Teil 2
Am nächsten Tag waren wir um 14.00 Uhr im Tierheim. Wir wurden sofort zum Leiter des Tierheim gebracht. Ich hoffte das er deutsch kann, denn schließlich waren wir in Belgien. Zum Glück sprach er perfekt Deutsch. Er begrüßte uns herzlich und wir setzten uns an den Schreibtisch. Dann fragte er meinen Mann um was es denn geht. Mein Mann sagte: „Meine Frau ist Angestellte eines Tierheim in Deutschland und hat mal ein paar Fragen zu Tieren die anscheinend niemandem gehören und frei am Strand herum laufen.“
Der Tierheim-Leiter schaute mich interessiert an und fragte mich dann worum es genau geht. Ich erzählte ihm daraufhin von dem Schäferhund und den vier Katzen vom Strand. Ich wollte wissen warum sich niemand um die Tiere kümmert. Er sagte dann, das ihm die Tiere wohl bekannt sind, aber nicht genügend finanzielle Mittel da wären um zu helfen. Ich wollte wissen was das heißt und er sagte, das kaum Spendengelder zusammen kämen. Teilweise würden sie das Futter für die Tiere hier im Heim selber kaufen und aus eigener Tasche bezahlen, auch der Tierschutzverein könne nicht viel machen. Auch der lebe nur von Spendengeldern. Danach wollte ich erst das Tierheim besichtigen. Ich hatte schon eine Idee wie ich helfen konnte. Die Besichtigung war nicht sehr prickelnd. Die Hunde lebten in kleinen Boxen die nur halb so groß waren wie die in unserem Tierheim. Die Katzen waren alle in einem Raum eingesperrt und hatten keinerlei Möglichkeit nach draußen zu gehen. Außerdem stank es fürchterlich in dem Raum. Keines der Tiere freute sich darüber das Mal jemand zu Besuch kam.
Zurück im Büro fragte ich, ob es möglich wäre den Leiter des Tierschutzes zu diesem Gespräch dazu zu holen. Der Leiter meinte, das ist kein Problem, da es seine Frau wär und die auch hier im Tierheim arbeitet. Kurze Zeit später war die Frau da. Wir begrüßten uns und dann unterbreitete ich meine Vorschläge. Doch zunächst fragte ich ob sie in Supermärkten Spendenboxen stehen haben, was beide verneinten. Dann fragte ich ob Tierpatenschaften bestehen würden, welches sie auch verneinten.
Ich sagte ihnen wie man eine Spendenbox für Futterspenden herstellt. Daraufhin meinte der Leiter, das er eben jemand holen wolle, der diese Boxen herstellen könnte. Schnell verließ er den Raum, kam jedoch nach kurzer Zeit mit einem älteren Mann zurück. Ich schätze diesen Mann auf 75-80 Jahre. Er stellte mir den Mann vor und ich erklärte nochmals wie man eine Spendenbox herstellt. Der Mann war sofort Feuer und Flamme für diese Spendenboxen. Er hatte nur eine Frage dazu und die lautete ob diese Boxen aus Metall oder auch aus Holz bestehen könnten. Ich sagte ihm das beides möglich wäre. Er verabschiedete sich und sagte im hinaus gehen das er sofort eine bauen wolle und er auch schon wüsste, wo man diese aufbauen könne. Dann verließ er den Raum. Der Tierheim-Leiter meinte, so sind alle hier. Wenn eine gute Idee da ist, wird sofort alles Mögliche getan. Dann erklärte ich wie das mit den Patenschaften läuft. Davon hatten beide noch nichts gehört. Hierfür entwarfen wir ein Plakat, das sie auch möglichst schnell aufhängen wollten. Auch regte ich einen Tag der offenen Tür an. Auch von dieser Idee waren sie begeistert. Sie fragten nach Einzelheiten, die ich gerne erklärte. Auch bot ich an, das ich Infomaterial von unserem Tierheim besorgen würde. Wir redeten noch lange zusammen, auch mein Mann hatte noch ein paar gute Ideen. Auch die Frage nach einem Tierarzt wurde von mir angesprochen und ich erfuhr das der Tierheim-Leiter der Tierarzt ist. Danach trennten wir uns und mein Mann und ich fuhren noch zum Strand um zu sehen, ob der Schäferhund und die Katzen noch da waren. Jan kam uns entgegen und sagte uns, das es nur noch drei Katzen wären die zum Futtern gekommen sind.
