejahte dieses. Da sagte er, wir nehmen den Wagen. Auch dieser stand auf der anderen Seite, jedoch in einer Einfahrt, so das dieser nicht den fließenden Verkehr behinderte. Der Mann hob wieder die Kelle und so konnten wir die Straße überqueren. Der Kater lief direkt neben meinen Beinen. Der Mann öffnete die hintere Tür des Wagens und sofort sprang der Kater in das Auto. Auch ich stieg ein. Der Kater legte wieder seine Pfote auf meinen Arm und schaute mich an. Ich sagte zu ihm: „Keine Angst! Jetzt schaffen wir das schon!“ Der Kater antwortete mit einem leisen Miauen. Nachdem der Mann auf dem Fahrersitz Platz genommen hatte, befestigte er zunächst ein Blaulicht außen auf dem Wagen, dann startete er den Motor. Die Frau hielt den Verkehr auf und so konnte das Einsatzfahrzeug zurück auf die Straße. Schnell stieg auch die Frau in den Wagen und griff sofort zum Mikrophon des Funkgerätes. Dann sagte sie: „Hier ist Wagen XXXX! Wir befinden uns auf einer Notrettungsfahrt für ein Tier zum Tierheim! An der Unfallstelle auf der Kreisstraße xx bei Kilometer xxx befindet sich ein Fahrrad. Dieses gehört Frau Doktor?“ Sie schaute mich fragend an und ich sagte: „Ohne Doktor. Mein Name ist Gerda XXXXX“ Erstaunt sah sie mich an sagte aber in ihr Mikrophon: „Das Fahrrad gehört Frau Doktor XXXX. Dieses Fahrrad ist von einem anderen Wagen abzuholen und zum Tierheim zu bringen! Ende!“ Kurz vor der Einfahrt zum Tierheim kam uns ein anderer Polizeiwagen entgegen. Als dieser die Einfahrt zum Tierheim erreichte schaltete er sein Blaulicht ein und blieb stehen, so das wir ohne anzuhalten in die Straße, dazu mussten wir den Gegenverkehr kreuzen, die zum Tierheim führt einbiegen konnten. Am Tor zum Tierheim stand schon ein Mitarbeiter der dieses Tor öffnete. Von der Wache war das Tierheim schon angerufen worden. Der Wagen fuhr mit mir zusammen zum Katzenhaus in dem sich der Behandlungsraum befindet. Als ich ausstieg sah ich die Tierheim-Leiterin heran eilen. Sofort rief ich, das der Tierarzt alarmiert werden solle. Die Tierheim-Leiterin drehte sofort wieder um und lief zum Telefon. Während dessen lief ich schon mit dem Korb auf dem Arm durch die Tür des Katzenhauses. Der Kater lief wieder neben mir her. Auch die beiden Zivilbeamten folgten mir und brachten meine Sachen mit. Ich stellte den Korb mit der Katze auf den Behandlungstisch und nahm die Trage auf der sich die Katze befand aus dem Korb. Der Mann nahm den Korb von Behandlungstisch und stellte diesen auf den Schreibtisch. Der Kater sprang ebenfalls auf den Behandlungstisch und setzte sich ganz am Ende dieses hin. Schnell untersuchte ich die Katze. Sie schien massive Kopfverletzungen zu haben. In diesem Moment kam die Tierheim-Leiterin in den Raum und sagte, das der Tierarzt nicht da sei, er sei bei einen Einsatz auf einem Bauernhof.
Ich erschrak, denn nun stand ich zum ersten mal alleine vor solch einem Problem. Doch ich hoffte, das die Ausbildung beim Tierarzt ausreichen würde um diese Katze zu retten. Schließlich habe ich auch die Prüfung vor der Tierarzt-Kommission bestanden. Da ich im Wagen schon gesagt hatte das ich kein Tierarzt bin, bat ich die Tierheim-Leiterin die beiden Zivilbeamten aufzuklären.