Ich erschrak und lief schnell zu der Stelle wo die Tiere waren. Kurz bevor ich den Ort erreichte ging ich langsam. Ich sah den Schäferhund und die drei Katzen die am Futtern waren. Als der Hund mich sah fing er an mit seinem Schweif zu wedeln. Langsam ging ich auf den Hund zu und wieder streckte ich meine Hand aus. Der Hund schnüffelte an der Hand, dann futterte er weiter. Ich legte meine Hand auf seinen Rücken. Ein starkes Zittern lief durch den Hundekörper doch er ließ es geschehen. Der Hund musste sehr viel Angst vor Menschen haben, nur zu mir schien er Vertrauen gefasst zu haben. Ich drehte mich nach den Katzen um, doch diese wichen vor mir zurück. Also wandte ich mich wieder dem Hund zu und fing mit ihm an zu reden. Ich fragte ihn wo denn sein vierter Katzenfreund ist. Doch er sah mich nur mit schief geneigtem Kopf an. Er hatte mich nicht verstanden. Hilfesuchend sah ich meinen Mann an und erst da bemerkte ich, das Jan noch da war. Er übersetzte meine Worte. Sofort stand der Hund auf und lief in eine bestimmte Richtung. Dort blieb er stehen und bellte. Ich ging sofort hinter dem Hund her und auch mein Mann folgte mir. Jan sagte er müsse zurück und verabschiedete sich von uns. Ich sah, das uns auch die drei Katzen folgten. Immer lief der Hund ein paar Meter vor uns her, blieb dann stehen und bellte. Als er merkte das wir folgten lief er schneller, blieb jedoch immer wieder stehen und schaute nach uns. Wir waren vielleicht zwei hundert Meter gelaufen als er wieder stehen blieb und wieder anfing zu Bellen. Jedoch hörte sich dieses Bellen anderes an wie das vorherige.
Schnell lief ich zu ihm. Ich sah sofort die Katze. Sie lag unter einem Busch. Sie war von einem Auto angefahren worden. Sofort kümmerte ich mich um das arme Tier und Untersuchte es schnell. Noch lebte die Katze, aber es stand nicht sehr gut um sie. Das ihre beiden Hinterläufe gebrochen waren konnte ich sofort sehen. Auch blutete sie aus einer offenen Wunde. Der Unfall schien noch nicht lange zurück zu liegen. Schnell stoppte ich die Blutung, indem ich einfach mein Halstuch um diese Wunde band. Der Hund und die anderen drei Katzen beobachteten genau was ich machte. Ich bat meinen Mann nach einem Brett oder ähnlichem zu suchen. Nach etwa fünf Minuten kam er zurück und brachte ein altes Hinweisschild mit, welches er gefunden hatte. (Später erzählte er mir, das er das Schild von einem Baum abgerissen hatte) Vorsichtig legte ich die Katze auf das Schild und mein Mann hob dieses hoch, Dann gingen wir gefolgt von Hund und Katzen zu dem Restaurant um von dort im Tierheim anzurufen damit der Tierarzt kommt. Jan stand schon vor dem Restaurant und wartete auf uns. Er sagte er habe schon versucht im Tierheim anzurufen. Jedoch geht dort keiner mehr ans Telefon. Ich schaute auf meine Uhr. Es war gerade 19.00 Uhr und da war schon niemand mehr im Tierheim zu erreichen! Auch der Tierarzt war nicht zu erreichen! Ich fragte nach einer Tierklinik. Die gäbe es in der Nähe, jedoch werden dort nur große Tiere behandelt. Ich fragte wo die ist, weil ich dahin wollte. Jan erklärte mir den Weg, jedoch meinte er auf einmal das er mit fährt, falls es Sprachschwierigkeiten geben sollte. Mein Mann lief schnell zum Hotel das etwa einen Kilometer entfernt ist um unseren Wagen zu holen. In der ganzen Zeit stand der Hund und die 3 Katzen in der Nähe und sahen uns an. Nun kam der Hund näher und schnupperte an der verletzten Katze. Dann schaute er mich an. Ich streckte meine Hand aus und streichelte ihn. Dabei sagte ich zu ihm: „ Keine Sorge mein kleiner! Ich kriege es schon hin, das dein Kumpel wieder gesund wird.