Vorsichtig begann ich die Katze im Kopfbereich zu untersuchen. Auch ihren Vorderlauf untersuchte ich. Dieser schien einen Trümmerbruch zu haben. Aber nur eine Röntgenaufnahme kann mir etwas Genaueres sagen. Ich lief in den Nebenraum in dem der alte Röntgenapparat des Tierarzt aufgebaut werden sollte. Der Mechaniker war noch am Arbeiten. Ich fragte ihn, ob man den Apparat schon benutzen könne. Er meinte im Prinzip schon, aber er ist noch nicht richtig am Boden befestigt und auch die Strahlungssicherheit ist erst zu 50% fertig. Das war mir egal. Schnell holte ich die Katze und legte diese auf den Röntgentisch. Wieder folgte der Kater. Zusammen mit dem Mechaniker bereitete ich dann die erste Aufnahme vor. Er schloss noch eine Fernbedienung für das Gerät an, dann verließen wir den Raum und ich machte die Aufnahme vom Kopf des Tieres. Anschließend wurde noch eine Aufnahme aus einem anderen Winkel gemacht, auch das Vorderbein wurde mehrfach geröntgt. Während ich die Aufnahmen entwickelte, trug die Tierheim-Leiterin die Katze wieder in den Behandlungsraum. Wieder ging der Kater mit und er setzte sich wieder auf den Behandlungstisch.
Nachdem die Aufnahmen entwickelt worden waren, betrachtete ich diese genau. Die Katze hatte einen Schädelbruch, der Unterkiefer war gebrochen. Am Vorderlauf war wie ich schon vermutete, der Knochen mehrfach gebrochen sowie das Schulterblatt gebrochen. Sofort machte ich mich an die Arbeit und bereitete die OP vor. Dabei half mir die Tierheim-Leiterin und auch die Zivilbeamtin ging mir zur Hand. Der Kater sprang vom Behandlungstisch und setzte sich auf den Schreibtisch. Ich setzte eine Narkosespritze dann behandelte ich zunächst den Unterkiefer und richtete diesen. Als dieses geschehen war, kümmerte ich mich um den Schädelbruch, jedoch kann man hier nicht viel machen.
Den Vorderlauf mitsamt dem Schulterblatt behandelte ich an einem Stück. Alles wurde wieder in die richtige Position gebracht und genagelt. Anschließend bekam sie einen festen Verband. Die ganze OP dauerte fast drei Stunden.
Als ich fertig war und endlich hochblickte sah ich zunächst in die Augen des Tierarzt. Ich lächelte ihn an, dann wendete ich mich an den Kater und sagte ihm, das er nun wieder zu seiner Freundin könne. Er verstand mich und sprang wieder auf den Behandlungstisch. Vorsichtig legte er sich zu seiner Freundin und fing an zu schnurren. Ich streichelte ihn über den Kopf. Dann wandte ich mich an den Tierarzt um ihm zu erzählen was ich alles getan hatte. Doch der Tierarzt unterbrach mich schon nach den ersten Worten. Er sagte: „Ich bin schon seit fast 1,5 Stunden hier. Ich habe dich angesprochen, doch du warst so konzentriert, das du nicht reagiert hast. Da habe ich dich machen lassen. Nur ab und zu habe ich dir das richtige Werkzeug gegeben, wenn die Tierheim-Leiterin nicht wusste welches gemeint war. Aber du hast alles richtig gemacht. Jetzt können wir nur hoffen, das alles gut wird.“ Danach gratulierte er mir zu meiner ersten OP, bei dem keiner geholfen habe. Auch alle anderen gaben mir ihre Hand und gratulierten. Die beiden Zivilbeamten waren schon kurz nach Beginn der OP wieder gefahren.
Ich setzte mich auf einen Stuhl und legte meinen Arm auf den OP-Tisch. Da kam der Kater und legte mir wieder seine Pfote auf den Arm, dabei schaute er mir wieder in die Augen. Diesmal war es aus Dankbarkeit. Wir hielten wohl 2 Minuten stumme Zwiesprache. Dann ging der Kater wieder zu seiner Freundin. Diese war inzwischen aus der Narkose erwacht. Auch sie schaute mich dankbar an. Eine Mitarbeiterin holte einen großen Katzenkorb und legte die Katze vorsichtig hinein. Dann brachte sie den Korb mit der Katze in einen Nebenraum, wohin der Kater folgte und er sich auch in den Korb legte. Die Mitarbeiterin stellte noch etwas Futter und zu trinken neben den Korb, damit der Kater etwas Essen konnte. Jedoch hatte er dazu momentan keine Lust. Wir verließen das Katzenhaus und gingen zum Büro der Leiterin. Dort redeten wir noch lange zusammen.
Gegen Abend kamen auch die beiden Polizisten wieder um sich nach dem Befinden der beiden Katzen zu erkundigen. Ich ging zusammen mit den beiden zu den Katzen. Der Kater hatte inzwischen etwas gefuttert. Auch der Katze schien es gut zu gehen. Schnell Untersuchte ich diese und war mit ihrem Zustand zufrieden. Die beiden Beamten meinten, das sie den ganzen Tag über an die beiden Katzen gedacht hatten. Auch die Zentrale hatte schon nachgefragt wie es den Katzen ginge. Jetzt wollten sie erst mal Kontakt mit der Zentrale aufnehmen und das gute Gelingen mitteilen. Beide reichten mir die Hand und gingen dann zu ihrem Fahrzeug.

Die Katze erholte sich relativ schnell von ihren Verletzungen. Jedoch musste sie noch mehrere Wochen auf der Krankenstation bleiben. Die ganze Zeit war der Kater in ihrer Nähe. Zwischenzeitlich wurde der Kater durch den Tierarzt Kastriert. Dabei stellte der Tierarzt fest, das der Kater etwa 4 Jahre alt war. Die Katze war im gleichen Alter. Auch sie wurde Kastriert, obwohl der Tierarzt feststellte, das sie noch nie Kitten zur Welt gebracht hatte. Auch kamen die beiden Beamten von Zeit zu Zeit um nach dem Gesundheitszustand der Katze zu fragen. Anschließend gaben sie immer eine Meldung an ihre Zentrale durch und teilten die guten Ergebnisse den dort zuhörenden Beamten mit. Die Katze wurde fast vollständig gesund. Nur war sie leicht am Humpeln, was sie aber wohl nicht störte.
Nach einem halben Jahr, wurden die beiden Katzen vermittelt. Die beiden Beamten nahmen sie mit um den Katzen in der Zentrale ein neues Zuhause zu geben. Dort lebten die Katzen bis zu ihrem Tod und wurden im Garten der Zentrale beerdigt. Von den Beamten der Zentrale wurden immer wieder zwei Katzen aus unserem Tierheim geholt um in ihrer Zentrale ein neues Zuhause zu finden.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #111
Wie immer eine wunderschöne Geschichte ich bin froh das es für die zwei so gut ausgegangen ist.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #112
Ja, dem kann ich mich nur anschließen. Sehr schön!!
 
  • Post aus Bayern Beitrag #113
Ich lese immer fleisig die neuesten Geschichten von Gerda.
Da sie alle toll sind, würde ich mich nur jedes mal wiederholen wenn ich hier antworte.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #114
man kann gar nicht anders als alles zu lesen...vielen Dank dafür!;-)
 
  • Post aus Bayern Beitrag #115
Hallo und einen guten Abend

Ich konnte nicht anders, und hab jetzt alles gelesen, und ich habe echt geheult :oops:

So schöne Geschichten, und ich hoffe, wir bekommen noch weitere zu lesen?

Danke für diese tollen Geschichten und an Gerda und natürlich auch an dich viele liebe Grüße
 
  • Post aus Bayern Beitrag #116
Hallo,
eigentlich wollte ich heute wieder eine Geschichte einstellen.
Aber ich kann es nicht. Ich habe schon drei Anläufe dafür gemacht. Aber es geht nicht.
Grund: Siehe unter Regenbogenbrücke. (Stella)
Lasst mir ein paar Tage Zeit.
Gruß Helmut
 
  • Post aus Bayern Beitrag #117
Helmut, wir lassen dir alle Zeit der Welt.
 
  • Post aus Bayern Beitrag #118
Die Zeit geben wir Dir gern..und Tränchen vergiessen wir auch um Stella mit Dir!..
 
  • Post aus Bayern Beitrag #119
Lieber Helmut,

mach Dir um die Geschichten erstmal keinen Gedanken - deren Zeit wird wiederkommen.
Nimm Dir die Zeit für Dich, die Du brauchst, ich glaube, dafür hat hier jeder Verständnis !

LG
Smee
 
  • Post aus Bayern Beitrag #120
Vielen, vielen Dank das ihr so viel Verständnis mit mir hattet.
Es geht jetzt wieder einigermaßen. Zwar sitzt die Trauer noch sehr tief, aber auch die Geschichten lenken mich ab. Ein Besonderer Dank geht auch an Brigitte äh, Gerda. Sie hat mich angerufen als es mir so schlecht ging. Sie hat mich darin bestärkt für Stella zu schreiben und auch weiter an ihren Geschichten zu schreiben. Sie hatte recht, das schreiben lenkt sehr stark ab. Seit gestern schreibe ich wieder an Gerdas Geschichten, und habe drei gleichzeitig angefangen. Nur durch das Schreiben kann ich in der Zeit alles vergessen.
Aber lassen wir Gerda wieder zu Wort kommen. Nur diesmal ohne Katze.