“ Der Hund schien mich verstanden zu haben, denn er wedelte mit seinem Schweif. Dann leckte er an meiner Hand. Auch die Katzen kamen näher. Auch diese schnupperten an meiner ausgestreckten Hand, jedoch ließen sie sich nicht anfassen. Da kam auch schon mein Mann mit unserem Auto angefahren. Er stieg aus und öffnete die Beifahrertür und ich stieg ein. Dann gab er mir die Katze, die noch immer auf dem Schild lag. Der Hund und die drei Katzen kamen näher. Da öffnete mein Mann die Heckklappe. Sofort sprangen der Hund und auch die Katzen in den Wagen. Jan stieg hinten ein und schon ging die Fahrt los. Während der Fahrt hatte Jan versucht den Hund zu streicheln, doch der fing sofort an zu knurren. Woraufhin Jan seine Hand zurück zog und auch nicht wieder versuchte den Hund zu streicheln. Nach etwa einer halben Stunde Fahrt kamen wir bei der TK an. Jan öffnete meine Tür und nahm mir die Katze ab. Ich stieg aus und sah, das gerade von innen in der TK jemand die Tür zuschließen wollte. Schnell lief ich zu der Tür und klopfte gegen diese. Der Mann öffnete die Tür wieder und ich stürmte, gefolgt von Jan mit der Katze und meinem Mann in das Gebäude. Auch Hund und die drei Katzen kamen mit herein. Der Mann Protestierte und fragte was wir wollen, woraufhin Jan ihm die Katze zeigte und ihm sagte, das diese von einem Auto angefahren worden war, wobei sie Verletzungen davongetragen hatte, die behandelt werden müssten. Der Mann aus der TK sagte, das sie hier keine Katzen behandeln, aber sie könnten die Katze von ihren Schmerzen erlösen. Da ich beim Betreten der TK auf Deutsch einen guten Abend gewünscht hatte, wurde die Unterhaltung auf Deutsch geführt. Doch nun glaubte ich mich verhört zu haben. Die Katze ohne Untersuchung einschläfern? Das ging gar nicht. Ich fing an laut zu werden, woraufhin mich der Mann fragte, wer ich eigentlich bin. Ich sagte meinen Namen und er schaute mich entgeistert an. Dann fragte er: „Die Leiterin des Tierheim in??????? “ Ich bestätigte dieses. Woraufhin der Mann anfing mehrere Namen zu rufen. Aus einem Raum kamen zwei Frauen und zwei Männer heraus. Der Mann gab ein paar Kommandos, wovon ich nur das Wort „Notfall“ verstand. Eine der Frauen öffnete eine Tür und sagte auf Deutsch: „Hier herein!“ Es war der Röntgenraum den ich betrat. Dort stand ein Röntgengerät das für große Tiere (Pferde, Rinder) gedacht war. Aber auch damit kann man Aufnahmen von Katzen machen. Jan legte die Katze auf den Tisch und verließ den Raum. Zusammen mit der einen Frau bereitete ich die Aufnahmen vor, die dann auch gemacht wurden. Insgesamt machten wir 8 Aufnahmen von der Katze. Die Frau entwickelte die Aufnahmen und ich ging in den anderen Raum, während die zweite Frau die Katze holte. Während der ganzen Zeit liefen der Hund und die anderen 3 Katzen immer hinter uns her. Sie beobachteten alles ganz genau. Einer der Männer wollte die Tiere aus dem Raum entfernen, doch ich sagte zu ihm, das die Tiere zusammen gehörten und nicht raus sollten. Er sah seinen Chef an und dieser nickte.
Langsam fing ich mich an zu wundern. Denn seit ich meinen Namen gesagt hatte, kam es mir so vor als wenn ich hier das sagen hätte.
Die eine Frau brachte die Aufnahmen und ich betrachtete diese genau. Auch der Mann der die Tür schließen (Dieses ist der Chef der Klinik) wollte, sah sich die Aufnahmen an. Ich hatte Recht, beide Hinterläufe waren gebrochen, zusätzlich drei Rippen, wobei eine Rippe durch die Haut nach draußen getreten war. Womit auch die Blutung zu erklären war. Da meinte der Chef zu mir: „Nun wird es kompliziert! Wir haben zwar alle möglichen Geräte, Schienen und Verbände. Auch Medikamente. Aber alles ist für große Tiere ausgelegt und nicht für Katzen!“ Ich sah ihn an. Dann sagte ich zu meinem Mann: „Herbert, holst du bitte die Tasche aus dem Wagen?“ Wie immer wenn ich unterwegs bin, habe ich auch jetzt im Urlaub meine Notfalltasche für Tiere dabei und die sollte mein Mann nun holen. Auch hatte ich mir seinerzeit, als ich die Prüfung vor der Tierarzt-Kommission gemacht habe, mir einen Ausweis ausstellen lassen, der mir die Mitnahme von Medikamenten innerhalb Europas erlaubte. Schnell ging mein Mann hinaus und kam nach kurzer Zeit mit meiner Tasche wieder. Zunächst holte ich eine Narkosespritze heraus und gab diese der Katze. Der Chef meinte noch, das er nicht viel Ahnung von Katzen habe, er mir aber helfen werde. Dann begannen wir zusammen mit der OP. Zunächst wurden die Rippen gerichtet, dann kamen die Hinterläufe dran. Um die Brüche zu schienen, wurden aus kleinen Spritzen die Schienen gebastelt. Das klappte hervorragend. Auch die zusammen Arbeit mit dem TK-Team klappte vorzüglich. Nach 1,5 Stunden waren wir mit der OP fertig. Während dieser Zeit waren alle anderen Personen, die nicht zur TK-Team und zu mir gehörten, aus dem Raum gegangen. Auch Hund und die drei Katzen waren draußen.