Bello und Steffie
In einem Tierheim gibt es nicht nur Katzen die einen Hundefreund haben.
Es gibt auch Hunde die hier leben.
Hier nun die Geschichte von Bello. Bello ist sechs Jahre alt und ein Mix aus Collie und Schäferhund, wobei der Kopf nach Collie aussieht und der Rest des Hundes nach Schäferhund.
Bello kam an einem Samstag im Mai zu uns. Er wurde von einer jungen Frau gebracht, die erklärte das die Besitzer des Hundes in ein Altersheim ziehen wo Hunde verboten sind. Auch sie könne den Hund nicht behalten, da sie ganztags am Arbeiten wäre. Also blieb Bello bei uns.
Bello schaute der Frau hinterher als sie ging, doch sie drehte sich nicht um. Ein Mitarbeiter brachte Bello dann in eine Hunde Box, wo schon ein voller Futternapf und ein Topf mit Wasser stand. Sofort machte sich Bello über das Futter her und fraß den Napf leer. Dann legte er sich in seinen Hundekorb und wartete darauf dass er wieder abgeholt wird.

Gegen Abend wurde Bello immer unruhiger weil er nicht abgeholt wurde. Doch sein Frauchen kam nicht. Die ganze Nacht über wartete Bello. Erst gegen Morgen legte er sich wieder in seinen Korb. Leise fing er an zu jaulen. Den ganzen Tag über war Bello am Weinen. Doch keiner kam.
So ging es über mehrere Wochen. Immer saß oder lag Bello in seiner Box und wartete auf sein Frauchen. Abends legte er sich wieder in seinen Korb und war am Weinen. Auch bei Besuchstagen änderte sich sein Verhalten nicht. Er kümmerte sich einfach nicht um die Besucher die ihn streicheln wollten oder ihn riefen. Vor ausgestreckten Händen wich er zurück. Er ließ sich nicht anfassen.
Als die Sommerferien begannen kam ein 15 jähriges Mädchen mir Namen Steffie zu mir und fragte ob sie nicht mit Hunden spazieren gehen dürfe. Sie erzählte dass ihre Eltern beide Berufstätig seien und daher eine Hundehaltung nicht in Frage käme. Die Mutter hatte sie auf die Idee gebracht hier mal zu fragen. Natürlich durfte sie! Zusammen gingen wir zu den Hundeboxen, damit sie sich einen Hund aussuchen konnte. Bei Bello blieb sie stehen und fragte mich, warum der Hund weine. Ich erzählte ihr Bellos Geschichte. Sie meinte dann, dass sie gerne Bello ausführen wolle. Also nahm ich eine Hundeleine und gab sie Steffie. Dann meinte ich dass sie es mal versuchen solle. Steffie ging in die Box und redete mit Bello. Dieser hob seinen Kopf und freute sich Steffie zu sehen. Steffie befestigte die Leine an Bellos Halsband und zusammen gingen sie aus der Box. Bello war wie ausgewechselt. Er freute sich riesig darüber das Steffie mit ihm ging. Zusammen waren sie am herum toben. Als Steffie mit Bello zurückkam ging Bello anstandslos wieder in seine Box und legte sich wieder in seinen Korb.
Steffie verabschiedete sich und ging. Nicht ohne zu versprechen morgen wiederzukommen. Als sie weg war fing Bello wieder an zu weinen. So ging es drei Wochen lang. Steffie kam und holte Bello der sich jedes Mal riesig freute. Wenn sie ihn nach ein paar Stunden zurückbrachte ging Bello zu seinem Korb und fing an zu weinen. Bello tat mir unendlich leid.

Dann kam Steffie eines Tages nicht mehr. Sie blieb einfach weg, obwohl sie am Tag vorher noch gesagt hatte, dass sie heute wieder kommen würde. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass Steffie auf dem Weg nach Hause von einem Betrunkenen Autofahrer angefahren worden war. Sie lag nun im Krankenhaus.
Am Abend besuchte ich dann Steffie im KH. Dort traf ich auch ihre Mutter. Sie erzählte mir dann genau was passiert war. Anschließend besuchte ich Steffie. Wir redeten lange zusammen. In den nächsten Wochen war ich täglich bei Steffie. Ich erfuhr auch dass Steffie nie wieder laufen würde. Sie war Querschnitt Gelähmt. Nach ein paar Wochen kam Steffie in eine Reha-Klinik, so dass ich sie nicht mehr besuchen konnte.
Bello wartete in der Zeit täglich auf seine Freundin, doch Steffie kam nicht. Bello war nur noch am Weinen. Das schlimmste war, das keiner mehr Bello bei den Besuchstagen haben wollte. Denn einen Hund der nur weint wollte keiner.
Nach einem halben Jahr rief mich die Mutter von Steffie an und fragte ob sie mit Steffie ins Tierheim kommen dürfe. Steffie wollte zu Bello falls er noch da sei. Natürlich durfte Steffie kommen und wir verabredeten das sie am Sonntag kommen könne. An dem Tag hatte ich zwar keinen Dienst, aber in so einem Fall verzichtete ich gerne auf meine Freizeit.