Als wir mit der OP fertig waren, verließ ich als erster den Raum. In der Tür blieb ich erstaunt stehen.
Hund und die Katzen hatten sich zu Jan gesetzt bzw. gelegt und ließen sich von diesem streicheln.
Als der Hund mich sah. Sprang er sofort auf und kam auf uns zu. Auch die Katzen folgten. Einer der Männer hatte die operierte Katze in einem stabilen Korb auf seinem Arm. Er stellte den Korb auf die Erde und der Hund schnupperte an der Katze. Danach ging er zu jedem hin und bedankte sich auf seine Art. Auch die Katzen bedankten sich. Endlich fragte ich den Chef warum auf einmal alles möglich war, nachdem ich meinen Namen gesagt hatte. Der Chef erklärte: „Ich kenne ihren Namen. Ich habe schon so viel von Ihnen gehört. Auch alle Mitarbeiter hier in der TK kennen ihren Namen. Es ist uns schon so viel zu Ohren gekommen das wir immer gehofft haben Sie mal kennen zu lernen. Morgen wäre ich zu ihrem Hotel gefahren um Sie zu Treffen. Aber das hat sich ja nun erledigt.“
Ich war erstaunt und wollte wissen woher er meinen Namen kennt. Er sagte, das unser Tierarzt und er Studienkollegen seien und unser Tierarzt schon öfters hier war. Immer hat er dann von der besten Tierärztin geschwärmt die er kennen würde, obwohl diese TÄ keine Ausbildung zur TÄ hätte und natürlich keinen Doktortitel. Wir redeten wohl noch eine Stunde zusammen. Dann wurde die Katze in einen Nebenraum gebracht, wo sie die Nacht über bleiben sollte. Auch Hund und Katzen durften in dem Raum bleiben. Einer der Mitarbeiter holte von sich zu Hause Futter für die vier Tiere und gab es denen.
Am nächsten Morgen holten wir Jan ab um zur TK zu fahren. Unterwegs sah ich mehrere Aushänge von dem Tierheim. Jan erklärte, das auf den Aushängen ein Tag des offenen Tierheim geworben wurde. Alle wurden Eingeladen das Tierheim zu besichtigen.
Als wir in der TK ankamen, lief uns der Hund schon entgegen. Auch die drei Katzen folgten. Wir betraten die Tk und ich schaute nach der Katze. Ihr ging es sehr gut. Der Chef sagte, das die Katze bis zur ihrer vollständigen Genesung in der TK bleiben könnte. Auch die vier anderen könnten da bleiben. Ich sagte das aber jemand nach unserer Abreise, schließlich geht jeder Urlaub mal zu ende, sich um die Katze kümmern müsse. Da erfuhr ich, das der uns bekannte Leiter des Tierheim, der ja auch Tierarzt ist, dieses machen werde. Jan meinte dann, das wenn die Katze wieder gesund ist, er alle 5 zu sich nehmen werde. In seiner Wohnung, die über dem Restaurant ist, wäre genug Platz und sie könnten trotzdem immer raus. Als der Hund das hörte, er hatte die ganze Zeit unserem Gespräch mit geneigtem Kopf zugehört, bellte er freudig und auch die Katzen schienen sich zu freuen.
Etwa 2 Monate nach unserem Urlaub erhielt ich einen Brief aus der TK. Darin stand, das im Tierheim eine Außenstelle der TK eingerichtet worden ist. Auch hatten sie in der TK einen Bereich für kleinere Tiere eingerichtet. Dafür wurde extra ein Kleintier Tierarzt eingestellt. Auch habe der Tag der offenen Tür eine große Resonanz gehabt, so das das Tierheim nun keine Geldsorgen mehr habe. Inzwischen hätten sich 750 Tierpatenschaften ergeben.
Ende