Am Sonntag kam Steffie dann zusammen mit ihren Eltern. Steffie saß in einem Rollstuhl und freute sich darüber, dass sie wieder im Tierheim war. Ich schob ihren Rollstuhl in Richtung Hundegehege.
Als wir dort ankamen lag Bello, weinend, so in seinem Korb, das er uns nicht sehen konnte. Ich öffnete die Box und ich schob Steffie in die Box. Ich legte meinen Finger an die Lippen als Steffie nach Bello rufen wollte. Sofort kapierte sie was ich vorhatte. Ich rief nach Bello: „Hey Bello, schau mal! Es ist Besuch für dich da!“ Doch Bello rührte sich nicht. Nochmals rief ich Bello, doch der weinte nur weiter ohne sich zu rühren.
Daraufhin rief Steffie leise nach Bello. Sofort hob er seinen Kopf und schaute in unsere Richtung. Als er Steffie erkannte, sprang er sofort auf und kam freudig bellend auf uns zu. Kurz vor dem Rollstuhl blieb er stehen und schnupperte an diesem. Danach hob er seinen Kopf und schaute Steffie an. Wieder fing er leise an zu jaulen, aber Steffie redete mit Bello, so dass sich Bello wieder beruhigte.
Langsam ging ich auf die Eltern zu, die sich leise unterhielten. Als ich bei ihnen war, sagte mir die Mutter: „Da Steffie nun zu Hause ist, hab ich meinen Job aufgegeben. Können wir nun Bello haben. Steffie hat heute Geburtstag da möchten wir ihr Bello schenken.“ Ich war begeistert von dieser Idee und fragte den Vater ob er nicht mit Steffie und Bello ein bisschen Spazieren gehen wolle. Dieser verstand und zusammen gingen die drei fort. Dann besprach ich mit der Mutter das weitere Vorgehen. Wir verabredeten das ich am Nachmittag um 3.00 Uhr Bello zu ihnen bringen würde. Kurz darauf kamen Steffie, ihr Vater und Bello zurück. Steffie verabschiedete sich von Bello und versprach dass sie sich bald wiedersehen werden. Daraufhin gingen sie. Ich kümmerte mich um Bello, der wieder anfangen wollte zu weinen. Ich erzählte ihm, das er noch heute zu seiner Freundin käme. Anscheinend verstand er mich, denn er weinte nicht sondern wedelte freudig mit seinem Schweif.

Um kurz vor drei fuhr ich mit Bello zu dem Haus in dem Steffie wohnte. Vor dem Haus erwartete mich schon der Vater von Steffie. Er sagte das Steffie mit ein paar Freunden auf der anderen Seite des Hauses am Feiern sei und Steffie uns nicht sehen könne. Dann betraten wir das Haus. Vor dem Raum in dem Steffie am Feiern war blieben wir stehen. Langsam öffnete er die Tür und schaute in den Raum. Dann legte er seine Finger an die Lippen und nickte mir zu. Ich löste die Leine von Bellos Halsband und dieser ging langsam in den Raum. Langsam ging er auf Steffie zu die ihn nicht sehen konnte, da sie mit dem Rücken zu ihm im Rollstuhl saß. Als Bello hinter dem Rollstuhl angekommen war, setzte er sich hin und fing an zu jaulen. Es war aber freudiges jaulen. Steffies Kopf ruckte herum und sie sah Bello.
Sie rief: „ Bello!“ Sofort sprang Bello auf und fing an freudig zu Bellen. Er wurde von allen gestreichelt, doch immer wieder ging er zu Steffie und legte ihr eine Pfote auf den Schoß. Ich blieb noch ein paar Stunden in dem Haus und feierte mit. Steffie und Bello waren glücklich. Wie ich am nächsten Tag erfuhr, die Mutter rief an, schlief Bello in der Nacht im Bett von Steffie. Die beiden waren unzertrennlich.
 
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